irr. 23S Mittwoch den 10. October 1883 Bureau: Schulstraße 7. Erscheint tägkrch mit Ausnahme des 9Ronfag$. IQK ■ > 4 tt* lirte, ineinackr: in für nachjlK cht. beanWtWch Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. n ein Graustem Hainin über lasse, :r redliche Mer $ Änier zu iIurglo. /orWÜ Ul M ;aann. Politische Ueberficht. Gießen 9. October. Das Befinden des Kaisers ist, wie aus Baden-Baden gemeldet mrd, fortwährend ein vortreffliches, wenn er auch in Folge der ungünstigen Witterung in den letzten Tagen wiederholt seine Wohnung im Meßmer'schen hause nicht verlassen konnte. Der Aufenthalt des Kaisers in Baden-Baden wird bis in die zweite Hälfte des October dauern, worauf er sich direct nach Berlin zurückbegiebc, während die Kaiserin noch einige Wochen in Koblenz zu verbringen gedenkt. Der Reichskanzler Fürst Bismarck weilt nun wieder in Friedrichs- luhe und wird sein lauenburgisches Tusculum in nächster Zeit auch nicht ver- IllM. Das Befinden des Kanzlers ist im Allgemeinen zufriedenstellend, doch jaben ihm die Aerzte angerathen, sich einstweilen von den Geschäften noch fern ß halten, indessen kann er sich nach Lage der Dinge nicht gänzlich von den Mischen Geschäften zurückziehen, schon deshalb nicht, weil die Minister die iuftimmung des leitenden Staatsmannes zu den Vorlagen einholen müssen, die dm Reichstage und dem preußischen Landtage gemacht werden sollen. In voriger Woche hatte sich zu diesem Zwecke bereits der Slaatssecretär im Reichs- mte des Innern, Herr v. Bötticher, nach Friedrichsruhe begeben und dem Msten Bismarck über die für den Reichstag vorzubereitenden Gesetzentwürfe Ertrag gehalten. In diesen Tagen wird sich auch Herr v. Puttkamer nach Mdrichsruhe begeben, um die Zustimmung des Reichskanzlers bezüglich der ßr den preußischen Landtag ausgearbeiteten Vortagen einzuholen. Ob und Wieweit der Reichskanzler bei den letztern Modistcattonen eintreten lassen wird, zunächst die Frage, und hiervon hängt es ab, ob der preußische Landtag »och im October oder erst im November zusammentritt; der Reichstag wird Wenfalls vor Ende Januar nicht einberufen. . Die Entscheidung in der Angelegenheit des unter der Anklage ^andesverraths verhafteten Reichstags-Abgeordneten für Rietz, Antoine, ist h nicht erfolgt. Herr Antoine hat bekanntlich seine Freilassung gegen Kautions- «g beantragt, doch ist nicht bekannt, ob man sich zuständigerseits enteisen hat, dem Anträge Folge zu geben. Der bevorstehende Ausgleich zwischen Ungarn und Kroatien ist ^t nach dem Geschmack sowohl der kroatischen Intransigenten, als auch der .^nschen Unabhängigkeits-Partei. Mehrere kroatische Abgeordnete der äußer- 5 ^"ken haben erklärt, daß sie ihre Mandate zum ungarischen Reichstage ^verlegen werden; außerdem verlangen die kroatischen Radikalen die Revision Zlusgleichs vom Jahre 1868, welche Forderung bei den Ungarn auf den Mgsten Widerstand stößt. Im vollen Gegensatz hierzu verurtheilt die ungarische "Mhängigkeits-Partei die den Kroaten entgeg-enkommende Haltung der Pesther .Porung auf das Schärfste und haben die der genannten Partei angehörigen geordneten beschlossen, eine Resolution einzubringen, in welcher das Vorgehen - uegierung in der kroatischen Frage entschieden gemißbilligt wird. Da ^err das vollständige Vertrauen der liberalen Mehrheit des un- Een Abgeordnetenhauses besitzt, so wird dieser Sturmlauf der Opposition s «le Stellung des Ministeriums erfolglos bleiben. a französischen Cabinet ist die längst erwartete Krisis jetzt aus- ' wdem der Kriegsminister Thibaudin seine Demission gegeben hat, vom Präsidenten Grevy angenommen worden ist. Das Deinisflons- ■- «9 Thibaudin's weist auf die Machinationen seiner politischen Gegner hin, ' Mn während der parlamentarischen Ferien in eine von ihnen berechnete S.ltetäwg, Wetu)tta luethen. KmhmstE Pfarrer. Wohnung M fnir ettachk W em Lade« tte Jahre zn ein Zimmer Hinterhause- Wber rs. & 1 Sfttk li Bekanntmachung. ... ^.E^.^mit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Steg über die Wieseck im sogenannten Stephansweg abgebrochen und statt dessen ein Steg über dre Wreseck m der Blerchstraße errichtet wird. Gießen, den 9. October 1883. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ______ Fresenius. fc** s** Der Bundesrath hielt am Freitag eine Plenarsitzung ab, in welcher il sich u. A. auch mit dem neuen Actiengesetz beschäftigte, welches dem Reichste in der nächsten Session zugehen wird. In Berlin finden in den Tagen vom 18. bis 20. Ootober die Reu- i Zahlen zur Stadtverordneten-Versammlung statt, denen man eine hohe g politische Bedeutung nicht absprechen kann, da es von ihnen abhängt, welche Mtei künftig in der Berliner Stadtvertretung dominiren wird. Die bevor- ^henden Wahlen haben deshalb in Berlin nicht geringe Bewegung hervorge- Jien und tagtäglich halten die drei mit einander concurrirenden Parteien, die Geraten, die deutsche (conservative) Bürgerpartei und die Arbeiterpartei, Ver- Pmlungen ab, in denen jede Partei sich als die allein seligmachende aufspielt, ^viel man bis jetzt erkennen kann, werden die Neuwahlen in der bisherigen Asammensetzung der Berliner Stadtvertretung keine einschneidenden Veränderen Hervorrufen ; der Kern dürste derselbe bleiben und auch die große Majo- Ml den Kreisen der liberalen Bürgerschaft angehören. Vielleicht wird auch ^ Arbeiterpartei einige ihrer Candidaten durchbringen und das könnte gerade V schaden, denn eine rege Thellnahme an der cominunalen Thätigkeit wäre gut geeignet, die Arbeiter von ihren radikalen Ansichten zu heilen. x'O de«' ^gelegene -rßet/ Ohnmacht hätten versetzen wollen; dennoch habe er nicht gezögert, seine Demission zu geben, mit der nämlichen Ergebenheit gegen den Präsidenten und die Republik, die er schon an dem Tage gehegt, an welchem er sein bisheriges Portefeuille übernommen habe. Es war ein offenes Geheimniß, daß zwischen Thibaudin und der Mehrzahl seiner Minister-Collegen tiefgehende Meinungsverschiedenheiten bezüglich verschiedener Fragen bestanden und die mehr als zweideutrge Haltung Thibaudin's bei der Anwesenheit des Königs von Spanien in Paris hat dem Fasse den Boden ausgeschlagen, lieber den Nachfolger Thibaudin's ist noch nichts Näheres bekannt, doch heißt es, daß das Kriegsministerium dem General Saussicr angeboten worden sei. Es kann kaum bezweifelt werden, daß die Demission Thibaudin's die Schmierigkeiten, welche in Folge der Demonstrationen gegen König Alfonso zwischen Frankreich und Spanien entstanden sind, wesentlich verringern wird und sind die betr. diplomatischen Verhandlungen eifrig im Gange. Der spanische Botschafter in Paris hat dem Minister des Auswärtigen, Challemel-Lacour, mündlich Vorstellungen gemacht, die sich dem „Temps" zufolge namentlich darauf bezogen haben, daß keine gerichtliche Verfolgung der Urheber der Kundgebungen gegen den König Alfonso eingeleitet und daß nicht der volle Wortlaut der zwischen König Alfonso und Präsident Grevy gewechselten Erklärungen im „Journal ossiciel" veröffentlicht worden sei. Betreffs dieser beiden Punkte hat die französische Negierung bereits eine Erklärung abgegeben, welche, wie der „Temps" weiter mittheilt, geeignet erscheint, eine Verständigung herbeizuführen. In England strengen sich die Führer der Opposition ganz bedeutend an, um Stimmung für die conservative Sache zu machen. So fand dieser Tage in Birmingham ein großes conseroatives Meeting statt, bei welchem Lord Cranbrook, im Ministerium Beaconsfield zuerst Kriegsminister und dann Minister für Indien, der Hauptredner war. Derselbe unterzog die innere und äußere Politik Gladstone's einer herben Kritik und bezeichnete z. B. das mit der Suezkanal-Gesellschast getroffene, aber schließlich zurückgezogene Abkommen der englischen Regierung als Etwas, „dessen sich jeder Schuljunge schämen müsse." Streng tadelte der Redner die irische Politik Gladstone's und ebenso seine Colonialpolitik, welche zu den Kriegen im Transvaal und Egypten geführt habe. Es scheint wirklich, als ob die Rede Canbrook's für die Conservatwen „Stimmung" gemacht habe, wenigstens ist bei der am 4. October in Manchester stattgefundenen Ersatzwahl zum Parlamente der conservative Candidat Houldsworth mit 18,188 Stimmen gewählt worden, während sein liberaler Gegen-Candidat Pankhurst nur 6216 Stimmen erhielt. Die norwegische Ministeranklage-Afsaire zieht sich recht in die Länge. Am Freitag hielt das Reichsgericht zu Christiania eine Sitzung ab, in welcher auf Verlangen des Anklägers die weitere Verhandlung gegen den Staatsminister Kierulf auf den 1. December verschoben wurde. Vielleicht, daß die Radikalen während dieser Zeit noch weiteres „Belastungsmaterial" gegen das Ministerium sammeln wollen. Darmstadt, 8. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. October dem evang. Pfarrer zu Sellnrod, im Dekanate Schotten, Ludwig Vang das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienst-Ordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen. Darmstadt, 6. October. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 1. October l. Js. Allergnädigst geruht: den Hosgarten-Assistenten Friedrich Göbel zum Hofgärtner der Hofgärtnerei Mathildenhöhe und am 4. October mit Wirkung vom 1. November l. Js. dem Hofsilber- Verwalter i. P. Joeckel die Schloßverwalter-Stelle zu Kranichstem provisorisch zu übertragen. Berlin, 6 Octoder. Die „Agence Havas" meldet, daß der Kriegsminifter Thtbaudrn seine Demission gegeben und Präsident Grevy dieselbe angenommen hat. Damit tft die schon fett längerer Zeit in lat ntem Zustand vorhanden gewesene Krise 'm französischen Cab net zur offenkundigen Thatsache geworden und bet der Gespanntheit der peisönlichcn Bez'ehungen in den Kreisen des osfic-ellen Frankreichs erscheint es fiaglich, ob der begonnene Abbröckelungsproceß des Ministeriums Fer>y bis zum W'edeizusammentritt btr Kammern kein weiteres Opfer fordern wird. Das amtliche Wirken des Herrn Thibaudin ist nicht darnach angethan, die öffentliche Meinung Frankreichs den Rücktritt des Mannes als einen Verlust empfinden zu lassen Es wird unfern Lesern noch erinnerlich fern, daß bei Uebernahme des Kriegsressorts durch Herrn Thibaudin gewisse, aus Den Kriegtzjahren 1870—71 henührende Antezedenlien dieses Militärs zum G genstande lebhafter Erörterungen der Partser Presse gemacht wurden. Trotzdem gelang es Herrn Thibaudin, seine Stellung im Cabinet leidlich zu etabliren und auch mit den Kammern sich auf auskömmlichen Fuß zu fetzen Als in- deß der Confeilsp-räsident die parlamentarische Ferienpause zu energischer Betreibung der ostasiatischen Affaire benutzen wollte, zeigte sich Thibaudin in dem Maße gegen die Anforderungen Ferry's und Challemel-Lacour's ungefügiger, je mehr die letzteren beiden das tongkmgnesische Unternehmen zur Sache de- auswärtigen und des Marine- ressorts machten- Es kam hinzu, daß Herr Thtbaudtn in seiner eigenen CompUenz. svhäre eine wenig glückliche Hand besaß. Seine Inspektionsreise an der französischen Ostgrenze sowie die eine Zeitlang beabsichtigte, aber freilich Mcht zur Verwirklichung gelangte probeweise MobtUsirung eines Armeekorps wirbelten in Frankreich und außerhalb desselben ziemlich.n Staub auf; auch in der Manöverasiaire an der Schweizer- grenzr zeigte sich die oberste militärische Instanz der Republik nicht von der korrektesten Sette. Die ohnehin schwüle Atmosphäre, die über dem Cabinet lagerte, wurde nach dem spanischen Inzidenzfall geradezu unerträglich; sie suchte nach einer Ableitung— und ihren Effekt haben wir jetzt in dem Rücktritt des Kriegsministers vor Augen, der, wie schon bemerkt, leicht das Signal zu weiteren Personal-Veränderungen werden^kann.^ Architekten Wallot umgearbettete Projekt des Reichstagsgebaudes, welches allseitigen Beifall findet, soll demnächst Sr. Majestät dem Kaiser zur Genehmigung vorgelegt werden- Zur Zeit beschäftigt man sich etfr'gst mit dem Studium der verschiedenen Heiz- und Ventilattonssysteme, um die zweckmäßigste Anlage derselben zu ermitteln, da bereits bet Herstellung der Fundamente des Reichstagsgebäudes angemessene Rücksicht auf diese Anlagen genommen werden muß- Wie wir hören, begibt sich Bauinspector Haeger demnächst nach Wien, um daselbst die Hetz- und Ventilations- Einrichtungen am dortigen neuen Retchsrathsgebäude, dem dortigen neuen Rathhause, der Oper rc in Augenschein zu nehmen. Ob noch in diesem Jahre die Grundsteinlegung für das Reichstagsgebäude ftattfinden wird, erscheint fraglich. Die Ansicht der Bauv-rständigen neigt sich nämlich dahin, daß die Jahreszeit für das Ausheben der Baugrube denn doch schon zu wett vIrgeschrstten sei. Dagegen soll die Regultrung der umliegenden Straßen noch jetzt durchgeführt werden. .... — Die neuestens hier etngegangenen Berichte der nach Egypten entsendeten deutschen Cholera-Commission lassen erkennen, daß dieselbe ihre wissenschaftlichen Forschungen fortsetzt und bereits jetzt in der Erkenntniß und Kenntntß der Cholerakrankheit intcressante Ergebnisse erzielt hat. Wie wir Horen, liegt es in der Absicht, die wichtigsten Tbeile der Berichte der deutschen Cholera-Commtssionsmttglieder demnächst im „Reichsanzeiger" zu publictren. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Birreau. Baden-Baden, 8. October. Se. Maj. der Kaiser und die Großh. Badischen Herrschaften wohnten gestern Abend dem Feuerwerk im Kurgarten bei und nahmen den Thee bei Ihrer Maj. der Kaiserin ein. Heute Nachmittag begab sich der Kaiser zu dem Rennen nach Iffezheim. Dem Sieger im Armee- Rennen , Rittmeister von Baddien, überreichte Se. Majestät persönlich den Ehrenpreis. Berlin, 8. Oktober. Der „Reichs-Anzeiger" publictrt das Verbot der Schweine-Einfuhr aus Rußland für die ganze Landesgrenze deS Regierungsbeznks Gumbinnen. - , — Bezüglich des in den Voranschlägen des Riederwald-Denkmals unterschätzten Aufwandes, wodurch der Erbauer kaum vor unmittelbarem Schaden bewahrt wurde, theilt der „Reichs-Anzeiger" mit, der Kaiser habe im Hinblick hierauf und in Würdigung der Größe und Bedeutung des Meisterwerks dem Professor Schilling neben der Ordens- auszeichnuna eine besondere Anerkennung in Gestalt einer Ehrengabe von 30,000 , 8- Oktober. In der Anklagesache gegen die Reichstags- Abgeordneten Frohme und Geiser wegen Mißbrauchs der Eisenbahn-Freikarten fand heute die Verhandlung in der Berufungsinstanz statt. Der Staatsanwalt beantragte gegen jeden der Angeklagten eine Geldstrafe von 60 «X, weil eine ehrlose Gesinnung der Angeklagten nicht vorhanden sei. Die Verkündigung des Urthetls wurde auf 8 Tage verschoben. München, 8. Oktober. Der Delegirtentag des bayerischen Handwerkcrbundes, welcher von 74 Delegiitm als Vertreter von 41 Vereinen besucht war, nahm den Antrag auf Gründung gewerblicher Kreis- und Beztrksverbände im ganzen Königreich an. Bezüglich des Anschlusses an den deutschen Handwerkerbund wurde beschlossen, daß es den einzelnen Mitgliedern freistehen solle, betzutreten. Bei Berothung-des Antrages auf Trennung der Gewerbe- von der Handelskammer wurde die Einführung eines gleichmäßigen Wahlmodus angenommen, durch welchen Handel und Gewerbe in gleicher Mitgliederzahl vertreten sein sollen- Der Antrag, ein Gesuch an das Staats- minlsterium zu richten um Gewährung eines Darlehns zur Errichtung von Verkaufsläden der Genossenschaft wurde einstimmig angenommen. Gegen das Projekt der Gründung von Offiztersconsumvereinen sollen Schritte bei der Staatsregierung, beim Landtag und beim Reichstag etngeleitet werden. Als nächster Vorort wurde Regensburg gewählt. — Der gegenwärtig hier weilende Kardinal Hohenlohe besuchte den italienischen Gesandten und empfing dessen Gegenbesuch. Straßburg, 8. October. Der Statthalter G.F.M. v. Manteuffel ist heute in erwünschtem Wohlsein aus Gastein hier wieder eingetroffen. Kopenhagen, 8. October. Der Kaiser von Rußland nimmt entgegen seiner ursprünglichen Absicht an den Jagden in Schweden nicht Tbeil, dagegen sind mit dem Prinzen von Wales noch die Prinzen Waldemar, Wilhelm und Hans zu den Jagden nach Helsingborg abgereist. — Der Kronprinz von Portugal ist über Malmö nach Stockholm abgereist. Agrarn, 8. October. Ein durch ein falsches Telegramm verbreitetes Gerücht von angeblicher Abnahme von Wappenschildern veranlaßte Ansammlungen ohne agressiven Charakter. Das Militär räumte die Straßen, worauf die Volksmenge, mittlerweile aufgeklärt, sich verlief. Eine theilweise Zurückziehung der Truppen aus Zagorin-Banatgrenze ist angeordnet. Paris, 8 Oktober. Expreßzug von hier nach Bern ist heute früh bei Pontarlrer entgleist. Vier von den Passagieren haben Verletzungen davongetragen. — Die zwischen dem Ministerpräsidenten Ferry und dem General Lewal statt- gehabten Besprechungen haben wegen der abweichenden Ansihtm des letzteren über die militärischen Reformen zu keiner Verständigung geführt, es wird daher die Ernennung des Generals Saussier zum Kriegsminister für wahrscheinlich gehalten. — In amtlichen Berichten aus Hawhong vom 26. v. Mts. heißt es, daß die „schwarzen Flaggen" sich nach Laokat zurückzuziehen begännen. Die annamitischen Bevollmächtigten waren in Haiphong angekommen und standen im Begriff, sich nach Hanoi zu begeben. Rom, 8. October. Die Quarantäne der Provenienzen aus Malta, Cchpern und Smyrna ist aus eine 24stündige Beobachtung redurirt. Mailand, 8. October. Ihre K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin des deutschen Reichs und von Preußen sind mit Ihrer Kgl. Hoheit der Prinzessin Victoria über den großen St. Bernhard und von Turin kommend, gestern hier eingetroffen. Dieselben begaben sich heute zum Besuch des Königs und der Königen von Italien nach Monza und werden daselbst auch das Diner einnehmen. Petersburg, 8. October. Der hiesige niederländische Gesandte, Herr v. Mazel, welcher erst vorigen Winter auf den hiesigen Posten ernannt worden ist, wird in gleicher Eigenschaft nach Wien versetzt. Bei der Wahl seines Nachfolgers soll es mehr auf eine Person abgesehen sein, welche geeignet ist, die russisch-holländischen Handels-Beziehungen zu fördern._________ ___________ H n h Gießen, 9. Oktober. Wegen Raummangel mußte der für heute versprochene ausführliche Bericht über die Rede des Herrn Dr. Gutfteifch tw (Srünberg bis zur folgenden Nummer Zurückbleiben. Gießen, 8. Oktober. (THeaters Der heutige Abend brachte und Derschwö rung der Frauen oder die Preußen in Breslau" von Arthur Müller, ein feines, planvoll aufgebautes Lustspiel, in wachem Fache die deutsche Literatur der Gegenwart leider nur zu unergiebig ist. DaS Zusammenspiel ließ fast nichts zu wünschen übrig und zeugte von gewissenhafter Einübung Das Heldenbrüderpaar war durch Fräulein Kohrsen I. und Herrn Votgt vertreten. Erstere erzielte durch ihr neckisches Spiel voll Frische und Leben einen überaus günstigen Erfolg. Der Rittmeister des letzteren und der Obersyndtcus deS Herrn Peters waren vortrefflich dargefiellte F-guren. Mit scharfer Charakteristik führte Herr Muff seinen Fürst Leopold durch. Ungemein ergötzlich gab Herr Sauermann den Kammerherrn von Pölln'tz. Auch die übrigen mehr sekundären sollen waren durch die Damen Frau Hantsch (Frau v. Gutzmar), Fräulem Pögner I. (Fräulein v Linzendorf) und Fräul-in Kohrsen II. (Katharine v. Roth) und durch die Herren Schölermann (Hauptmann v. Rosenberg), Schreiner (RathspräseS v. Roth) und Rickelt (Pater Eusebius) angemessen besetzt. Die Direktion hatte wiederum für eine sehr geschmackvolle Ausstattung Sorge getragen, ebenso war die Jnscenirung eine durchaus sorgfältige. Das Stück fand seitens des ziemlich gut besetzten Hauses eine sehr freundliche Aufnahme und lebhaften Betfall. Gießen, 9. Oktober. In der am vergangenen 'Sonntag tm Glockner'schen Saale tn Llch abgehaltenen und vom Turnverein etnberufenen Bürgerversammlung, wo es sich um den Bau einer Turnhalle für den Turnverein handelte, wurde fast einstimmig beschlossen, die Erbauung einer Turnhalle als Bedürfniß anzuerkennen und zu diesem Zwecke Aktien ä 25 50Uw 54 -H, Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 62—70 Kartoffeln per 100 Ku * 3.00—4.00, Milch pr.Ltr. 13—18 Gänse pr. Pfd.^, 55-60. Zwiebeln per Gtr. X ' Frankfurt, 8. Okt. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetterall« X 20V,, fremder M 19>/--20i 50 Ctr. cX 39. Branntwein eff. ohne Faß S werdende )nd. Weiler üreinS, acht ■ Vorarbeiten oberen Ar- z das Kupser- ilich eine von Rappe, welche ngen, welcher nittelt wurde, )en Festtagen 00 und durch ; senbahn und laßt sich nur iiten sich fest iggeschwSnzten zustellen, doß Stück Hot der die er sich m't orteten Katzen angezeigt, lerftadt Erfurt sch den Km- ;m Wagen und Jungen thoten diese stürmische •Inen längeren [f seinen Lesern en etwas unj r unb Mel jtr wahrt daß ein von Phtlet- Laterer. Personen an -uiina w1 Hess. Vogt. Lüdeking. 6725 69, 19; Mar- Marktstraße. 6435 intermänteln S. Weimerslieiffl Mfolger Krautfässer empfiehlt LouiS Lony. GO --t* O CD Herbst- u. S ist mit allen Reuiieiteai reichhaltig sortirt und empfehle solches zu billigst berechneten festen Pretseu. Heute, Mittwoch den 10. Oetbr., von Morgens 10 Uhr an, 6716 Mittwoch den 1O. Oetober, Nachmittags 2 Ahr, , Fortsetzung der Waarm - Versteigerung bei Pb. Strack, Bahnhofstraße. Gießen, den 9. October 1883. 6728 F. Hoffmann, Coneursverwalter. setzte Versteigerung der noch übrigen Wollewaaren. J. A. Busch Söhne WmWl Achrdtt»»,. Johannes Reinhard dritter, st S. Eheleute zu Allendorf an der Lumda beabsichtigen, ihre in dasiger Gemarkung gelegenen nachstehend verzeichneten Liegenschaften zu veräußern, vor dem Namen Melchior Lotz, Johs. S-, Flur I Nr. 58; 2. vor dem Namen Heinrich ‘ Christoph Lotz, Johs. S., Flur 11 Nr. 130; 3. vor dem Namen Johannes Reinhard dritter, K. S. und Aeikgeöotenes. |a fst. Cervelatwurst, „ „ Salami, „ Sardellenwurst, „ Trüffelwurst, „ Gothaer Leberwurst, „ Schinken, roh und gekocht, empfiehlt in anerkannt hochfeiner Waare die Delicatessenhandlung von 6719 C. G. üleinhenn. Mittwoch den 10. d. Ms , Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flettischen Hofrarthe ^^Nähmaschinen, verschiedene Möbel und 1 Conversations-Lexikon. Gießen, den 8. Oktober 1883. Geißler, 6694 Großh. Gerichtsvollzieher. Frau, geb. Stooß, Flur II Nr. 128, ,, in „ 69, „ XIX „ \ 4. vor dem Namen Anna garethe Lotz, Johs. Tochter Bekanntmachung. Die Liste der bei der Wahl der Vertreter der Forensen stimmberechtigten, in der Gemarknng nur Begüterten bezw. nur Seroerbtreibenben rotrb bret Tage lang, nämlich ben 10, 11. und 12. October b. I. cm Burgermecsterec- locale (alte Realschule) bahier offengelegt werben, bannt wahrenb dieser bre: Tage, nicht aber später, Jebermann Einsicht bavon nehmen unb bei ber Wahl- Commission beßhalb Einwenbungen verbringen könne. Gießen, ben 6. October 1883. . Die Wahl-Comwisstou: Wir empfehlen unser großes Lager in Buckskins und Patetot Stoffen zu billigst gestellten Preisen. - » . 6708 Gehr Scheel, Neustabt. Erben, " < Flur II Nr. 129, „ IV „ 216; ö. vor dem Namen Johannes Reinhard, Henr. S., Flur 1 Nr. 614; 6. vor dem Namen Konrad Reinhard, Henr. S., Flur III Nr. 367; sie vermögen aber das Eigenthum und die Bezahlung des Kaufschillings nicht genügend urkundlich nachzuweisen. \ Es werden darum Alle, welche Eigenthums- oder sonstige dingliche Rechts - Ansprüche an vorbezeichnete Liegenschaften machen zu können glauben, hiermit aufgefordert, solche so gewiß binnen sechs Wochen dahier anzumelden, als sonst die Veräußerungen bestätigt und der Eintrag rn das Mutationsverzeichniß verfügt werden wirb. 6724 Gießen, den 25. September 1883; Großh. Amtsgericht Gießen. ________Dr. Schäfer. Steckbrief. Gegen den Hüttenarbeiter Heinrich Weber von Wetzlar, welcher sich verborgen hält, soll eine durch Strafbefehl Les Königlichen Amtsgerichts zu Wetzlar rom 6. Juli 1883 erkannte Geldstrafe Wn fünf Mark beigetrieben, event. die subsidiär erkannt-e Haststrafe von einem Tage vollstreckt werden. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und dem nächsten Amtsgericht vorzuführen, welches um Strafvollstreckung ersucht wird. Wetzlar, den 1. October 1883. 6711 Königliches Amtsgericht Versteigerung. Donnerstag den 11» Oktober, „ Vormittags 11 Uhr, läßt Unterzeichneter im hiesigen Pfandlokal (Seltersweg 11) 2 Sophas, 2 Kommoden, 1 runden Tisch, 1 Spiegel, 2 Kleiderschränke, 6 Stühle, l Uhr, 1 Consolschränkchen, 1 Schreibpult, 1 Decimalwaage, 1 Kuh und Nachmittags 3 Uhr die Ernte von einem Triebviertel, bestehend aus Kartoffel und Gemüse, .gegen Baarzahlung versteigern. Gießen, den 9. Oktober 1883. Der Pfandmeister: *6713___Horn._______ Bessenlliche Aufforderung. Es werden hiermit aufgefordert alle diejenigen, welche Forderungen oder sonstige Ansprüche an Friedrich Stumpf IV. von Burkhardsfelden zu machen haben, solche binnen 10 Tagen bei Unterzeichnetem schriftlich oder mündlich geltend zu machen, als sonst nach Verlauf dieser Frist keine Berücksichtigung stattfindet. Burkhardsfelden, den 4. Oct. 1883. Der Bevollmächtigte: 6615 Rechner Heuser. Herbst u. Mntersaison 1883)84. 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