Nr. s. Erstes Blatt. Sonntag den 7. Januar 1888. Gießener Anzeiger Amts- unb Anzcigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulstrabe 7. r i ■ ■— Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Prei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. ___ .. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher H li ci l'. Bekanntmachung. Gefunden: 1 Brille mit Futteral, 1 Schürze, 2 Handschuhe, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken Zugelauren: 1 gelbe Dogge. Gießen, am 6. Januar 1882. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. ______________________ Fresenius. durch die 1„ Januar. DaS Ministerium des Innern und der Justiz hat an b b jfm6amler bQä folflenbc Äusschr.lbkn g-riLI-l: ? ««8»« wriicr zu ftellcnden An. ^2-NU°r. Wie wir foeb.n vernehmen. bat beute Mittag auf x ^“Uc"/u b('l H/'r" Staateminm.r« v. Starck eine «efpredjung Ä L b" 3f,fll'n tucr anm.fenbcn Mitallcbcru bc« affen unb bett zweiten AuSichuffe« ber zweiten Kammer bei Stäube über ein« Seiten« b^.Negterunli an bie L'anbflänbc zu r ichtende Vorlage behufs Bervillfgung von Staats- I hÜ ? r a,lfrUnfl/Cbrr Wastttsnotb betroffnen tlngeböngcn bed Mo^erzog- tbumö ffattgefunben. Es würben al« .Stele der StaatShülfe bie Errichtung von provt- I UnterkunftSräumen für bie obdachlos geworbene Bevölkerung unb deren Vieh starb, bie Wiederherstellung ber vernichteten und beschädigten Gebäude und in- 6 M Lanbtscomite'S dazu nicht ausreichen sollten, bie Bestreitung von ^e^.ülren zur Erneuerung des Diehstundes, zur Ergänzung ber vernichteten Futtcr- n°brab?ahfirfi(intU Saalu-ucht unb Sctzkartofieln in bas Äuge geroßt, Regierung, ben tn ber heutigen Besprechung allseitig rum Ausdruck g brachten Änschauugen g mäg, bie Bewilligung von vorläufig 500OCH) d'' wohl auf demWeg des Ankens Achten hinn ?agm?rhdf-*,eh? % der Bewilligung von Mitteln über diese Summe binau§ wirb bie Grogh. Regierung eine wntere Vorlage Vorbehalten wenn die Hohe ber Schäden wirb übersehen werben können. 9 ' öenn Mc Frankreich nach dem ffoöc (lmmlletta's. W-Hl st ri st en sich Frennbe unb Feinde über Ruhm und Tugenden des per« blichenen Gambetta, über Eins ist aber schwerlich zu streiten: Die Rolle Ganrdetta'S war zu seinen Lebzeiten noch nicht als leitende» Staatsmann und Herrscher auSgespielt, er verstand zu warten, vorzubereiten und aus Mißersolgen Mehren zu ziehen, ja, u übte auch, obgleich er weder Minister noch Kammerpräsident war. auf das gesummte politische Veben Frankreich« immer noch einen hervorragenden Emsiuß, er war Oberhaupt dir mächtigsten Partei unb wichtig und interessant must deßhald die politische Weiter entwickelung Frankreich« nach dem Tode Gambetta'« sein. Am wichtigsten für un« natürlich, waS die auswärtige fianzöstsche Politik andetrifft. Denn so flüssig unb beweglich auch die französischen Zustände melslenlheil« wann, so wurde doch Gambetta fast allenthalben al« der feste Punkt, al« der Mann der.Snknnsl Frankreich« betrachtet Telegraphische Depeschnr. Wolff's telegr. SorrespoNdenz-Vureau. r ^anuar: Die in den überschwemmten Distrikten gewählten vesslschen Abgeordneten bereiten eine Aufforderung an sämmtliche deutsche Volks- vettreter vor, ui ihren Wahlkreisen Ausrufe zur Unterstützung der Ueber- schwemmten zu erlassen. 9 . , ~ Großherzog traf heute hier ein und besichtigte unter Führung des ^tadtbaumeisterS Kreyssig und des Obermaschinenmeisters der Ludwigsbabn .Lhomas^ die Schutzarbeiten. Der Rhein ist auf 5,91 Mr. gefallen Berlin, 5. Januar. Die „Prov.-Corresp." schließt einen warmen Gambetta gewidmeten Artikel mit folgenden Sätzen: lieber den Tobten den ein ganzes Volk betrauert, prüfend die Waage zu halten, auf welcher' alles mensmncbe bun gewogen wird, kann unsere, des ehemaligen Gegners Sache Lin. Als Zeitgenossen aber haben wir das Recht und die Pflicht mit Zeugintz abzulegen von der außerordentlichen Bedeutung des Mannes, den wir in heißem ehrenvollem Kampfe kennen lernten und dessen späteren Geschicken wir mit dem achtungsvollen Antheil folgten, den er sich bei Freund und Feind erzwungen hatte. u 0 üncben, 5. Januar. Der hiesige Magistrat beschloß beute die Ge- nebnngung nachzusuchen zur Veranstaltung einer Hauskollekte in Ätünchen unb 9an3 ?^^^rn 311111 Besten der durch die Ueberschwemmilng heimgesuchten bayerischen Ortschaften. J ' Karlsruhe, 5. Januar. Heute hat sich hier ein LandeS-ttnterstützilngs- coniitr gebildet, das aus Vertretern der Regierung, der Gemeinden des rzranenvereinü und des Manner-Hilssvereinü besteht. Für alle an die Hilfs- conutee oder an Behörden adrefsirten Liebesgaben ist im Badischen direeten Uabnuerfdir unb auch im Transitverkehr Frachtfreiheit gewährt. — Der Wien- Pariser Schnellzug wird morgen Nachmittag zum ersten Mal wieder die Route Appenweier-S traßburg passireu. ... a- Jlinuar. Die Menge der vor der Leiche Gambetta's Borüberdesilirenden war heute noch größer als gestern. Bereits über 2000 flränK sind eingetroffen. Der morgigen Leichenfeier werden 400 Delegationen beiwohnen. Die Mehrzahl der Läden wird geschloffen. Am Eingänge von Pr re-la-Ehaise werden acht Reden gehalten werden. — „Tempü" sagt, die Gambetta eriviesenen Huldigungen bewiesen, daß die Annahme der Ausländer, es gebe in Frankreich keinen Patriotismus mehr, irrig sei. ... , 5. Januar. General Chancy ist in der vergangenen Rächt plötzlich gestorben. — Der Tod Chancv's erfolgte durch Schl'agflnß. Dessen Leichenfeier findet in Chalons statt. Alle Journale beklagen seinen Tod und geben dem Schmerz um Gambetta, der die Seele des Widerstandes war, und Ehancy, welcher der Degen des Widerstandes war, gemeinsam Ausdruck. — Der Hoffnung der „Times" gegenüber, Europa werde die die englische Politik betreffs Egyptens darlegende Rote mit Befriedigung aufnehmen, sagt „Temps," wir werden es nicht unternehmen, heute Illusionen zu stören,' welche die „riinev" über diesen Punkt zu hegen sich den Anschein gibt. Die Seine wächst; sie Überschritt den Wasserstand des letzten Monats.' Das von einigen Journalen gemeldete Unwohlsein Leon Say's ist ein leichtes ohne jede ernstere Bedeutung. Januar. Dle Schleppsch ffsahrt auf bem Neckar tft feit beute Pegclstand 8,62 M, in Koblenz 7,86 M-, in Bingerbrück Köln, 5. Januar. D.rurfcdbt hätten Mannheim, wieher eröffnet. 6 M- Das Welter ist hell, leichter Frost. Ems, 5. Januar, 1 Uhr 31' M:n. Die Lahn fällt in Folge der Kälte rasch. Vermischte-. — Die großen Schulden einer großen Künstlerin, so schreibt man dem „B. B C." aus Paris, bilden tn her hiesigen Tbeaterwelt augenblicklich '.das Hauptgespräch. Dos Hotel der großen Künstlerin, welche, wie man errathen haben wird, Sarah Bernhardt beißt, soll förmlich von Gläubigern belagert werden (Siner derselben, dem Madame Bernhardt-Domala nicht weniger als dreihunderttausend Franken schuldet, hat ihre (.ViQflcn im Vaudeville-Theater mit Beschlag belegen lassen. Andere Gläubiger mit Foid i ungen von 60 000 und 70 000 Francs sind ebenfalls so ungalant gewesen, der genialen „F.odma"-DarsteUerin den Huissier aus den HalS zu schicken, auch hat die Künstlerin, bk, alS sie daS AmdigwTbeater für ihren unmündigen Sohn erwarb, eine nur sehr unbedeutende Anzahlung leistete, eine für den 1. Dec mber fällige Quote von 25 0t)0 Frcs. nicht bezahlen können und mit dem „Tbeatre Moderne" wird es nun auch nichts werden, wenn auch Herr Damala in einem Schreiben an den „Figaro" das Gegentheil behauptet- ES ist bekannt, daß daö Künstler-Ehepaar seine« Contract mit Director Bcllonde, die Erwerbung dc« „Theatre des Nationtz" betreffend, schon lange zu cebtren gesucht hat, ohne daß sich diS jefct ein Kauflustiger an dieses f-agwürdige Unternehmen ivagev wollte. Von anderer Seite drohen der Künstlerin da« immer noch nicht bezahlte Strafgeld für die Eomedie Franchise — sie schuldet dem Hause Molidre's noch an achtzigtausend Francs — und die monströsen Rechnungen ihrer Lieferanten und Schneider. Ed war nicht, wie man behauptete, gikiänkor Schneiderehrgeiz welcher den Modisten Felix bewog, die von Sarah Bernhardt bestellten Roben im legten Augenblick zurückzubebalten. Er war tm Gegentheil so practisch, vorher die Tilgung einer alten Schuld von sünfunds.chz'gtausend Franc« zu verlangen, wa« die erzürnte Künstlerin verweigerte. Man sieht, daß selbst eine Schauspielerin, die durchschnittlich tm Jahre eine Million verdient, unter Umständen nicht auf Rosen gebettet ,st. Hochwasser. Mainz, 4. Januar Bei HeideShetm brach gestern Nachm ttog gegen 3 Uhr zwischen dem iog. Preußischen Hof und Heidcfahrt der schützende Landdamm: mit furchtbarer Gewalt stürzten sich alsdann die Wassermassen in daS obere Terrain und flauten sich an dem Bahndamm, das zwischen dem letzteren und dem lanbbamm liegende Heidetadrt «var im Nu überfluthet und bu Häuser standen gellem Abend bereits bi« zum ciihn Stock im Wasser; tn HeideShetm selbst war bi« zum Tlbenb ba« Wasser bi« zum Kirchhof vorgedrungen und wuchs noch fortwährend hoher. Dieser Dammbruch war auch wahrscheinlich die Ursache, daß in Mainz da« Wasser am Rach mittag um einige (Zentimeter gefallen war und als die Ebene bet HeideShetm st-miich ausgefüllt war. wieder um einige« stieg. — 5 Januar, 1 Uhr 30 Min. Der Rhein ist btrr etwa« g fallen, ebenso bet Köln und Koblenz. . . ... . . , — Zu Laubenheim ist ein Haus eingestürzt. Das Oertchen Heidefahrt tit total überschwemmt Die Bewohner raten sich nach Heide-Heim. — 6. Januar, 12 Uhr 30 Min. Nacht«. Stand 5,82 Mtr. Heitere Temperatur, fortwährend fallend. __ .. - . Mainz, 5. Januar. Der Rhein bat mit 5 93 Mtr. den höchsten Wasscrstanb, den er im November balle, erreicht, doch bat tn Folge der getroffenen Sicherheits- maßregeln fe ne Ueberschwemmung ftaitgefunben. Groß-(^erau, 5- Januar Da« Urderschemmungsgebiet von RüstelSdeim bis zur Rheinbl-gung bei (Srkloen, Goddelau und Haid di« Groß-Gerau steht 2 3 Mei er unter Wasser. Total überschwemmt sind Walleistädten, Astheim, Berkach, AOrir berg: zum größten Shell: Trebur, Geinsheim, Leebetm BischofSh im und Kin-Heim; diese sind zwar noch durch Qrtsdümm>' geschützt, aber burch Quellwasier bi« zu 1 überschwemmt, ebenso Erfelden und Stockstabt, stark bedroht ist B eb «beim. Die Dämme halten noch Im Garnen haben 5 Dammbrüche stattgefunden: In Wallers städtcn, ca. 1 Meile vom Rhein, steht das Wasser b S 3n V rlockungen müssen> daher in Frankreich btS auf Weiteres auf einen ziemlich unfruchtbaren Boden fallen. Auch fehlt e« zur Heit den monarchischen Parteien Frankreich« vollständig an einer imponirenoen Persönlichkeit und von einem Prätendenten k la LoutS Napoleon werden sich bte Franzosen wob’, mcht gleich wieder tn ein .rügenscheS Kaiserreich, welches da« Gegentheil von Dem dem Lande bereitete. waS es venprocken hall', leiten lassen. Fast scheint es auch, .US wenn sich alle einflußreichen Persönlichkeiten Frankreichs bemühten, nur dem FrredenSgedanken Achtung zu vetschaffen, denn sell dem Tode Gambetta « ist die französische R nie bedeutend gestng.n und so hoffen mir, Frankre ch fünitig aufrichtig friedliebender seine Politik betreiben zu sehen. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gietzeu. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 4 Januar. Georg Koch, Bauunternehmer in Gießen und Bertha Aletta Pöschel des Bauunternehmers Eduard Pöschel in Gießen eheliche Tochter. Getaufte. m Den 31. December. Dem Lacktrcr LouiS Hellmold eine Tochter, Susanne Emilie, flrboren^d^26. Okwbn ^i^rb^auer Ernst Franke eine Tochter, Johanna Emilie, geboren ben ^T^nfdben. Dem Arbeiter Kart Wahl eine Tochter, Marie Christiane, geboren ben ’ D^nstlben" Dein (Ayamastallehrer Heinrich Scherer eine Tochter, Marte Elisabeth Äatf,tir®en(’lb3amiarn ^Dem KunstgSltner Heinrich Heilmann eine Tochter, Emma ein Sohn, Wilhelm llonts, geboren b<" 22®®“eiben”' ®.-m Feldwebel Jakob Heinstadt en, Sohn, Ferdinand Wilhelm ftarl Ludwig, geboren den 14. November. Beerdigte. 3 Januar. Elisabeth Bläser, des verstorbenen Bäckermeister« Hartminn Bläser in Grünbcrg eheliche ledige Tochter, alt 81 Jahre 11 Monate 21 Tage, ge|tor en b n 1. Januar. Ausjug aus den Standesamtsrestistern des Standesamts Gietzen. 2lufgevote. December. 30- Gasiwirth W'l elm Heinrich Ehristian Nassauer von Herborn mit Eugen'.c W. Tauben das Paar 60—80 5>, Hühner per Stück < I .0 -1 8»', Hahnen per Stuck ^1.20 hi.-, i i^i, Enten per Stück 1./0—2.00, Ochfensteisch per Pfund 66-70 jtiib- und Rindfleisch 56 -6 - 2),. Kalbst:sich .'>1 bis 56 Schiveinefleisch 62—64 Hammelfleisch 60—66 Kartoffeln per 100 Kilo tt 5.59—6 50, Zwiebeln per Zentner 4 5, Milld per Liter 14 -18 Gänse per Pfd. 60—66 Weißkraut 100 ^>tuck vtL 4—8.00. ___ u. M.. /„, Disconto Conun. 1873/*, Gottl-ardbahnactien 1144/*. Tendenz: —.__. 8lt: ■7 frUet.. 7^ »lara !3M •leben * VMtrktll - Eu- btr de- BiQ(n <3knaal-, r bur- uv) •»nanb, Ti „„ L'$'K'Äa»Ä.“K SS «SÄ Ä«*™' " ""bD""L;,LLLUL'L"-,- Mr bie üßaffetbefdiabfflkn im G-ohb-rzogtham Ringen weiter bei un« ein: ~ v> a 1 n »vau Block 20 X, Zkrelsgerichisratb Zierenbera 10 X, non ben ■?‘ dueotadc-Piltver von Starker & Pobuda. Kgl. Hoflieferant, Stuttgart. Beste blutbildende und leicht verdauliche Nahrungsstoffe für Kinder und G> wachscne, von vielen inediciu. Autoritäten warnt empfahlen. Niederlage in Gießen bei < arl Schn aal». Vom 1 Januar S8S ab befindet fleh mein ^ager iit IlerreM- aettl Kn ab et Ui te i h, Englische Souvereigns 20 27-32 Russische Imperiales . . 16 65—70 Ducaten ...... 9 62-67 Dollars in Gold . . . 4 16-20 ■» Verantwortliche Nedaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pi|etsch) in Gießev. Hierzu ein zweite- Blatt.