Mr. 272. Dienstag den 21. November L882. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau: Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Aeutschland. m. Darmstadt, 19. November. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat unterm 13. d. M. den Ständen und zwar zunächst der zweiten Kammer, einen Gesetzesentwurf in Betreff der Faustpfandverträge der Vorschuß- und Cred, tv er eine zur Erthetlung der verfassungsmäßigen Zustimmung oorgelegt, dessen einziger Artikel lautet: „Auf Faustpfandvertrage der als Genossenschaften eingetragenen Vorschuß- und Creditvereine finden die Vorschriften der Art. 309 und 311 des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs auch in dem Falle Anwendung, wenn der Pfandbesteller kein Kaufmann ist oder die Schuld nicht aus einem beiderseitigen Handelsgeschäfte herrührt." Den Anstoß zu dieser Vorlage gab eine Eingabe der Erwerbs- und Wirthschafts- Genossenschaften der Provinz Starkenburg, worin um eine Abänderung der diesseitigen Pfandgesctzgebung in der Richtung gebeten wurde, daß zu Gunsten der Genossenschaften das Verbot des Vertrages, daß im Falle nicht erfolgender Zahlung der Pfandgläubtger das Recht haben solle, das Pfand außergerichtlich zu verkaufen, beseitigt und ihnen gleiche oder ähnliche Rechte, wie solche die Bank für Handel und Industrie dahier kraft rhrcr Statuten besitze, eingeräumt werden möchten. Die Motive sagen u. A.: „Zieht man in Betracht, daß die Genossenschaften, welche nach § 11 des Gesetzes, betreffend die privatrechtliche Stellung der Erwerbsund Wirthschafts Genossenschaften, vom 4. Juli 1868 als Kaufleute im Sinne des Allgemeinen Deutschen Hand» lspesetzbuchs gelten, insoweit sie mit Kaufleuten verkehren, die Rechte, welche der Art. 311 des Handelsgesetzbuches dem Gläubiger in Betreff des Faustpfandes gewährt, unter der dort angegebenen Voraussetzung genießen, daß diese Institute somit, je nachdem sie mit Kaufleuten oder GewerbtreMnden oder Privaten verkehren, in ihrem Lombardenverkehr unter verschiedenen Rechtsnormen stehen, so wird man noch mehr geeignet fein, eine Aenderung der Pfandgesehgebung, soweit es sich um jene Art des Geschäftsbetriebes der Genossenschaften handelt, für sachgemäß zu halten. Emern auf dem gegenwärtigen Landtage von beiden Kammern an die Großh. Staatsregierung gestellten Ersuchen entsprechend, richtet bie letztere in einer vom 11. ds. Mts. batirhn Vorloge an die zweite Kammer das Ansinnen, zum Zwecke der Errichtung einer Landgestütsstation zu Butzbach die Summe von 6000 JL für einmalige Ausgaben, sowie den Betrag von 1870 A zur Bestreitung der jährlichen Ausgaben bewilligen zu wollen. Berlin 16. Novbr. Als eklatanter Beweis, wie das Zuchthaus von arbeitsscheuen Strolchen nicht als Straf-, sondern als comfortable Versorgungs- Anstalt angesehen wird, schreibt man der „Nordd. Allg, Ztg." aus dem Königreich Sachsen: „Am gestrigen Tage zwischen 5 und 6 Uhr Abends ging ein mir gehöriger Getreide-Feimen im Werthe von 4500 «A in Flammen auf. Bald nach 7 Uhr befand sich der Brandstifter bereits in Haft, well mir die Meldung zu- qcgangen war, Feldarbeiter und Passanten des nahen Communicationsweges hätten denselben beobachtet und er befinde sich im nahen Wirthshause bei einem Glase Vier. Nach Eintreffen des benachrichtigten Gensd'armen gestand der Strolch, ein baumlanger, riesiger Mensch, im ungefähren Alter von 38 bis 40 Jahren, daß er den Weizen-Diemen angezündet, um endlich eine ordentliche Strafe zu erhalten! Später werde er das Geschäft sortsetzen, denn nur im Zuchthause habe man ordentliche Versorgung. Gefängniß- und Corrections- Anstalten seien schlechte Einrichtungen. Man habe es dort nicht so gut, wie mehrere seiner Freunde, die das Zuchthaus regelmäßig zum Aufenthaltsort wählten, ihm mitgetheilt hätten! Der Mensch war eben der Corrections- Anstalt in Zehista bei Pirna entsprungen, weil ihm dort öfter Strafen zugesprochen worden seien." Die Nutzanwendung aus diesem Vorfälle ergiebt sich von selbst. Die „Schw. H. Ztg." schreibt u. A. Folgendes: „Wenn man in unseren Blättern fast alltäglich ein Verzeichniß von Meuchelmorden, Einbrüchen und anderen Diebstählen liest, so könnte man glauben, der Canton Zürich sei ein priviligirtes Jadrevier für Mord- und Diebsgesindel. Ist er das noch nicht ganz, so muß er es nächstens werden, — Dank dem Humanitäts- und Gemeinnützigkeits-Schwindel, in welchem unser ganzes öffentliches Leben verfault. Den Herren Mördern ist ihr Leben feierlich von der Verfassung garantirt, d. h. der wilden Bestie ist geflissentlich die Furcht genommen, welche die ehrlichen Leute einigermaßen schützen kann. Man muß jeden Funken von Verstand verloren haben oder absichtlich verleugnen, wenn man in Abrede stellen will: daß bei uns jeder einen Mordanschlag planende Schurke die Straflosigkeit seiner Misse- that in Berechnung zieht. Wir sagen „Straflosigkeit", well ein solches Ungeheuer immer darauf rechnet, daß Körperkraft, Gewandtheit, Glück oder Heuchelei die Thüren des Gefängnisses öffnen, sobald dessen Comfort langweilig zu werden beginnt. Und aus 20, oder auch 10 oder 5 Verbrecher wird ja höchstens einer vor den milden Richter gebracht." — Es liegt Wahrheit in diesen Worten. Berlin, 17. Novbr. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde ausschließlich von der die Vorlegung des Staatshaushalts-Etats pro 1883/84 begleitenden Rede des Herrn Finanzministers Scholz ausgefüllt. Ein- gänglich derselben erörterte der genannte Herr die Frage, ob mit Rücksicht auf die kurze Zeit, welche gegenwärtig der Erledigung der parlamentarischen Geschäfte zu widmen sei, nicht auch für Preußen — wie dies im Reich üblich sei — sich eine nur schriftliche Einbringung des Etats empfehlen würde. Er habe sich jedoch aus sachlichen wie aus persönlichen Gründen für diesmal gegen diesen Modus ausgesprochen, weil er, diesmal zuerst vor dem Haufe als preußischer Finanzminister erscheinend, den Etat mit einigen Erläuterungen zu begleiten und einer unbegründeten Kritik entgegenzutreten wünsche. Der Abschluß des Jahres 1881/82 sei, obgleich der Ueberschuß für dasselbe geringer sei als für 1880/81, doch keineswegs ein ungünstiger; auch für 1882/83 sei ein günstiger Abschluß zu erwarten. Denn wenngleich überspannte Erwartungen sich nicht erfüllt hätten, so zeige das laufende Jahr doch ein erfreuliches Steigen der Einnahmen und es werde mit einem mäßigen Ueberschuß abschließen, lieber den neu vorgelegten Etat bemerkte der Herr Minister, daß derselbe in seiner Ziffer um rot. 134,000,000 A über die des laufenden Jahres hinausgehe und in Einnahme wie Ausgabe mit 1,089,583,205 Anz." meldet, ist Mro- winsky seines Ranges und seiner Orden, sowie seiner besonderen Rechte verlustig erklärt und zur Verbannung nach dem Astrachan'schen Gouvernement verurtheilt worden mit der Weisung, dasselbe in 3 Jahren nicht zu verlassen. Türkei. Äonstantinopel, 18. Rovbr. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Pforte, die Aufmerksamkeit der Mächte auf bie Rüstungen Montenegros zu lenken und in einem Circular den Mächten bie Maßnahmen zur endgiltigen Regelung der noch streitigen montenegrinischen Grenzpunkte mitzutheilen - In der Festung Scutari (Albanien,) wurde ein Pulvermagazin vom Blitz getroffen, Personen wurden dabei nicht beschädigt. Aegypten. Kairo, 18. November. Meldung der „Agence Havas".) Der Proceß gegen Arobi tft suspendirt, bis die Regierung über die Absichten Englands unterrichtet sein wird- Dieselbe würde vorziehen, auf die Fortführung des Processes zu verzichten, falls der Urthellsspruch angefochten werden sollte. ♦ — Gerüchtweise verlautet, daß die egyptischcn Truppen in Suez, welche nach Suakim abgehen sollten, gemeutert hätten und sich weigerten, sich einzusch.ffen. Telegraphische Depchym. Wolff s telegr. Eorrespondern-Burearr. Paris, 19. Rovbr. In Lyon sind, wie hierher gemeldet wird, 25 Individuen, darunter 3 Ausländer, verhaftet worden, welche Mitglieder einer internationalen Gesellschaft sein sollen, deren Zweck die Aufhebung der Arbeit und die Abschaffung des Staatseigenthums wäre. — Der „Liberte" zufolge wird, da der Vertrag Brazza's über das Congogebiet genehniigt ist, demnächst das Kanonenboot „Sagittaire" nach dem Congogebiet gesandt, um den Fluß 'wieder hinauf zu fahren. New-Uork, 19. Rovbr. Nachrichten aus Lima vom 11. ds. zufolge baben die Kammern von Bolivia den Antrag auf Abschluß eines Waffenstillstandes mit Chili genehmigt. Campero ist nach La Paz zurückgekehrt und hat die Präsidentschaft wieder übernommen. Novara, 19. November. Der Festzug ist gestern Abend hierher zurückgekehrt. An dem Fesidlner tu Luvino nahmen außer den Festgästen alle bet dem Bau der Bahn beschäftigt gewesenen Ingenieure, sowie Arbeiter Theil. Der italienische Minister Baccarini hielt eine Ansprache, in welcher er den Gästen seinen Dank ausdrückte und auf die Fortschritte Italiens hinwies, welchen es die Entwickelung seiner internationalen Beziehungen zu verdanken habe, und brachte chl-eßlich einen Toast auf den Kaiser Wilhelm und den König Humbert aus. Von Setten der Vertreter Deutschlands und der Schweiz wurden Toaste auf den König Humbert ausgebracht. Unter andauernden lebhaften Zurufen der Einwohner trat der Festzug die Rückfahrt nach Genua an. Der Minister Baccarilii ist auf die Nachricht von der Erkrankung seiner Mutter nach der Romagna abgereist und wird bei den Festen in Genua durch den Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten vertreten. lokales. ** (Concert-Verein). Die Reihe der dieswinterlichen Aufführungen hat am Sonntag begonnen. An der Spitze des Programms stand B e e t h o v e n' s Ouvertüre „Zur Weihe des Hauses" op. 124. Dieses Stück war wohl mit Rücksicht auf die Bedeutung des Abends gewählt worden. Sollte ja auch ein . wenigstens theilweise ne u Haus eingeweiht werden, und dies konnte gewiß nicht würdiger geschehen als durch die in großartigen Dimensionen angelegte Ouvertüre. Sie ist bekanntlich zur Eröffnung des neuen Theaters in der Josephstadt zu Wien geschrieben und erschien im Jahr 1825 zugleich mit der graften Missa und der neunten Symphonie. Von der hohen Schönheit und der unergründlichen Tiefe jener beiden Riesenwerke besitzt diese Ouvertüre allerdings ein relativ nur geringes Maß; der Charakter einer Geleßenheits-Composition haftet ihr immerhin an, und der Stil, in welchem sie geschrieben ist (Beethoven wollte sich darin dem Jdeenkreise des von ihm am höchsten gehaltenen Meisters, Händels, unterordnen) gibt ihr, zumal für die Jetztzeit, im Allgemeinen eine etwas trockene Physiognomie, trotz der imposanten Jntroduction und der Riesengewalt majestätischen Schwunges, mit welchem sich das Presto, eine große freie Doppelfuge, über das Niveau einer fließenden, heiter bewegten Musik des öfteren erhebt. Die Ouvertüre ist eine schwierige, aber eine dankbare Aufgabe für das Orchester; unsere Musiker spielten sie indeß, wir wissen nicht woran es lag, nicht packend und feurig genug Das Schum an n'sche Concert (A-moll) ist ein Werk von edlem Stil, tief und gehaltvoll. Frei von jeder Effecthascherei, fesselt es doch in allen seinen Theilen durch den Reichthum seiner Melodien. Frl. Adele Voltz brachte das Werk vortrefflich zu Gehör. Sie wußte sich stets dem Orchester anzuschmiegen, und selbst da, wo das Clavier selbstständig auftritt, mischte sie nichts Persönliches in ihr Spiel, sich streng der bei Schumann bedingten einfachen Vortragsweise unterordnend. Ihr voller, weicher Anschlag gelangte namentlich in,der Bercense von Chopin zu vollendeter Geltung, obwohl wir uns mit der Auffassung des Tempos nicht ganz einverstanden erklären können. Die Vorzüge der Künstlerin: Correctheit und Deutlichkeit des Spiels und ein perlendes Legato traten in dem mit ihrem Vater Herrn Violoncellist Noebe aus Homburg gespielten Dao brillante von Chopin am hellsten zu Tage. Das Publikum bezeugte ihr lauten Beifall, der in einem zweimaligen Hervorruf gipfelte. ' Lieber- Frl. Dyna Beumer hat die Reclame nicht zu viel gesagt. Die schnell berühmt gewordene Sängerin besitzt wirklich alle Eigenschaften, welche nöthig sind, um ihr einen Platz neben den gefeiertsten ihrer Colleginnen zu sichern: eine gute Schulung, frische, schmetternde Lerchenstimme, die Färbung überwiegend hell, luie es einmal in der Natur des Coloraturgesanges liegt, aber doch ohne vordringliche Schärfe. Die Virtuosität, mit der sie ihre Staccato-Fignren, chromatischen Scalen und Triller vortrug, war geradezu verblüffend. Daß sie das Publikum unter solchen Umständen znm stürmischen Applaus und Hervorruf hinriß, war selbstredend. Einem Manne wie Robert Volkmann, dessen ,Name in der musikalischen Welt einen so hervorragenden Rang einnimmt, ist jedes wirklich künstlerisch geleitetes Concert- institut (und dieses Prädikat verdient unser Concertverein im vollsten Maße)die Aufführung eines seiner bedeutenden Werke schuldig. Sofort beim Eintritt des ersten großen, breiten Eröffnungsthemas — es tritt ernst, geharnischt, fest und ritterlich mit den Unisoni im Geigenquartett auf — fühlen wir, daß der Componift nicht den jetzt üblichen Weg wandelt, auf dem sogen. „Tongemälde" entstehen. Er behält vielmehr durchweg die ältere Form bei, entwirft seinen Compositionsplan^nach bestimmten Regeln, in fester, sicherer Zeichnung. Sehr fesselnd ist der zweite L-atz (Andante), in welchem den Holzbläsern eine hervorragende Aufgabe zufällt. Die anmuthenden Soli fanden eine ausdruckvoll gelungene Ausführung, zugleich dem überwiegend strengen Ton der Symphonie die nöthige Milde verleihend- Das Scherzo wirkt besonders durch den geschickten Periodenbau bei rhythmisch überraschenden Wendungen (6/4-Takt). Der letzte Satz, etwas schwächer als die vorhergehenden — ein Schicksal, das er mit fast allen Symphonien theilt— überflügelt manche vorhergegangene contrapunktische Arbeit, entbehrt jedoch der reizvollen Dative. Die Stimmung des Orchesters war rein, die Ausführung gut, in den Blechinstrumenten mit militärischer Präcision, die Leitung sicher und bestimmt. Alle Achtung aber vor den Geigern: denn in Bezug auf Reinheit des Tones ist diese Symphonie ein Prüfstein für das Orchester. Das Werk fand beim Publikum lebhaften Anklang und verdienten Beifall. Der Blüthner'sche Concertflügel aus dem Magazin des Herrn W. Rudolph ist ein prächtiges Instrument, cs tönte vom Pianissimo bis zum Fortissimo auch bei größter Fülle nur Wohllaut aus. Dienheim, 16. Rovbr. Vom Bergrutsch kommen seit vorgestern Abend wieder, wie vor anderthalb Jahren, gelbgefärbte Bäche des sich im Kalkboden versenkten,, aber auf der Letteschicht fortdrückenden Wassers. In der Straße, die neben dem Hause des Herrn Bürgermeisters Starck nach den Weinbergen aufsteigt, haben sich mächtige Quellen gezeigt, die große und kleinere Steine mit solchem Geräusche mit sich fortführten, daß die Anwohner in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch der Art erschreckten, daß sie mit Laternen die Ursache des unheimlichen Getöses aufsuchten. An der sogenannten kleinen Steige — südlich vom Orte — sind die Drainagearbeiten bis zu 3 4 der Berghöhe mit großer Mühe und Tag- und Nachtarbeit vorgerückt. Sckon mehrere Stollen, die 4 bis 5 Meter tief ausgegraben waren, sind trotz aller Vorsicht der Bauführung von dem einseitig drückenden wasserdurchdrungenen Erdreich verschüttet worden und mußten aufgegeben werden. Ob die Herstellung ber Verbindungslinien unter der Erde nicht zur Zeit geradezu lebensgefährlich wird, ist wohl zu bedenken. Soeben — früh 7 Uhr — kommt die Nachricht, daß heute Nacht wieder bedeutendes Gekrach im Berge gehört worden sei, weshalb auf neue Rutschungen geschlossen wird- Eigentlich hatten dieselben in diesem nassen Sommer nie ganz nachgelassen. Der mit der Herstellung der Grenzen beauftragte Geometer mußte deßhalb schon im September seine angefangenen und bis zu ein Viertel der Höhe gediehenen Vermessungsarbeiten einstellen. Wie der Ort nördlich vom Berg droht unter Wasser gesetzt zu werden — die Keller sind den ganzen Sommer nie eigentlich trocken gewesen und werden sich bei diesen Aussichten bald wieder füllen — so ist die östliche Seite der Gemarkung, wo weitaus die Allmende liegen — hier „Armentheile" genannt — schon feit lange vorn Grund wasser übersättigt, so daß das Einernten der Kartoffeln nnd Wurzelgewächse häufig nur künstlich mit Backmulden und Flößen von statten ging und an eine Neubestellung nicht gedacht werden kann. Berlin. Bei den nahen Beziehungen, welche die gräfliche Familie Rantzau mit der Familie des Fürsten-Neichskanzlers verbinden, dürfte es von allgemeinem Interesse sein, von einem alten Herkommen Kenntniß zu erhalten, welches sich im Hanse Rantzau erhalten hat. Vor vielen Jahren jagte ein Graf Rantzau und gerieth bei Verfolgung eines Wildes in ein bodenloses Moorloch. Ein in der 'Nähe arbeitender Bauer hörte den Hilferuf, eilte hin und rettete dem Grafen das Leben. Der Bauer lehnte Anfangs einen Lohn ab, da er glaubte, nicht mehr als seine Pflicht gethan zu haben Als der Graf aber seinen Lebensretter nicht unbelohnt sehen wollte, ersuchte der Bauer den Grafen um Schenkung des Stück Landes, wo sie standen. Der Graf that dieses gern, doch knüpfte er daran die Bedingung, daß der Landmann jährlich zu Martini auf das Schloß kommen solle, um eine Abgabe von einem Pfennig zu zahlen, zugleich aber auch Gast des Grafen zu fein. Das Moor ist längst ein fruchtbares Feld geworden, die alte Abmachung ist jedoch heute noch in Kraft, und der jeweilige Besitzer der Wiese bezahlt an jedem 10. November einen alten silbernen dänischen Pfennig. Da es jedoch von dieser Münze nur noch wenige Exemplare giebt, so werden dieselben dem Landmann stets wieder zurückgegeben: auch in diesem Jahre hat sich die alte Sitte wiederholt. Am 10. d. Mts-, präcise 12 Uhr Mittags, erschien der jetzige Besitzer der „Pfennigwiese" auf Schloß Breitenburg, wo Gras Rantzau nebst seinen Beamten bereits warteten. Graf Rantzau selbst nahm den Pfennig in Empfang worauf über die gezahlte Abgabe ein Protokoll ausgenommen wurde, dem ein Festmahl folgte, bei welchem noch dieselbe Ordnung der Speisen eingehalten wurde, mit der der Begründer dieser Ceremonie vor jenen Jahren seinen Lebensretter zuerst bewirthet hatte. — Ein gesetzeskundiger Angeklagter. Vor dem Schöffengericht am Molkenmarkt in Berlin spielte sich jüngst die folgende Scene ab: Vorsitzender (zu dem Angeklagten): Sie sind der Schriftsetzer Adolph Semmler ? — Angeklagter: Det bin ick. — Vors. : Sie sind wegen Bettelns und Arbeitsscheu angeklagt. — Angekl.: Det wees ick- Bevor aber mit mir verhandelt wird, habe ick eenen Einwand zu machen. — Vors.: Und der wäre ? — Angekl.: Det sie überhaupt mit mir gar nicht verhandeln können. Et muß einem jeden Angeklagten 7 Tage vor dem Termine die Ladung zugestellt werden. Ick bin zum 26. Oktober geladen, die Ladung ist erst am 20. Oktober mir zugeschickt, also bitte ick ganz gehorsamst, wenn Sie sonst nischt dajegen einzuwenden haben, det een ganzer neuer Termin anberaumt wird und det ick 8 Tage vorher Ladung in die Fingern ßabe. — Der Vorsitzende constatirt aus den Akten, daß dem Angeklagten die Ladung gar erst 4 Tage vor dem Termine zugestellt worden, während eine Frist von 7 Tagen vorgeschrieben ist. — Vors. (zum Angeklagten): Sie sitzen seit dem 10. Oktober hier in Hast, weil Sie aus schöffengerichtliche Entscheidung angetragen haben.. Diese soll jetzt geschehen. Die von Ihnen vorgeschlagenen Entlastungszeugen sind, wie der-Aufruf ergeben, zur Stelle, mithin kann doch die Sacke zu Ende geführt werden. Was veranlaßt Sie jetzt, die Sache abermals in die Länge zu ziehen und weitere 4 Wochen in Untersuchungshaft zu bleiben? — Angekl.: Mir gefällt es bei der kalten Witterung hier ganz gut. — Vors.: Dann machen Sie den Einwand blos, um hier freie Pension zu genießen. — Angekl.: Sie haben den Nagel nff'n Kopp getroffen. — Der Termin wird verlegt und der Angeklagte hat erreicht, was er wollte. Er bleibt auf weitere 4 Wochen in Untersuchungshaft. Schiffsderichl. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 18. Novdr. Der Poftdampfer Elbe, Capitän W- Willigerod, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 8. November von Newyork abgegangen war, ist heute 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 203 Passagiere und volle Ladung ßranksl Qm jl 1.70—2.00. Grünbk Gerste^ Krtosseln >x CoursbnW. Crediiacken westbahnacnel Ockerr. Silb 5°/o Mr ? Mute 93, 4°, 119. Tendenz Schrift nur dann bea ist. Heber Ji keinerlei Aus gcgentheiligen Freitag b Na soll auf hiesig! des Christiai Flur 40/40a1? links bei meiffbietenb vc Gießen, den Groi "7417 Q '"n-rs-ag Dienstag i Nac W auf Hiesigei stück des Hein 'Flur XXLX/35, Zeiselswik meistbietend vei Gießen, den * -7339 ®"6! Wfleiger l >Nfragbe§. Gleich Dienstag noch den 22.7- K*ne Parihie w I -E Gegenstände N-mmUhrm, L "teruberjicher ■ Md 5Jttl Meßen, den 2t E»__® Bitnltaq bc Nachnsi Werden in d Heinrich 6 "abier die SaaMlunq ließen, Dc] und p e aus Publikum e schnell ^d, um chulung, 'Mal in «■ Sie Jet vor- rum ichrnWelt iGpntitb "ssühruntz n,. breiten Msoni im ^u Weg die ältere r, sicheret Holz: iden eine Ton der Mch dcn letzte Satz^ «Aphonien jedoch der 'S ßut, in bestimmt. j ist diese likum leb: Rudolph io auch bei ad wieder, iten, aber Hause des h mächtige it sich sort- erlchreckten, Drainage- arbeit vor- i, sind trotz ddrungenen stellung der । wirb, ist jeder bedeu- a geschlossen nachgelassen, ilb schon im ermessungs- rben — die ui fid) bu -kung, wo W W \ eine Reu- ilie Rantzau allgemeinem unb geriet!) ^-beitender ^er Bauer 'gethanp e ersuchte Der Gral sührtich zu . zu zahlen, sruchtba^' er jeweilige >n dänische iebt,p£ t Jahre W erschien der ,’E'i ff* ®olten*?. i ®"3“ tgel^Ä ecu WUNS ^rt7 Wx K>.<« ie Oas 4 flott* '.«K tt«ie chtN ,.b 00lN rf Ä und Uh- 'avnnS ulil> Handel und Berkehr. Frankfurt, 18. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu jl 3.50—4.00, Stroh X 2.00—2.20, Eier das Hundert X 6—7.50, Stück 61.2—8 Butter 1. Qualität X 1.35, 2. Qualität «X 120, Kartoffeln per Zentner X 3.00—3.50, -Elans 55—70 pr. Pfd., Huhn «X , 1 Ente -X 1.80—2.50, 1 Taube 50—70 Hahn jl 1.70—2.00. Grünberg, 18. November. (Fruchtpreise.) Weizen X 18.96, Korn X 15.20, Gerste X 13.00, Hafer X 12.34, Erbsen X 19.86, Lein X 26.00, Samen X 26.72, Kartoffeln X 6.10. Frankfurt a. M., 20. November, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 249, Staatsbahnactien 2965/8, Galizier 263%, Lombarden 1173/4, Nord- westbahnactien 169, Darmstädter-Bankactien —, Oberschlesische E.-B.-Act. 2553/8, Oesterr. Silberrente 653/4, 4% Ungar. Goldrente 72^4, 4% 1880er Russen 693/i8, 5% 1877r Russen —, 2. Orient-Anleihe 543/ö, Spanier 615/8, 5% Rumänische Rente 93, 4°/0 Unific. Egypter 697/ig, Disconto Comm. 199, Gotthardbahnactren 119. Tendenz: — Zur gefl. Beachtung Schriftliche Anfragen wegen Auskunftsertheilung über Inserate rc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Freimarke für die Rückantwort beigelegt ist. Ueber Inserate bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Expedition zu keinerlei Auskunftsertheilungen befugt. Offertenbriefe sind — soweit keine bestimmten gcgcntheiligen Abmachungen getroffen wurden — in der Expedition abzuholen. Hülfe für Tirol! Dem in Nr. 262 des „Gießener Anzeigers" veröffentlichten „Aufruf", betr. Sammlung von milden Beiträgen zu Gunsten der Wasserbeschädigten Tirols, schließen sich die Unterzeichneten von ganzem Herzen an und erklären sich zur Annahme von Beiträgen gerne bereit. Gießen, 11. November 1882. Bramm, Bürgermeister. Backofen, Photograph. Dr. Baltzer, Professor. Bähst, Ferdinand, Kaufmann. Dr. Bindewald, Reallehrer. Braun, Gerichts- Accessist. Dr. Buchner Professor. Buderus, Karl, Hüttenbesitzer. Daudt, Chr., Fabrikant. Diery, Rechtsanwalt. Dr. Dittmar, Rechtsanwalt. Fclchner, Ad, Musikdirektor. Dr. Gutfleisch, Rechtsanwalt. Haustein, Z., Landtags- Abgeordneter. Heichelheim, S., Bankier. Hirschhorns Rechtsanwalt. Hom- berger, M., Fabrikant, von Jungeufeld, Bankbeamter. Dr. Katteubusch, Professor. Kaufmann, Albert, Bankier. Knorr, Landgerichtsprüsident. van Kries, Professor. Dr. Levi, Rabbiner. Lotz, Gerbereibesitzer. Metz, Rechtsanwalt. Dr Naumann, Pfarrer. Ohler, C., Kaufmann. Rady, Pfarrer, von der Rohh, Professor. Schliehhake, Rentamtmann. Schmitt, Univers. - Rentamtmann. Soldan, Realschuldirector. Treff, L., Kaufmann. Redaction und Expedition des Gießener Anzeigers, der Oberhcff. Nachrichten. Allgemeiner Anzeiger. Freitag den 24. Novemder, Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgericht die Hofraithe ves Christian Maltamcstus Flur 4O/4Oa17loo, 385 Meter Hofraithe, links der Chaussee meistbietend versteigert werden. Gießen, den 9. November 1882. Großherzogliches Ortsgericht. 7417____________Müller.__ Dienstag den 19. Dezember, Nachmittags 2 Uhr, loU auf hiesigem Ortsgericht das Grundstück des Heinrich Reil; Flur XXIX/35, 1363 Mtr. Acker vor der Zeiselswiese meistbietend versteigert werben. Gießen, den 4. November 1882. Großherzogliches Ortsgericht. 7339 Müller. ilersteigerungs -Anzeige. Im Auftrag des Herrn K. Grünebaum lasse ich Dienstag -en 21. und Mittwoch -en 22. -s. Mts., von Mittags 1 Uhr an, im Saal des Gastwirths B r a m m eine Parthie zurückgebliebener Pfänder gegen Baarzahlung öffentlich versteigern. Dee Gegenstände bestehen in goldenen und silbernen Uhren, Gold- und Silbersachen, 1 Kleidungsstücken (darunter ca- 50 Stück Winterüberzieher), einer großen Parthie Pferde- und Bett-Teppichen rc. Gießen, den 20. November 1882. Bauer, [7658__________Großh. Gerichtsvollzieher. Dienstag den 21. November, Nachmittags 3 Uhr, werden in der Behausung des Heinrich Keck am Neuenweg dahier die zur Holzschneidemühle gehörigenMaschinen öffentlich gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 18. Novbr. 1882. M Pilger, 762Z Eoncursoerwalter. Schaf Versteigerung. Donnerstag- en23.November, Vormittags 9 Uhr anfangend, läßt die Schäfereigesellschaft dahier lOOStück Schafe, 120 Hammellämmer, 40 Mutter- lämmer und 2 Böcke versteigern. Eberstadt, den 17. November 1882. 7566 Der Vorstand. Beltzeuge, Barchente, Zwilliche, Leinen, Oaiffion, Shirtiug, Damaste, Piques, »äaEieitücher, Tischtücher, Servietten, C-ardincBi, Trient, Piqneun! Tischdecken, rothe und farbige Kolter, Beisedecken, Steppdecken, Bett- ffederu und Bannen in besten Qualitäten empfiehlt zu billigen Preisen Fe fto9ber@9 7155 Kirchenplatz. Gänzlicher Ausverkauf. Wegen Aufgabe meiner Sehuhwaaren verkaufe solche, um damit rasch zu räumen, bedeutend unter Preis. ^631 Hermann GW Wichtig für jede Hausfrau. 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Es würde dann eine Warnung, wie die beregte, nicht von Nöthen sein und Polizeistrafen sowie Gerichts- und Jnserat- kosten vermieden werden. 7580 Meine Wohnung nebst L»rfen Handlung befindet sich von heute an RirchmMtz 3, im Hause des Herrn Gerlipp. 7747 J. Klingelhöfier., 7627 Br. Dienstmädchen für sofort gesucht. Plockftraße 2. i M Kaufmännische Formulare aller Art werden elegant und rasch bei billigsten Preisen angefertigt. Brütote Dnictoi (Fr. Clir. Pietsch) Verlag und Expedition des Giessener Anzeigers. Generalversammlung des Irauenvereins für Armen- u. Krankenpflege. Dienstag den 21, November, Nachmittags 5 Uhr, im Saale des alten Rathhauses. Tagesordnung: 1. Antrag des Vorstandes, betr. Erweiterung des Vereins zu einem Allgem. Verein für Armen- u. Krankenpflege 2. Berathung der Statuten. 3. Vorstandswahl. Alle, welche im laufenden Jahre einen Jahresbeitrag für den, Frauenverein geleistet haben, sind stimmberechtigt und werden hiermit ergebenst eingeladen I. 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