Smnftnq den 6. Januar I8S8. V Amts- und Anzkiqcblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bureau : Schulstrave 7. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Amtlicher Hlj ei l. Betreffend: Statistik der Bewegung der Bevölkerung pro 1882. Gießen, den 5. Januar 1883. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen der alsbaldigen Einsendung der Register über die in 1882 vorgekonnuenen Zu- und Wegzüge entgegen. Dr. Boekmann. Bekanntmachung. Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 25. Mat l. I. genehmigt, daß der zur Bestreitung der Kanzleikosten Gr. Handelskaminer für das Rechnungsjahr 1882/83 noch fehlende Betrag von 1148, aus die Wahlberechtigten zur Handelskammer ausgefchlagen werde, auch das betreffende Hebregister durch Verfügung vom 28. d. M. für erecutorisch erklärt hat, legen mir dies Register 8 Tage, vom 6. bis zum 13. k. M., auf dem Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht der Interessenten offen. Einwendungen und Beschwerden gegen dieses Hebregister müssen während dieser Frist bei uns vorgebracht werden, andernfalls solche keine Berücksichtigung finden. Gießen, den 31. December 1882. Grobherzogliche Handelskammer. __________________________________________Ed. Silbereisen._______________________________________________________ Betreffend: Die Prüfimg der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr Iö83. Bekanntmachung. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Frühjahr 1 883 stattfindenden rubr. Prüsumg zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfimg spätestens bis zum 1. Februar 1883 bei der unterzeichneten Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gefilchc wird hn Speciellen das Folgende bemerkt: c. ein UnbescholtenheitSzeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d. einen selbstgeschriebenen Lebenslauf. Zu pos. b wird noch besonders darauf hingewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Voimiundes, daß er in der Lage sei, den Freiwilligen wahrend des eiR- 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-EomMission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Groß- herzogthum Hessen seinen bauernben Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre erfolgen. 3. Das Gesuch muß von deut Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint cs zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuch sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugniß; b. Einwilligungs-Attest des V aterS oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und F ä h i g k c i t den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; lieber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Orb. v. 28. Septbr. 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungs- Term ins, sowie des Locals, auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 15. December 1882. jährigen Dienstes unterhalten zu können, ntcht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbesch ol t enh eit sz eugniß beizulegen. Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. — I. Theil der Wehr- erfolgt ev. weitere Bekanntmachung- Grotzherzogliche Prüfuugs-Eommijsion für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Gros. in welchem die Prüfung stattsiudet, Politische Ueberficdt. Glesien, 5. Januar. In unseren innern deutschen Angelegenheiten herrscht bis dato noch immer verhältuißntäßige Ebbe und wohl erst der in nächster Woche erfolgende Wiederzusammeutritt des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses wird unser politisches Leben in raschere Strömung bringen. Dagegen beschäftigt die WasserSgesahr am Rhein und Main rc. dte allgemeine Aufmerksamkett in erhöhtem Grade und wenn auch aus verschiedenen Theilen Deutschlands ein Anschwellen der Flüsse in Folge der regnerischen Witterung der jüngsten Tage gemeldet wird, so hat die Ueberschwentmung doch nirgends solche Dimensionen angenommen wie in den Rhein- und Main-Gegenden. Au vielen Punkten haben der Rhein und seine Nebenflüsse einen höher» Stand erreicht, als im November vorigen Jahres und namentlich ist die Umgegend von Worms und auch von Mainz schwer heimgesuchl; bereits sind zahlreiche Menschenleben dem wüthendcn Elemente zum Opfer gefallen und außerdem ist in vielen Ortschaften die Noth aus'- Höchste gestiegen. Bei so betrübenden Nachrichten erscheint ein erneuter Appell an die allgemeine Mildthätigkeit dringend geboten und wir wollen daher hoffen, daß die Sammlungen für die Ueberschwemmten einen recht erfreulichen Fortgang nehmen. In Wien bildet der Selbstmord deü bei der französischen Republik accreditirten Botschafters Oesterreich • Ungarns, Grasen Wimpfsen, noch immer oas Tagesgespräch der diplomatischen Kreise. Es waren über die Motive der unseligen Thal verschiedene Gerüchte verbreitet wordcn, doch ist es nach den neuesten authentischen Berichten, welche hierüber in Wien eingetroffen sind, un- zweiselhast, daß (^ras Wimpssen in einem Ansalle von Geistesgestörtheit Hand an sich selbst gelegt hat. Auch die wenigen Zeilen, welche er in ansgefundenen Briesen hinterlassen hat, geben den vollgiltigen Beweis, daß eine Den Verewigten seit mehreren Tagen beherrschende hochgradige nervöse Aufregung nnb nervöse Gereiztheit sich unter dein Drucke einer fixen Idee zur vollständigen inomentanen Geistesgestörtheit gesteigert hat. Graf Wimpffen hinterläßt eine trauernde Wittwe, eine geborene Prinzessin Lynar, sowie zwei Töchter im Alter von 12 und 14 Jahren. Die Journale „Voltaire" und „R^publ. sranc'aise" veröffentlichen anläßlich des Todes Gambetta'S zahlreiche aus der Provinz und dem Auslande eingegangene Beileidsschreiben bezw. Beileidsdepeschen. Die Zahl der Personen, welche amNeujahrStageVilled'Avrey besuchten, wird aus über 3UUUgeschätzt. Der Eintritt des bisherigen Unterftaatssecretürs im englischen Auswärtigen Amte, Sir Charles Dilke, als Präsident des Handelsamtes in das Eabinet Gladstone, hat den von ihm innegehabten Posten zur Erledigung gebracht. Da das UuterstaatSsecretariat im euglischen Auswärtigen Amte eine ziemlich einflußreiche Stellung bedeutet, so ist mau auf den Nachfolger Dllke's gespauut; wie es nun heißt, ist hierzu Lord Edmond Fitzmaurice in sichere Aussicht genommen, über dessen bisherige Stellung und politische Vergangenheit jedoch noch nichts Näheres bekannt ist. Der Herzog v. Counaught bat sein an das KriegSministerium gerichtetes Gesuch um Verleihung eines Brigade ConnnandoS bei der indischen Armee wieder znrückgenommen, und zwar aus Andringen der Königin. Die italienische Regierung hat die Deinissiou des Generalsecretärs im Auswärtigen Amte, Baron Blanc, angenominen. lieber die Motive seiner Demission ist noch nichts ^täherea bekannt. Der „Rast'egna" zufolge hat em jüngst unter dem Vorsitze des Eonseilpräsidenten de Pretis abgehaltener Minister- rath beschlossen, die in den AttentatS-Versnch Oberdank'S verwickelten Triestiner Flüchtlinge, Levi) und Parenzani, welche in Venedig verhaftet worden waren, nicht an Oesterreich ansznliesern. Dieselben sollen vielmehr vor die italienischen Gerichte gestellt werden und da wird die Strafe wohl nicht zu hart anssallen. Unter den a u S w ä r t i g c n P r eßsti m m e n über den Tod Gambetta 's vurn Vüucn 21. finb namentlid) die Auslassungen verschiedener angesehener Petersburger Blätter bemerkenSwerth. So meint das ossiciöse „Journal de St. Päters- dourg" am Schlüsse seiner Betrachtungen hierüber, das; Frankreich in Gambetta wo bl einen seiner berühmtesten Söhne verloren habe, das; aber dieser Verlust keine Gesabr für die Interessen der Nation involvire. Die liberalen Blätter, „Golos" und „* 2 * 4 s * * B.)a'iie Zeit", geben ihrer tiefen Trauer um den Verlust des ihnen so sympathischen Politikers Ausdruck und die „Nene Zeit" schreibt hierbei, daß der Tod Gambetta's in der russischen Gesellschaft aufrichtiges und tiefes Mitgefühl rät Frankreichs herbem Verluste hervorgerufen habe. Der „St. Petersburger Herold" glaubt, daß nunmehr die Legitimisten an Kraft gewinnen und die Revanche-Idee mehr beleben würden; das Blatt plaidirt daher für ein festes Drei-Kaiser-Bündniß. Der Gesandte der Sandwichs-Inseln wurde während des Neujahrs-Empfanges beim Präsidenten Arthur von einer Ohnmacht befallen und verschied kurze Zeit hierauf. Deutschland. ließen. Von hier wird der „zröln. Ltg." geschrieben: Die öffentlichen Blätter melden von einer Petition, welche die Direclo.en von 6U iHcalgpainafien bei dem königlich preußischen Unterrichtsministerium eingercicht hoben, um die unbeschränkte Anstellung«. sähigkert der pro facalute geprüften Realschul-Abiturienten zu erlangen- Die Angelegenheit, die Damit berührt ist. geht nicht Preußen allein, tondern auch die Nachbarländer an, in welchem noch lemem Vorgänge Realschulen 1. Ordnung ungerichtet und, gleichfalls nach seinem Vorgänge, die Abiturienten dieser Schuten zur Lehramtsprüfung in Mathematik, Naturwissenschaften und neueien Sprachen zugelassen sind. Zu diesen Ländern gehört auch Hessen-Darmstadt, nur daß hier zwischen den Kandidaten der genannten Fächer ein sehr bedeutsamer Unterschieb gemacht wird. Diejenigen Realschul- Abiturienten nämlich, welche neuere Sprachen alS Haup.sach studirt Haden, müsten sich, bevor sie zur Lehramtsprüfung zugclasfen werden, einer nachträglich.n Rcifepküfung im Lateinischen im Gneckiichcn ui.d in der Geschichte unterziehen, von welcher nicht entbunden werden kann. Die Frage, ob diese Nachpüfuna fortd^stchen soll oder nicht, bat schon zu Anfang vor. Monat« die hiesige akademische PrüsurgScommission zu einem amtlichen Schritte veranlaßt, d- sfen Zeitgeuiäßhett durch jene Petition der Herren Realschul-Dinktoren in sehr erwünschter Wc>se bestätigt wird Der Gedanke, von dem dabei auSgegangen ward, «st dieser: Die Beantwortung der Frage nach Ausdehnung oder Beschränkung der B-recht gung der Realschulen 1. Ordnung und ihrer Abiturienten sollte nicht länger durch die Rücksicht auf daS Sonderinteresse dieser letztem in dem Maße beeinflußt werden, wie daS bisher geschehen «st Es sollte vielmehr, und zwar entscheidend, die Rücksicht auf daS wissenschaftliche Studium der Mathematik, der Natur-- wisienschaften und ganz besonders der neueien Sprachen in'S Gewicht fallen und desi bald jedem ferneren Schritte In dieser Sache vorangehcn eine vollständige und aulhen- r sche Prüfung der Erglbnisie. welche die se.t zwötr Iahien bestehende Zulassung der Realschul-Adilurienten für den akodew'schen Unt rrichr m d^n genannt n Fächern gehabt hat Nach zwölf Jahren vielseitiger Erfahrung — die Zahl de« auf Universitäten studierendln Rraischul-Abiturlcnten rsr ja bifannind) eine sehr große geworden würde etz sich nicht mehr um Annahmen von mehr oder mtnbn theorrt schein Charakter, sondern um Thatsachen bandeln, deren Beweiskraft für oder wider poii 9hcniani> würde angefochten werden können. Wie aber ließe sich eine Erhebung dieser Thatsachen am sichersten und raschesten erreichen? Wir meinen der einfachste Weg wäre eine Exarnl- iicUOienfonftrcnj aus den wissenschaftlichen PrüfungScommissionen derjenigen deutschen Staaten, in welchen Die Reasickul-'Abiturienten die genannten Berechtigungen genießen. Die akademischen Examinatoren der Mathematik, der Naturwissenschaften und der neueren Sprachen sind fast immer auch d:c Lehrer der Candidal.n gewesen, die sie zu prüfen haben, und zwar in der Regel während einer Reihe von Semestern, folglich müfien sie, zumal da in dm genannten dre« Fächern der Seminar- und Laboratoriums, unterricht überall vollständig auSg.bildet ist, von der Porbildnng und Dm Leistungen ibrer Schüler eine Kenntniß babm, wie sie außer ihnen kein Mensch besitzen kann. Und mit Anführung dieser einfachen Thatsache ist die Umntdrh licht, l «hrcS Z ugnisseS für die hier vorliegende Frage, wie uns scheinen w ll, genügend da-gthan Die Herren Petenten, die ja fämmtlid) erfahrene Pädagogen finb, w^id n selber auf Vemehmung dieses Zeugnisses den größten Werth leg-n müssen; fällt es zu ihren Gunsten aus, so baden sie mehr gewonnen, alS mit jahrelanger Agitation 'Hierseils erreicht werden kann; fällt es ab«r zu ihren Ungunsten auS so werden sie selbst nicht wollen, daß hrrm Gesuche auf Kosten der Wissenschaft gewillfahrt werde. Schlierlich sei uns eine c'.nsache Frage gestattet. Heber die Zulassung bei Realschul-Abltunent n zum Studium der Medicin sind im ganzen deutschen Reiche außer den med>cm scken Fakultäten auch die Aerzte befragt worden und ihre Antwort ist btfanni W^d man über die beste Dorbildungtzweise der künftigm Lehrer an unseren Höheren Schule.« endgültig entscheiden wollen, ohne die akademischen Lehrer bkfer Lchrcr gefragt z.« haben? Darmstadt, 3. Januar. Gegenüber der unsäglichen Wasser-Calamität, welche über unsere Rhein-Niederung hereingebrochen, darf ein schleunigster Zu- sammentntt der Stände erwartet werden, um selbst mit Zuhülsenahme eines Staatsanlehens durch finanzielle Beisteuer das vorhandene schreckliche Elend, soweit eS in menschlichen Kräften steht, zu lindern. Bis dahin mag die Regierung auf eigene Verantwortlichkeit die Staatsgelder für fragliche Zwecke in ausgiebigster Weise in Anspruch nehmen, da sie der nachträglichen Genehmigung solcher Ausgaben absolut sicher sein darf. Frankreich. Pari-, 3. Januar. Gambetta's Hintritt wird von allen maßgebenden Preßorganen des In- und Auslandes als ein Ereigniß ersten Ranges behandelt. Mit Recht; denn der Einfluß, welchen der Verstorbene bei seinen Lebzeiten auf buii Entwickelungsgang der Dinge in Frankreich, und damit indirect auf alle internationalen Angelegenheiten, in denen französischer Einfluß thätig ist, übte, war ungleich größer, als man sich gegenwärtig vorstellt. Das Verschwinden Gambetta's wird zur Revision gar mancher politischen ZukunjtSrechnung Anlaß geben, welche mit dem Verstorbenen als einem Hauptfaktor operirte. Charakteristisch ist das Gebühren der national-russischen Blätter, welche eine Sprache fuhren, als sei mit Gambetta der Messias des französischen Volkes aus diesem Leben geschieden. Wer sich der überschwenglichen Todtenklage erinnert, welche in der Gambettistischen Tages-Literatur um den General Skolxleff angestimmt L-uroe, wird nicht zweifeln, daß der Schmerz der „Nowoje Wremja" und Cou- iarten ein ungeheuchelter ist. An der Schwelle des neuen Jahres liegt so manches schöne Luftschloß politischen, wie kriegerischen Ehrgeizes in hoffnungslosen Trümmern zerfallen.' Rußland. Petersburg, 3. Januar. Dem „Ruff. Kurier" zufolge herrscht in Nicolajewsk, Gouvernement Astrachan, Diphteritis und Typhus. Der Kreis ;ahlt 30,000 Eingesessene, besitzt aber kein Krankenhaus und nur wenige Aerzte and vorhanden. So kann den Epidemien weder vorgebeugt, noch gesteuert n er Den und ganze Familien sterben aus. In Mariopol soll die Seuche ebenfalls grafsiren. -Die Landbevölkerung ist dem völligen Ruine nahe und Hülse i id)t zur Stelle. Telegraphische Depeschm. Wotff'S telegr. Correspondcnz-'Bureau. Berlin, 4 Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Morgen findet unter dem Vorsitze des Oberprifiidenten der Nheinprovinz eine amtliche Conferenz unter Theilnahme der Commiffarien der Reffortminister statt, um die Vorbereitungen für die Landtagsvorlage betreffs der Staatshülfe für die Ueberschwemmten dem Abschluffe entgegenzuführen. Karl-ruhc, 4. Januar. Der Grobherzog und die Fran Großherzogin haben für die durch das Hochwasser beschädigten Bewohner deö Landes einen Betrag von 10,000 JL gespendet, der Erbgroßherzog hat zu demselben Zwecke 2000 angewiesen. Paris, 4. Januar. Eine zahlreiche Menschenmenge bewegt sich am Eingänge zum Palais Bourbon, um die Leiche Ganibetta's zu besichtigen, welche gestern hierher transportirt wurde. — Gegenüber den Artikeln der deutschen Journale sagt „Siede", diese Blätter täuschten sich, wenn sie glaubten, daß die gerechten Revindicationen Frankreichs mit Gambetta in'S Grab gestiegen seien. Damit solle nicht gesagt sein, daß Frankreich die Revanche ausschließlich zum Ziel seiner Politik machen wolle. Die Patrioten könnten sterben, aber das Vaterland sterbe nicht. Frankreich sei heute dasselbe, was es gestern mar. Jiom, 4. Januar. Heute Morgen 0 Uhr 45 Min. feuerte der aus Reggio (Emilia) gebürtige 20jähnge Buchdrucker Eugen Rigatieri 4 Revolver- schusse gegen das venetianijche Palais ab, worin der österreich-ungarische Botschafter beim Vatikan wohnt. Niemand wurde verletzt. Das Individuum wurde verhaftet und der Revolver jaifirt. Petersburg, 4. Januar. Das „Journal de St. Pötersbourg" be- fpricht nochmals den Tod Gambetta's und tritt der Behauptung entgegen, daß der Tod Gambetta's Frankreich in der Situation eines steuerlosen Schiffes zu- rücklasse oder daß gar, wie die „Times" meinte, das europäische Gleichgewicht durch den Tod eine Störung erleiden könne. Die Politik der Regierung sei nicht auf so schwache Grundlagen basirt, daß der Tod eines Mannes ihr einen so schweren Schlag versetzen könne. Die Menschen gehen, aber die Nationen unt» ihre großen Interessen bleiben und diese werden heute, wie gestern in Frankreich, wi überall in erster Reihe die Aufrechterhaltung des Friedens und gegenseitiges Vertrauen für die Lösung der auftauchenden Fragen verlangen. Man sieht absolut nicht ein, daß Gambetta's Tod an diesem Zustand etwas andern könnte. — Laut einer Verfügung des Ministers des Innern ist dem „Golos" der Einzelverkauf untersagt worden. — Wie die deutsche „St. Petersb. Ztg." erfährt, wird Fürst Wjasemski von dem Posten des Chefs der Oberpregver- waltung zurücktreten und durch Feoktistow, den Redacteur des vom Unterrichts- Ministerium herausgegebeneu Journals ersetzt werden. Darmstadt, tm Dccember 1882. An Gioßh.rzogl chcS Ministerium beß Innern unb ber Justiz Gutachtlicher Bericht ber Commission zu, Prüfung b.r Frage ber U bcrbürbnng ber Schüler höherer Lehranstalten mit häuslichen Arbeiten unb Lernstoff. ^Fortsetzung.) 2. Lateinische Sprache. Die Commission spricht sich bahin aus: Daß die Ex:emporal — deutsche Dictate mit sofortiger lateinischer Niederschrift — in de chränktem Maße unb nur a'.S PiÜ'ungsm ttel für die Aneignung der Foimcntvhre und syntaklischm Regeln zur Anwendung zu bring.ii feen und . lemats einen ciufcheid.-nden Fakior für d:e Bestimmung bei Reise kineS Schülers bilden dürfen. Hebers.tzungrn deutscher Dictat-- sind vorzugsweise wählend ber Unterrichtsstunden zu fertigen und sollen sich ber zklassenlectüre anfchl'.cßen. 3 Französische Sprache. Mit Rücksicht auf die geringe Stundenzahl, welche im Lehrplan für die Gymnasien de>n französischen Uinerricht zugewiefen ist, sow u, U» j f.ihl Ttf örL 5-6000 1 äuheni Wyl!1 .. * * Mrtt’gt, Alt . 1 b'°-kv. ^lNi. * Ä Mn h) l* Ä! Bestimmungen deS neuen Lehrplans der preußischen Realgymnasien zu Grunde zu legen unter Beachtung-der in den vorausgegangenen Verhandlungen über bie Gymnasien ausgesprochenen allgemeinen Grundsätze. IV. Gibt die dermalen Übliche Art und Weise der Censirung der Leistungen der Schüler an den höheren Lehranstalten zu begründeten Klagen Anlaß? 1) Im Anschluß an die in der Verordnung vom 17. März 1869, die Maturitätsprüfung an den Gymnasien betreffend, vorgeschrtedenen Zrugntßprädikate sind seither in den Klassenzeugnissen solche Leistungen der Schüler, welche nicht unter den an die betreffende Klasse zu stellenden Anforderungen sind, in d-r Regel mit einem der Prädikate „sehr gut", „gut" oder „genügend" bezeichnet wo: den Hierbei wurden die Leistungen einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Schülern, denen man zwar das Prädikat „gut" nicht zuerkennen konnte, deren Leistungen s doch sich dieser Stufe mehr oder weniger annähertcn, mit dem Prädikate „genügend" bezeichnet, welches von Schülern und Eltern vielfach als Ausdruck einer nur knapp beu Anforderungen entsprechenden Leistung aufgefaßt wurde. Diese Auffassung hat nicht selten eine übermäßige Anstrengung der Schüler zur Folge gehabt. Daher sp'icht sich die Commission da- Hin aus: Daß für die Leittungen, die nicht als ungenügend zu crackten sind, statt der bisherigen drei Stolen „sehr gut", „gut" nnb „genügend" künftig vier Roten anzuwcnden sein dürften: 1) sehr gut, 2) gut, 3) im Ganzen gut, 4) genügend, indem sie der Ansicht ist, daß die Leistungen, die als btaatSl>abnactien 284, Galizier 252V-», Lombarden 11612 Nord- westbahnacticn —, Darmstädter-Bankactien —, Oberschlesiscke E -B -Act ' 247l Oesterr^Silberrente 65V°, 4% Ungar. Goldrente 73^, 4% 1880er Ruffen 6^ m °?8m,r J?uffcn 8,y^ 2- Onent-Anleihe 55» 4, Spanier 62Vr, 50/0 Rumanischk Wmte 4-n Unisic. Egypter 713 4/8, DiSconto Comrn. 187s * * 4, Gotthardbabnactiet 11478. Tendenz: —. vom Wasser aufgewühlt ist. Dieselbe ist deshalb seit heute früh polizeilich gesperrt. Jetzt geht sammtlichcr Verkehr von hier nach Hausen über Rödelheim. Paris, 4 Januar. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Macon sind die ^aone unb der Doubs ausgetreten. Mehrere Dörfer der Umgegend stehen unter 2Baffcr, in 2°ngcpterre am Doubs sind 32 Häuser eingestürzt, in Chalons und Mucon sind zahlreiche Straßen überschwemmt, die Magazine sind geschlossen, der angerichttte Schaden ist sehr beträchtlich. Seit heute früh fällt das Wasser wieder. Kirchliche Anzeigen der Stadt Gieften. E v a tt g e l i s ch e G e in e i u d e. Gottesdienst: Sonntag den 7. Januar (1. nach Epiphanias. Landesinissiousfest. Vormittags 9 Vs Uhr: Pfarrer Dingel den. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Rack beiden Gottesdiensten Kollekte für die Heidenmission. 4 ojii n e r Nag, den 11.1a n u a r, Abends 8 Uhr, im Gu mnaf i um : Mission^ nunder Die Mission unter den Kolbs in Ostindien, Pfarrer Dingeldey. Am Sonntag, den i4. Januar, ivird im Abendgottesdienst, 5 Ubr, das inilige Abendmahl gefeiert werden. Die Beichte sindet in Verbindung mit dem Abendmahl unmittelbar vor demselben statt. m. $ le P f a r i g c f ckäft e in der Woche vom 7. bis 13. Januar besorgt Pfarrer Dingeldey. u Knti ■ »«bn »'ilirt, Und •- L'Sh *1 4,” Sr* °° b-n ?' M-,« *ra*rn hw?f,: :•