Ar. 182 Donnerstag den 9. August ISS8* Gießener Anzeiger Amts- und Anzngeblatt für den Kreis Gießen. vureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montagö. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlstz't. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. Amtlicher Hheit. Betreffend: Die Wahlen der Bürgermeister. Bekanntmachung. Nachdem auch im Kreise Gießen die irrige Ansicht verbreitet worden ist, daß die Bürgermeister der Landgemeinden im Falle ihrer Wiederwahl pensionsberechtigt würden, erklären wir hiermit, daß die Bürgermeister der Landgemeinden überhaupt nie eine Pensionsberechtigung erlangen können. Gießen, den 6. August 1883. Großherzogliches KreiSamt Gießen. I. V.: Dr. Hoffmann, Regierungsrath.____________________________________________________ Gießen, am 6. August 1883. Betreffend: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung, hier: die Gebühren der Bauverständigen für Vornahme von Rauhbaurevisionen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien und Lokalpolizeibeamten des Kreises. Es haben sich mehrfache Anstände und Zweifel ergeben über die Höhe der von den Visitatoren für die Rauhbaurevision genehmigungspflichtiger Bauten und Feuerungsanlagen nach § 102 der Ausführungsverordnung zur allgemeinen Bauordnung in solchen Fällen zu beziehenden Gebühren, in welchen die Visitatoren (Bezirksbauaufseher, beziehungsweise diese in Gemeinschaft mit dem Kaminfeger) in einer Gemeinde außerhalb ihres Wohnortes mehrere Revisionen an einem Tage vornehmen. Wir bemerken Ihnen darum — unter Hinweis auf unser ftüheres Ausschreiben vom 17. Mai 1882, Anzeiger Nr. 117 und auf das Amtsblatt Nr. 5 des Ministeriums des Innern vom 17. Februar 1874, mitgetheilt durch unser Amtsblatt vom 11. März 1874, Nr. 4 —, daß die betreffenden Gebühren Zeitgebühren und keine solche für die einzelne Revision sind, und daß sonach der Visitator, wenn derselbe mehrere Revisionen (einschl. der Hin- und Herreise) an einem halben Tag erledigt, für diese zusammen 2 «X 50 und desgleichen bei Aufwendung eines ganzen Tages zusammen 5 Jt. zu beanspruchen hat. t , . . Im Uebrigen wiederholen wir den für solche Fälle maßgebenden Theil des genannten Amtsblattes. Danach haben die Sachverständigen mit dem Befundbericht ein Verzeichniß ihrer Gebühren, in welchen der Tag der Vornahme des Geschäfts, die betreffenden Hauseigenthümer und die Zahl der Revisionen anzugeben sind, bei der Ortspolizeibehörde einzureichen, welche dasselbe zu prüfen und, nach erfolgter Attestation resp. Berichtigung der Gebührenansätze, zu veranlassen hat, daß deren Betrag zur vorlagsweisen Auszahlung aus der Gemeindekaffe angewiesen, auf die betreffenden Hauseigenthümer nach der Zahl der an demselben Tag untersuchten Anlagen gleichmäßig repartirt und von denselben zurückerhoben wird. Werden Nachvisitationen angeordnet, so haben die Sachverständigen dieselben Gebühren, wie in den Fällen einer ersten Untersuchung zu beziehen. ___________I. V.: vr. Hoffmann, Regierungsrath. Betreffend: Die Viehpreisvertheilung zu Büdingen am 29. August o. I. Bekanntmachung. Der Unterzeichnete bringt hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß nach Maßgabe der Prämiirungsordnung von der betreffenden Commission nachträglich noch festgesetzt worden ist, daß bei der Viehpreisvertheilung zu Büdingen auch Auchtschafe um Preise concurriren können. Friedelhausen, am 5. August 1883. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheßen. Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau. Potitifcbe Ueberficbt. Gießen, 8. August. Ueber die wiederholten Audienzen, welche Graf Kalnoky während seiner Anwesenheit in Gastein beim Kaiser Wilhelm hatte, coursiren noch immer verschiedene Gerüchte. Das halbosficiöse Wiener „Fremdenblatt" versichert nun gegenüber den verschiedenen Combinationen über die Audienzen des Grafen Kalnoky bei Kaiser Wilhelm auf Grund von competenter Seite erhal- tener Informationen, daß es sich in der gedachten Unterredung weder darum gehandelt habe, Bedenken zu zerstreuen, noch darum, die innere Politik Oesterreichs zu besprechen. Graf Kalnoky sei vielmehr nach Wildbad Gastein gereift, weil ihm die Anwesenheit Kaiser Wilhelms auf österreichischem Boden einen willkommenen Anlaß bot, dem Kaiser nach längerer Zeit wieder seine Aufwar- tung zu machen. Obwohl bis zur Stunde das definitive Resultat der Stichwahl im Reichstags'wahlkreise Kiel-Rendsburg noch nicht bekannt ist, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß Professor Hänel, der Candidat der Fortschrittspartei, mit bedeutender Majorität gewählt worden ist. Im Vergleich zur ersten Wahl haben beide Gegner ein bedeutendes Plus an Stimmen errungen und namentlich Hänel hat das (einige der verstärkten Betheiligung der liberalen Wähler zu 'verdanken, indessen .scheinen auch viele Conservative für Hänel gestimmt M haben. (Siehe Depeschen.) Das Ausscheiden des Vice-Admirals Bätsch und des Contre- Admirals Berger aus dem actioen Dienst hat zu dem Gerücht Veranlassung toben, daß sich auch der Chef der Admiralität, General-Lieutenant v. Caprivi, mit Rücktritts-Gedanken trage. Er soll sich dahin geäußert haben, daß er aus einem Gebiete, welches er so sicher und gut beherrschte, wie wenig Andere, in ein anderes gerückt sei, auf welchem in vielen Punkten seine Untergebenen bewanderter seien, als er selbst. Es klingt indessen nicht sehr wahrscheinlich, daß General-Lieutenant v. Caprivi schon wieder von seinem neuen Posten zurück- tteten sollte. In Betreff des Todes des Abg. Stoll spricht eine Correspondenz des „Wests. Volksbl." aus Schalcke geradezu von einem Raubmorde. Es heißt dort: „Die Famllie H. hierselbst, welche vor Kurzem durch den Besuch eines Verwandten aus G. erfreut worden war, wurde nach Abreife deffelben in nicht geringe Aufregung versetzt, als sie erfuhr, derselbe sei an dem Ziele seiner Reise nicht angelangt. Das sofortige Nachreifen und die weiteren Nachforschungen des Herrn H. waren ohne Erfolg, bis heute das Verschwinden des Verwandten durch eingetroffene Nachricht aus Köln in schrecklicher Weise aufgeklärt wurde. Danach ist derselbe in Köln, woselbst er eine nicht geringe Erbschaft zu erheben hatte, nach Empfang derselben von Raubmördern seines Geldes beraubt, ermordet und daraus in den Rhein geworfen worden, woselbst er dieser Tage als Leiche aufgefischt wurde." Das freisprechende Urtheil im Proceß von Trsza-Eszlar scheint den in den unteren Schichten des ungarischen Volkes gegen die Juden herrschenden Haß nur noch verstärkt zu haben. In Preßburg, wo sich schon vor einiger Zeit Excesse gegen die Juden abspielten, haben am Sonnabend abermals derartige Ausschreitungen stattgefunden. Unter Eljenrufen auf den bekannten Antisemiten-Führer Jstoczy rottete sich ein Pöbelhausen auf der Promenade zusammen und zog, hier vom Militär vertrieben, nach dem Fischerthor ab, wobei er unterwegs am Fruchtplatz in von Juden bewohnten Häusern die Fensterscheiben einschlug. Die excessirende Menge wurde schließlich vom Militär auseinandergetrieben, wobei 4 Personen verhaftet wurden. Der Magistrat hat einen Aufruf erlassen, in welchem er jede Menschenansammlung mit Waffengewalt zu verhindern droht. , Die französischen Radikalen wittern wieder einmal eine legiti- mistische Verschwörung. Es heißt, daß man einer Verbindung hervorragender Legitimisten auf der Spur sei, die nichts Geringeres als den Sturz der Republik und die Wiederaufrichtung des legitimistischen Königsthrones bezwecke und sollen sogar verschiedene Anhänger des Grasen Chambord verhaftet worden fein. Die Aussichten für eine anti - republikanische Schilderhebung )ind aber in Frankreich zur Zeit dermaßen ungünstig, daß wohl selbst der eingefleischteste Legitimist nicht erwarten wird, im Handumdrehen der Republik den Garaus gemacht und das weiße Lilienbanner der Bourbonen wieder aufgepflanzt zu sehen. Die Gerüchte von einer legitimistischen Verschwörung klingen daher sehr unwahrscheinlich und werden von republikanischer Sette wohl nur deshalb aus- gestreut, um die Legitimisten in den Augen des franzofiscyen Volkes noch mehr zu d-savouiren. - Der Thronwechsel in Anarn wird von den sranzostschen Blättern als ein für Frankreich günstiges Ereigniß hingestellt. Der neue Kaiser Phüdac soll im Gegensatz zu seinem Vorgänger Tuduc den Franzosen mcht un- freundlich gesinnt sein, doch ist etwas Positives über d.e Gesinnung des neuen Herrschers noch nicht bekannt. Im übrigen lasten sich bte Franzosen durch dieses Ereigniß in ihren Operationen gegen die „Schwarzen Flaggen nicht stören, sie beabsichtigen dieselben vielmehr jetzt mit vollster Energie aufzunehmen. Das englische Parlament steht nun ebenfalls am Ende semer langen und angestrengten Thätigkeit, da der Schluß der Session m der vorletzten Woche des August erfolgen soll. Jrn Gegensatz zu den langwierigen Verhandlungen der letzten Wochen hat das Unterhaus am Sonnabend flott gearbeitet und mit einer ganzen Anzahl von Vorlagen aufgeräumt. Zunächst wurde die Regierungs-Vorlage, betr. die Errichtung eines Localverwaltungs- Ministeriums für Schottland, in zweiter Lesung mit 99 gegen 21 Stimmen angenommen, womit eine alte Forderung der Schotten endlich in Erfüllung gegangen ist. Ferner wurde die schottische Pachtbill, welche die Lage der Pächter in Schottland bedeutend verbessert, in dritter Lesung definitiv genehmigt; die Pachtbill war eine höchst nothwendige Maßregel, da sich auch bereits unter der schottischen Landbevölkerung eine gewisse Mißstimmung gegen die Großgrundbesitzer geltend machte. Endlich sanden am Sonnabend noch die Choterabill und die Erfindungs-Patentbill die Zustimmung des Hauses. Aus Rußland wird wieder einmal von Judenhetzen berichtet. In der Stadt Jekaterinoslaw unternahm vor einigen Tagen ein Pöbelhausen einen thätlichen Angriff aus die jüdische Bevölkerung der Stadt, wozu die Menge angeblich durch eine schwere Beleidigung, welche ein Jude einer Bauersfrau zufügte, gereizt worden sein soll. Es wurde Militär requirirt, welches den Tumultuanten gegenüber von den Waffen Gebrauch machen mußte. Von den Tumultuanten, die größtentheils aus fremden, im Eisenbahnbau beschäftigten, Arbeitern bestanden, wurden 10 Mann getödtet und 13 Mann verwundet. Der Stadtrath von Jekaterinoslaw hat nach Wiederherstellung der Ruhe beschlossen, den geschädigten Juden aus städtischen Mitteln eine Entschädigung von 5000 Rubeln zu gewähren und zur Vertheilung der Summe eine Commission von Christen und Juden eingesetzt. Zugleich hat der Stadtrath beschlossen, die Obdachlosen in städtischen Gebäuden unterzubringen und den Erzbischof ersucht, auf die Beruhigung der Gemüther hinzuwirken. In Lissabon geht das Gerücht von einer republikanischen Militär- Revolte, welche in der portugiesischen Grenzfestung Badajoz stattgefunden haben soll. Die Telegraphen- und Eisenbahn-Verbindung mit Badajoz ist unterbrochen. Die Beamten wurden von den Aufständischen gefangen gesetzt. Aus Madagaskar wird gemeldet, daß die dortige Lage unverändert sei, da die geringe Anzahl der französischen Truppen kein weiteres Vorrücken gestattet. Die Howas halten die ganze Umgebung von Tamatave besetzt, haben aber ihre Angriffe auf die französischen Truppen eingestellt. m. Darmstadt, 7. August. Einer bereits in dem Edtct über die Verfassung der evangelgchcn Kirche des Großherzogthums gegebenen Zusage gemäß ist der Landes^ synod: von Seilen des OberconsiNoriums em Gesetzesentwurf, betr. die Erhaltung der kirchlichen Ordnung in Bezug aus Trauung, Taufe und Eon- firm atton oorgelegt worden, welcher m der bevorstehenden Session zur Berathung kommen wird. Die dem Entwurf belgegebenen Motive führen auö, es könne nicht die Absicht sein, mehr als eine Anzahl nothwendig erscheinender kirchlicher Schlußbesttmm- ungen gesetzlich zu fixiren. Am wengsten könne tntendtrt sein, ein voll ausgearbeitetes Zuchtgesetz, welches sich namentlich auch auf sittliche Verfehlungen erstreckte, vorzulegen. Es sollte nur das im augenscheinlichen Bedürfntß Gegründete, Nothwenbigste und dem christlichen Volk an sich Verständlichste dargeboten werben, weiter Gehendes fernerer Entwickelung überlassend. Zur Ausübung eigentlicher und intensiv-christlicher Krrchen- zucht erscheine weder der religiöse Zustand unserer gegenwältigen (Semembuü, noch der Wille, die Kraft und Macht der Organe derselben, welchen jene Uebung Übertragen werdm müßte, als geeignet; ein hierauf sich einlassendes Gesetz würde nicht begriffen werden, nur Streit und Zwietracht säen und so der Kirche schaben statt nützen. Der Gesetzgebungsausschutz der Landessynode, welcher durch den Abgeordneten Dieffenb ach (Schlitz) Bericht an das Plenum erstatten Uetz, pflichtet diesem Gesichtspunkte bet. Ein Mitglied des Ausschusses bemerkt jedoch, datz das vorliegende Gesetz nicht wett genug gehe, Indem es weder der Pflicht der erbarmenden L'.ebe, noch der Pflicht der Selbstbewahrung genüge; ja selbst als bloses Schulgesetz aufgefaßt, könne cs seinen Zweck nicht erfüllen. Als äußerste Schutzmaßregel verordnet das Gesetz die Aberkennung der Wählbarkeit und des Wahlrechts zu kirchlichen Gemeindeämtern, eoent. noch die Entztehunz des Rechtes der Taufpathenschaft. Damit wird aber, nach Ansicht der Minorität des Ausschusses, bet der bekannten Gleichgültigkeit in Bezug auf die kirchlichen Wahlen nichts erreicht werden. Der Zweck jeglicher Krrchenzucht nicht nur, sondern auch schon der L-chutzzwcck erfordern durchaus weltergehende Maßregeln, also Suspension von der The.lnuhme am heiligen Abendmahle, die Versagung des kirchlichen Begräbnisses, bezw. die Androhung dieser Versagung und in letzter Consequenz die bestimmte Erklärung, daß die Kirche ein Glied, welches beharrlich die Erfüllung seiner kirchlichen Pflichten verweigert, nicht mehr als zu ihr gehörig betrachten könne. Die Minorität des Ausschusses macht diesen ihren Standpunkt bei den einschlägigen Paragraphen des Gesetzes in Form von Abändecungs- anträgen geltend, auf welche wir bet der principtellen Bedeutung der Sache zurück- kommen werden. Berlin, 3. August. Mit dankenswerther Schnelligkeit veröffentlicht das kaiserliche staliftifchc Amt des Reiches die Ermittelungen, welche die im vorigen Jahre statt- gehabte Berufszählung ergeben hat. Das Maiheft der „Statistik des Deutschen Reichs" gibt uns u. a. auch Aufschluß über die Belheilrgung des weiblichen Geschlechts an der deutschen Erwerbsarbeit. Unter den 17.6 Millionen Erwerbsihätlgen im Deutschen Reiche ist fast ein Viertel weiblichen Geschlechts. Dies Verhältntß ist aber in den einzelnen Gruppen sehr verschieden. In der Landwirthschaft ist, da unter den Dienenden und Arbeitern (4 935,301) das weibliche Personal (2,130,290) dem männlichen (2,805,011) an Stärke nahe kommt, fast ein Drittel der Selbstthätlgen weiblich. In verschiedenen anderen Gruppen übersteigt der weibliche Antheil sogar ein Drittel. Er beträgt nämlich bci „Lohnarbeit wechselnder Art rc." 46 pCt, weil in dieser Gruppe die vielen weibliche Dtenstarbett verrichtenden Personen, welche nicht im Hause der Herrschaft leben, vorkommen; bei der Bekleidungsindustrie 43 pCr., weil hier die Näherinnen, Putzmacherinnen, Wäscherinnen sehr stark vertreten sind; bet der Gast- und Schank- wirthschaft 39 pCt., da hier zwar unter 143,373 Selbstständigen nur 29,900, unter den 134,250 Personen deS Dienstpersonals aber 77,820 weibliche sich befinden. Bet der Textilindustrie, wo 38 pCt. weibliche Selbstthättge sind, erscheinen dieselben fast m allen Zweigen, als Selbstständige namentlich im Hausbetrieb, stark vertreten. Daß einzelne Berufsgruppen der Industrie, z. B. Baugewerbe, sowie des Handels und Verkehrs, nur eine geringe Bethetligung des weiblichen Geschlechts aufwetsen, kann nicht befremden, viel eher, daß einzelne davon einen nicht ganz unbeträchtlichen Bestand weiblicher Arbeitskräfte haben, so namentlich die Gruppe Bergbau rc. 3 pCt, die Industrie der Metalle sogar fast 14 pCt. Letzteres rührt namentlich von der häufigen Verwendung von Arbeiterinnen bet der Veraroettung edler Metalle (worunter z. B. auch Btjoutertewaarenfabrtkatton) her. Berlin. Gegenüber den ungehobelten Auslassungen der „Germania" über den neuernannten Generalsupertn'oenten der Rheinprovinz, Hofpredtger Dr. Baur bemerkt der „Retchsbote" u. A.; Es widerstrebt uns, selbst einer derartigen Provokation gegenüber, die gesellschaftlichen und Bildungs-Vorzüge, welche die „Germania" für die katholischen Geistlichen im Vergleich mit der evangelischen in Anspruch nimmt, einer näheren Prüfung zu unterziehen; im Allgemeinen pflegt man auf Seiten der katholischen Gesttltchkeit höchstens em Plus an jovialer „Gemüthltchkeit", an volksthümlicher Derbheit und, namentlich soweit es sich um die jüngere Generation handelt, an jesuitisch geschulter Dialektik anzunehmen. Am allerwenigsten aber haben wir jemals eine besondere Neigung zur Höflichkeit oder Abneigung gegen massive Polemik, a.s Früchte ihrer „guten Erziehung", bei den Kapiänen der katholischen Presse, in den Rundschreiben der katholischen Bischöfe und den Encykltken der Päpste bemerkt; man kann im Gegen thril den polemischen Leistungen der „Germania" wie den Aussprüchen des gegenwärtigen Papstes und seines Vorgängers über die evangelische Kirche eine sehr brauchbare Zusammenstellung aller von den betreffenden Sprachen gebotenen Kraftausdrücke entnehmen und wir haben gegen die Selbstetnschätzung, welche die Redactcure d r „Germania" so an ihrer eigenen „guten Erziehung" wie derjenigen Pius IX und ßco XIII. vollziehen, selbstverständlich nichts einzuwenden. Die Bezeichnung des Herrn «^ers Baur als eines „Hetzredners" und des Inhalts seiner Reden als eines | ^ne jener dreisten und ungezogenen Unwahrheiten, mit denen 1 1t nur gewisse Blatter zu operiren pflegen oder mit denen sich jüdische Handlungs- ' £ O f Ü I t . Gießen, 8 August. (Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der Todesfälle wahr^» der Woche vom 29. Juli bis 4. August erreichte die Höhe von 19, ohne daß j w gerade eine Jnfcctionskrankheit ungewöhnlich viele Sterbfälle veranlaßt hätte. « im ersten Lebensjahre starben 4, davon eins, nur wenige Stunden alt, an angeoo Schwäche, eins an Brechdurchfall 2 an allgemeiner Abzehrung. Von alteren Kl - starben 6 und zwar an Nierenentzündung, Keuchhusten, Gehirnentzündung, BNgy i Krankheit je eins, an Scharlach 2, darunter eins von auswäcts. Bei 9 , Personen war Todesursache: Lungenschwindsucht 3mal, Starrkrampf, Herzentzun - Herzfehler, Rückenmarkentzündung, Tuberculose des Bauchfells, Krebs je einmal. t Gießen, 8. August. Nun beginnen sie endlich, die herrlichen Zage, o der Ferien, zwar nicht für alle, aber doch für einen Theil der im Schweig v Angesichts arbeitenden Menschheit. Am 11. August wird der Unterricht in deny Schulen auf sechs Wochen geschlossen. Welch' zauberhafter Klang liegt in dem Sie sind ja offenbar das Poetischste im Leben eines Schulknaben, das eigentli ^ Ideal von Schülcrglück. Und wäre es ein Nachmittag Htzferien im Juli, w augenblicklich die frischen Kinderaugen, sobald das Zauberwort gesprochen ist. jg>, es lhnen nicht Übel, wenn auch die fleißigsten und lernbegierigsten von foiwei v freude ergriffen werden: Das ist das Freiheitsgefühl in seiner unschuldigsten Und so wenig der gewissenhafteste Lehrer Verdruß darüber empfindet, lvenn versehens ein freier Tag In die Woche fällt, so wenig muthen wir dem sich aus lauter Lrneifer auf der Schulbank festzunageln. m Würde je ein Individuum uns begegnen, das den Ferien ^Erlich 6^ dem würden wir prophezeien, daß es zwar vielleicht — aber gar nicht gew 8 s ein stockgelkhrter Mann, ganz gewiß aber der prosaischste, langweiligste Ptsti i würde, dm je die Erde getragen- nicht ^edek Mit den Ferien erreicht auch die Reisesaison ihren Höhepunkt, «b man(ii erweist Gott die rechte Gunst, ihn in die weite Welt zu schicken. Da glvt Vorbedingungen, vor allem freie Zeit und das Wichtigste — ®*lb. m derjen'gdie Insurgenten 750,000 Pesetas aus der Militärkaffe mit. >2 • ■ spanische Presse verurtheilt einmüthig die aufständische Bewegung. Beirut, 7. August. Gestern sind hier zwei Cholera-Todesfälle v i. - gekommen. — (übt. So Manchen hat das Leben zu einer Arbettsmaschine gemacht, welche so lange ihre Functionen verrichtet, bis eben der Dampf ausgeht; dann ist Feierabend für ihn, 1 sind große Ferien für ihn- So Mancher hat sich im Drange der Geschäfte noch «inen Rest von Menschheitsgefühl erhalten, aber die leidigen Geschäfte sind es eben, lic es 'n 'hm nicht zum Bewußtsein kommen lassen, die ihm keine Ferien gestatten. Wohl fühlt auch er zur Zett der allgemeinen Wanderlust m seinem Innern einen Drang nach Erholung, wohl durchströmt auch ihn ein geheimnißvolles Sehnen nach Freiheit doch bleibt es meist bei dem frommen Wunsche, vielleicht wird fürs nächste Fahr ein Reiseplan entworfen! — So gibt es also sehr viele, welchen der Feriengenuß erst in einer andern Welt blüht, sehr viele, welche die Schönheit der Welt nur aus Reifebeschreibungen kennen und welchen die Phantasie, die unermüdliche Malerin, allein Ersatz gewähren muß für so manchen unerreichbaren Genuß. Wir wünschen also allen denen welche mit uns an die Arbeit gekettet sind, und denen der Genuß der Erholung oersaat ist, eine recht lebhafte Phantasie; und allen denen, welchen ihre Geschäfte ewige Zeil zur Wiederbelebung ihrer Arbeitskraft gestatten, recht vergnügte t r i n i O Heute Morgen wurde dahier ein LOjähriger Fechtbruder verhaftet, welcher Lkstern in Lützel-Linden als Taubstummer gebettelt und dabei m einem Hause eine Derthoolle Uhr mitgenommen hatte. Die Uhr hatte der Gauner für 2,50 Mark m gang-Göns verkauft, in der Sprache hat sich derselbe natürlich schon bedeutend zebessert. m(r vernehmen, hat sich in Darmstadt wieder ein Agttations Comitä ;ur Abschaffung der Weinstcuec gebildet. Hoffen wir, daß die Herren einen Erfolg azlelen. ___________________ ß M m t f d) w i — (Programm zu dem landwirthschastlichen Feste zu Büdingen am 29. und 30. August 1883] Am 29. August früh, präcis 8 Uhr, finden sich olle Theilnehmer am Festzuge in der Nähe des Monuments für gefallene Kneger bei dem Großendorfe em. Die Aufstellung des Festzugs erfolgt 'n der Weise, daß alle theilnebmenden Wagen durch das Mühlthor einsahren, ihren Weg durch die Altstadt und Neustadt nehmen und dann in der Vorstadt iyrer Nummer nach anschließen. Um 8V2 Uhr setzt sich der Zug durch die Gymnasiumsstraße, Altstadt, Neustadt und Obergasse nach dem Festplatze, der Hammerwlese, in Bewegung, woselbst ec um 10i/, Uhr anlangt. An der Spitze dieses Zugs als Führer drei Reittt, sodann ein Musikcorps, die freiwillige Feuerwehr, Reiter, fürstliche Wagen mit Ehrengästen, der Vorstand der Stadt Büdingen zu Wagen, Comtt^s zu Wagen, em Wagen mit Ver- loosungsgegenständen, ein Wagen mit zwei Mädchen und dem Ziehungsapparate, Jungfrauen zu Wagen, der Schützenverein zu Wagen, der Gesangverein „Llederkranz" Allgemeine zu Wagen, Reiter, Jungfrauen zu Wagen, der Gesangverein „Concordia" zu Wagen der Kriegerverein zu Wagen, Reiter, ein Musikcorps, auswärtige Wagen, alle diejenigen, welche sonst dem Zuge sich anschließen, Reiter. Auf dem Festplatze angekommen, nehmen die Teilnehmer nach Wunsch des Festcomit6s Stellung. Während d'e Musterung des vorgeführten Viehes beg'nnt: Vortrag der Gesangvereine. Nach beendigter Musterung und vor Beginn der Preis- verthettung desgleichen. Die Preisvertheilung wird um 12 Uhr beginnen und durch den Präsidenten des landwirthschastlichen Provinzialvereins vorgenommen werden. Zwei Uhr Nachmittags: Festessen. Nach beendigtem Festessen: Anfang der Belustigungen — Tanz und Volksspiele. Den 30. August, Nachmittag« 2 Uhr: Beginn der Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen und anderen Gegenständen; Tanzmusik und Belustigungen. Witterungskunde.*) 9. August. Donnerstag. Frühmorgens etwas kühl, Morgens heiter, auf Mittag zu Schleier und Wolkenballen bis allgemein bedeckt, Nachmittags strichweise auf- geheitert, spätnachmittags dunkel gewitterhaft bedeckt; von Süddeuischland ziehen in nordöstlicher Lrnie Nachmittags Gewitter mit im Süden stellenweise erheblichen Niederschlägen; spätabends aufgebessert. 10. August. Freitag. Frühmorgens kühl mit Thau ober regnerisch, tagsüber allgemein noch ziemlich gut mit Neigung zur Bedeckung Mittags, spätnachmittags und Nachts Niederschläge, zumal im Süden. *) Aus Dr. L. Overzier's Wetter-Prognose für den Monat August, abgeschlossen am 20. Juli (Verlag der M. Lengfeld'schen Buchhandlung in Köln, Preis 1 ALY — Nachdruck verboten. Frankfurt a. M., 8. August, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt dukch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 2541/e, Staatsbahnactien 2713/8, Galizier 2553/8, Lombarden 1323/4, Nord- westbahnactien —, Gotthardbahnactien 111 Vs# Darmstädter - Bankactien 1587/s, Disconto Commandit 1983/s, Oesterr. Silberrente 68, 4% Ungar. Goldrente 76, 4o/o 1880er Russen 73Vi6, 5% 1877r Russen 923/e, 2. Orient-Anleihe 57%, 4o/o Spanier 613/4, 5% Rumänische Rente 93%, 4% Unific. Egypter 73%, 5% Türken —, Marienburger 105%, Hess. Ludwigsbahnact. 1135/s- Tendenz: —. »■■■■«■■ LL--------■!!!■. i-U.J —1! '■ L 1-----J .■—« ------ Wafferwärme der Lahn. Am 8. August, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 14° 9t-, Luftwärme 4- 15%o R. 6. Chr. Rübsamen. r Anzeiger. Bekanntmachnng. Die anhaltend günstige Entwicklung der einheimischen Industrie läßt für den koimnenden Herbst, ebenso wie in den Vorjahren, eine erhebliche Verkehrs- sleigerung mit Sicherheit erwarten. Die Eisenbahn-Verwaltung hat ihrerseits alle Vorkehrungen getroffen, um den alsdann an sie herantretenden vermehrten Anforderungen nach Möglichkeit entsprechen zu können und ist insbesondere eine wesentliche Vermehrung des Wagenparks vorgenommen worden. Nach den gewonnenen Erfahrungen aber können für die in Rede stehende Zeit Verkehrsstockungen nur dann vermieden werden, wenn das Publikum auch seinerseits die Bemühungen der Eisenbahn-Verwaltungen unterstützt, indem dasselbe eine möglichst rasche Be- bezw. Entladung der Eisenbahn-Waggons sich angelegen sein läßt und soweit irgend thunlich durch Vorausbestellung der für den Winter erforderlichen Materialien eine Vertheilung der Transporte auf einen längeren Zeitraum ermöglicht. Indem wir daher die betheiligten Kreise um gefällige Beihülfe in dieser Richtung ergebenst ersuchen, heben wir noch besonders hervor, daß gerade der Vorherbezug an Kohlen und Coakes, sowohl als Hausbrand wie in ausreichendem Maße als Vorrath für die gewerblichen Etablissements, insbesondere als Reserve für den Nothsall, durchaus im eigenen Interesse der Bezieher liegt, weil unter den heutigen Verhältnissen eine Preissteigerung für Kohlen 2c. zum Winter wahrscheinlich ist und weil im Kohlenversandt am ehesten Transportstockungen einz^treten pflegen. Hannover, den 4. August 1883. 5378 Königliche Eisenbahn-Direction. Versteigerung. Donnerstag den 9. August, Nachmittags 2 Uhr, werden in hiesigem Pfandlokal, Seltersweg Nr. 11 4 Bilder, 1 Spiegel, 2 Sophas, 1 Tisch, 1 Kommode, 1 Lehnstuhl, 1 Kleiderschrank, 1 Dickwurzmühle, 1 Nähmaschine öffentlich gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 6. August 1883. 5360_____Horn.__ Versteigerung. Tawstag den 11. August l. 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