Mittwoch den 29. November 5S@2* >» Gießener Anzeiger Amts- und Anzngeblatt für den Kreis Gießen. k Bnreau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. P K Monarchie, daß der Tyroler Landtag zu einer außerordentlichen Session zusammengetreten ist, um über eine Anleihe von 3^2 Millionen Gulden zu berathen, wodurch die ungeheuren Wasserschäden, welche das unglückliche Tyrol erlitten, einigermaßen gemildert und reparirt werden sollen. — Im ungarischen Abgeordnetenhause wurde eine Vorlage, betr. die Einstellung ungarischer Bataillone in österreichische Regimenter mit großer Mehrheit angenommen. In der französischen Deputirtenkammer beschäftigte man sich in den letzten Tagen vorwiegend mit der Reform der richterlichen Funktionen. Der Deputirte Lepere verlas das Gutachten, welches die Gerichtsreform- Commission der Deputirtenkammer in dieser Angelegenheit abgegeben hat. Danach sollen die Gehälter der Richter erhöht und ihre Unabsetzbarkeit, sowie ihre Wahl gesetzlich geregelt werden. Die Funktionen der Richter sollen unvereinbar sein mit jedem anderen Wahlamte und die Competenz der Friedensrichter soll beträchtlich erweitert werden, die Apellhöfe werden aufgehoben und nach der Wahl der Parteien durch gewöhnliche Gerichtshöfe ersetzt. Ganz Italien schwimmt in Wonne über die Lobpreisungen und Schmeicheleien, welche der König Humbert in feiner Thronrede bei der Eröffnung der Kammern denselben und dem ganzen italienischen Volke gesagt hat, denn in würdevoller Sprache bekundete der König selbst, daß seine Italiener eine für die Freiheit reife Nation geworden seien und ihr Schicksal selbst in den Händen hätten. Augenscheinlich bekennt sich König Humbert selbst rückhaltslos zu den liberalsten Regierungs-Prinzipien und in seinem Lande, wo die Liberalen noch em Schutzdamm gegen die Radikalen und Republikaner sind, thut er offenbar sehr recht daran. Hervorragende russische Zeitungen geben jetzt selbst zu, daß die Reise des Ministers v. Giers nach Deutschland den Zweck gehabt habe, m einigen Fragen noch ein besseres Einvernehmen zwischen der deutschen und ruft r- schen Regierung herzustellen. — In russischen Regierungskrisen, sowie in der russischen Geschäftswelt ist man in hohem Maße darüber besorgt, daß die russische Valuta noch immer mehr sinkt und der Papierrubel noch werter an seinem ohnedies schon sehr niedrigen Werthe verloren hat. Es ist dies offenbar ein beredtes Zeichen dafür, in welcher schweren wirthschastlichen Krisis sich Rußland befindet. , , Das englische Parlament hat sich am 24. November wieder einmal mit der egyptischen Frage beschäftigt, doch haben die betr. Debatten so gut wie nichts ergeben. Auf Bourke's Anfrage erklärte Gladstone, daß England mit Egypten noch keinerlei Vereinbarung abgeschlossen habe und daß auch iveder von England, noch von irgend einer anderen Großmacht eine Conferenz zur Regelung der egyptischen Frage bis jetzt vorgeschlagen worden sei. Auch Lawsen's Anfrage, ob die egyptifche Regierung der englischen im Procefte gegen Arabi Pascha die Entscheidung überlassen habe, antwortete der Staatssecretar Ditke ebenfalls verneinend. . . Im Nillande scheinen die Rehabilitirungs-Bestrebungen ui em bedenkliches Stocken gerathen zu sein, denn alle auf dieselben bezüglichen Reformplane werden widerrufen, und wie es mit dem Aufstande des „falschen Propheten in Ober-Egyvten steht, weiß auch Niemand. Sollte dieser verworrene Zustand in Egypten vielleicht gar den Engländern Gelegenheit geben, das Nllland förmlich zu annectiren?! Politische Ueberfkcht. Gießen, 28. November. Die General-Debatte im preußischen Abgeordnetenhause über den Etat am Mittwoch und Donnerstag ist ohne besondere Überraschungen zu Ende gegangen. Die Redner der verschiedenen Fraktionen legten ihren Standpunkt namentlich bezüglich des Steuer-Eilasses in maßvoller Weise dar; baß Herr Büchtemann, der Sprecher der Fortschrittspartei, und Herr Rickert, als Redner der Secessionisten, sich entschieden gegen den Steuer-Erlaß äußerten, durfte m Anbetracht der stritten Opposition, welche der vorgeschrittene Liberalismus der Regierung macht, nicht überraschen. Die Redner der beiden conservativen Parteien, v. Tiedemann und v. Minnigerode, erklärten dagegen sich ebenso entschieden für die Aufhebung der vier untersten Klassensteuerstufen, der Sprecher des Centrums, Herr v. Schorlemer-Alst, meinte, daß vor allen Dingen die politischen Rechte der von der Steuer zu Befreienden gewahrt werden müßten. Sehr reservirt äußerte sich Herr v. Benda Namens der Nationalliberalen über den - Steuer-Erlaß, doch konnte man seiner Rede entnehmen, daß die nationalliberale Partei eine Aenderung des bisherigen Steuersystems nicht wünscht nnd einer solchen nur im Falle der unbedingten Nothmendigkeit zustimmen würde. Im Uebrigen endete die General-Debatte über den Etat mit der Ueberweisung verschiedener Positionen an die Budget-Commission, wie dies seit Jahren gebräuchlich ist. Am Donnerstag gelangte ferner noch die Vorlage, betr. die Vertretung des Lauenburgifchen Communal-Verbandes, zur Berathung; die Debatte hierüber wurde am Freitag fortgesetzt; schließlich überwies das Haus die Vorlage an eine Commission von 14 Mitgliedern. Am Sonnbend trat das Haus in die zweite Berathung des Etats ein, deren Erörterungen von den bereits bei der erften Berathung bekannt gewordenen Gesichtspunkten nicht wesentlich abweichen. In den späteren Budget-Debatten ist als ganz besonders bedeutsam noch die Rede des neuen Abgeordneten Professor Wagner hervorzuheben, indem Prof. Wagner die Steuerreform durchaus von keinem Parteistandpunkte, sondern vom nationalen aus dahin iveitergesührt zu sehen wünschte, daß die indirecten Steuern zur Hebung der Reichseinnahmen und Verbesserung des Looses der ärmeren Klassen verwahrt, im Uebrigen aber die Steuerreform eine organische, auch das dirette Steuersystem in Anspruch nehinende Umgestaltung sein soll. Die Thätigkeit des Bundesrathes wird zur Zett in hohem Maße durch die Vorbereitung der Specialetats des Reichsbudgets in Anspruch genommen, da bekanntlich der Reichstag am 30. November seine Berathungen wieder ausnimmt. Dazwischen widmet der Bundesrath seine Thätigkeit aber auch anderen wichtigen Gegenständen. So stand in den letzten Tagen wieder die Vorlage einer neuen Prüfungsordnung für die Aerzte auf der Tagesordnung des Bundesrathes und wird diese schwierige, schon seit einigen Jahren schwebende Neuordnung wahrscheinlich während der Dauer der bevorstehenden Reichstagssession ihre Erledigung finden. Nach Berliner Nachrichten sind die langwierigen Verhandlungen m Sachen des Kirchenkampfes zwischen der preußischen Regierung und der päpstlichen Kurie wieder einmal in's Stocken gerathen und scheint die erstere eine sehr reservirte Stellung wieder eingenommen zu haben. Das maßgebende parlamentarische Leben in Oesterreich wird, wie die kaiserliche Verordnung bestimmt, am 1. December durch die Eröffnung des Reichsraths beginnen und wird man bald Gelegenheit haben, zu constatiren, welche weitere Fortschritte die vielberufene Ausgleichspolitik des Grafen Taaffe unter den buntscheckigen Nationalitäten Oesterreichs gemacht ,hat. — Von kleineren Begebenheiten melden wir aus der österreichisch-ungarischen Arankreich. Paris, 26. November. Frankreich hat Italien gegenüber kein reines Gewissen Seitdem in Tunesien die blau-weiß-rothe Trikolore flattert, verfolgt man an der Seine jeden Schritt der italienischen Politik mit regstem Mißtrauen. Es ist daher kein Wunder, daß die Thronrede des Königs Humbert und insbesondere der für Deutschland so zuvorkommende Passus, der auf die Heirath des Herzogs von Genua anspielt, in Paris mit sehr gemischten Empfindungen zur Kenntniß genommen wird. Die kürzliche Wiederanknüpfung der diplomatischen Beziehungen zwischen Rom und Paris kann über die ^hatsache nicht hm- weatäuschen, daß die Republik sich mit der Erwerbung. Tunesiens die Sympathien Italiens dauernd entfremdet hat, daß den Politikern des Qmrmat die Augen über den wahren.Werth der französifchen Gönnerschaft aufgegangen Pi. und daß alle öffentlichen Kundgebungen jüngsten Datums der leitenden italienischen Staatsmänner den Entschluß verrathen, die Bedingungen der internationalen Macht und Größe ihres Landes gänzlich neu zu formuliren. Telegraphische DepejHen. Wolff'S telegr. Correspondenz'Brrrearr. Berlin, 27. November. Der Kaiser empfing heute den deutschen Botschafter General v. Schweinitz, welcher nunmehr nach Petersburg zurückkehrt. — Das Abgeordnetenhaus genehmigte sämmtliche auf d>e Tagesordnung gestellte Tbeile des Etats in unerheblicher Debatte. Dem Abg. Büchtemann gegenüber bezeichnete Minister Lucius rohes und bearbeitetes Nutzholz (nicht Brennbolz) als dasjenige Holz, bei welchem der bisherige zu niedrige Zoll eine weitere Erhöhung erfahren müße. Zu der Position für die Gesandtschaft bet der Kune bemerkt Abg. v. Eynern, er werde diesmal für die Bewilligung stimmen, weil die Thronrede die Hoffnung ausgesprochen habe, datz die Verhandlungen mit Rom zu einem Ergebniß führen würden, er hoffe aber die Verhandlungen würden in dem Sinne gefördert, daß ffe den Papst bestimmten, die staatliche Autorität in Preußen in derselben Weife anzuerkennen, wie er dies ander, n Staaten a.genüber thue, ohne daß er dadurch die Interessen der katholischen Kirche für gefährdet halte. Wmdhorst erwidert, er werde erst beim Kultusetat weiter aus die Sache eingehen. Fortsetzung morgen. , „ . — Bezüglich der Meldung der Neuen Zeit, Feldmarschall Moltke werde zur 50jährigen Jubelfeier der Nikolaiakademie des russischen Generalstabes, deren Ehrenmitglied er sei, am 10. December in Petersburg erwartet, wird. der Nordd. Allg Ztg. von zuverlässiger Seite mitgetheilt, Graf Moltke habe die Einladung dankend abgelehnt. ^ordd. Allg. Ztg. bespricht die Wagner'sche Etatsrede auf das Anerkennendste und vermag die glänzenden Ausführungen desselbennur' bezüglich dir Beweglichkeit der Einkommensteuer, die doch nut: at§ werden könne, nicht ohne Vorbehalt 0^11^^611. Jöie @tnfommenfteu^^^ große Thetle der Erträge, die mit der Grund- und Ha"sersteuerDrecks ei^ seien. Man dürfe die Grund- und Häusersteuerpflichtigen in der daneben zu Einkommensteuer nicht höher belasten, ohne gleichzeitig den Erhöhungen der Grund- und Häus-rst-u-r durch di- Zuschläge ein Ziel zu setzen. Dl-Erwägungen verwick-u-r Natur fügten weit über Ne nächste R.gi-rungsvorlag- bbraus, nur d-r ^all der letzteren sei vorauszusehen, wenn ihr- Annahme der Durchführung der vollendeten idealen Reform aller direclen Steuern untergeordnet würbe fiöln, 27. Novbr. Der Rhem und seine Nebenflüsse steigen noch anhaltend; der Wasserstand hat bereits die Hohe vom Jahre 187«I „nö beträgt hier und bei Koblenz 880 Ctm., bet Bingerbrück 5o6 Der Waffer- stand der Mosel bei Trier betragt 730. Der Regen dauert allenthalben fort, 8* b-t «I6W« habten Wolkenbruchs stieg der Mam sortdauernd; die an_ bau M°tnuser grenzenden Straßen sind überschwemmt Der Pegel, welcher gestern Mittag 475 Ctm ^eiate reictte heute Vormittag um 10 Uhr o~o Ctm. ' Biebrich, 27. Novbr. Die Pegelhöhe des Rheins beträgt 602 Ctm., nur 11 Ctm. weniger, als im Jahre 1862. Der Bahnhof von Kastel i|t uberschwMint ^br. Wegen Ueberschwemmung des Geleises bei Hochheim ist der Bahnverkehr zwischen Wiesbaden und Franksurt a. M. emge- stellt. Der Rhein steigt immer weiter, alle Rhemorte smd überschwemmt, die is 8 Mr, Nicolay. Wei dl Strauss, iuhn. äizet. Wenzel, Seltersatz, ausgegeben, Herzog Ernst Krausse. Dressner. Klauer. C. M. v. Weber. Mendelssohn- bissiger. Li chn er. Liebig. Kreutzer. ilt sich zum An- um auf von Staats n etc. ' SchMr- unb »streichen Miseren« S'L'r eren 8** N 1 sKr-t m (Li Ml- M Watte und die Lahn führen große Wassermasien zu, die Bäche sind ange- -schwollen, die Felder stehen weithin unter Wasser. Mannheim, 27. Novbr. Der Wasserstand des Rheins betrug heute früh hier 810 Ctm. und hatte somit hier den bisherigen Höhepunkt dieses Jahres erreicht, der Neckar ist hier auf 858 Ctm. gestiegen, dagegen bei Heidelberg auf 5t0 Ctm. gefallen. Das Wetter scheint sich jetzt aufzuklären und ist daher eine Abnahme des Wassers zu erwartem Mannheim, 27. Novbr., 10 Uhr 15 Min., Abends. Soeben läutet es Sturm; die Pechfabrik von Well auf dem Lindenhos steht in Flammen. Leipzig, 27. Novbr. Der kaiserliche Disciplinarhof hob heute das Urtheil der Disciplinarkamnier in Danzig vom 13. Mai d. Js., durch welches die Marine-Ingenieure Hoßfeld und Veit freigesprochen worden waren, auf, und verurtheilte Hoßfeld zu einem Verweise und 400 X Geldstrafe, Veit zu einem Verweise. Der Disciplinarhof erachtet zwar gleich der Disciplinarkammer den Mißbrauch der Amtsgewalt nicht für erwiesen, findet aber ein Disciplinarver- gehen der Angeschuldigten darin, daß dieselben auf offener Straße Stimmzettel für den Abg. Rickert vertheilten. Stockholm, 27. November. Dec Wortlaut des Toastes, welchen der König bei dem Galadmer auf den Großherzog und die Großyerzogin von Baden ausbrachte, ist der folgende: „Ew. K. Hoheit, lieber Bruder und Vetter! Die Ereignisse dieser Tage dürften ganz besonders dazu geeignet sein, manche erhebende Gedanken zu erwecken. Vor Kurzem durch Gottes Gnade von todesgefährlicher Krankheit gerettet und, zur Freude eines treuen Volkes, vollständig wtederhergeftellt, sind Ew. Hoheit, um der Aufnahme des ersten Enkels in den heiligen Taufbund beizuwohnen, nun zu diesem fernen nordischen Land gekommen; dieses selbe Land, welches das Vaterland Ihrer erhabenen Mutter, sowie deren Vorväter war und die Hetmath der geliebten Tochter geworden; und Sie stehen jetzt innerhalb der Mauern dieses Schlosses, wo sowohl Ihre verewigte Frau Mutter als deren eben geborener Urenkel das Licht der Welt zum ersten Mal geschaut! Wer mag nicht hierin ein neues Zeugniß erkennen, w'e die Fügungen Gottes der Menschen höchstes Gut, wie die Macht der Liebe das schönste Vermächtniß der Geschichte ist. Kömgl. Hoheit! Liebe Schwester und Cousine! Es ist der Königin und Mir ein Bedürfnitz unserer Herzen, auszusprechen, wie sehr Ihr Aufenthalt in unserem Lande und in unserem Familienkreise uns hoch beglückt hat. Aufrichtig dankbar blicken wir zurück auf die eben erlebte bedeutungsvolle Zett mit ihren Sorgen und Freuden, durch welche, wie wir zu hoffen wagen, das Bund treuer verwandtschaftlicher Liebe, das uns bereits vorher verbunden, noch enger befestigt worden ist! Auf das Wohl Ihrer Königl. Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Baden!" Paris, 27. November. Da es in Folge der übertriebenen Forderungen der Negierung von Madagaskar für jetzt unmöglich scheint, ein Einvernehmen zwischen dieser und der französischen Regierung zu erzielen, so sind die madagaskischen Gesandten heute Vormittag noch London abgereist. Nizza, 27. November. Durch das Platzen einer Dynamitpatrone, welche an den Eingang zu den Spielsälen von Montecarlo gelegt war, wurde gestern Abend ein Aufseher verwundet. Ein als der That verdächtiger Italiener wurde in Haft genominen. Dublin, 27. Novbr. Die Polizei verhaftete gestern einen Amerikaner, Namens Ryan, welcher der Betheiligung an dem Mord anfalle auf die Polizei verdächtig erscheint. Der Vicekönig hat sofort eine Untersuchung des Vorfalls angeordnet. Dublin, 28. Novbr. (Privat-Depesche). Gestern Abend wurde der Gerichtsvollstrecker Dublins von drei Männern überfallen und mit Dolchmessern verwundet. Der Thäter wurde verhaftet. Ferner ist gestern ein gewisser Field, welcher in dem Proceß gegen den kürzlich zum Tode verurtheilten Hynes als Geschworener fungirte, von einem Manne, welcher aus einem vorüberfahrenden Wagen sprang, mit einem Dolche tödtlich verwundet worden. Lokales. ** Gießen, 28. November. (Theater.) Wenn die lustige Arbeit der Moser- Schönthan'schen Coalition „Krieg :m Frieden" bet ihrer wiederholten Aufführung noch eine solche Zugkraft auszuüben vermag, wie dies gestern Abend der Fall war, dann kann der Kunftwerth des Stückes doch nicht so fadenscheinig fein, als man ihn auszugeben pflegt. Allerdings liegt der Schwerpunkt in den zahllosen Schnurren und Schwänken, die sich Schlag auf Schlag folgen. Die Situationen sind nicht neu, aber unendlich komisch, und wer den Werth eines kräftigen, Zwerchfell erschütternden Lachens zu würdigen weiß, wird ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Rollenbesetzung war mit einigen durch die plötzliche Erkrankung eines Mitgliedes bedingten Ausnahmen die von früheren Aufführungen her bekannte und glückliche. Das animirte und dankbare Publikum zeichnete namentlich Frau Schubert-Schneeberger (Ilka) und Herrn Direktor Schubert (Reff-Reiflrngen) aus, doch dürfen sich auch die übrigen Mitwirkenden ihren Theil an dem Beifall anrechnen. Frau Schubert-Schneeberger hat ganz das Zeug für die heißblütige Ungarin Ilka Etvös. Auch das mit Ungarischem Accent gesprochene Deutsch, das sie bis zu Ende durchzuführen wußte, machte sich recht gut. Die köstliche Figur des „schneidigen" Lieutenants ist eine prächtige Leistung des Herrn Schubert. Auffassung und Durchführung der Rolle sind alles Beifalls werth. Möge das Publikum fortfahren, dem Unternehmen des Herrn Schubert sein Interesse in einer Weise zuzuwenden, daß der finanzielle Erfolg mit den Anstrengungen der Darsteller Hand in Hand gehe. — Anläßlich des in der Nacht vom 25. auf den 26. ds. Mts. dahier verübten Einbruchs wurde gestern Nachmittag in der Wohnung des Diebes zu Wetzlar eine Haussuchung abgehalten und dabet nicht allein die in fragt Nacht gestohlenen Gegenwände vorgefunden. sondern auch noch eir-e Menge andere demselben Wirtbe früher zu verschiedenen Malm in gleicher Weise abhanden gekommenen Sachen vorgefunden. Außerdem fand sich noch eine weiße Piquä-Betldecke und ein weißes Betttuch, gezeichnet J. E. ober C. (Gothisch), welch letztere Gegenstände bis j.tzt ohne Eigentümer sind, jedoch jedenfalls auch von Diebstählen herrühren. Vermischtes. Frankfurt, 27. November. Aus den vielen über das Hochwasser aus der Stadt zugehenden Berichten heben wir folgende Einzelheiten hervor: Der jetzige Wassei- stand übersteigt denjenigen am 3. Februar 1862 (19' 6") um 2 Fuß. Höhere Wasser- stände waren am 22. Juli 1342 (25'), an welchem Tage der Main den größten Theil der damals einzigen Mainbrücke wegriß; am 26. Januar 1683 (21' 9"), am 27. Februar 1784 (23 ) und am 30. März 1845 (22' 6"). lieber die verspätete und theilweise ganz unterlassene Anbringung von Pritschen beschweren sich die Bewohner der heim- gesuchten Straßen sehr. Es dürfte jedoch zu erwägen sein, daß ein derartiger Wasser- ftand im November noch niemals vorgekommen ist und auch kaum erwartet werden konnte. Die Berufsfeuerwchr ist Tag und Nacht auf den Beinen, um beim Aufräumen Hülfe zu leisten.^ Die freiwillige Feuerwehr wird geeignete Reserve stellen. Von den dem Main zunächst gelegenen Straßen sind die Flschergasse, Schlachthausgasse, die Kreuzung der Saalgasse und der alten Matnzergasse, der tiefere Theil der Borngasse und der Schüppengasse, der Predigerstraße, der untere Theil des Garküchenplatzes überschwemmt. Die Thüre der Leonhardskirchc ist mit Cement vermauert, um daS Eindringen des Wassers zu verhüten. Heute Morgen steht das Wasser auch in der Ostendstraße. Der „Frankfurter Hof" mußte das Feuer unter den Dampfkesseln löschen. Auch das „Hotel du Nord" hat Wasser im Keller. Die neue Schlachthaus- und Viehhofsanlage sind vollständig wasserfrei. Der niedriger gelegene Theil der Obermain- stratze mußte überbrückt werden. Das Hochwasser hat auch den erst mit vieler Mühe leergepumpten neuen Kessel der „Englischen Gasgesellschaft" gefüllt. Die Gesellschaft sah sich auch veranlaßt, wegen des Wassers ihre Krahnen höher zu legen. — Die Dämme des Winterhafens, welche gestern noch etwa 2 Fuß über dem Wasserspiegel waren, sind jetzt ganz unter Wasser gesetzt, so daß den im Winterhafen befindlichen Fahrzeugen fein Schutz mehr geboten ist. An den Bäumen des äußeren Dammes nach der Flußseite zu hat sich ein großes Schiff festgefahren, welches seither an der Muschel vor der kurfürstlichen Villa vor Anker lag, jedoch in dec Nacht durch die Fluthen losgerissen und glücklich durch die Pfeiler der Main-Neckarbrücke getrieben war. Nicht so glücklich war em Theil des ehemaligen Volksbades, welcher noch am Untermainquai befestigt war; die gleichfalls losgerissenen Kusenböden zerschellten an der Brücke. Nachschrift. Um 1 Uhr zeigt das Pegel 21' 8". Bis 6 Uhr erwartet man das Steigen von noch einem Fluß. Die alte Brücke wurde Mittags für den Verkehr geschlossen, da eine Menge Flöße gegen dieselbe getrieben sind und die ersten Bogen versperrt. — 2 Uhr. Wenig Veränderung. Aus Haßfurt ist ein weiteres Steigen von 35 Zentimeter von 11 Uhr gemeldet. Der Stand ist noch 38 Ctm. unter 1845. An den vier ersten Bogen der alten Brücke haben sich zahlreiche angetriebene Floße und Balken übereinandergeschoben, jedock ist feine Gefahr für die Brücke. Tausende von Menschen bewegen sich auf den Quais und den zum Maine führenden Straßen. Die Röderhöfe sind ganz überschwemmt und haben polizeiliche Hülfe requtrirt. In Höchst, Kelsterbach, Flörsheim, Rüsselsheim hegt man große Besorgnisse. Coblenz, 25 November. Unsere Stadt ist in großer Aufregung wegen eines entsetzlichen Verbrechens. Vorgestern nämlich wurde vor dem Moselweißerthor ein 16jähnges Mädchen, Dienstmädchen eines hiesigen Bäckermeisters, mit abgeschnittenem Halse und unter Umständen aufgefunden, die auf einen Lustmord schließen lassen. Der Thäter wurde am Freitag Abend zwischen 7 und 8 Uhr in ter Person des Bremsers Müller, verheirathet und Vater von 3 Kindern, am Bahnhose verhaftet und hat die That bereits eingestanden. Wie weiter verlautet, soll derselbe' früher in Bochum ftationirt gewesen sein. Die Art und Weise des Verbrechens lassen die Vermuthung auffommen, daß Müller auch Derjenige sei, der die befannten Lustmorde in der Gegend von Bochum.verübt hat. Würzburg, 18. November. In einer benachbarten Mainstadt gerieth einem Weinhändler fein „spanischer Weinberg" in Brand. Sein Büttner war eben daran, Malaga anzurühren, als er mit dem Lichte dem Sprite zu nahe fam Er wurde selbst von den Flammen ergriffen und rettete sich nur, indem er sich in einen Dunghaufen legte und seine brennenden Kleider löschte. — Am 10. November 1883 vollendet sich das 4. Jahrhundert seit Luthers Geburt. In vielen Städten unseres deutschen Vaterlandes beschäftigt man sich schon lebhaft mit der Frage, wie der 400jährige Geburtstag dieses Reformators würdig gefeiert werden fönne. Besonders ist es der Magistrat Berlins, welcher m't lobenswerthem Beispiel vorangeht, indem er den Antrag der Schulcommission, 6000 Marf für die Feier zu bewilligen, bereits angenommen hat. Es fann und wird hoffentlich auf diese Weise jener Säculartag in demselben Umfange zu einem Nationalfest werden, wie es der 10. November 1859, der 100jährige Geburtstag Schillers, geworden ist. Darmstadt, 24. November. „Nichts ist so fd)ledjt. es ist zu Etwas gut", können manche unserer Jagdfreunde eben sagen. Denn während sie noch mehr wie alle anderen Leute Ursache haben, das beftänd'ge Regenwetter, welches sie fast täglich gleich gebadeten Katzen von verunglückten Treibjagden nach Hause kommen läßt, zu verwünschen, hat ihnen dasselbe Wetter ebenso unerwartete als angenehme Gäste gebracht. In der „Tanne" nämlich und zwar da, wo sie am dürrsten ist und nur den Lavins das Terrain anlockend erscheint, zeigen sich seit einiger Zeit so viele Schnepfen, daß manchmal 12 bis 15 Stück an einem Nachmittag angetroffen und bis auf den gestrigen Tag deren noch erlegt wurden. Nicht nur der Aufenthaltsort und die Menge d.eser sonst leider immer seltener werdenden Wanderer 'st auffallend, sondern auch die Zeit des Vorkommens, indem der eigentliche Strich meist schon mit Anfang November bei uns vorübergeht und später nur noch einzelne, sogenannte Lagerschnepfen, die dann den ganzen Winter da bleiben, zu finden sind. Die Ursache dieser immerhin merkwürdigen Erscheinung liegt, wie bemerkt, in der abnormen Witterung. Während die S-imepfen, die nicht gegen den Wind ziehen, durch die seitherigen stürmischen Winde aus südlicher Richtung am Weiterziehen gehindert waren, wurden sie aus den Gebirgen durch den Schnee vertrieben und da ihnen die Laubwaldungen durch die allzugroße Nässe und die Kälte verleidet waren, so suchten sie die wärmeren und Gott sei's geklagt aber auch hinlänglich feuchten Nadelbestände unserer sonst so trockenen Tanne auf. Mit der stilleren Witterung der vorigen Woche hat denn auch die Mehrzahl der langschnäbeligen Pilgrimme den Zug nach Süden fortgesetzt, immerhin blieben aber doch noch einige zurück, so daß tn dem zunächst Bessungen gelegenen Jagdbezirke am Montag noch 5 und am Dienstag noch 1 Schnepfe erlegt werden konnten Mühlheim e. Rh , 21. November. Hier sind falsche 50-Markscheine in Umlauf. Dieselben sind nur von einem geübten Auge von den ächten zu unterscheiden. Die Unterscheidungsmerkmale sind, laut „Köln. Vztg" folgende: In den Randeinfassungen ist die Bezeichnung „Reichs-Kassen-Schein" oben, sowie an den beiden Seiten die Bezeichnung „50 Mark 50" matter als bei den ächten, und etwas verwischt. Zwischen den letzteren Zeichen und den Adlern befindet sich bei den ächten em kleines weißes Kreuz, bei den unechten aber etn dunkler Stern. Dann sind in den Falsifikaten in den Strafandrohungen dir Buchstaben unregelmäßig. Ferner fehlen in der Mitte die Wasserzeichen „50". Auf der Rückseite ist der Druck mehr verschwommen. Der Abstand vom obern inneren Rande bis zur Bezeichnung „Ltt" und „Nr." ist bei den ächten noch einmal so groß rote bet den unächten. Bet den unächten fühlt sich das Papier glätter und dünner an als bei den ächten Alle sind Serie 8 Fol. 37 ßit D. gezeichnet, haben aber verschiedene Nummern. Die Nummern scheinen mit Tinte geschrieben zu sein. — Für das Rechtsbewußtsein russischer Geschworener legt ein Proceß Zeugniß ab, der in der vergangenen Woche in Moskau spielte. Ein Unteroffizier war wegen Bigamie angeklagt. Als Belastungszeugen waren seine beiden Frauen in der Verhandlung anwesend- Trotzdem wurde er freigesprochen. „Der Verstand Rußlands sitzt in Moskau" — so sagte ja wohl vor einigen Wochen der dortige Bischof. — sVacante Stellen im Bereich des 11. Armeecorps.j Darmstadt, Postamt I, Landbriefträger, 855 X; Postamt II, Packetträger, 930 X; Kaltennordheim, Amtsgericht, Gerichtsvollzieher, 1500 X; Wannfrted, Stadtrath. Stadtsecretär, 500 X; Wasungen, Herzog!. Amtsgericht, Hilfsdiener, 50 X monatlich; Wiesbaden, städt. Kur- birection, Portier, 1200 X pro Jahr und freie Dienstkleidung. Handel und Verkehr. Gießen, 28. November. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter per Pfund X 1.20—1.22, Hühnereier per Stück 7—8 Käse per Stück 4—8 Käsematte per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 25 Tauben das Paar 60—70 H, Hühner per Stück X 0.90—1.20, Hahnen per Stück X 0.65 bis X 0.85, Euteu per Stück X 2.00, Ochsenfleisch per Pfund 66—70 H, Kuh- und Rindfleisch 56—60 Kalbfleisch 54 bis 56 Schweinefleisch 62—64 H, Hammelfleisch 60—66 Kartoffeln per 100 Kilo X 5.00—7.O0, Zwiebeln per Zentner X 3.00, Milch per Liter 14—18 Gänse per Psd. 36—54 H. Weißkraut 100 Stück X 2-4.50. Frankfurt, 27.Novbr. (Getreide-Preise.) Weizen eff. hiesiger u. Wetterauer X19V4—3/4,fremberX21—22%, Roggen eff. hies. X 1312—15, fremder XW 2—16%, Gerste effectw hies. u. Wetterauer X. 17—18, fremde X 18—20, Hafer eff. hiesiger X 12%, fremder X 12%—13. Rüböl eff. ohne Faß hies. in Parthien von 50 Ztr. X 35%. Branntwein eff. ohne Faß X 46. Frankfurt, 27. Novbr. Der heutige Viehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 325 Ochsen, ca. 20 Bullen, ca. 300 Kühe jund Rinder, 190 Kälber. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 70, 2. Qual. X 64. Kühe und Rinder 1. Qual. X 56, 2. Qual. X 50, Kälber 1. Qual. X 58—62, 2. Qual. X 50—54 per 100 Pfund Schlachtgewicht. Frankfurt her in Bochum die Bermuthung e in der Gegend bt gerieth einem war eben daran, Er wurde selbst >en Dunghaufen i Luthers Geburt, schon lebhaft mir I gefeiert werden oerthem Beispiel für die Feier zu aus diese Weife en. wie es der zu Etwas gut" e noch mehr wit es sie fast tSglld) mimen läßt, zu le Gäste gedwchl- nur den Lavins Schnepfen, dah > auf den gestrigen die Menge, dieser ern auch die Zeit ng November bei fen, die dann den )in merkwürdigen tb die ©di* Inbt aus 'birptn M gr^Meund (float aber auch auf. M der angschnäbeligen doch noch emig^ WM w 3 icheine'.nllmlach nterfdieiben. 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