Mr. 120. Zweites Blatt. Donnerstag den 25. Mai L882. Gießener Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. : Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Pr«i» vierteljährlich 2 Mark 20 Pt. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 'SO Pf. / protoM der Generalversammlung des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen vom 3. Mai 1882. Der Director des Vereins, Provinzial-Director Dr. Boekmann, theilt die Hauptposten der vom Vereins-Ausschuß zuvor geprüften Rechnung für 1881 unter dem Bemerken mit, daß die Rechnung 8 Tage lang aus dem Kreisamtsbureau zur Einsicht offen liege. Hierauf wurde der nachstehende Voranschlag für 1882 berathen und festgestellt: Voranschlag für 1882. I. Einnahme. 1. Kassevorrath 2. Beitrag der Aachen - Münchener Feuerver- versicherungsaesellschaft aus der Gewinnhälftc 3. Beitrag des landwirthschastlichen Provinzialvereins für 1882 4. Beitrag desselben zur Hebung der Viehzucht II. Ausgabe. 5. Bureaukosten 6. Subventionen zum Besuch eines Obstbaum- wärtercursus 7. Beitrag zur landw. Versuchs- u. Auskunftsstation 8. Subvention zum Besuch des Hufbeschlagcursus an der Veterinäranstalt . . . . 9. Subventionen zumBesuch der Ackerbauschule zu Alsfeld oder Friedberg . . 10. Subvention an den Oberhess. Bienenzüchterverein 11. Für Kulturen . . . 12. Für Vorträge von Wanderlehrern 13. Portokosten 14. Für die Landes-Ausstellung in 1882 . 15. Zur Unterstützung eines Rindviehzuchtvereins 16. Betriebskapital a) Zur Auszahlung bereits bewilligter Stipendien für Besucher eines Obstbaumwärter- cursus b) Baar ' . M. 1188.55 72.70 353.53 200.— 1814.78 M 20.— „ 200.- „ 85.20 „ 200.- „ 200.- 20.— 200- 60.- 5.— 300.— 200.— „ 290.— „ 3458 M. 1814.78 Zu 11, Kulturen, wünscht Freiherr Adalbert von Rabenau Vorsehung einer größeren Summe, damit nicht nur die Kosten von Vorarbeiten und der bei den gesetzlichen Abstimmungen der Beteiligten abgelehnten Pläne, sondern zur Hebung dec Bodenmeliorakion überhaupt die Kosten aller Projecte vom landwirthschastlichen Vereine getragen und Prämien für gut ausgeführtc Kulturen und Pläne verliehen werden könnten. DerDircctor des Vereins hebt zunächst hervor, daß der Kreis Gießen auf diesem Gebiete keineswegs zurückgeblieben sei. Von 5 in Anregung genommenen Konsolidationen seien 3 im Gange, ebenso 3 umfangreichere Wiesenverbesserungen und eine größere Bachregulirung. An Drainagen seien in diesem Frühjahr allein 4 ausgedehnte Projecte durch Abstimmung zur Annahme gelangt. Die hier vorgesehene Summe werde sich voraussichtlich durch Rückerstattung eines Theils der gemachten Vorlagen erhöhen. In diesem Jahre müsse der Verein seine Hauptkrast der Landesausstellung zuwenden Im nächsten Jahre könne unter dieser Rubrik wieder mehr vorgesehen werden. Den Umstand, daß die in dem letzten Voranschläge vorgesehene Summe für eine Probe-Anlage von Korbweiden nicht verwendet worden ist, erläutert der Secretär dahin, daß man für eine ursprünglich in Aussicht genommene fiscalische Bodenfläche Pacht verlangt habe und daß ein anderes bei Klein-Linden im sogen. Heßler gelegenes Grundstück von dem Landescultur-Jnspector nicht habe eingesehen werden können, weil der Eigenthümer zur fraglichen Zeit schwer krank gewesen sei Eine wiederholte Vorsehung für 1882 sei mit Rücksicht auf die Landes-Ausstellung unterblieben , , ... Baurath Dr. Diefsenbach von Grunberg hebt hervor, daß in seinem Bezirke viel Gelände, welches sich zur Korbweiden Anlage eigne, vorhanden fei. Man möge die Grundbesitzer auffordern, sich zu melden und doch etwas zur Unterstützung dieser Kultur vorsehen. Zu 12, für Wanderlehrer bemerkt Generalsecretär Dr. Weidenhammer daß di- Regierung beabsichtige, die Ackerbaulehrcr mehr zum Dienst- der Provinz heranzuziehen. Zu 14, für die Landesausstellung erwähnt derDirector, daß nach Ansicht des Vereinsausschusses die Landesausstellung freudig zu begrüßen und zu beschicken sei, Letzteres namentlich durch Ausstellung von preiswürdigem Vieh. Es seien daher die Commissionen für Besichtigung des Fasselmehs angewiesen worden, sich besonders schönes Vieh zu notircn. Das Nähere sei vom Ausichuste spater zu beschließen. Er ersuche den Herrn Generalsecretär um Mitthetlung, was von anderen Vereinen beschlossen worden sei. , Generalsecretär Dr WeidenHammer: Tue ursprünglich vom Central-Aus- schusse der Ausstellung beabsichtigte Verwmigung von Wegvergütungen habe sich bei der Lage des Landes als unthanlich erwiesen. Man habe daher bedauert, die Bezirksvereine nicht zur Vorsehung von Mitteln hierzu aufgefordert zu haben. Es seien aber doch von vielen Vereinen mitunter bedeutende Summen verwilligt worden um die Transportkosten zu übernehmen. Die bessiiche Ludwigsbahn habe bereits zugestchert daß für den Rücktransport der ausgestellten Gegenstände nichts verlangt werde Das Gleiche sei auch von den anderen Eisenbahnverwaltungen zu hoffen. Wer Prämien erhalte, werde wohl eine Transportkostenvergütung nicht verlangen. Man könne zum Transport gemeinschaftliche Eisenbahnwagen benutzen. Es werd- sich emvfeblen auch für allgemeine Kosten etwas zu reserviren. Für den Kreis Gießen dürften im Ganzen 200 M. genügen. ’ Die meisten Vereine hätten übrigens auch noch etwas zum Prämiirunasfond verwilligt. Gine Anforderung solle übrigens desfalls an die Oberhessischen Vereine nicht gebildet werden. Iw Rach einer sich hieran anschließenden Discussion, an welcher sich ouber dem Vorgenannten noch Baurath Dc. Di-sf-nbach, Gutsbesitzer Sch lenke Dr Gros' A. v. Rabenau und d-r Dtrector bctheiligen und in weicher namentlich betont wird, daß auch die Vogelsberger Rindviehrasse für welche 3500^ SBrämkn auSaefeM f£ien bei der Landesausstellung vertreten sein müsse, wttd ein oo^DÄ von A. v. Rabenau unterstützter Antrag einstimmig angenommen, 200 .ttsür Transportkosten-Vergütungen vorzusehen und 100 zu dem Prämiirungsfond zu ver- willigen. Zu 15, Unterstützung eines Rindvtehzuchtvereins wird die Beschlußfassung mit Bezug auf das in Aussicht stehende besondere Referat (siehe unten) vorerst ausgesetzt. Nach Erledigung des Voranschlags wird als Kommissär zur leichteren einheitlichen Durchführung der Vorarbeiten der allgemeinen hessischen landwirthschastlichen Landesausstellung zu Darmstadt Stadtverordneter Th. Wortmann dahier und als sein Stellvertreter O-conom Georgi von hier gewählt. Es erfolgte hierauf eine Reihe geschäftlicher Mitth-tlungen. Ein zur Einsicht zugesandt-s Schristchen über die Währschast beim Viehhandel von Amtsrichter Zimmermann in Lorsch soll auf Antrag des Freiherrn v. Rabenau auf Ver-inskosten angeschafft und jeder Gemeinde ein Exemplar zugesandt werden. Zum angekündigten Vortrage über die verschiedenen Methoden der Milchaufrahmung und ihr- Anwendbarkeit erhielt das Wort Generalsecretär Dr. W-iden Hammer: Es habe in bet letzten Zeit eine Resotm des Molkereiwescns stattgefunden und seien verschiedene neue Methoden in der Milchaufrahmung entdeckt worden. Die in Süddeutschland üblichste Methode sei die Auftahmung in Töpfen von 10—20 Zentimeter Höhe, welch- ohne besondere Auswahl des Lokales aufgestellt würden, .worin man die Milch dick werden lasse und sie bann abrahme unb buttere. Bei bieser Methode sei jedoch ein vollständiger Gewinn d-r Butter nicht möglich. Durch das Sauerwerden der Milch gerinne nämlich der Käsestoff, welcher einen Theil der in der Milch frei schwimmenden Butterkügelchen umschließe und solche am Aufsteigen verhindere. Aber auch die oufgestiegenen Butterkügelchen, an der Oberfläche als Rohm erscheinend, seien nicht rein, sondern mit Käsestoff vermengt. Daher rühre auch das Vorurtheil, daß man aus der Sauermilch mehr Rahm erziele. Der mit der Butter vermischte Käs-stoff zersetze sich jedoch und mache die Butter ranzig. Man s-t daher bei diesem Verfahren nicht im Stande, eine haltbare, feinschmeckende und leicht schmierbare, exportfähige Butter herzustellen, daher der Preis dieser Butter ein niedriger. Anders und besser sei man in Holstein verfahren, wo man die Milch in kleineren flachen Gefäßen von Buchenholz, Steingut oder Glas, etwa 6—10 Gentimeter hoch, mit einem Inhalt von 4—5 Liter in ein Lokal mit guter Ventilation und gleichmäßiger Temperatur aufgestcllt und die Milch, ehe sie sauer geworden, in 36—48 Stunden abgerahmt habe. In diesen flachen Gefäßen sammelten sich die Butterkügelchen eher an der Oberfläche. Aber auch bei dieser Methode werde die Milch doch zuweilen sauer, besonders im Sommer. Trotzdem fei die Holsteiner Butter lange die berühmteste gewesen und habe die besten Preise gehabt. Man hatte in Holstein außerdem auch noch das sogen. Destinon'sche Verfahren, welches darin besteht, daß die Milch in großen emaillirten Gefäßen von Gußeisen von 50—60 Liter Inhalt abgekühlt und der Rahm durch Streichbretter, welche auf Rollen laufen, abgestrichen wurde. Die Ausbeute soll aber bei diesem Verfahren nicht so groß sein, wie bei dem vorgenannten. Endlich war auch noch das sogen. Gußander'sche Verfahren in Anwendung, welches auch heute noch für kleine Wirthschasten eine große Bedeutung hat. Die Milch werde hierbei in flachen Gefäßen von verzinntem Eisenblech von etwa 6 Liter Inhalt aufgestellt unb oben abgekühlt. Der Rohm wirb nicht oben abgenommen, sonbern bie Milch durch eine am Gesäße befindliche Vorrichtung abgelassen, während der Rahm drinnen bleibt. Alle letzterwähnten Verfahrungsweisen setzen voraus, daß man die Milch von oben abzukühlen suche, namentlich durch möglichst große Oberfläche und wobei die Milch süß bleiben soll. Wenn aber die Abkühlung von oben erfolge, werde die oberste Rahmschichte dichter und damit schwerer. Sie sinke unter unb eine leichtere Schichte steige nach oben. Diese Bewegung verhinbere aber ein regelmäßiges Aufsteigen her Butterkügelchen unb mache es unmöglich, ben Rahm in kürzester Zett zu sammeln. Man habe baher, zuerst m Schweben unb Dänemark, solche Verfahren angewendet, welche auf der Abkühlung der Milch von unten beruhten. Durch diese Methoden sei die Holsteiner Butter vom Weltmarkt- (Hamburg) verdrängt und der Buttermarkt in Kopenhagen der bedeutendste geworden. Es komme in dieser Hinsicht zunächst das sogen. Swarz'sche ober Kaltwafser- unb Eis-Verfahren in Betracht. Man stelle bie Milch in etwa 50 Gentimeter hohen Gefäßen von verzinntem Eisenblech mit 40—50 Liter Inhalt in kaltes Wasser ober Eis und kühle sie so rasch wie möglich von unten her ab, so daß die leichten Butterkügelchen schnell in der dichten Masse aufsteigen und eine andere Bewegung in der Milch nicht stattfindet. Die Abkühlung auf 3—4« R. soll möglichst rasch erfolgen und In 24—36 Stunden die Aufrahmung beendet fein. Die Milch wird bei diesem Verfahren auch unabhängig von etwaigen Nachlässigkeiten des Personals, von welchem keine große Aufmerksamkeit verlangt wird. Man konnte hiernach das Molkereiwesen industriell betreiben. Man müsse nur fließendes Wasser von mindestens 7—8° R. Wärme oder Eis haben. Dieses Verfahren bleibe immer noch da zu empfehlen, wo diese Bedingungen vorhanden sind. Die Methode sei auch in der Schweiz und Vorarlberg nachgeahmt worden, bei uns in Maar, Guntersblum rc. Wo aber die angegebenen Bedingungen nicht genügend vorhanden sind, kann man auch andere Verfahren, besonders das Reimer'sch- mit Vortheil anwenden. Dic Milch wird dabei in eigens construtrten Wannen in Wasser eingestellt, wie dieses Redner durch Vorzeigen einer Abbildung näher erläutert. In dieser Weise werde in einer Meierei in Bensbach verfahren. Man brauche dabei weniger Wasser. Wo man gar kein Wasser habe, sei das sogen. Regenwolder Verfahren angezeigt. Es finde dabei keine Abrahmung statt. Die Milch werbe als solche gebuttert. Herr Fischer in Zwiefalten wenbe bieses System an. Das Vorzüglichste leiste aber bie Zentrifuge. Der mit Milch gefüllte Apparat werde sehr schnell umgedreht, wodurch die schwersten Theile der Milch nach außen gedrückt werden. Steht die Maschine still, so sammelt sich der Rahm oben oder man hat auch Vorrichtungen, den Rahm abzulassen. Es seien jetzt verschiedene Arten von Zentrifugen erfunden worden. Alle setzen aber eine bewegende Kraft, Dampf- ober Wasserkraft, voraus. Der Göpel ist nicht gleichmäß g genug. So besteht in Alzey -ine Zentrifuge mit Wasserkraft, in Mainz bei Dettweiler eine solche mit eigener Dampfmaschine, welche 1350 X kostet. Die vollkommenste Zentrifuge ist wohl bie Leselbt'sche, von benen jetzt in allen größeren Molkerei-Anlagen, z. B. in Berlin mehrere aufgestellt sind. Die Feska'sche habe einige Uebelflänbe, ber Apparat müsse z. B. ausgeleert werben, wenn er voll Rahm sei. Für nicht zu große Betriebe sei bie Laval'sche die beste. Diese kostet nur ca. 600 M. und arbeitet gut. Eine solche Maschine befinde sich in Friedelhausen. , Das m der lanbwtrthschaftlich-n Zeitschrift früher empfohlene sogen. Becker'sche Verfahren bestehe darin, daß die Milch, durch kochendes Waste, erwärmt, dann abge- kühlt und abgerahmt werde. Man brauche davei kein besonderes Lokal, die Milch bleibe ausgeze-chnet süß. Jedoch ist dieses Verfahren wegen der erforderlichen Menge kochenden Masters nur in beschränktem Maße durchführbar. Es habe aber insofern genützt, als man auch bet anderen Methoden auf den Vorthcil der Erwärmung der Milch gekommen sei. Nach des Redners Ueberzmgung und seinen auf Reisen gemachten Erfahrungen ist der Forischritt in der Molkerei von großer Bedeutung. Die Viehzucht müsse zum Mittelpunkt der Wirthschaft gemacht weiden. Dadurch erhalt- man guten Dünger und damit die Voraussetzung eines guten Ernteertrags. Bei der Rentabilität des Viehstalles komme di- Milchproduction ganz wesentlich in Betracht. In Hessen würde nur die Hälft- der erforderlichen Molkere producte erzeugt. Ungeheure Massen fremder Butter und fremden Käses wlliden aus Amerika, der Schweiz, Oesterreich bet uns eingeführt Eine Ausfuhr nach England, Italien, Spanien, Ostmdieii rc. sei noch für lange Zeit sicher. Auch im Inland könne die Conjumtioii der Milch noch vermehit weiden. So trinke man in Schweden allgemein Milch. Auch bei uns würde brsser anstatt schlechtem Kaffee, Bier rc. Milch getrunken werden Weiter könne das Publikum auch an den Genuß feinerer Butter und feineren Käses gewöhnt werden. Der Molkerei- Betrieb lasse sich daher noch ungeheuer ausdehnen und habe eine große Zukunft. Heber die Bildung von Orlsoieh-Versicherungskassen erhielt nunmehr das Wort Bürgermeister Bopp von Bellersheim: Aus Erfahrung glaube Ich behaupt, n zu können, daß k.einer- Verflcherungs- perbände aus perschiedenen Gründen größeren vorzuziehen sind, indem bei ersteren jedem Versicherten zu jeder Zeit Gelegenheit geboten in, sich von der Verwaltung des Vereins UeberzeugbNg zu verichaffen Hiermit hat sich auch Herr Professor Dr. Pflug kürzlich bei ein r Verhandlung des landwirihschasliichen Pi ooinzialverems einverfianden erklär,. Unterschleise oder Vernachläffigung der Thiere können nicht leicht vorkommen, indem Einer den And-rn controlirt. Jedem Besitzer sind bei Ortsvtehmrsicherungen die Viehstände der übrigen bekannt und Jeder hat di- Vortheile der Kaffe stets im Auge. Bei vorkommenden Unglückssällen siebt der Nachbar dem Nachbar hilfreich zur Seite, indem jeder mit seiner Unterstützung gl-ichzcnig seinen eigenen Vorlheil und somit auch das Interesse der Kasse wählt. Die Verwaltungskosten der klnn.ren Verbände sind sehr gering, indem keine Besoldeten dabei angestellt sind. Für die Verwaltung wird den an der Spitz- derselben stehenden Personen nur eine ganz gering- Vergütung in Hinsicht ihres Zeitaufwandes und baaren Auslagen zu Theil. Die Bellershe mer Ortsviehkaffe wurde im Jahre 1836 anfangs nur für Rind- vieb auf Gegenseiiigkeit gegründet. Die Beiträge werden viei teljahrsw-ise nach «e- dürsnitz erhoben, dabei jedoch möglichst auf einen entsprechenden Kassevorralh Bedacht genommen. Dortheile von Seiten der Kasse werden nicht beabsichtigt. Seit 12 Jahren werden auch Pferde in der Ortsviehkosse versichert. Den Vorstand des V-rbandes bilbet der jeweilige Grmeinderath mit dem Bürgermeister als Vorsitzendem, welchem gleichzeitig die Leitung drr schriftlichen Angelegenheiten, sowie die Erth-ilung der Zahlungsanweisungen obliegt. Die Abschätzung der Werth- der Thiere wird durch eine aus vier Mitgliedern bestehend- Commission in den ersten Tagen eines jeden Quartals, also jährlich vier Mal, vorgenomm-n. Neu angeschafftes Vieh wird alsbald nach der Anschaffung nachträglich ausgenommen. Hierbei wird nur nach dem wahrer. V-rkaufswerthe taxirt. Bei St-rbefällen ober sonst unter den versicherten Thieren vorkommenden Unglürksfäll-n werden dem Versicherten b-ei Viertheile der Verstib-rungssumm- des Thiercs ausbezahlt. Außer diesem wird noch entsprechende Vergütung für die Häute, welch- in Folge des Milzbrandr.glements mit den Cadavern verscharrt werden müssen, geleistet. Die für solche Häute zu gewährende Vergütung wird von dem jeweiligen Vorstand- für jedes einzelne Thier besonders bestimmt. Durch vierteljährliche Erhebung der Beiträge und durch den gebildeten Reservefond ist d-e Möglichkeit geboten, die Entschädigungen alsbald nach Eintritt der Verluste sofort baa, auszuzahlen. Das Rechnungswesen der hiesigen Ortsviehkaffe ist mit der Gem-inderechnung vereinigt. Der Rechner erhält gleiche Prvc.nte, wie von den übrigen Gemeindegeldern. Die Beiträge werden mit den übrigen Gemeinde - Einkünften erhoben. Wenn auch durch administrative Beitreibung Kosten entstünden, so wären dieselben im V-rhältniß zu den gerichtlichen B-itr-ibungskosten doch ganz sicher verschwirdend niedrig. Ein weiterer Vortheil der Vereinigung der V-rsicherungskass- mit der Gemeindekasse besteht darin, daß im Falle die baaren Mittel der Viehkasse momentan zur R-gulirnug der Schäden bei ausnahmsweisen größeren Verlusten nicht ausreichen sollten, von Seiten der Gemeindekasse der Viehkasse Voischüffe gemacht werden können. Nachfolgend grbe ich eine kurze U-b-rsicht aus den letzten zwölf Jahren von den Leistungen unserer Ortsviehkasse: Jahrgang. Versicherungssumme. Gulden. Verwaltungs- koften. Gulden. Kreuzer. Gezahlte Entschädigungen. Gulden. Kreuzer. Beitrag auf 1 Gulden Versicherungskapital Kreuzer. Heller. 1869 50758 47 32 526 15 _ 3 1870 33674 49 21 235 521/- 1 1871 32465 98 51% 1195 45 1 1 1872 43798 71 58 930 20 1 1873 50745 75 2 789 30 1 _ 1874 50575 83 11 839 28 1 _ JL X JL 1875 51500 179 92 2534 2 __ 2 1876 54747 186 25 1528 80 _ 4 1877 54757 159 5 806 32 _ 3 1878 56726 149 61 1378 87 _ 2 1879 57484 172 61 1612 56 _ 2 1880 55555 202 73 2357 45 _ 3 1881 52474 203 33 2664 99 __ 1 In den Verwaltungskosten sind auch die Kosten für bie veterinärärztliche B-- sichttgung gqd)lad)tdfr Thiere inbegriffen. Die Grundbesitzer sind mit den getroffenen Einrichtungen zufrieden. Nach meiner Ansicht sind nur bie Ortsviehkassen zu empfehlen unb möchten bie landwirthfchaftlichen Vereine auf Bildung solcher hinzuwirken haben. Es bemerken hierauf: Freiherr v. Rabenau: Da der Herr Referent keinen Antrag gestellt habe, bringe er den solg-nd-n ein: 1) Alle großen Viehv-rsicherringen sind nicht zu empfehlen; 2) Für die Versicherung von Thieren gegen Verlust-, bei welchen vom Staate eine Entschädigung nicht geleistet wird, empfehlen sich kleinere Versicherungsverbände auf Gegenseitigkeit; 3) Normalstatuten sind auf Kosten des landwirthschafilichen Bezirkso-r-ins drucken zu lassen, mit der Ueberschrift: „Vieh-Versicherungs-Gefellfchaft der Gemeinde . . - versehen, welche denjenigen Gemeinden umsonst zur Verfügung gestellt werden, di-Versicherungs-Anstalten einführen wollen; 4) Die Broschüre des Dr. Lorenz „Das Viehversicherungswesen im Groß- berzogthnm Hessen" ist auf Kosten des Vereins für zede Gemeinde des Kreises anzuschaffen. Dr. Gros: Die größeren Verbände seien nicht unbedingt zu verwerfen. Verschiedene derselben hätten sich bewährt, z. B. die Sächsische, was man von den kleineren noch nicht sagen könne, besonders wenn Epidemien auftreten sollten. Es frage sich auch, ob kranke Thiere nicht mitunter geschlachtet würden. Baurath Dr. Diefscnbach: Auch in Grünberg bestehe eine Versicherungskasse in der Art, wie sie der Referent angegeben habe, nur daß solche nicht mit der Gemeinde zusammenhänge. Seiner Meinung nach wäre eine Commission zu bilden, um die Verhältnisse der Kassen des Kreises zu prüfen- Generalfecretär Dr. Weidenhammer verweist hieraus auf die in dem genannten W-rkchen von Dr. Lorenz mttgetheilte Statistik. Secretär Gros von Lich erklärt sich mit Dr. Gros einverstanden. Die Ober- hessisch- Vieh-V-rsicherungs-Gesellschast best-h- seit 1837. Daß dieselbe segensreich wirk-, ergeb- sich schon daraus daß si- viele Mitglieder aus Gemeinden zähle, in weichen sich Orlsviehkaisen befänden. Man möge immerhin örtliche Versicherungskasfen N.unben, allein auch die bestehenden weiteren Verbände in Ruhe lassen. Die größeren Viehbesitzer konnten sich nur in größeren Gesellschaften versichern, da di- Ottskafsen so große Viehbestände nicht annähmen. ' wideisprlcht der Behauptung, daß kranke Thi-r- schnell Kr-^svK-rinä^irnztes nicht^ t'Er des Fleffchbeschauers, eventuell des _ Freiherr v. Rabenau: In Allendorf a. d. Lda. würden ebenfalls so geringe Praimi-n gezahlt, wie st,Bellersheim. Auch Dr. Loren, empfehle Ortsv.-rsicherungs- kasfen und führ- das Statut von Roßdorf an, welches mit dem in Bellersheim über- . Genttalfecr-tär Dr. W eidenhammer: Die von Dr. Gros genannte k n Gesellschaft könne er nicht empfehlen, da sie in ihrem Statut bie Bestimmung 7, e, daß die Enifchadigung nur dann voll bezahl, werde, wenn die Mittel vmhanden ' » I. der Festfchriit zur bevorstehenden Landes-Ausstellung werde das Wichtigste aus der Broschüre von Dr. Lorenz nntgeth ilt werden. ... v. Rabenau: Di- größeren Versicherungsgesellschaften könnten gar nicht beseitigt werden- Hier werde vorzugsweise gefragt, ob die Oris-Versicherungs- ttsfen prakiNch und zu empfehlen seien, und dafür spreche er. lieber die Sächsische ©qeQfotatt äußere sich Richter in Tharand sehr zufrieden. Wenn den Versicherten die betreffende Bestimmung des Statuts recht fei, so könnten sie sich auch über einen etwa daraus entstehenden Schaden nicht beschweren. Oeconom Zimmer von der Bingmühl- fragt an, ob die Absicht bestehe, e>ne Zwangs-Viehversicherung für das ganz- Land einzuiühren mit ähnlicher Ein- richtang wie die Landes . Brand - Veisicheiungs - Anstalt, worauf Generalfecretär "r- “^r/VJim nicr erwidert, daß diese Frage für die nächst- Sitzung der Großh. Centralstelle für die Landwirthfchaft auf der Tagesordnung stehe. Bei der nun erfolgenden Abstimmung wild der Antrag v. Rabenau Nr. 1 nvl, rr I0J'rtat' Hörigen einstimmig angenommen und noch weiter befchlofsen, daß vom Bureau des Vereins eine Commission zum Entwürfe eines Normalstatuts zu ernnnen sei. Es erhält hieraus das Wort „. Kur Frage über die Feststellung des Begriffs Mittelernte Gutsbesitzer Schlenk- vom Hardtdofe: Die Frage: „Was hat man unter einer Msttel-rnie zu verstehen?" hat sich bei ber Durchsicht der Ernteberichte für das Königreich Preußen wohl mancher Landwirth vorgelegt ohne sich über den Begriff klar geworden IU fern. Es heiß! in btef.m Berichte z. B-, die Provinz Schlesien bat in Walzen HOo/o einer Mittelernte gemacht. Es muß danach als Mittelernte eine Ceniner-Z.ihl festgestellt fein, die für die ganze Pro- vinz Schlesien eine Mittelernte für Weizen repräfentirt und di- gleich 100 gesetzt ist , hmm wir an, diese Zahl für eine Mittelernte in Waizen wäre für bie Pro- Jfnj Schlesien — 8 Ctr. pr. t/4 ha ermittelt, so würde, wenn es in der Erntestatistik heißt: Dte gen. Provinz hat 110% einer Mittelernte geliefert, dies bedeuten, die genannte Provinz hat pr. r- Link’s Fettlaugen meh I von allenHaueifrauen.WÄisehereleii,Bleichereien, _ Hotels, Fabriken und Staatsanstalten als das R" beste anerkannt. Nlir ächt *n Packeten mit nebiger Schutzmarke, auf welche genau U zu achten, weil minderwerthige Produckte mit nach- in feinster Qualität, I und II, sowie alle Ingredienzien zu Kuchen empfehlen I. A. Busch Söhne. 1329 Wir bringen hiermit unsere neue Einrichtung zur Anfertigung eleganter Herrenkleider nach Maass in Empfehlung und machen dabei unter Zusicherung der solidesten Ausführung auf unser wohlassortirtes Stofflager aufmerksam. Fertige Herren- und Knabenkleider halten wir, wie seither, in grösster Auswahl vorräthig. __Gebr. Stamm. Meinen werthen Freunden und Gönnern, sowie verehrlichem Publikum hierdurch die Mittheilung, daß ich mein Lotoniaiwaarengeschäst in das von mir erkaufte Spengler Rühl sche Haus, Neustadt A. 62, mit dem Heutigen verlegt habe. 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B«e zeitiges nächste allmäh nerurs daß b liche B Buche bekannt D ^folgend eine G MW- 1 md dass Nit in kicher Ar AspM > »nächst t tljo diesen taifä und * Arbeite mntlich e! Ne feint Sb 'Mn j [Wut * wetbi J» bilbtn, .. Der dr 7 M. bi Achiede Attisch Scannt, «der »iMrtii l[ä Reichst °»Me> »ini|