Nr. 2L6. Samstag den 21. Oktober 1882. ickmer Anzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. rr . . -x ar v a «« j. fi Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Bureaur Schulstraße 7. Erschemt täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. _____ Amtlicher HHeil. Bekanntmachung. Unter Bezugnahme auf die nachstehende Veröffentlichung machen wir daraus aufmerksam, daß der landwirthschaftliche Bezirksverein Gießen 200 A zu Unterstützungen für den Besuch einer Ackerbauschule vorgesehen hat. Gießen, am 11. Oktober 1882. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Boekmann. Betreffend: Wintereurfus 1882/83 der Ackerbauschule des landw. Vereins für die Provinz Oberheffen zu Friedberg. Der diesmalige Wintercursus hiesiger Ackerbauschule beginnt Donnerstag den 2. November und wird gegen Ende März geschlossen. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulgegenstände, die verschiedenen Zweige der Naturkunde und landwirthschaftlichen Fächer. Er wird von zwei Landwirthschafts- lehrern, dem Culturingenieur Völzing, dem Dr. med. C. Becker und mehreren anderen geeigneten Hülfslehrern erthellt. Die nöthige Anschauung gewähren die reichen Lehrmittel der Anstalt, sowie Excursionen nach nahe gelegenen Gutswirthschaften, gewerblichen Anlagen und sonstigen belehrenden Einrichtungen. Aufnahmsfähig sind alle unbescholtene junge Männer, welche die Volksschule mit gutem Erfolg absolvirt haben. In die 2. Klasse werden nur solche Schüler ausgenommen, welche vorher die 1. Klasse besuchten, oder nachweisen, daß sie sich anderweitig die Kenntnisse angeeignet haben, welche das Lehrziel der 1. Klasse bllden, alle anderen Schuler kommen in letztere. Das Schulgeld beträgt sür die 1. Klasse 45 «A, für die 2. Klasse 35 A Anmeldungen nimmt der Anstaltsdirigent, Großherzoglicher Landwirthschaftslehrer Dr. Tobisch, entgegen, welcher gewünschtenfalls auch anderweitige bezügliche.Auskunft ertheilt. Friedberg, den 6. September 1882. Das Curatorium der Ackerbauschule zu Friedberg. Dr. Braden, Kreisrath. Dr Frhr. v. Gemmingen, Kreisassessor. Schmidt, Kreisschulinspector. Deutschland. Darmstadt, 19. Octbr. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 10. Octbr. den Steuer-Controleur Karl Hechler zu Darmstadt zum Secretär bei der BrandversicherungS-Commission, unter der Verpflichtung, auch die Geschäfte eines Registrators und Protokollisten bei dieser Behörde zu übernehmen, zu ernennen. Berlin, 18. Octbr. Der Ausschuß des deutschen Handelstages tritt in Berlin in den Tagen des 27. und 28. October zu Sitzungen zusammen, in welchen u. A. auch die Frage der Reform der Handelskammern zur Berathung gelangen soll. Im Anschluß hieran tritt am 29. und 30. October der Ausschuß des Centralverbandes deutscher Industrieller zusammen, um sich über die Details zu der in Nürnberg von den Delegirten gefaßten Beschlüsse zu der Krankenkassen- und Unfallversicherungs-Vorlage zu verständigen. Allem Anschein nach dürfte eine die Materie erschöpfend behandelnde Denkschrift ausgearbeitet werden. — Während der Anwesenheit des Herrn Ministers v. Bötticher im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirke waren an denselben mehrfach Wünsche betreffs Anlegung von Secundärbahnen gerichtet worden. Wie die „Verl. Polit. Nachr." erfahren, haben dieselben insofern schon Erfolg gehabt, als bereits Beamte im bergischen Lande eingetroffen sind, welche sich an Ort und Stelle mit den ersten Vorbereitungen für den Ausbau des dortigen Schienennetzes beschäftigen, nachdem bereits vor einiger Zeit diesbezügliche Erlasse des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten an die königl. Negierung in Düsseldorf und an die königl. Eisenbahndirection in Elberfeld ergangen sind. — In den Webergegenden des Königreichs Sachsen und der thüringischen Fürstenthümer nehmen die Strikes noch immer zu. Nachdem seit längerer Zeit in Greiz ein Streit entbrannt ist, welchem sich die Weber in Gera angeschlossen haben, ist jetzt auch in Crimmitzschau der Strike abgebrochen. — Die „B. P. N." schreiben: Wenngleich die Verständigung der englischen mit der französischen Regierung bezüglich Egyptens unleugbare Fortschritte macht, so geht die Erledigung der Einzelpunkte doch keineswegs so glatt vor sich, als es nach den Mittheilungen der „Times" und mehreren französisch-freundlichen Londoner Blättern den Anschein haben könnte. Diese hofiren dem intimen Alliirten in lächerlich übertriebener Weise und lassen dadurch erkennen, wie bitter ihm die Pille schmecken muß, deren Ueberzuckerung sie sich zur Aufgabe machen. Die Pariser Blätter quittiren mit sauersüßer Miene über die Liebenswürdigkeiten ihrer Londoner Collegen und gestehen resignirt, daß weder Frankreich noch England ein Interesse haben, sich um Egyptens willen ernstlich zu entzweien. Diejenigen Journale, welchen Inspirationen aus dem Elysee zugänglich sind, gehen noch weiter und erklären, daß, so bedeutend Frankreichs Interessen am Nil auch sein möchten, sie dennoch nicht schwer genug wiegen, um eine feindselige Haltung der Republik gegen England zu rechtfertigen. Man müsse aber beiderseits Nachgiebigkeit bekunden. Diese Nothwendigkeit ist von den „Berl. Polit. Nachr." schon wiederholt accentuirt worden. In Konstantinopel vollzieht sich endlich der Umschwung, welchen man schon früher hätte bewirken sollen. Die Pforte lenkt England gegenüber ein und giebt ihre Bereitwilligkeit zu einer gütlichen Beilegung der egyptifchen Schwierigkeit zu erkennen. In einer an Lord Dufferin gerichteten Note wird Die Hoffnung ausgeft ochen, daß. die wesentlichen Punkte des Status quo aufrecht erhalten bleiben können. Also im Princip selber treten die Konstantinopeler Staatsmänner doch schon den Rückzug an. Ueber das, was sie unter den „wesentlichen Punkten" verstehen, wird sich mit ihnen wohl auch noch reden lassen. Die Türkei sowohl wie Europa kann bei dem Frontwechsel der egypti- schen Politik des Sultans nur gewinnen. Den Italienern verursachen ihre diesjährigen Militärmissionen zu den fremdstaatlichen Manövern mancherlei Kopfzerbrechen. Kaum hat sich die öffentliche Meinung einigermaßen beruhigt wegen der unterbliebenen Decorirung der nach Deutschland entsendeten Officiere, so kommt der „Fanfulla" und erzählt, den nach Frankreich gereisten Officiere fei als Beobachtungsfeld das Terrain der kleinen Manöver in der Normandie angewiesen worden, während alle fremdstaatlichen Officiere zu den großen Manövern bei Ormy zugelassen wären. Es habe der directen Einmischung des Königs Humbert bedurft, um den Vertretern des italienischen Heeres in dieser Beziehung die Gleichstellung mit ihren Kameraden der übrigen europäischen Mächte zu verschaffen. Berlin, 18. Octbr. Nach dem von dem Kriegsminister veröffentlichten allgemeinen Krankheitsberichte sind während des August im deutschen Heere, ausschließlich Bayerns, 12 Selbstmorde vorgekommen, ebenso einzelne Todesfälle in Folge Hitzschlags. — Nach Mittheilungen aus Hofkreisen besteht das Unwohlsein des Kaisers in einer leichten, durchaus unerheblichen Erkältung, welche indessen doch den Monarchen nöthigt, das Zimmer zu hüten und ihn verhindert, für seine Rückreise die bisherigen Bestimmungen festzuhalten. Man glaubt jedoch, daß Die Unpäßlichkeit in wenigen Tagen vorübergegangen sein wird. Der Kaiser selbst hegt nach derselben Quelle die feste Hoffnung, im November den Hofjagden in Wernigerode, Ludwigslust und in verschiedenen Provinzen Preußens beizuwohnen. — Gegen Ende October wird es 25 Jahre, daß General-Feldmarschall Graf Moltke, welcher am 26. d. Mts. sein 82. Lebensjahr vollendet, an der Spitze des Generalstabes der Armee steht. Unter dem 29. October 1857 wurde der damalige Generalmajor Freiherr v. Moltke mit der Führung der Geschäfte des Generalstabs der Armee beauftragt und am 18. September des folgenden Jahres endgültig zum Chef ernannt. Welche Dienste der Jubllar in diesem Vierteljahrhundert seinem Könige, der Armee und dem Vaterlande geleistet, ist weltbekannt. Wo die Thaten so laut und deutlich reden, bedarf es keiner Worte mehr zum Ruhme des in Krieg und Frieden bewährten Heerführers. Kngkand. London, 17. Octbr. In Dublin ist ganz plötzlich die Schutzwache des viceköniglichen Schlosses verdoppelt worden und die Militärbehörde hat andere Vorsichtsmaßregeln getroffen. So ist den Soldaten eingeschärft worden,..niemals anders als zu Zweien auszugehen. Auch wurde die Anordnung getroffen, daß mindestens eine Hälfte der Truppen der Garnison stets in den Kasernen con- signirt sein soll. Ueber die Gründe für diese verschärfte Wachsamkeit ist bis jetzt nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. — Aus Limerick wird geschrieben: Vor zwei Jahren, als die agrarische Agitation in Irland auf ihrem Höhepunkte stand, wurde auf Fräulein Ellard, die Besitzerin eines ausgedehnten Güter - Complexes in Newtown - Ellard, Oola, geschossen, aber sie, sowie der Kutscher entgingen der meuchelmörderischen Kugel. Kurz darauf wurde der Dame Polizeischutz gewährt und zwei Unter-Constabler der Station New Pallas mit diesem Dienste betraut. Einer dieser Constabler, Namens Sheehy, entledigte sich seiner Pflicht in solch angenehmer Weise, daß Fräulein Ellard beschloß, sich seinen Schutz aus Lebenszeit zu sichern. In andern Worten, die junge, reiche und schöne Dame hat dem Constabler ihre Hand gereicht und derselbe ist jetzt der Gatte eines schönen Weibes und ein Grundbesitzer mit einer Jahresrente von 10,000 L. — Der Henker Marwood hat von der „geheimen Meuchelmord-Gesellschaft" einen mit dem Poststempel Dublin versehenen Drohbrief erhalten, worin er gewarnt wird, daß sein Leben in Gefahr schweben würde, falls er sich jemals wieder für die Vollstreckung einer Hinrichtung in Irland gebrauchen lasse. Marwood hat das Schreiben dem Minister des Innern vorgelegt und sowohl von diesem, als auch von dem Vicekönig von Irland hat er die Versicherung erhalten, daß, wenn seine Anwesenheit in Irland wieder erforderlich sein sollte, für seine persönliche Sicherheit auf's Beste gesorgt werden würde. Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 19. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Amerika, Capt. F. Hamelmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. Oktober von Bremen abgegangen war, ist am 18. Oktober wohlbehalten in Baltimore angekommen. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Corresponden4°Buveau. Baden-Baden, 19. Octbr. Se. Maj. der Kaiser nahm heute Vor- mittaa mehrere Vorträge entgegen und hat später bei dem schönen Wetter wieder eine Ausfahrt gemacht. Auch Ihre Maj. die Kaiserin unternahm eine Ausfahrt. Zum Diner waren keine Einladungen ergangen,, der Kaiser und die Kaiserin nahmen das Diner gemeinschaftlich, aber allein ein. Dresden, 19. Octbr. Die Verhandlungen des deutsch-österreichisch- ungarischen Verbandes in Betreff des Conflicts mit der österreichischen Nordwestbahn sind in der zweiten Conferenzsitzung abgebrochen worden, da die Nordwestbahn sich nicht zu Concessionen hat entschließen können, welche behufs Herbeiführung eines gedeihlichen directen Verkehrs zwischen den deutschen Häfen und Oesterreich gefordert werden mußten und die Nordwestbahn alle Anträge deutscherseits von der Erwägung abhängig macht, ob nicht die Interessen der Nordmest - Dampsfchifffahrts -Gesellschaft dadurch beeinflußt werden könnten. Weitere Verhandlungen mit der jetzigen Direction der Nordwestbahn, welche gleichzeitig die Interessen der Wasserconcurrenz vertritt, sind hierdurch unmöglich geworden und haben die Vertreter der preußischen Staatsbahnverwaltung nicht nur die Kündigung der directen Tarife für den Verkehr zwischen den deutschen Häfen und Oesterreich mit und via der Nordwestbahn aufrechterhalten, sondern sogar die Kündigung der directen Verkehre mit den Rheinlanden, Westfalen, Belgien und Holland in Aussicht gestellt. Die Einberufung des vorgestern gewählten Comites, welches eine Einigung der streitenden Parteien herbeisühren sollte, ist unter diesen Verhältnissen hinfällig geworden. Berlin, 19. October. Die Berliner Wahlmännerwahl ergiebt nach thunlicher Taxation der Parteistellung die Wahl von 2900 fortschrittlichen, secessionistifchen und nationalliberalen Wahlmännnern gegen etwa 750 conser- vaüve und antifortschrittliche Wahlmänner. 19. Oktober. Im Stadtkreis Kassel sind 158 nuttonci[liberale, 38 forl- schntttiche und 25 konservative Wahlmänner gewählt. Wiesbaden, 19. Oktober. Bei der heutigen Wahlmännerwahl wurden 184 liberale und 9 konservative Wahlmänner gewählt. Köln, 19. Oktober. In der Stadt Köln haben die Ultramontanen 325 Wahlmänner gegen 221 von anderen Parteien Kreseld, 19. Oktober. Nach dem Ausfall der Wahlmännerwahlen scheint die überwiegende Majorität für Seyffardt gesichert. r , r xl Elberfeld, 19. Oktober. In der Stadt sind 251 liberale, 5 konservatioe Wahlmänner gewählt. Barmen, 19. Oktober. Mit Ausnahme von 3 Bezirken ergaben die Wahlen den Sieg der liberalen Wahlmänner-Kanvidaten gegen 17 gewählte Konservative. Trier, 19. Oktober. Im Stadtbezirk Majorität gewählter Wahlmänr.er^ klerikal. Halle, 19. Oktober. Unter den gewählten Wahlmännern (Stadt) zählt man 218 Secessiomsten, 33 Konservative, 24 Nationalliberale. Magdeburg, 19. Oktober. 410 liberale und 13 konservative Wahlmänner gewählt. Nur wenige Bezirke fehlen noch. Hannover, 19. Oktober. Bei der hiesigen Wahlmännerwahl siegte die national- liberale^ Partei mit bedeutender Majorität. Görlitz, 19. Oktober. Die hiesigen Wahlmänner gehören etwa zu dreiviertel der liberalen, zu emvtertel der konservativen Partei an- Pofen, 19. Oktober. Die Wahlmännerwahlen ergaben 116 Fortschrittler, 77 Polen, 49 Konservative und gemäßigt Liberale. Bromberg, 19. Oktober. In der Stadt sind 72 liberale, 52 konservative Wahlmänner gewählt. Ergebnisse de« ganzen Wahlkreises noch nicht bekannt. Potsdam, 19. Oktober. Die konservative Partei hat bet den Wahlmännerwahlen die überwiegende Majorität- Danzig, 19. Oktober. Es wurden bis jetzt 351 liberale, 61 konservativ-klerikale Wahlmän er gewählt. . r • __ ,ir , Königsberg, 19. Oktober. In der Stabt Königsberg sind 472 liberale und 59 konservatioe Wahlmänner gewählt. Konstantinopel, 19. Octbr. Die gestern Lord Dufferin überreichte Note der Pforte hebt die Gleichförmigkeit der Anschauungen Englands und der Türkei, sowie des Zweckes hervor, welchen beide Regierungen verfolgen und der dadurch erreicht werden könnte, daß Egypten ein Zustand gesichert werde, welcher auf dem Vertrage von 1841 und einem die Souveränetät des Sultans bekräftigenden und die Verwaltung Egyptens feststellenden kaiserlichen Firman basire. Diesem Jdeengange gemäß fordere die Pforte zu einer Entente zwischen England und der Türkei auf, welche durch eine unwandelbare Freundschaft verbunden seien. Die Note nimmt mit Befriedigung Akt von der bezüglich der vollständigen Räumung Egyptens gegebenen Versicherung. Da die Ruhe in Egypten wieder eingekehrt, hoffe die Pforte, daß die Räumung alsbald vor sich gehe. Diese Frage werde übrigens gleichfalls Gegenstand derselben Entente bilden tonnen. Petersburg, 19. Octbr. Die Räuber, welche zu Ende vor. Monats zwischen Melitopol und Berdiansk (Südrußland) den Postwagen Überstelen, den Postillon tödteten und aus dem Postwagen eine von der Neichsbank in Moskau nach Berdiansk gesendete Summe von 500,000 Rubel raubten, sind ermittelt unb verhaftet worden, dieselben sind Kasan'sche Tartaren, die Untersuchung ist im Gange. Von dem geraubten Gelde sind 160,000 Rubel wieder aufgefunden worden. — Aus Rheinhessen wird den „M. N " geschrieben: „In weinbautreibenden Kreisen hat man sich bereits mit dem Projekte befreundet, bet der nächsten General- Versammlung der drei landwinhschaftllchen Provinzialvereine des Großherzogthums, welche längstens im Jahre 1877 stattfinden soll, eine großartige, wenn thunllch, das ganze Reichsgebiet umfassende Sp^cialausstellung für Weinbau zu veranstalten." Mainz, 18. Oktober. In dem Hause emes Bäckers auf der mittleren Bleiche brach heute Morgen 8 Uhr Feuer aus und wurde das Gebäude in den oberen Stockwerken vollständig zerstört. Mainz, 17. Oktober. Gestern Nachmittag stand ein junger Mann vor dem Hause eines Colonialwaarenhändlers auf dem Liedfrauenplatze und betrachtete sich das Schaufenster. In diesem Momente stürzte das öjädrtge Söhnchen des Kaufmanns aus dem Fenster des ersten Stockes. Der junge Mann hörte einen Schrei, sah in die Höhe, öffnete die Arme und fing das Kind glücklich auf, so daß dasselbe lediglich mit dem Schrecken davonkam, während es sonst wohl kaum am Leben geblieben märe. Hunderte von Leuten hatten sich im Nu auf dem Platze gesammelt und nur durch rasche Flucht konnte sich der junge Mann den Lobpretsungen der Menge entziehen. H o y er s w e^d a, 10. Oktober. (Mord und Selbstmord.) Ungeheueres Aussehen erregt in unserem Dtädtchen die Kunde, daß heute Mittag tm Gasthofe „zum schwarzen Bären" Hierselbst cin Mord und ein Selbstmord vollbracht worden sind. Der Ritter- schastsrath v. o. Marwitz, Besitzer des Eisenwerkes Bernsdorf, lag seit längerer Zeit tm Proccß mit seinem früheren Eisenwerksdirector Schlägel, einem allgemein geachteten Manne, der jenen wegen plötzlicher Amtsentlassung auf Entschädigung verklagt und eine solche auch im Betrage von 70,000 im Wege Rechtens siegreich erftritten hatte. Hierüber war der v. b. Marwitz ohnehin schon im höchsten Grade erbost und dazu kam nun noch, daß er gerade heute vom hiesigen Schöffengerichte wegen einer ander- weiten Prtvatklage des Director Schlägel gegen ihn verurtheilt worden war Gegen Mittag gingen beide Männer in den vorgenannten Gasthof; Schlägel saß am Fenster und blickte auf den Marktplatz hin, während d. b. Marwitz einige Male im Zimmer auf und ab ging, dann plötzlich einen Revolver hervorzog und aus nächster Nähe zwei Schüsse auf den Hinterkopf Schlägel's abfeuerte. Dieser sank ohne einen Laut tobt vom Sessel. Noch ehe die wenigen Anwesenden eigentlich recht begriffen hatten, was vorgegangen, setzte v. d. Marwitz den Revolver an den Mund', drückte ab und stürzte ebenfalls tobt zu Boben. Man kann sich denken, in welcher Aufregung bie ganze Bevölkerung ist. Die Leichen sind einstweilen in das Kreiskrankenhaus überführt worden Der ermordete Schlägel war Wittwer und hinterläßt vier unversorgte Kinder. Emden, 14. Oktober. Ein grauenhafter Mord, über dem bislang noch das tiefste Dunkel schwebt, ist am Morgen des 12. d. Mts. in dem benachbarten Flecken Greetsiel verübt worden. Der daselbst mit einer Magd zusammenwohnende 82jährige Superintendent a. D. Leding wurde Morgens zwischen 7 und 8 Uhr in seinem Bette tobt aufgefunden. Bei näherer Untersuchung entdeckte man an der Leiche eine breite, tiefe Wunde im Unterleib. Einige Stunden später öffnete sich der festgeschlossene Mund der Leiche und fand man in demselben ein dickes, schwarzseidenes Tuck, daS mit großer Gewalt in den Hals hineingezwängt war. lieber die näheren Umstände ist folgendes bekannt: In der Nacht vom 11. zum 12. hat eine zu E'lsum wohnende verheirathete Tochter des Ermordeten bei demselben gewacht, da derselbe wegen schwerer Erkrankung auch her nächtlichen Bedienung bedurfte. Gegen 5Vr Uhr hat sich dieselbe nach oben begeben, um sich schlafen zu legen, nachdem sie vorher der Magd aufgetragen, noch einige Zeit auf ihren Vater zu achten undlalsdann zum Melken bei auf der Weide befindlichen Kühe zu gehen. Die Magd hat sich darauf reichlich eine halbe Stunde lang in der vor dem Leding'schea Schlafzimmer .befindlichen Wohnstube aufgebalten, hat gehört, daß der alte Mann sein Morgengebet verrichtete und hat sich alsdann zum Melken begeben, nachdem sie die HausthÜr abgeschlossen und den Schlüssel zu sich gesteckt hatte. Als sie nach etwa einer Stunde wieder zurückgekehrt, kommt auch die Tochter wieder nach unten und fragt, ob ihr Vater seinen Kaffee noch nicht verlangt habe. Die Magd verneint dies, worauf sich die Tochter in das Schlafzimmer des Alten begibt. Da letzterer kein Lebenszeichen von sich gibt, wird die Magd herbefl gerufen, welche ebenfalls kein Lebenszeichen wahrnimmt und sofort zu einem benachbarten Verwandten eilt. Dieser entdeckt sogleich Blut tm Gesicht der Leiche und findet beim Zurückschlagen der Bettdecke die Wunde- Die Obduction soll ergeben haben, daß der Tod durch Verblutung eingetreten. Ein Messer oder sonstiges Instrument, womit die Wunde beigebracht worden, ist nirgends aufgefunden, auch liegen keine Momente für die Annahme vor, daß eine fremde Person während der Abwesenheit der Magd ins Haus habe gelangen können, da Thüren und Fenster in gewohnter Weise verschlossen gewesen, ebenso wenig liegt ein Raub vor. So steht man, selbst nach der gestrigen gerichtlichen Untersuchung, vollständig vor einem Räthfel, das jedenfalls nur durch einen Zufall ober ein Geständniß gelöst werden wird. (Weser-Ztg.) — (Gemüthliches Duell.) In Barop iWestfalen) macht viel Aufsehen und Gerede ein zwischen einem Bäckermeister und einem Schreiner verabredetes Duell auf Pistolen. Beide Duellanten hatten sich am Sonntag gelegentlich eines Festes gezankt und beschlossen, den Streit durch ein Piftolenduell in der „Bolmke" auszusechten. Der Bäcker hatte sich pünktlich eingefunden und circa 20 Secundanten und Zeugen mit; gebracht, auch übte er sich fleißig im Schießen, — aber der Schreiner blieb aus, er hatte sich in Hombruch festgekneipt. Das Ende vom Liede war, daß die kampfesluftige Schaar sich auf die Suche nach dem Feinde begab, ihn im Wirthshause richtig ertappte und daß endlich der Streit in Gerstensaft ausgeglichen wurde und daß der fehlende Duellant die Zeche bezahlen mußte. — (En Opfer der Reklame.) Wozu Cetewayo während seines Besuches in London einen ganzen Tag, an dem er sich in sein Zimmer einschloß, verwendete, darüber gibt ein englisches Blatt folgende Aufklärung: Seine schwarze Majestät war weder krank noch übler Laune, sondern hat sich ganz und gar einer Beschäftigung hin- gegeben, die schon von der heiligen Schrift als Unmöglichkeit bezeichnet wirb. Der Zulumonarch kann nämlich nicht lesen, aber er hat gute Augen und die Aushängeschilder in den Straßen von London, deren gemalte Reclarnen er für das reine Evangelium hielt, entgingen feinem Scharfblick nicht. Eines derselben, welches über einem Setfenladen bing, erregte seine Aufmerksamkeit insbesondere, denn es stellte einen prachtvollen Neger vor, der sich mit einer gewissen Seife bereits zur Hälfte weiß gewaschen hatte. Cetewayo kaufte demzufolge eine halbe Tonne dieser vielversprechenden Waare und ging nun still daran, sich, wie er es nannte, „m einen Engländer" zu verwandeln. Den ganzen Tag seiner Zurückgezogenheit brachte er in der Wanne zu und seine Häuptlinge mußten ihn fleißig einseifen und abreiben, bis sie von der harten Arbeit schier erschöpft waren. Des Negerkönigs Mißvergnügen, als er endlich in der Dämmerung merkte, daß er wohl wund gerieben, aber noch immer schwarz sei, war ein sehr beträchtliches. Er warf den Rest der Seife seinen getreuen Unterthanen an den Kopf, ließ sich feine geschundene Haut einölen und legte das Gelübde ab, nie wieder einem Aushängeschilde Glauben zu schenken. — (Auch ein Titel.) In einem schlesischen Blatte, dem „Niederschi. Anzeiger" in Glogau. wird ein scherzhafter für unsere gesellschaftlichen Zustände characterifttscher Vorgang erzählt, der sich in einer dortigen Restauration zugetragen hat. An einem Tische saßen eine Anzahl von Herren in zwangloser Unterhaltung zusammen, als ein anderer Herr herantrat, um einen Bekannten zu begrüßen und, neben diesem Platz nehmend, sich den ihm unbekannten Herren vorstellte. Die Reihe kam hierbei auch an einen begüterten Kaufmann und die Vorstellung spielte sich in diesem Falle folgendermaßen ab: „Gestatten Sie, ich bin der Rittergutsbesitzer So und So. „Lieutenant der Reserve." „Und ich," anwortete der Angeredete, „bin der Kaufmann So und So, Ersatzreservist erster Klasse!" Tableau. 731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von 11A ASENSTEIRJ de VOGLER in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt e t m i f db t Wetzlar. 19. Oktober. Schon seit einiger Zett hatten die Bergleute in dem Tagebau einer Eisenerzgrube im Langengrunde, Gemeinde Oberbiel, Knochenreste und 8ähne von Menschen und Pferden gefunden, die sie in die Hände ihres Steigers ab- Ueferten. Gegen Ende voriger und Anfang dieser Woche sind aber auch Goldmünzen aufgefunden worden. Schreiber dieses hatte Gelegenheit, zwei derselben zu sehen, die von gleicher Prägung sind- Die Vorderseite zeigt das Kopfbtld eines Römischen Kaisers und die Rückseite ein geflügeltes Pferd, über Pflanzen schreitend, wahrscheinlich eine Sphinx, doch ohne Rad. Die Münren stammen also aus der ersten Zett der christlichen Zeitrechnung und sind aus Goldblech gestanzt, daher ist der Rand rauh und nicht zirkelrund. Die Kopfseite ist erhaben und die Thiersette vertieft gewölbt. Die saubere Farbe, sowie das Gewicht bekunden, daß sie aus echtem Golde bcstehen. — Für die Alterthumskundigen wird diese Notiz Veranlassung fein, zu constatiren, was für Münzen und sonstige Vorkommnisse durch den Fund zu Tage gefördert worden sind- — Wir wünschen den Bergleuten das Glück, noch recht viele solcher Münzen zu finden, die wenigstens 1500, wohl gar 1800 Jahre in der Erde gelegen haben. (W-A ) Mainz, 18. Oktober. (Vom Herbst.) Trotz der allgemeinen Klage über den ungünstigen Ausfall der Weinernte sowohl in qualitativer als quantitativer Hinsicht, werden in unseren benachbarten Wetnorten für die Trauben doch solche Preise erzielt, wie sie höher auch in besseren Jahren nicht angelegt wurden. In dem benachbarten Budenheim werden von Weinproducenten für das Pfund Trauben 15 H bezahlt. Da man nun zur Erzeugung eines Stückes (1200 Liter) Traubenmost doch immerhin 33 Gentner Trauben nothwendig hat, so entspricht dies einem Betrage von circa 500 JL für 1 Stück Traubenmost; in Laubenheim hat ein hiesiger Weinhändler die Crescenz von 10 Morgen Weinberg um den Betrag von 20 H für jedes Pfund erworben, es wäre dies für das Stück Traubenmost 660 JL benben 'eneral- )thums, bas' Bleiche 1 Stock' , Ä tn ipr dem !lch bas foiatinö r sah in lediglich blieben !lt unb Menge Nfyn r Mutter Lei, iMleltn lagt unb en batte, nb baju t ander- Gegen x Fenster Zimmer iiähezwec Laut tobt cn, was ab stürzte die ganze rt worben noch das n Men 82jahrtge itm Bette ine breite, ene Mund nil großer folgendes chckalhele rkrankung nach oben ien, noch »er Weide ie Stunde ufgehalten, sdannzum gel zu fick nt auch tue it verlangt .immer des agd herberem benach- nnd findet ’iabtn, hab' it, womit Momente itx Atagd Wche ver- st nach der enfalls nm eser-Ztg.) Hetzen und i Duell aut ftes gezankt chten. Der Zeugen nill- lieb aus, er mpfeslustlg- itta ertapM der Mde "i0 eine 1^ ’n m»'1 .■»ic .7t ä>« av» Besuches in verwendete, toiefii* ®,“ «ft , Aushänge' ine §oonge- fiber einem stellte ernw te roei^ 9e" t-rechenden ui uet- LO als ein !S> Den nachstehenden, -an dem Bürgermeister der Stadt Trient mir zugegangenen Ausruf n-röff-ntlich- ich mit b-r dringenden Bitte um Zuwendung von Gaben, zu deren Empfangnahme außer mir die Expedition dieses Blattes gerne bereit Ist. Gießen, den 18. Oktober 1882. A Bramm, Bürgermeister. Ein angstvoller Rus um Mitleid und Hülse dringt aus unserer Stadtan jebeä sühlenbe Herz und widerhallt verstärkt aus allen Theilen des südlichsten Theiles °On Zi@,n unsägliches Unglück ohne Beispiel in den Annalen unserer G-schicht- hat unser ganz s Land in bas ti-sfte Elenb gestürzt, unser armes Land, bas ohnehin schon von einer Reihe von Mißgeschicken betrosten, burch bie Auswanberung geschwächt, an vilssmstteln «^opst^warn, btn @i§felbern der uns umg-b-nd-n Alpen sich lösten, im Vereine mit den heftigen und unaushalisamen Regengüssen der letzten^Wochen, ließen unsere Flüsse und Bäche zu einer Hohe anschwellen, rote dies noch bei keiner der früheren Ueberschwemmungen, nicht einmal bet denen der Schreckensjahre 1868 und 1757 ^Die^Etsch"und"die Fersiaa der Aoisio, der Leno, der Noce, die Regnana, der Maso, der Cegglo. die Chieppena, der Grigno, der Clsmon, der Rebrut, oie Sarca, der Chiese unb unzählige kleine Wlldbäche haben ihr Bett verlassen und Verderben und Vernichtung in die fruchtbaren Gefilde unserer Thäler S^lragen. Fast kein Theil unseres Landes blieb verschont, die blühende Gbene der Etsch, des Val Lagarina, Pine, Valsugana, Primtero, und Canal S- Bovo, Fleims und Fassa, die Thaler des Sol und des Noce, JadikarlM und viele kleinere Alpenthaler find ebensootele Stätten des Unglücks geworden. Unbeschreiblich ift das Weh, das die schreckliche Katastrophe über uns gebracht. Wo noch vor wenigen Tagen die Hoffnung einer reichen Ernte und frohen Weinlese uns lächelte, da herrscht heute Weinm und stumme Verzweiflung. Die Frucht jahrelanger Arbeit ganz oder therlweise unwiederbringlich verloren — Straßen, Brücken, Dämme, Wälle, Sckutzbauten, an denen der Fleiß von Jahrhunderten gearbeitet und die durch Jahrhunderte dem Anprall der Fluthen widerstanden, Zersplittert zerrissen, zerstört - Wohnhäuser und Stätten der Industrie vernichtet oder schwer beschädigt - Holz. Dreh, Ackergeräthe, die ganze Habe des Landmanns von den Fluthen verschlungen - ganze Dörfer unter Bergen von Sand und Schutt begraben oder zum Theile vom Wasser fortgeschwemmt, zum Theil von Lawmen verschüttet endlich Hunderte und Hunderte von Familien dem entsetzlichsten Elende preisgegeben, ohne Wohnung, ohne Brod und ohne die Mittel, sich solches zu errverben^nach Hilfe flehend, um das Leben zu fristen, nachdem sie dem Tode wie durch em Wunder entgangen oder ihm durch den Heldenmuth edler Mitmenschen entnssen wurden Dock noch mehr bedrückt das Herz der Gedanke an die Menschenleben, die dem entfesselten Elemente zum Opfer fielen, an jene Unglücklichen, die von den fluthen im Dunkel der Nacht überrascht oder von denselben verschlungen wurden, nachdem ste rn langer rrnd wachsender Todespein das erbarmungslose Element sich naher und naher kommen sahen, ohnmächtig, ihm zu entfliehen! Gott! welche herzzerreißende Scenen, welch' Uebermaß an Schmerz. m r _. ... Nicht genug des Elends! Zu den bereits erlittenen Verlusten gesellt sich der Schaden, der unseren Feldern durch Versumpfung droht, der Verlust an Erdreich, das an vielen Stellen für Jahre und Jahre, wenn nicht für immer, unfruchtbar geworden. Mangel an Lebensrnitteln, die Aussicht'auf einen harten, entbehrungsreichen Winter und das drohende Gespenst ansteckender Krankheiten, deren Keim die feuchten Dünste, die schlechte und karge Ernährung und die moralische und physische Noth jeder Art mit sich bringen. r irr ,,, x Wenn sich die zerstörten Werthe auf Millionen beziffern, wer konnte auch nm- annähernd die Höhe des Gesamm schadens der nächsten und entfernteren Folgen an-' 4>bcn? Welches menschlich' Herz könnte ungerührt bleiben vor der Beredtsamkeit so vielen Unglückes, das die Phantasie sich leichter vorstellen, als Worte es beschreiben können? Wie trübe muß die Zukunft unseres armen Landes auch dem nüchternsten Blicke erscheinen? — Und inzwischen drängt die gebietende Noth des Augenblicks! Die Hilfe, die wir vom Staate und dem Lande erwarten, kann weder im Verhältntß zm Höhe des Schadens, noch, so schnell sie auch kommt, der Dringlichkeit des Bedürfnisses genügen. Wir sind daher gewungen. die Hilfe der kooperativen und privaten Wohl Ihät'gkeit anzurufen Hilfe — verlangen wir von Denjenigen unter uns, die, wenn auch von dem allgemeinen Unheil nicht verschont geblieben, doch von demselben weniger hart betroffen wurden, als so viele Andere und denen das Schicksal noch die Mittel gelassen, ihre unglücklicheren Genossen zu unterstützen. Hilfe — flehen wir von Allen, Allen, ohne Unterschied des Standes, der Nation, der Sprache bis zum fernen Amerika, dessen Colonien so viele kräftige Söhne unserer Berge bevölkern. Um Hilfe flehen im Namen der brüderlichen Liebe, die Ein Band um alle Menschen schlingt und keine Grenzen und Schranken kennnt, wenn es gilt, dem unglück- I chen Nebenmenschen beizuspringen. Hilfe! — Sie erwartet angstvoll traurig, gebeugt unter der Last des Unglücks eine Bevölkerung von mehr als 400,000 Seelen in Thränen und Verzw iflung Wir vertrauen dabei auf die gütige Mitwirkung aller Behörden, an bte wir uns mit der Bitte wenden, milde Gaben entgegenzunehmen unb mit möglichster Beschleunigung dem gefertigten Hilfscomitee zukommen zu lassen, das die Namen der edlen Spender durch die Presse veröffentlichm wird. Trient, den 26. September 1882. Das Hilfs-Comitö: Albert von Rungg, K. K. Hofrath, Vorsitzender. Freiherr von Ciant, Bürgermeister von Trient. Paul Oss-Mazzurana. Emanuel Graf Thun-Hohenstein. Joseph Santoni. Priester Emanuel Bazzanella. Dr. Victor von Ricca bona. Jacob Mae ft ranzt. Dr. Cajetan Gillt. Kirchliche Anzeigen -er Stadt Giesten. Evangelische G e m e i n d e. Gottesdienst: Sonntag den 22. Oktober (20. nach Trinitatis'. Vormittags 9'/r Uhr: Mission^prediger Bergfeldt aus Frankfurt. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 5 Ubr wird noch ein besonderer Gottesdienst gehalten, in dem Missionar Bergfeldt predigen wird. Donnerstag den 26. Oktober, ausnahmsweise Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bibelstunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 2,11—21. Pfarrer Dr. N aumann. Am Sonntag, den 29. Oktober, feiern wir unser diesjähriges Ernte- Dankfest. In beiden Gottesdiensten dieses Tages wird eine Kollekte für die arme Gemeinde Spiesheim in Rheinhessen erhoben. Vom Tag des Ernte-Dankfestes an beginnen die Nachmittagsgottesdienste wieder regelmäßig, um 5 Uhr. Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 22. bis 28. Oktober besorgt Pfarrer Dr. Naumann. Katholische Gemeinde. 21. Sonntag nach Pfingsten. Von 7 Uhr an Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. VzlO Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 430 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 5". Jin gemeiner Anzeiger. 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