27^. Erstes Blatt Donnerstag den 23. November L88L. Gießener Anzeiger Amts- und Anzcigeblatt für den Kreis Gießen. l c« = t. s. a ««X j. a Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn. Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich nut Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheit. Bekanntmachung. Nach einer Mittheilung der Königlich Preußischen Gesandtschaft am Großherzoglichen Hofe wurde am 12. Februar 1880 in der Gemeinde Holzhauseu, Kreises Minden in Westfalen, eine geisteskranke Frau und in deren Begleitung ihr angeblicher, etwa 5 Jahre alter Sohn Richard im hülflosen Zustande angetroffen. Die Geisteskranke nannte sich Marie von Hesse, wollte die Tochter eines in Apenrade wohnhaft gewesenen Majors von. Wochenfuß und tue Wrttwe eines vor 6 Jahren in Hamburg verstorbenen Dragoner-Officiers von Hesse sein, und behauptete, längere Zeit zu Münster in Westfalen gelebt zu haben. Diese Angaben haben sich durchweg als falsch erwiesen und die bisher angestellten umfangreichen Nachforschungen zur Feststellung der Persönlichkeit der inzwischen am 3t. März 1881 in der Provinzial-Jrrenanstalt Marsberg verstorbenen Frau und ihres noch jetzt in der Armenpflege der Gemeinde Holzhamen befindlichen angeblichen Sohnes Richard haben bisher zu einem Resultate nicht geführt. Die Verstorbene war etwa 35 Jahre alt, von mittelgroßer, schlanker Statur, hatte blonde Haare, graue Augen, gewöhnliche Nase,, breiten Mund und ein scheues unsicheres, sie als blödsinnig kennzeichnendes Wesen. Sie war mit einem gewöhnlichen Nesselanzuge bekleidet und ihr Benehmen ließ darauf schließen, daß sie keineswegs der höheren Gesellschaftsklasse angehöre. Nach ihrer Sprache ftammte sie aus Ost- oder Westpreußen, ihre Religion war katholisch. Wenn von Behörden oder Privaten Auskunft über die bezeichnete Person ertheilt werden kann, so wolle solche uns alsbald mitgetheilt werden. Gießen, den 21. November 1882. .Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________Dr. Boekmann.__________ Bekanntmachung. Im Auftrage Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz benachrichtigen wir die Interessenten, daß die Wirkung der spanischerseits erfolgten Kündigung des Handels- und Schifffahrtsvertrags mit Spanien bis zum 15. December l. I. hinausgeschoben worden ist. Gießen, den 20. November 1882. Großherzogliche Handelskammer. Ed. Silbereisen. Berlin. Die Etatsstärke des deutschen Heeres, mit Einschluß Bayerns, wird sich im nächsten Jahr belaufen aus 18,117 Osficiere, 5 t,587 Unterosficiere, 788 Zahlmeister-Aspiranten, 5325 Spielleute (Unterosficiere); 8102 Spielleute (Gemeine), 347,849 Gefreite und Gemeine, 3532 Lazarethgehilfen, 10,091 Oeco- nomiehandwerker, 1698 Militärärzte, 782 Zahlmeister, 618 Roßärzte, 656 Büchsenmacher, 99 Sattler und 81,598 Dienstpferde. Auf die Infanterie kommen davon 9529 Officiere, 28,491 Unterosficiere und 231,687 Gefreite und Gemeine, auf die Jäger 424 Officiere, 1144 Unterosficiere und 9376 Gefreite und Gemeine, auf die Landwehr-Bezirkscommandos 326 Osficiere, 2506 Unterosficiere und 243,316 Gefreite und Gemeine, aus die Kavallerie 2358 Officiere, 7247 Unterosficiere und 53,518 Gefreite und Gemeine, auf die Artillerie 2530 Officiere , 8896 Unterosficiere und 39,049 Gefreite und Gemeine, auf Pioniere rc. 406 Osficiere, 1479 Unterosficiere und 3708 Gefreite und Gemeine, und auf den Train 200 Officiere, 992 Unterosficiere, 3168 Gefreite und Gemeine. Außerdem fallen noch 313 Officiere, 831 Unterosficiere und 90 Gefreite und Gemeine auf besondere Formationen (Schloß-Gardecompagnie u. s. w.) und 2031 Officiere auf nicht regimentirte Osficiere u. s. w. (Kriegsministerium, höhere Truppenbefehlshaber, Gouverneure u. s. w.). — Mit Rücksicht auf die jüngst gebrachte Nachricht in Betreff der Landsturmpflichtigen erfahren wir nach weiter eingezogenen Informationen, daß an maßgebender Stelle von irgend welcher Absicht, statistische Erhebungen betreffs der Zahl und der Art der militärischen Ausbildung der Landsturmpflichtigen anzustellen, nichts bekannt ist. — Der Cultusminister hat von den Regierungsbehörden einen Bericht über die Zahl der Volksschulen einschließlich Mittelschulen eingefordert, in welchen die Knaben Turnunterricht und in welchen sie solchen nicht erhalten. In dem Berichte soll auch ersichtlich gemacht werden, ob der Turnunterricht nur im Sommer oder während des ganzen Jahres ertheilt wird und welche Geräthe benutzt werden. Ferner sollen für die Schulen, wo bisher der Turnunterricht nicht ein- gesührt ist, die Gründe hierfür angegeben werden. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorresponderrr-Brrrearr. Berlin, 21. Novbr. Der „Post" zufolge hat der Kaiser den Kronprinzen Rudolf von Oesterreich zur Hofjagd in Letzlingen eingeladen und würde der Kronprinz am 30. ds. in Berlin eintreffen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt bezüglich höherer Holzzölle: Der Raubbau des Auslandes sucht auch bei der Forstwirthschaft die heimische Production tobt zu machen. Wir können und müssen sogar, wenn wir rationell wirth- schaften wollen, die einzelnen Zollpositionen auf Holz erhöhen, ohne zu befürchten, daß die Differenz ganz und gar auf die deutschen Consumenten abgewälzt würde., Leipzig, 21. Novbr. Das Reichsgericht verhandelte heute die Revision der in dem Berliner Centralstraßen-Proceß wegen Untreue mit Gefängniß und Geldstrafen verurtheilten Angeklagten Prehn, Behr, Heymann, Jansen, Jäckel, Schmidt und Voldt, verwarf die Revision von Schmidt, Prehn und Heymann, hob das Urtheil gegen Jansen, Jäckel, Behr und Voldt auf und verwies die Sache zur anoerweiten Verhandlung an die erste Instanz zurück. Kopenhagen, 21. Novbr. Im Landsthing beantragte der Kriegsminister wie im Vorjahre für Heer und Flotte einen Credit von 72,283,000 Rdlr. auf 10 Jahre vertheilt. Paris, 21. Novbr. Bernard, ein Mitglied der Internationale, wurve heute wegen der jüngsten Vorgänge in Lyon hier verhaftet. London, 21. Novbr. Der Criminalgerichtshof verurtheilte William Brookshaw, welcher angeklagt war, einen Brief an den Prinzen von Wales gerichtet zu haben, worin er dem Prinzen mit Ermorden drohte, zu 10 Jahren Zwangsarbeit. Moskau, 21. Novbr. In dem Processe gegen den Kassirer desFindelhauses Melnitzky wegen Veruntreuung von 307,000 Rubeln wurde derselbe für schuldig befunden und zur Aberkennung der Standesrechte und Ansiedelung in Tomsk verurtheilt. Belgrad, 21. November. Der Sections-Chef des Finanzministeriums Wukasin Petrovic und der Zolldirector Stojanovic reisen übermorgen nach Berlin wegen des Abschlusses des serbisch-deutschen Handelsvertrages. — Gegenüber der anderweitigen Meldung auswärtiger Blätter wird versichert, daß der Patriarch Joachim in Konstantinopel nicht nur den hiesigen Metropolitan-Verweser anerkannt, sondern auch die Absetzung des Metropoliten Michael für gesetzlich erklärt und den letzteren ausgefordert habe, sich in seine Absetzung zu fügen. Alexandrien, 21. Novbr. Der internationalen Sanitäts-Commission neuerdings zugegangene Nachrichten der egyptischen Delegirten in Mekka melden im Gegensatz zu dem Berichte des türkischen Jnspecteurs, daß die Cholera noch nicht erloschen ist. 12 pCt. der britischen Truppen sind erkrankt. — D>e durch das Feuer zerstörten Gebäude des Departements der Staatsdomänen und die dazu gehörigen Grundstücke sollen demnächst öffentlich versteigert werden. — Wie verlautet, würde Nubar Pascha gegen Ende dieses Monats nach Egypten zurückkehren. Kairo, 21. Novbr. Nach dem „Temps" wird die Nachricht von der Abtretung des Hafens von Massuah an den König von Abessynien officiell dementirt. Stockholm, 21. November. Der Grotzherzog von Baden traf heute früh 9 Uhr 35 Mm. hier ein und wurde am Bahnhofe, auf welchem eine Ehrenkompagnte des 2. Leibgarde-Regiments mit der Musik und der Fahne ausgestellt war, von dem Könige, dem Prinzen Eugen, den höheren Ofsicieren und den Spitzen der Behörden begrüßt. Die am Bahnhofe versammelte große Volksmenge empfing den Grotzherzog mit enthusiastischen Anrufen. Zur Feier des Tages hatten viele Häuser geflaggt. — Die Pathen bei der am 25. ds. Mts statlfindenden Taufe des Herzogs von Schoonen werden sein: Der König und die Königin von Schweden, der Herzog^ Oscar von Gothland, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, Kaiser Wilhelm und Kaiserin Augusta, der Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches, die Königin von Sachsen, der Erbgroßherzog von Baden, bie Prinzessin Eugenik, Prinz und PUazvssin Wilhelm von Baden, die Herzogin von Sachsen-Coburg-Gotha, die Fürstin-W'Uwe von Wied, der Herzog von Rastau, die Königin von Ruman en, Großfürst Michael von Rußland, Großfürstin Olga von Rutzland, die Kronprinzessin von Dänemark und die Kaiserin Eugenik. Petersburg, 21. November. Der Kaiser und die Kaiserin, die gestern Mittag mittelst Exlrazuges von Gatschina hier eingetroffen waren, begaben sich zunächst in einem zwe>spännigen Schlitten nach dem Anitschkoff-Palais unb später von dort nach der Michaels-Manege, um der Kirchenparade des Moskauer Leibgarde-Regiments der- ruwobnen Bei her Sofort durch die Stadt wurden der Kaper und die Karserm von er Bevölkerun mit jubelnden Hurrahrufen begrüßt Nach der Parade fand im Anstschkoff-Palats em Dejeuner non 180 Gedenken statt, °n welchem »as kaiserliche Gefolae eine Anrafol höherer Officiere und die Osficiere des Moskauer ßeibgarbe; ^^iXntT^bSmen Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich hierauf noch zu Schloten zum Großfürsten Michael, dem sie einen Besuch abstatteten und kehrten gegen 4 Uhr nach Gatsch Lokales. «itfteit, 22. November. (Sterblichkeit in Gießen.) In unserer Stadt betrug die Rabl der Todesfälle während der Woche vom 12. bis 18. November im Ganzen 9 und zwar wurden 6 Kinder und 3 Erwachsene betroffen. Von Kindern im ersten 9ebensiabre starben 2 kurz nach der Geburt in Folge allgemeiner Schwäche und bei einem das nicht ärztlich beobachtet worden war, konnte eine bestimmte Todesursache nicht angegeben werden. Von älteren Kindern erlagen wieder 2 der Diphtherie, eins einer Gehnncntzündung. Bet den 3 verstorbenen erwachsenen Personen war je einmal Lungenentzündung, Blutung, Gehirnerweichung die Todesursache. G. Gießen, 22. November. Die gestrige Generalversammlung des Frauenoereins war recht zahlreich besucht. Herr Pfarrer Schlosser eröffnete die Verhandlungen mit einem kurzen einleitenden Vortrage, in welchem er die Vorgeschichte und die Motive, welche zu dem Antrag einer Neuorganisation des Vereins geführt haben, sowie die wesentlichen Gesichtspunkte, welche ihr zu Grunde liegen, darstellte. Er hob dabet hervor, daß es sich um die Ausführung eines lange geplanten Unternehmens handele, daß er schon vor einem Jahre rm Auftrag des Vorstandes die Vorstudien dazu begonnen habe.,, Der Vorstand sei dazu bewogen worden durch die ihm sich seit einigen Jahren aufdrängende Wahrnehmung, daß die Aufgaben des Vereins, indem sie allmählich die gesammten Aufgaben der Armen- und Krankenpflege umfaßten, über den bisherigen Kreis des Vereins und überhaupt über die Grenzen eines Frauenvereins hinausgeschritten seien, und daß diesen Aufgaben in rechter Weise nur durch eine erweiterte Organisation, bei welcher auch Herren mttzuwirken hätten, genügt werden könne. Die vorzuschlagende Organisation basire in ihren Grundzügen auf dem Elberfelder System. Dieses System entspreche der Auffassung der Armenpflege, wie sie die Frauenveretne nach dem Vorbild einer Amalie Stevektng in Hamburg hege, und wie sie treffend gekennzeichnet werde durch das Wort der berühmten Elisabeth Frey: Die Seele der Armenpflege ist die Seelenpflege. Wie die Noth der Armen keineswegs nur eine materielle sei, sondern zum guten Theil eine moralische, indem die materielle Noth das Gemüth bedrücke und verbittere, den Lebensmuth raube und damit zu Trägheit, stumpfer Gleichgiltigkeit, Unreinlichkeit und sonstigem Bösen versuche, so dürfe sich auch die Hilfe nicht blos auf materielle Mittel beschränken; das Wesentliche sei vielmehr die persön- ltche^Hilfeleistung. Dadurch daß Helfer und Helferinnen aus den wohlsituirten Ständen persönlich den Armen nahe treten, soll in diesen das Gefühl geweckt werden, daß sie doch nicht verlassen sind und damit neuer Muth, durch eigene sittliche Anstrengung aus den elenden Verhältnissen herauszustreben. Die Helfer sollen durch die erwiesene Barmherzigkeit einen Einfluß auf ihre Pfleglinge gewinnen und ihn dazu benutzen, mit Rath und That ihnen aus der Noth und den damit verbundenen sittlichen Gefahren heraus zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen. Dazu gehöre möglichste Jndioidualisirung der Armenpflege und dafür wiederum sei die Voraussetzung eine große Zahl von Helfern und Helferinnen. Was die äußere Organisation anlange, so verbinde das Elberfelder System Centralisatton und Decentraltsation aufs glücklichste. Die eigentliche Armenpflege liege in den Händen der Helfer und Helferinnen. Diese werden in jedem Bezirk unter Leitung eines Bezirksvorstehers zur B'zirksversammlung zusammengefaßt, in welcher die Unterstützungsgesuche auf Grund genauer Berichte der Helfer (Helferinnen) und nach vorgängiger Befragung der städtischen Armenpflege berathen und die Anträge auf Unterstützung an den Vorstand beschlossen werden. Die eigentliche Beschlußfassung steht dem Vorstand, welchem auch die Beztrks- vorsteher angehören, und in welchem gewissermaßen die gesammte Erfahrung des Velins concentrtrt sei, zu. Auf solche Weise sei die gründlichste Prüfung jedes Falles gesichert, ohne daß dadurch die persönliche Art der Hilfeleistung gestört würde. Natürlich müsse dabet für dringende Fälle ein beschleunigtes Verfahren ausnahmsweise ermöglicht sein. Die Eigentümlichkeiten der der Versammlung vorzulegendcn Statuten erklärten sich aus deren Vorgeschichte. Es sei darin der Thättgkeit der Frauen in besonderer Weise Rechnung getragen. Die Versammlung genehmigte nun einstimmig den Antrag des Vorstandes auf Erweiterung des Vereins in dem dargelegten Sinne und ebenso wurden die von Herrn Pfarrer Schlosser vorgelesenen Statuten einstimmig en bloc angenommen. Diese Statuten werden jedenfalls in allernächster Zeit ihrem Wortlaute nach veröffentlicht werden. Die hierauf vorgenommene Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Herr Rechtsanwalt Batst. Herr Dr. Baur. Herr Direktor A. Heß. Herr Wein- handler A. Mayer. Herr Kreisassesfor Nover. Herr Pfarrer Schlosser. Heir Rentner H. Vogt. Frau Professor Milbrand. Frl. Windecker. Frau Kauf. Mau Bürgermeister Bramm. Frau Fabrikant Hanftetn. Frau Louis Homberg er. Frau Provinzialdirektor Boekmann. Frau Professor Riegel. Zu dem Vorstände gehören auch noch die Beztrksvorsteher, welche von dem Vorstande selbst zu wählen sind. Es haben sich bereits sehr geeignete angesehene Herren zu diesem Amte bereit erklärt. Nachdem noch Herr Dr. Baur dem seitherigen Vorstande des Frauenoereins den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, wurde die Generalversammlung c.e- schlossen. —r. Vermischte Ä. — Gottfried Kinkel ist am Donnerstag unter großer Bethetligung in Zürich beerdigt worden. Johannes Scherr hielt die Gedächtnißrede. Er schilderte den Verstorbenen im Allgemeinen und zeichnete seinen Charakter, während nach ihm Professor Meyer v. Kronau spectell die Verdienste Kinkel's um seine zweite Heimath — Zürich — hervorhob. „Der beredte Mund" — so schloß Meyer v- Kronau — „ist verstummt, die werkthätige Hand ist erstarrt, das Herz, das so warm auch für die Schweiz schlug, ist todt, aber nicht tobt ift das Gedächtniß dieses edlen Mannes. Zürich hat sich selbst geehrt, dadurch, daß es vor wenigen Jahren Kmkel das Bürgerrecht schenkte. Und er hat — wir haben es selbst aus seinem Munde gehört — mit Stolz und Liebe sich als Züricher und als Schweizer bekannt. In Zürich wird man aber auch ehrenvoll und dankbar eingedenk bleiben des deutschen Mannes der so ganz der Unsrige geworden war". - Nach Absingung eines TrauerltedeS senkten sich die verhüllten Fahnen (etwa 20 an der Zahl) nieder auf den reichverzierten Sara und dann ging es hinaus in langem Zuge, mit über dreihundert Fackeln, nach dem Kirchhofe, um der Erde die sterbliche Hülle des unvergeßlichen Mannes zu übergeben. _ — Die CIlltsion der „Westphalia" mit einem andern, bisher unbekannten Dampfer scheint nicht die furchtbaren Folgen gehabt zu haben, wie man glaubte annehmen zu müssen. Das „Journal du Havre" meldet nämlich: „Der französische Dampfer „Mouette", der auf unserer Rhede für die transatlantischen deutschen Dampf- schiffe den Depeschen- und Passagierdienst versieht, ist mit dem von Newyork kommenden Dampfer „Westphalia" zusammengeftoßcn und hat dabet seinen g-oßen Mast ein Boot und einen Theil seiner Schanzkletdung eingebüßt." Der Officier der ,Westphalia", der mit 6 Mann in einem Boot den fremden Dampfer aufsuchen sollte berichtet bekanntlich, er habe den Letzteren im Sinken begriffen gefunden und auf dreihundert Ellen Entfernung „die Flammen herausschlagen" und das Schiff verschwinden sehen. Die „Mouette" hat vermuthllch ihre Heizung stark geschürt, um so schnell das Land zu erreichen. Es wäre dies wenigstens die glücklichste Deutung für jenen Unfall der bereits so traurige Befürchtungen wachgerufen hatte. — Eine Frau, die allein einen Wilddieb etnfängt, ist wohl eine neue Erscheinung unb verdient der betreffende interessante Fall eine ausführliche Erwähnung. Marte Eder, die Frau des Revterjägers Wilhelm Eder zu Höflein übernahm an Stelle ihres ^^unkten Mannes dessen Dienste, um in dem seiner Aufsicht unterstehenden Reviere Hoflein, welches von Wilddieben sehr beunruhigt wurde, den Jägerjungen zu unterstützen. In der Nacht vom 26. September war die Eder abermals auf Vorpaß nach Wilddieben in einem Weingarten versteckt, als sie, durch mehrere Schüsse aufmerksam gemacht, einen Mann mit einem Gewehre gegen den Weingarten schleichen sah. Sie ging nun diesem gänzlich unbewaffnet entgegen, und da derselbe in der Frau irgend eine Bauerm vermnthete, blieb er auch ruhig stehen. Als die Eder an der Seite des Mannes war, erfaßte sie plötzlich mit der einen Hand sein Gewehr, mit der anderen Hand den Wilddieb bet der Gurgel und verlangte dessen Ergebung. Der Wilderer ein großer, robuster 40jahriger Mann, setzte sich wohl zur Wehre, allein vergeblich' denn das Weib hatte mit solcher Kraft den Hals umkrallt, daß er gezwungen war, mtt Rücklassung seines Gewehres die Flucht zu ergreifen, woran er von Seite der Eder welche in ihm den Höflew.er Bauer Johann Hirschmann erkannt hatte, nicht weiter gehindert wurde. — Zu Weihnachtseinkäufen bietet die Leipziger Lehrmittel-Anstalt von vr. Oskar Schneider in Leipzig in einem hübsch ausgestatteten Weihnachtskatalog, welchen dieselbe an Interessenten gratis und franco versendet, einen Rathgeber für Eltern und Erwachsene, worauf wir aufmerksam zu machen nicht unterlassen wollen. Der Katalog enthält eine Auswahl guter, nützlicher Spiele und Beschäftigungen für die Kinder von 3 Jahren an bis zum reiferen Alter. Telegraphische Dampfernachrichten. Mitgetheilt von dem General-Agenten Max Jos. Schröder in Mainz. New-Aork, 18. November. Angekommen von Bremen die Nordd. Lloyd- Dampfer „Oder" und „Werra" und von Hamburg der Packetfahrt-Dampfer „Silesia". New-Pork, 19. November. Angekommen von Hamburg Dampfer „Polaria" der birecten deutschen Dampsschifffahrt-Gesellschaft. Baltimore, 19. November. Angekommen von Bremen der Nordd. Lloyd- Dampfer „Herrmann". Frankfurt a. M., 22. November, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 244, Staatsbahnactien 291‘/2, Galizier 259^, Lombarden 116, Nord- westbahnactien —, Darmstädter-Bankactien 152l/2, Oberschlesische E.-B.-Act. 256^, Oesterr. Silberrente 655/B, 4% Ungar. Goldrente 72l/2, 4% 1880er Russen 68l/4, 5% 1877r Russen 86 Vt, 2. Orient-Anleihe 537/8, Spanier 61 5°/q Rumänische Rente 93, 4% Unific. Egypter 67%, Disconto Comm. 195%, Gotthardbahnactien 117. Tendenz: nachgebend. Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde Gießen. Donnerstag den 23. November, Abends 8Uhr, im Gymnasium: Bibel- stunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 4,1—11. Pfarrer Dr. Naumann. Allgemeiner Anzeiger. 6205 Zur bevorstehenden Jahreszeit erlaube ich mir, meine werthen hiesigen sowie auswärtigen Kunden darauf aufmerksam zu machen, daß ich die schon früher seit Jahren geführten woll. Strickgarne, Socken, Damen- u. Kinder- Strümpfe in großer Auswahl und anerkannt guten Qualitäten zu den billigsten Preisen auch in meinem von Herrn Sch mall erkauften Hause weiterführe. 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Rossini. a) Nachtstück b) Frühlingszeit Männerchöre: Abends präcis 5 Uhr zum Besten, des hiesigen Frauen-Vereins Kranken-Pflege. 7707 Zwei Lumpensortirerinnen I werden sofort angenommen. Neuenweg 22. 1. Sonate für zwei Pianoforte, D-dur . a) Allegro con spirito. b) Andante. c) Allegro molto. Lieder für Sopransolo : a) Ich sah den Wald sich färben . b) La promessa...... Gesänge für dreistimmigen Frauenchor: a) Motette........ bj Morgenwanderung 7683 Ein gewandtes, jüngeres Mädchen mit guten Zeugnissen für jetzt oder Weihnachten gesucht. Näheres in der Exped. ds. Bl. . . V. E. Becker. . • Girschner. a) Vale carissima, b) Unendlichkeit Duette für Sopran und Alt: Samstag den 25. November, Abends 8 Uhr, feiert der Verein fem 21iähriges Stiftungsfest durch ein Bankett im Vereinslokale. Freunde.der Kunst unt> des Verems^werden als Gäste willkommen fein. Der Vorstano. Giessener Zitherkranz. Sonntaa den 26. November 1882, Abends 8 Uhr: Feier des 3. Stiftungsfestes mit CO1TCERT und. TANZ im „Hotel zum Einhorn.“ Der Vorstand. 3. Abonnement - Concert. (2. Theil: C. M. v. Weber.) Anfang präcis 9 Uhr. Entree 90 Pfg Das Rauchen ist nicht gestattet. ___________ - Druck und Verlag her Brühl'lchen Druckerei (Fr. Chr. Piet^m Gi-tzm.93^ft. Die Flügel von Blüthner sind aus der Musikalienhandlung des Hrn. W. Rudolph. ,685 PS. Karten ü 1 ji. sind zu haben in der Schreibrnaterialien-Handlung Herrn Wilh. Klee am Marktplatz. 1 Eintrittskarten sind in der W Rudolph’schen Musikalienhandlung zu Mk. 1.20, Sperrsitz zu Mk. 2 zu haben, ebendaselbst Texte für 20 PL Gesucht für zwei Damen auf 1. April eine abgeschlossene Wohnung von 3—4 Zimmern und Zubehör Offerten mit Preisangabe unter A B. bef. die Exped. ds. Bl. 7720 Im Unfertigen von feineren Haar- arbeiten, als Bouquets, Armbänder, Uhrketten, Ringe rc. empfiehlt sich 7718 H. Plank, Friseur, Seltersweg 23. Lehrling gesucht. Für mein Colonialwaaren- u. Delicatessen- aeschäft suche ich einen Lehrling zu möglichst sofortigem Eintritt. Frankfurt a. M. 7712 Rud. .Herrn. Müller Nachf. a) „Vertrau dem Herrn“ . • b) Volkslied....... 9. Lieder für dreistimmigen Frauenchor: a) Im Frühling i b) Die Libellen j ' ' ' 10. Impromptu in As-dur für Pianoforte 11. Männerchöre: a) Sahara. Preischor . . • bj Hüte Dich a) Klage. Volkslied.......... b) Die Klag’. Steierisches \ olkslied .... a) Romanze, G-dur, für Violine und Pianoforte . . b) Letzter Satz aus der G-dur Sonate (Allegro molto) für Violine und Pianoforte....... 7711 In ein erstes, wohlbekanntes Champagnerhaus wird für hier und Umgegend ein tüchtiger^ cautionsfäHiger Agent gesucht. Reslectanten, denen bei Vorlage guter Referenden sehr lohnende und dauernde Stellung in Aussicht steht, belieben sich ZU wenden sub F F. 19 an HaasenstemL Vogler, Mainz. ________—- Wohaungsveländerung. Meinen wertsten Kunden diene hiermit zur Nachricht, daß ich von heute an irn Lause der Frau Wittwe Hoffmann, Kaplans gass e Nr. 23i wohne. Louis Wiedmeyer. 7717 Schuhmacher^ . 7726 S^^llÖÖ^^erden auf ein Mühlengrundstück, ca. 20000 X Tax werth, auf 1. Hypothek gesucht. Offerten unter „Geld m der Erp ds. Blattes abzugeben.____;— WHlHlbailükcils-tiiiifert im Saale des Geseilschasts-Vereins Sonntag den 26. November 18S2 Sur tau: Bert lautet, werd auf die geplc Ausdruck ga Prof. Wagne selbe bekämp gerade bei d fönen im Jr entwürfe ein Ohne der Freunde nen; um sc zu präjudic nenn die G gleiten wird kauf von B Westfalen fi „Dur, in dem Fall Branntwein Andere, un käufern von ich dies uni Kenntniß gel einleiten roei gende Brant stützt wird, und damit k Grund sich - Dl Wenbiuig her ■ Afice Ham- WOtrt. Na WM Mv 1WR" ver I M wie Qu§m I ^abi von A, i gespielt. Eult i nach la Mn die - Uglands bei vlaterial in t ^mehr im Suspendirunn w, und ii W Habei England — • ; N - die r. .^on de nach Ä M ^Wtntett C, I Stbe e Zern AbM, gierig -ü i ®,er unerschz Gtntr, ' eitI te l9 ' an