1883 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Surcau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. darauf an, ob der königliche Commiffar für Kroatien, General Frhr. v. Ram- berg, seine schwierige Stellung mit Takt und Geschick auszusüllen verstehen und die aufgeregten Gemüther wieder besänftigen wird. Die Entscheidung in dem französischen Streitfall wegen Anam ist jetzt anscheinend auf die Spitze des Schwerts gelegt worden. Die chinesischen Kriegsvorbereitungen werden immer offener betrieben, während sich die Franzosen anschicken, Canton und andere chinesische Küstenstädte zu blokiren, die diplomatischen Beziehungen Frankreichs zu China sind dabei fortgesetzt die denkbar verworrensten. Für den Beginn des Feldzuges gegen China wird indessen die neue Schlappe, welche die Franzosen bei Hanoi erlitten haben, gerade kein günstiges Omen, und als eine solche ist es entschieden zu betrachten, wenn mehrere französische Kanonenboote auf dem Rothen Flusse von den Batterün der „Schwarzen Flaggen" gezwungen wurden, sich zurückzuziehen, wobei die Franzosen einen Verlust von 12 Todten zu verzeichnen hatten. Dieser abermalige „Echec", den die französischen Waffen in Anam erlitten haben, dürste nur dazu beitragen, die „Schwarzen Flaggen" mit neuem Muth zu beseelen und die Stellung Frankreichs China gegenüber noch schwieriger zu machen. — In Le Puy hat am Donnerstag die Einweihung des Lafayette-Denkmals ftattge- funden. Der Minister des Innern, Waldeck-Rousseau, hielt hierbei eine Rede, in welcher er auch die eventuelle Ausw.isung der Prinzen von Orleans andeu- teie und wird diese Kundgebung des Ministers sehr bemerkt. Die Reise des Königs vonSpanien nach Oesterreich und Deutschland wird für die nächsten Wochen den Conjectural - Politikern recht ergiebigen Stoff zu ihren Betrachtungen liefern. Dieselbe ist aber auch ohne Zweifel ein politisches Ereigniß, gerade wie s. Z. die Reise des rumänischen Herrschers nach Berlin und Wien, wenn sich auch die Folgen desselben nicht so unmittelbar zeigen werden. Von Paris aus, wo König Alfonso am Donnerstag eintraf und wo er den Besuch des Grafen von Paris empfing, begab er sich nach München, woselbst die Ankunft am Freitag Abend erfolgte. Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern und dessen Gemahlin, Prinzessin Maria della Paz, empfingen ihren königlichen Verwandten am Bahnhof und geleiteten ihn nach Schloß Nymphenburg,wo er Nachtquartier nahm. Am Sonnabend Abend setzte dann König Alfonso die Reise nach Wien fort. Der Besuch, den der rumänifche Ministerpräsident Bratiano dem Fürsten Bismarck in Gastein abstattete, hat sich ungewöhnlich lang ausgedehnt und ist dieser Umstand ein erneuter Beweis für die Wichtigkeit der Sendung Bratiano's. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß die Entrevue zwischen beiden Staatsmännern den Anschluß Rumäniens an das mitteleuropäische Bündniß vorbereitet hat und diese Auffassung gewinnt noch dadurch an Werth, daß Herr Bratiano entweder auf seiner Rückreise von Gastein nach Aix-les- Bains oder wenn er sich von dem letztgenannten Rade wieder nach Bukarest zurückbegiebt, Wien wiederum berühren wird, um die Conferenzen mit Graf Kalnoky fortzusetzen. In ähnlichem Sinne spricht sich auch die Wiener „Neue Fr. Presse" aus, welche hinzufügt, daß die Lösung der Donausrage vorläufig in suspenso bleiben werde. Die Abnahme der Cholera in Egypten hat überall ein Nachlassen der Quarantäne-Maßregeln zur Folge gehabt. Jetzt hat auch die griechische Regierung eine Milderung in den von ihr gegen die Choleragefahr ergriffenen Maßregeln eintreten lassen, indem sie die bisherige Quarantäne für die Provenienzen aus Malta, Cypern, Tripolis und den syrischen Gebieten von Alexandretta bis zur egyptischen Grenze auf eine fünftägige Beobachtungs- Quarantäne herabgesetzt hat. Die furchtbaren Elementa r-Ereigni sse in der Sunda-Straße haben derartig verheerend gewirkt, daß sich der Schaden und die Zahl der umgekommenen Menschen kaum annähernd schätzen läßt. Allein in Bantam, Batavia und Lampong sind ca. 30,000 Eingeborene getödtet worden, während die Zahl der umgekommenen Europäer noch nicht bekannt ist. Wmafiast, , vidier PO Vorschäler M; ysv lädcl® Deutschland. Darmstadt, 10. September. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth haben sich aus Anlaß des fünfzigjährigen Militärdienst-Jubiläums Sr. Großh. Politische Ueberstcht, Gießen, 11. September. Der Kaiser wird sich nächsten Donnerstag nach Merseburg begeben, um den m der Umgegend stattsindenden Manövern des 4. Armee-Corps beizuwohnen; em außergewöhnlich zahlreiches und glänzendes militärisches Gefolge wird den Kaiser begleiten. An die Truppen-Uebungen in der Provinz Sachsen schließen sich bekanntlich die Kaisermanöver bei Homburg v. d. H., als deren festlicher Hintergrund die Enthüllung und Einweihung des National-Denkmals au dem Niederwald erscheint. Die verflossene außerordentliche Reichstags-Session hat sich, entgegen vielfachen Annahmen, auch nicht im Mindesten mit irgend einer Frage der hohen Politik beschäftigt, obwohl gerade zu jener Zeit die bekannten „dunkeln Punkte^ am politischen Horizonte auftauchten. Die Besorgniß, daß uns die parlamentarische Sommer-Campagne verschiedene unliebsame Ueber- raschungen, namentlich auch auf dem Gebiete der militärischen Anforderungen, bringen könnte, hat sich nicht bewahrheitet und ist in der That der deutschspanische Handelsvertrag die einzige größere Vorlage gewesen, mit welcher sich die Reichsboten zu befassen hatten. Auch aus eigener Initiative die auswärtige Politik zu berühren, hat sich der Reichstag versagt und allerdings hätte auch eme Abschweifung auf dieses Gebiet, zumal da der leitende Staatsmann abwesend war, schwerlich irgendwelchen Zweck und Nutzen gehabt. Es ist dies em Beweis des unbedingten Vertrauens, den die deutsche Volksvertretung, trotz aller Gegensätze in den Fragen der inneren Politik, auf die auswärtige Politik des Reichskanzlers setzt und wer möchte daran zweifeln, daß dieses Vertrauen M vollsten Maße gerechtfertigt ist! Hat doch erst vor Kurzem der Reichskanzler mit dem Leiter der auswärtigen Politik Oesterreich-Ungarns eine Zusammenkunft gehabt, von welcher man mit Zuversicht behaupten darf, daß ihr hervorragendster Zweck eine Erneuerung und Befestigung des deutsch-österreichischen Bündnisses gewesen ist und ebenso bedeutet die in Gastein stattgefundene Conserenz des Fürsten Bismarck mit dem leitenden Staatsmanne Rumäniens einen entschiedenen Erfolg der deutschen auswärtigen Politik, so daß wir auch ferneren der auswärtigen Politik des Reichskanzlers das vollste Vertrauen entaeaen- tnngen können. In nächster Zeit werden die Landtage verschiedener Bundesstaaten ihre Thätigkeit wieder aufnehmen. Auf den 28. September ist der bayerische Landtag einberufen worden und in der ersten Hälfte des October werden jedenfalls auch die Landtage von Sachsen und Württemberg zusammentreten. Bekanntlich haben in beiden Ländern vorher Neu- resp. Ersatzwahlen )um Landtage stattzufinden und sieht man namentlich den Wahlen in Baden mit Interesse entgegen. Hier hat die nationalliberale Partei jedenfalls einen harten "ampf mit den Ultramontanen, Conservativen und Demokraten durchzukämpfen, wn dessen Ausgang es abhängt, ob die genannte Partei ihre einflußreiche Stellung in der Abgeordnetenkammer behaupten wird. Von den Gegnern der -'cationalliberalen in Baden kommen ernstlich nur die Ultramontanen in Betracht Md diese machen auch alle Anstrengungen, um den Sieg zu erringen. Eine llltramontane Majorität in der Abgeordnetenkammer würde aber aller Voraus- nach auch auf die bisher entschieden freisinnicen Tendenzen der badischen Legierung ihren Einfluß ausüben, was im Interesse der freisinnigen Entwickeln^ Badens nur zu beklagen wäre; glücklicherweise sind die Aussichten für vie baUsche Centrumspartei noch nicht derartige, um demnächst in der Karlsruher Abgeordnetenkammer dominiren zu können. _ Die Reichstagswahl im Wahlkreise Torgau-Liebenwerda hat den des liberalen Candidaten Dr. Horwitz ergeben. . Die kroatische Wappenfrage hat nun ihre vorläufige Lösung tts«ahren. Unter Assistenz einer Jägerabtheilung und klingendem Sviel sind in Mam am Freitag Mittag die heruntergerissenen Wappenschilder wieder aufge- Wtet worden, diesmal allerdings mit ungarischer und kroatischer Aufschrift. Es lst Letzteres eine kleine Satisfaktion, welche die ungarische Regierung den Kroaten gewährt, von welcher sich aber die ungarischen Staatsmänner selber H'iverlich einen großen Erfolg versprechen werden. Die Erbitterung, welche das "Mgyarische Miß-Regime in Kroatien gegen Alles, was ungarisch heißt, hervor- germfen hat, ist eine hochgradige und wird sich nicht durch die Anbringung Wpelsprachiger Wappenschilder dämpfen lassen; vor Allem kommt es jetzt BockimW m M HuiM, MnmarechislW. iu§ tüchtige, mit guln e Haushälterin M • zu eiWM M. Zutzi, Stächt <■ Bekanntmachung. Stuf dem Fürstlichen Gutshofe zu Kolnhausen sind zwei Ochsen an der Maul- und Klauenseuche erkrankt. Gießen, den 10. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________ Dr. Boekmann. M L, , ffftf MV. «■/ ine ältere krankt^' fät w&Sii xe^bciderM^- /'tetetlreml Bekanntmachung. MfXÄ u°m Monak August verMMcht?^ ** Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende .. r- c A(x ~ 14.50, Heu tX 5.75, Stroh «X 5.25 per 100 Kilogramm. ®ie6en' den 10. September 1883. Großherzogliches Kreisamt Gießen. .----— Dr. Boekmann. v" vtul nun in' ““««tat auV°Ntet übt «'Ä A «tin w nkfuckrAchD, 211. Mittwoch den 12. September 1883. Gießener Anzeiger Hoheit des Prinzen Alexander mit dem um 12 Uhr 35 Mm. hier abgehenden Zuge über Bickenbach nach Schloß Heiligenberg begeben. Sicherem Vernehmen nach haben Se. Maj. der Kaiser am heutigen Tage Se. Großh. Hoheit den Prinzen Alexander zum Chef des Schleswig-Holsternischen Dragoner-Regiments Nr. 13 ernannt. Ihre Königs. Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Albany werden mit Gefolge heute Abend zum längeren Besuche auf Jagdschloß Wolfsgarten eintreffen. , r. Berlin, 9. September. Die „Nordd. Allg. Ztg." polemtftrt gegen die falschen Schlußfolgerungen, welche die „Times" an den Artikel der „Nordd. AUg. Ztg." gegen die Hetzereien französischer Journale geknüpft hat und gegen den Rath, dle Franzosen möchten alle Colonmlbestrebungen aufgeben und sich tm Innern sammeln, d. h. die Kräfte gegen Deutschland sammeln, um sich an diesem zu reiben. Die „Nordd. Allg. Qtg." sagt: Die „Times" hätte politisch weiser gehandelt, wenn sie ihren kindischen Ausfall gegen die „Nordd. Allg. Ztg." ganz unterlassen hätte. Stände die „Times" noch auf der früheren Höhe ihrer Urtheilsfähigkeit, so könnte ihr nicht entgangen sein, wie sehr gerade jene, die Erhaltung des Friedens bezweckenden Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." zu der erfreulichen Thatsache verminderter Spannung zwischen Frankreich und Großbritannien beitragen halfen, welche Thatsache in der plötzlichen Entlassung des Missionärs Shaw einen sehr beredten Ausdruck erhalten hätte. Kesterreich. Agram, 9. September. Gestern Nachmittag wurden in einem Kaffeehaus und in mehreren Wohnhäusern, welche Israeliten gehören, von einem Pöbelhaufen die Fenster etngeworfen, die Truppen, welche dagegen einschrttten, wurden mit Steinen beworfen, worauf das Militär feuerte, ohne mdeß Jemand zu verletzen. Nachmittags 2 Uhr war nach Vornahme zahlreicher Verhaftungen die Ruhe wieder hergestellt. — Die auf den 10. d. M. anberaumten Gemeinderathswahlen sind auf unbestimmte Zeit vertagt worden. — Vom Lande werden mehrfache Zusammenstöße zwischen den Bauern und den Gensdarmen gemeldet, wobei mehrere Bauern getödtet oder verwundet wurden. Seröien. Belgrad, 9. September. In Folge heftiger Regengüsse hat in dem Westen Serbiens eine große Ueberschwemmung stattgefunden, der durch dieselbe angerichtete Schaden ist ein sehr bedeutender. Amerika. Newyork, 9. September. Die Northern-Pacific-Bahn ist heute unter Theilnahme der dazu geladenen deutschen Gäste feierlich eröffnet worden. — Nach hier erngegangener Nachricht ist der Gouverneur von Neufundland Maxse (früher Gouverneur von Helgoland), in St. John gestorben. Telegraphische Depeschen. Wolffs telegr. Corresporrdenr-Brrreair. Berlin, 10. September. Der Kronprinz von Portugal ist heute Vormittag um 11 Uhr hier eingetroffen. Derselbe wurde von dem Kronprinzen auf dem Bahnhof empfangen und nach dem Königlichen Schlosse geleitet. Der Kaiser machte dem Kronprinzen von Portugal sofort nach dessen Ankunft einen Besuch, der gleich darauf er- wiedert wurde. Zu Ehren des Kronprinzen findet Nachmittags ein größeres Diner bei dem Kaiser statt. Karlsruhe, 10. September. Der Großherzog hat sich heute nach Salem begeben, um den Manövern der 29. Division beizuwohnen. Agram, 10. September. Die Nacht ist ruhig verlaufen und hat die Stadt heute wieder ihre gewöhnliche Physiognomie angenommen. Die Bürger haben freiwillig die Aufgabe übernommen, etwaigen Ruhestörungen und Ansammlungen vorzubeugen. Es ist konstatirt worden, daß die letzten Auftritte keinen aufrührerischen Character gehabt, sondern durch Straßenpöbel hervorgerufen worden sind. Das Vorgehen des Militärs war nachsichtig und human. Paris, 10. September. Der Transportdampfer „Aoeyron" ist heute mit 600 Mann und 6 Kanonen von Toulon nack Tongking in See gegangen. Die Abendblätter betonen die Nothwendigkcit, wettere Verstärkungen nach Tongk-ng zu entsenden. Der „Temps" spricht seine Verwunderung darüber aus, daß man Frankreich im Ernste anrathen könne, die Entsendung von Verstärkungen nach Tongkmg etnzustellen. Das Blatt weist darauf hin, daß die eingeleiteten Verhandlungen in feiner Weise die Vernichtung der Banden, welche französische Soldaten ermordeten, hemmen konnten. Die Diplomaten Chinas konnten im Namen der schwarzen Flagge kein Abkommen treffen, ohne gleichzeitig die Verantwortung für deren Thuten zu übernehmen. — Der Ballon „Ville Bfulogne", welcher heute früh 5 Uhr mit dem Luft- schiffer L'Hoste in Boulogne aufgesttegen war, ist nach sechsstündiger Fahrt über den Canal beute Vormittag in Folkestone niedergegangen. Paris, 10. September. Der chinesische Gesandte Marquis Tseng ist heute nach London abgereist. Derselbe wird gegen Ende dieser Woche wieder hierher zurückkehren. Li bau, 10. September. Die Mörder des Baron Nolde sind in zwei Wirgenser Bauern ermittelt worden. Dorpat, 10. September. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist der Holz enthaltende Keller des Universitätsgebäudes in Brand gesteckt worden. Bei den Löscharbeiten wurde mit Petroleum getränktes Papier und Watte gefunden. Außerdem sind an mehreren anderen Stellen in Dorpat Brandstiftungen versucht worden. Programm;ur Hauptfeier der Einweihung des deutschen National denkmals auf dem Niederwalde. RÜdesheim, 7. September. Heute bringt der „Rhein. Cour." in Wiesbaden Mitthellungen über die Hauptfeier der Einweihung am 28. September, denen wir Folgendes entnehmen: Von V2IO Uhr bis ll1/? Uhr begeben sich die eingeladenen Damen und Herren, sowie die Vereine auf den Festplatz. Da auf den Einlaßkarten genau die Eingänge bezeichnet sind, so wird hierdurch jedes Gedränge vermieden werden. Der ganze Festplatz ist durch eine Parade-Aufstellung von Truppen abgegrenzt. Den Mittelpunkt des Festplatzes bildet das Kaiserzelt, von welchem aus das ganze Denkmal und alle Nebenanlagen am besten gesehen werden können. In dem Kaiserzelt werden 50 Sessel aufgestellt. Vor demselben sind rechts die Plätze für die Generäle, deren Porträts auf dem großen Relief angebracht sind; links stehen die obersten Reichsbehörden, die Vorstände des Reichstags, des Herrenhauses, des Abgeordnetenhauses, die Spitzen der Behörden und die Vertreter von Kunst und Wissenschaft. Daneben sind Tribünen für Damen und Herren. Anschließend an die Tribünen sind Plätze für die Berichterstatter und für Herren, welche vom geschäftsführenden Ausschüsse Einladungen erhalten werden. Längs der ganzen Fahrstraße und oberhalb einer Seitenrampe stehen Deputationen von Kriegervereinen mit ihren Fahnen, so daß der Kaiser seine alte Soldaten überall vor sich sieht. D'e Ordnung der Aufstellung schließt sich an die Armee-Corps an, so daß das erste Corps auf dem rechten Flügel steht. Innerhalb eines jeden Corps stehen die Vereine nach der alphabetischen Reihenfolge der Ortsnamen. Da sich bis jetzt 284 Kriegervereine mit über 10,000 Mann angemeldet haben, so wird jetzt noch, weil der Festplatz nicht groß ist, berechnet, wie viele Karten für jede einzelne Deputation versandt werden sollen. Die Vorstände der großen Kriegeroerbände, namentlich auch des bayerischen, württembergischen, badischen und hessischen, stehen unmittelbar vor der Figur des Kriegs, zu deren Erzguß die deutschen Kriegervereine die Mittel aufgebracht haben. Rechts vor dem Denkmal unter der Figur des Friedens stehen Studenten und Schüler, weil die höheren Lehranstalten die Mittel zum Guß dieser treffenden Zuschriften zu richten sind. Lokales. 65 Stimmen wiedergewählt. ®"9enb( Wbie Präsident zu Kassel; Stellvertreter des Vorsitzenden und Geschäftsführer, an den also auch die nöthigen Anfragen und Zuschriften zu richten sind, ist Herr Sartorius, Landes- director za Wiesbaden; Schatzmeister Herr S. Kohn-Speier in Frankfurt a. M. Vorsitzender des Festausschusses in der Feststadt RÜdesheim ist Herr Bürgermeister TOerti; Vorsitzender der Wohnungs-Commission Herr Eduard Sturm; Vorsitzender der Bankeit- Giesten, 12. September. Zur Feier des hohen Geburtsfestes unseres al lv er ehrten Großherzogs Ludwig IV., welchen Gott noch lange dem Hessev- lande in Kraft und Gesundheit erhalten möge, fordern wir unsere Mitbürger auf, ihre Häuser festlich schmücken zu wollen. Hause zurückgekehrt. Wir fügen noch bei: Vorsitzender des Comite's zur Errichtung des National- Denkmals auf dem Niederwald ist Graf zu Eulenburg, Staatsminister und Ober- Ma den 1 Vermischtes. Rödgen, 10. September. (Lürgermeisterwahl 1 Bei der heute stattgefunderen Bürgermeisterwahl wurde der derzeitige Bürgermeister Heinrich Jnderthal I, welcher dieses Amt schon ca. 18 Jahre bekleid t, von 102 Stimmberechtigten mit 81 abgegebenen Stimmen einstimmig wiedergewählt, ein Beweis von der Einigkeit Gemeinde. Möchte auch in Zukunft die Gemeinde in schöner Eintracht zusammenoalieli und sich an dieser so wichtigen Wahl beteiligen, damit nicht etwa „Wenige" M Frieden e ner so einträcht gen und friedliebenden Gemeinde zu stören vermögen- Hattenrod. Vorigen Samstag, am 8 d. Mts., fand Hierselbst die Bürgm meisterwahl statt. Der seitherige Bürgermeister, Herr Menge!, welcher die ibm m Ortsvorsteher obliegenden Geschäfte mit Pünktlichkeit besorgt, wurde einstimmig Figur aufgebracht haben. Oberhalb der Seitenrampe auf der Rüdesheimer Seite stehen oben Deputationen der Männergesangoereine mit ihren Fahnen und nach unten zu Deputationen der Turnvereine und dabei der Vorsitzende der deutschen Turnerschasi mit mehreren Vorstandsmitgliedern und der großen Fahne der deutschen Turnerschaft. - Unmittelbar vor dem Denkmal stehen vier Militärkapellen, welche den allgemeinen Volksgesang leiten, und die Bildhauer, Architekten, Erzgießer, Maurer, Steinmetzen und Zimmerleute, welche an der Aufrichtung des Denkmals beteiligt waren. UeberaU wirken Festordner für richtige Aufstellung und strenge Ordnung, damit kein Gedränge nach der Fahrstraße zu entsteht- Sobald der Kaiser in den neuen Fahrweg am Tempel etnbiegt, verkündet eine Fanfare des im Tempel aufgestellten Trompeterco^ps der Bonner Husaren: „Der Kaiser kommt", und sobald der Kaiser durch das Spalier der Kriegervereine und Truppen etnfährt, ertönt vom Denkmal aus eine Fanfare: „Willkommen, Kaiser!" Nachdem der Kaiser mit den deutschen Fürsten in das Zelt eingetreten ist, beginnt die eigentliche Feier auf dem Niederwalde, welche einen ernsten patriotischen Charakter trägt, weil nach den Worten des Kaisers bet der Grundsteinlegung das Denkmal auch den Gefallenen gilt. Nach der Vorstellung des Comite's bewillkommnen Damen die kaiserlichen Herrschaften mit dichterischen Ansprachen Hierauf meldet der stellvertretende Vorsitzende, Landesdirecior Sartorius, die Vollendung des Denkmals und erbittet die Erlaubniß zum Beginn der Enthüllungsfeier. Sobald dieselbe ertheilt tft, wird nur ein Schuß vom Niederwald abgegeben (von Morgens 11 Uhr an wird, nach allgemeiner Verabredung, auf keinem Schiffe und nicht in RÜdesheim und Bingen geschossen). Es beginnen nun alle Glocken in den umliegenden Orten zu läuten und unter deren Klängen stimmen die Musikcorps den Choral an: „Nun danket Alle Gott", weil früher von berufenster Seite der Ausspruch erfolgt ist, der Abschluß einer solchen Zeit und eines solchen Werkes könne wohl nicht ohne diesen Gesang erfolgen. Alle stimmen ein- Es kann überhaupt nur allgemeiner Volksgesang in der großen Umgebung wirken und ist deßhalb die frühere Absicht fallen gelassen worden, eine de, sondere Cantate durch die Männergesangoereine vortragen zu lassen. Nach Beendigung des Chorals hält der Vorsitzende des Ausschusses, Staatsminffter und Oberpräsident Graf zu Eulenburg, die.Festrede, welcher die Nationalhymne folgt. Dann tritt der Meister des großen Werkes, Professor Dr. Johannes^ Schilling, vor und erbittet die Erlaubniß zur Enthüllung. Sobald die Hülle, welche das große Relief verdeckt, fällt, beginnen die bei Bingen aufgestellten Batterieen zu schießen und mächtig wird daS Lied erschallen, welches im Jahr 1870 so feierlich ertönte und überall hin getragen worden ist, wo Deutsche wohnen. Nach der Enthüllung werden bte Allerhöchsten Herrschaften einen Umgang um das Denkmal vornehmen und dann nach der Feststadt RÜdesheim fahren, welches festlichen fröhlichen Empfang bereitet. Auf dem Denkmalsplatz ordnen sich die Vereine, die Kriegervereine voran, zu feierlichem Umzuge um das Denkmal auf demselben Wege, welchen der Kaiser genommen hat. Ja geordnetem Zuge gehen dann alle Vereine nach RÜdesheim, woselbst sie festl'ch begrüßt werden. Damit jedes Gedränge vermieden wird, sind auch am Bahnhof Truppen aufgestellt. Sobald nicht durch Menschengedränge auf den Schienen die Einfahrt und Abfahrt der Züge erschwert wird, kann die Zurückbeförderung selbst großer Menschenmengen rasch und sicher er; ; folgen. Es wird überall auf diese Sicherheit hingearbeitet. Die Hauptsache ist aber, daß das Publikum selbst nicht drängt und namentlich wegen der Heimfahrt nicht ängstlich wird. Bei der Grundsteinlegung sind viele Tausende zu richtiger Zeit und gut nach "S °""v. ML $ä»i iÄ” -S« 6i"irb' '..MtU- , Adi-M°u -jiiynfl des Anm -!;'n geordnet tvüro i hbeMrigen M mehrere Lonweh l(!i| 1813 errichttten ßWdarit der Gard iM Silber zeigt u lingtn eigenhändig ' Berlin, 7. Sex den für Anekdo -iirrctor einer hie! ö Int: Ich bin näml rze Tochter. Die ha Jrr von Ihnen und :’tn haben, wenn er -to, und da fommi ;’>in aufs Jahr?" L Serlin, 6. Sept In der Jägeistra ß-jnllngsgesellschaft1 ’ Schon seit läng in IBißmarf, Kreis rm jedesmaligen Bes p. So erschien Re pflerS und verlangt piaien. Da Herr M sie zu behandeln haben. Mainz, 7- September. (Zur Bahnumführung.) Vor einigen Tagen fand r der Citadelle die Schiußsteinlegung an dem sogen. Cttadelle-Viaduct tm Beisein leitenden und aufsichtführenden Ingenieure der Bahnumführungsbauten statt. Bor ’<■ Einfügung des Schlußsteins wurde unter demselben eine metallene Kapsel vermaur in welcher eine Reihe deutscher Reichsmünzen sich befanden, ebenso wurde ein Dorum« in dieselbe eingeschlossen, in welchem kurz auf die Bauten und deren Zweck hingewie - war; außerdem befanden sich auf dem Schriftstück die Namen des Bauunternehm«-- der Ingenieure und des leitenden Bauführers; letzterem wurde für die rasche endung der Dank ausgesprochen und demselben ein prachtvolles Bouquet überrng. während die Arbeiter mit Bier bewirthet wurden. In diesen Tagen wird mit Verlegung der zur Citadelle führenden Straßen begonnen werden, das hier frei werver Material an Erde wird zur Anschüttung der Bahnbauten vor dem Neuthor verwen. Eines der bedeutendsten Werke (nicht allein von der Bahnumführung, fonbern geß wärtig vielleicht von ganz Deutschland) bildet die ihrer Vollendung sehr rasch entg s gehende Stützmauer für die Citadelle, dieselbe hat eine Länge von über 200 IR _ eine Breite von 5 Meter und eine Hohe von 18 Meter; um diese Mauer beginnen z können, mußte vorerst ein Schacht von 18 Meter Tiefe in die Erde getrieben ® in welchem Hunderte von Arbeitern das Riesenwerk vollendeten. Große Schwiengl - haben sich der Aufführung der Mauer entgegengestellt und am äußersten Ende oeri • müssen die Reste der dort aufgedeckten colossalen römischen Mauer mit Dynam ■ weggesprengt werden. Das Material, aus welchem die römische Mauer fttner hergestellt wurde, ist ein so festes, das häufig an einem Tage Dutzende von Dy Patronen in Anwendung kommen. . Frankfurt, 9. September. (Der Blumen Rache.) Westend wohnenden Bürgers feierte vorgestern ihren achtzehnten Geburtstag u aus diesem Anlaß eine Menge woblduften^er Blumenk'ssen, Bouquets u"b g zugeschickt, die man unbedachter Weise im Schlafzimmer des jangen JJiaoa) stellte. Gestern Morgen, als man im Frühstückszimmer den Kaffee einnehmen erschien das Mädchen nicht. Man eilte nach dem Schlafzimmer, klopfie >, «it nicht geantwortet wurde. Die Mutter trat hierauf ins Zimmer und erblickt 9 l-bl°s tm Sette Hegen». K-in Zweifel, dah es sich bfer um eme « gerufen durch die starken Ausdünstungen der Blumen handelte. Man ost e| die Fenster, entfernte die Blumen aus dem Zimmer und regulrirte einen 21 z, nach vieler Mühe gelang, das Mädchen ins Leben zurückzurufen. "VN! z J» d- Commission Herr Theodor DIlthey, der auch Mitglied des Hauptcomste's in Wiesbaden ..... ist; Vorsitzender der Beleuchtungs-Commission Herr I. L. Metz, an welche bte ' mur6e' - w ttS . ’Wbtt Amt darauf, ti; W/ niebttflffdjoi Ruen fdtitr Mür * ^ Richter ut :« «t eil bis totbt ■. 3 üflt hat ein gCöi !ort von seiner Schi • ^liegen abgeschlagk i ein lauter Schuß M gehört wurde. ' 1 barauf noch 3 Schi ; 'M Hlninzimmer lieg : 2dm blutend, entsee lü'g anwesender Arrl grau Müller ein t Äö Darmstadt, 8- September. Am Montag den 17. December, Vormittcg- 1 Werben 8 Uhr beginnend, wird dahier eine sog. „erweiterte Prüfung" für Oberlehrer und Leh'ei »■ > an erweiterten Volksschulen stattfinden und haben d e Lehrer, welche sich dieser PrütrNf zu unterziehen beabsichtigen, ihre deßfallsigen Gesuche nebst den erforderlichen Macr bis spätestens zum 5. Oktober bei der betr. Kreisschulcomm'ssion einzureichen. Examinanden wird besondere Verfügung darüber zugehen, ob sie zur Prüfung M,: lassen worden sind und in welchem Local dieselbe ftattfinben wird, sowie welche Aufg'l! Murmelte * 3tt noch lange dem-- unsere Mitbürger ckc- ^sheikner (5eit. fl. und narfl L ltehe, deutschen? unten M Mfyn ^Nttsch^ lurtr, ^nieine» J* Nt Überall ‘®^rön9> ien £tDm ”,Qm &mpt hÄ''« ”al «Ä*1 =-omläc”« ZPL ßW iHfi A bQn((t Äll! lt‘Pj Absatz Ä" ®i|®U!olltt]l »Iwfltfana mtamL werben, Ub<, '‘fh- 91ad> taita» "Wer unb Ober,rifoj ■ tolgt. Dann tritt be M vor und erbitte 'ohe Relief verdeckt, |äQ; nd mächtig wird baijtd -rall hin getragen weide- Allerhöchsten Herrschiitei । der Feststadt Rüd-Ur em Denkmalsplah orbiic rge um das Denkmal il rdnetem Zuge gehen bin erden. Damit jedes ®; lufgestellt- Sobald nid lbfahrt der Züge «Hier mgen rasch und sl-her e: Die Hauptsache Ift tie; der Heimfahrt nicht iojß ichtiger Zeit und gut ui Errichtung des Natim'. Ztaatsmtnister und Cht schäftsführer, an den risst Herr Sartorius, La°^ tn Frankfurt a. M. A >err Bürgermeister W i • Vorsitzender der W luptcomite's in Metz, an welche blt» Wiesbaden, 7. September. Der neugewählte Anwalt der deutschen Erwerbs- ,,nd W-rthschafts-Genossenschaften, Reichstags.Abgeordneter und Rechtsanwalr Herr aus Wiesbaden, wird dem Vernehmen nach seinen Wohnsitz in Berlin (Kur- Mendamm) nahmen und soll daher auch des Anwaltsbureau am 1. Januar 1884 lohtn verlegt werden. Neustadt, 7. September. Heute Mittag entgleiste auf der Strecke zwischen Kirchhain und hier aus dem Güterzuge ein beladener Waggon. Der kurz darauf kommende Frankfurt-Kasseler Tages-Schnellzug schwebte in nicht geringer Gefahr. Der Maschinenführer bemerkte das Htnderntß noch rechtzeitig und brachte den Zug zum Stehm Erft nach mehrstündiger Arbeit gelang es, eins der beiden Geleise freizubringen, vobei leider auch zwei Arbeiter schwere Verletzungen durch Abspringen einer Winde baoontrugen. Kassel, 7. September. Gestern sind der Bestimmung der Allerhöchsten Cabtnets- rbre gemäß die Fahnen der früheren kurhessischen Truppenthetle aus dem Zeughaus nach dem Unterstock der Gemäldegallerie übergeführt worden, wo ihre Aufstellung und fernere Aufbewahrung bekanntlich tn einem dafür bestimmten Raume erfolgen wird. Die Eröffnung des Fahnenztmmers für den Zutritt des Publikums wird jedoch, vorauf wir die Leser aufmerksam machen, erst später stattfinden können, da die decorattve Ausstattung deS Zimmers, die Ausstellung und Anordnung der Fahnen naturgemäß längere Zett in Anspruch nimmt. Es sind im Ganzen 63 Fahnen und 15 Standarten; auf denselben sind jedoch die Regimenter, denen sie gehörten, nicht bezeichnet. Nach Grupp-'N geordnet würden sich etwa folgende ergeben: eine große Anzahl stammt aus d'm siebenjährigen Kriege; bann folgen solche aus der Zeit des Königreichs Westfalen, ftrner mehrere Landwehrslandarten aus den Freiheitskriegen und endlich die Fahnen b-r seit 1813 errichteten Regimenter. Unter den letzteren ist von besonderer Schönheit die Standarte der Garde du Corps, welche einen großen hessischen Löwen ganz in schwerem Silber zeigt und eine Standarte, welche von Ihrer Hoheit der Herzogin von Meiningen eigenhändig gestickt worden ist. lT. u. A.) Berlin, 7. September. Eine kleine Anekdote, die der „B-C." erzählt und diesmal den für Anekdoten immerhin seltenen Vorzug haben soll, wahr zu sein. Zu dem Director einer hiesigen höheren Lehranstalt kommt eine Frau „aus dem Volke" unb sagt: Ich bin nämlich die Budikern Schulze von der Ecke und habe eine siebzehnjährige Tochter. Die hat nun seit einem halben Jahr ein Verhältniß mit dem Secundaner Müller von Ihnen und der Müller ift ein netter junger Mann und ich würde nichts dagegen haben, wenn er meine Tochter heirathet. Aber man muß sich als Mutter doch orrfeben, und da komme ich zu Ihnen, um zu fragen: „Was hat denn so ein Secundaner bei Ihnen aufs Jahr?" — Berlin, 6. September. sMordversuch und Selbstmords Die Hälfte der ersten Ewge in der Jäaerstraße 63 wird von dem Subdirector der Magdeburger Lebens- vei-sicherungsgesellschaft Herrn Müller bewohnt und theilweise zu Bureauräumlichkeiten benutzt. Schon seit längerer Zett erhielt Müller den Besuch deS Bruders seiner Frau, des in Bismark, Kreis Stendal, ansässigen Gerichtsvollziehers Carl Rebs, der bei feinem jedesmaligen Besuche nach Aussage des Müller Geldanleihen zu machen versuchte. So erschien Rebs auch gestern Nachmittag gegen Ubr im Bureau seines Schwagers und verlangte 500 Thaler, angeblich um dringenden Verpflichtungen nachzukommen. Da Herr Müller das Gesuch abschlug, so begab sich Rebs in die Wohnung, um dort von seiner Schwester das Geld zu verlangen. Anscheinend hat auch diese ihm sein Anliegen abgeschlagen, denn es entstand ein Wortstrett, der plötzlich damit endete, daß ein lauter Schuß erdröhnte und fast gleichzeitig ein weithin hörbarer gellender Aufschrei gehört wurde. Ehe man noch Zelt hatte, in die Wohnung einzutreten, fielen kurz darauf noch 3 Schüsse. Beim Eintreten fand man Frau M- heftig blutend in einem Hinterzimmer liegen, während ihr Bruder, der Gerichtsvollzieher Rebs, aus drei Wunden blutend, entseelt auf dem Teppich des Vorderzimmers lag. Ein im Hause zufällig anwesender Arzt, Herr Dr. Zacharias, conftattrte den Tod des Rebs, während bet Frau Müller ein die Lunge durchbohrender Schuß in der rechten Drustseite con- ftatirt wurde. — (Amerikanisches.) Das Oberhaupt der Polizei in Dodge City in Kansas ist Kandidat für Wiedererwäylung und gründet seine Ansprüche auf das von ihm bereits innegehabte Amt darauf, daß er während seiner Amtsthätigkeit einen „Cowboy" auf 300 Schritt niederglschossen habe! Der Mann verdient in der That das wiederholte Vertrauen sein-r Mitbürger! — Vor einem Friedensgerichte in Texas spielte sich neulich zwischen dem Richter und Angeklagten folgender Dialog ab. Richter: Angeklagter, man hat Sie des Pferdedtebstahls beschuldigt. Haben Sie etwas auf die Aussage des Hauptbclastungszeugen zu erwidern? Angeklagter: Ich habe nur das Eine zu sagen, ber Zeuge hat ein gewisses Vorurtheil gegen mich und sucht mich seil Jahren zu ruiniren. Richter: Weshalb? Angeklagter: Sehen Sie, ich war es, der ihn mit seiner j.tzigen Fiau bekannt machte und das kann er mir nie verzeihen! — Eine furchtbare Katastrophe hat sich in Hiroshima (Japan) ereignet. Am 3. August, Abends gegen 10 Uhr, brach in dem dortigen Gefängnisse ein Feuer aus, welches mit solcher Schnelligkeit um sich griff, daß das Gebäude in kürzester Zeit eingeaschert wurde. Von den Sträflingen sanden 61 den Flammentod, während 156 mehr oder weniger schwer verletzt wurden. 120 Sträfl nge entsprangen in der Verwirrung, aber 15 derselben wurden noch in derselben Nacht wieder eingefangen. — Ein abgebissenes Menschenohr — das mag nicht oft vom Hausknecht auf dem ihm anvertrauten Hofe aufgelesen werden. Und doch suchten in Petersburg der Revieraufseher unb der Hauscerberus auf dem Hofe des im Bau begriffenen Hauses Nr. 54 am Schlüsselburger Wege früh Morgens am 22. August nach einem solchen- Tags zuvor hatte hier nämlich, wie der „Pet. Ltstok" erzählt, zwischen einigen Zimmerleuten eine Schlägerei flattgefunben, die damit endete, daß der Bauer Al. Petrow seinem Landsmanne Artemi Iwanow ein Ohr abbiß und auf den Boden ausspie. Auf dem Wege ins Pol zeibureau — denn die Tumultuanten wurden natürlich arrctirt — reclamtrte Iwanow energisch söln Eigenthum, wurde aber auf den kommenden Morgen vertröstet, da es schon zu dunkel war, um gleich Nachsuchungen anzustellen Diese fanden denn auch am Montag Morgen statt und der Revierauffeher that das Corpus delicti in fein Portefeuille, um es zu den Akten zu legen — „welche Ehre Arterni's Ohr widerfährt! Sieh' mal, sieh! wer hätte das gedacht! In des Revieraufsehers Portefeuille tft es hineingerathen!" sagten die Arbeiter, die Zeugen des Vorganges waren. Handel und Verkehr. Gießen, den 11. Septbr. Auf dem heuttgen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.05—1.20, Hühnereier per Stück 5—6 Käse Stück 5—8 H, Käsematte 3 Erbsen per Liter 20 H, Linsen 28 Tauben per Paar 50—65 H, Hühner per Stück X 1.00—1.60, Hahnen per Stück X 0.50—0.75. Enten pr- St. X 1.40—1.70, Ochsenfleisch per Pfund 70 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Kalbfleisch 50 bis 54 Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 62—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo X 3.50—6, Milch pr. Ltr. 13—18 H. Gänse pr. Stück X 0—0.00. Zwiebeln per Ctr. X 7—7.50. Frankfurt, 10. Sept. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterauer X 20% fremder X 19—21, Roggen eff. hies. X 17, fremder X 16Vz—17% Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 18—Vz, fremde X 18—20, Hafer eff. hiesiger X 14—1412, fremder X 14. Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ctr. X 39. Branntwein eff. ohne Faß X 46. Frankfurt, 10. Sept. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 310 Ochsen, 12 Bullen, ca. 280 Kühe und Rinder, ca. 280 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 72—73, 2. Qual. 65—68, Kühe und Rinder 1. Qual. X 64—66, 2. Qual. 56—60, Kälber 1. Qual. X 70, 2. Qual. X 65 per 100 Pfund Schlachtgewicht. M., 11. Septbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann In Gießen.) Creditactien 247% Staatsbahnactien 274% Galizier 252% Lombarden 131% Nord- westbahnactien —, Gotthardbahnactien 113% Darmstädter - Bankactien 15615/i6r Disconto Commandit 195% Oesterr. Silberrente 66"% 4% Ungar. Goldrente 74%, 4o/ü 1880er Russen 72% 5% 1877r Russen 91, 2. Orient-Anleihe 57% 4% Spanier —, 5% Rumänische Rente 93% 4% Unific. Egypter 71%, 5% Türken —, Marienburger 109% Hess. Ludwigsbahnact. 113% Tendenz: still. Witterungskunde.*) 12. September. Mittwoch. Frühmorgens noch verhältnißmäßig kühl, Vormittags veränderlich, zeitweise sonnig unb heiter, besonders nach Norben zu, nach Süden wohl mehr wolkig, Nachmittags jedoch im Allgemeinen aufgeheitert, spätabends wohl kühl mit Neigung zu herbstlich gutem Wetter. 13 September. Donnerstag. Frühmorgens bedeckt, strichweise mit Niederschlägen, auf Mittag zu zerstreut wolk g, Nachmittags besser bis ausgeheiteit, dabei tm Allgemeinen herbstlich gut, spätabends Bedeckung. *) Aus Dr. L- Overzier's Wetter-Prognose für den Monat September, abgeschlossen am 15. August (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 XA — Nachdruck verboten. StiMberechW - * “ « hei ßini '-v ■w. ■uftören Ä«»| Bor ein'«-» 1 '“"ff« J1 'Nd »“? d»« ; M MV Ä-'" - j wA1 : ■ Obst-Versteigerung. Montag den IT d. M., Vormittags von 8 Uhr an, soll das Gemeinde-Obst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Nüssen versteigert werden. Der Anfang ist am Weg nach Wieseck. Alten Buseck, am 10. Septbr. 1883. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck. 6053 Wagenbach. Dienstag den IS. d. M., Vormittags von 9 Uhr an, soll das Obst auf dem Pfarrbaumstücke, bestehend in Aepfeln und etwas Birnen versteigert werden. Der Anfang ist beim Pfarrgarten. Alten-Buseck, am 10. Septbr. 1883. Wagenbach, 6054 Bürgermeister. Obfl-Derfleigerung. Donnerstag den 13. Septbr., Vormittags 9 Uhr, soll das hiesige Gemeindeobst, Aepfel und Birnen, meistbietend versteigert tverden. Oppenrod, den 10. Septbr. 1883. Großh. Bürgermeisterei Oppenrod. 6046 Petri. Eine Hofrnithe mit Wohnhaus, Hofraum, Stallung unb Mlststätte, in bester Lage ber Stadt Onünberg (Marktgasse), in der Nähe des Amtsgerichts, sehr für Metzgerei geeignet, ift: unter künftigen Bedingungen zu Der; fiinijen. Näheres bei Kaufmann Sehrt, Gnünberg. 6055 Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. In Staufenberg wird am 15. September eine Posthülfstelle errichtet, deren Verwaltung dem Specereiwaarenhändler und Gastwirth Ludwig Geißler daselbst übertragen worden ist. Darmstadt, den 7. September 1883. Der Kaiserliche Ober-Postdirector. In Vertretung: Plaz. im..... ii ir ~ hihit r r.Tin in in~'mr~i 11 ......................................... 5 Wer Sprachen kennt, ist reich zu nennen. I Das Meisterschaft^ - System a zur praktischen und naturgemässen Erlernung der | englischen, französischen, italienischen u. spanischen Geschäfts- und Umgangs - Sprache. g Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprachen, schreiben und lesen zu lernen. Zum Selbstunterricht von Dr. Richard 8. Rosenthal. Englisch — Französisch Spanisch cornplett in je 15 Lectionen h 1 M. Italienisch cornplett in 20 Lectionen ä i M. Schlüssel dazu ä M. 1.50. Probebriefe aller 4 Sprachen ä 50 Pf. portofrei. | Leipzig. Rosenthal’sche Verlagsbuchhandlung. \ MJi.jagüll WMWB—WWWMI Eine Kaute Kuhmist zu verkaufen bei 6041________L. Wolf, Wallthorftraße. 6009 Ein gebrauchtes Halbverdeck, 1 Landauer, 1 leichter Oekonomie- wagen billig zu verkaufen. E. 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