Nr 2N. ZweittsÄirtt. Sonntag dell 4. Februar 1883 Amts- lind Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. W B Erscheint täglich mit Ausnahme des MOMtags- roth ober weiß sind. Diese Blutkörperchen dienen als ber Sauerstoff bem Blute burch bie Lungen nicht mehr Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlshn. Durch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Protokoll über die General-Versammlung des landwirlhschaftlichen Bwirks-Vereins Gießen vom 6. Vcccmber 1882 m Gießen. tpuredii: Schulstraße 7. sogenannten Spaltpilze (Lehirow^evtsa). Aber auch Schimmel-unb Sproßpilze erweisen sich zuweilen schäblich. Die Sporen ber verschiebenen Pilze kommen in ber Natur in Unzahl vor. Mit jebcm Athemzuae nehmen wir eine Masse pflanzlicher Parasiten in uns aus, unb wenn der Körper nicht wiberstanbsfähig genug ist, werben sie nicht nur hasten bleiben, sonbern auch sich weiter entwickeln, namentlich sich vermehren unb burch Entziehung lebenswichtiger Stoffe bie Körpersäste, insbesonbere bas Blut, zersetzen unb baburch ben Körper krank machen, häufig sogar tobten. So entsteht z. B- auch Diphtherie, ber Rückfall- chphus (febrls recurren») rc. Auch hat man neuerbings bie Entbeckung gemacht, baß bie Ursache ber Perlsucht unb Tuberculose nichts ist, als ein uncnblich kleiner Pilz (Bacillus tuberculoßus), wonach also biese bctben Krankheisen bezüglich ihrer Ursachen mit einanber ibentisch sinb- Auch gewisse Hautausschläge, bie sogen. Kranzfleche, bas Teigmaul ber Kälber rc-, entstehen burch verschiebene Pilze in Haut und Haaren- Eine Krankheit des Kiesernknochens bei Ochsen, welche einen dicken Backen veranlaßt, der dann aufbricht, nicht wieder heilt und eine Art Knochenfraß darstellt, hat ebenfalls einen Pilz zur Ursache. Beim Milzbrand finden wir auch einen Pilz (Bacillus anthraci) in Form von Stäbchen oder Kügelchen im Blute- Im gesunden Blute schwimmen eine Menge kleinster Körperchen, die roth oder weiß sind. Diese Blutkörperchen bienen als Träger bes Sauerstoffs- Wenn ber Sauerstoff bem Blute burch bie Lungen nicht mehr zugeführt werben kann, ober ber Sauerstoff ben Blutzellen entzogen wirb, tritt eine Zersetzung bes Blutes, mehr ober weniger schwere Erkrankung, in höheren Graden ber Tob ein. Ter vorhin erwähnte Milzbrandpili entzieht den Blutkörperchen aber ben Sauerstoff, bie rothen Blutkörperchen zerfallen alsbann; Erkrankung unb Tod Rach Begrüßung ber außergewöhnlich stark besuchten Versammlung burch ben Director machte berseloe zunächst verschiebene geschäftliche Mittheilungen. Die Versammlung bewilligte hierauf eine Unterstützung 311111 Besuche eines Obstbaumwärtercursus unb schlug fobnnn auf eine Anfrage bes Präsibiums bes lanb- wirthschastlicken Provinzialvereins zu Ausschußmitgliebcrn desselben die seitherigen Mitglieder wieder vor und für ein abgegangenes Mitglied den Gutsverwalter Hermann 0011 Auf ein Schreiben des Centralausschusses der landwirthschastlichen Landesausstellung worin um eine Unterstützung zum Ersätze ber gezahlten Versicherungsprämien Gebeten würbe, erfolgte nach einer kurzen Discussion, an welcher sich Oeconomierath i)r Weib enhammer unb der «Sccretar betheiligten, eine Bewilligung von 50'Mark. Hierauf erhält bas Wort zum angekünbigten Vortrage über das Wesen und die Ursachen des Milzbrandes Professor Dr. Pflug von Gießen. Als vor kurzer Zeit im Deutschen Reiche ein Seuchengesetz erlassen würbe, ist basselbe nicht von allen Seiten willkommen geheißen worben unb zwar beshalb nicht, weil man fürchtete, es möchte baburch bas Interesse bes Einzelnen unb ber Viehzucht geschäbigl werben. Daß ber Einzelne mitunter burch ein neues Gesetz iu leiden und daß jedes Gesetz Mängel hat, ist bekannt- Wenn das Seuchengesetz aber auch Härten zeigt, so werden baburch doch die Seuchen verringert werden. Auch die Befürchtungen müssen schwinden, wenn man da Wesen der Seuchen genau kennt; denn das Gesetz dient nicht nur zum Schutze unseres Viehstandes und unseres Nationalvermögens, sondern auch zum Schutze der Gesundheit der Menschen und des menschlichen Lebens. Eine in dieser Hinsicht gefährliche Seuche ist der uns Allen aus eigener Erfahrung bekannte Milzbrand und deshalb besteht mit Recht für die Wetterau noch eine Verschärfung des Seuchen- gesetzes in einem besonderen Milzbrandregulativ. Der Milzbrand kommt bei Pferden, Rindvieh, Schafen', Ziegen, Schweinen, Hunden und auch bei Vögeln vor und endet meist tödtlich. Unter den Schweinen grassirt von Zeil zu Zeit eine sehr schwere Seuche, Rothlauf, Bräune ic- genannt. In vielen Fällen wird dies eine Milzbrand-Form fein, mitunter scheint es aber eine Krankheit zu sein, bie bem Scharlach oder den Masern des Menschen ähnlich ist. Der Milzbrand geht von Thier zu Thier, auch auf den Menschen über unb ist baher eine anftecfenbe Krankheit unb oft eine Seuche, weil gleichzeitig viele Thiere baran erkranken können. Menschen, bie mit krankem ober gefallenem Vieh umgehen, ober Gewerbe mit thierischen Abfällen treiben, wie Thierärzte, Wasenmeister, Hirten, Gerber, Metzger rc-, werben nicht selten angesteckt. Es ist baher uerorbnet worben, baß Hirten unb Schäfer nicht als Wasenmeister verwenbet werden sollen, zumal sie auch die Krankheit verschleppen können. c Redner theilt hierauf einen ihm vorgekommenen Fall mit, in dem von einem Viehverschnitter eine größere Anzahl Schweine durch ein pflanzliches Gift inficirt wurden unb gefallen sinb- Wer sich wahren will, muß sich hüten, Leute, bie mit krankem unb gefallenem Vieh in unvorsichtiger Weise umgehen, in feinen Stallungen verkehren au lassui^ Mihhranb hat verschiebene Namen unb tritt in gar verschiebenen Formen auf- Es kommen z. B- vor: Der sogen. Milzbrandschlag. Die Thiere stehen plötzlich still, lauschen, schütteln mit dem Kopfe, zittern, sallen zu Boden, bekommen Krämpfe, bluten aus Maul und Nase und verenden. Diese Art Krankheit tritt bei besser gehaltenem Vieh am häufigsten auf. t Eine andere Form ist der Milzbrand-Karbunkel ober bie Beulenscuche, ebenfalls häufig beim Ninbvieh, rourbe aber auch bei Pferben unb bei Hunben der Schäfer beobachtet. Die Thiere bekommen heiße, schmerzhafte Anschwellungen im Tnll ober anberen Körpergegenben, leben mehrere Tage unb erliegen bann. Besoubers biese beiben Krankheitsformen sinb in Rußland, specicll da, wo das Rennthier gezüchtet wird und in den großen Flußthälern zu Hause- Der Viehbestand, Pferde, Rindvieh und Renn- thiere fallen wie die Mücken und dabei erliegen nicht selten auch Hirten und andere Menschen, vielleicht auch ganze Familien, welche von dem Fleische kranker Thiere genossen ober mit bereu Blut sich bejubelt haben. Bei den Pscrden unb dem Rindvieh tritt auch bas sogen. Milzbranb-Fieber auf. Das Thier zittert, schüttelt sich und ist halb über ben ganzen Körper falt, halb heiß- Aus Nase unb Maul tritt Blut- Die Haut bes Maules ist blaurot!). Die Thiere sinb sehr traurig und fressen nichts. Schüttelfröste wieberholen sich. Puls ist immer klein, häufig unb schwer fühlbar. In ben meisten Fällen erfolgt ber Tob. Eine weitere Form ist ber Rauschbranb, ober bas fliegenbe Feuer. Die Haut schwillt an, unb wenn man barüber greift, knistert biefelbe wie Papier, beim unter ber Haut ist Luft. Häufig geht bie Krankheit von ben unteren Theileu ber Extremitäten unb von hinten nach vorn. Sie betrifft mitunter nur ein Hinterviertel, ober beibe unb wirb baher auch Hinterbranb genannt. Dieser Rauschbranb soll eine mit bem Milzbranb nicht ibentische Krankheit sein. 9!ad) neueren Beobachtungen gibt man an, baß es wohl eine bem Milzbranb ähnliche Infectionskrankheit sei, bie sich aber burch em spezifisches Krankheitsgift von ihm unterscheibe. Bei ben Schafen, unter welchen ber Milzbranb nicht selten sehr bcbeutenbe Verheerungen anrichtet, tritt der sogenannte Milzbranbblutschlag am häufigsten auf. Blut tritt aus Maul, Nase und Aster unb finbet sich auch im Darm- Dieses sind bie gewöhnlichsten Formen bes Anthrax. Man unterscheidet aber auch noch eine Reihe weiterer Formen, die alle hier aufzuführen zu weit führen würde. Alle diese Milzbrandsormen haben aber das untereinander gemein, daß sie fämmtlid) sehr schwere Leiden barfteUen, gegen welche sich unser ganzer heutiger Heilapparat in den meisten Fällen ohnmächtig zeigt. Das Mittel, welches Rebner mit einigem Erfolge anroenbet, ist Carbolsäure, welche stark oerbünnt in mäßiger Menge, aber öfters eingeschüttet ober unter bie Haut eingespritzt wirb. Durch eine französische Commission würbe bicses Mittel ebenfalls als bas relativ beste gegen Milzbranb in einer Reihe von Versuchen erkannt. Der Milzbranb hat vorzugsweise seinen Sitz im Blute- Man nannte bie Krankheit Milzbranb, weil bei ber Sectiou sich bie Milz geschwollen, knotig, schwarz unb stark blutig zeigt- In Folge einer bei Anthrax sich bald cinfteUenben Herzschwäche staut fick) bas Blut in benjenigeu Organen, welche große Mengen Blut aufnehmen können, unb ein solches Blut Reservoir ist bie Milz, beshalb diese MilzschweUuug. Ter Sitz des Krankheitsgiftes ist das Blut, das Gift Ist etgenthümlicher Art. Das Milzbranbgift kann ebensowohl von der Außenwelt, als and) durch Ansteckung entstehen- Es ist eine miasmatisch contagiöse Krankheit. Es gibt verschiedene Inseetionsstoffe- Manche Schädlichkeiten sind d)emijeher, manche thiersicher Natur, z- B. die Trichinose und die Krätze, weid) letztere von kleinen Thicrd)en, den Kratz Milben, herrührt. Es gibt aber and) Gitte aus Pflanzen und Gifte, welche selbst Pflanzen sind, nänilid) ittlze, unb unter biefen haben die größte Bebeiitiing als Ursache der Krankheit bie treten ein. Rebner läßt hierauf Abbilbungen ber "Blutkörperchen unb verschiebener pathogener Pilze in stark vergrößertem Maßstabe in ber Versammlung zur Einsicht circuhrcn. Dieser Milzbranb-Pilz ist bas Milzbranbgist. Tie Pilze würben 1849 von Dr. Pollenber, Preußischem Physikus in Wipperfürth, entbedt. Diese Entbeckung ist jeboch gleichgültig aufgenommen worben und erfolgte barauf zum zweiten Male burch einen Franzosen Tavaiue in Paris unb bem Deutschen Brauell, Professor am Thierarzneiinstitute zu Dorpat- In ber letzten Zeit hat man außer ben Stäbchen auch kleine Kügelchen gefunben- Diese Letzteren haben bie Eigen- schast ber Dauersporen. Sie sind sehr schwer zu zerstören, können vielleicht unendlid) lange im Erdboden liegen, bis sie sich wieder enttvickeln. Das Milzbraubgift entsteht außerhalb des thierischen Körpers nicht überall auf der Erde. In manchen Gegenden kommt nicht ein einziger Milzbrandfall vor; in anderen ist die Krankheit sehr häufig, besonders, aber nicht ausschließlich in den wärmeren Jahreszeiten und zur Zeit eintretenden Thauwetters (Rußland, Sibirien). Mau nennt solche Tistricte, in welchen der Milzbrand zu Hause ist: Milzbranddistricte- Ein solcher District ist z- B- die Wetterau und zwar von der Gießener Gegend ange- fangen. Der Milzbraubpilz entwickelt sich in gewissen Oertttchkeiten, besonders wo eine sehr humusreiche Ackerkrume oder angeschwemmtes Land i|t, mit undurchlassendem Untergrund, wo alsdann das Grundwasser wechselt und der Oberboden bald feucht, bald trocken ist. Der Nttlzbrandpilz zeigt sich gern nach großen Ueberschwernrnungen in den Milzbranddistricten. Es ist leicht möglich, daß aus die letzten Uederschwemm- iingcn Milzbrand und Typhus in verheerender Weise folgen, wenn nicht rechtzeitige Vorkehrungen getroffen werden. Die Keime sind iu dem Erdboden vorhanden; fie werden von uns mit der Thierleiche in die Erde gegraben. In einem Gehöfte unserer Provinz herrscht der Milzbrand seit längerer Zeit in grausenhafter Weise. Dort wurden aber auch die gefallenen Thiere in der nächsten Nähe des Gehöftes unb nicht immer tief genug verscharrt. Das geschieht auch sonst nur zu häufig. Die Pilzsporen (Dauer- sporen) gehen bei ber Verscharrung nicht zu Grunde, sondern kommen wieder zur Hohe, so burd) das Grundwasser. Ueberschwemniungen, Umrobungen, Ausgrabungen re. (yii ben letzten Jahren ist bie Beobachtung gemacht worben, baß sich der Heupilz in den Milzbraubpilz unb umgekehrt dieser in jenen umzüchten läßt, daß also diese Pilze in einanber übergehen können. 'Nach ben Beobachtungen von Pasteur soll der Milzbrand- pttz and) burd) die Regenwürmer ans der Tiefe an die Oberfläche gebracht werben. Bollinger in München will burch ein Experiment bie Richtigkeit biefer Beobachtung bargethau haben. Kock) glaubt nicht recht an biese unb manche andere Pasteur scheu Angaben. t . Von ben Regenwürmern behauptete man in der letzten Zeit ja Manches und dürften wir demnach nur froh fein, daß es Regenwürmer gibt. So sollen sie die Ackerkrume mürb machen und den Boden als Pftanzeniiahrung prewanreu. Diese Würmer sollen aber auch die Ungeheuerlichkeit begehen und das Ncilzbrandgifl vei- zehreu, ohne daß sie an einem Carbunkel oder einer Apoplexie erkranken; im Gegentbeil, sie sollen das Gift mit fick) nach der Erdoberfläche führen unb dort mit ihren licie- menten wieder absetzen- Hier mag sich ber bacillus wieder vermehren und gelegentlich mit dem Futter ober der Luft in ben Körper eines unserer pf 1 an3e 1 ifreIIenie 11 Hauj- thiere kommen. Es ist also eine niedere Pflanze, welche das 11 Ijbranbß 111 dar stellt, unb es kann dieselbe somit außerhalb eines Thierkörpers (eotogen) sich entwickeln, eie kann sich aber auch im Thierkörper vermehren (entogeu), unb dann kann eme Ansteckung von Thier zu Thier burch llebertraaung ber thierischen stattfinben. Auch gehen bie Ausscheibungen ber kranken Thiere m bie Erbe unb bfcibin tm etaU- boben; unter Umständen kann das Gift dann im Stall zur ^"lbiwuna und Milzbrandfälle treten in Stallungen auf, wo vor Jahren ein milzbrandkrankeS Il)Ur Da^sich über das gestellte Thema und über den Milzbrand.^erbaiipt 110^ manches Interessante mittheilen läßt, iianientlid) über die unb die Bedeutung ber Pasteur'schen Milzbraubimpfilng, wozu huiti du Zett mangelt, hält es Rebner für angezeigt, daß ihm von Seiten des Herrn Präsidenten des Provinzialvereins Gelegenheit gegeben werde, gelegentlich eine veilammlung in einem irte mitten in unserem Milzbranddistricte über ben heute besprochenen Gegenstand noch Weiteres^agen zu Gönnern Rabenau acceptirt als Präsident bes lanbivirth schastlichen Vereins der Provinz Obrrhessen dieses Anerbieten mit Lank unb tragt iweh an, wie die sogen. Daiiersporen am leichtesten unb am wenigsten gefahrbringend 311 Pflug: Die gefallenen Thiere müffen in eisernen Retorten uer bräunt werden. Dadurch können die inficirten Gegenden wieder gefunden. sJtad)bem bei Direetor bes Vereins dem Vorredner sür diesen äußerst interesfanten Vortrag gedankt hatte, erhält bas Wort über Ovftbaumrnchl Hofgärtner Noack von Beffungen: . . Der Obstbau ist für ben Vanbwntb von der größten Wichttgkeit und fein Em-. fluft ist so bebentenb, daß man fidi wundern muß, warum ihm so wenig Aufmerksam Baumschule nutz. , Ter Director bemerkt, daß in der letzten Sitzung des landwirtbschaftllchen Provinzialvereins die Rebe davon gewesen sei, Kreisbaumschulen zu errichten, worüber die Bezirksvereine gehört werden sollten- Da ein Sachverständiger zugegen sei, ersuche er denselben um seine Meinungsäußerung. Es erhält hierauf das Wort über die Anwendung von fünftlidjen Düngemitteln Oeconomierath Dr. Weidenham m c v: Hellen Farbe etwas Rinderblut oder Ruß zusetzen kann- Dieser Kalküberzug vernichtet die Insekteneier (ber Blutläuse x) Hofgärtner Roack: _ , ... . Das ist allerdings schwierig. Wo ein alter Baum lange gestanden hat, i|t der Untergrund erschöpf uiid ist cs daher schwer, hier wieder gesilude Bäume aufzubringen. Wenn mtiii oft klagt, cs sei in einer Gemeinde früher eine so gute Obstgegend gewesen und jetzt nicht mehr, so liegt der Grund dieser Thatsache eben in der unrichtigen Anpflanzung- Es würde daher besser sein, wo cs möglich ist, mit der Reu-Anpflanzung auf andere Grundstücke überzugehen, die früher keine Bäume hatten. Wo dies nicht möglich ist, kann man sich auch dadurch helfen, daß man eine andere Gattung Obst pflanzt, statt Kernobst Steinobst und umgekehrt. Oder man muß die Pflanzgruben möglichst tief und groß answcrfen, die erschöpfte Erde herausnehmen und sie durch andere bessere ersetzen- Man kann dabei die Erde aus der Pflanzgrube dahin thun, von wo man die gute Erde genommen. Der neue Baum ist dann für 10—12 Jahre durch die neue Erde versorgt und während dem hat sich auch der Untergrund wieder Freiherr Adalbert von Rabenau: Es scheine ihm, daß es weniger an Bäumen fehle, als an Leuten, welche die Bäume zu behandeln verständen. Die badische Regierung habe daher einen Lehrcursns für die Straßenwarte errichtet. Eine sehr zweckmäßige Einrichtung bestehe sodann in Nassau. Dort gebe Mc Landesbank Darlehen für alle Culturzwecke. Speciell könnten dort für Obstbaum- anlagen unverzinsliche Vorschüsse aus dem Meliorationsfond bewilligt werden. Das -Obst werde versteigert und mit der Hälfte des Erlöses die Schuld abgetragen. Jeden falls müsse solche aber in 20 Jahren vollständig getilgt sein. Alle diese Hantirnngen können zu verschiedenen Zeiten vorgenommen werden, wann sonst die Arbeiten ruhen, wie z- B. im Nachsommer ,wischen Frucht- und Kartoffel- Ernte auch Anfangs Oktober nach dem Abnehmen der Früchte, bei günstiger Witterung noch im November, das Ausputzen auch noch im Frühjahr in der zweiten Halste des Februar oder Anfangs März- Diese Arbeiten sind auch nicht MS Jahr nothrg, sondern etwa alle 2—3 Jahre. Man kann sich daher eintheilen und ledes Jahr Vs der Bäume vornehmen. Die Arbeiten nehmen auch wenig Zeit in Anspruch, wenigstens wenn sie bei den Bäumen von Jugend auf richtig vorgenommen werden Natürlich wird die Reinigung • me6 25 Jahre lang vernachlässigten Baumes mehr Zeit beanspruchen Mitunter ist dann null) nicht mehr zu helfen; denn das Abschneiden starrer Aeste kann frühzeitigen Tod des Baumes herbeiführen. m Ferner ist eine zeitweise Düngung der Obstbäume nothig- Der Baum, welcher immer auf derselben Stelle' bleibt, wird nach und nach durch Bildung von Holz, Blättern und Früchten dem Boden Nährstoffe entziehen, welche ersetzt werden müssen- In Gärten, wo der Boden besser bearbeitet und gedüngt wird, kann jedes Jahr eine G"inte erzielt werden- Oft folgen ans ein reiches Obstjahr magere Ernten, weil nicht gedüngt wurde- Die Düngung des Feldes ist für ältere Obstbäume nicht genügend. Die feineren Saugwurzeln des älteren Apfelbaumes befinden sich 5—6 Fuß, des Birnbaumes 6—8 Fuß tief unter der Erde. Es werden daher die Nährstoffe des Mistes von den Feldgewächsen weggenommen und der untere Boden erhält nichts. Es muß daher eine besondere Düngung für die Obstbäume gegeben werden, und zwar eine flüssige. Dieselbe ist in Gräben, die ringförmig um die Bäume bis aus deren Wurzeln zu ziehen find, zu gießen. Mau kann geioöhnlichen Pfuhl, Kloakendünger, Hornspahne, Knochenmehl x. nehmen. Die Erde ist dann nach der Düngung wieder in die Gräbchen hinein zu schaffen. Die Düngung im Herbste muß reichlicher geschehen, weil der Baum während des Winters nichts aufnimmt und der Dünger sich weiter verbreitet. Im Frühjahr kann mit geringerer Menge dasselbe erreicht werden. Auch im Sommer kann mit flüssigem Dünger gedüngt werden, der aber dann mehr mit Wasser zu verdünnen ist, damit er nicht scharf wirkt- Wo viele Früchte hängen, wird eine solche Düngung die Folge haben, daß alles Obst sich richtig entwickelt und daß der Baum auch weitere Tragknospen für das nächste Jahr ansetzt. Dann wird kein Fchljabr folgen- Der Obstbau ist aber nur dann lohnend, wenn man in jedem Jahr ernten kann, lieber die Krankheiten der Bäume, die schädlichen Insekten rc- heute noch zu j sprechen, ist ans Mangel an Zeit nicht möglich. . ., . . Der Director fragt an, ob es nicht weiter auch bedenklich sei, neue Baume auf dieselben Plätze, wo bereits früher Bäume gestanden haben, zu pflanzen. aber gerade das Gegentheil der Fall- . ... . . v ..... doppelt so viel und besseres Obst. Sodann müssen die älteren Obstbaume mitunter gereinigt werden, denn Aeste und Stämme bedecken sich mit alter abgestorbener Rinde, welche Moose, Flechten und andere Schmarotzerpflanzen treibt, die dem Baume Nahrung entziehen- Diese abgestorbene Rinde, welche auch die Saftcirculation hindert, muß bayer alle 2—3 Jahre mit dem Rindenkratzer, und zwar im Herbste, entfernt werden. Damit wird auch eine Menge Ungeziefer zerstört. Die gereinigten Bäume soll man jeden Herbst mit Kalkmilch bestreichen, welcher man zur Vermeidung der Hofgärtner o a cf: eY . Seine aus Erfahrung gewoimene Ansicht gehe dahin, daß aus kleinen Baum schulen nicht viel Gutes komme, indem in denselben feilt rechter Betrieb eingeführt werden fönne. In der Provinz Starkendtirg seien in früheren Jahren viele kleine Gemeinde-Buumschulen angelegt worden. Man habe oft das fchlechteste Gelände dazu genoinmen und es dem Lehrer, bie und da gar dem Hirten übergeben, um Baume darauf zu ziehen, ohne fönst etwas zu bewilligen. Die Veredelung sei ebenfalls schlecht, mitunter von Schulkindern, vorgenommen worden. Das Unkraut habe darin oft so doch gestanden, als die Bäumchen selbst, die niedrig, krüppelig und voller Blutläuse gewesen seien. Der Obstbau habe daher durch solche Baumschulen nur Schaden gehabt. Besser seien schon Kreisbaumschulen. Doch werde auch hier häufig sachverständige Ueberwachung fehlen. Es müsse jedenfalls ein tüchtiger Sachverständiger, ein Gärtner, zur praktischen Leitung gewonnen werden. Aber auch in diesem Falle habe man schlechte Resultate erzielt. Besser verfahre man, wenn man vorhandene sachverflänbige Gärtner durch Prämien aufmuntere, größere Baumschulen zu errichten, in denen jedes Jahr ein frisches Quartier umgerobet und die Zahl von einigen Tausend Bäumen gewonnen werden könne. Ein solcher Gärtner werde sich Mühe geben, weil er selbst ein gutes Geschäft mache. Derselbe könne auch den Landwirthen Rathschläge, besonders über die besten Sorten geben. Eine solche Einrichtung müßte von den landwirthschaft lichen Bezirksvereinen angeregt werden, von welchen entsprechende Unterstützungen zu I verwlll^en ^ije^ctor schoßt sich dem an- Der Privatbesitzer werde billiger liefern, als die Kreisbaumschulen. In der letzten Versammlung des lanbwirthschaftlichen Provinzialvereins sei sodann Gewicht darauf gelegt worden, daß die Bäume in der Gegend selbst gewachsen sein müßten. Nach seinen im Kreise Groß-Gerau gemachten Erfahrungen fei dies nicht richtig. Man müsse vielmehr Bäume pflanzen, welche ihrer Art nach für die Gegend taugten. Ein in günstiger Gegend gepflanzter für rauhe Lagen geeigneter Baum werde auch in rauher Gegend gedeihen. Man habe im Kreise Groß- Gerau große Bezüge aus Angers im südlichen Frankreich gemacht. Der Verein habe die Beziehungskosten getragen. Die Ankaufspreise seien auffallend niedrig gewesen. Diese Bäume seien sehr gut gediehen und ständen noch jetzt an allen Chausseen. Man könne daher auch Bäume vom Ausland beziehen. Von den Vereinen seien Prämien an Obstbaumzüchter zu geben ober bie Transportkosteii zu übernehmen, wie es von bem Provinzialvereine in bankenswerther Weise geschehe. Freiherr Ab albert v. Rabenau theilt mit, baß bie burch ben Provinzial- verein beschafften Bäume an bie Besteller abg gangen seien. Diese Bäume seien aus dem Norden, von Brandenburg, bezogen. Die Zwctscheu würden pro Stamm aus 90 '21 eorel 1 .//. 3u H und Birne 1 JL 4u zu stehen kommen. Wer noch sur dieses Jahr Bäume beziehen wolle, müsse sich vor dem 1. Februar l. I bei dem Präsidium des landwirthschaftlichen Vereins ber Provinz Oberhessen anmelben. Josef Günger ich von Groß-Buscck spricht sich für Errichtung einer Provinzial leit geschenkt unb sogar hier und da feindlich gegenüber getreten wird. Liefert doch I ber Obstbau gesunde Nahrungsmittel und fördert er bie Wohlfahrt bei SBeüoIferung. i Nielstich ist das Vcrftänbniß für die Eultur des Obstbaums noch mange haft. Es < könnttn colofiäi- En'rätz- flewmnten werben. .Cm Morgen Llmb nnt E'Baumen er, tränt bei rationeller Behandlung per Baum a Jk, also im feanjin -00 jalnltd). Dazu kommt noch der Ertrag der Feldsrüchte unter den Bimmen. Keine Culturpflanze i roirb ^^auNten MeNLn^angen bei der Auswahl der Obstsorten in : Betracht de-l Bodens oder der klimatischen Verhältnisse, ferner dadurch, dast nicht richtig meistens zu tief, gepflanzt, daß nicht beschnitte», md.t gehörig gereinigt, oder datz nicht gedürigt wird.^ ^^denverbältnisse und die klimatische Lage beimeksichtigt und danach die richtigen Sorten ausgewählt werden. Die verschiede,teil Obstarten machen öerschiedeue Ansprüche an den Boden und d,e Lage. Empfindliche Sorte,, »aiwn nur für geschützte Lage und die besten Bodeiwerhaltmsse. Es sind hanvtsach ich die oa Wirthsehasts-Obstsorten (zur Gewinnung non Obstwein, Latwerge -c.), weIche Nch als bochstümmige Bäume in freier Lage eignen. Diese sind weniger empfindlich und steUeu geringere Ansprüche. Auch bezüglich der Tiefgründigkeit des Bodens bc= fteben Verschiedenheiten. Während für den Apfelbaum, eine flachere, aber nahrhafte nnb nicht m trockne Erdschichte von 4—5 Fuss Tiesgrimdigkeit genügt, verlangt de, Birnbaum eine solche von 8-10 Futz. Jedoch stellen 6ie gewöhnlichen zioch- unb tob wcrabiinbäume geringere Ansprüche an ben Boden, als btc Aepstlbäume. Xii ^wLckenbaum dessen Früchte zum Trocknen- zu Latwcrg x- verwenbet werben unb stbr Achtbar sowie rentabel ist, begnügt sich ebenfalls mit geringem, mageren, ogar trocknem Boden unb gedeiht auch in hohen, rauben Lagen. Auch von den Lastlobst. sorteu machen manche wenig Apsprüchr, wie z. B. von Apselsorten die Winter- und I Gold-Parmäne, die Casseler, Eanaba- unb granc Reinette, der graue Kurzstiel. Unter ^n Taxlbirneu finden sich weniger Sorten dieser Art, wie z B- Bxgel s und Diehl s Butterbirne x. In geschützter Lage müssen solche Arten gepflanzt werben, welche spat blühen we l bie srübzcitig eintretenbc warme Witterung häufig wicber in Fro,t iim- sckläat Für solche Lagen sind spät blühenbc Obsflorten anzupflanzen, wie die Castcler und Champagner Reinette, der Lnikenapfel :c, welcher ,n Württemberg a„ 90Pr°c aller Apfelbäume bildet- Die Birnen blühen meist früher wie die Aepfel unb werben balxr auch leichter bcschäbigt- Im Mgemeiuen sinb nur solche Sorten anzupflanzen, welche durch ihre Fruchtbarkeit bekannt sind- Arten, welche tu ihren ENragcn oft Jahre lang vaufircu sind zu vermeiden. Außer ber Anpflanzung ber hochstämmigen Baume an c*trar-'n in Grasaärten X-, kommt auch noch bas Spalierobst m Betracht, namentlich stl aeschü'kten Garten, an Gebäulichkeiten x , in we^)er Hinsicht namenttich die ferneren Tatetobsstorten zu empfehlen sind. Durch bicses Obst lasten fick die strofstchaben von 1879 60 schneller aussüllen, ba dieses frühere Ernten gibt. Ebemo gut ist die oorm der Corboiis unb Pnramiden. Solchen bei den Wohnungen bestnblichcn Anpflanzungen kann man auch größere Aufmerksamkeit schenken-^ Die Fruchte biest-r Zwergbaume lasten sich audi leichter verwcrthcn unb haben als Tafelobst bohcrcn Werth. Bei der Auswahl ber Sorten wirb ferner darin gclehlt, baß man von herum- liebenben Länblern kauft, welche gar keine Garantie bieten Es gibt später ost große Enttäuschung. Mau muß umpfropfen unb barüber gehen Jahre verloren, ober der Baum wachst gar nicht an, vielleicht weil er schon lange ausgemacht unb dem Froste ansaeiekt acwesen ist. Der Laubwirth gibt bann gewöhnlich bem Boben ober ber Lage bic ediulb unb bie Obstbaumzucht leibet Roth. Dcßhalb soll man bie höheren Kosten nicht scheuen unb bic Bäume aus guten Baumschulen bczichen- Nach richtiger Auswahl ber Sorten fragt cs sich, wie bic Pflanzung vorzunehmen iit Es kann im Herbst nack bem Blattabfall bis zum Frühjahr gepflanzt werben, so lanae sich ber Baum im Ruhezustanb befinbct, natürlich aber nicht im Winter be^Schucc- roaner unb gefrorenem Boben - Es bleibt hauptsächlich also Herbst unb Frühiahr übria Im Allgemeinen ist bie Herbstpflanzung vorzuziehen. Man kommt bannt schneller zum Ziel unb gewinnt fast ein Jahr. Tie im Herbst gepflanzten Baume | Eden frühzeitig im Frühjahr neue Wurzeln bilden, wahrend bie erst im ^ruhialn aevflanzten erst später neue Saugwurzeln bilben unb im ersten Jahre schwach treiben. Natürlich muß im Herbste etwas vorsichtiger verfahren werben. Bei schwerem Boben können leicht beim Perfiillen hohle Räume Zurückbleiben, burch welche ber Wintersrost an bie Wurzeln gelangt unb sie beschädigt. Das kann vermieden werden, wenn man einen Hügel von Erde oder Mist, Laub x. über die Wurzeln deckt- So kann auch in schwerem Boden im Herbst mit Erfolg gepflanzt werden- Wenn der Boden nut ^djiiec-- wasser gesättigt ist, wie gegcnwänia, ist die Hcrbstpslanzung nicht zu empfehlen- Tic Wurzeln werden an den Schnittflächen faul und gehen zu Grunde. Fehler finden sodann darin statt, daß die Pflanzgruben nicht tics genug gemacht werden so daß ber Baum kaum hinein gestellt werden kann- Tie neuen Wurzeln ye- ratben bann gleich auf ben festen Boben unb können bei trockenem Wetter nicht ein- bringen so daß ber Baum zu Grunbe geht. Die Gruben sinb 4 Fuß breit unb 2 Fuß tief zu machen- Geringer Boden ist mit gutem Compost ober sonstigen 'Nährstoffen zu vermischen. , . . £ L . Ein weiterer Fehler besteht sobann dann, baß zu ttes gepflanzt wirb^ in Folge dessen manche Pflanzunaen schon nach wenig Jahren zu Grunde gehen. Die Baume müssen vielmehr möglichst flach gepflanzt werden; der Wurzelhals ist emige Zoll höher zu setzen, als die Bodensläche, weil die lockere Erde sich wieder setzt- Zu tief gepflanzte Bäume verkümmern und gehen zu Grunde, ehe sic eine Ernte geliefert haben. Weiter wird auch darin gefehlt, daß zu dicht flepslan^t wird, was namentlich in I Grasgärten geschieht- Die Kronen müssen sich entwickeln können- Aepfel- und Birn- | bäume sind 30—36 Fuß, Zwetschenbäumc 15—20 Fuß von einander zu setzen, im I Felde noch weiter, so daß die Kronen der Bäume sich nicht berühren unb die Sonne durchscheinen kann, damit auch der Boden unter den Bäumen noch Ertrag liefert- Dann hat man doppelte Ernte. Ein einziger Baum kann aber das Zehnfache ertragen, als 10 zu dicht stehende Bäume. Es ist ferner an den Bäumen für gute Stangen zu sorgen, die so tief eim zuftecken sind, daß sie gegen Stürme Schutz gewähren- Sodann müssen die Bäume an ben Wurzeln beschnitten werben. Die Wurzeln tragen nämlich bcini Ausmachen Verletzungen bavon, wobnrch Fäulniß unb Schimmel entsteht, falls bie Wurzeln nicht I bis auf bas gefunbe Holz zurück geschnitten werben- An ben Schnitten bilben sich bann bie neuen Wurzeln. Dann müssen bie Bäume in freier Lage gegen Beschäbigungeu, besonders auch durch Hasen, mittelst Hüllen von Dorneu, Schilf, Stroh x. geschützt werden, bis die Rinde hart genug geworden ist. Auch sind die Bäume in der ersten Seit in der Krone zu beschneiden- Die vorjährigen nicht beschnittenen Zweige treiben nämlich nur an den oberen Knospen der Zweige aus, werden immer länger und hängen dann herab. Tie nicht beschnittenen Bäume tragen allerdings früher, weil sic weniger in's Holz treiben- Allein durch dieses frühere Tragen tritt auch frühere Erschöpfung ein unb die Bäume sterben früher ab. Durch das Zurückschneiden wird der Holztrieb befördert, der Baum stärker und lebensfähiger. Er gibt bann reichlichere Ernten eine längere Reihe von Jahren hinburch- Die Aepfel- unb Birnbäume müssen 4—5 Jahre lang jedes Frühjahr zurückgeschnitten werden, das Steinobst 2—3 Jahre laug. Die Zwetschenbäume werden überhaupt nicht so alt unb müssen baher frühere Ernte liefern. Die Bäume bürfen aber nun sich nicht selbst überlassen werben. Sie lassen sonst balb im Wachsthum unb in ihrer Fruchtbarkeit nach unb bringen nur kleine Früchte hervor. Es bildet sich eine Menge überflüssiges Holz, Wassersprossen, überhängende Zweige, welche andern Luft unb Licht nehmen unb so bie Tragfähigkeit bes ganzen Baumes beeinträchtigen. Es muß beßhalb von Zeit zu Zeit das überflüssige Holz weggenommen, ber Baum ausgeputzt werben. Alle Wassersprosseu, alles in bas Innere wachsenbe Holz, alle verbeckten Zweige, alles kranke Holz ift zu entfernen. Daburch werden bie Nährstoffe ben stehen bleibenden Aeften zugeführt und es wird nicht nur mehr, i ---------- , ,c„. sondern auch schöneres unb werthvolleres Obst erzielt werben- Oft sagt man, wenn Es sind befiiglich des Gebrauchs künstlicher Dtingemittel inl neuester Zett Er die Hälfte der Zweige genommen werde, könne man nur halb so viel ernten- Es ist sahrungen gemach worden, welche der fcitbermen Ucbm ü - ' ' "• ' " ' ~ " Die stehen bleibende Hälfte ber Zweige liefert seither nach ber Lehre Liebigs, wonach bem Boben bie veiloicnen Nahistoffe wicb^zugebc" .......... sinb, geglaubt, zur Düngung biejenigen Stoffe wählen zu müssen, welche in den Pflanzcti, bie man bauen wollte, in größter Menge enthalten sind. Neuere Versuche durw Professor Dr. Wagner an der landwirthschaftlichen Versuchsstation in Darmstadt, Gutsbesitzer Schulz-Lubitz in Brandenburg und Professor Merker in Halle haben tedocv andere Gesichtspunkte eröffnet, wonach nicht mehr wie früher nach dein ^icahrston bedürsniß, sondern nach dem sogen. Düngebedürfniß der verschiedenen Pflanzen Die Auswahl unter den künstlichen Düngemitteln zu wählen ist. Man hat nämlich ncuci dings gefunden, daß die Pflanze für biejenigen Stoffe, welche sie am meisten braucht, auch bie meiste Aneignungsfähigkeit zu besitzen scheint. [Afljeid' Tif v Ki Kf soll bk juftebeitbi’ &•'* MM den )UDor Minglinga «’ 6 M diWtü bt’jirf I M 586 Zagdvc Tonntiiiig |oH die bei ße stehende 450 MoiW 1 des llMzeiäsi Verpachtung^ Bebingungenci bietend verrc^ 'Seitertbcin, @ro$. Surge 58? ; lUonUg 1 otrbffl in Ittigdt Ai Soon i» ötrfohL*j*n8i V: '*L d°""v s ? w ÖLt daß mit Kalidüngung nicht durchzudringen ist. Es verweigerten sogar die Pachter geradezu Kalidüngung, weil sie nachtheilig wirke. Für Rüben und Kartoffeln sind vor Allem Stickstoffdünger: schwefelsaures Ammoniak oder Chile-Salpeter zu empfehlen, für Zuckerrüben nebenbei Superphosphat. Herr Schulz-Lupitz hat über ferne Versuche eine Veröffentlichung eintreten lassen, welche demnächst in der la ".dwirthschafflichen Zeitschrift besprochen werden soll. Derselbe verurtheilt jede Stickstoffdüngung und ersetzt dieselbe durch Lupinen und Gründüngung, wobei er aber viel Kali und Phosphorsaure anwendet. Das ist auch die ursprüiwliche Idee Liebigs gewesen. Es sind sonach seither colossale Fehler gemacht worden und Redners Rathschlag geht dahm, nicht ohne Einholung des Gutachtens Sachverständiger künstliche Düngemittel anzuwenden. Josef Güngerich von Groß-Buseck wünscht, daß das eben Vorgetragene möglick)ste Verbreitung finden möge. Die Versammlung wird hierauf wegen vorgerückter Zeit geschlossen. Der Director: Der Secretär: I)r. B o e k m a n n. Nover. In den Apotheken: per Flasche 75 Pfennige. r> Loth. 586 n) 11 11 13. NB. Zu beziehen bei dem Unterzeichneten und folgenden Ver- J kaufssteilen: Hin hübscher 164 Soennecken ’s Z r> T> T) r> der läge in Säcken verpackt Marke >' (gelb) a JL 5 per Stra gegen baar irtcl. Carl Schwaab, Seltersweg Nr. 11, Gebrüder Adami, Mausburg 14, Georg Wilh. Weidig, Marktplatz 21, H. Nassauer, Kreuz 6, Burg Gleiberg. Bahnhofstr 24. Jagdverpachtung Donnerstag den 8 Februar L Js, Vormittags 10 Uhr, soll die der Gemeinde Rüddingshausen zustehende Wald- und 'Feldjagd (550 Morgen Wald) auf dem Bureau der unterzeichneten Bürgermeisterei unter den zuvor bekannt gemacht werdenden Bedingungen in zwei Abtheilungen auf 6 Jahre verpachtet werden. Bemerkt wird noch, daß der Jagdbezirk 1 nur 5 Kilom. von der Bahnstation Meder-Ohmen entfernt ist. Rüddingshausen, den 24. Jan. 1883. Gr. Bürgermeisterei Rüddingshausen. allen Armaturen der Dampf- und Wasierbranche. Pumpen jeder Art und Größe. Eisen- und Bleirühreu. Kohgu** Jagdverpachtung Donnerstag den 8. Februar, Nachmittags 1 Uhr, soll die der Gemeinde Weitershain zustehende Feld- und Waldjagd (circa 450 Morgen Wald) auf dem Bureau des Unterzeichneten unter den vor der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Bedingungen auf 6 Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden. Weitershain, den 24. Januar 1883. Großh. Bürgermeisterei Weitershain. 587 Faulstich.__ „ S (grau)ö „ 6 „ „ j Sack. Größeren Abnehmern und Wiederverkäusern gewahren wir wr- per Flasche X JL 2 — X Feilgebotenes. 498 Ein Garten auf dem Hamm zu verkaufen. Näheres bei der Exped. ds. 93L 730 Eine neuer Rollwagen und ein Handwügelchcn uexTauft K. Wunder, Wagner, Wolkengasse. IttNHT Reinheit und Aechlheit Chr. Jüaudt, Wolfstrasse ist di« schönste Zierde de-Jüng-l M Ung?. Der so schnell beruLmtl ' gewordene fijg£r Mustaches- Balsam von raul Boxse. Frankfurt a M . Scfiil terstraye 12, leistet in schneller und friifi; j gcr Erzeugung deS BarteS Erstaunliches und ubennfft bei Weitem alle anderen dcrarngen Mittel. B)irkuna unfehlbar. Grone ^liuabl Atteste. Preis pr. Dose «.*. «.oO. Niederlage in Giessen bei Hrn.C. F- Conrad, Näusburg. 16 M Ein GeschäftShan- m Mitte bt-l Stadt ist preis,vürdlg zu verkaufen. Näheres In der Erp d- ds. Bl. Schmelzbutter, Vtüthenmeht I und II Desinfectioih Hierdurch offeriren wir unser gänzlich geruchloses, vorzüglich wirksames und billiges Desinseetions-Dtreupulver in zwei Sorten, deren eine, die Marke P, die ungefähre Wirkung des krpjtalli- sirten Eisenvitriols besitzt, während die Marke S diese weit übertrifft Da unsere Streupulver trocken angewendet werden, sind sie überall leicht aufzu- bewahren und sehr bequem anzuwenden, wobei die Pulverform eine höchst wirksame Bertheilung gestattet. Wir liefern beide Sorten bei Partieen frei in Haus hier oder ab Wieber* empfehlen zu billigsten Preisen 756 J. A. Busch. SöHne. Dr. Pattlson’* 784 Glchtwatte, bestes Heilmittel gegen Gicht und Rheumatismen aller Art, als: Gesichts-, Brust-, Hals- und Zahnschmerzen, Kopf-, Hand- und Fußglcht, Gliederreißen, Rücken- und Lendemveh. [H. 6200] In Packeten zu 1 JL und halben zu 60 bei Herrn Heinrich Wallach. Prima Backöl, Schweineschmast, Gänzlicher Ausverkauf. Durch Sterbfall meines Mannes bin ich in die Sage gekommen, mein Geschäft ausgeben zu müssen und verkaufe ich deshalb sämmtliche Artikel zum Einkaufspreis. t v c ,r , . t Gleichzeitig ist der Laden mit Wohnung durch nnch anderweit zu vermtethen. 688 jEJ. Timm, Bahnhofstraße 12. itrSyd: x W bei ,V. ;lQUirIid) t btan: * starker g Bücher ::: Hol,, Nucken. ; * eine --l! n^t ; 7- a-nüzrnd. (?-1 muh “7 »wr eine *** Orzein r' -7-rnipöhne. r- Eräbchen krr -aum ?-breitet *, cünnntr E^ter zu ver- 'lst eine solche her Elnum jycbljabr 3 Ww *»* J jS Sw 5^0^.,j h IWji S“» ä* st & hat ' di x Das Bankgeschäft von Moritz Heichelheim, Sellerstceg 40, I. Stoch, empfiehlt sich im An- und Verkauf von Staatspapieren, Actien, Anlehensloosen etc., Gratis-Einsicht der Listen gezogener Loose u. Effecten. Aufträge für die Börse werden zum Tagescourse prompt besorgt. . ... , Für in fremder Münze zahlbare Coupons wird der hochs e Haubach, Ludwigsstr. 57, part. Annonce, s Bauschutt wird unentgeltlich abgefahren von S. Katzenstein, Holzhandlung. 80000000000000000000088 Wohnungs -V cfänderung. Meinen verehrten Kunden die ergebene Mittheilung, daß ich meine Wohnung VW ; Dteuen - Baue nach Asterweg 23 vcr- 496 Abgeschlossenes Mansardenlogis zu vermiethen.Bahnhofstraße 50. 182 Laden, mit ober ohne Wohnung, per 1. April 1883 an zu vermiethen. _____Aulius Rott. 501 Ein Laden mit Logis sogleich zu oerrniethen. EmilKreilingWwe.,Kreuz. Permiethnvgkn. 34 Ein kleines Familienlogis zu ver- miethen. Kaplansgaffe 18. 719 Ein Logis zu vermiethen. _______Hammstraße 3. 789 Ein schönes Familienlogis zu vermiethen. L. Schmitt, Glaser, Canzleiberg. 751 Ein möbl. Zimmer und ein kleines Logis, sofort beziehbar, zu vermiethen bei T. Loth. 737 Ein in allen Hausarbeiten erfahrenes, mit guten Zeugnissen versehenes Mädchen wird zu miethen gesucht. Westanlage 3. 740 Em Mädchen vom Lande zu Kindern gesucht. Näheres bei der Exped. ds. Bl. 199 Drei Logis, je 6—7 Zimmer, Badezimmer und alle Bequemlichkeiten nebst Garten, zu vermiethen. Ludwigsftraße 5, Vorderhaus. Tie Parterrewohnung in meinem Nebenhause, bestehend aus 6 Zimmern, oersckließbarem Vorplatz und allen Bequemlichkeiten, per 15. Mai 1883 zu vermiethen. August Ackermann. ”168 In meinem Hinterhause ist eine sehr schöne Wohnung an eine ruhige Familie zu vermiethen. M. Weitzbäcker. 163 tzin Familienlogis zu vermietben bei Reuen-Bäuen. ' K 96 Der 3. Stock meines Hauses (Frankfurter-Straße), 4—6 Zimmer, Cor- ridor, Waschküche, Bleichplatz rc., Garten nach Wunsch, ist zu vermiethen. Carl Wenzel. 681 Das seither von Herrn Lehrer Curschmann bewohnte Logis ist per 1. Mai zu vermiethen. P. Gerhard, Kaplansgasse. '710 Nordanlage 13 ein freundl. 5amUicn= logis von 5 Zimmern zu vermiethen. 707 Marktstraße 21 ein kleines Familien- loyis, sowie ein möbl. Zimmer zu ver- mrethen.__ _______ 702 Logis, gleich beziehbar, zu vermiethen^ bei Gg. Weber, Neuen-Bäuen ~547 Das von Herrn Stabsquartiermeister Kalbfleisch bisher bewohnte Logis (4 Zimmer rc ) ist zu vermiethen. Jung,-Lehrer^ TOl Schloßgasse 17 Parterrelokal zu vermiethen.______________ 97 Der mittlere Stock meines Hauses (2 Stiegen hoch) ist anderweitig zu vermiethen. Emil Fischbach. "92"Ein"Logis, bestehend aus 3 Zimmern, Küche nebst Zubehör zu vermiethen bei Philipp Jünger, Schiffenbergerftr. 77 Der untere Stock meines Hauses ist zu vermiethen. M. Rosenthal, Liebigstraße 13. 720 Eine schöne, freundl. Wohnuny, 4—5 Zimmer, an eine ruhige Familte billig zu vermiethen. Lindenplatz 5. 727 Ein schönes Familienlogis im Hinterhaus ist zu vermiethen bei ________Carl Burkhardt, Neustadt. 500 In meinem Hause, Schillerstraße 11, sind zwei Wohnungen i5—6 Zimmer) alsbald zu vermiethen. Karl Noll, Flügelsgasse. 692 Ein Junge, welcher die Bäckerei erlernen will, wird gesucht bei _______Fr. Hennings, Seltersweg. ~693 Eine Frau, im Putzmachen und Schneidern bewandert, sucht Kunden in und außer dem Haus. Näh. Neichensaud- Bahnhofstraße 15, 3. St. Ich werde mit dem 12. Februar wieder einen Cu'sus im Anmessen, Zu- schneiben unb Unfertigen von Däuunkleibern eröffnen. C. Schneider, 733 Sonnenstraße 22. 724 20 00071« 000 und 13 000 Mk. gegen hypothekarische Sicherheit zu verleihen durch I. Blitz. 660 Im Glanzbügeln und Waschen empfiehlt sich Frau Herget, 'Neuen-Bäuen (wohnhaft bei Herrn Photograph Orth) Beilage M Ur. 29 des „Gießener Anzeiger". Wochenschau. . , Gießen, 3. Februar. In der zu Ende gegangenen Woche erledigte der Reichstag — und zwar am Dienstag — die Specialberathung des Heeresetats nach langen Debatten, die im Ganzen 6 Tage in Anspruch nahmen. Es sind an diesen, Etat verschiedenene nicht unerhebliche Abstriche gemacht worden, die sich meistens auf projectirte Kasernenbauten beziehen. Am gleichen Tage genehmigte das Haus auch den Etat der Post- und Telegraphen-Verwaltung fast unverändert, wobei auch wieder einmal die Frage einer größeren Sonntagsruhe der Post- und Telegraphen-Beamten zur Sprache kam. Am Mittwoch war „Schwerinstag", an welchem im Reichstage nur Jnitiatw-Anträge aus der Mitte des Hauses zur Erledigung kamen. Diesmal hatte sich das Haus mit dem Anträge Ackermann (conserv.) und Genossen wegen Ergänzung des § 100 der Gewerbeordnung zu beschäftigen. Der genannte Paragraph behandelt ün Allgemeinen die Lehrlings- frage und hatte der Antrag den Inhalt, Arbeitgebern, welche keiner Innung an- gehören, von einem bestimmten Zeitpunkte an das Halten von Lehrlingen zu verbieten. Abg. Ackermann begründete seinen Antrag durch den Hinweis darauf, daß nch lm Handwerkerstande das Verlangen nach obligatorischen Innungen immer mehr rege, daß letztere aber nur dann lebenskräftig sein würben, wenn ihnen das von dem Anträge bezweckte Privilegium des alleinigen Lehrlingshaltens verliehen würde» Die liberalen Redner sprachen sich alle entschieden gegen den Antrag Ackermann aus, namentlich hob der Abg. Dr. Baunibach hSeceff) hervor daß das Verlangen der Antragsteller im Zeitalter des Dampfes und der Elec- tricität mit Dem Zeitgeiste in Widerspruch stehe. Das Centrum trat durch seinen Redner, Dr. Frhr. v. Hertling, für den Antrag Ackermann ein, durch dessen Annahme, rote Frhr. v. Hertling aussührte, die Lösung des Problems der Erhaltung des gewerblichen Mittelstandes einen bedeutenden Fortschritt machen würde. Von freiconservativer Seite sprach sich Abg. Lohren, ebenso Abg. v. Kleist-Retzow für die Verleihung des Lehrlings-Privilegiums an die Znnungsmeister aus.^ Der Antrag Ackermann wurde indessen in namentlicher Abstimmung mit 170 gegen 148 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten die drei liberalen Gruppen, die Volkspartei, die Socialdemokraten, der kleinere Theil der freiconservativen Fraktion und verschiedene „Wilde", für den Antrag stimni- ten geschloffen die Deutsch-Conservativen, das Centrum, die Polen und die Welfen, außerdem die größere Hälfte der freiconservativen Gruppe und die Abgg. v. Goßler, v. Puttkainer und Langwerth v. Simmern. In der Sitzung vom Donnerstag beschäftigte sich der Reichstag mit der Fortsetzung der Etats- berathung und außerdem mit der fortschrittlichen Interpellation, betr. den Untergang der „Cunbria." 2" der Taktik des Centrums hat die Veröffentlichung des kaiser- Itchen Schreibens vom 22. December v. Js. an den Papst offenbar eine Ver- anderung hervorgerufen. In der Dienstags-Sitzung des Reichstages bat der Centrumsführer, Herr Wmdthorst, seinen Anftrag bezüglich Aufhebung des Expatriirungs-Gesetzes von der Tagesordnung einstweilen abzusetzen. Es deutet dies darauf hin, daß Das Centrum sich vorläufig wieder auf die Politik des Abwartens zu verlegen gedenkt. Bei der in Freystadt i. Schl, stattgehabten Ersatzwahl zum Reichs- tage wurde nach officieller Feststellung Staatsanwalt v. Uechtritz (deutsch-cons.) mit 5737 Stimmen gegen den Candidaten der Liberalen, Grafen Schack, welcher oo31 Stimmen erhielt, gewählt. Der österreichische Reichsrath beschäftigte sich in dieser Woche vorwiegend mit der Berathung der socialpolitischen Gesetzentwürfe, die von der Linken eingebracht worden find. Dieselben finden bei der Regierung wie bei den Parteien der Rechten aus naheliegenden Gründen nur eine sehr zurückhaltende Aufnahme und ist die Rechte ihrerseits ersichtlich,bemüht, soviel wie möglich die Ab- stchten der Liberalen zu durchkreuzen. Dies bezweckte auch der Antrag des Abg Mattusch auf Creirung selbstständiger Gewerbekammern, welcher am Dienstag im Reichsrathe zur Berathung gelangte und durch den die Czechen die btinnnen der Kleingewerbetreibenden in Böhmen für sich gewinnen wollen. Die böhmischen Handels- und Gewerbekammern haben die von ihnen für den Reichs- ww für den böhmischen Landtag zu vergebenden Mandate stets den Händen Deutsch-liberaler Männer anvertraut und nun wollen die Czechen durch Errich- M °°"Lbststandigen Handelskammern für den Kleingewerbestand sich die tandate sichern, welche verfaffungsmäßig von diesen Gewerbekammern zu vcr- 0 k s^rden. Der Antrag Mattusch wurde gegen die Stimmen der Libe- aten dem Gewerbe-Ausschuß zur Vorberathung überwiesen. %wh,l\Sotnbo^ trj“ nächsten Montag die Donau-Conferenz zur S™®, °er. s°8- Donaufrage zusammen. Die Conferenz ist bestimmt, die ver- nnmentHrf, t„ ?re"eTtl.Qn, bei unt.en:n Donau mit einander in Einklang zu bringen, Voriik in hJVnb0ü c06 Entscheidungen darüber getroffen iverden, wer den Ausivoli^.^l-?°"?"^^""^ion zu führen hat, wer das Schifffahrt- und berf S to S6 •* ?er "Ntere" Donau handhaben solle u. s. ro. Beson- ftarfeä27?ehiunas0rerfAilp iifipr rr ■UUl m“?, Nermuthungen. Herr v. Giers selbst blsidi nti < Erfolge seiner Reise beharrlich „ansgeschwiegen" und es 2 “ welcher Seite der Schleier s Geheimnisses, welcher über feinen Fahrten ruht, entlüftet werden wird. «noeariff?.,6 K“ düs' eine Bande der Monteneros die Stadt Piura ber® ätenK' m ^"i-ckgeroorfeu worden sei. Der Anführer »cr Monteneros soll gedroht haben, seinen Angriff ZU erneuern. Die Aionte- neros gehören mit zu jenem Gesindel, schon Krieges in Peru gebildet hat und liche Land durchzieht. bas sich während des chilenisch-peruani- nun raubend und sengend das unglück- Bermischt«». ^-^.i^iDff^wstadt, 31. Januar. Von dem Grabdenkmal Ihrer Könlal. Hoheit der N0seeligen Großherzogin Alice von Hessen ist soeben im Verlage der A. Bcrgsträßer- ÄÄ “™"".0.0* /we ^litldung in unveränderlichem Lichtdruck erschienen. D°s Mausoleum au der Rosenhöhe ausgestellte Denkmal wurde bekanntlich l’irhHt spF Königin von England tn London angefertigt und ist die treffliche Ä ^n?lerra ^n?er ausgeführten Abbildung vortrefflich wtedergegeben. Das Blatt wird als Erinnerungszeichen an die leider allzu früh entschlafene, aber in ihren Werken fortlebende Fürstin sicher zahlreiche Abnehmer finden. r, DemVernehmen nach ist dem Professor der Geologie an ber tefinifd)en £oc^ ?rprf;^e0Tne?)r' ßepf^'r Don ber Berliner Akademie der Wissenschaften der sehr ehrenvolle Auftrag zu The,l geworden, auf Grundlage der vom Deutschen Reiche her- gestellten topographischen Karten von Attika die Umgegend von Athen tn Gemeinschaft mit einem preußischen Docenten der Geologie geologisch aufzunehmen, um die für die Geologie wichtige und viel erörterte Streitfrage über die Entstehung der Marmorlager J} .?owoglich endgültig zu entscheiden. Zur Ausführung der erforderlichen ^betten ist Herrn Profifior Lepsius ein mehrmonatltcher Urlaub bewilligt worden. Die Abreise soll am 3. Februar erfolgen. ,, “ Der Bedarf an Kohlen für die überschwemmten Orte unseres Großherzog- tbums welcher aus dcm von Sr. Majestät dem Kaiser zur Verfügung gestellten r rraii£Um ^orkohlen theils kostenfrei, thetls zum halben Kostenpreise bestritten werden soll ist an Händen der eingegangenen Berichte und auf Grund sorgfältiger Prüfung durch das Landescomitä auf zusammen 26,900 Centner feslgcslellt worden- Hiervon sollen erhalten die Orte im Kreis Worms 2500 Ctr-, im Kreis Bensheim 9000 Ctr-, 'm Kreis Offenbach 2800 Ctr., im Kreis Groß-Gerau 56uO Ctr., im Kreis Mainz ^0?0_§tr., Stadt Mainz 2000 Ctr., im Kreis Oppenheim 3000 Ctr. - Neuerdings bat sich an einigen Orten wieder das Bedürfnitz nach wollenen Decken und Kleidern gezeigt, welches aus den vorhandenen Vorräthen beftiedlgt werden soll — Wie «Inden Berichtender Vertrauensmänner hervorgeht, ist den verschiedenartigsten Bedürfnifien vorerst völlig genügt, alle betonen, daß insbesondere die mittleren und -^eren ^eute am härtesten betroffen sind und hier ein werkthättges Eingreifen am nöthigsten erscheint. r ^on, 27. Januar. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag wurde ein großer Theil Englands von einem heftigen, von starken Regengüssen begleiteten Sturme heimgesuchi, der zu Lande und an der Küste große Verheerungen, gepaart mit bem Verluste an Menschenleben, anrtchtete. Lo> bon würbe von dem Unwetter ziemlich glimpflich behandelt, desto schlimmer scheint es aber in den Provinzen gervüthet zu haben In Runcorn wurde ein großer Arbeitsschuppen ntedergeweht, glücklicherweise rwx ir^e.r ^orgenftunbe, al§ die Arbeiter noch nicht angekommen waren. In Bradford stürzte ein hoher Fabrikschornstein theilweise ein, doch wurde Niemand verletzt. In einer Baumwollspinnerei tn Oldham stürzte der Grebel ein, wodurch zwei Arbeiterinnen auf der Stelle gelobtet unb fünf anbere schwer verletzt würben. In Asbton-under-Lyne wurde em neugebautts Haus vollständig demolirt; zuerst entführte die Windsbraut das Dach und dann stürzte die Mauer ein. Aehnliche Unglückssälle werden aus Birfinhead, Shrewsbury, Soutport und anderen Städten gemeldet. An der Küste richtete ber Sturm ebenfalls ungeheuren Schaben an. Unweit Liverpool gingen 3 Schiffe unter barunter die beutfche Barke „©tar of Hope" und ein russisches Fahrzeug. Ob die Mannschaft gerettet wo'den, fit bis zur Stunde noch nicht bekannt. Auf der Höhe von Yarmouth sollen ebenfalls mehrere Schiffe gescheitert sein, eines darunter mit Mann und Maus. Es gibt fast keinen Ort an der Küste von dem nicht Sch'ffsunfälle gemeldet werden. An vielen Orten, insbesondere in Warwickshire unb Wales, sind durch den Austritt von Flüssen große Uebeischwemmungen entftanben, bie theilweise erhebliche Verluste an Eigenthum und Menschenleben verursachten. An ber irischen Küste hauste ein von Regen unb Schneefall begleiteter Sturm. Auf bem flachen Lande wurden Hauser niedergeweht. Flüsse verließen ihr Bett und die telegi aphische Verbindung erlitt eine ernste Unterbrechung Aus Schottland liegen ebenfalls Hiobsposten über bie durch den Sturm verursachen Verheerungen vor und die Telegraphenoerbindung zwischen England und Schottland ist fast gänzlich unterbrochen Hanau, 29. Januar. Daß die letzten Ueberschwemmungen auch dem hiesigen Kreifi arg nvtgefphlt, hat ber auf nahezu 150,000 festgestellte Schaben erwiesen. Durch Wegspülen ber Ackerkrume, Versanbung, Verschüttung mit Steingeröll rc. Haden mehrere Gemarkungen großen Schaden erlitten. So ist derselbe in der Gemarkung Großkrotzenburg auf 9000 JL, Großauheim 40,800 JL, Hanau 4250 JL, Kesselstadt 1200 JL, Dornigheim 14,000 J4, Fechenheim 72.250 JL unb Eichen auf 5000 JL taxirt nnb flanj gewiß eher zu niedrig als zu hoch gegriffen. Auch unser Landratb, Freiherr v. Schrotter, ist aufs eifrigste bemüht, an kompetenter Stelle für die Geschädigten des hiesigen Kreises nach besten Kräften zu wirken. Bodenheim, 29. Januar. Von unserer Gemarkung, welche am 28. November überschwemmt wurde, ist bis jetzt noch zwei Dritttheil unter Wass r unb ist es nunmehr Aufgabe unserer bei Laubenheim befindlichen Wassermaschine, für das Trockenlegen des noch inunbirten Terrains zu sorgen. Unsere Gemeinde selbst bietet immer noch ein trauriges Bild ber Verwüstung, denn die Häusertrümmer liegen grabe noch so, wie zur Zeit die Hochfluth dieselben zerstörte; nachträglich stellen sich allerdings immer größere Schäden heraus, indem noch eine ganze Reihe von Gebäuden, deren Fundamente durch das Waffer unterwaschen wurden, entweder niedergelegt oder bedeutend repartrt roerben müssen; viele mußten gestützt werben, um nicht zusammenzufallen. Es wäre enbltch einmal an ber Zeit, an die Wieberherstellung des zerstörten EigenthumS zu benken. l^Zum Untergang ber „Clmbria"j. Allgemein hat bie bereits mitgetbeilte Nachricht in Hamburg Befremben erregt, baß ein CommiS ber Packet-Schifffahrt- Act'engefellschaft an dem Blancooerkauf von Acticn ber Gesellschaft bethetlrgt war. Daraus ergibt sich doch mit Sicherheit, daß die Direct'on in der That Kenntniß von der Katastiophe hatte, lange noch bevor dieselbe officiell bekannt war. Weiter halten di.' Klagen baiüber an, daß die Gesellschaft für bie in Noth gerathenen Zw'fchendecks- paffagiere so gut wie nichts thut. Dieselben sinb bis j-tzt nur auf Privatwoblthät'gkeit angewiesen gewesen. Auch hier ist unsere Kaiserin wieber mit einem glänzenden Beispiel vorangegangen, indem sie dem Vaterländischen Frauen-Hilfsveretn zu Hamburg zu Händen ber Frau Minna Plambeck durch die Commerz- und DtScontobank die Summe von 1000 Mark auSzahlen ließ und gleichzeitig folgendes Telegramm sandte: ^Jch erfahre mit tiefem Mitgefühl das entschliche Unglück, daS unsere Schifffahrt betroffen und bitte den Verein, sofort beiliegende Gabe zu Gunsten derer zu verwenden, denen geholfen werden kann." Biedenkopf, 29. Januar- Heute Morgen kurz nach 10 Uhr kamen 6 höhere Beamte der Königlichen Eisenbahndirection Hannover in einem eigens zu diesem Zweck von Hannover mitgebrachten auf daS schönste eingerichteten Salonwagen per Extrazug hier an. Nach Ankunft fuhren die Herren in 2 Wagen nach Laasphe, von wo sie nach 2 Uhr wieder retour kamen unb nach 3 Uhr, nachdem dieselben hier daS Mittagsmahl eingenommen hatten, wieder abbampiten Wie uns rnitgetheilt worden, galt eS um die Besichtigung über den Stand ber Bahnarbeiten, um eine bestimmte EröffnungSfrist fest zu st eilen unb eoent. die Fahrzeit der Züge zu bestimmen. Hoffen wir, daß diese Frist recht nahe bevorsteht. lH- A ) Metz, 26. Januar. Eine recht liebevolle Tochter scheint die erst 16j8hrige Therese Bilchholzer aus Saaralben in Lothringen zu sein, welche ihre eigene Mutter erdrosselt unb bann in den Keller geworfen hat, wo sie am 22. d gefunden wurde. Grund dazu soll ein LiebeSoerhältniß gewesen sein, welches daS 16jährige Mädchen mit einem 19jährigen Burschen unterhielt unb das lttcht ohne Folgen blieb, da dies die Mutter oft zu ernsten Vorstellungen und die Tochter zu heftigen Widerreden veranlaßte. Tägliche Zwistigkeiten waren an der Tagesordnung unb der traurige Mnttermord daS Ende- Artgemeiner Anzeiger 700 meinem Hanse gegenüber F/. Schulhof, in der Gasfubrik X 1,00 per Centncr, 3.50 I Wer Sprachen kennt, ist reich zu nennen. Stettin. Danzig. Leipzig. Breslau. Frankfurt a. 0. und 500 Filialen in Deutschland. = | 35 Rosenthal’sche Verlagsbuchhandlung. Leipzig. Kirchenplatz. 49 Dresden. Potsdam. Gegenwärtiger Preis unzerkleinerte Eokes Berarnwottliche Nedactton: 2l. Schevda. - Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. C h r. Vi e l lch in Gießen. Wer aus billige und solide Schuhwaaren rcffectirt, wende sich an die Filiale der mechan. Schuhfabrik von Si. ^riiuehauin, Halle a. S. Cassel. t; Königsberg 1. Pr. Rostock. Hannover. Universal-Calanii- und lluslfii-Bonbons Paquet ä 15 Pf. von E. 0. Moser & C01 in Stuttgart. Zu haben bei Herren: H. Kinkel, Nhr. Kraemer, Hoflieferant, «d. Lin», Carl Tchwaav in Gießen. „ 2.50. litten werden », 10 Vtr. 1 «X Geschäfts-Verlegung. Während deS Neubaues meines Hauses befindet sich mein Geschäft im Laden Öcs flenn fleorg Scfjudueis, II II II □4F Ser (kingang umt pcii-, Bnppni- und Tapeten-«eschast des Herrn Gg. Schultheis dclindel Nch nebenan. . . Um vielen Nachfragen zu entsprechen, liefert Carl Sdhwaalis Delicatesseo Cokes, mit der Maschine zerkleinert und gesiebt, füi’ Füliöfen jeder Art. w JV°i'srs<» c^es de pulef-« Seit 1876 : -O eigene Centralgeschäfte (7 in Berlik Bei Rücklieseruna der Korbflaschen zum Fi abgeschrieben: Für 30 Vtr. 2 JL, 20 Ltr. «X l.^t, Handlung von fetzt ab auch einfachen Sperre Eiltg in vorjiiglicher Waare in Demijohns von 30 Liter Inhalt für JL 5.— Däsj - System zur praktischen und naturgemässen Erlernung englischen, französischen, italienischen u. spanischen Geschäfts- und Umgangs-Sprache. Eine neue Methode, in 3 Monaten eine Sprache sprechen, schreiben und lesen zu lernen. Zum Selbstunterricht von Dr. Richard 8. Rosenthal. Englisch — Französisch - Spanisch completl in je 15 Lectionen h 1 M. Italienisch completl in 20 Lectionen a t M. Schlüssel dazu ä M. 1.50. Probebriefe aller 4 Sprachen ä 50 Pf. portofrei. Transport an das Haus . > Das Bringen der Cokes^an das Hau« bei Abnahme von mindestens 5 Centnein, in kleineren Quantitäten. 20 „ 10 „ ii | Neue Filialen werden stets gern vergebsn. Die e Oswald Kier’schen ©emo von Mk. 0. 80 Pf. pro Liter (die Flasche 60 Pf.) an unter den Bedingungen seines Preis-Courantes s sind tu haben: —--—-------- bei Herrn S. Elsoffer, Giessen. „ 0,95 „ . „ 0,05 „ „ erfolgt von der Gasfabrik au< von Herrn Emil Pi stör ^ancl> Geschäfts - Uebernahme. Einem geschätzten Publikum hierdurch die ergebene Anzeige, daß ich mit dem heutigen Tage das von meinem Vater seit langen Jahren betriebene Büchsenmacher-Geschäft übernommen habe. Unter Zusicherung stets prompter und reeller Bedienung halte ich mich bei allen vorkommenden einfchlagenden Arberten bestens empfohlen. Eine größere Anzahl Jagdgewehre halte stets auf Lager. Gießen, den 1. Januar 1883. Hochachtend 107 A. IMckore jr. Flaschenbier. 'M Hierdurch die ergebenste Anzeige, daß ich vorn Heutigen ab neben der Restauration auch ein Flaschenbier-Geschäft betreibe und offerire ein feines Exportbier ä Masche 20 frei ins Haus. Die Maschen sind mit Bugelverschluß versehen und werden nur leihweise mitgegeben. Zahlreichen Aufträgen entgegensehend, zeichnet Achtungsvoll 87 Ao F. Alb old (Restauration Brainm). Griechische Sanitäts- und Dessert-Weine, in Originalflaschen ä 3/4 Liter garantirt absolut rein und ächt. Sechs der folgenden schönen Weine entstammen dem rein vulkanischen Boden der Insel Santorin; 7) und 9) sind von Patras. Da in Griechenland die Keller ebenerdige .Magazine sind, die selbst im Winter nie unter 15° llva-imur-Wärme kommen, so sind die °W ei ne in warmem Raume (die Flaschen gestellt) aufzubewahren. 1; Camarite ä 190 A, ein aussergewöhnlich trockener Rothwein, von ganz merkwürdigem Tanningehalte, der besonders als Magenwein sehr zu empfehlen ist. 2 ( orinther ä 200 A, ein trockener Rothwein, voll, feurig und von angenehmer 1 Blume jedem gleichpreisigen Burgunder und Bordeaux mindestens ebenbürtig. 3) Elia i 180 4) Kailiste ä 210 4, zwei weisse und r,, vrino di ßacco ä 170 ein rother Claret, alle drei sehr alkoholreich, mit ' fpin irowürzhafter Blume, an trockenen Sherry und Madeira erinnernd. 6, Vino Santo ä 190 7) Achaja Malvasier, weiss, a 220 a, 8) Misistra Malvasier ä 200 A und 9) Achaja Malvasier, roth, a 220 , sind aus- gereifte treffliche Süssweine, sehr fett, voll und feurig unn Patras, sehr kräftig, voll und alkoholreich. Preise per comptant. Eine P . b<- k - s t c mit 12 ganzen Flaschen — Kiste, f laschen und Verpackung frei — ab Frankfurt 19 50 A ^05 i>r. Hempel, Hirschapotheke in Giessen.