Sonntag den 5. August Zweites Blatt Nr. 179 1888 alä. Miestemr Anzeiger j Amts und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Burrn»l Schulstraß- 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». 2 ?!’ ^'^dringerlehn. «K. D ” Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Wik 'eiben uni« Die Kosten der deutschen Parlamente. 8- den den den den den den den 407,670 168,510 1,2(0,520 397,325 126,400 342,886 97,220 47,453 29,850 23,000 16,800 19,912 40,980 4,560 2,000 3,320 5,800 13,950 2,000 6,160 ■Np* 5310 lder. er ttheikn bene». S uvigK^ Mst ^7 Mw" 09«!"*^ PreiS viert^ijührlich 2 Mark 20 Pf. bitt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. den Reichstag....... das preußische Herrenhaus .... das preußische Haus der Abgeordneten den bayerischen Landtag..... die Ständeversammlung des Königreichs Sachsen die Landstände in Württemberg .... die badischen Landslände..... Die erschütternde Katastrophe von Ischia hat weit über die Grenzen Italiens allgemeine Theilnahme gefunden. Ganze Ortschaften auf diesem von der Natur so bevorzugten Eilande sind in Schutt und Trümmer gesunken, die Weinpflanzungen, Gärten und Felder vernichtet — aber was will all' dieser ungeheuere materielle Schaden gegenüber dem Verlust an Menschen« leben besagen? lieber 8000 Menschen sind bei dem elementaren Ereignisse um's Leben gekommen, der zahlreichen Verwundeten nicht zu gedenken und wer weiß, wie viel Leichen unter den Trümmern von Casamicciola u. s. w. liegen! König Humbert selbst weilte am Mittwoch, begleitet von den Ministern de Pretis, Mancini, Acton und Gemala, anderthalb Stunden an der Unglücksstätte, von der weinenden Volksmenge ehrfurchtsvoll begrüßt; der Monarch war sichtlich tief bewegt. Leider scheinen sogar die Rettungsarbeiten Opfer zu verlangen; vom 11. Artillerie-Regiment werden ein Lieutenant, ein Sergeant und 10 Mann vermißt und fürchtet man, daß dieselben beim Aufräumen von hereinbrechenden Schuttmassen verschüttet worden sind. Die Cholera in Egypten scheint endlich ihren Höhepunkt überschritten zu haben, wenigstens was Kairo anbelangt. Es erlagen hier der Seuche vom 31. Juli bis 1. August 275 Personen, darunter 4 englische Soldaten, und da in den vorhergehenden Tagen die Zahl der täglichen Cholerafälle mit tödtlichem Ausgange immer zwischen 300 und 400 schwankte, so scheint die Epidemie allerdings an Heftigkeit nachgelassen zu haben. Trotzdem werden die europäischen Regierungen noch immer längere Zeit auf dem Posten stehen müssen, denn eine einzige Nachlässigkeit könnte sich furchtbar rächen. Im Zululande droht der Tod des Königs Cetewayo zu ernsten Verwickelungen zu führen. Der siegreiche Häuptling Usipebo soll in Streitigkeiten mit den andern Häuptlingen der Zulus wegen des Besitzes des Reiches Cetewayo's gerathen sein, daneben wird von neuen Zusammenstößen zwischen den Boers und den Eingeborenen berichtet, so daß die Engländer wohl wieder Ordnung werden stiften müssen. die von Hessen-Darmstadt...... den Landtag des Großherzogthums Sachsen-Weimar . die Landesoersammlung des Herzogthums Braunschweig den Landtag des Herzogthums Sachsen-Meiningen die Landschaft des Herzogthums Sachsen-Altenburg . Landtag des Herzogthums Anhalt des Fürfievthums Schwarzburg-Sondershausen von Schwarzburg-Rudolstadt . vom Fürstenthum Waldeck..... von (der jüngeren Linie) Reuß-Schleiz Landtag von Lippe-Detmold .... . .. von Lippe-Schaumburg die „Bürgerschaft" von Lübeck t W1 Die Frage, was dem deutschen Volke seine parlamentarischen Vertretungen kosten, findet ihre Beantwortung in dem im Verlage von Velhagen u. Klasing (Bielefeld und Leipzig) erschienenen „Staatshandbuch des Reichs und der Etnzelstaaten". Nach den offenbar auf amtlichen Mtttheilungen beruhenden Angaben desselben betragen (wohl im Durchschnitt pro Jahr berechnet) die Ausgaben für v*L Jnsgesammt JL 2,966,216 Für die Großherzogthümer Oldenburg und beide Mecklenburg, für das Herzog- thum Sachsen-Coburg-Gotha und das Fürstenthum Reuß ältere Linie, sowie für die Bürgerschaften in Hamburg und Bremen sind die Kosten nicht angegeben; bei Mecklenburg-Schwerin und Strelitz deßhalb nicht, weil die Staaten gar keine constttuttonMe Verfassung mit parlamentarischer Vertretung haben und ein Etat nach modernen Begriffen dort, wie das genannte Handbuch sagt, gar nicht existlrt. Stellt man sofern es sich um die Zahl der Vertreter und die Höhe der Diäten handelt Oldenburg etwa Braunschweig gleich, Sachsen Coburg aber, weil hür neben dem allgemeinen Landtag für Coburg-Gotha noch Sonder-Landtage in Gotha und Coburg bestehm, dem nach Flächenraum und Einwohnerzahl etwas größeren Großherzogthum Sachsen und Reutz älterer Linie, wo die Abgeordnetenzahl allerdings um vier Kopfe Seringer ist, als bet Reuß-Schleiz, in das V-rhältmß der letzteren, und berechnet man.endlich die Kosten der „Bürgerschaften" von Hamburg und Bremen unter Berücksichtigung der g ob Zahl der Vertreter (160, resp. 150 zu 120) nach Maßgabe der von Lübeck aufgewendeten Kosten, so würden den oben angeführten Zahlen ^tnautreten: für Oldenburg .... 23,000 JL, „ Coburg ..... 29,800 „ „ Reuß-Greiz . |'35O * „ Hamburg .... v,i60 „ Bremen . . • • * » • Es würde sich "danach als Gesammtaufwendunsi die Summe von 3,039,200^ Herausstellen. Schätzt man die Bevölkerung des deutschen R chs aurund 45,240,WO Einwohner, so würden auf je 14 Personen nahezu 1^ jährlich an^Ausgaben für die parlamentarischen Vertretungen kommen. Die Diäten für die- geordneten find n den Einzelstaaten (an die Retchstagsmttglieder nrnben®latcn JÄÄJn sie haben nur freie Fahrten auf den Eisenbahnen) sehr verschieden normirt, sie stufen sich ab von 15 JL (Preußen) bis 5 JL. (Braunschweig). In den meisten Staaten erhalten die am Orte der Landesvertretung wohnenden Abgeordneten gar keine Diäten; in Preußen werden dieselben dagegen unterschiedslos gezahlt. (In ^--"8 auf Braunschweig scheint die Angabe nicht ganz correct zu sein. Die Diäten sind dort hoher als 5 «X und dürfte diese Summe nur für die am Orte wohnenden Abgeordne en maßgebend sein. Präsident und V'cepräsident erhalten die höchsten Diäten. Außerdem werden Reise-Entschädigungen gezahlt.) Am sreigebigstenist - in Bezug auf die Allgemeinheit der Diätenzahlung — Württemberg, wo die Mitglieder beider Kammern Gießen, 4. August. Die abgelaufene Woche schloß sich der vorhergehenden in Bezug auf den Mangel eines hervorragenden Ereignisses in unserer inneren Politik vollständig an. Nur die fortgesetzte Polemik zwischen der „Germania" einer- der „Kreuz-Zta." andererseits über die kirchenpolitischen Angelegenheiten bringt noch etwas Leben in die gegenwärtig herrschende politische Oede. Auch die osficiöse ^Prov.-Corresp." giebt ihr Scherflein, zu dem Streite; indessen, man kann sich weder für die Auslassungen des leitenden Organs unserer Ultramontanen, noch für die Repliken der genannten hochconservativen Blätter besonders erwärmen. Die ganze Polemik läßt aber erkennen, daß es mit dem conservativ-klerikalen Bündniß nicht zum Besten steht, wenn man vielleicht auch aus beiden Seiten an leitender Stelle bemüht ist, über die eintretende gegenseitige Verstimmung hinwegzutäuschen. Zu erwähnen ist aus dieser Woche noch, daß am Montag eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums stattgefunden hat, in welcher dem Vernehmen nach die Staatöregierung den Verwaltungsgesetzen ihre endgültige Zustimmung ertheilt hat; dieselben dürften sodann sofort dem Kaiser zur Unterschrift nach Gastein zugesendet worden sein. Der Fortschrittspartei ist abermals einer ihrer Vertreter im Reichstage durch einen jähen Tod entrissen worden. In lakonischer Kürze meldet em Telegramm der „Strals. Ztg.", daß Senator Stoll, Abgeordneter für den ReichötagSwahlkreis Greifswald-Grim«.»en, als Leiche in den Flnthen des Rheins unterhalb Kölns aufgefunden worden se». Darüber, ob Stoll verunglückt, oder ob hier ein Selbstmord oder gar ein Verbrechen vorliegt, fehlen zur Stunde noch nähere Mittheilungen. Stoll war im vorigen Jahre an Stelle des ver- »oibenen Abg. Professor Hueter, welcher ebenfalls der Fortschrittspartei ange- ! i°rte, gewählt worden; die Wähler von Greifswald-Grimmen müssen nun zum dritten Male in dieser Legislaturperiode an die Wahlurne treten. Die „National-Zeitung" weiß von bevorstehenden Veränderungen m bayerischen Staatsministerium zu berichten. Dr. v. Fäustle, der Justiz- mister, gedenkt den demnächst frei werdenden Präsidentenposten am obersten Landesgericht in München zu übernehmen und soll Herr v. Lutz, der Cultus- minister und Ministerpräsident, Willens sein, das Justizministerium zu übernehmen. An Stelle des Herrn v. Lutz würde dann Herr v. Ziegler, der ehemalige langjährige Cabinetssecretär König Ludwigs II., Cultusminister werden. Wir geben diese Nachrichten nur mit allem Vorbehalt wieder. Die Tragicomödie von Tisza-Eszlar hat in dieser Woche aus- Sespielt, da am gestrigen Tage, den 3. August, die Verkündigung des Urtheils folgte. Jeder, der dem Gang des Proceßverfahrens aufmerksam gefolgt ist, loweit dies eben bei den durch die Partei-Leidenschaften getrübten gerichtlichen Verhandlungen von Nyiregyhaza möglich war, muß sich sagen — selbst auf die ! Gesahr hin, als Philosemit (Judenfreund) verschrieen zu werden — daß das Urtheil frei sprechend lauten mußte, denn weder aus dem Zeugenverhör, nch dem Beweisversahren läßt sich die Richtigkeit der gegen die angeklagten v)Uden erhobenen schweren Beschuldigung des rituellen Mordes nachweisen. Die französische Politik schickt sich — wenigstens was die | ®neren Angelegenheiten anbelangt — nun ebenfalls an, ihren Sommerschlaf zu 1 Men. Die Conventionen mit den großen Eisenbahn-Gesellschaften sind von | ;cV Deputirtenkammer sämmtlich genehmigt worden und werden unverzüglich l| «m Senat zugehen. Außerdem ist der Deputirtenkammer am Dienstag noch ! mit dem Bey von Tunis abgeschlossene Vertrag und das außerordentliche mdget für das laufende Etatsjahr vorgelegt worden und es ist nicht zu be- | ^iseln, daß die Kammer auch diesen Vorlagen zustimmen wird. Endlich hat H letztere noch mit den Abänderungen zu befassen, die vom Senat an dem J über die Gerichtsreform vorgenommen worden sind, worauf sofort der chluß der Session erfolgt. Der Präsident der Republik, Herr Jules Grövy, !| F16 spätestens zu Anfang der kommenden Woche auf seinem Sommersitz j! liM-sous-Vaudrey in den Vogesen erwartet. — Wie die jüngsten Meldungen AS Paris besagen, hat die Deputirtenkammer am Mittwoch die Justizreform i dem vom Senat votirten Abänderungen angenommen, so daß zur Stunde i schon der Schluß der Session erfolgt ist. — Aus Tongking liegen ch keine weiteren Mittheilungen über den Erfolg der französischen Waffen bei mni-Dinh vor. I Im britischen Jnselreiche haben sich die anläßlich der Suezkanal- . «Klegenhelt so hochgehenden Wogen der öffentlichen Meinung in Folge der ruhigen « begonnenen Haltung der englischen Regierung wieder etwas geglättet. Auch Parlament hat dargethan, daß es darauf vertraut, daß das Cabinet Glad- w« die Würde und das Interesse Englands in der Kanal-Angelegenheit wahren «»e, denn bekanntlich lehnte das Unterhaus in seiner Sitzung vom 30. Juli , ™ reIantrag beä conservativen Parteiführers Northcote mit einer Dlajorität | * ay .Stimmen ab, was einem Vertrauens-Votum des Unterhauses für das »miftenum Gladstone gleichkommt. Lebhaft wird in England augenblicklich die rmordung des Kronzeugen Carey besprochen. Derselbe, als Angeber seiner Whuldigen Genoffen, aus dem Dubliner Mordproceß her bekannt, flüchtete SkSuba^vaV um ber Rache der irischen Vehme zu entgehen, die ihn aber W>em ereilt hat. Der Irländer O'Doanel, welcher Carey erschoß, wird mmg bewacht. In femschen Kreisen hat man, wie aus London berichtet wird, M61".6 Subscription eröffnet, um die Kosten für die Vertheidigunq Carey's ^nbezeichnend°U^ ®e|lnnutI3 ber 'risch-fenischen Verschwörer jedenfalls Diäten beziehen (9 JL 43 A pro Person und pro Tag) und wo für den Präsidenten besondere Gehälter ausgeworfen sind, für den der Kammer der Standesherren 12,857 vtl, für den der Kammer der Abgeordneten dagegen nur 8571 D erwischte-. Darmstadt, 31-Juli. (Menschenhandel) In voriger Woche bemühten sich rwet feingekleidete Herren, tft der Gegend von Heppenheim junge Mädchen zu werben, um denselben in England „flute Stellen" zu verschaffen. Ein junges Mädchen aus Gadernheim ging auch wirklich auf den Leim- Es wurde nun in einer Wtrthschaft ru Heppenheim die Sache abgewickelt und festgesetzt, mit dem nächsten Zuge abzureisen. Glücklicherweise befanden sich in der gedachten Wirthschaft Leute, die ebenfalls mit dem- selb-n Zuge nach Darmstadt zu fahren gedachten und von dem langst bekannten unsauberen Treiben der beiden Herren Wind bekommen hatten- Während der Fahrt hierher aaben nun diese Leute an die hiesige Bahnverwaltung eine Depesche auf mit der Bitte, die Bahnverwaltung möge in Darmstadt Polizei requirtren, um die Verhaftung der beiden Seelenverkäufer bewirken zu können. Leider konnte jedoch wahrend der Zwtschen- ÄCit diesem Wunsche nicht entsprochen werden, da ein Schutzmann in der Nähe der Bahn- böse nicht zu finden war. (!) Die hiesige Bahnverwaltung übernahm daher selbst die Functionen der Polizei; sie verfolgte die Gauner telegraphisch bis nach Mainz, wo sie denn auch endlich festgenommen werden konnten. Hoffentlich wird den Herren das Handwerk auf längere Zett gelegt werden. Bemerkenswerth ist noch, daß diese Seelenverkäufer mit ihrem Opfer nur Wagen 2. Classe benutzten, ganz gewiß nur tn der Absicht, um hierdurch den Augen des größeren Publikums mehr entgehen zu können^^^ bei| Capitän Webb's liegen nunmehr ausführlichere Berichte vor. Webb war eine Wette um 10,000 Dollars eingegangen, die Niagarafälle gleich unterhalb des großen Absturzes durchschwimmen zu wollen. Trotz aller Mahnungen, von einem Unternehmen abzustehen, welches den sicheren Tod bedeute, schritt Webb am Dienstag Nachmittag in Anwesenheit einer ungeheuren Menschenmenge daran, die unerhörte That zu vollführen. Etwa 300 Schritte oberhalb der alten Hängebrücke sprang er m den Strom, dessen dahinrasende Wasser ihn sofort mit aller Wildheit erfaßten und zu verschlingen drohten. Webb wurde jedoch Herr der tosenden Gischt und schwamm die Fälle hinunter, wobei ihn die Zuschauer ab und zu erblickten. Zuletzt sah man ihn alö er in den Bereich des großen Strudels kam, dem bisher noch Niemand mit dem Leben entronnen ist. Webb schwamm mit kräftigem Stoß in die verhängnißvollen kreisenden Wogen, war aber nicht weil gekommen, als er, die Arme emporhebend, plötzlich verschwand. Der Strudel hatte ihn verschlungen. — Der Verunglückte war unstreitig der kühnste und ausdauerndste Schwimmer der Welt- Er wurde im Jahre 1848 in Shropshtre geboren und trat als Knabe in die Kauffahrteiflotte ein, in welcher er es, kaum 25 Jahre alt, zum Capttän brachte. Das Schwimmen war ihm von Jugend an Leidenschaft. Mitten im Atlantischen Ocean fiel während eines Sturmes ein Mann von Webb's Schiffe Über Bord, Webb sprang ihm nach und kämpfte durch 3 Stunden mit den Wellen — den Matrosen auf dem Rücken. Für diese That erhielt er die große goldene Rettungsmedaille, welche ihm von dem Herzog von Edinburg persönlich überreicht wurde. Im Jahre 1875 schwamm er von Dover nach Calais, wozu er 21 Stunden 45 Minuten brauchte, eine Leistung, die unerreicht dasteht. In der letzten Zeit schienen seine Kräfte etwas abzunehmen; Webb glaubte aber nicht daran und sein übergroßes Vertrauen in seine Kraft veranlaßte ihn, die Wette anzunehmen, die er nun mit seinem Leben bezahlt hat. . _ Newyorker Telegramme enthalten die weitere Nachricht, daß nur etwa 3-400 Personen Augenzeugen des Wagestückes waren. Webb wurde häufig gewarnt, aber sein einmal gefaßter Entschluß konnte nicht wankend gemacht werden. Er machte indessen ein Testament zu Gunsten seiner Frau- Die Meldung, daß ihm die amerikanischen Eisenbahn-Gesellschaften 10,000 Doll- für den Versuch, durch die Stromschnellen des Niagara zu schwimmen, geboten hätten, entbehrt der Begründung. — [@ine Hetraths-Annonce bei den Kaffem.) Die C'vilisation der Wilden in Südafrika schreitet mit Riesenschritten vorwärts. Die Kaffern haben bereits ihre eigene Leitung, die „Jsigidirnt" heißt und in Port-Elisabeth erscheint. In einer der letzten Nummern liest man den folgenden „Heirathsantrag": „Der Einsender, ein Kaffer, bittet allen Mädchen bekannt geben zu dürfen, daß er mit einer hübschen Jungfrau tt] den heiligen Ehestand zu treten wünscht. Er verlangt von feiner Zukünftigen, daß sie tm Lesen und Schreiben gut bewandert sei, Schulbildung genossen habe und alle Hausarbeiten zu verrichten weiß. Der Einsender ist es müde, gestampfte Maiskolben und ungesäuertes Brod zu cssen. Er ist von mittlerer Größe, 25 Jahre alt, hübsch, gesund, hat einen tüchtigen Schnurrbart und wiegt 135 Pfund. Er weiß, wie man arbeiten muß. Das Mädchen, das sich entschließt, ihm in diesem Leben durch Dick und Dünn zu folgen, wird eine ausgezeichnete Wahl getroffen haben. Diejenigen, welche auf dieses Inserat antworten wollen, werden gebeten, Photographieen beizulegen, welche den freundlichen Berathern des jungen Mannes zur Auswahl vorgelegt werden sollen. Nicht Angenommenes wird retournirt. Discretion Ehrensache. Pomes (b. h. kleine Frauenzimmer) wollen sich nicht bemühen. Chiffre A- B. C. an die Expedition dieses Blattes/' — Von der Leichtgläubigkeit des russischen Volkes weiß der „Jushnyt Krai" folgende bezeichnende Geschichte aus dem Flecken Daschewo, Kreis Llpowetzk. zu erzählen- An einem Markttage erschien in dem genannten Flecken ein unbekannter Mann in der Kleidung eines Landgendarmen und sing an, den Weibern und Mädchen den Halsschmuck abzunehmen, indem er vorgab, durch einen kaiserlichen Ukas sei das Tragen eines Halsschmuckes verboten. Man kann sich die Verwirrung vorstellen, die unter dem schönen Geschlecht entstand. Nachdem der Gauner eine gute Masse verschiedener Schmuck: gegenstände sich ungeeignet hatte, verschwand er. Erst später erfuhr das Volk, daß der vermeintliche Landgendarm ein Gauner war. Es wäre interessant, zu erfahren, wo während dieser Zeit die wahren Landgendarmen, die Wächter der Ordnung, gesteckt haben, besonders an solchen Tagen, an denen Märkte abgehalten werden, an denen es bekanntlich besonders häufig zu Ruhestörungen kommt- — (Aus Kindermund.) Mama geht mit dem 4jährigen Paul spazieren. Da marschirt eine Compagnie Soldaten durch die Hauptstraße. „Sieh nur, Mama", ruft der Kleine stehen bleibend, „das sind einmal viele Vettern von unserer Kathrine!" — (Augenlos geboren ] Vor einigen Tagen wurde dem Schlosser LetzguS'schen Ehepaare in Cannstatt ein anscheinend ganz normal ausgebildetes Mädchen geboren. Als nach Verflutz von einiger Zeil die Kleine ihre Acuglein nicht öffnete, wurde ein Arzt zu Rathe gezogen, welcher die traurige Entdeckung machte, daß die Augenhöhlen leer und gar keine Augen vorhanden sind. Ein Spelialarzt, welcher ebenfalls confultid wurde, behauptet, daß dies ein sehr seltener Fall und schon fett 1861 nicht mehr vorgekommen fei. — (Das Muster eines Correcturbogens.) Ein deutsch - amerikanisches Blatt gibt seinen Lesern eine Vorstellung von den Mühen eines Correctors durch Mltiheilung der folgenden uncorrfgirten Notiz: „Concert. Wir nehmen hiermit Gelegenheit auf das in der nächsten Wache von Herrn Z. zu verunstaltende Concrtt aufmerksam zu machen. Es gilt den Mänen eines Pichlers der sich N'cht nur als polnischer Schriftstehler bewahret, sondern sich auch in der dalmatischen Unterwelt einen geächteten Namen erworben hat. Herr Z, der als R nner des häutigen GeschnackeS hinriechend bekannt ist, hat feinen ganzen Schaafsinn aufgeboten, um für dies Maul den größten Pump zu entfalten. Er hat die fämmtlichen Bäume seines Gattens zur VerfÜrung gestellt. Sausende von Lumpen und Arstonnen werden die Nachi talghell erleuchten. An verschiedenen Ställen werden Musik und Säugerchöre ausgestellt sein. Der beleibte Komiker •£, der wegen seiner unverwüstlichen Heiserkeit so hoch geschätzt wird, wird unter unterem den dämlichen Vortrag halten, der ihm schon einen hohen Preis von Verehrern verschaffte. Nach Beerdigung der Vorstellung findet ein allgemeiner Fall statt, an dem die unwesenden Herom gratis theilnehmen können- Bemerken wir noch, daß auch Fräulein A, die Blame unseres Balles, die Ve stellung mit ihrer gütigen U berstürzung verschönern wird, so haben wir nichts mehr hinzw zulÜgen. Möchte ein hoher Abll, wie alle niederen Bewohner unserer Stadt, deren Eselwnth und wildes Herz ja bekannt sind, auch den bekümmdten Hinterbliebenen eines g riemten Dichters als peilender Engel erscheinen und das N-ft des Herrn Z. beehren, der die Billettz dazu schon von heute an versaufen wird." — (Die Schwalben und d^e Cholera.) Die Italic" in Rom berichtet: „Eine alte Redensart besagt, daß die Vögel alle jene Orte meiden, an denen Epidemien herrschen. Diese Beobachtung wurde in den letzten Tagen in Rom gemacht, wo ein Herr, der das höchste Stockwerk eines Hauses mit der Aussicht auf ein Kirchendach bewohnt, Folgendes erzählt: „Ich bemerkte, daß die Schwalben, welche das Kirchendach bevölkern, alljährlich am 15 ober 16. Juli nach dem Süden flogen Sie gehen bann stets nach Egypten an die Küste des Mittelmeeres. Auch dieses Jahr haben sie bie gewohnten Vorbereitungen gemacht mnd sind zur bestimmten Frist davongeflogen. Ich wünschte ihnen eine gute Reise und ein Wiedersehen übers Jahr; aber stehe da, heute, nach acht Tagen, sehe ich Schwälblein um Schwälbletn wiederkommen und ihre alten, kurz vorher verlassenen Nist- und Ruheplätze aufsuchen. Ist das nicht merkwürdig?" — (Vom Schweinfurter Liederkranz-Jubiläum.) Der Deutsche kann bekanntermaßen Steine erweichen, wenn er zu dichten anfängt, und Gelegenheiten, wie 50jährige Jubiläen läßt er sich ungern entgehen, um den Pegasus zu besteigen. Ein Schweinfurter Jubiläumsdichter hat denn auch Wunderbares geleistet. Als die neue Fahne von einer sittigen Jungfrau dem Lieberkranz überreicht wurde, mußte natürlich eine Art Prolog vom Stapel gelassen werden, der mit folgenden erhebenden und ohne Zweifil tief ergreifenden Versen beginnt: „Schüchtern steht, nicht ohne Zagen vor Euch, hochverehrte Sänger, Hier die Jungfrau, deren Pulse höher schlagen schon fett länger." Dieses „Wcihegedicht" hat sechsunddreißig Zeilen, doch befindet sich, wie man hört, btr Dichter sowohl wie „die Jungfrau, deren Pulse schon seit länger höher schlagen", bn Umstanden nach wohl. — (Starke Familie.) Beamter: „Wie stark ist Ihre Familie?" — Bauer: „Wam mer zusammehalte, so verhaue mer 's ganze Dors." _____ KiB 61 Vergras* ifertretiiBg gre Sechstem, 1 & P. 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