srr. 100. Zweites Blatt. Sonntag den 30. April 1882. euer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. SMireatt: Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlcchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pst Wochenschau. Gießen, 29. April. Der Kaiser, welchem der Aufenthalt in Wiesbaden ausgezeichnet bekommen ist, wird bereits in den ersten Tagen des Mai wieder in Berlin eintreffen, um den Uebungen der Garde bei Berlin und Potsdam beizuwohnen. Um dieselbe Zeit etwa gedenkt auch die Kaiserin Wiesbaden zu verlassen, um sich, wie alljährlich, nach Baden-Baden zu begeben. Mit der am 27. April erfolgten (Eröffnung der Frühjahrs- Session des Reichstages beginnt in Hinblick auf die den Reichstag diesmal erwartenden Aufgaben ein neuer wichtiger Abschnitt in der parlamentarischen Geschichte des deutschen Reiches. Vor Alleni ist es die unsere Nation bis in ihre innersten Tiefen aufregende Frage des Tabakinonopols, welche in dieser Session entschieden werden soll; wenn indessen auch der Reichstag in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung das Monopol ablehnen sollte, wie kaum anders zu erwarten ist, so wird dieser Gegenstano dennoch nicht von der politischen Tagesordnung verschwinden, wenigstens soll Fürst Bismarck geäußert haben, er würde auch im Falle der Ablehnung das Monopol dem nächsten Reichstage wieder unterbreiten. Gleichzeitig soll unser leitender Staatsmann aber auch erklärt haben, er denke nicht daran, bei der eventuellen Ablehnung des Tabakmonopols zur ultima ratio, zur Auflösung des Reichstages, zu greifen. Der Reichstag wird demnach ruhig die feiner fonst noch harrenden Aufgaben, in erster Linie auch die übrigen socialpolitischen Gesetzentwürfe der Reichsregierung, erledigen und hoffentlich einer befriedigenden Lösung entgegenführen können. Der bayerische Landtag bot während seiner ganzen Sitzungsperiode das eigenthüniliche Schauspiel dar, daß beide Kammern meist sich direct entgegenlaufende Beschlüsse faßten. Dieses Schauspiel wiederholte sich am Mittwoch in der Abgeordnetenkammer, indem die Kammer sämmtliche von der Reichsrathskammer wieder eingestellten Positionen in den Etats sämmtlicher Ministerien, sowie alle Dispositionsfonds und den Namens des Gesammt- Ministeriums gemachten Vorschlag des Finanzministers, die Summe aller Dispositionsfonds (45,000 als „Unterstützungen" in den Staatshaushalts-Etat einzusetzen, ablehnte. Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, sind die Verhandlungen der badischen Negierung mit dem päpstlichen Stuhle über die Besetzung des Erz- bisthums Freiburg zum Abschluß gelangt. Als designirter Bischof gilt bekanntlich Bisthumsverweser Dr. Orbin. Die österreichische Regierung muß es sich nun doch gefallen lassen, daß ihr von dem verlangten Occupations-Kredit von 23V? Mill. Gulden ca. 2 Millionen abgezwackt werden. In der am Mittwoch stattgefundenen ge- meinsamen Sitzung beider Delegationen wurde der geringere Kredit für die Truppen in den occupirten Provinzen nach dem Befchlusse der ungarischen Delegation mit 59 gegen 45 Stimmen angenommen. Praktisch hat es jedoch keine Bedeutung, daß noch ein Abstrich von 2,083,000 Gulden vorgenommen wurde, denn was man jetzt verweigert, wird man im Herbst — und vielleicht noch inehr — bewilligen müssen. In Frankreich haben wieder die ersten Regungen des seit den Oster- tagen eingeschlummerten parlamentarischen Lebens begonnen. Am Mittwoch ist die Armee-Commission unter dem Vorsitze Gambetta's wieder zummengetreten. Da sich jedoch nur 12 Mitglieder eingefunden, so vertagte Gambetta die Verhandlungen der Commission bis Sonnabend den 29. April. Wie wenig geneigt die englische Regierung ist, die Saiten gegenüber Irland straffer anzuziehen, geht aus den Erklärungen hervor, welche der Premier Gladstone am Mittwoch im Unterhause bezüglich der irischen Landacte abgab. Das Unterhausmitglied Redmond hatte die zweite Lesung der Novelle zur irischen Landacte beantragt, wobei er betonte, daß die Nothmendig- keit, letztere zu amendiren, jetzt allseitig anerkannt werde. Dem gegenüber erwiderte Gladstone, daß er die zweite Lesung nicht unterstützen könne, da die Regierung der Ansicht sei, daß jede Störung der Wirksamkeit der irischen Landacte unerwünscht sei. Die Frage der Pachtrückstände erheische eine praktische Erwägung, den Ankauf von Pachtgütern durch die Pächter gedenke die Regie- rung zu befördern. Die Landbill fei der erste Hoffnungsstrahl in den dunkeln Zuständen Irlands; obwohl er (Gladstone) nicht im Geringsten an der Macht des Reiches zweifle, so glaube er doch, daß Zwang dem Geiste der Verfassung gänzlich fremd fei. Leiöer zeigt nur der Gang der Ereignisse in Irland, daß die englische Regierung ohne „Zwang" den Iren gegenüber stets ohnmächtig bleiben wird. Die furchtbaren Einzelheiten, welche jetzt über die an den Juden in dem rufsischen Städtchen Balta begangenen Grausamkeiten bekannt werden, haben in der ganzen civilistrten Welt von Neuem Entrüstung hervorgerufen. Allgemein beschuldigt man den Minister des Innern, Graf Jgnatieff, daß er durch seine Maßregeln gegen die Juden indirect der Urheber dieser abermaligen emporflammenden Bewegung gegen die Juden in Rußland sei. Begreiflicher Weise hat sich der jüdischen Bevölkerung in Warschau, Kiew, Odessa, Cherson u. s. w. eine große Panik bemächtigt und eine MaffenauS- wanderung derselben erscheint nicht unmöglich. In den zwischen oen beiden dänischen Kammern bezüglich des Budgets schwebenden Differenzen scheint ein Ausgleich bevorzustehen. Von beiden Kammern war in dieser Angelegenheit ein gemeinsamer Allsschuß eingesetzt worden, in welchem die Rechte in Bezug auf einen Punkt ihre bisherige Stellung | aufgab und den Antrag der Linken bezüglich der zeitweiligen Gehaltszulagen an die Beamten annahm. Es soll Hoffnung auf eine Verständigung auch in den andern streitigen Punkten vorhanden sein. In dem unglücklichen Peru soll, Nachrichten aus Lima zufolge, der Bürgerkrieg noch immer fort wüthen. Es haben sich aus den Anhängern des ehemaligen Dictators Pierola eine Menge Banden gebildet, welche sowohl den Krieg mit den Chilenen sortführen, als sich gegenseitig aufs Heftigste bekämpfen. Wann wird in jene von der Natur doch so reich gesegneten Gefilde einmal der Frieden wiederkehren? — lieber die in Salta iSüdrußland) wider die Juden verübten Excesse schreibt ein Berichterstatter der „Polst. Corresp " aus genannter Stadt, 18. April: Ich schreibe Ihnen diese Zellen so zu sagen auf den Trümmern der Stadt, denn das jüngst noch so blühende Balta sieht furchtbar aus. Die sämmtlichen von Juden bewohnt gewesenen Häuser sind zerstört und da wir unter den 13,000 Einwohnern 10,000 Juden zählten, können Sie ermessen, daß nahezu vier Fünftheile von Balta in Trümmern liegen. Jetzt, da sich beinahe kein Jude mehr in Balta befindet — sie haben sich theils nach Odessa theils in die Umgegend von Balta geflüchtet — rückt das Militär zum Schutze der Juden in Massen heran und Polizei und Gericht entwickeln ihre vollste Thätigkest. Seit einigen Tagen wirk n der Odessaer Procurcstor Arystow und Oberst Burcigo, den der General-Gouverneur Gurko aus Odessa hierher entsandt hat, in Balta und nehmen Erhebungen über die blutigen Greuel vor, deren Schauplatz das unglückliche Balta in der Osterwoche gewesen ist. Erlassen Sie mir, Ihnen ein Bild der schreckensvollen Tage vorzusühren, die wir hier verlebt haben, ich bin in der That unfähig dazu, denn noch beben alle meine Nerven unter dem Eindrücke der furchtbar gräßlichen ©eenen, die sich unter unfern Augen abgespielt, ohne daß es uns möglich gewesen wäre, sie hintanzuhalten. Die ersten gegen die jüdischen Bewohner unserer Stadt gerichteten Angriffe des russischen Pöbels begannen am Ostersonnabende und es wäre gewiß den Juden selbst gelungen, sie erfolgreich abzuwehren, hätte unser Polizekmeister In seinem allerdings anerkennenswerthen Willen, den Juden zu helfen, nicht die Gemeindevorsteher der Umgebung von Balta durch reitende Sendboten aufgefordert, der bedrängten Bevölkerung der Stadt zu Hilfe zu kommen. Kaum war die Nachricht von dem Beginne der Judenhetze in den die Stadt Balta umgebenden Gemeinden verbreitet, als auch schon deren Insassen in Hellen Hausen heranzogen, große Wagen mitführend, um mittelst derselben die geplünderte Habe der Juden in Sicherheit zu bringen. Am Montag Miitag begann das Plündern und Würgen und dauerte ohne Unterbrechung bis zum Freitag fort; erst das Einrücken des Militärs machte dem haarsträubenden, entsetzlichen Rauben, Sengen und Morden ein Ende. Es ist conftatirt, daß etwa vierzig der Unglücklichen theils von den Vandalen gemordet, theils lebend in die Flammen der brennenden Häuser geworfen worden sind; an 300 Personen, darunter viele Weiber und Kinder liegen schwer verwundet darnieder, eine große Zahl der Verwundeten wurde in den Spitäl-rn von Odessa untergebracht. Täglich langen Waggons m't Lebensmitteln aus Odessa hier an, allein die Unglücklichen, für die bie>e Sendungen bestimmt sind, irren obdachlos in der Umgebung der Stadt, dem gräßlichsten Elende überliefert, umher und sind nur schwer zur Rückkehr in die Stadt zu bewegen. Gegen den Kohlweißling. Allgemein bekannt sind die Kohlraupen und ihr beträchtlicher Schaden, den sie den verschiedenen Brassica-Arten zufügen, indem sie deren Blätter zerfressen und ffelettiren, die Pflanzen beschmutzen und verderben. Diese Raupen entstehen vom großen Kohlweißling, Pieris brassicae. Die Ober feite seiner 4 Flügel ist milchweiß mit breiter, schwarzer Spitze und 2 großen, schwarzen Flecken auf der Mitte, die dem kleineren Männchen fehlen. Die Unterseite ist gelb bestäubt. Die Raupe ist 16füßig, grünlich gelb mit größeren oder kleineren schwarzen Punkten bestreut. (Vgl. Entomologie für Gärtner rc. von Dr. Taschenberg S. 199. — Letm.s Synopsis I. S. 243.) Die ersten Schmetterlinge — Frühjahrs-Generation — erscheinen Anfangs Mai bis Mitte Juni in geringer Anzahl, denn sie fallen selten auf, und legen dann ihre Eier an wildwachsende Cruciferen (Kreuzblümler, Schotengewächse), Hederich, Ackersenf (Sinapis arvensis), Rauke, Leindotter, Thurmkraut (Tumtis), Schaumkraut, Wasserkresse, Senskraut (Erysimum barbarea) rc. Die Nachkommen — zweite Generation — fliegen im Juli bi§ j@nbe September in desto größerer Anzahl und greifen dann die nutzbarsten Kohlgewächse: Gemüsekohl (Grünkohl), Kopfkohl (Weiß- und Rothkohl), Wirsingkohl, Blumenkohl rc. an. Wenn nun auch diese Raupen in großer Anzahl (nach Oken^ kommen von 100 Raupen kaum 10 als Puppen gesund durch den Winter) von Schlupfwespen, namentlich von Mikrogaster glomeratus angestochen werden, worauf deren Larven ost zu 20 Stück den Fettkörper der Raupen verzehren und diese dadurch umkommen, so find doch in manchen Jahren und Gegenden die Kohlraupen in Gärten und Feldern so häufig und verderblich, daß es dann kaum gerathen erscheint, jenes Gemüse anzu- pflanzen. Der kleine Weißling (Pieris rapae) ist weniger schädlich, geht zuweilen an Levkoyen, Reseda rc. „ ± Das Aufsuchen und Zerdrücken der gelblichen auf der Unterseite der Blatter sitzenden Raupeneier ist wenig lohnend, man findet sie nicht leicht — ba§ älbraupen, als zu mühsam und zeitraubend, unterbleibt meistens, und stch aur 'Wohlwollen der Sperlinge verlassen und zu erwarten, daß diese die Raupen vom Kohl ablesen, in eine Selbsttäuschung, die regelmäßig 'm Stiche läßt. Denn diese Vogel stnd wie der starke kegelförmige Schnabel, der fleischige Magen und betonders besten 3nbalt beroei en, vorzugsweise Körnersresser, weniger Jnsectenvertilger (Bestätigt nach gesihehener öffentlicher Untersuchung des Inhalts zahlreicher Sperlingsmagen in der Sitzung des Land- wirthschaftl. V-rems in Jüterbog — Juni 1876 — desgleichen in der XII. Plenarsitzung des sächsischen Landeskulturraths m Dresden; desgl^vom berühmten Pomolo^n Oderdieck in Jeinsen und durch die Klagen der Garten-, Lceld. und>22 nhTgSbWr in Neuholland und jetzt auch in Amerika über den Schaden di.ser Fremdlinge. 4-ie <8dfler®'bIe*tna1fÖCilur Übrifl, sich fdMt non feinen SnWeinben zu befreien und tne $6Cie'iK ‘“i ”Sm'879 enlr,w-n“fi» in 3 r. ter b o g 15 ©artenb,filier mit her Beruflichen- K SmShW für 30 getöMete eingelieferle »obtmeiBtinge 10 Pfenniae^f mblen Es wmdeii 10 050 solcher Schmetterlinge abgehefert, und da jedes Weibchen" derselben ca 200 Eier legt, so sind, wenn man die Halste als Männchen in Abrua brinat ca 502 500 Raupen hier weniger entstanden. Im Dmchschniti hatte jeder de? bÄSenXtenfreunbe für dielen Zweck 2,or toarf nerauSgabt. In, folgenden Jahre hatte der Kohlraupenfraß sich schon tebtbar vermindert. Zweckmäßiger, wie man nachher einsah. wäre es gewesen, wenn man die ersten im Mm und ^unt etiuln fliegenden Schmettert nge hätte fangen lassen und etwa für 90 Ktück 10 Pfg. bezahlt hätte. Denn diese zuerst erscheinenden Schmetterlinge legen den Grund zu den zahlreich fliegenden Nachkommen - der Nachsommer- oder Herdst- Generation - und verursacht den Hauptschaden an den nun großer gewordenen Kohl- rt/mfiAfen ^ür die noch 'M August und September fliegenden Schmetterlinge würde mTn^nabcifK gern noch für 50 getödtete Sch-netterlmge 10 Psg. zahlen können. Tausende ^von Thalern werden oft genug durch menschlichen Hochmuth und Eitelkeit nicktsnuNend weggeworfen; man kann doch auch wohl arme Kinder für ihre nutzen- schaffende Müde ein Paar Groschen verdienen lassen. . lajanciivt hat die Königl. Polizei-Direction die L>ache m die Hand genommen. mnfh hmn Bekanntmachung sind für das Abliefern von Kohlweißling-Puppen und S»m.mMng,n G-"p°Smi-n und zwar für 10 Puppm (di° aber „tot Mch, ,u finden «BfA für je 10 weibliche Weißlinge 8 Pfg. und je 10 männliche 4 Psg. gezahlt. Die lrmvsan'anahme der Puppen und Schmetterlinge und die Auszahlung der Prämien batten ^inchrer^e der dortigen Herren, bei denen das Abliefern täglich mit Ausnahme d?r Sonn und Festtage geschehen konnte, bereitwillig übernommen. An bedürftige Knaben wurden Fangnetze unentgeltlich abgegeben. Der Osnabrücker Gartenbau-Verein zahlt zur Verminderung derKohlraupen- vlaae 10 Pfa für je 100 Kohlweißlinge. Im Jahre 1880 hat er gegen 60,000 Sckmetterlinge zu bezahlen gehabt. Dafür litt aber auch die Umgebung weniger von diesem Ungeziefer. (Vgl. General-Anzeiger von Beruh. Freyer in Leipzig, 10. Marz 4QQ4 101 möchte doch dies Verfahren durch gemeinsames Bestreben allgemeinere Nach- obmuna finden' - Daß der Mensch Herr eines schädlichen Jnsccts werden kann, bemeiit das jetzt nur noch seltene Vorkommen des Baumweißlings (Pontia crataegi), deren Raupen sich in kleinen Raupcnnestern einspinnen, die nebst den großen des Goldafters (Liparis chrysorrhoea) auf obrigkeitliche Anordnung Ende Marz von den Baumen entfernt ^hensmittel vermehrt, hat Anspruch auf die Dankbarkeit der Menschen. Denn der Magen ist der mächtigste Gebieter, dem Alles, was da lebt, willig gehorcht und der seinen Tribut rücksichtslos einfordert. Die physischen Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Herzens halten den Bau der menschlichen Gesellschaft zusammen. sli.-rbog, R-gi«ungs-v.-,rk Potsdam. g de<-er, I M. L-hr-r. Vermischte-. Mainz 25. April. Die Hebemaschine zur Herausnahme der Pfeiler der ehc- mal gen römischen Brücke wurde gestern Nachmittag, nachdem dieselbe den ganzen Winter in Ruhe gestanden, wieder in Thätlgke.t gesetzt. - Wie schon erwähnt, nndet in den Tagen vom 28. bis 30. Mai ds. Js. die Generalversammlung der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in unseren Mauern statt. Es ist das erste Mal seit dem Bestehen dieser so überaus menschenfreundlich und segensreich wirkenden Gesellschaft daß sie ihre Versammlung in einer Binnenstadt, weit von den Stätten ihrer praktischen Thätigkeff, abhält — gewiß eine hohe Ehre für unsere Stadt. - Sämmtliche Arbeiter der hiesigen Möbelfabrik von Bembe haben geflern Nachmittag Strike gemacht, nachdem die mit den jetzigen Besitzern oes Etablissements Natt- gehabten Verhandlungen wegen Erhöhung der Löhne nicht zu dem gewünschten Erfolge gefühit^hatttm Schweriner Brandstätte glimmt es noch immer fort. Am Sonnabend wurden sämmtliche Schornsteine der Theaterruine eingelegt. Die Gluth zwischen dem Schutt ist noch jetzt stellenweise so stark, daß eine Spritze häufig in Thatigkeit gesetzt werden muß. Beim Forträumen des Schuttes sind merkwürdiger Weise verschiedene geschmolzene Geldmünzen zu Tage gefördert, ferner ein glatter goldener Trauring m«t den Buchstaben T. U. und der Jahreszahl 1867 und, was sehr wunderbar erscheint, ein völlig unversehrter Brief. — Wie verlautet, wird in Schwerin zunächst ein Interims-Theater und sodann der Neubau des Schau,pielhauses auf der alten Stelle, wenn auch mit manchen Modificationen, intendirt. Berlin. sDas historische Merkbuch des Kaisers ] Unser Kaiser blickt auf ein so überaus langes Leben zurück, wie es nur wenig Sterblichen gegeben ist. Es dürste wohl kein Tag im Jahr sein, der in dem Leben des greifen Monarchen nicht ein wichtiges, denkwürdiges Ereigniß bezeichnet. Um sich an den betreffenden Gedenktagen all' diese Ereignisse frisch in die Erinnerung zurückzurufen, Hai sich der Kaiser nach seinen genauen Angaben ein historisches Merkbuch anfertigen lassen, welches für jeden Tag des Jahres ein Blatt enthält Ja Blockform liegt dieses Merkbuch auf dem großen Lesepult des Kaisers in dem nach dem Opernhause zu gelegenen Zimmer des königlichen Palais. Auf jedem einzelnen dieser 365 Blätter sind die betreffenden Ereignisse aus dem Leben des Monarchen verzeichnet und an jedem Morgen wird das Blatt des betreffenden Datums zu oberit gelegt. Niemals versäumt der Kaiser, dieses Gedenkblatt genau duichzulesen. Das Merkbuch begleitet den Kaffer stets auf allen seinen Reisen. Für den Geschichtssckreiber werden diese authentischen Aufzeichnungen dereinst ein hochinteressantes Material bilden. Wiesbaden, 21. April. Eine nicht alltägliche Schöffengerichtsverhandlung hat gestern hier stattgefuriden. Angeklagt war der Pfarrer Molzberger von Frauenstein und die Kläger waren 4 Mitglieder des Kirchenvorstandes, die ersterer in der Weise beleidigt haben sollte, daß er nach Beendigung der Hochamtspredigt von der Kanzel herab nachstehende Bekanntmachung vor versammelter Gemeinde erließ: „Es hat Jemand einen Stein in meinen Garten geworfen und das war ein Mitglied des Kirchenvorstandes. Den Stein kann ich nicht gebrauchen; derjenige, welcher ihn warf, mag ihn sich zuiückholen. Und dann, erregter werdend, setzte er noch hinzu: „(Sin Mann, ein Kirchenvorsteher! Ich nenne sie gemeine Hunde, Hunde, die der göttliche Heiland als das niedrigste Thier angegeben. Sie sind schlimmer als die Bären, die sich niederlegen, wenn sie satt sind!" S>lbstverständlich erregte diese Auslassung allgemeinen Unwillen unter den Ktrchenbesuchern, und wenn auch während der Verhandlung unter Eid versichert wurde, einer der Kläger habe wirklich einen Stein nach dem Pfarrhause geschleudert und bei einer zweiten Gelegenheit sei ein Stern in das Zimmer geflogen, in welchem der Geistliche sich aufgehalten, so glaubte doch der Gerichtshof, daß die Art und Weise der Auslassungen eine Geldbuße von 100 Mark und Publikation dieses Urtheils verdiene. Mannheim, 26. April. Einige Minuten vor 12 Uhr brach in dcn Speicherräumen des sogen. Zeughauses, eines alten monumentalen Gebäudes, dessen oberer und unterer Stock als Aufbewahrungsort von Mont'rungsstücken und Materialien dient, Feuer ans. In der zweiten und dritten Etage befinden sich die Caserwrnngs- Räume, aus denen sofort die Ausrüstungs-Gegenstände, Betten, Kleider, herausgeschafft wurden, doch blieben gerade diese Räume vollständig intact. Das Feuer verbreitete sich mit rasender Eile über die ganze Ausdehnung des mit den särnmtlichen Ersatz - garnituren des 2. bad. Jnfant.-Reg. Nr. 110 angefüllten Speichers und zerstörte die gefammten Vorräthe, welche einen immensen Werth (man spricht von ca. 800,000 X) repräfenttren. Das Gebäude selbst ist außerordentlich massiv und konnte der Brand daher nicht weiter nach unten um sich greifen; die Speicherräume waren alsbald zusammengebrannt und als der Dachstuhl eingestürzt war, wurde man des Feuers bald Herr. Die Feuerwehr mußte sich hauptsächlich auf den Schutz der Nachbargebäude beschränken, die bei dem starken Wind ernstlich bedroht erschienen. Bei der strengen Dtscipliu, die in Bezug auf den Aufenthalt in den niedergebrannien Montirungskammern mit Feuer und Licht stets beobachtet zu werden pflegt, erscheint die Entstehung des Brandes vollständig räthselhaft und hat man hierüber bis jetzt nur Vermuthungen. — Von Dr. Anton Stecker ist ein Brief aus Makale in Abessinien, batirt vom 23. November 1881, in Berlin eingetroffen, worin er meldet, daß er mit Erlaubniß des Negus Johannes feine Reise nach Enarea, Gera und Kaffa angetreten und von demselben Empfehlungsbriefe an den Negus Tekla Haimanot von Godscham, die Königin von Gera und den Sultan von Kaffa erhalten habe. Ausdrücklich erklärte der Negus, er ließe ihn, Stecker, nur ziehen, um damit Deutschland einen Gefallen zu erweisen; nie würde er einem andern erlauben, die entlegenen Kaffa-Länder zu besuchen. Wenn möglich, soll der Sultan von Kaffa, welcher, ebenso wie die Königin von Gera, kurz zuvor durch eine große Gesandtschaft Geschenke geschickt und seine Unterwerfung hatte erklären lassen, den Reisenden bis nach Zanzibar schaffen, eine Reffe, deren Dauer Dr. Stecker auf mindestens 1 bis l*/2 Jahre veranschlagt. Zunächst stehen von demselben ausführliche Berichte über feine frühere Reffe nach Zabnl, den Aufenthalt dort, die Reise nach Makale u f. w. in Aussicht. (Globus.) Thüringen. Wie die „Gothaer Zig " meldet, kam kürzlich vor einer Thüringer Strafkammer etn Fall zur Verhandlung, der zur Vorsicht beim Verkauf von Käse mahnt, weshalb wir denselben im Interesse von Kaufleuten, Händlern rc. mittheilen wollen. Ein Kaufmann verkaufte für 15 Pfg. ein stück Schweizerkäse. Er hatte einen krustigen angelaufenen Rest jener Käsesorte zur Hand und als Entschädigung für die geringe Qualität dieser Waare wog er dem Käufer sehr reichlich und glaubte dadurch einen Ausgleich zwischen Geld und Waare hergestellt zu haben. Dem war aber nicht so. Der Käufer ließ den Käse durch Vermittelung der Polizei mikroskopisch untersuchen, wobei sich herausstellte, daß fick an dem Käse zahlreiche Käsemilben und Käsemilben- eter befanden Gegen den Verkäufer wurde Strafantrag gestellt und es erfolgte ferne Verurtheilung wegen Uebertretung des § 367, Ziffer 7 des Strafgesetzbuchs in 10 X Geldstrafe und die säminttichen Kosten, wobei ihm noch zu statten kam, daß er die Gcsundheitsschädlichkeit jenes verkauften Stückes Käse nicht gekannt hatte. Hätte er von derselben Kenntniß gehabt, so würde er auf Grund des Nahrungsmittelgesetzes in eine höhere Strafe genommen worden sein — Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen-und Stahl- industrieller belief sich die Robeisenproduction des deutschen Reichs (einschließlich Luxemburgs« im März 1882 auf 256 437 Tonnen, darunter 164 624 Tonnen Puddelroheisen, 10 707 Tonnen Spiegeleifen, 57 025 Tonnen Bessemer und 18 582 Tonnen Gießereiroheisen. Die Production im Marz 1881 betrug 234 892 Tonnen. Dom 1- Januar bis 31. März 1882 wurden probucirt 783 254 Tonnen gegen 668,059 Tonnen im Vorjahre. Allgemeiner Anzeiger. Pfanderverkanf. Die aus früheren Versteigerungen übrig gebliebenen und weiter verfallenen Pfänder, bestehend in Herren- und Dainenkleidern, Weiß- und Bettzeug, Federbetten und Kiffen, goldenen und silbernen Taschenuhren, Wanduhren, Uhrketten, silbernen Eß- und Theelöfseln und sonstigen Gegenständen, werben aus der Hand verkauft. Inzwischen können die Pfänder, soweit sie noch nicht veräußert sind, eingelöst werden. 1091 A. Henrich. xxxxxxxxxxxxoxxxxxxxxxxxxx X Um meinen Ausverkauf rasch zu beenden, £ M habe die Preise meines noch vollständig assor- X X tirten Waarenlagers nochmals ermäßigt. 2812 U Z Moritz Heichelheim. *5 SoniiMliInne und Eii-loites in größter Auswahl von den billigsten bis zu den hochfeinsten Qualitäten empfiehlt J. WeitsewlttoTH» 2011 3Ä5T Schulstrasse 19. Das SpecialiMs-Wsche- und Aus- ßattungs-Geschäst Sämmtliche an der Universität gebräuchlichen SefjtbUCfKr und Compendien sind neu und antiguarisch zu billigen Preisen vorräthig bei 2913 Gießen, E. E* Eehsenfetä, Seltersweg.________Universitäts-Buchhandlung und Antiquariat. Blumenpflanzen zu Einfassungen für Gruppen und Rabatten, als Pencee, Phlox, Glockenblumen, Pechnelken, Rosen, Silenen, Vergißmeinnicht empfiehlt 2451_______Carl Deines, Asterweg. Pir Kalkbrennerei von Carl Christian Schneider 8? C®. zu Steeden, Post Runkel a. d. 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Die Submissionen müssen portofrei isnb versiegelt bis zum künftigen Mitt- i>0(1) b en 3 Mai, Vormittags 9 Uhr, «troeber bei Herrn Pfarrer Stall- 141111 in Mendorf a. Lda., oder um " Uhr bei dem Unterzeichneten ein- [dmigt sein. Die Abgebote sind in WnMen anzugeben. Üeberschläge rc. i'lgen von Samstag Nachmittag ab mi dein Unterzeichneten zur Einsicht offen. Die Eröffnung der Submissionen, >■.7 die Interessenten beiwohnen können, ''^olgt am 3. Akai, Vormittags 11 Uhr, «.■ der Lortigen Pfarrwohnung. Twß-Buseck, den 27. April 1882. Im Auftrag: MerpresswukN nach neuester Construction werden schnell und prompt ausgeführt von der Filiale P. Graef in Gießen, Die bei Erbauung einer Pfarr- rßchiiung mit Betsaal zu Allendorf c;_ b. Lumda vorkommenden Arbeiten Tilleit im Wege der Submission ver- Frankfurter H aaren-Bazar 17 Schulftro^c 17 (neben der Expedition des Gießener Anzeigers). 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