1*82 Sonntag den 29. Oktober ffeßmer bei, nMger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Burean : Schulstraße 7. rien r, :e liebr jliettb- FMieii- Mäßigten ießen. 7102 uen. Statt. »Illis |erä jeinftr. ®- nb. '■Ber 616» at, ühx u ganz Abonne- ehrliches r Land W- 3.59 ititunfl, ^4.2«. und wie 233 Erstes Blatt Deutschland. Karlsruhe, 26. Octbr. Die „Karlsr. Ztg." veröffentlicht eine Erklä- runq des Staatsministeriums, betr. das Urtheil des Landgerichts Mannheim in Sachen des Heidelberger Bahnunfalles, m welchem schwere Beschuldigungen der Eisenbahn-Generaldirection ausgesprochen wurden. Die Erklärung des Staatsministeriums constaürt gegenüber der bezüglichen.4 Punkte der Entscheidungsgründe des Landgerichts: 1) daß bie Bahndirectton vor dem Bahnunfall von keiner Seite und zu keiner Zeit um Errichtung emes Klmgelwerks, im Urtheil irrig Läutewerk genannt, angegangen wurde, 2) daß vor dem Bahnunfall ein Antrag aus Errichtung eines zweiten Fahrdienst-Bureaus mcht gestellt worden, wobl aber von Seiten der Streetton eine Central-Weichenstellung und die Er- rilbtuna rweier Kilial-Fahrdienst-Bureaus in Vorbereitung waren; 3) daß es ni*t Uebunn der badischen Bahn fei, einen abgehenden Zug vor Ankunft eines eiickabrenden abzulassen und daß die Vorschrift der Fahrdienst-Beamten, nach Laae der Sache zu verfahren, geeignet sei, die Sicherheit des Betriebes zu wahren - 4) daß die Annahme unzutreffend sei, daß der betr. Fahrdienst-Beamte mit Geschäften überhäuft gewesen sei. Das Staatsministerium habe deshalb keine Veranlassung, etwaige Maßnahmen gegen die Bahndirection zu ergreifen. * 00^24 16 JL0 16 Kj» I 2« 16 IpO 9 bo n| \ 17^ Gießen, am 21. Oktober 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen laffeu. vr. Boek mann. , Gießen, den 6. Oktober 1882. AranLreich. Paris, 25. October. Ganz ungewöhnliches Aufsehen macht hier die gestern erfolgte plötzliche Vertagung des Processes gegen die schwarze Bande, da der Justizmmister durch die geheime Polizei, die in Macon stark vertreten ist, die Gewißheit erhalten hatte, daß. die Geschworenen mcht wagen wurden, die Angeklagten zu verurtheilen. Er sandte deshalb den telegraphischen Befehl, den Proceß zu vertagen. Derselbe traf kurz vor der zweiten gestrigen Sitzung em und gab zu einer längern Berathung der Gerichtsbehörden Veranlassung, soday die zweite Sitzung erst um 4, statt um 2 Uhr eröffnet wurde. England. London 25 Oktober. Ein nems Interesse hat der Prozeß Arabi gestern durch die Auinnduna eines umfangreichen Briefwechsels Arabt's mit einflußreichen ^erfon» mtoXnttnopel Phallen. Arabi bewahrte über dessen Dasein unverbrüch- ^tiiFfrfmpiaen- mußte er doch befürchten, daß seine Richter denselben flugs »er* ckwin^n Küen^ Nunmehr da sich seine Sache in den Händen der englischen Advokaten bandet bat er seinen Sohn und einen Negersklaven angewiesen, dieselben aus dem Ve steckauszugraben und sie Herrn Broadley zu übergeben. Derselbe hat sie In Gea7nwartSir E MaUt's abstempeln und im Consulate ntederlegen lassen. Es sind mehr als 100 Schriftstücke, u. a. Briefe Derwisch Paschas des Schelks Essad Bey Die diesjährigen Herbst-Control-Versammlungen werden im Kreise Gießen wie folgt abgehalten werden: 1. Im Bezirke der I. Compagnie (Gießen). 1. Zu Gießen am 3. November 1882, Vormittags, im Oswald'schen Garten und zwar um 8 Uhr für sämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten der übrigen Waffen und die am Schluffe naher bezeichneten -dehrleute. Hierher ^nero^ Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod. 2. Zu Lollar am 4. November 1882, Vormittags 9 Uhr, neben dem neuen Bahnhofsgebäude. Hierher Alt-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Hof Heibertshausen, Groß-Bufeck, Lollar, Mainzlar, Rödgen Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhaufen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck. 3. Zu Grünberg am 4. November 1882, Nachmittags 1 Uhr, an dem Bahnhose Hierher ^hEh^m^Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadwiühle, Steinmühle, Obere und Untere stieqelbütte Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle, Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau fchen Papiermühle, Lauter mit der^Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf^mit der Burg Rabenavdurgmuhle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß und Klein), Odenhaufen mit Appenbom-Hof, Oueckborn,Remhardsham, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und W'rrberg, Stangenrod, Stockhaufen, Weickartshain, Weitersham mit dem Hainer-Hof, Winnerod. II. Im Bezirke der II. Compagnie (Lich). 1. Zu Hungen am 11. November 1882, Mittags 12 Uhr, am Friedhöfe. Hierhe schoren i^l Attenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen. 2. Zu Lich am 11. November 1882, Nachmittags 3 Uhr, am Bahnhose. Hierher gehlenbtaHDrte: Dors-GÄ, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich Groß-Linden, Grüningen Hausen, Holzheim Lang-Göns, Leihgestern, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhaufen und Mühlsachfen, Münster, Hof-Gill, Nieder-Bes|tngen, Ober-Bes|tngen, Es haben^aus ^en^gmamten^Otten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden ^^e wohnenden Mannschaften^es ^ standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve gehören, zur Dtsposttton der Truppentheile beurlaubt, oder rur Disposition der Ersatz»Behörden entlassen find, sowie diejenigen der Landwehr angehörigenMannschasten, wAchen eme besondere Ordre zur Gsssielluna bei der Herbst-Control-Versammlung vom Bezirksfeldwebel zugegangen ist. — Die Ersatz-Reservisten haben nicht zu erscheinen. Dispensationen können nur in ganz dringenden Fällen eintreten und müssen daraus bezügliche Gesuche fpäteftens 8 Bage vor den betreffenden Contro - Versammlungen auf dem Dienstwege eingereicht werden. Die ohne Entschuldigung fehlenden Mannschaften haben sich der gesetzlichen strafe zu gewärtigen. Es Mrd noch bemerkt daß die Leute mit dem Militär-Paß und Führungs-Atteft verfehen tu bürgerlicher Kleidung zu erfchemen haben, und vor dem Beginn der Control-Verfammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen re. fortzulegen sind. OberstlieutenN^D^un? BeMs-Cornrnandeur. . a _ PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohu. Erscheint ILgUch mit Ausnahme des MoutagS. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. pe.k eigc. 188709& Gefundene Gegenstände: 1 Hammer, 2 Portemounaie's mit Inhalt, 1 Paar schwarze Handschuhe, 1 Taschentuch, 1 Aetenstück (Urkunde) und mehrere Schlüssel. Gießen, den 28. Oktober 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _____________Fresenius. und anderer Rathgeber des Sultans aus Stambul. Daß sie compromittirender Natur sind beweist der Umstand, daß die Regierung des Khedive eifrigst nach ihnen fahndete; oaß'ferner der Sultan alles aufbot. um jedes gerichtliche Vorgehen gegen Arabl meder- ruschlagen. Leider war die Rachsucht der Feinde Arabi's zu groß, um dies zuwege zu bringen. Zugleich mehren sich die Beweise für die Mißhandlungen, denen Arabl und seine Famüie in der letzten Zeit durch die Diener und Eunuchen des Khedive ausgesetzt waren. Die Familie hat detzhalb ihren Aufenthalt beständig gewechselt, um jene irre ui führen, denn ein Bote, den Arabt in ihr Dorf sandte, um für sie um Schutz zu bitten, wurde gefesselt, eingesperrt und mißhandelt. Arabl selbst soll vorgestern noch von seinen tscherkessischen Wächtern mißhandelt worden sein, wie der Vertreter der Daily News" berichtet. Wie dies unter den Augen der Engländer möglich sei, scheint allerdings unbegreiflich. „Es gibt massenhafte Beispiele", sagt der eben erwähnte Berichterstatter, „von dem feigen und grausamen Charakter der Versuche, die nationale Bewegung zu ersticken, von Seiten der verrotteten Regierung, deren Dasein keine Stunde dauern würde, wenn die englische Armee abgezogen wäre!" Was folgt daraus? Daß die Engländer diese nationale Bewegung zu Boden schlugen, blos um die verrottete Regierung des Khedive zu stützen. Aegypten. Kairo, 26. Oktober. Der Herzog von Connaught ist gestern nach Alexandrien abgereist, um nach England zurückzukehren. — Unter dem Vorsitze des Khedive fand gestern ein Minifterrath statt. In demselben wurde beschlossen, den Gouverneur von Sudan anzuweisen, Khartum bis zur Ankunft von Verstärkungen zu halten. Wie verlautet, ist der falsche Prophet mit großen Streitkräften in Kordofan eingetroffen, von wo aus er Oberegypten bedrohen soll. Der Ministerrath beschloß, so viele schwarze Truppen einzustellen, als möglich, um dieselben gegen den falschen Prophet zu senden und zunächst Ismail Pascha Eyoub den Befehl über diese Truppen zu über- lragen. Die Annahme des Commandos seitens Ismail Pascha Eyoub's soll indeß zu bezweifeln sein, wenn er nicht eine genügende Truppenmacht erhält- — Die Vertheidiger haben gestern mehrere Unterredungen mit Arabi und Abdellal gehabt, welche behaupten, von Palastofficieren bei ihrer Visitation gröblich in- sultirt worden zu fein. Die Untersuchungs-Commission fährt mit dem Verhör der Belastungszeugen fort. Borelli Bey hat ausgesagt, daß das Maffacre in Tantah in dem Momente begonnen hat, als der Adjutant Abdellal's, Abondra, eingetroffen war und erklärt hatte, daß die Vernichtung der christlichen Bevölkerung den Ansichten Arabi's entspreche. Borelli Bey beruft sich hierbei auf das Zeugniß von 6 Einwohnern von Tantay. — Der „falsche Prophet", über dessen gewaltige Fortschritte im Süden Dr. Schweinfurth neulich berichtete, hat sein Heer jetzt durch die den erschlagenen Egyptern abgenommenen Hinterlader (Remington) kampftüchtiger und sich anscheinend mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß er der von Gott gesandte letzte Prophet sei, der die Welt dem Islam wiedergewinnen solle. An Propheten hat es den Arabern nie gefehlt; sie mußten mit Nothwendigkeit auftreten, je mehr das Khalifat den früheren religiösen Charakter verlor und in eine militärische Erbmonarchie überging, welche der demokratischen Theokratie der Araber widerstrebte. Die Propheten treten stets unter großen Zeichen und Wundern auf; der letzte Prophet aber wird auf weißem Rosse erscheinen, begleitet von seinen gleichfalls weißberittenen Anhängern; alle müssen sich vor ihm beugen, der Khedive sowohl, wie der Sultan; selbst Arabi, wenn er auch gesiegt und Egypten unabhängig gemacht hätte. Die Umstände sind ihm jetzt günstig. Abdul Hamid hat das Land des Islam durch Ungläubige mit Krieg überziehen lassen, hat selbst seinen getreuen Diener Arabi für einen Meuterer erklärt; und Arabi ist den Ungläubigen erlegen, hat also offenbar keine göttliche Sendung; daher denn der „Mahdi Imam", der „letzte Prophet", zur rechten Zeit kommt, um die Religion Mohamed's zu retten. Da die egyptische Armee aufgelöst ist, würde Egypten ernstlich bedroht sein, wenn die englische Armee völlig abzöge. Glücklicher Weise ist Khartum in gerader Linie 1600 Kilometer von Kairo entfernt, so daß Baker Pascha hinreichend Zeit behält, sich für den Angriff vorzubereiten. Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. Correfpoudenr-Bureau. Ludwigslust, 27. Octbr. Se. Maj. der Kaiser, der sich heute früh 9Vr Uhr mit dem Großherzog und den übrigen fürstlichen Herrschaften zu den bei Jasnitz abzuhaltenden Jagden begeben hatte, ist heute Abend 53/4 Uhr im besten Wohlsein von dort hierher zurückgekehrt. Die Jagd war von prachtvollem Wetter begünstigt, dem Dejeuner, das in einem Jagdzelte eingenommen wurde, wohnten auch die Frau Großherzogin und die übrigen fürstlichen Damen bei. Heute Abend 7 Uhr findet im Schlosse ein Galadiner statt, zu welchem die Minister, die Hofstaaten, die Generalität und die Regiments-Commandeure geladen sind; an das Diner reiht sich um 9 Uhr eine Theater-Vorstellung. Der Aufbruch zu der morgen abzuhaltenden Jagd ist auf 9V2 Uhr Vormittags festgefetzt Paris, 27. Oktober. Eine Note der „Agence Havas" sagt: Die jüngsten Vorfälle m Montceau-les-Mines und in Lyon haben die öffentliche Meinung aufgeregt, bis jetzt scheint es jedoch, daß es sich nur um isolirte Thatsachen handelt. Es steht aber außer allem Zweifel, daß dieselben von einer förmlichen Gesellschaft ausgehen, die chr Haupt und ihre hauptsächlichsten Führer im Auslande hat und die sich leider in den letzten Jahren in Frankreich hat weiter entwickeln können. Jetzt, wo die Regierung die Umtriebe dieser Gesellschaft überwacht, hat die öffentliche Meinung keinen Grund, sich über die Gebühr zu beunruhigen, denn die Regierung ist fest entschlossen, olle verbrecherischen Handlungen mit Energie zu unterdrücken und die Ordnung überall aufrecht zu erhalten und die Regierung besitze auch die erforderlichen Mittel dazu. Kairo, 27. October. Nach hier vorliegenden Nachrichten soll der falsche Prophet mit seinen Streitkräften nur noch drei Tagereisen von Khartum entfernt sein. Lokales. Gießen, 28. Oktober. Bekanntlich hat sich in unserer Stadt das Bedürsntß geltend gemacht, für eine Vermehrung der Kräfte zu sorgen, welche sich der Krankenpflege in Privathäusern widmen; die Befriedigung dieses Bedürfnisses tbeilroetfe durch Heranziehung einiger katholischer barmherziger Schwestern zu ermöglichen, ist der Wunsch einer nicht geringen Anzahl unserer Mitbürger verschiedener Confessionen und das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz hat die erforderliche Genehmigung ertheilt. Vor einigen Tagen sand eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Persönlichkeiten, die sich für biefe Angelegenheit intereffiren, im „Cafä Ebel" statt; die Versammlung lud Herrn Professor Gar eis ein, den Vorsitz zu übernehmen und beschloß die Gründung eines „Vereins für Krankenpflege", beffen Statuten sofort berathen unb angenommen würben. Diesem Vereine, welcher nur ben Zweck verfolgt, die Gründung einer Niederlassung barmherziger Schwestern in Gießen zu ermöglichen, kann Jedermann ohne Rücksicht auf seinen confeffioneQen ober politischen Standpunkt beitreten und in der That refrutirt sich der junge, nur von humaner Tendenz geleitete Verein bereits stark aus Mitgliedern der verschiedenen hier vertretenen Bekenntnisse Gießen, 28. Oktober. Bei der morgigen Feier des Erntedankfestes in hiesiger Stadtkirche wird der evangelische Kirchengesangverein Mitwirken und außer den eigentlich liturgischen Gesängen folgende größere Stücke zum Vortrag bringen: 1. Lob und Ehre und Weisheit und Macht sei unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, von I. Seb. Bach; 2. Ein altkirchliches Halleluja; 3. Lobe den Herren, o meine Seele, Choral aus dem neuen geistreichen Gesangbuch von A. Freylinghaufen (1714), No. 139 des neuen Gesangbuchs. . _ — Am Donnerstag Abend belustigten sich drei Schüler in der Löwengasse Damit, daß dieselben quer über die Straße eine Kordel spannten, so daß Passanten der Straße unbedingt darüber fallen mußten. Einer Frau mit einem Korb auf dem Kopfe passirte dieses Malheur und verletzte dieselbe sich denn auch ganz empfindlich. Die Schlingel, welche sich bei diesem Fall ins Fäustchen lachten, werden wohl entsprechend belohnt werden. — Gestern Abend wurde einem N isenden im Wartesaal III Classe eine Reisetasche, enthaltend Kleider und Geld, gestohlen. Der Dieb wurde alsbald ermittelt und fand man denselben in feiner Wohnung dabei, wie er eben den Inhalt der Tasche untersuchte. Vermischtes. Berlin, 25 Oktober. (Die Krastsuppe des deutschen Kaisers.^ Daß Kaiser Wilhelm trotz seines hohen Alters noch frisch und rüstig ist, daß er stundenlang ohne die geringste Anstrengung zu Pferde sitzt, verdankt er größtentheils den mit peinlicher Gewissenhaftigkeit beobachteten diätetischen Anordnungen seines Leibarztes Dr. v. Lauer. Sein Leibgericht sind 2 Teller Bouillon, deren Bereitung, falls der Kaiser verreist, stets der Koch überwacht. Zu dieser Kraftsuppe werden verwendet: 12 Pfund Rindfleisch, 4 Tauben und 2 Hühner. Der völlig ausgekochte Extract dieser Fleischmenge liefert eine sehr klüftige und leicht verdauliche Speise. — Die Geistinger-Reklame ist m Amerika selbst bereits der Parodie verfallen. Eine Zeitung in Cincinnati leistet sich folgenden Scherz: „John Smith, der kleine geschniegelte Assistent der Sternwarte, sucht seit zwanzig Nächten nach einem Afteroiben, um ihm den Namen Marie Geistinger zu geben. John Smith ist ein Flegel Marie Geislinger muß als vierzehnter Stern auf das amerikanische Sternenbanner erhoben werden, soll das Genie dieser Frau voll und ganz gewürdigt werden. Nach dem mit unnachahmlicher Grazie vorgetragenen Marschlied „Vorwärts mit frischem Muth!" erhob sich ein nicht enden wollendes Beisallsgeheul im Hause. Blumen, Bouquetsund Riesenkränze flogen auf die Bühne, wovon einer im Fluge den Souffleurkasten mit sich riß unb dem brüllenden Publikum das chignonlose Haupt der Souffleuse zeigte. Doch richtete das Wurfgeschoß keinen weiteren Schaden an, als daß es dem Darsteller des Izzet Pascha das linke Ohr vom Kopfe schälte. Nach dem dritten Akle überreichten zwei weißgekleidete Mädchen der Künstlerin einen massiven silbernen Lorbeerkranz aus dem Atelier der Firma Brown u. Comp., ein Geschenk des Newyorker Frauenvereins, zu dessen Gunsten der illustre Gast gesp'elt hatte. Es sollte dies di- letzte Vorstellung vor sein r Tournee in den Staaten sein, aber das Auditorium erhob sich wie ein Mann unb rief: „Da bleiben!" Weiter spielen!" :c., bis endlich Herr Amberg erschien unb bas Gastspiel ber Geistinger auf weitere acht Tage bei offener Scene verlängerte. Das ist der Erfolg der echten, himmelstürmenden Künstlerschaft. Und doch will John Smith, der wahrscheinlich tm Solde der Concurrenzbühne steht, Marie Geistinger blos unter die Asteroiden versetzen. Der Schurke!" — Nicht unzeitgemäß ist heute folgende Neminiscenz: Zu der Zeit, als der bekannte Präsident v. Gerlach an ber Spitze bes Oderlanbesgerichts in Magdeburg stand, geschah es, daß einer seiner Unterbeamten gegen einen richterlichen College« eine Denunciation einreichte, weil letzterer liberal gewählt hotte. Und was verfügte der gestrenge Präsident daraus? Ließ er eine Disciplinaruntersuchung einleiten gegen den Uebelthäter, ober maßregelte er ihn sonst etwa? Er verfügte einfach: „Diese Denunciation ist zu den Personalacten des Denuncianten zu nehmen " Dort muß sich dieselbe noch finden lassen. Nach diesem Grundsätze verfuhr der streng conservative, aber wegen seiner Gerechtigkeitslftbe überall geachtete Mann Die Pest ber delatores, äußerte er einmal, bars man nicht wuchern unb um sich greifen lasten, unb bezog sich wohl auf bie bekannte Stelle im Panegyrikus bes Plinius: „delatorum Judicium quasi latronum“, einen Denuncianten muß man verurtheilen wie einen Räuber. Unb so benkt jeher anständig gesinnte Mann. Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. Oktober. 21. Bergmann Heinrich Fischer von Lanzenhatn mit Friederike Susanne Schumann, Tochter des verstorbenen Fuhrmanns Johann Heinrich Schumann von Herborn. 25. Friseur Michael Theodor Uhrig von Speyer mit der Köchin Margarethe Pfälzner von Rasch, Bezirksamt Nürnberg. 27. Schuhmacher Heinrich Karl Ludwig Walter von Gießen mit Anna Eiisabeihe Waldeck, Tochter des Schuhmachermeisters Georg Waldeck von Romrod. Eheschließungen. Oktober. 24 Kaufmann Salomon Kaufmann von Wevelinghoven mit Toni Blumenthal, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Aaron Blumenthal von Rennertehausen. Geborene. Oktober. 19. Ein Sohn von auswärts, Eduard. 19. Dem Schuhmachermeister Ludwig Theodor Bärrn eine Tochter, Katharine Henriette. 20. Ein Sohn von auswärts, Arthur Heinrich. 23. Dem Bremser Adam Weiß ein Sohn, August Ludwig. 23. Ein Sohn von auswärts, Karl. 23. Dem Fuhrmann Heinrich Pfeil eine Tochter, Elise. 24. Dem Locomotivführer bei ber Main-Weser-Bahn Daniel Wiecharb ein Sohn. 25. Dem Schneider Wilhelm Dittmar von Homburg v. d. Höhe ein Sohn, Jacob. Gestorbene. Oktober. 20. Nätherin Susanne Spanier, 50 Jahre alt, von Schotten. 21. Wirth Gustav Adolf Rothe, 72 Jahre alt. 21. Anna Marie, 3 Jahre alt, Tochter des Bremsers Karl Andreas Müller. 21. Katharine Margarethe, 3 Jahre alt, Tochter des Bahnarbeiters Ludwig Schmidt VI. 21 Ein Sohn von auswärts, Karl Ludwig, 5 Monate alt. 23. Adolf, 6 Jahre alt, Sohn des verstorbenen Geometers Friedrich Weiß. 24. Dorothea Heerz, geb. Grandhomme, 72 Jahre alt, Wittwe des Uhrmachers Theodor Heerz. 24. Ein Sohn von auswärts, Gustav, 3 Monate alt. 25- Dem Locomotivführer bei ber Main-Weser-Bahn Daniel Wiecharb ein Sohn, 14 Stunben alt. 26. Jacob, 12 Stunben alt, Sohn des Schneiders Wilhelm Dittmar vom Homburg v. d. Höhe. 26. Justine Schäcker, geb. Pimper, 63 Jahre alt, Wittwe bes Kreisbauaufsehers Friedrich Schäcker. 26. Charlotte Geist, geb. Benber, 68 Jahre alt, Ehefrau bes Gymnasialdirectors Dr. Eduard Geist. _____________________ Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getaufte. Den 22. Oktober. Dem Schreiner Philipp Damm eine Tochter, Elisabeth, geboren den 7. September. Denselben. Dem Schuhmachermeister Carl Meinhardt ein Sohn, Franz, geboren den 2. August. Denselben. Dem Feldwebel Friedrich Heinrich Christian Gunschmann eine Tochter, Ida, geboren den 3. Oktober. Den 26. Oktober. Dem Bataillons-Büchsenmacher Albert Schultz ein Sohn, Emil Carl, geboren den 15. September. Denselben. Dem Fabrikanten Georg Throm ein Sohn, Carl Max, geboren den 8. August Den 27. Oktober. Dem Hautboisten Franz Geißler eine Tochter, Pauline, geboren den 24. September. Beerdigte. _ . Den 22. Oktober. Caroline Helene Hanüsch, geb. Seitz, Wittwe des Schuhmachermeisters Heinrich Nikolaus Hanitsch, alt 69 Jahre, starb am 20. Oktober. Den 23. Oktober. Gustav Rothe, Wirth auf der Hardt bei Gießen, alt 72 Jahre, starb am 21. Oktober. Den 24. Oktober. Friedrich Ohr, Maschinendreher, lediger Sohn des Bahnwärters Friedrich Ohr zu Klein-Linden, alt 18 Jahre, starb am 22. Oktober. Den 26. Oktober. Dorothea Heerz, geb. Grandhomme, Wittwe bes Uhrmachers Theodor Heerz, alt 71 Jahre, starb am 24. Oktober. a. welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen. B*bitten wir bis längstens Bormittags 10 Uhr „g gelegen zu lassen- Im Inter-ff- der rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt. Die Expedition des „Gießener Anzeigers". Gießen. f, als der Magdeburg Heften eine flLftte der tzegen den munciation eselbe notb iber wegen äußerte er ) wohl aul latronumv, denkt jeder ike Susanne umann von Margarethe arl Ludwig chermeisters 1 mit Ton! Kenneüer verfallen. « kleine Steroiden, l Marie :r erhoben 1 dem mit i Muth!« guets und n mit fit ke. Doch ieller des enüchien kränz aus lenvereins, Vorstellung ein Mann schien und erte. Das chn Smith, blos unter 1e Reist. ermitteh er Tasche 6 Kal,ft "d-nlang ben mit -e'barztes falls der rwendei- act dieser ett. achermeistN ,n von aus lüft Ludwig eine Tochter, giechard ein e ein Sohu, . A.Wick Kremsers r d-S * Ä -S i.». M ßhesraü vrr in** elni , ein S* zeb°r'"^ ter, *** ✓ Handel und Verkehr. Gießen, 23. October. Aus dem heutigen Wochcnmarkt kostete: Butter »er Pfund X 1.20—1.25, Hühnereier per Stuck 7~8 A per Stuck 4—9 A Sematte per Srück 3 A Erbsen 1 Liter 20 A Linsen 1 Liter 24 A Tauben das Paar 60-70 Hühner per Stück X 0.90-150 Hahnen per Stuck X 0.60 bis 0.90, Enten per Stück X 1.70-2.00 Ochsenfleisch per Pfund 66-70 A hnb- und Rindfleisch 56—60 A Kalbfleisch 54 bis 56 A Schweinefleisch 62—64 A Hammelfleisch 60—66 A Kartoffeln per 100 Kilo X 5.50—10.50, Zwiebeln per Gentner X 4.00, Milch per Liter 14—18^. Gänse per Pfd. 42—54 A Weißkraut 100 Stuck X 3—£.50. _________ Frankfurt a. M., 28. Oetober, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 261, Staatsbahnactien 2935/e, Galizier 266, Lombarden 119, Nord- westbahnactien ITo1^, Darmstädter-Bankactien 156 Vz, Oberschlesische E.-B.-Act. 257Vr, Oefterr. Silberrente 657/s, 4% Ungar. Goldrente 74V4, 4% 1880er Russen 70, 5% 1877r Russen 8712, 2. Orient-Anleibe 557/i6, Spanier 635/e, 5% Rilmänische Rente 921/2, 4% Unific. Egypter 71, Disconto Comm. 2051/», Gotthardbahnactien 9315/i6. Tendenz ruhig. __ ______ Für die Wasserbeschädigten in Tyrol erhielten wir ferner von: Frau Hensel 6 A Frau Pfarrer Kitzler 3 A E. Pistor 2 A M. H. 6 A M.v.H. 3,50 JL = 20,50 Den freundlichen Gebern herzlich dankend bittet um weitere Gaben Die Expedition des „Gießener Anzeiger." Das Museum des historischen Vereins (im alten Nath- haus) ist von nun an jeden Sonntag, Mittags von 12 1 Uhr geöffnet. Allgemeiner Anzeiger. Lieferung. Die Lieferung von zwei Extincteuren und zwei leinenen Spritzenschläuchen s 38 Mtr. lang, sowie verschiedener Kohlenkasten, Schaufeln und Schürhaken für das akademische Hospital sollen aus dem Wege der Submission vergeben werden. Offerten sind bis zum 5. November ds. Jahres auf das Verwaltungsbureau genannter Anstalt, woselbst die Bedingungen offen liegen, einzusenden. Gießen, den 26. Oktober 1882. Großh. Verwaltung des akad. Hospitals. 7090 Keller. Arbeitvergebung! Die zur Herstellung der Straße in dem früheren W o d e ’ schen Besitztum in Gießen erforderliche Erd-, Chaussir-, und Pflasterarbeit, veranschlagt zu ca-1000 A soll im Submissionsverfahren vergeben werden. Der dcsfallsige Voranschlag und die zugehörigen Bedingungen können vom 30. Ottbr. bis 2. Woubr. er. Mittags 12 Uhr bei J5crrn Lebrer Jung dahier cmgesehen werden- Die Offerten sind bis zu obigem Endtermin portofrei mit entsprechender Aufschrift versehen, ebendahin einzureichen. Gießen, den 28. Oktober 1882. Der Vorstand der Kleinkinder- Bewahranstalt. 7137 Dr. Naumann, Pfarrer. Hteinschlagaccord. Das Zerkleinern von ca. 300 Cbm. Basaltsteinen soll in Accord vergeben werden. Offerten wollen mit Angabe des zu übernelnnenden Quantums und des Preises bis 1. November d. I. bei dem Unterzeichneten, welcher auch Auskunft über die Bedingungen rc. ertheilt, verschlossen eingereicht werden. Gießen, den 23. Oktober 1882. Seuling, 7005 Bezirksbauausseher. Versteigerung. Dienstag den 31. Oktober, Morgens 11 Uhr, sollen im städt. Pfandlokal, Seltersweg, 1 Kleiderschrank, 1 Küchenschrank, 1 Kommode, 1 Oekonomiewagen, 1 Grabdenkmal, 2 Grabsteine. 3 Grabkreuze nebst 3 Sockel und 3 Untersockel gegen baare Zahlung versteuert werden. Gießen, den 28. Oktober 1882. Der Pfandmeister: 7145 Horn. Versteigerung. Montag den 30. Oktober, Nachmittags 2 Uhr, werden in dem früheren Adler am Wall- thor eine große Partie eichenes Brenn- und Bauholz eine eichene Hausthüre, Treppen rc. ver- steigert.7140 Versteigerung. Mittwocb den 1. November, Nachmittags 2 Uhr, wird an der Asterweg-Brücke eine große Quantität Pappel-Brennholz gegen Baarzahlung versteigert. 7125 Chr. Weiß. Aeilgeöotenes. Universül-Rkinigungssab ist das einfachste u. billigste Hausmittel gegen Säurebildung, Ausstößen, Krampf, Verdauungsschwäche und andere Magenbeschwerden. Original-Packete zu 25, 50 und 90 , 7123 b. F. Scrumler. Ieueruugsgerälhr. 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