Mr. 1415. Zweites Blatt. Sonntag bell 25. Ium 1882. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Einladung zum Abonnement ■£? auf den Gießener Anzeiger, Amts- unö anyifleöfatt für Den -Kreis fließen. Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, tncL der Beilage „Gießener Familienblätter" welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. Der Abonnementspreis für den Anzeiger , frei ins Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; in der Expedition abgcholt 2 Mark; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, beträgt derselbe 2 Mark ercl. Postgebühr. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1882 zuscnden und den Abonnenrentsbetrag durch Quittung erheben lassen. Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, um vollzählige Eremplare liefern zu können. (jjfepe&iHott« Wochenschau. Gießen, 24. Juni. Die sogenannte „Saison morte“, die todte Jahreszeit, ist nicht nur in die Salons der Gesellschaft, sondern, — seitdem sich der Reichstag sammt seinen Commissionen bis weit in den Herbst hinein vertagt hat — auch in die Rämne eingezogen, in denen für gewöhnlich nur „in Politik gemacht" wird. Unser inneres politisches Leben wird sich demnächst für einige Monate sehr gleichförmig gestalten, wenn auch nicht ausgeschlossen ist, daß einzelne Ereignisse den Wellenschlag der politischen Angelegenheiten wieder lebhafter gestalten können. Ob das, ohne Zweifel die Allerhöchste Genehmigung findende Rücktritts- gesuch des preußischen Finanzministers, Herrn Bitter, als ein derartiges Ereigniß zu betrachten ist, erscheint allerdings ziemlich zweifelhaft, wenigstens hat in ein- geweihteren Kreisen die Demission des bisherigen Leiters der preußischen Finanzen gerade keine große Überraschung hervorgerufen. Es war in diesen Kreisen kein Geheimniß, daß Herr Bitter sich über die Behandlung verschiedener wichtiger Fragen seines Ressorts mit dem Reichskanzler in einem tieferen Widerspruche befand, als Fernerstehende annehmen konnten, welcher Widerspruch nur durch den Rücktritt Herrn Bitter's gelöst werden konnte, doch wurde dieses Ereigniß nicht für so nahe gehalten. Hefter den Nachfolger Bitter's sind verschiedene Gerüchte im Umlauf, doch ist nicht zu bezweifeln, daß nur eine Persönlichkeit, welche den Anschauungen des Fürsten Bismarck Rechnung trägt, die Leitung des preußischen Finanzministeriums übernehmen wird. Der Kaiser hat an das preußische Staatsministerium einen Erlaß gerichtet, in welchem angeordnet wird, daß ihm von jetzt ab in jedem Monat über die Zahl und Vertheilung der auf dem Gebiete der Staatssteuern, der communalen Zuschläge und der Beitreibung des Schulgeldes stattgefundenen Zwangsvollstreckungen eine Uebersicht vorgelegt werden soll. Es soll hierdurch m erster Linie neues und authentisches Material zur Feststellung des Maßes des Steuerdruckes beschafft werden, um dann eventuell Abhülfe durch Gesetzesvorlagen zu schaffen. Die Begnadigung und Anerkennung der abgesetzten preußischen Bischöfe läßt trotz der Vollziehung des neuen Kirchengesetzes auf sich warten. In ultramontanen Blättern spricht sich hierüber eine nur schlecht verhüllte Verstimmung aus, da man die Rückkehr des einen oder andern abgesetzten Bischofs für unmittelbar bevorstehend gehalten hatte. Aus einem überaus gereizten Streit zwischen der „Rordd. Allg. Ztg." und der „Germania" kann man übrigens entnehmen, daß zur Zeit sowohl in Regierungskreisen, wie in den maßgebenden kirchlichen Kreisen Erwägungen darüber stattfinden, welchen Bischöfen die Rückkehr gewährt, resp. welchen Bischöfen der Verzicht auf ihre Stellen nahegelegt werden soll. Die Befestigung geordneter Verhältnisse in den von Oesterreich besetzten Provinzen nimmt ihren steten Fortgang. Ein erfreulicher Beweis hierfür ist das sehr günstige Ergebniß der Rekrutenaushebung in Bosnien, namentlich haben sich hierbei viele Freiwillige, darunter auch Mahomedaner, gemeldet. Die Wiener „Polit. Corresp.", welche diese Mittheilungen bringt, theilt ferner mit, daß zahlreiche Flüchtlinge nach Bosnien zurückgekehrt seien, sowie daß eine große Anzahl noch in Montenegro befindlicher bosnischer und herzego- winischer Flüchtlinge u:n straffreie Rückkehr gebeten habe, was ebenfalls als ein wichtiger Beleg für die wesentliche Besserung der Verhältnisse zu betrachten sei. Da auch der Aufstand, abgesehen von zeitweise hie und da auftauchenden Räuberbanden, nunmehr gänzlich unterdrückt ist, so werden sich von jetzt an die Dinge in „Reu-Oesterreich" hoffentlich in friedlicher Weise weiterentmickeln. Die Franzosen wollen immer etwas Neues haben und so kommt ihnen eine neu auftauchende Frage gerade recht, nämlich die „Tonking-Frage." Tonking ist die nördlichste und zugleich fruchtbarste Provinz des hinterindischen Reiches Aman. Die Franzosen, welche in Hinterindien Cochin-China besitzen, hatten ihr Auge längst auf Tonking geworfen, welche Provinz namentlich durch den Umstand, daß sie mit der angrenzenden reichen chinesischen Provinz Mn-nan lebhaften Handel treibt, als ein werthvolles Besitzthum erscheint. Französische Marinetruppen haben nun vor einiger Zeit unter dem Vorwande, daß die Ama- niten mit den hinterindischen Küstenpiraten unter einer Decke steckten, Han-noi, die Hauptstadt von Tonking, mit Sturm genommen und besetzt. Die französische Negierung soll nun beabsichtigen, ohne sich um den Einspruch des Herrschers von Aman zu kümmern, die wichtigeren Punkte des Landes zu besetzen und die französische Einwanderung nach Tonking zu begünstigen. Nun, wenn nur Tonking den Franzosen besser bekommt als Tunis! Die Befürchtung einer allgemeinen Revolution in Irland hat sich bei den englischen Staatsmännern seit der Entdeckung des letzten großen für Irland bestimmten Waffen- und Munitions-Transportes wieder geltend gemacht. Die Militärbehörden haben deshalb in Irland entsprechende Vorsichtsmaßregeln getroffen, namentlich wurden sämmtliche Militärkasernen unter scharfe Bewachung gestellt, da man erneute Versuche der fanatisirten Iren, derartige Gebäude in die Lust zu sprengen, für sehr wahrscheinlich bält. — In dem am Mittwoch zu London stattgefundenen Ministerrathe wurde beschlossen, Lord Dufferin, den englischen Botschafter in Konstantinopel, zu instruiren, seine Thü- tigkeit auf der Conferenz daraus zu beschränken, daß eine solche Lösung herbei- gesührt werde, welche die Aufrechterhaltung der Rechte des Khedive, die Wahrung der Freiheiten des egyptischen Volkes und die Innehaltung der internationalen Verpflichtungen Egyptens sichere. Für Rußland scheinen wieder einmal Veränderungen in der Diplomatie wie in den wichtigeren innern Verwaltungsposten in Aussicht zu stehen. Baron Mohrendorff, der russische Gesandte in Kopenhagen, ist bestimmt, den russischen Botschafter in London, Fürsten Lobanoff, zu ersetzen, falls letzterer eine andere Verwendung finden sollte. Der Votjchafterposten in Konstantinopel, den bisher Novikoff innehatte, soll durch Herrn v. Nelidoff, den Vertreter Rußlands am Dresdener Hofe, wieder besetzt werden. Endlich verlautet, General Orschewski werde zum Oberpolizeimeister von Petersburg an Stelle des Generals Koslow ernannt werden, weich' letzterer auf seinen früheren Posten als Oberpolizeimeister von Moskau zurückkehren werde. Hinsichtlich der egyptischen Frage macht sich neuerdings eine etwas friedlichere Auffassung derselben geltend. Sowohl der Zusammentritt der Botschafter-Couferenz in Konstantinopel, welcher am 22. Juni erfolgt ist, wie auch die Neubildung des egyptischen Cabinets werden als Anzeichen dafür betrachtet, daß die Spannung am Nil allmälig nachläßt. Der Umstand, daß Arabi Pascha auch im neuen Cabinet seine einflußreiche Stellung beibehalten hat, t|t als eine neue Schlappe der Westmächte zu betrachten, welche ja gerade die- Entfernung Arabi's forderten; sür eine friedliche Entwickelung der Dinge ru scheint aber dennoch das Verbleiben Arabi Pascha's im egyptischen Ministerium eine Bürgschaft zu sein. _____________ Aus Thüringen, 19. Juni. ^Schaden durch 17. auf den 18. Juni hatte sich tn einigen Strichen Thür 6^ n und @urfen nicht eingestellt. Derselbe hat auf den Reibern an 'b b?e Äartoffelpflanaen ganz unbeträchtlichen Schaden angerichtet. In vielen Fluren s Bamberg", sind sämmtliche schwarz. In der Gegend vori Gottern, dem^th^«g'fch-n AE 0^1 fß die bis letzt sehr gut gestandene Gurkenfelder vom ip ofi 0 » Aussicht auf eine günstige Gurkenernte geschwunden m- 141000 Auswanderer aus Newyork, 18. Juni. Im vorigen, Monat Dampfergesellschaften haben Europa in den Vereinigten Staaten aU'-^^rer^zu entrichten, so daß dieselben nun- letzt eingewilligt, die Kopfsteuer für oon (Salcutta angefommene «befttff mehr in Castle Garden landen können. b m seiner Cajüte schlief, von „Freeman Clarke" berichtet, daß der Capita , unb ba^ ber chinesische Koch den dem chinesischen Schiffsdiener brutal ermc»bet jnur^ ^Eschaft tödtete darauf ersten Steuermann angriff und feftwer n 5)q§ bte Gewaltthat beide Chinesen und warf beide Leichen r-ö Jedermann an Bord wohl gelitten der Chinesen ist unerklärlick>, d d- Zpttan von ^Qffcnftrifc für Wu Löhne ent- war. - Unter ben ©tritenber verhinbert, andere zur Arbeitsem- standen. Die Polizei hat eme merben tn Bereitschaft gehalten, um stellung zu zwingen. Die Polizei uno o u»norbnunQ $at sich setzt am einzelne etwaige Rudeftorungen zu umerd u ben Walzmühlen von Cleveland Fälle von bk nWhern Verband- ongchor-n mit jedem Sro6e’V.ni(ie e®W" "« der Nacht am Freitag di- Staaten Mchaun und Kansas^h°lln, wodurch m-hr-r- Menschen ihr Leben verloren und großer Eigenthmns. sckad-n angerichtet wurde. - Aus St. Johns (Neufundland) wird berichtet: Der französische Fischfangschooner „La Syrene" aus Miquelon ist nach einem Zusammenstoß mit einem Eisberge gesunken; 17 Personen verloren dabei ihr Leben. — Aus Toronto (Canada) wird gemeldet: Die letzte Schiene der canadischen Pacific^Ersenbahn zwischen Prince-Arthurs-Landirg und Winnipeg soll heute gelegt und die Eis-nbahn am I.Juli eröffnet werden. — Auf dem Pachtgut Kremlingen (Braunschweig) brach kürzlich Feuer aus welches offenbar böswillig gelegt worden. Man konnte jedoch das Gebäude und sämmtliches Vieh, sowie die Hühner retten. Dagegen verbrannten auf dem Dachboden, wo sie ihr Nachtlager oufgeschlagen hatten und vergessen worden waren, drei Dachdecker Väter von 8 Kindern, und ein Lehrling. Emer derselben scheint noch so viel Kraft' gehabt zu haben, daß er von seinem Lager aufgesprungen und an ein Fenster geeilt ist. Hier fand man ihn m sich zusammengesunken und erstickt. Die übrigen Drei sind auf ihrem Lager erstickt und dann verbrannt — ^Album-Po-sie des Fürsten Bismarck.) Aus Berlin wird uns gemeldet: In das Album einer sürstlichkn Dame hat Graf Moltke vor einigen Tagen die Worte aefetzt: „Schein vergeht, Wahrheit besteht!" Fürst Bismarck schrieb darunter: „Ich glaube, daß in jener Welt Die Wahrheit stets den Sieg behält. Doch mit der Lüge dieses Lebens Kämpft unser Marschall selbst vergebens!" — Zu einer niegeahntcn Höhe hat sich in Berlin, so schreibt man uns von dort, ein vor einem Jahrzehnt kaum beachteter Industriezweig aufgeschwungen, welcher gerade um die jetzige Jahreszeit Tausende von Arbeitskräften Tag und Nacht beschäftigt. Es 'ft dies die Fabrikation von Gratulationskarten, deren Erzeugnisse, allerdings nur zum geringsten Theile für den deutschen Markt bestimmt, von hier aus in alle Welt versandt werden. E>ne einzige hiesige Firma hat im vergangenen Monat fünfmal: hunderttausend Gros solcher Karten von hier nach England geliefert, von denen einige Sorten in 17 Farben gedruckt und kleine Kunstwerke waren, für deren Zeichnungen den Künstlern, die sie entworfen, namhaftere Preise bezahlt worden waren, als sie für manches ihrer Bilder erhalten mögen. Das Haus, welches diese Bestellung ausjührte, entsandte seinen Chef nach England, welcher als einer der Preisrichter bei der Concurrenz fungirte, die jene englische Firma ausgeschrieben hatte, um passende Dessins für die in Deutschland anzufeltigenden Karten zu erhalten. Preise im Betrage von über 50,000 Mark gelangten zur Verthellung, merkwürdiger Weise aber wurden nur wenige der von deutschen Künstlern gelieferten Vorlagen prämiirt, da der englische Geschmack ein von dem deutschen gänzlich verschiedener ist. Fast gänzlich unbekannt dürfte auch die Thalsache sein, daß an der künstlerischen Herstellung der für den deutschen Markt bestimmten Gratulationskarten hier in Berlin mehrere unserer vielgenanntesten Maler arbeiten und daß unsere bedeutendsten Firmen für diese Zwecke nur Künstler ersten Ranges beschäftigen Denn der Geschmack des Publikums ist, wie man uns mittheilt, durch die wahrhaft erstaunlichen Leistungen auf diesem Gebiete so sehr veredelt worden, daß die widerlichen Zerrbilder mit schlechten Versen, welche noch vor wenigen Jahren so viel gekauft wurden, jetzt fast gar keinen Absatz mehr finden. — Nachstehende charakteristis che Anekdote entnehmen wir dem schon mehrfach erwähnten Buche „Preußen im Bundestage". Fürst Bismarck ist stets Miether in Frankfurt gewesen- Als er ein Haus in der Bockenheimer Landstraße bezogen hatte, verlangte er von dem Besitzer, daß dieser einen Gartenpavillon, in welchem zur Sommerszeit Herr v- Bismarck zu speisen pflegte, mit der Küche durch eine Schellen^ leitung verbinde. Als der Hausherr sich weigerte, erklärte sein Miether: „Gut, so werde ich mir selbst helfen." Und was geschah? Am folgenden Mittag fielen in regelmäßigen Pausen verschiedene Pistolenschüsse; auf diese Weise setzte sich Herr v. Bismarck, wenn ein Gang der Mahlzeit erledigt oder eine Flasche geleert war, mit dem Küchenpersonal in Rapport. Ob der Hausbesitzer sich durch diese seltsame Anwendung ber ultima ratio zur Herstellung der begehrten Communication zwischen Küche und Pavillon bewegen ließ, haben wir nicht erfahren, wohl aber, daß die Polizei erklärte, sie sei gegen ruhestörenden Lärm, wenn er von Gesandten ber hohen Macht verübt werbe, nicht mit ber Schärfe bes Gesetzes bewaffnet. — sDer Schlußakt einer Tragödie.^ Der Wiener Correspondent bes „Berl. Tagcbl." bepeschirt unter bem 14. Juni: Heute früh würben vor ber Hauptfront bes Schlosses Ottenheim bei Linz im Parke zwei elegante junge Damen — bie eine blonb, bie anbere brünett — erschossen aufgefunben. Nach ben Feststellungen ber Criminal- behörbe finb es zwei Französinnen, Marie b'Almoote unb Albine Reneville, welche vor zwei Tagen au5 Wien nach Linz kamen unb in Ottenheim Nachts in ben versperrten, von Hunben bewachten Schloßpark heimlich eingebrungen finb. Durch bas Parterrefenster schossen sie zuerst in das Schloß unb richteten bie Revolver bann gegen bie eigene Brust. Beibe Damen sollen bei ber französischen Botschaft in W'en bekannt sein unb eine von ihnen angeblich zu bem Sohne bcs Schloßbesitzers von Ottenheim in intimen Beziehungen geftanben haben. — sCylinder.) Höchst originell ist bie Verwenbung, welche ber Cylinber, diese Kopfbedeckung ber hochstcivilisirten Europäer, bei ben Arabern finbet. So erzählen Reisende, welche Volksschulen um Kairo besuchten, baß sie in jedem Lehrzimmer einen europäischen Cylinberhut, allerbings in sehr befectem Zustanbe, aufgehängt sahen. Als sie einen arabischen Lehrer burch ben Dolmetsch über bie Bebentung bieses Hutes befragten, erhielten sie bie überraschenbe Antwort, baß es bie große Strafe für un- art'pe Kinder sei, wenn sie einen Cylinberhut aufsetzen müssen. In ber That fanden bie Reisenben auch in einem anberen Schulzimmer einen Knaben mit einem Cylinber auf bem Kopfe in einer Ecke stehen unb schien berfelbe über bicse Strafe ganz zerknirscht zu sein. — Ueber bas lange Schulsitzen spricht sich Professor Dr. Nußbaum in München in seiner jüngst erschienenen „kleinen Hausapotheke" folgenbermaßen aus: „Kommt zur gegenwärtigen Ueberanftrengung ber Kinber noch eine ungeeignete Kost, so wirb bie Gesunbheit rasch geschäbigt. Ich habe bie Ueberjeugung gewonnen, baß bas lange Schulsitzen unb namentlich bas viele Lernen Abenbs zu Hause, um bie unsinnig großen Hausaufgaben fertig zu bringen, es ist, was Kinber körperlich unb geifiig elend macht. Man irrt sich sehr, wenn man meint, ein Kind lernt in täglich acht Stunden viel mehr, als in täglich vier Stunden. Es mag dies bei einigen besonders Entwickelten wahr fein, aber die große Mittelklasse wird durch langes Lernen so ermüdet, daß das Auffassungsvermögen unendlich verlangsamt w'rb. Ich habe gesehen, daß Kinder in der 8. Lernstunde lange hin- und herdachten, bis sie auffaßten und jene Antwort gaben, welche in der ersten Lernstunde blitzschnell gegeben ward. Gehirnüberreizung, bleich- süchtiges Aussehen, glanzlose Augen, Kurzsichtigkeit, Wirbelkrümmungen Kopfschmerzen, Nasenbluten, der sog. Schulkropf und anderes sind uns Aerzten als Folgen ber lieber; anftrengung sehr wohl deka nt. Das Turnen, so vorzüglich es ist, kann hier kein Rettungsmittel genannt werden. Man meinte, bie Kräftigung ber Muskeln burch Turnen würbe bem blutüberfüHten Gehirne ein gewisses ausgleichenbes Gegengewicht liefern, allein b c Erfahrung zeigt, baß bas befebäbigte Hirn durch Kräftigung der Muskeln nicht reparirt wird Sehr schlecht genährten Kindern schadet das Turnen sonach noch mehr, indem sie nicht Nahrung genug haben, den im Gehirne verbrauchten Stoff zu ersetzen, und trotzdem nimmt man ihnen durch bas Turnen noch K ten”it "eiten ®tOff unb :6n wi-d-r. HI« hilft nur Beschränkung »urüwfuÄ Deutschen Rundschau». V°n der Wirkung ber kopVÄ^ Kleiber und Apparate erzählt er in seinem fesselnd n Aufsatz' 4n weI*Tr tropische Hitze - nur sieben Breitegrab: Dom Äquator entfernt - imÄn. ?16 höchsten Grabe ber Luftfeuchtigkeit auf unsere europäischenÜhxrpr^ aur bie einheimischen Naturproducte von Ceylon einnnrft bannn fnnn mn» T uns zu Hause gar keine Begriffe machen. NachdembTe^ Bungalow mst Schauen und Staunen vorüber waren fing ick an mesiip ^>Pb?nsÄ» unb Instrumente aus Koffirn unb Kisten auszukramen und in mjE aXnh I i4 da Vieles! An allem w,ssen!ch°,.l.chm Instruments welch ^Mhf?^« E sen theile enthielten, waren diese verrostet; feine Schraube gina mehr alatt unb ^purMen waren gleich allen L-b-rsachen seuchf unb® iS Summet beb ch unb w°s mich »auz besonders rsthrte, ber berühmte „schwarz- Frack" - welcher n der G--llschast Heer wie bgheim in Europa eine so große Rolle smelt - war als ich ihn aus dem Koffer nahm, weiß geworden! Er war aleick nrrpn nnh»m K* den zierlichsten SchimmeUbuugm bedeckst '“Äft "nach S» Trocknen an ber Sonne sich verloren. Daher ist es in allen eurnnfiifAp« fßadier u f. tu an hpr ßinnnp nt trnrfnov» v / tnüffch Kleider, Betten, 'Wäsche, ro- an der Sonne zu trocknen und vor dem Verschimmeln xu bewahren! Spt Prftpn trtpy* a aiiP am •* h CTÄ OÖSCUrftj die von einer hpim^orHS Berliner Firma aus angeblich „völlig trockenem Holze" gefertigt war sich beim Auspacken als unbrauchbar erwies, weil aUe ßohtbeile berfelben nprinnp« mnr»» Fnnn.'rta ihamh ^ttCD fi^ fast aae^geroorfen^0 $)ie ^eVren' famngeklebt. Mehrere Schachteln mit pulverisirtem Gummi mpr.mM*C,rfcflc* “mentartige Masse, während in andern Schachteln mit d/§^?ü"zklrchelchen beim ersten Oeffnen em süßer Syrup umherfloß. Noch überraschender war das Oeffnen der mitgebrachten Brausepulverschachteln. In allen mar btc Weinsteinsäure verschwunden und in allen weißen fand sich statt des kohlensauren nur noch weinsteinsaures Natron; erstere hatte sich aufgelöst ^E/wgedrungen und hatte die Kohlensäure ausgetrieben. Und so waren Ctm s U§PÖme\ bürd) Einfluß d r feuchten Hitze eine Stenge gen der Schornsteine, bas heute noch wie vor Olims Zeiten durch Schornsteinfeger besorgt nmb, hat sich die Firma Syllwaschii u. Bellow in Neustadt bei siebzig ein neues Verfahren pateniiren lasten Dastelbc besteht in der ^w-ndung einer Dampfmaschine von 4 Pferdestärken, mittelst deren in -m-r Minute ein Wmdquantum von ca. 100 Kbm. mit gewaltigem Druck non unten dem Schornstein zugeiührt wird, welches die Rußmaffen nach oben treibt, woselbst sie mittelst eines construirten Fängers abgefangen werden, so daß sie Niemand belästigen. Auf d,e den Schornstein etnmunbenben Feuernngsanlagen und Oefen soll sich das Verfahren nur oarthcilhaft äußern indem die betreffenden Canäle durch Ausfaugen gleichzeitig Mit POM Ruß befreit wurden In 20 S-eunden soll die Reinigung eines Schornsteins oollzogen werden können. Eine Maschine, deren Anfchaffungskosten auf 5500 X be- re^net werben, erfordert zur Beblenung drei Mann I einen Maschinisten, einen Schlanch- Wer unb -inen Rußobfangerz sie bedarf pro Stunde für 35 L Coaks. Bewährt sich dresi neue Erfindung, so kann sie allerbings sehr segensreich wirken unb würben namentlich bie größeren Stabte von ber Rußkalamität künftighin weniger zu leiben baden. Das neue Verfahren wirb zunächst eingehend geprüft werben müssen. Eine diesbezügliche Anregung ist bereits bei bem Vorstände bes Leipziger Hausbesitzer- Vereins gegeben. «v c. - 'U unsern heimischen Walbern sich aushaltenbe Kreuzotter tritt in biefem K°bce mel häufiger auf als sonst unb es wirb in einzelnen Fällen gemelbct, baß fid> bte§ giftige und dabei sehr boshafte Reptil bis in bie unmittelbare Nähe ber mensch- lidjen Wohnungen gewagt hat. Der Grund für das häufigere Auftreten der Otter mag wohl zunächst darin zu suchen sein, day das Thier durch ben letzten, so ungewöhnlich milden Winter fast gar nicht gelitten hat (bei starker, anhaltender Kälte erfrieren viele dieser Schlangen in ihren Schlupfwinkeln unb fobann verfolgt man biefe nicht ungefährliche Viper theils aus Furcht, theils aus Nachlässigkeit viel zu wenig. That- sache ist, baß nach Brehm's unb Link's Forschungen in Dentscklanb alljährlich vierzig Menschen, und zwar zumeist barfuß gehende Kmder, von Kreuzottern gebissen werden und davon 5 Procent m Folge des Bisses sterben. In einzelnen Fallen auch hägt der Gebissene trotz ärztlicher H-lfe lebenslängliches Siechlhum davon. Wer jedoch nur einigermaßen vorsichtig ist, braucht die Schlange, welche überdies ungereizt den Menschen stets flieht, nicht zu fürchten. Brehm sagt wörtlich: „Es ist ein allgemeiner Glaube, daß die Otter springt und in ber Wuth sogar auf weite Strecken verfolgt. Weder ich, noch mein Schlangenjäger haben je dergleichen gesehen; auch hat mir noch nie ein Mensck, der die Ottern genau kennt, etwas Aehnliches erzählt. Zuweilen nur, wenn mau bie Schlange in einer gestreckten Lage überrascht, wo sie sich nickt Zeit nimmt, ben ganzen Leib tellerförmig aufzurollen, sondern blos den Hals einzieht und dann mit schneller Bewegung ihn wieder auszieht und zubeißt, geschieht es, baß diese Bewegung auch ihren übrigen Körper etwas vorschnellt. Dieses Vorschnellen kann jedoch höchstens einen halben Fuß betragen." - (Ein Liebespaar auf der Flucht.) Aus Nachod in Böhmen wirb unterm 14. o. geschrieben: Gestern wurde von der hiesigen Stadtpolizei über telegraphische Requisition aus Berlin ein flüchtiges Liebespaar an der Weiterreise geh ndert und wird bis^ zur Ankunst der Eltern des durchgegangenen Frauleins inoigilirt- Selbiges Fräulein ist die Tochter des Commerzienraths Elkan aus Berlin unb ihr Liebster ein Herr früher aus Wien, ber, feit kurzer Zeit in Berlin bomicilirenb, in heißcr Liebe zu bem schonen Commerz-enraths Töchterlein entbrannt war. Das Feuer seiner Liebe fand von Seit-n ber Angebeteten Erwiderung, aber bie Weigerung ber Eltern, in eine Verbindung ber ßiebenben zu willigen, fiel wie ein kalter Wasserstrom auf bie hoch auflodernven Herzensflammen. „Die Liebe ist ersinberisch", sagt das Sprichwort, aber wo so zahlreiche und probate Mittel zur Hand sind, braucht sich der Geist nicht mit Erfindungen abzuquälen. Solch' em probates Mittel sand das verliebte Pärchen in dem oft bewahrten Vorgehen, durch gemeinsame Flucht das Herz zu bezwingen, „bas ber frommen Bitte unzugänglich war." Gebucht, gethan, bie Flucht gelang — bis Nachod, wo mit bem Paare zugleich bas Telegramm der betrübten Eltern einlangte. Herr Fischer unb Fräulein Elkan werben hier zurückgehalten bis zur Ankunft der Eltern, sie bürten zwar bie Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Stadt genießen, müssen sich aber bie Begleitung eines Polizeimannes in Cioil bet ihren Ausflügen gefallen lassen- Sie geben sich der zuversichtlichen Hoffnung hm, daß die „Vergnügungstour" nut einer Verlobung in Nachod enden werde. Allgemeiner Anzeiger. 3M. 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