। Mittwoch den 3. Januar 18S3. Weßener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. —. ---------------------------—----------------------------- " PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Bureau: Schulstraße 7. Erscheint ILOlich mit Aufnahme bei Hewtae*- Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher^heil. Bekanntmachung. ES wird zur öffentlichen Kennlniß gcbrodit, daß der Provinzial - Ausschuß der Provinz Oberhessen zu Mitgliedern der |£anbe6c—non für die Einkommensteuer für 1883 die Herren .... Rechtsanwalt Dorniern zu Meßen, Bürgermeister Zimmer in Villingen, Rentner Jacob Wiehler zu Butzbach, und zu Ersatzmitgliedern die Herren o . , , Bürgermeister List zu Lauterbach, Müller W. Erk zu Ridda gewählt hat. Gießen, am 30. December 1882. Großherzogliche Provinzial-Direction Oberhesien. Dr. Boekmann. Bekanntmachung. ober 3—4 Stunden btt Wscbe, eine Stunde den Schultag ober 6 Stunden VI. und V zur ) Mgkdru-kl tn 9)r. 331, 1. Watt btr ,D-rmN«bItr Zkttun,', bei den Schülern die LLoche, bet den Schülern die Woche. bei den Schülern die 'Woche, bei den Schülern der der der der bekannt machen zu lassen. Gießen, am 2. Januar 1883. Grobherzogliches Kreisamt Gießen. |Dr. Boekmann. IV. und lllb.: 2 Stunden den Schultag ober 12 Stunden lila, und 11b.: 2Vi Stunden den Schultag ober 15 Stunden IU., ib. und la.: 3 Stunden den Schultag oder 18 Stunden -------------------------- ' Gießen, den 30. December 1882. Das Großherzogliche Rentamt Gießen an die Großberjvglicden Bürgermeistereien des Bezirks. Die Berichtigung der Ende December 1882 fälligen Grummetgrasgelder der Oberförstereien Gießen und "eiSa^ -da.batuS mm 25. Januar 1883 - bei Meldung der Mahnung - zu erfolgen, wovon Sie Ihren Gcmeinde.Zlngehöngen m geeigneter 2vetle K.wttmtz g^n^wolliw___ Nach d'n akvmcht.n QtrfaDrunfltn Mit t, btt Pommlffien für trforbttlld). bah lötrtütunfl ngs- Sch-.n vorzulegew aufmerf;nnl> daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Sttafe bis zu 30 Mark ober mit Hast bis zu drei Tagen belegt, von her Theilnahme an der Loosung ausgeschloffen und ihrer etwaigen Jlnwrudn aut Zuruc <. S DCrIUfti9 Beglich Wenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit ahnyfcnb sind sipd deren Eltern, Vormünder. Lehr-, Brod, und Fabrikberrn zu diesen Am Meldungen^ vei^flichteü^lj^^ Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders aus ortsübliche Weist achtel würben, daß tnöbefonbere jüngere, päbagogifd) ungeübte Lehrer noch vielfach bagegen verstoßen haben. Hierzu kommt, baß nach Ansicht. ber ©ommtffion wie bte« bei Ausführung ber tn ber Specialbebatte gefaßten Beschlüße ^och näher hervortrttin wirb - burch bte Höhe ber Anforberungen in einzelnen Lchrgegenstänben, tnSbesonbere burch bie zu große Bebeutung, welche vielfach ben schriftlichen Extemporalleistungen betgelegt wirb, baß ferner burch bie zur Zeit übliche Art ber Pistungen ber Schüler, sowie bnrch zu umfangreiche Vorbereitungen iür die Maturitätsprüfungen In nicht seltenen Fällen eine übergroße geistige Anspannung ber Schüler höherer Lehranstalten veranlaßt wirb. Die in ber Spectalbebatte seftgestelllen Beschlüsse fassen sich in bie Beantwortung ber nachfolgenb aufgeführten Hauptfragen geistiger Anstrengung kann ben Schülern höherer Lehranstalten, ohne bte geistige unb körperliche Frische berfelben zu ge« fäbrben, zttgemuthet werben? . Sur Beantwortung btefer Frage spricht sich Kommission babtn auS. baß bie Rafol ber Unterrichts- unb Arbeitsstunden an ben Avmnasien unJ Realschulen be« Lanbcö, wie sich solche nach ben bestehenden.^^lä""t und nach ben erwähnten AuSschreiben vom 22. Februar 1877 unb 2^ V ai 1881 ) stellt, zu einer Beanstanbung keinen Anlaß g bt, vorbehältltch ber c^n^od- sikation, baß für Schüler ber VI. unb V., also tür Sürüler ber .Ut er« kl asfen von 9-11 Jahren eine Herabsetzung ber Arbeitszeit für bäuMtebe- arbeiten von 9 auf () Stunben bte Woche ober auf 1 Stunde für ben Arbeitstag an« ° ,ngX'Ak^© Hier stieg das Wasser heute Nacht um ö Ctm- und noch fortwährend ist Steigen bemerkbar- t WormÄ, 30. Dec. Die Noth in unteren Nachbardorsern Hofheun, Bobstadt, Bürstadt, Lampertheim ist auf das höchste gestiegen. Die ganze fruchtbare Ebene bildet nur ein großes rothschmutziges Meer, ein hessisches Szegedin- Von dem "Nordheimer Damm aus siebt man Hofheim theilwcise bis an die Dächer im Wasser: gestern Abend 10 Uhr ist bereits ein "Nachen mit Hilfsmannschaften und Brod nach dorten abgcganaen unter Führung des Herrn Kreisassessor v- Grolman- Der Landdamm zwischen Rosengarten-Lampertheim ist in der "Nähe deS Dammwachthäuschens an drei Stellen gebrochen und ergießt der Rhein seine gewaltigen Wassermassen in das eroberte Terrain- Die Bahnverbindung im ganzen Ried ist felbstoerständlich unterbrochen. Herr Controleur Appel uihr soeben 9 Uhr) mit Lebensmitteln nach Hofheim. Auch nach Bürstadt sind einige Rachen mit Brod abgeganaen und werden hoffentlich ihren Bestimmungsort glücklich erreichen. Bei der leichten Bauart der Häuser in den jenseitigen Dörfern werden jedenfalls Einstürze nicht ausbleiben, und keine Rachen und Fahrzeuge sind vorhanden; schleunige Hülfe thut noth, wenn andernfalls nicht viele Menschenleben verloren gehen müssen. Vor Ausbruch der Katastrophe gestern Mittag hatte daS Brückenpersonal unter Führung des Herrn Conrad Hartmann noch sämmtliche Bürstadter Fabrikarbeiter mit eigener Lebensgefahr nach dem jenseitigen Ufer gebracht- — Im Rheinischen Hof bei A. B ö h m stand das Wasser 2 Fuß hoch im WtrthSzimmer: bei den Dammwärtern Vogel und Lameli auf dem Wehrzollhaus stehen Pferde, Rindvieh und Schweine in den Stuben im zweiten und dritten Stock; ebenso hat Wirth Krcutcr im Rosengarten den Tanzsaal zum Viehstall eingerichtet- (W- Z-. -- 30. Dee. Der Großh. Bürgermeister in Bürstadt hat soeben folgende Depesche nach Mainz abgesendu: Ersuche um sofortige gütige Veranlassung bei dortiger Militärbe^ hdrde, daß, wenn möglich, via Worms die Pionier Compagnie hierher zu Hülfe kommt. Die Waffersnoth ist entsetzlich. Der Einsturz der Häuser hat begonnen. In allen Straßen des Crtcj erschallen jammervolle Hülferuse. Das Wasser steht 10 Fuß hoch in den Straßen. lW. Z.) — so. Dee-, Mittags. Von jetzt ab kann nur noch bis Äuntersblum gefahren werden. (W. Z.) WormS, 1. Januar- Nach den neuesten der „Wormser Zeitung" zug.-gaugenen Nachrichten über die Ueberschwemmung im Ried ist die Roth daselbst sehr groß und wächst noch beständig Die angrenzenden Orte der Pfalz, Bobenheim und Boxheim, sind plötzlich ebenfalls überschwemmt worden; in Boxhetm und in Oppau sind über 60Häuser eingestürzt, ebenso haben neuerdings in Hofheim viele Einstürze von Häusern siattgefunbcn; fortdauernd treffen Einwohner von Hofheim in Kähnen hier ein und werden in öffentlichen Gebäuden und Pr iva thäu 1 ern unte rge bracht. In dem Hofgut Scharrane stehen 50 Stück Rindvieh und Pferde bis zum Kopf im Wasser- Der Ort Edigheim ist fast ganz vernichtet. L:bensmittel,fehlen überall, die Einwohner retten ihr Leben durch Flucht. Sturmartiger Wind verursacht starken Wellenschlag, der Rhein wächst wieder rascher. Frankfurt a. M., 31. December. Rach einer aus Haßfurth einaegangenen Meldung ist der Main wieder im Steigen in Folge von Wolkenbrüchen, welche oberhalb Haßfurth niedergegangen sind, es ist demnach auch hier ein erneutes Steigen zu erwarten. Ludwigshafen, 30. Dee. Die „Pf. C." schreibt: In Oggersheim soll es grauen haft auasehcn. Wir wollen nicht hoffen, daß die "Nachricht wahr ist, daß dort 5 Personen ertrunken seien. Auch von Friesenheim liegt eine ähnliche Meldung vor, doch sind beide mit Vorsicht aufzunehmen. Eben, "Nachmittags 3 Uhr, werden die Einwohner aufgefordett, sich mit Belcuchtungsobjekten zu versehen, da die Gasfabrik unter Waffer steht. Wie uns ferner mitgctheilt wird, sind weitere hundert Mann Militär requirirt. Mannheim, 31. Dcc. Die Einwohner von Friesenheim haben sich nach Lud wigshafen gerettet. Von Mannheim ist Militär zur Hllseleistung nach den bedrohten pfälzischen Orten abgegangen. Rheinaufwärtü ist Stillstand eingetreten. Anhaltendes Negenwetter. Frankenthal, 1. Januar- DaS war eine schreckliche Sylvesternacht für die hiesige Gegend! Bereits tm heißen Kampfe mit den Wassermassen, die der Kanal« dammbruch und der Dammbruch bei Friesenheim herbetgesührt, brachen heule Nacht 11 Uhr dte Landdämme bet Bobenhctm, Rexhetm und Mundenhetm und setzten bafl ganze Gebiet von Ludwigühaten bttz Worm« unter Wasser, aus welchem der höher gelegene Theil von Frankenthal gleich einer Insel hervorsteht In einem Zeitraum von kaum einer halben Stunde waren die schon theilweisc überschwemmten, aber immer noch paffirbaten Gemeinden Bobenheim, Roxheim, Mörsch, Beindersheim, das gute -tßetereaue bis ju d-n DIL-rn üb-rflulh-t. D-r Anprall ber Fluiden war ein so ge- waltiacr büß fämmlliche Säufer tn ben oorberften Straßen ber genannten ©etnetnben oerabtju" binwegrafiit u>uutn unb jetzt nur nach Trümmerhaufen „nb. Man tahlt tn «orbetm 40 Mörsch 60, Beindersheim 20, Bodenhelm 36 eingefiürjte Gebäude. Vom Jeroen ber Habe konnte keine Rede (ein unb «alt eS nur da« nackte Geben JU retten. Alles flüchtete nach ben Kirchen unb höheren ©ebäuben. Ungeachtet großer Ftnsterniß buidbf achten beherzte Männer auf tmprov fielen Fahrzeugen bie Überflutbeten ®eflenben nach Frauen unb JMnbern. Soweit bis jetzt bekannt, ist kein Menschenleben zu beklagen" Allenthalben würbe Sturm geläutet, von allen Seiten kamen Voten her- aeftrömt b'e um Hilfe baten. Der Stabtvorstanb von hier ließ noch in ber Nacht bie ö »ebner durch bie Schelle zur HÜlfeleistung auffordern und Wogen zur Rettung nach den An,einen Ortfchaften beorbern- Trotzdem bie hiesigen Bewohner bereilwilligst dieser Aufforderung folgten, war wegen der großen F nsterniß wahrend der Nacht wenia Aülfe zu leisten 8ben von MÜrsch zurückgekommene Pioniere fchrlderlen die dortige Loge als äußerst bedenklich für die Bewohner, indem der Zugang zu dem Ort von allen ^''"^Etzanbruch ist Groß unb Klein damit beschäftigt, den bedrängten Ortschaften Hülfe und Unterstützung zu bringen. Auf Kähnen und Wogen kommen bie UnglückltAzen fchoarenweise hierher. Nahezu 1000 Personen, von Allem entblößt, sind hier in den Schulen, Turnhalle und Concerlsalcn untergebracht. Die Noth tfi unbeschreiblich Ich wollte soeben m't einem Kahn eine Fahrt durch daS überschwemmte (Neblet antreten, aber bie wenigen Fahrzeuge sind dringend zur Rettung von Bedrängten notbwend'a. D e Zahl der elnstürzenden Häuser mehlt sich beständig. In Edigheim sind bereits 80 Häuser, darunter massive Gebäude, eingestP'zt. In Roxheim etwa 60. Der Rhein ist während der Nacht wieder 1 Fuß gestiegen. Aller Verkehr ist unterbrochen und von hier nach keiner Richtung wrgzukommen. ro , . Frarlkenthal, 1. Januar, 2 Ubr Nachm. In Edigheim. Bobenheim, Roxheim und Oppau stürzen von Stunde zu Stunde weitere Gebäude ein. Edigheim, Roxheim, Ovvau und Bobenheim sind vollständig tsolirt und verlangen dringend H'lse. Wagen sind aus den umliegenden Orten zahlreich zur Hilfe herbeigeeilt, aber eS fehlt an Kähnen um die Hilfesuchenden aus dem Ueberfchwemmungsgebict zu holen. Die ganze Stadt ist voll von Flüchtigen und tn allen Straßen sieht man Schaaren jammernder Männer, Frauen und Kinder mit Wagen kommen, um die einzelnen Trümmer ihrer Habe zu bergen. In Mörsch mußten viele Leute, die sich nicht von ihrem Vieh trennen wollten gewaltsam auS den überschwemmten Räumen geholt werden. Hier tit nicht mehr ein einziger Raum, um die Flüchtigen und Hilfesuchenden unterzubrmgen und es muß darum in Eppstein und Flammershetm Quartier geschaffen werden. Hier ist die Hilfeleistung eine wahrhaft großartige und Alles, was helfen kann, greift zu. Durch das aus dem Canal zurückgedrückte Wasser wird das Überschwemmungsgebiet m Frankenthal selbst immer größer und allenthalben wird geräumt. Gasfabrik und Zuckerfabrik stehen mitten in Wasser. Eben wird eine Kirche zur Unterbringung der flüchtigen geräumt. In Mundenbeim sucht man sich durch einen Nothdamm zu schützen. In Hemshof suchte man das Gleiche zu thun, aber leider vergebens. Die Wassermassen dringen mit riesiger Gewalt em. — Das Elend nimmt stündlich in nicht geahnter Große zu. In dem überschwemmten Gebiete unserer nächsten Nähe sind bis jetzt eingestürzt: in Bobenheim 70 Häuser in Roxheim 80 Häuser, in Mörsch 80 Häuser, in Edigheim 60 Häuser, tn Ovpau 80 Häuser, tn Studernheim 20 Häuser, In Frankenthal 5 Häuser. Es ist nicht abzusehen, wie viele noch etnstürzen. — In Edigheim und Mörsch sind alle Menschen «erettet das Vieh und bie Fahrnisse bagegen noch in ben Ortschaften, ba bie Mannschaft und das SchisiSmaterial zur Rettung ber Bewohner ber anderen überschwemmten Orte nöthig sind. — Hülfe, ichnelle Hülfe ist bringend geboten. Es wird h er alles gethan dock die Größe deS Unglücks verlangt die rascheste Hülfe, eine größere Hülfe, uls die selbst überschwemmte Stadt und die Nachbarschaft zu leisten vermögen. SS ^ehlt an Geld, Kleidern, Schuhwerk, Strümpfen, Unterkleidern u. f. w-, hauptsächlich