383, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Mittwoch den 7. November • W W M S, Felchner n Marie • (Tenor) s Leipzig, kademi- gesang- I sch ule, Vereins- Ricker- ilung, wo- 7389 r, 1 Mk. y _739f Zimmer und Klipstein- m 1., anu aride Leute zw xsroeg 31, ; Zimmer zir icnroeg 31. eigen. en aus am als Ladnerin, xped. ds. Al. idet Kost und gärtchen 3. t-WäßM lang, 2 Mir- 7374 », Wetzlar. Hsf. ’SSPSO U. Ehe- ien. sbursch s. Bl. > und Eisen- Stüdtchen der :1s zu sofort, ii berartifiCK nben, erhalten r. F- an die häflffir Kunde. 7. November, n Aula. r. Fromme des Wetters. Zutritt. 7M V«rea«r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Ueberficht. Gießen, 6. November. Am Berliner Hofe sieht man anläßlich der großen Hofjagden, welche für den 8. und 9. November in der Schorfhaide angesetzt sind, in diesen Tagen dem Besuche hoher fürstlicher Gäste entgegen. Bereits am Sonntag Abend ist Kronprinz Rudolf von Oesterreich in Berlin eingetroffen; in seiner Begleitung desindet sich diesmal seine jugendlich-liebliche Gemahlin Stefanie, welche die meite Reise trotz der rauhen Jahreszeit nicht gescheut hat- Der Aufenthalt des österreichischen Thronfolger-Paares am deutschen Kaiserhofe ist bis zum 10. November bemessen und kann man diesen langen Besuch wohl als ein sichtbares Zeichen für die so herzlichen Beziehungen auffassen, welche zwilchen den beiden Kaiserhösen von Berlin und Wien bestehen. Ferner sieht man in Berlin dem Eintreffen König,Alberts von Sachsen, welcher ja schon seit Jahren ein häufiger Gast des vreußischen Königshauses ist, und seines Bruders, des Prinzen Georg, jomie auch des Großfürsten Wladimir von Rußland entgegen. Ob noch weitere sremde Fürstlichkeiten sich an den Hofjagden betheiligen werden, ist vorläufig roch nicht bekannt. In den letzten Tagen sind über verschiedene Mitglieder des preußischen Staatsministeriums unwahre Gerüchte verbreitet worden, denen von der osficiösen Presse jetzt energisch entgegengetreten wird. Zunächst hieß es, daß der Eisenbahnminister Maybach zurückzutreten beabsichtige wegen angeblicher Differenzen, die er mit verschiedenen seiner College» gehabt haben soll, wogegen von osficiöser Seite bestimmt versichert wird, daß Herr Maybach nicht im Mindesten daran denke, zu demissioniren und daß zu einem derartigen Schritte überhaupt nicht der geringste Anlaß vorliege. Ebenso haben sensationsbedürftige Blätter aus dem Umstande, daß die beabsichtigte Reise des Ministers des Innern, Herrn l>. Putlkamer, nach Friedrichsruhe unterblieben ist, Meinungs-Verschievenheiten zwischen ihm und dem Reichskanzler gefolgert, die ebenfalls nicht im Geringsten existicen. Endlich denientirt die officiöse Presse auch die Nachricht, daß zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Geh. Regierungsrath Lohmann Differenzen entstanden seien. Aus den zur Zeit in Wien versammelten Delegationen sind uns jüngst wiederholt Kundgebungen zu Theil geworden, welche beweisen, wie entschieden man in den leitenden Kreisen Oesterreich-Ungarns an die Fortdauer des europäischen Friedens glaubt. Auch die in voriger Woche publicirten Berichte der Ausschüsse der beiden Delegationen für das Budget des Auswärtigen sind nur eine Fortsetzung dieser Kundgebungen. Beide Berichte betonen hierbei in erster Linie das intime Freundschafts -Verhältniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn, aus welchem die Erhaltung des allgemeinen Friedens dasire; im Anschluß hieran verbreitet sich der etwas längere Bericht des Budget- Ausschusses der ungarischen Delegation noch einmal über die Beziehungen des Kaiserstaates zu den übrigen Mächten, ohne jedoch etwas wesentlich Neues vorzubringen. Einzig hervorzuheben ist der Wunsch der ungarischen Delegation, daß Oesterreich die berechtigten Forderungen der Pforte gegenüber Bulgarien energischer als bisher unterstützen möge. Mit dem parlamentarischen Triumph, den das franzöfüche Ministerium in voriger Woche in der Deputirtenkammer gefeiert hat, contrastirt die unmittelbar hierauf gefolgte Nachricht, daß der Leiter der auswärtigen Politik Frankreichs, Herr Challemel-Lacour, demnächst zurücktreten wird, recht eigenthümlich. An der Richtigkeit dieser Meldung kann kaum mehr gezweifelt werden, denn sie wird von der osficiösen „Agence Havas" selbst bestätigt. Motivirt wird dieser überraschende Entschluß Challemel-Lacour's damit, daß es ihm sein sehr geschwächter Gesundheitszustand nicht mehr erlaube, noch länger seinem verantwortungsreichen Amte vorzustehen und es ist allerdings sehr wahrscheinlich, daß die fortgesetzten Angriffe auf die von ihm in erster Linie vertretene Politik den Minister körperlich und geistig ermüdet haben. Mit dem Vertrauensvotum, welches die Deputirtenkammer dem Ministerium in der Tong- iingfrage ertheilt hat, ist dieselbe aber noch nicht gelöst und Challemel-Lacour scheint es daher vorgezogen zu haben, allen aus der Tongking-Affaire vielleicht noch erwachsenden Schwierigkeiten durch seine Demission aus dem Wege zu gehen. Ob es dem Ministerpräsidenten Ferry, welcher für Challemel-Lacour einspringen will, gelingen wird, die ostasiatischen Händel zu einem guten Ende zu führen, muß abgewartet werden. Einstweilen scheint sich die sranzöstsche Heeresleitung in Tongking wieder zu einer kräftigen Offensive aufraffen zu wollen. Eine Depesche aus Saigon meldet, daß Admiral Courbet mit 600 Mann Marinetruppen am 24. October von Haiphong nach Hanoi ausgebrochen ist, um die Besetzung von Kuanghien vorzunehmen. In England bilden die auf der Londoner Eisenbahn stattgefundenen Explosionen noch immer einen Theil des Tagesgespräches. Die beiden Gesellschaften der Londoner unterirdischen Eisenbahn haben für die Entdeckung der llrheber der Explosionen eine Belohnung von je 250 Pfd. Sterl. ausgesetzt und die englische Regierung soll zu gleichem Zwecke sogar eine Belohnung von 500 Pfd. Sterl. zugesichert haben, aber trotz dieser Anspornung ist von der Polizei noch nicht die geringste Spur von den Thätern ausgefunden worden. Allgemein ist man der Ansicht, daß dieselben in fenischen Kreisen zu suchen sind,; nur die „St. James' Gazette" glaubt, daß die Socialisten hierbei die Haud im Spiele gehabt haben. — In London-Derry (Irland) haben am Donnerstag blutige Schlägereien zwischen Paruelliten und Orangisten stattgefunden und mußte zuletzt Kavallerie die Ruhe wieder Herstellen. Die nordsavoyische Neutralitäts-Frage wird von dem Berner „Bund" immer wieder aufgewärmt. Das genannte Blatt schlägt jetzt als geeignetste Lösung dieser Frage eine territoriale Ausscheidung im Rayon des neutra- lisirten Gebietes vor. Die Schweiz würde sich zufrieden geben, wenn sie etwa das Thal der Arve vom Mont Blanc bis zur Einmündung der Arve in die Rhone zugetheilt erhielte und dagegen das Besatzungsrecht auf den übrigen Theil Nord-Savoyens aufgebe. Vorläufig können aber die Franzosen der Schweiz gegenüber die Rolle der beati possidentes spielen und werden sich daher schwerlich zu dem vorgeschlagenen Ausgleich verstehen. Die Cholera ist in Alexandrien noch in entschiedener Zunahme begriffen, denn allein in den Tagen vom 27. bis zum 30. October sind ihr in dieser Stadt 33 Personen erlegen. Dagegen scheint sie in den andern Theileu Egyptens gänzlich erloschen zu sein, und auch aus Ober-Egypten, bis wohin die Epidemie in ihrem südlichen Laufe vorgedrungen war, hört man seit Wochen nichts mehr von Cholerafällen. Die deutsche Cholera-Commission wird sich daher in diesen Tagen nach Indien begeben und zwar nach Kalkutta, nicht nach Bombay. Darmstadt, 5. November. Se. Könial. Hoheit der Großherzog sind heute zur Jagd nach Oberhessen abgereist. Im Gefolge befinden sich Oberstlieutenant und Flügeladjutant v. Herff und Hofjägermeister v. Werner. — Ihre Großh. Hoheiten die Prinzessinnen Victoria und Elisabeth sind heute Mittag mit dem Zug um 12 Uhr 35 Min. zu einem mehrtägigen Besuch der Gräflich Erbach - L>chönberg'schen Familie nach Schloß Schönberg abgereist. Darmstadt, 5. November. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 23 enthält: Allerhöchste Verordnung, die Ausführung des Reichsgesetzes vom 15. Juni 1883 über die Krankenversicherung der Arbeiter betreffend, Telegraphische Depeschen. v Wotff's belegt. CorresUonvrm-Bntearr. Stettin, 5. November. Der Oberstkämmerer Graf Rödern ist heute Abend gestorbe»! Berlin, 5. November. Zu dem heutigen Galadiner im Kaiseipalats zu Ehren des österretch scheu Kronprinzenpaares erschien der Erzherzog Rudolf in preußischer Ulanenuniform mit dem schwarzen Adlerorden. Der Kaiser und die Prinzen hatten wieder österreichische Uniformen angeigt mit dem rothen Bande des Stephansordens. Rechts neben dem Kaiser saßen Stephanie, Prinz Wilhelm, Erbprinzession von Meiningen, Friedrich Leopold, links Kronprinz Rudolf, Prinzesstn Wilhelm, die Prinzen Friedrich Karl und August von Württemberg. Nach dem Braten erhob sich der Kaiser zu einem Toast auf das Kronprinzmpa.it. Er sagte: Er freue sich, zum ersten Male die Kron- prtnzesstn hier in Berlin begrüßen zu können und bebaute nur, daß der Kaiserin nicht ebenfalls die Ehre zu Theil geworben, die Kronprinzessin hier zu begrüßen. Darauf stieß der Kaiser mit dem Kronprinzenpaar an, während die Musik mit Tuscb einst?!. München, 5. November. Die „Allg. Ztg." meldet die Ernennung des Universitäts-Professors Dr. Ritter in Bonn und des Dr. Koppmann zu Barmbeck bei Hamburg zu außerordentlichen Mitgliedern der historischsn Commission bei der Akademie der Wissenschaften. Hamburg, 5. November. Der Reichstags-Abgeordnete Dr. Röe, dessen Ableben von mehreren Zeitungen gemeldet wurde, hat eine an ihm vorgenommene Operation sehr gut bestanden und befindet sich heute vollkommen wohl und fieberfrei. Wien, 5. November. Der Dekan Exner hat bei seiner gestern mit den Dele- girten der akademischen Verbindungen stattgehabien Besprechung die freiwillige Bildung eines ständigen Organs zur Aufrechterhaltung der Würde und Ordnung auf der Universität In Anregung gebracht. Vom Rektor Wedl wurde mitgetheilt, daß auf Anordnung des UnterrichtSministers Legitimationskarten für die Stud-nt-n eMgeführt werden sollen, deren Zweck es fei, unberufene Elemente von der Universität auszuschließen. Daris, 5. November. In der nächsten Sitzung der äußersten Linken wird die Frage gestellt werden, ob das Cabinet über die Depesche Tricou's vom 29. October zu interpelliren sei, in welcher derselbe anzeigt, daß der Vicekönig von China ihn zurückzuhalten suche und sehr beunruhigt sei, und den Marquis Tseng in vielen Stücken desavouire. — Eine Depesche des Civilcommissars Harmand in Tongkmg von gestern bestätigt, daß Ningbing und Kuangyen von den französischen Truppen ohne Widerstand besetzt worden ist. Der Vertrag von Hue ist im Centrum des Delta zur Ausführung gelangt. In den beiden nördlichen Provinzen wird die Ausführung desselben über durch den Feind verhindert. Admiral Courbet hat den Oberbefehl am 25. v. Mts. übernommen. Der Adjutant des Gouverneurs von Cochinchina, Schiffslieutenant Deleschaut, hat sich nach Hue begeben, ui» dem König von Anam verschiedene Geschenke und Ordens-Auszeichnungen zu überbringen. _ . t m , London, 5. November. Aus Ottawa wird gemeldet, daß dem General- Gouverneur von Kanada, Marquis Landsdowne, mehrere Briefe zugegangen seien, in welchen demselben mit dem Tode gedroht wird. Alexandrien, 5. November. Gestern sind 5 Cholera-Todesfälle vorgekommen. Lokales. Gießen, 6. Nov. Heute Vormittag 10 Uhr wurde im sog. Schoorgraben in der Nähe des Gerichtsgebäudes die Leiche des Seconde-Lieutenants Tarnogrocki II. des hiesigen Regiments gefunden. Nach uns gewordenen zuverlässigen Mittheilungen ist anzunehmen, daß der Ltentenant T, welcher gestern Abend noch mit anderen Offizieren seines Regiments das hi-sige W enzel'sche Etablissements besucht und sich etwa um 10 Uhr Abends allein nach Hause begeben hatte, in der Dunkelheit den Weg verfehlt hat und in den Schoorgrab-n gerathcn ist. Der Verunglückte ist schon seit Monaten leidend gewesen und hat offenbar ein Herzschlag seinem Leben em Ende gemacht. Gießen, 6. November. O-ffentliche Sitzungen des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen finden statt und kommt zur Verhandlung: Montag den 12. l. Mts., beginnend Vormittags 10 Uhr: 1. Klage des Vogelsberger Bergwerksveretns gegen Heinrich Kornmann von Lumda betr. Expropriation. 2. Klag- des Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Ortsarmenverband Vilbel wegen Unterstützung des Jacob Schäfer aus Kappel. 3. Klage des Ortsarmenverbandes Saasen gegen den Ortsarmenverband Frischborn wegen Unterstützung des Johannes Mangel. Dienstag den 13. l. Mts., beginnend Bormittags 9 Uhr: 4. Remis des Kaufmanns Fritz Flimm in Gießen gegen einen Polizeibefehl betr. Bauerlaubniß. 5. Klage der Gemeinde Lumda gegen den Vogelsberger Bergwerksverein betr. Unterhaltung des Lumwegs. 6. R-clamation gegen die Gemeinderathswahl zu Rodheim bei Vilbel. 7. Wildschaden zu Deckenbach. 8. Beschwerde der Gemeindehebamme Selzer in Angenrod wegen Nichtauszahlung ihrer Besoldung. Gieße«, 6. November. [Sweater.] Kanonenfutter. Originallustspiel von Jul. Rosen. Der bei den Haaren herbeigezogene Titel „Kanonenfutter" deckt den Inhalt nicht, er könnte ebenso gut anders heißen; aber das Stück selbst ist höchst amüsant. Die Handlung ist geschickt geschürzt, wenn auch der von der Bühne entferntestsitzende Galleriebesucher es mit Händen greifen kann, daß sich der Journalist Körner und die Nichte Eonstanze „kriegen" werden und der Plan der Frau Geheimräthin somit scheitern werde. Der Dialog ist leicht und fließend; einzelne Figuren zeigen einen Schimmer von Originalität und über dem Ganzen waltet ein Geist fröhlicher Laune, von dem sich der Zuschauer behaglich anwehen läßt. Das Lustspiel hatte einen unbestrittenen Erfolg. In erster Linie lag dieser in den Händen der Frau Brede und er lag sicher. Sie war als „Geheimrathin" ganz an ihrem Platze und bewegte sich mit großer Gewandtheit. Ihr secundirte aufs Beste Herr Voigt als Journalist Körner. Die komische Operette „Flotte Bursche" läßt, was Sujet und Musik an- belangt, den angenehmsten Eindruck zurück. Von den Darstellern bot Fräulein Hoffmann als Student Brand die höchstwerthige Leistung. Ihr zunächst verdient Herr Schreiner für die Darstellung des Wucherers Geier die größte Anerkennung. Die kleine Rolle des Stiefelputzers stattete Herr Peters mit der nöthigenKomik aus. Auch die übrigen Mitwirkendrn waren ausreichend. Das Orchester löste unter der Leitung des Herrn Searle seine Aufgabe mit rühmenswerthem Erfolge. Die Direction hatte wieder für eine geschmackvolle Ausstattung Sorge getragen, ebenso war die Jnscenirung eine sorgfältige. Allendorf a. d. Lumda. Nachdem gegen die am 18. August stattgehabte Gemeinderathsersatzwahl Recurs erhoben und dieselbe vom Kreisausschuß als ungiltig erkannt worden war, wurde am 1. b. M. die Wiederwahl vorgenommen. Es wurden gewählt die Herren Apotheker R. Weicker mit 106, die Landwirthe Ludwig Rein II. mit 104 und Balthasar Wagner V. mit 103 Stimmen! Bei der vorigen Wahl fand sich in der Wahlurne ein Stimmzettel mehr vor, als Wähler abgestimmt hatten. Auch diesmal wurde der Versuch gemacht, zwei ineinandergefaltete Stimmzetkel abzugeben, jedoch mußte der Biedermann, dem der schon vorausgesehene Ausfall der Wahl wohl nicht paßte, seinen zweiten Stimmzettel wieder in das Wämmschen stecken. Nur gut, daß es der Aufmerksamkeit des Beisitzers nicht entgangen ist und diesmal nicht wieder ein Unschuldiger dieser That geziehen werden kann. Bad Nauheim. Unsere Stadt hat in den letzten Tagen einen gelinden Schreck gehabt. Der Friedrich - Wilhelms - Sprudel war nämlich zum Zwecke einer chemischen Untersuchung gedämpft, resp. abgestellt worden. Als man ihn wieder loslassen, wollte, blieb er aus. Man kann sich die Bestürzung unserer Nauheimer denken. Durch Dumpen und andere geeignete Mittel wurde der Sprudel jedoch wieder gehoben und springt zur Freude Aller wieder wie zuvor. Mainz, 3. November. (Vorn B'ückenbau.j Das Gerüst zur Anbringung der eisernen Bogen zwischen dem dritten und vierten Wasserpfetler wurde gestern vollständig aufgeschlagen, so daß hiermit die Verbindung zwischen dem links- und rechtsrheinischen Itter hergestellt wurde und von Montag ab die Brücke zwischen hier und Kastel obne besondere Gefahr begangen werden kann. Die Maurerarbeiten an der Brücke sind vollständig eingestellt und werden dieselben erst im nächsten Jahre wieder aufgenommen, so daß an der Brücke gegenwärtig nur noch Metallarbeiter, Zimmerleute und die nöthigen Hilfsarbeiter beschäftigt sind. Das letzte Eisen zu dem vierten Bogen wird Anfangs December hier ankommen, so daß dieses Jahr noch sämmtliches Gerüst aus dem Rhein entfernt werden kann. Offenbach, 2. November. sStadtverordneten-Versammlung.s Aus der letzten S tzung dürfte folgendes Interessante zu entnehmen sein. Es war angeregt worden, das Schulgeld für Kinder, welche von auswärts die Schule in Offenbach besuchen, zu erhöhen, doch haben die Schulvorstände ihr Gutachten dahin abgegeben, dies aus dem Grunde zu unterlassen, weil die Zahl dieser Kinder nur 31 beträgt und durch deren Besuch den Bürgerschulen höhere Kosten nicht erwachsen, wie auch durch eine Erhöhung d s Beitrags kein großer Vortheil erzielt würde. — Unter Anderem wurde nach langen Debatten beschlossen, dem Antrag einer Anzahl Geschäftstreibcnder, welche me Staatsanwaltschaft hat gegen Johann Philipp gebürtig aus Bulach bei Karlsruhe, und Johann Stürzen, gebürtig aus Ottersbach' oder Ottersheim bei Landau, beide zuletzt in Hönheim als Z'egler beschäftigt, wegen dringenden Verdachts, in der Nacht vom 22. auf den 23. October den Musketier Adels ermordet zu haben, richterlichen Haftbefchl erlassen. — Gaslettungsröhren aus Papier werden nach „Ack. Jll. W. G.-Ztg." jetzt in Amerika auf folgende Weise hergestellt. Ein endloser Streifen Hanfpapier, dessen Breite der Länge eines Gasrohrs entspricht, wird durch einen mit geschmolzenem Asphalt gefüllten Behälter geführt und dann über einen runden Eisenkern fest und glatt auf: gewickelt, wodurch der gewünschte Durchmesser des Rohrs erzielt wird. Wenn die auf diese Art aufgerollten Papierlogen die nöthtge Dicke erreicht haben, wird die Röhre einem starken Drucke unterworfen, die Außenseite mit feinem Sand bestreut und das Ganze im Wasser gekühlt. Im kalten Zustande wird sodann der Eisenkern heraus- gmommen und die Innenseite des Rohrs mst einer wasserdicht machenden Compositton versehen. Die aus diese Weise erzeugten Röhren find nicht nur vollständig dicht und bedeutend billiger als Eisen, sondern besitzen auch eine große Widerstandskraft gegen heftige Stöße und Erschütterungen. Trotzdem die Wände des Rohrs kaum s/z englische Zoll dick sind, können sie doch einen Druck von mehr als 15 Atmosphären aushalten. Sie lassen sich ebenfalls in die Erde versenken und können, !da das Material ein schlechter Wärmeleiter ist, nicht so leicht einfrieren wie eiserne Leitungsröhren. — Der „Rh. Cur." berichtet über das erste deutsche Kriegerfest in Sban^„. „So sind unsere Kriegerfeste denn schon bis in das Reich der Mitte vorgedrun??1 Gewiß ein Ereigntß, dem unsere frohe Theilnahme nicht fehlen soll und das wM " eignet ist, dem deutschen Namen und den Interessen des Deutschen Reichs h.j Bewohnern des himmlischen Reichs weiteres Ansehen zu verleihen. Gefeiert m, > dieses Kriegerfest am 1. September 1883 im deutschen Club „Concordia" in SbanaU i bei Gelegenheit der Ablösung der Reservemannschaften auf den vier im Haien „ Shanghai liegenden deutschen Kriegsschiffen unter reichlicher Betheiligung der dortig" Deutschen und mit der unserer Nation bei solchen Gelegenheiten eigenen Begeisterun Das Fest war glänzend in Sc ne gesetzt. Ein auf schönem röthlichem, chinesttokn Papier treffl-ch gedrucktes Programm in Form eines zwölf Seiten starken Heftes mn, jedem Theilnehmer eingehändigt und eins derselben liegt uns in Folge gütiger sendung vor. Wir theilen daraus Folgendes mit: 1) Osficielle Begrüßung. 21 fs«* auf Se. Majestät Wilhelm I, Kaiser von Deutschland. Lied: Heil Dir im Sieae- kranz. 3) Hoch auf Deutschland. Lied: Deutschland, Deutschland über alles. 4; auf die Reserve, Landwehr und Landsturm. Lied: Reservelied. 5) Hoch auf die brutto™ Frauen. Lied: Deutsches Weib, du wundergleiches. Lied: Wacht am Rhein. Salamander auf das Gedeihen des Shanghaier Kriegervereins. Zapfenstreich. — Das Geldzählen ist unter Umständen keine so angenehme Beschäftigung wi, viele Leute es sich manchmal vorstellen. In dem Bureau zur Einlösung der Natiönal- banknoten in Washington sind etwa 120 Frauenzimmer angestellt. Sie haben mäbtenii her Geschäftsstunden von Morgens 9 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr nichts zu tijun, Qj§ Noten zu zählen und erwerben darin eine Gewandtheit, der es selbst der flmkeste Bank- cassirer nicht gleich thun kann. Aber obwohl die meisten Angestellten jung sind, (eben sie meist blaß und abgespannt aus; viele haben wunde Hände und bet manchen'zei^n sich offene Wunden im Gesicht und kranke Augen. Das kommt von dem Arsenik in der grünen Farbe der Noten. Trotz der größten Vorsicht. die Alle anwenden, kommt das Uebel früher ober später zum Aasbruch. Eine kleine Hautabschürfung an der Hand genügt, um eine Entzündung zu veranlassen und durch die Hände wirb das Gift ins Gesicht und zu den Augen geführt. Jeden Morgen erhält jede Zählerin ein neues Schwämmchen zum Anfcuchten der Finger; aber vor Abend ist es schwarz von dem Arsenik. Manche werden durch das Gift so angegr.ff en, daß sie ihre Stellen aufgeben müssen. Die Besoldung ist 75 Dollar den Monat. — fBilltge Großmuth.f Ein bereits seit zehn Jahren in einem Engros-Geschöft thötiger Commis hat immer noch seinen Anfangsgehalt von 300 Thalern. Da er außer diesem schlechten Gehalt noch eine ziemlich grobe und rücksichtslose Behandlung zu erdulden hat, so beschließt er, seinem Chef Vorstellungen zu machen und verlangt erstens entsprechende Erhöhung seines Gehaltes, zweitens eine angemessene, anständige Behandlung. „Ja", sagte sein Ches, „lieber Herr Müller, das muß ich doch erst mit meinem Associ4 besprechen." Einige Tage später wird der Commis Müller in das Privat-Cowptoir gerufen und hier empfängt ihn der Chef mit den Worten: „Siebet Herr Müller, ich habe Ihre Angelegenheit mit meinem AssociS besprochen. Zulage können wir Ihnen leider nicht geben, da die Zeiten zu schlecht find, dagegen wollen wir, um Ihre Tüchtigkeit und Ihre Anhänglichkeit an unser Haus anzuerkennen, Sie vom 1. Januar ab anständiger behandeln." Eingesandt. Mit Staunen sahen die Bewohner des Kreuzplatzes das heute dort ausgestellte Brunnenmonument, welches bestimmt ist, als Zierde des Platzes zu dienen, doch mußten sie bemerken, daß viele Passanten mit Kopsschütteln stehen blieben und bewunderten, daß ein derart ges Monument als Zierde eines freien Platzes (wenn bas Kreuz überhaupt als solcher bezeichnet werden kann) in Gießen betrachtet wird. Die Einsender und mit ihnen der größte Theil des Publikums sind sich darin einig, daß man bei Ausstellung der Brunnen keinen ungünstigeren Platz wählen konnte, als die Mitte des Kreuzplatzes, denn abgesehen von jedem Schönheitssinn, ist derselbe dem ohnehin beengten Verkehr so hinderlich als nur irgend möglich. Die Bewohner des Kreuzplatzes. Witterungskunde.*) 7. November. Mittwoch. Kalt, Nachts Frost, stellenweise noch Schneefall bei nordwestlichen bis nordöstlichen Winden. Morgens nebelig trüb, mit Neigung zur Aufbesserung besonders Nachmittags. 8. November. Donnerstag. Kalt, trüb, örtlich aufheiternd mit vielleicht geringen Niederschlägen, stellenweise noch schwacher Schneefall. Frühmorgens Neigung zur Aufheiterung, auf Mittag zu trüb bis wolkig, Nachmittags aufgeheitertt Nachts noch Frost. In Nordeuropa Neigung zu Aufklärung und Zunahme der Wärme in Folge der Besonnung. *) Aus Dr. L. Overzier's Wetter-Prognose tVerlag der M.Lengfeld'- feßen Buchbandluna in Köln, Preis 1 X) — Nachdruck verboten. ____ Schiffsnachrichten. Bremen, 3. November. fPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampser Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. October von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 3. November. fPer transatlantischen Telegraph) Der Postdampfer Main, Capt. O. Heimbruch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. October von Bremen und am 23. Ociober von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. handel und Berkebr. . Gießen, den 6. Noobr. Aus dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.05—1.08. Hühnereier per Stück 7 Käse Stück 4—8 Käsematte 3 H, Erbsen per Liter 20 X Linsen 24 H, Tauben per Paar 50—65 H, Hühner per Stück X 0.85—1.00, Hahnen per Stück X 0.50—0.75, Enten pr- St. X 1.40—1.W, Ochsenfleisch per Pfund 70-72 H, Kuh- und Rindfleisch 56-60 H, Kalbfleisch 50 bis 54 -3), Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 60—70 Kartoffeln per 100 Kuo X 3.00—3.50, Milch pr.Ltr. 13—18 Gänse pr. Pfd.H 40-54. Zwiebeln per Ctr. X 7.00. Weißkraut per Stück 3-6 t m „ Frankfurt, 5. Nov. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger und Wetteraue X 20—V«, frember X IÖVj—201/«, Roggen eff. hies. X I6V2, fremder 16« 1» Gerste eff. hies. u. Wetterauer X 17—18, fremde X 18—20, Hafer eff. Mftgcr X. 14V2, frember X W/j—14%. — Rüböl eff. ohne Faß hies.- in Parthren von 50 Ctr. X 39. Branntwein eff. ohne Faß X 46. „ Frankfurt, 5.Nov. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. •Äng- trieben waren ca. 300 Ochsen, 16 Bullen, ea. 450 Kühe und Rinder, ca. 400 Äaiv • Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 70-72, 2. Qual. X 65-67, W Rinder 1. Qual. X 62, 2. Qual. X- 50, Kälber 1. Qual. X 68, 2. Qmu. X 58 per 100 Pfund Schlachtgewicht. — Die auf dem Wege über Suez eingehenden Briefsendungen aus Ostindien, China, Australien u. s. w., sowie die Briefe u s. w. aus Aegyyten bei der Anrnm- in italienischen Hasenorten nach den in Italien zum Schutze gegen die Etnichwpp 8 der Cholera aus Aegyvten b-stehenden Quarantäneoorschrfften werden .o®"' Durchiäucherung mit einem scharfen Instrument durchstoßen. Es laßt sich hlerbe n w. vermeiden, daß etwa in die Sendungen eingelegte werthvolle Gegenstände, rote 459 - graphien, Bücher, wissenschaftliche Zeitschriften u. s. w. mit durchschnitten, vezw. v- schädigt werden- Den Absendern ober Beziehern solcher Gegenstände, welche - schädigungen an letzteren vermieden zu sehen wünschen, kann nur angeratyenw - die Versendung mit der Briespost aus den bezeichneten Ländern dis zur Hebung der Quarantänemaßregel anszusetzen ober einen andern Weg der Ber; n zu wählen. S«a«kf«rt a. M., 6. Novbr., Nachmittags 2 Uhr - Mm. Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann iv «w Creditaciien 233'/«, Staatsbahnactien 265*/«, Galizier 239 Lombarden 119V«, westbahnactien 1573/9, Gotthardbahnactien 931/«, Darmstadter - ^ankaetien " Disconto Commandit 1807/6, Oesterr. Silber reute 663/«, 4°/o llngar. Goldrent 40/0 1880er Russen -, 5°/° 1877r Russen -, 2. Orient-Anle he 55‘/8, « « Spanier 57’/16, 5°/» Rumänische Rente -, 4% Unistc. Egypter 68-/«, 5% TUrie 10, Marienburger -, Hess. Ludroigsbahnact. 106V«. Tendenz: schwach. S35 « •SÄ ÄtiSS Bers <4 Dieust, Mnnttag des linier, 1 Scha 12 tragfi 31 Zuch 6 Ham lehtgenanu (Schwarzk dem Rhön- lich metftb steigert rot Münzen 7399 c c 7403 Ft Hui Me Wal 7323 ml dik Die herzlich ei 400. Geb Wr 1. 2. 3. 4. v 3U Ängehöri zur Thei Behörde! Kirchenvr geladen, den 10., Sh-nghaj. ßsbrutiflen I 1§ wohl fle: bei ben feiert wurde "Shanghai Wen von ber dortigem Begeisterung, chinesischen Heftes war gütiger Ein- >S- 2) Hoch im Sieger, is- 4) Hoch ?« deutschen jein. Salg- ftigung, tute er Naiivnal- bm während ;u thun, als mkeste Bank- ! sind, sehen nchen zeigen n Arsenik in nden, kommt ung an der iirb das Gut in ein neues nrz von dem i-n ausgeben uos-Gffchäsi em. Da er Behandlung •inb verlangt e, anständige doch erst mit üller in das tat: „Lieber jen. Zulage gegen wollen rkennen, Sie 't aufgestellte doch muhten bewunderten, Kreuz über: ib sich darin ählen konnte, , ist derselbe glatzes. Schneefall bei Neigung zur ieicht geringen Neigung zur Nachts noch rme in Folge M. Lengfeld': Postdampser welcher am n Baltimore Postdampfer ar 21. Oetober ar, ist heute ir per Pfund iinatte 3 Si, Hühner per L 1.40-1.60, >flersch 50 bis per 100 Kilo >eln per Ctr. i Weiterauer X 16Ve-l7- eff. hiesiger iarthien von iren. Ange- 400 Kälber- 1, Kühe und 3, 2. Qual. ,s Ostindien, der Ankunft iinfchieppung n Zwecke der h hierbei nicht wie Photo- n, bezw. ve: welche Be: ithen werden, zur Auf- ■ Versendung elegraphischer t in Gießen.) L193/*, Nord- ctien 1493//' ldrente 72%, 55Vs, f/° 5°/a Türken Bersteiger««Kvon Schafvieh. Dienstag den 13. November d. I., Mittags 11 Uhr, soll in der Wohnung L,a Unterzeichneten folgendes Schafvieh: ^1 Schafbock (englischer Bastard), 12 tragbare Zuchtschafe, ZI Zuchtlämmer und 6 Hammellämmer, i-btaenannte 49 Stück reine Rhön-Schafe Schwarzköpfe), welche im Juli b- A aus dcmRhön-Gebirg bezogen worden, öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung ver- werben. Münzenberg, den 4. Nov. 1883. Für den Schäfereivorstand: 7399 Jäger, Bürgermeister. Allgemeiner Anzeiger. Moritz Gregor! 4 Sohn in Giessen empfehlen 7393 HolMnihereien (mit und ohne Stickerei-Einrichtung) in großer Auswahl zu billigen Preisen. Aeikgeöotenes. 7403 Frische Butter, per Pfd. 90 Neustadt 51. piMinos | Flügel Harmoniums Sparsystem 20Mark monatl. Abzahlung1 ohne Anzahlung Sur Prima-Fabrikate Magazin vereinigter Berliner Pianoforte-Fabriken Berlin, E^eipzigerstrasse 30. ProiRcourant gratis und franco. 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Das NeformationSfeft, das auf Sonntag den 4. No vember d. I. fällt, soll mit seinen beiden Gottesdiensten die Bedeutung einer Einleitung der ganzen nachfolgenden Festfeier haben. 2. Für Donnerstag den 8. November ist zur Erinnerung an Luthers segensvolles Wirken für unser ganzes deutsches Volk ein Vortrag vorgesehen, den Professor Dr. Oncken über das Thema: „Luthers Fortleben in der deutschen Nation" halten wird. Dieser Vortrag wird Abends 6*/4 Uhr in der Stadtkirche gehalten und ist für Jedermann zugänglich und frei. 3. Am Samdtag den 10. November, dem Geburtstag Luthers felbst, wird zunächst Vormittags in fämmtlichen hiesigen Schulanstalten eine besonders geordnete Schulfeier, desgleichen eine Feier der Landesuniversität stattfinden; dann wollen wir Nachmittags 2^2 Ufor einen allgemeinen Festzug von Oswalds Garten aus auf den Lud- wigsplatz veranstalten, um hier zum bleibenden Gedächtniß an die Festfeier und als besonderes Erinnerungszeichen an unseren großen Reformator und sein Werk eine Lutherlinde zu pflanzen. Dabei wird Pfarrer Dr Naumann die Festrede halten. 4. Am Sonntag den 11. November, dem kirchlichen Hauptfesttage, und damit dem Höhepunkte der gesummten Lutherfeier, wird Vormittags 9’/2 Uhr der Festgottesdienst, in welchem Pfarrer Schlosser predigt , und Nachmittags 5 Uhr ein liturgischer Gottesdienst, mit Characterbildern aus Luthers Leben, welchen Pfarrer Dingeldey leitet, gehalten werden. Zum Besuch der Feftgottesdienste und des Luthervortrags laden wir alle Angehörigen unserer Gemeinde und dec Stadt hierdurch freundlichst ein. Und zur Teilnahme an dem Festzug seien alle hiesigen Staats- und Gemeinde- Behörden und Beamten, sowie die gesammte Bürgerschaft, besonders auch der Kirchenvorstand und die Gemeindevertretung, noch ausdrücklich freundlichst eingeladen. Außerdem richten wir an die Gemeinde die Bitte, sowohl Samstag den 10., als auch Sonntag den 11. November als Festtage halten und feiern, auch durch Schmücken, beziehungsweise Beflaggen der Käufer an diesen beiden Tagen unserer Stadt ein festliches Aussehen bereiten zu wollen. Evangelische Glaubensgenossen! Laßt uns, wie es einer Gemeinde von der Bedeutung Gießens geziemt, mit allgemeiner Betheiligung und in würdiger echt evangelischer Weise unser Lutherfest begehen, damit unsere Hochschätzung Luthers und seines Gotteswerkes der Reformation dadurch unter uns kund werde! — Wir werden durch unsere ganze Festfeier keiner anderen Confession einen berechtigten Anlaß zu einem Vorwurf gegen uns geben; aber wir dürfen es uns als Protestanten auch nicht wehren lassen, ja es ist unsere heilige Pflicht, an dem 400. Gedächtnißtage der Geburt unseres theuren, neuerdings viel geschmähten Martin Luther von Neuem zu den Grundsätzen unserer Kirche uns zu bekennen und dadurch treu und dankbar das zu halten, was wir als evangelische Christen haben, damit uns Niemand unsere Krone nehme. 7266 Gießen, den 30. October 1883. Albach, Reallehrer. Baist, Rechtsanwalt. Dr. Baur, pract. Arzt. Berge» , Gastechniker. Dr. Bindewald , Reallehrer. Dr. Boekrnann, Provinzialdirector. Boller, Ober-Lazareth- gehülfe. Br am in, Bürgermeister. Dr. Braune , Professor. Dr. Buchhold, Lehrer a. d. höh. Mädchenschule. Büchner, Kreis- schulinspector. L. Bücking, Rentner. Dingeldey^ Pfarrer. Döring, Kreisamtsgehülfe. Dornfeiff, Rechtsanwalt. Ebeling, Lehrer a. d. höh. Mädchenschule. Engifch Steuerrath. Felchner, Musikdirector. Ferber, Buchhändler. Frefenius, Polizeirath. Fuhr, Lehrer. Ferd. Gail, Kaufmann. Gebhardt, Amtsrichter. Dr. Gottfchick, Professor. Grüneberg, Stadtverordneter. Dr. Haberkorn, Geh. Reg.-Rath. Haberkorn, Forstmeister. I. Haustein, Fabrikant. Dr. Harnack, Professor. A. Hetz, Gasanstaltsdirektor. Hirsch, Landger.-Rath. Hofmann, Hofgerichtsrath. Jung, Lehrer. Kalbfleisch, Stabsquartiermeister. Dr. Kättenbufch, Professor. E. Kauffmann Fabrikant. Keller, Beigeordneter. Knorr, Landgerichtspräsident. Dr. Köllner Professor, Geh. Kirchenrath. Kullmann, Landgerichtsrath. Langsdorff, Oberamtsrichter. Lenz, Schreinermeister. Löber, Schuhmachermeister. Lyncker, Rentamtmann, v. Maivom, Oberförster. Moll, Spenglermeister. Dr. Muhl, Rechtsanwalt. Muth, Landgerichtsdirektor. Dr. Naumann, Pfarrer. Neuenhagen, Oberförster. Ad. Noll, Commerzien rath. Ang. Noll, Bäckermeister. I. Noll. Goldarbeiter Dr. Oncken, Professor. Anton Petri, Bauunternehmer Dr. Bhilippi, Professor. Reunrng, Rechnungsrath. Dr. von der Nopp. Professor. Dr. Schiller, Professor und Gymnasialdirector. Schlosser, Pfarrer. E. Schwall, Cigarrenfabrikant. Schopbach, Stadtverordneter. Dr. Schürer, Professor. Schwabe, Reallehrer. Soldan, Realschuldirector. Dr. Stade, Professor. Stamm, Gymnasiallehrer. Steiner, Cantor. Dr. Thaer, Professor. VrgeliuS, Schuldirektor. Walther, Rendant. Dr. Wasserschleben, Kanzler und Geheimerath. Wiener, Landgerichtsrath. G. Windccker, Kaufmann. Wort- wann, Bankvorstand. Zimmermann, Erster Staatsanwalt. Lucherjubiläum. Aufruf enr die evRmg. Gmwohrrer Gießens (U einer Festgabe für den Bau einer zweiten Kirche. Nach dem Vorgang anderer Städte, die das Lutherjubiläum auch durch Begründung besonderer Stiftungen und den Bau von Kirchen feiern werden, hat eine größere Versammlung, die vor Kurzem die Feier des Lutherfestes in unserer Stadt beriet!), den Wunsch kund gegeben, auch unter uns eine derartige bleibende Erinnerung an das Lutherjubiläum zu beschaffen. Es war die allgemein getheilte Ansicht, dies sei am angemessensten dadurch auszuführen, daß man an dem bevorstehenden Feste dem hiesigen Kirchenvorstand als Beitrag zu dem neu begründeten Kirchenbaufond eine recht große Summe übergebe, damit dadurch der Bau einer 2. evangelischen Kirche in unserer Stadt wesentlich gesördert und vielleicht zum Voraus der neuen Kirche der Name Luther- oder Martinskirche gesichert werde. Deshalb wurde beschlossen, in der Woche vom 4. bis 11. November d. I., der eigentlichen Festwoche des Lutherjubiläums, bei allen Evangelischen^unserer Stadt eine Einzeichnungsliste herumzugeben mit der Bitte um eine Festgabe für den evangelischen Kirchbaufonds. Indem wir dieses unserer Genwinde hierdurch mittheilen, richten wir an alle evangelischen Glaubensgenossen die herzliche Bitte, auch durch allgemeine Betheiligung an der von uns zu veranstaltenden Geldeinzeichnung — ein jedes nach Liebe und Vermögen — unser Lutherfest verherrlichen zu helfen, damit die dereinst sich erhebende neue Kirche auch Zeugniß ablege von dem ächt evangelischen Sinn, der heute unsere Gemeinde beseelt. Gießen, den 30. October 1883. Das Comite?ur Vorbereitung der Lutherftier in Gießen: Dr. Boekmann, Provinzialdirector. Bramm, Bürgermeister. Dingeldey, Pfarrer. Ferd. Gail, Kaufmann. Dr. Gottfchick, Professor. I. Hanstein, Fabrikant. Knorr, Landgerichtspräsident. Dr. Naumann, Pfarrer. Schlosser, Pfarrer. Dr. Stade, __ Professor. Bigelius, Schuldirector.__________________ 7267 s Herzogi. Baugewerkschule Holzminden | 00 damit verbunden Maschinen-, MUhlenbau- u. Müllerschule« 8 tSHB Sommers. 16. April. Winters. 5. Nov. Pensionat Dir.: G. Haarmann.esS Werrmetßungen. 7394 Ein Logis an eine stille Familie zu vermiethen- Asterweg 10. '7396 Moblirtes Zimmer. Sonnenstraße 13, 2. St. "" 7397"$in kleines moblirtes Zimmer zu vermiethen- Neuenweg 2. "7402 Zwei Zimmer, getrennt oder zusammen, zu vermiethen. Wilh. Lange, Bäcker. Vermischte Anzeigen. 7398 Ein zuverlässiger Fuhrknecht, womöglich gewesener Cavallerist, gesucht- Näheres in der Exped- ds. Bl. 6200 Eine ruhige Familie von 3 Personen sucht per 1 Decembcr eine Wohnung von 2 Zimmern mit Zubehör. Gest- Offerten mit Angabe des Preises unter Nr. 6200 an die Exped. ds. Bl- 7401 Einen Drechslergesellen sucht Friedrich Schürz, Sandgasse 30. 7340 Ein junger Mann findet Kost und Logis- Teufels-Lustgärtchen 3. Jonas Buch Die Beerdigung findet statt Donnerstag den 8. November, Nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause (Grünberger Strasse 33). 7405 gestern nach kurzem Leiden sanft entschlafen ist. Giessen, den 6. November 1883. . Die trauernden Hinterbliebenen. To des-Anzeige Allen Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, dass unser lieber Gatte Vater und Grossvater Giessener Coocertvereln. 6. Concert (im 91. Vereinsjahr). Mittwoch den 14- Movbr* 1883, Nachmittags 4 Uhr, In der Stadtkirche $ Luther in Worms, Oratorium in 2 Theilen, Dichtung von W. Rossmann, Musik von Ludwig SlelnardiiS) unter Leitung des Grossh. Universitäts -Musikdirectors Herrn Adolf Fßlchner und gefälliger Mitwirkung von Frau Müller - Ronneburger (Sopran) und Fräulein Marie Schmidtlein (Alt) aus Berlin , Herrn Franz Litzinger (Tenor) aus Düsseldorf, Herrn Richard Dannenberg (Bariton) aus Hamburg, Herrn Robert Ravenstein (Bass) aus Leipzig, Herrn Cantor Martin Steiner (Orgel) aus Giessen, des akademischen Gesangvereins, von Mitgliedern hiesiger Mannergesangvereine und Schülern des Gymnasiums und der Realschule, sowie des durch auswärtige Künstler verstärkten Vereins - Orchesters. Preise der Karten (für Nichtmitglieder), welche in der Rick ersehen Buchhandlung und der W. R u d o i p h ’ sehen Musikalienhandlung, woselbst auch Textbücher zu 30 Pfg. zu haben sind: » Sperrsitz Mk. 3.50, Nichtnummerirte Plätze . . „ 2.50, Auf die zweite Emporbühne . „ 1.50. Hauptprobe, Dienstag den 13. November, Nachm. 4 Uhr, 1 Mk. I. Blitz, Kommissionär in Gießen, empfiehlt sich zum Abschluß von Geschäften jeder Art- Derselbe hat zu verkaufen: Geschäftshäuser, gnt gehende Gastwirthschaften, mehrere Herrschostshäuser, kaufmännische Geschäfte diverser Branchen re. re. Güter verschiedener Größe, sowie mehrere Mühlen zu verschiedenen Preisen können nachgewiesen werden- 7400 •• rTiiiTiiiiiiiiiwimmiiiiiiiiiiiiiini । ' 7.-~Tirirniinn iiinnriin t mimmiiii Todes-Anzeige Franz, Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterhliebenel Gießen, den 5. November 1883. Die Beerdigung findet Mittwoch den 7. November, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus, Kreuz 10, aus statt. 7395 I Freunden und Bekannten die schmerzliche Mittheilung, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, unsere unvergeßliche Gattin, Schwester, Schwägerin und Tante Äi«K Günther, gtb Sgl heute Vormittag 10 Uhr in ein besseres Jenseits abzurufen. Waafs Garten in Giern Täglich Mittags von 12—2 Uhr reichhaltiger Miltagstisch nach Auswahl. Jeder Gast kann nach Wunsch seine Speisen bestimmen und einzeln servirt bekommen. Anmeldungen werden zu jeder Zeit bei dem Oberkellner entgegen genommen. Eröffnung des Mittagstisches Donnerstag den 8. November 1883. 7M Menu. Oxtail-Suppe...... Putage ä la Saxon..... . 20 4 . 20 „ Schellfisch mit Kartoffeln . . • 45 „ Ochsenfleisch mit Beilage • . ■ . 40 „ Zungen-Ragöut ..... . . 45 „ Kalbs-Ragöut, sauce Robert . . 40 „ Blumenkohl mit Schinken - . . 45 Sauerkohl mit Schweinsrippchen . 45 „ Roastbeef (englisch) mit Salat . . 45 „ Kalbs-Fricandeau......45 „ Brod-Torte . ......20 „ Käse diverse)........20 „ Restauration Bramm. Heute und die folgenden Tage: 7342 Cfingekegeln. 7404 <7. Miiwstitofy, Revisionscontroleur. JUS er (Mm Müsasinff, geb- Ackermann. Wif/ietmine iVSeissMsy. Danksagung Für die große Theilnahme, die lins bei dem betroffenen Verlust unseres, in der angehenden Blüthe seiner Jahre verstorbenen, geliebten, einzigen Sohnes und Bruders Heinrich in der hiesigen Stadt und auswärts geworden ist, für die reiche Blumenspende zur Ausschmückung seines Sarges und für die zahlreiche Betheiligung an feinem Leichenbegängnisse sprechen wir den tiefgefühltesten Dank ans. Gießen, den 5. November 1883. Ein wahrer Schatz für die unglücklichen Opfer der Selbstbefleckung (Onanie) und geheimen Ausschweifungen ist das berühmte Werk: lir.Ketau’s Selbst- bewahrnng» 80. Aust. Mit 27 Abbild. Preis 3 Lese es Jeder, der an den schrecklichen Folgen dieses Lasters leidet, seine aufrichtigen Belehrungen retten jährlich Tausende vom sichern Tode. Zu beziehen durch das Verlags-Magazin (R. F. Biereyi in Leipzig, sowie durch jede Buchhandlung in Gießen. 5852 Stadt-Theater. Mittwoch den 7. November 1883. 8. Vorstellung im 2. Abonnement. Hasemaxin’is Töchter. Orig.-Volksstück in 4 Akten von L'Arronge- Anfang 7’/s Uhr. — Ende nach 10 Uhr. F. Brautleeht- Geld - Gour-, 20-Francs-Stücke . . . do. in '/z . Englische SouvereignS Russische Imperiales . . Ducaten ...... Dollars in Gold . . . 16 16-20 16 15-19 20 29-34 16 70-75 9 70 4 18-22 Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen. Die heutige Nummer enthält 1 Blatt und eine Beilage. Beilage M Nr. 259 des „Gießener Anzeiger". Amerika. Newyork im Oktober. New-Yorker Blätter schildern die gegenwärtigen Erwerbs-Verhältnisse ihrer Stadt als höchst ungünstige. Nach den Angaben eines Stellenvermittelungs-Agenten gab es in New-York zu Anfang September allein 5000 stellenlose Buchhalter im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Die Mehrzahl der Angestellten dieser Branche verdient wöchentlich etwa 15 bis 18 Dollars, indeß Hunderte von tüchtigen Buchhaltern ihre Dienste um 12 bis 15 Dollars wöchentlich anbieten. Während in der Buchhalter-Branche das analo-amerikanische Element überwiegt, wenden sich die Deutschen neuerdings mit Vorliebe dem Stande der Barkeeper zu und haben die Irländer, welche früher in dieser Branche dominirten, fast gänzlich aus derselben verdrängt. Uebrigens wimmelt es in New-York gegenwärtig von beschäftigungslosen Leuten; beispielsweise erhielt ein Kaufmann, der eine zu vergebende Klerksstelle annonciren ließ, die nur 10 Dollars wöchentlich eintrug, nicht weniger denn 700 Offerten. Bezeichnend für die dermalige Lage des Geschäfts dürfte es auch sein, daß die Anchor Line Company, deren Dampfer zwischen New-York und Liverpool verkehren, ein Rundschreiben an ihre Interessenten gerichtet hat, in welchem sie denselben anzeigt, daß sie wegen der ungenügenden Frachtverhältnisse und des bevorstehenden Endes der Reisesaison den Fährbetrieb zwischen Liverpool und New-York während der Wintermonate einstellen werde. Ueber den Aufstand in Port-au-Prince, der Hauptstadt der Neger-Republik Hayti, liegt in Londoner Zeitungen ein Bericht vom 10. October vor, dem wir Folgendes entnehmen: Am 22. September um 11 Uhr Morgens brach hier in Port-au-Prince eine revolutionäre Bewegung aus, hervorgerufen durch den von den Behörden gemachten Versuch, einige junge Männer zu verhaften, welche als Gegner der Partei des Präsidenten Salomon bekannt waren. Die Aufständischen griffen zunächst das Haus des Bezirks-Generals an und erschossen den General, nachdem seine Leibwache in die Flucht geschlagen war. Sämmt- liche Truppen zogen sich alsdann auf den außerhalb der Stadt gelegenen Palast des Präsidenten zurück. Die Aufständischen zogen mit dem Rufe: „Es lebe die Revolution!" durch die Straßen und feuerten auf Alle, die sie für ihre Gegner hielten. Nach dem ersten Allarm wurden alle Läden und Comptoirs geschlossen und der friedfertige Theil der Bevölkerung zog sich bald von den Straßen zurück. Gegen 3 Uhr Nachmittags hatte Präsident Salomon seine Truppen um seinen Palast herum vereinigt und begann allmälig die Herrschaft über die Stadt wieder zu erlangen. Binnen 3 Stunden waren die Aufständischen zersprengt und suchten Zuflucht in den verschiedenen Consulaten. Um diese Zeit lief das britische Kriegsschiff „Fontana" die Rhede an, von Jeremie zurückkehrend, wohin es gesegelt war, um die dortigen britischen Unterthanen zu schützen. Ehe es Anker warf, steckten die Regierungs-Truppen die Stadt an verschiedenen Stellen in Brand und begannen zu plündern. Mehrere Häuser in der Nähe des britischen Consulats standen in Flammen, und der Consul war genöthigt, sein Archiv in dem feuersesten Erdgeschoß in Sicherheit zu bringen, da zu erwarten stand, daß das Consulat in Brand gerathen würde. Da überdies Drohungen ausgestoben morden waren, bat der Consul den Commodore Grey, Mannschaften zum Schutz des Consulats zu landen, und es wurden 34 Seeleute und Seesoldaten unter der Führung dreier Osficiere an's Gestade gesandt. Beinahe hundert Frauen und Kmder, einige darunter verwundet, hatten im Consulat Zuflucht gesucht. Am nächsten Morgen, als das Brennen, Morden und Plündern fortgesetzt wurde und keine hellfarbige Person ihres Lebens licher war, commandirte der Befehlshaber des „Fontana" einen Lieutenant und zwölf Blaujacken zur Bewachung der Privatwohnung des Consuls. Der aus dem Abschaum der Bevölkerung zusammengesetzte Pöbel und die Regierungs-Truppen bedienten sich eines Feldgeschützes zur Aufsprengung der Thüren der Waaren- speicher. Dabei überluden sie das Geschütz, worauf es barst, sodaß eine Menge Leute getödtet wurden. Die Waarenspeicher wurden dann mit Kerosin besprengt uno angezündet. Als am 23. October, Nachmittags, die Regierung noch immer keinen Versuch gemacht hatte, die Ordnung wieder herzustellen, ließen die Con- suln dem Präsidenten Salomon sagen, daß, falls der Aufruhr nicht vor Einbruch der Nacht beendigt wäre, die Straßen durch die Gatling-Kanonen der Kriegsschiffe gesäubert und sein Palast beschossen werden würde. Der Präsident ergriff daraufhin Maßregeln zur Wiederherstellung der Ordnung und die Stadt wurde bald wieder ruhig." B-rmischteS. Köln, 31. October. Heute wurde, wie die „Rh.-Westf. Ztg." berichtet, in der Strafkammer über eine ekelhafte Behandlung von Lebensmitteln verhandelt. Es stehen vor den Schranken die Eheleute Specerethöndler Wilhelm Betram aus Ehrenfeld, an- geklagt, Stockfische in Urin und Wasser geweicht und zum Verkauf ausgeboten zu haben. Die Sache kam durch die Dtenstmagd, als sie in einen andern Dienst verzogen, zu Tage. Die Polizei beschlagnahmte emgewetchte Stockfische und Wetchwasser, iene wurden vergraben, dieses bem Chemiker Kyll zur Untersuchung überwiesen. Dieser er- klartei er habe Harnsäure in dem Wasser, die unzweifelhaft von einem Zusatz Urin Herrühre, vorgefunden. SanitätSrath Jakobs sagte auS, Harnsäure sei mittel- und unmittelbar gesundheitsschädlich, mittelbar durch den Ekel, wenn die Manipulation später bekannt werde, unmittelbar auch nach dem Genuß. Beide Angeklagten wurden für schuldig erklärt und zu 2 Monaten G-fängniß verurtheilt. — sGräßltcher Sturz.) Aus Freising, 24. October, schreibt man dem „Bayer. Cur.": Heute ereignete sich um die Mittagsstunde in Neustist bei Freising ein gräßlicher Unglücksfall. Der verheirathete Glasermeister und Maler Herr Schreiner jun., ein noch junger Mann, machte sich auf dem Dache seines Hauses, auf einer Leiter stehend, zu schaffen, als plötzlich eine Sprosse brach und der Bedauernswerthe hinabstürzte, wobei er so unglücklich auf einen Stecken an einem Rosenstocke seines Gartens fiel, daß er sich hieran sörmlich aufspießte und die Spitze dieses Steckens, welche Unterleib und Brust durchbohrte, ihm zum Halse herausdrang. Ein Arzt, welcher soeben des Wegs kam, konnte ihm diesen Stecken zwar noch aus der Wunde ziehen, der Verunglückte verschied jedoch alsbald unter den qualvollsten Schmerzen. Paris, 27. Ociober. Unter der Ueberschrist „Le fou de Clichy“ bringen alle Blätter spalteniange Berichte über einen furchtbaren Kampf. Gestern Nachmittag kam die Frau des Schreiners Trözel zu dem Polizet-Commissar ihres Viertels und theilte ihm mit, ihr Mann, der bereits früher an Raserei gelitten und mehrere Monate, im Jrrenhause zugebracht hatte, sei wieder tobsüchtig geworden; er habe schon alle Möbel seiner Wohnung zerstört, das Porcellan und Kochgeschirr aus den Fenstern geworfen und die Hausgenossen bedroht. Es wurden in Folge dessen zwei Polizisten abgesandt, um ihn ins Hospital zu bringen. Als die Beamten aber ins Haus kamen, hörten sie, der Wahnsinnige habe sich in einem kleinen Zimmer des Erdgeschosses verschanzt und bedrohe Jeden mit dem Tode, der sich ihm nähere. Das Zimmer hatte ein Fenster noch der Straße; Trözel hatte dieses Fenster durch Vorrücken eines schweren Schrankes unzugänglich gemacht. Eine Thür mit einem Glasfenster führte auf einen Hausgang; vor diese Thür hatte der Wahnsinnige einen schweren Tisch gestellt. Auf diesem hatte er — vollständig nackt — Platz genommen, schwang ein langes Messer und rief fortwährend: „Wer mein Hausrecht verletzt, ist des Todes." Zieht mau außerdem noch in Betracht, daß TrLzel ein Mann von herkulischem Körperbau und sechs Fuß hoch ist, so wird man begreifen, daß die beiden Polizisten den Kampf nicht ausnahmen, sondern eS vorzogen, auf dem Commissariat zu erklären, ohne HÜlssmannschaften könnten sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Der Commissar begab sich mit acht Schutzleuten jetzt an Ort und Stelle. Eine dichte Menge von Neugierige n hatte unterdessen die Straße und das Haus besetzt und nur mit Mühe konnten sich die Beamten ihren Weg bahnen. Sie bemnffneten sich mit schweren Holzscheiten — im Hofe wurde grade das Brennholz für den Winter gespalten — und stürmten in regelrechtem Angriff die Thür. Jetzt entwickelte sich eine blut-ge Metzelei. Während die Polizisten mit voller Wucht ihre Holzscheit- auf den Wahnsinnigen niedersousen ließen, stach dieser nach rechts und links mit dem Messer um sich und in wenigen Minuten waren fünf Polizisten kampfunfähig. Einem war die Pulsader durchgeschlagen, ein zweiter hatte eine furchtbare Wunde quer über den Schädel, ein dritter einen Stich im Rücken, bem vierten war der Arm gespalten und dem fünften hatte der Rasende ein Auge verletzt. Die drei noch un- verwundeten Beamten trugen ihre Kameraden ins Hospital und der Commissar tele- graphirte an den Präsecten um Hülfe. Der Wahnsinnige benutzte diese Zeit, um sich aufs Neue zu verschanzen. Dabet stieß er gräßliche Laute aus und rief: „Ihr schändet meine Wohnung, ihr müßt alle sterben I" Ein Arzt machte unterdessen den Vorschlag, man solle den Rasenden betäuben. Ein benachbarter Apotheker bereitete schnell einen Schlaftrunk und man reichte diesen dem Wahnsinnigen durch dos zerbrochene Thür- fenfter und redete ihm zu, er möge trinken. Trözel aber goß den Trunk auf den Boden und wälzte sich dann in der Blutlache umher, immer noch fein Messer in der Hand schwingend. Unterdessen hatte der Präfect drei berittene Gendarmen zu Hülfe gesandt. Diese, unterstützt durch vier Schutzleute, näherten sich kriechend der Thür und warfen sich, als Trözel am Boden kauerte, auf einmal unversehens auf ihn. Nach langem und heftigem Ringen gelang es ihnen endlich, den Unglücklichen zu binden und weg- zuführen. Ein Gendarm und ein Polizist erlitten dabei noch gefährliche Verletzungen. Der Zustand der ins Hospital verbrachten Polizisten flößt Besorgnisse ein. Aeitgeöotenes. Juni Dunkelfärben blonder, rother und grauer Haare eignet sich, als garantirt unschädlich und leicht anzuwenden, der vom Kgl. Bayr. Hoflieferanten C. D. Wunderlich fabricirte 6919 Nussschalen - Extract, & 70 H, sowie das das Haar , zugleich fettende u. den HaarwachSthum befördernde Dr. Orfilo’s Nuss-Oel 6 70 (prämiirt Bayerische Landesausstellung 1882) bei Hch. 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Ohnacker, Rheinstr. 16, und im Ausstellungslokale. Das Ausstellungscomite. Berantwortliche Redaetion: A. Scheyda. — Druck und Verlag her Brühl'scheu Druckerei (Fr- Ehr Pietsch) in Gießen.