Freitag den S. Februar 1888. Str. 27. iehener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ,r p „ x - .. a über den Umfang seiner Befugnisse Schwierigkeiten entstanden find. Berlin, 30. Januar. Aeutjchland. Gestein tagten hier im Kaiserhofe und unter dem Vorsitz auS Aschaffenburg die Cellulose-Fabrikanten. Diese Jn- Sulfit-Stoffe hielt, großeö Interesse geboten haben. Selbstverständlich dildite auch die Holzzoll-Frage einen Gegenstand der Besprechung. Man befürchtete eine Vertheuerung dev Holzes und hierdurch eine Bcein- trächt'gung der ganzen deutschen Papierindustrie in ihrer Cxportfähigkeit. Es wurde deshalb der Bischluß gefaßt, sich den Eingaben, welche Seitens der Holzschletfereten tm Umlaufe sind, um die E»Höhung der Holzzölle feine zu halten, anzuschlteßen. — Die anarchistischen Elemente Irland« sind durch neueste erfolgreiche Vorgehen der englischen Behörde in arge Deroute gejagt- Sie fühlen sich.’u geheimen Schlupfwinkeln nicht mehr sicher und eine ganze Anzahl der durch die Aussagen der Kronzeugen in bem neuesten HochverrathS - Prozeß kolnpromitttrten „Führer" haben Hal« über Kopf den irischen Boden verlassen und sich nach Amerika Trotzdem die öffentliche Meinung Großbritanniens im Allgemeinen dem Projekt dev EanaltunnelL enischiedeir abhold ist. werden auf st^josischer £>ette bie Vorarbeiten mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt. Nebst den einheimischen werden auch italienische Werkleute massenhaft hei angezogen und die Bohrmaschinen hohlen sich immer tiefer in den VersuchSstollen ein. Mit Rücksicht^ auf diesen etanb ber Dinge wird der Wunsch lebendig, daS englische Parlament möge fchleunigst nach Eröffnung der Session sein endgültiges Verbiet tn Sachen ber EanaUrage sprechen- Knlnkreich. des Herrn Philipp Dessauer . . .. . dustrie, bei welcher tm Gegensätze zu dem rein mechanischen Proe.sse von Holzschleifereien, bereu rs sitzt 300 in Deutschland gibt, das Holz auf chemischem Wege m seine Fasern zerlegt wird, hat erst seit einem Dezennium festen Fuß bei uns gefaßt und die Fabrikanten bilden einen Verein, welcher sich jährlich zweimal zu versammeln pflegt, um tn vertraulicher Weise sich über die Fortschritte und Neueiungen in ber Fabrikation anszusprechen. Die gestrige Sitzung soll durch einen größeren Vortrag, den Herr Moritz Behrend aus Varzin, der Pächter der FÜrstl- v. Bismarck'schen Fabriken, über die Part«, 30. Januar. Deputirtenkammer. Fortsetzung der Berathung der Vorlage betr. bie Maßregeln gegen die Thronprätendenten. Aon Mtault suchte nachunveisen, daß der Antrag Floquet den wahren Interessen der Republik zuwiderlause. ProscriptiouSgesctze würden keine Regierung retten; er glaube, die vorgeschlagenen Maßregeln, welche einen Eingriff in die Freiheit enthielten, würden nicht die Billigung de« allgemeinen Stimmrecht« finden. Aus die von einem Dcputirten gegen ihn gerichtete Beinerkung, er sei Orleanist, erklärt« Mnault, dieser Name bedeute Nicht«! seitdem der Graf van Pari« nach Froh«. । dorff gegangen sei, sei die orleanistische Partei tobt. (Bewegung). Redner wen- i beto sich sodann gegen das Amendement Fabre'«, welche« zu einem Conflicte mit dem allgemeinen Stimmrechte führen konnte in dem Falle, baß der Congreß, welcher souverän sei, einen Prinzen zum Prälidenten bet Republik ernennen sollte- Renault wie« auf bic Gefahr hin, den Prinzen ihre militärischen Grade zu entziehen, welche sie seit langer Zeit besessen. Die Regierung habe zwar da« Recht, sich zn vertbeidigeu, nicht aber da« Recht, ohne Grund zu verfolgen. Der Conseilpräsident Falliere« erwiederte, wenn die zum Minde en durch da« Stillschweigen der Prinzen ermutigten Jntriguen nicht mit letzteren verknüpft wären, so würde die gegenwärtige Frage nicht geftellt worden fein. Die Sicheret de« Lande« sei eine vollständige, aber man benutze die republikanischen Frei- lleiten um aufrührerische Versammlungen zu otganisiren und die Regierung an- .„greifen. Die Republik sei auf da« unwandelbare Recht der nationalen Souveränetät gegründet, sie müsse sich vertheidigen und bctiürfe der hierzu erforderlichen Gesetze. Die Sitzung wurde wegen Abspannung de« Conseilpräli- benten Falliere« aufgehoben und die Weiterberathung auf Donnerstag vertagt. _ Nach der Sitzung hatte Falliere« einen Ohnmachtsanfall, man befürchtet'' eine Gehirn-Congestton. . 3o. Januar. Nach dem Ohnmachtsanfall wurde der tzonfeilprasident tn dem für hie Minister resermrten Zimmer des Palais Bourdon von den unter hen Deputirten befindlichen Aerzten behandelt; Fullibres ruhte dort ungefähr eine Halde Stunde Der Ohnmachtsanfall wurde durch Ueberanstrengrrng der Nerven in golgt< von Schlaflosigkeit verurtackt. Der Zustand Fallibres erfordert absolute Ruhe, wird indeffen voraussichtlich keine weiteren nachtheiligen Folgen hoben. Fallidre« wurde, nachdem er sich wieder erholt, nach dem M Nlstenum des Innern geleitet. Man hofft, daß er der Sitzung am Donnerstag werde beiwohnen können- Telegraphische Depeschen. Wolffs tclegr. Corrcspondenr-Bureait. Berlin, 31. Zan. Der Senioren-Convent des Reichstags Hal beschlossen, erst nachdem der Etat, das Reliktengesetz und die Verordnung wegen giftiger Farben erledigt sind, zwischetl dem 12. und 15. Februar eine Vertagung des Reichstags eintreten zu lassen. Derselbe soll noch vor Ostern wieder zusamineu- trelen, wenn das Abgeordnetenhaus die Geschäfte so zeitig erledigt, daß noch (4 Tage bis Ostern übrig bleiben. — In der Steuer-Commission des Abgeordnetenhatlses ist gestern Abend keine Abstimmung erfolgt, doch dürfte auf den Wunsch der Regierung die vorläufige Aufstellung einer neuen Scala unterbleiben und dafür die von der Regierung vorgeschlagene Methode der Berechnungen als Grundlage acceptirt werden. Berlin, 31. Januar. Der Reichstag mmm m dritter Lesung ohne Debatte den Antrag Wölfel, betr. die Stimmzettel für öffentliche Wahlen an Ackermann begründet seinen Antrag den Meistern, welche nicht Mitglieder einer Innung sind, die Annahme von Lehrlingen zu untersagen. Baumvach erklärt sich gegen den Antrag als einen Anachronismus, Frhr. v. Hertling erklärt sich für den Antrag und weist darauf hm, daß die einsicht gen Elemente des Handwerkerstandes selbst nach einer korporativen Gliederung gerufen hätten. Nachdem Walther und Köst gegen, Lohren und v. Kleist- R'tzow für den Antrag gesprochen hatten, begann daS Haus sofort die zweite Berathung. Böttcher und Frohme sprachen sich alsdann noch gegen, o. Langwenh-Simmern für den Antrag aus, welcher schließlich tn nam-ntlicher Abstimmung mit 170 gegen 148 Stimmen abgelehnt wird. Morgen finde! b-e Interpellation wegen der Cimdrta- Affoire statt. Kassel, 31. Januar Die durch den Bergrutsch bei Albungen nothwendig gewordene Verlegung des Geleises der Bebra-Friedländer Bahn wird bis zum 5 Februar fertiggestellt und alsdann der regelmäßige Betrieb wieder eröffnet werden. London, 31. Januar. Nach einem Telegramm aus Durban, den 31. d. Mts., ist Cetewayo am Montag wieder als König des Zululandes eingesetzt worden. Shepstone verlas die Bedingungen bei Wiedereinsetzung, welche die Unzufriedenheit mehrerer Häuptlinge hervorriefen. — Wie der „Times" gemeldet wird, sind auch in Hamilton im englischen Ober-Kanada für die in Deutschland durch die Ueberschwemmungen (Geschädigten 1118 Dollars gesammelt worden. Vas Gutachten der Commission für Untersuchung der Beschwerde» gegen die Bhein-Begulirung. in. m. Darmstadt, 31. Januar. Die unter B. her Beschwerdcpunkte ausgestellte Behauptung, es sei das Strombett, bezw. das Fluthprofil des Rheines durch bauliche Anlagen verschiedener Art in nachthctllger Weise mehrfach beschränkt worden eifläct die Commission zwar für richtig, jedoch treffe diese Behauptung hauptsächlich solche Bauten deren Beseitigung zur Zeit entweder gar nicht mehr oder doch nur tn sehr beschränktem Maße noch mög- l ch fei, wie z. B- bei Mainz und Worms D-r von den Beschwerdeführern besonders betonten Ansicht, daß die zu Gunsten der Schifffahrt ausgeführten Buhnenarbeiten das Strombett nachtheilig beengen, müsse dagegen in dieser Allg-.meinhcit widersprochen werden; denn die vorgelegten älteren Profilaufnahmen, wie z. B- aus dem Jahre 1850, haben beim Vergleiche mit den neuerdings aufgenommenen Profilen erkennen lassen, wie die Wassertiefe tn dem durch die Buhnen eingeschränk.'en Stromlaufe meist so groß ist, daß der hieraus sich ergebende Zuwachs on Prosilfläche btn seitwärts längs der Ufer verbauten Oiierschnitts- flächen mehr oder weniger gUichkommt. Wenn hierdurch schon hinreichend >.achgewiesen sei, daß die allerdings vo-wiegend im Schifffahrttzint.resse ausgeführten Buhnenbauten den landwirthschaftlichen Interessen an und für sich nicht schädlich gewesen seien und deßhalb auch nicht zu beseitigen sein werden, so füge die Commission noch hinzu, daß es auch zur Herstellung des in der hessischen Stromstrecke vorhandenen guten Schifffahrtswegs em besseres Mittel, als die Beschränkung der Strombreite durch Einbauten, nicht gegeben und daß letztere zur Elhaltung des Schifffahrtswegs unbedingt bestehen bleiben müssen. Doch wird von der Commission anerkannt, daß die Höhe der vor- banbenen Werke das zulässige größte Maß — nämlich die Höhe des sog. Mittelwassers — zum Theil bereits erreicht hat und daß es nicht g.ra'hm sein würde, hierüber hinauszugehen, vielmehr die Höhe der Werke nach Möglichkeit noch niedriger, beziehungswetse noch unter Mittelwasser zu halten. Ausgenommen hiervon bleiben die Correctionswerke oberhalb des Durchstichs am sog OberBusch. Auch macht die Commiision darauf aufmerksam, daß mit Hülfe von Grundschwellen — d. h Querbauten unter der Normalsohle des Stromes — auf die Ausladung gleichmäßiger Profile mit Erfolg htngewirkt werden kann und daß auch im vorliegenden Falle, wo es sich darum handelt, btc Höhe der seitlichm Einschränkungsbauten thunl'chst niedrig m bemessen, die Durchbauung der normalwidrigen Tiefen mit Grundschwellen von zweckentsprechender Wirkung sein würde. Was die Weidenpflanzungen — und zwar in den Altrheinen und verlassenen Stromarmen sowohl wie auch auf den Strombauwerken und Alluvtonen — anlangt, so hält die Commission deren Beseitigung überall da für geboten, wo diese Pflanzungen das Stromprofil m nachtheiliger Weise beengen. Sie empfiehlt daher, daß die dieserhalb nötigen hydrotechnisch n Untersuchungen baldigst angestellt und je nach Ausfall derselben die schädlichen Weiden demnächst planmäßig in einer gewissen Reihe von Jahren besef gt werden Unbedingt ausgenommen von der Beseitigung sollen nach Ansicht der Commission jedoch alle diejenigen Pflanzungen fein, welche unmittelbar an den Ufern des Stromes und längs der Landdämme lediglich zu deren Schutz angelegt sind. Die Schutzvflanzungen an ben Ufern dürfen aber nicht aus Kopfweiden bestehen oder einzelne Kopfweiden enthalten- Was insbesondere die Weidenanlagen in den Altrheinen bei Lampertheim und Erfelden anlangt, >o werden dteselden, da sie außerhalb des Hauptstromes liegen, in Bezug auf die Größe des Fluthprofiles Sellens der Commission für durchaus unschädlich erachtet. „ e . Uebereuiftimmenb mit der empfohlenen Beseitigung, bezw. Beschränkung dervor- handenen Weidenanlagen hält die Comm ssion für erforderlich, daß auf dec außerhalb bet Beschlüsse der Re>chscommission liegenden Stromstrecke von Mainz auswärts künftig Reu Pflanzungen von Weiden vermieden, bezw- nur insoweit gestattet werden dürfen, als dieselben zur Befestigung der natürlichen Ufer des Stromes, oder zum Schutz der Landdämme dienen sollen und nachweisbar nützlich sind. Kopfweiden werden hierbei aber wiederum nur vor den Landdämmen zuzulassen sein. r , . Was schließlich solche Pflanzungen anlangt, welche behufs Verlandung von Buhnenfeldern ober Bcfist^ung von Sanvablaaerungen, oder an Strombauwerken nur einem vorübergehend«« strombaulichen Zwecke, bezw- sanitären Rücksichten dienen sollen, so hält die Commission derartige Pflanzungen selbstverständlich für zulässig, jedoch mit dem Volbehalte, daß es sich nur um d'e Beförderung von Verlandungen zwischen alten, bezw. zur Zeit bereits vorhandenen Werkcn handelte und daß die Weiden beseitigt werden, sobald der mit ihrer Hülfe verfolgte Zweck erreicht ist. Handelt es sich dagegen um die Anlage neuer Strombauivcrke, bezw- um deren künftige Verlandung, so werden diese Werke nach Ansicht der Commission Anfangs so niedrig gehalten und der hierdurch etntretenben Verlandung entsprechend allmälig so erhöht werden müssen, daß es der Anpflanzung von Weiden dchufs Beschleunigung und Verb-sserung der Verlandung nicht bedarf. Die Höhe der Verlandungen f Ibft darf nach Ansicht der Commission tn keinem Falle über die zur Bezeichnung des Mittelwassers angegebenen Pegelhöhen binausgehcn- Was blei bei spcciell die Strecke Mainz-Bintzen anlange, so gelten für diese wiederum die bezüglichen Beschlüsse der Reichscommission, nach welchen Ver- linbungen überhaupt nicht künstlich gefördert, bezw. möglichst niedrig gehalten werden sollen. ___________ Vermischtes. — Zu den Militärdienst Unteisuchungen schreibt man dem „Berl. Tagbl": Wie wir vor einigen Wochen berichteten, hatten sich bereits damals die Verhöre und Untersuchungen selbit über ganz Deutschland erstreckt, trotzdem soll das Material noch fort; wähl end von Tag zu Tag anwachsen. Der Hauptoermittler Gärtner ist inzwischen von Fra.ckiurt nach Colmar trantzportirt worden, da es dem dortigen Untersuchungs- r chter gelungen sein soll, das reichhaltigste Material zusammenzustellen. aber auch Straßburg und Mülhausen haben Haftbef hle gegen thn erlassen, io daß er wohl auf lange Zeit noch sitzen wird, da an allen Orten gegen thn das Verfahren anhängig ift- Cin-r feiner Söhne, August, war ebenfalls auf Requisition des Colmarer Gerichts verhaftet, da er dcnt augenscheinlich mit feinem Vater zusammengewirkt hatte, mußte jebed) w grn mangelnder Beweise oorlaufig mtlaffen werden, zumal er seine Entlassung gegen Coupon tn jeder Höhe beantragte. Man verlangte eine solche von 15 000 JL und b'c Axgehö-ig n oe>.suchten es, sie aufzudringen, wenigstens angeblich. Auf ver- sch ebene Bitten entließ man ihn beim gegen einen Betrag von 5000 Jt, der burch eine rasch aufgenommene Hypothek sofort gedeckt werden konnte, tfautn war er jedoch entlassen, als er fofoi t nach Frankfurt kam, seinen Rechtsanwalt gehörig informirte, die Seinen herzlich begrüßte--und dann verduftete und zwar unter Zurücklassung der Camion; er hatte sogar die Dreiftigteit, feine glückliche Ankunft in Paris persönlich telegrapl).|d) zu melden. Do t ist er jedenfalls sicher, da Frankreich wegen militärischer Vergehen nicht auSliefert. Anders steht die Sache mit dem Dr. Liebmann von Wiesbaden, dem früheren Oberstabsarzt, gegen den ebenfalls noch massenhaftes Material vorliegen soll Er ist, wie bekannt, in Italien. Nun hat vor Kurzem das auswärtige Amt zu Berlin unfern Gesandten tn Rom beauftragt, feine Auslieferung zu verlangen, jedoch nicht wegen Verletzung des Paragraphen über Bestrafung bei Entziehung der Wehrpflicht, refp. Thellnahme dazu, da Italien nach dem jüngsten Vertrage ebenfalls nicht ausliefern würde, sondern wegen Bestechung, da anzunehmen ist, daß er eben Aerzte direct bestach n hat. Seine Festnahme wird mit großen Schwierigkeiten verknüpft sein, da er in Italien anscheinend planlos umherreist und sich nur dorthin gewandt hat, um vor Bcstrafung sicher zu fein. — Von anderer Seite wird dem „Berl. Tagbl." zu diesen Vorgängen noch Folgendes gemeldet: Besonders stark compromittirt erschien schon zu Anfang der Mil'taruntersuchungen ein Arzt des 9. Armeecorps und zwar eines A tillerie-Regiments, dessen Stab in Schwerin tn Mecklenburg liegt. Wie wir nun erfahren, hat sich der Verdacht gegen den bet.essenden Herrn als völlig begründet h.rauSgestellt; es ist daher gegen ihn von Sellen des Generalcommandos gemachten Armeecoips die Einleitung der Untersuchung verfügt, er selbst aber bereits le-neS Dienstes durch Verfügung des commanoiienben Generals enthoben worden Er soll namentlich mit dem gelegentlich der Uniersuchungen im Elsaß und Frankfurt erwähntcu früheren Obeistabsarzt Dr. L- in Wiesbaden in Zu sammenhang gestanden und besonders in Kiel gdegentlid) des letzten Oberersatzgeschasts 'm Sommer vorigen Jahies h'er.ftroibrige Befreiungen vorgenommen haben, als er bei der Oberersatzcomm'fsion bienftiungirte. - Folgende Anzeige aus einem Tyroler Blatte dürfte auch in weitem Kreisen interefrtnn: „Unjoag Am 27. Jänner holtet mein Tochter, 's Goldbüchler Annele, mitn Brenner Hans ihre Hoachzeit. Weil r, a alter ungsessner Baur, des nuimodischc Gfras nit leibn kann, werd de Hoachzeit noch olter Sllt und Brauch kol n und moch i iatz derzua meine fruindlichste Jnloding. Olle Buabm und Mabler, Weibezer und Mander fein willkommen und daß mtar Plotz krod gnua hobm, hon i von die Stadt- linger die groaße Kurhausstuben z'leichn gnummen. I wer nor schun spater an Zettl unschlogn mochn mit der oQgcmuanen Jnthoaltng und Ordning; heunt war ler die Reid wegn an Gwond richtn. Meine Gast müaßn olle bäurisch kemmen. Der Gold- büchlerbaur." — sEin „Gewissensstich".^ Die Zunahme des Meineids, refp. der falschen Zeugenaussagen an den englisckcn Gerichtshöfen erinnert einen Zeitgenossen an eine kostbare Geschichte, auf welche Weise el> dänischer Colonial-Gerichtsdeamter in seinem Gerichtssprengel den Meineid hintanzuhalten wußte. Er sagte nichts von seiner Methode, allein einer feiner englischen Freunde, der mehreren Gerichtsverhandlungen detgewohnt, sad, daß jeder Zeuge, sobald er eine greifbare Lüge gesagt hatte, plötzlich in die Höhe sprang. Er erkundigte sich nach dem Grunde und der Mann der Gerechtigkeit entdeckte ihm das Geheimniß, nachdem er ihm strenge Discretion auf- getragen halte. „Meine Ordonanz steht hinter dem Zeugen", sagte er, „und wenn ich die Imke Hand an's Ohr führe, so bedeutet dies, daß die Aussage falsch ist, worauf er dem Zeugen mit einer bereit gehaltenen Stecknadel heimlich einen Stich versetzt." Dieser „Gewissensstich" tn so materieller Form zeigte sich in der That so wirkungs voll, daß der Beamte, der als allgemein geehrter Mann starb, innerhalb dreier Jahre die etwas zur Lüge geneigten Angehörigen seines Gerichtsbezirks tn ordentlich': und gesetzesachtende Menschen umwandelte, von denen er stets die Wahrheit e fuhr. — ^Zerschnittenes ©etl.]~ Der Seiltänzer Ringleb aus Wernüleben hat dieser Tage in Nordhausen das hohe Seil, welches seine Frau bestiegen, m't einem scharfen Messer durchschnitten, in der Hoffnung (!?), feine Frau würde dcn Hals brechen. Die Frau erlitt jedoch bei dem Sturze nur einen Armdruch. Der Uedelthätcr wollte sich der Lynchjustiz des aufgeregten Publikums durch die Flucht entziehen, wurde aber gerade noch ertappt, als er im Begriffe stand, sich zu erschießen. Derselbe wurde dingfest gemacht. Literarische-. sEine erfreuliche Reform.^ Die Verlagshandlung S. Schottlaender zu Breslau steht im Begriff, in die Deutsche belletristische Literatur eine Neuerung einzuführen, welche van den Autoren mit großer Begeisterung begrüßt worden ist und jedenfalls auch bei dem gesammten lesenden Publikum den lebhaftesten Anklang finden wird. Sie gibt nämlich in einem neuen Unternehmen, unter dem Gefarnrnttitel „Drei Mark Bibliothek", die neuesten Werke der hervorragendsten und beliebtesten Roman- und Novellendichier: Heinrich Laube, Adolf Wilbrandt, Felix Dahn, Alfred Meißner, Ernst Wichert, Wilhelm Jensen, Paul Lindau, Rudolf Lindau, Karl Braun- Wiesbaden, Ernst von Wildenbruch, Luise Ernesti, Levin Schücking, Eufemia Gräfin Bellestrem, Elise Polko, C. Schröder rc. pro Band zu dem billigen Preise von 3 Mark in elegantem Original-Einbande heraus, wobei also die so oft als Muster gerühmte Billigkeit der französischen Romanliteratur mit englischem Comfort verbunden zur Geltung kommt und jeder Käufer Gelegenheit erhält, sich ohne Mühe selbst mit geringen Mitteln eine eigene, geschmackvolle Haus-Bibliothek anzulegcn. Hoffentlich wird diese I 1 rt Wie < unb Unter; lll S SW^inio ***** , w i«lf4,n rMflB «» «* ’ . feint«1 S * leoh -170" X$ 7 ,65 2E •Q*q XX 20 — eG X H <9* 20'— *=•€$. 5/- & r: isyc X $ — 90 X ^)\X 9*68 7 83 70 85 Montag den 5. Februar l. I., Vormittags 9 Uhr, wllen im alten Rathhaussaale versteigert werden: Cementlieferg., veranschl. zu 196,— <, Maurerarbeit, „ „ 1709,94 Steinhauerarbeit, „ „ 5809,15 Schlosserarbeit, „ „ 292,55 Pflästererarbeit, „ „ 765,13 Basaltsteinlieferg., „ „ 96,— Rührleistungen, „ „ 346,— Ehaussirarbeit, „ „ 279,30 Planirarbeit, „ „ 440,— Gießen, den 30. Januar 1883. Großh. Bürgermeisterei Gießen. '>69 A. Bramm. 4L n n fi ft ii n ii ii Holzverfteigerung im Gießener Stadtwald. Atoutag den 5 und Dienstag den 6. Febrnar 1883, jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in den Distrikten Strangswiese und Bruderwinter, nachverzeichnetes Holz versteigert werden; 9 Eichen-Stämme mit 3,14 Fstm., 1792 Kiefern- „ „ 870 ^stm., von 20—58 (Um. Durchmesser (darunter eine Parthie Schneide- Hölzer), 11 Eichen-Stämme mit 1,35 Mm., 66 Nadel-Stangen mit 3,31 Fstm. Die Zusammenkunft ist auf der Kreisstraße zwischen Annerod und Steinbach an der Strangswiese. Gießen, den 27. Januar 1883. Graßherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 626 A. Bramm. Allgemeiner Anzeiger. Nutzholz-Berwerthung. In den Districten Faulerboden und Zollstockswäldchen des Gießener Stadtwaldes sollen 925 Eiclienstämme von 21—58 Ctm. Durchmeffer und zusammen 361,69 Festmeter Inhalt im Submisstonsweg mit 6monatlichem Zahluugsausstand gegen Bürgschaft ver- werthet werden und sind desfallsige Offerten bis zum 14. Februar 1883 bei der unterzeichneten Stelle einzureichen, deren Eröffnung am 15. Februar er., Bormittags 11 Uhr, erfolgt. Es wird bemerkt, daß sich unter den Stämmen Schnitt- und Grubenhölzer befinden, daß das Holz in der Nähe von Chausseen liegt und daß die Forstmarte Brück in Rödgen und Schlag in Hausen angewiesen sind, das Holz auf Verlangen vorzuzeigen. Gießen, den 28. Januar 1883. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. <653 - A. Bramm. Iagdverpachlmlg. Donnerstag den 8. Februar ds- Js, Nachmittags 3 Uhr, soll die der Gemeinde Geilshausen zull ehende Ield- und Waldjagd, circa >390 Morgen groß, auf dem Bureau der unterzeichneten Bürgermeisterei auf ?jeitere 6 Jahre verpachtet werden. Geilshausen, den 30. Januar 1883. ->roßh. Bürgermeisterei Geilshausen. 716 Wagner. Holzverfteigerung. In den - Staufenberger Gemeinde- maldpngen, District Mühlwald, Lahnkops, Birken und Strackeloh, kommen zur Versteigerung: a) Brennholz. Dienstag den 6. Februar: 106 Rmtr. Buchen-Scheit, 38 „ Eichen- „ 18 „ Nadel- „ 12 „ Aspe- „ 70 „ Buchen-Knüppel, 64 „ Eichen- „ 12 „ Nadel- „ 34 „ Aspen- „ 4000 Wellen Buchen-Reisholz, 1950 „ Eichen- „ 2270 „ Radel- 78 Rmtr. Buchen-, Eichen- u. Nadel- Stöcke. b) Bau- und Nutzholz. Mittwoch den 7. Februar: 120 Eichen-Stämme bis zu 12 Mir. Länge und 71 Ctm. Durchmesser mit 25,22 Fstm., 111 Nadel-Stämme bis zu 16 Mtr. Länge und 54 Ctm. Durchlneffer mit 44,46 Fstm., 44 Eichen-Stangen mit 1,39 Fstm., 533 Fichten - Derbstangen mit 34,53 Festmtr., 6779 Fichten-ReiSstangenm.45,82Fm. Der jedesmalige Anfang ist Vormittags 9 Uhr im District Mühlwald an der Main-Weser-Bahn. Staufenberg, den 29. Januar 1883. Großh. Bürgermeisterei Staufenberg. 714 Vogel. Frritag den 16. Mär;, Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgcricht die Hof- raithe der -h-rtedrich (tiraf Kinder Flur XXX1V/581, 94 Mtr. Hofraithe am 7to, 119 Mtr. XX xiv/595s/to» 326Mtr. Garten das. meistbietend versteigert werden. Gießen, den 29. Iannar 1883. Großherzogliches Ortsgericht. 715 Müller. Holzverfteigerung ' in der fürstlichen Oberförsterei Lich Im District „Höler" soll nachverzeichnetes Hotz versteigert werden: Montag den 5 Februar: Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter. Wellen. Buchen 153 375 197 5710 Eichen — 30 9 200 Hierunter 6 Rmtr. Buchen-Werk- scheitholz. Dienstag den 6. Februar: 27 Eichen-Stämme mit 5,87 Cbm., 15 Buchen- „ „ 14,89 „ 8 Fichten- „ „ 6,80 „ 55 Kiefern- „ „17,78 „ 76 Eichen- und Hainbuchen-Stangen mit 4,90 Cbm. und 7509 Fichten-Stangen von'2—9 Ctm. Durchmeffer und 3 — 10 Mir. Länge, zu Bohnenstangen, Hopfenstangen , Rüstreiteln, Leiterbäumen 2C. geeignet. Zusammenkunft jedesmal M o r g e n s 10 Uhr auf der Hauptschneise an der Garbenteiche». Grenze. Lich, den 27. Januar 1883. 643 Wimmenauer. Freitag ör? 2 Februar 1883t Nachmittags 2 Uhr, werden in her 91 ett'sehenHofraithe dahier 1 Wanduhr, 2 Nachttischchen, 2 Kommoden, 2 Sophas, 1 runder Tisch, 1 Küchenschrank und sonstige Gegenstände öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 31. Januar 1883. Bauer, 732 Großh. Gerichtsvollzieher. Kengebotenes. 730 Eine neuer Vollwagen und ein Handwägel^cd verkauft AK Wunder, Wagner, Molkengasse. Apfelsinen g in schönster Frucht empfiehlt bMgst Gy. IVilh. Weidig< Salz von der Großherzogl. Saline Bad-Nauheim aus gradirter Soole dargestellt, ausgezeichnet durch seine Schärfe und Leichtlöslichkeit, Kochsalz, Viehsalz, Badesalz, Eissalz, Mutterlauge, letztere in Salinenkannen, alles bester Qualität^ wie allgemein anerkannr, ist stets vorräthig und zu den billigsten Preisen zu beziehen bei Herrn Kaufmann J- €1. D. Bapnt auf dem Markt in Gießen. Grossh. Salinen- und Bergamt 52 Bad-Nauheim. Ballstdnhe in den neuesten Arten billigst bei 668 Wilh. Herbert. Ber