dtr. 271» Zweites Blatt. Sonntag den 19. November 1882. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Dureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontaaS. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Deutschland. — Die Vereine zum Schutze des Handwerks haben an den Reichskanzler eine Adresse gerichtet, in welcher sie den Reichskanzler bitten, mit seiner bekannten Weisheit und Energie dahin wirken zu wollen, daß 1) eine sachgemäße Abgrenzung des Handwerks erzielt wird; 2) daß obligatorische Innungen, aus welchen sich praktische Handwerkerkammern allein bilden lassen, errichtet werden; 3) daß a. die Zuchthausarbeiten aus Rechnung des Staates geleitet oder den Zünften überwiesen werden; b. die Militär-Arbeitsstätten, so viel als nur immer möglich, zu Gunsten des Handwerks reducirt werden; 4) daß entsprechende Zölle auf fremde Handwerksartikel erhoben werden; 5) daß das tief demoralisirende Submissions-Verfahren beseitigt wird, indem man die Arbeitsaufträge, so weit sie die Zünfte angehen, direct mit ihnen vereinbart; 6) daß in das Gewerbegesetz die Bestimmung ausgenommen wird, nach welcher nur Derjenige ein Gewerbe ausüben darf, der dasselbe gelernt und die von ihm geforderte Prüfung bestanden hat; 7) daß der Hausirhandel, der ganz besonders den Handwerkern aus dem Lande und in den kleinen Städten schädlich ist, für alle Handwerkserzeugnisse verboten wird.. Wie die „Innung" mittheilt, hat diese Adresse bis jetzt etwa 100,000 Unterschriften aus Handwerkerkreisen gefunden. — Die Zollcuriosa scheinen nicht aufhören zu wollen. Der Bundesrath hat zwar vor einiger Zeit die früheren Klagen als berechtigt anerkannt und Anordnungen erlassen, welche Abhülfe zu schaffen geeignet waren; dem Ueber- eifer einzelner Beamten können sie aber, wie aus dem Schreiben eines Berliner Verlags-Buchhändlers an die „National-Zeitung" hervorgeht, nicht steuern. Dieses Schreiben lautet: „Von einem seit 17 Jahren in meinem Verlage erscheinenden Damen- Almanach schicke ich jährlich an eine Hamburger Buchhandlung eine größere Anzahl von Exemplaren zum Debit für Hamburg und Altona. Von den in diesem Jahre dorthin geschickten Exemplaren ließ ich vor einigen Tagen 200 Exemplare zurückkommen, da es mir hier daran mangelte, und ich mußte | dafür 5 20 H Zoll zahlen. Abgesehen davon, daß die Zollerhebung durchaus ungerechtfertigt ist, weil Bücher meines Wissens zollfrei sind, ist es wohl eine Bereicherung Ihrer Zollcuriosa, daß der Zoll erhoben wurde für „Kalender in einem Einbände von Zeugstoff." Ich habe natürlich Einspruch erhoben und Wiedererstattung des Geldes verlangt und werde Ihnen s. Z. das Resultat mittheilen." . Krankreich. Paris, 15. November. Eine Berliner Correspondenz des „Gaulois", betitelt: „Anzeichen des Sturmes", hat die Geschichte der französischen Liebeswerbungen in St. Petersburg soeben um ein curioses Kapitel bereichert Aus Kundgebungen früheren Datums weiß man, daß das Bündniß eines monarchisch oder dictatorisch regirten Frankreich mit dem Czarenthum zu den Lieblings- Ideen gewisser Pariser Chauvinistenkreise gehörte, allein die Combination einer revolutionären Allianz, welche sich aus (französischen) Anarchisten und (russischen) Panslamsten zusammensetzt, als bestimmenden Factors kriegerischer Zu- tunfts-Cambinationen ist eine Leistung, auf welche der „Gaulois" sich ein Patent geben lassen mag. Das genannte Pariser Blatt hat seine Prophezeiung mit der bevorstehenden Urlaubsreise des Herrn v. Giers in ursächlichen Zusammenhang gebracht und dadurch — was wohl mit, wenn nicht ausschließlich in der Absicht des Artikelschreibers gelegen haben dürfte - eine Aeußerunq des hochofsicwsen „Journal de St. Petersbourg" provocirt, woraus man ersieht, daß Herr v. Giers seiner in Pisa weilenden Familie einen etwa acht- wöchrgen Besuch abzustatten gedenkt. Schon die bloße Thatsache dieser Reise sollte genügen, um Rußland in allen Berechnungen conjectural - politischer Art vorläufig außer Actwität zu setzen. Rußlands nächstliegende Sorgen sind ausschließlich häuslicher Natur. Den internationalen Dingen wendet es gleich den Cabineten von Berlin und Wien, zwar ein reges, aber zur Zeit weniger intensives Augenmerk zu. In der französischen Deputirtenkammer hat sich der Kampf der Meinungen zunächst auf dem Terrain des Cultusbudgets entsponnen. Als Angriffsobject dient den radikalen Ultras das Concordat mit dem päpstlichen Stuhle für dessen Beibehaltung die Regierung mit aller Entschiedenheit eintritt. Herr Duclerc kann in dieser Sache auf den Beistand der weitaus überwiegenden Kammermajorität rechnen. Wenn es nach dem Willen der ausschlaggebenden Fraktionen geht, so dürste der Fortbestand des Ministeriums bis mindestens nach Neujahr gesichert sein. Inzwischen hofft man die Situation hinreichend geklärt zu sehen, daß sich entscheiden laßt, ob das parlamentarische Gruppirungs-Ver- hältniß die Bildung und Wirksamkeit emer constanten Regierungs-Mehrheit ermöglicht. Im Verneinungsfalle durfte sich dann frellich die Position des Ca- binets als unhaltbar erweisen. Wenn die gleichzeitige Ernennung eines italienischen Botschafters in Paris und eines französischen beim Quirinal als ein Beweis dafür angesehen werden muß, daß die Entfremdung welche zwischen beiden Völkern bestanden, ihren Höhepunkt überschritten hat, so ist damit doch noch nicht gesagt, daß die frühere Intimität zurückgekehrt sei oder auch nur, daß sie sich in Bälde einstellen werde. Noch steht die tunesische Politik Frankreichs als trennende Scheidewand aufgerichtet, und erst die Zukunft wird darthun müssen, ob es dem persönlichen Wirken der Diplomaten gelingt, jene Wand zu durchbrechen resp. ganz niederzureißen. Italien ist vom besten Willen beseelt, ohne natürlich seiner nationalen Würde auch nur das Geringste vergeben zu wollen. Es kommt nur darauf an, ob Frankreich in Tunis Italien derselben Behandlung unterwerfen wird, gegen welche es, von England in Egypten auf seine — Frankreichs — Unkosten giebt, sich mit Hano und Fuß wehrt. Ein wirtschaftlicher Mahnruf. ™ Wenn es nicht so schwierig wäre, einer jeben wirtschaftlich als richtig erkannten Wahrheit auch überall oder doch in genügender Weise praktische Anwendung zu ver- schaffen, so würden wir nicht nöthig haben, einen schon mehrmals ergangenen wirth- schaftlichen Mahnruf nochmals zu wiederholen. Allerdings veranlassen uns dazu im Besonderen die diesjährigen Wassercalamitäten im eigenen Vaterlande und dann die ungeheuren Ueberschwemmungsverwüstungen in Tirol, Kärnthen und dem nördlichen Italien, und wir sprechen es aus, daß diese Wasserschäden entweder nicht oder doch nicht in der verheerenden Weise stattgefunden haben würden, wenn in den betreffenden Gegenden genügende Wälder die Wassermassen auf den kahlen Bergen und in den entwaldeten Thälern zurückgehalten hätten. Ja es ist leider eine traurige Thatsache, daß in allen Culturländern eine doppelte Sünde gegen den Wald, diese unentbehrliche Bedtngniß wtrthschaftlichen Gedeihens begangen worden ist, indem man nicht nur eine Menge herrlicher Waldungen, ohne auf ihren Boden junge Anpflanzungen zu machen, abgeholzt hat, sondern man hat es auch unterlassen, kahle Bergwände, ödes Haideland und steinigen oder sumpfigen Boden schon vor Jahrzehnten mit entsprechenden Waldbäumen anzupflanzen. Manches ist wohl in dieser Richtung geschehen, aber offenbar noch bet Weitem nicht genug und es braucht nur ein Volkswtrth in irgend einer Gegend Deutschlands eine Reise von wenigen Meilen zu unternehmen und er wird sicher einige kahle Bergwände oder sonstige öde oder unfruchtbare Ländereien finden, auf denen herrliche Wälder stehen könnten, wenn man vor 50 oder 60 Jahren entsprechende Anpflanzungen dort vorgenommen hätte. Richt etwa nur Saumseligkeit und Unkenntniß der Sachlage ist es gewesen, welche unsere Vorfahren davon abgeholten hat, in dieser Richtung das Roth- wendige zu thun, sondern es waren auch die politischen und finanziellen Bedrängnisse früherer Zeiten daran Schuld, wo man mehr darauf angewiesen war, die nächste und nicht die ferne Zukunft im Auge zu haben, denn ein Wuld wächst ja nicht in wenigen Jahren heran und was für ihn die Väter säen und pflanzen, können kaum die Enkel ernten. Unserem in fast jeder Beziehung begünstigten Zeitalter geziemt es aber, das Versäumte nachzuholen und den Waldreichthum und damit den Wohlstand des gejammten Vaterlandes zu heben, denn man möchte fast behaupten, daß von dem genügenden Vorhandensein der Waldculturen das wirthschaftliche Gedeihen aller übrigen Cistlurpflanzen abhängt. Die Wälder allein vermögen, wie schon erwähnt, die furchtbaren Ueberschwemm- ungen abzuhalten, die im Stande sind, halbe Provinzen zu veröden, die Waldungen verhüten aber auch ferner verheerende Hagelschläge, da die unzähligen Bäume des Waldes den Ausgleich der Electricität der Erde mit derjenigen der Atmosphäre schadlos vermitteln und Hagelschläge hauptsächlich sich über unbewaldeten Hochebenen oder rn waldarmen Gegenden entwickeln. Jeder Baum ist übrigens in seiner Eigenschaft als Wasserbehälter der Natur em Wasserspender in der heißen Jahreszeit, wie er ein Wussersauger in den Regentagen ist. Und wie viel Neichthum enthält ein Wald, wenn er den forstwirthschaftlichen Gesetzen enisprechend abgeforstet und ausgenutzt werden kann. Das Brennmaterial, was des Waldes Bäume liefern, ist fast nur Nebensache gegenüber dem Gewinne, den die Industrie in zahlreichen Branchen aus den verschiedenen Nutzhölzern zieht, deßhalb mögen die Ermahnungen für den Schutz uud die Vermehrung unserer Wälder bei allen betheiligten Kreisen auf fruchtbaren Boden fallen und die Behörden wie d'e Private veranlassen, entsprechende Schritte zu tbun. Vermischtes. ..Aus Mainz, .^.Nooember, wird »er „Fr. Ztg." geschrieben: Am nächst.« Samstag ist es em Äierteliahrhundert, daß über Mainz eine fürchterliche Katastrovbe hereinbrach. Der 18. November 1857 war der Schreckenstag, an welchem die Pulver- rxplosion stattfand. Es war um 3 Uhr des Nachmittags, als aus einmal mit zwei lauten Donnerschlagen das Pulvermagazin und der daran stoßende alte Stockhausthurm am Gauthore m die Luft flogen. Eine dichte schwarze Rauchwolke lagerte sich über die Stadt, so daß man im ersten Augenblick glaubte, ganz Mainz sei in einen Schutthaufen verwandelt. Aber sogleich verzog sich die Rauchwolke und em Flammenmeer bezeichnete den Bestürzten die Quelle des Unheils. Die Verwirrung in der Stadt war eine unbeschreibliche; von einem Ende derselben bis zum andern waren mit einem Schlage olle Scheiben zersprungen, die Fenster mit zersplitterten Rahmen in die Zimmer geflogen, die Thüren aus Schloß und Riegel gerissen, die Mobilien durcheinander geworfen, Bilder und Spiegel in Scherben von den Wänden gestürzt und ein furchtbarer Steinregen fiel auf die Stadt nieder. Die Erde schwankte und ein Jeder glaubte, das Haus stürzte über ihm zusammen. Das allgemeine Entsetzen spottet jeder Beschreibung. Lerchenblässe auf den Gesichtern, wankte Alles hinaus, suchte seine Familtenglieder auf und vcrnahm die Schreckenskunde von dem Vorgefallenen. Alles eilte mit von der Angst beflügelten Schritten nach der Unglücksstätte. — Je näher man dem Schauplatze der Katastrophe kam, desto ärger wurde die Verwüstung an den Häusern, desto größer das Gejammer der Menschen, die mit blutenden Wunden überall sichtbar wurden. Gräßlich aber war, wie ein damaliger Chronist schreibt, wirklich der Anbl ck des alten Kästrichs und der Umgebung des Gamhores. Man sah dort nichts, als einen gioßen Trümmerhaufen, aus dem noch das Aechzrn und Hilferufen der Verschütteten hervordrang. Die Erde war weithin mit weißgrauem Staub bedeckt und in Blutlachen zuckten die Leichen der Erschlagenen und noch mit dem Tode Ringenden. Die ganze Häuserreihe des alten Kästrichs, der oberen Gaugosse und der Stephans- straße war vernichtet, die Gebäude der Thorwache wegrastrt. die Mannschaften theils auf der Stelle zerschmettert, theils weit weggeschleudert Es war ein herzzerreißender Jammer, mit dem die unglücklichen Bewohner dieses Stadttheils aus ihren Häusern entflohen und nach ihren Familiengliedern oder Bekannten riefen, die man einen Augenblick später tobt oder verstümmelt auf Tragbahren vorbeitrug. 46 Menschen hat die Explosion, deren Ursache ein Racheakt war, den ein österreich. Artillerie-Corporal gegen seine Vorgesetzten ausüben wollte, gleich das Leben gekostet und viele der damals krank Darniedergelegenen hat in Folge des Schreckens ein früherer Tod ereilt. Die Zahl der Verwundeten war gar nicht zu bestimmen; wie bedeutend sie aber gewesen, möge man schon daraus schließen, daß allein die preußische Garnison über 80 Verwundete zählte. Was den Umfang der angerichteten Zerstörung betraf, so wurden 57 Häuser ganz und gar bemolirt unb an einigen 60 Dächer und Mauerwerk zerstört. Neben diesen Zerstörungen waren aber fast alle Gebäude der Stadt mehr oder minder stark beschädigt und nahezu ohne Ausnahme olle Fensterscheiben zertrümmert. Der Schaden wurde damals auf 2 Mill. fl. taxirt. Doch „Neues Leben blüht aus den Ruinen Kaum ist heute mehr ein äußeres Zeichen der schauderhaften Katastrophe zu erblicken und aus den Trümmern und Schutthaufen sind allenthalben schon lange wieder stattliche Gebäude und Häuser entstanden, aber dessenungeachtet wird das schreckliche An- Creditverhältnisse des Betreffenden zu erlangen. Die Geschäftsfreunde, welche deswegen angegangen werden, sind aber überaus vorsichtig, namentlich deshalb, weil sie befürchten, sie möchten sich durch eine wahrheitsgemäße, oder wenigstens nach eigener Auffassung wahre Mittheilung wegen Beleidigung strafbar machen und noch eine Buße zahlen müssen. S 138 Str.-G -B. Um diese Befürchtung zu beseitigen, theilen wir aus einem Urtheil des Reichsgerichts (Str.-S. II, Urt. v. 30. Juni 1882) folgende Stelle mit: „Wenn ein Kaufmann seinem Geschäftsfreunde, um diesen vor Schaden zu bewahren, über die Creditwürdigkeit eines dritten Mittheilungen zugehen läßt, so wird ihm für solche der Strafschutz des § 193 Str. G.-B-: „Tadelnde Urtheile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen, ingleichen Aeußerungen, welche zur Ausführung oder Verteidigung von Rechten oder zur Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht werden, sowie Vorhaltungen und Rügen der Vorgesetzten gegen ihre Untergebenen, dienstliche Anzeigen oder Urtheile von Seiten eines Beamten und ähnliche Fälle sind nur insofern strafbar, als das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der Aeußerung oder aus den Umständen, unter welchen sie geschah, hervorgeht." nicht zu versagen sein, selbst wenn ihn lediglich ethische Motive leiten, unbedenklich aber, wenn eine ihm obliegende Vertragspflicht oder die Vecfolgung concurrirenden eigenen Interesses die Warnung erheischen. Wenn nun mehrere Kaufleute mit Rücksicht auf das gemeinsame Interesse des Schutzes gegen ungehörige Ausbeutung des Credits sich gegenseitig zu derartigen Mittheilungen verpflichtet haben, so verfolgen die tn Erfüllung der Vertragspflicht erfolgenden Benachrichtigungen ein berechtigtes Interesse des Genossen wie des Meldenden. Im vorliegenden Falle stehen die Abonnenten (des Ankunftsbureaus) nicht im Vertragsverhältnisse zu einander, sie stehen unter sich in Beziehungen nur vermittelst des sie mit dem Leiter des Instituts verknüpfenden Bandes. Dieser Unterschied ist indessen nur von civilrechtlicher Bedeutung; für die Frage der Berechtigung zu solchen Mtttheilungen, also für die Anwendbarkeit des § 193, kann man den vorliegenden Fall mit dem eines zu gleichen Zwecken geschlossenen Vereins auf dieselbe Linie stellen. Die Strafkammer konnte daher ohne Rechtsirrthum den Abonnenten des Instituts den Strafschutz des § 193 zu Theil werden lassen. Das Gleiche muß auch für den Leiter des Instituts gelten, so lange er nur in Ausführung der ihm von den Betheiltgten ertheilten Aufträge deren berechtigte Interessen wahrzunehmen bezweckt; daß er dabei einen Geschäftsgewinn zugleich anstrebt, ist ohne Belang." Man ersieht hieraus, daß durchaus die Wahrheit oder das für diese Gehaltene gesagt werden darf, sofern die Mittheilung einen guten Zweck hat und nicht in der Form verfehlt ist. Letzteres ist der Fall, wenn der Nebenzweck der Mittheilung ist, der Ehre des Beauskunfteten zu nahe zu treten. Streng in der Sache, aber milde in der Form, das ist die Norm für Auskunsterthetlungen und zwar nicht allein über die Creditwürdigkeit, sondern auch über die Ehrlichkeit, Geschäftstüchtigkeit und Brauchbarkeit eines Handlungsgehilfen oder Handlungsbevollmächtigten. Man wird also schreiben dürfen z. B-: „Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß der X-, welcher 6 Monate als Verkäufer in meinem Geschäft thätig war, aus meiner Ladenkasse für sich Geld entnommen hat." Sollte der Auskunftgebende auch den Beweis für die Richtigkeit seiner Ansicht nicht führen können, so steht ihm § 193 St.-G.-B- zur Seite, sofern ihm nicht bewiesen wird, daß er wider besseres Wissen die Beschuldigung ausgesprochen hat. Eine Fassung folgender Art würde dagegen nicht durch § 193 gedeckt: „Der X- hat meine Ladenkassr bestohlen und ist ein ganz gemeiner Dieb, der in das Zuchthaus gehört," möchte selbst der Diebstahl bewiesen werden können. (Ger.-Ztg.) za ksxuifi w Nooember. Eine schauderhafte Blutthat hat - so berichtet die finn « - all- G-müth-r unserer Stadt in l-bhaste Err-aung versetzt. Der m „Han- Zlg- Ktsenaießerei beschäftigte Bronceur Mühlhause von Somborn Z'7^'L7w?a°a°n 2 Uh? seine F?°u in bestialischster Weis- zu ermorden v-r- r aLflC mäbrm8 über ben grausen Vorfall aus authentischer Quelle solgendes Mühlhaus- hatte die Nacht von Sonntag auf Montag bis gegen 2 Uhr ge- und war in Folge s-in-r Unmäßigkett außer Stand-, sich am Montag an eine Arbell m beiden Als seine Frau, die als sehr fleißig und ordnungslt-bend geschildert hlftber Vorhalt machte, ergriff der Unmensch em Beil und hieb mit dem- Ä dem a.m n Wbemehre?e Male über den Kopf, bis es zusammenstürzte Der Mörder ^ate dann das Beil in einen Zuber mit Wasser und begab sich nach der mt°,mih>6?r8et woselbst er erzählte, „er habe seine Frau todtgeschlagen . Von dort aus von dem Geschehenen benachrichtigt. Der Anblick, der sich den Beamten bot \oll ein wahrhaft grauenerregender gewesen sein Die unglücklich- Frau, wob? anderthalb Stunden hilflos, aber bei vollem B-wußtsein unter den gräßlichsten s»m?nen bTaeUflen batte tsi-i lebensgefährliche wettklaffenbe V-rwundung-n. scharfe A?b?Ä di- Stirn (Schäd-Ibruch) und durch das Nas-nschlüffelb-in wahrend der Xr förmliÄ eingedrückt war. Sie wurde sosort in das Landkrankenhaus über- Mrt d ch Äe Äussicht vorhanden, sie beim Leben zu erhalten. Als der Mörder, der übrigens schon früher ein ähnliches Attentat auf seine Frau versucht haben soll, „Ja fJinpr ^erbaftuna erfuhr, daß sein Opfer noch am Leben fet, äußerte er sein Bedauertbmüberln^ Worten, die von einer kaum glaublichen Gefühls-Verrohung Z-ugnlx ablegen Soeben erfahren wir, daß di-Frau durch den Tod von ihren Leiden erlöst wmde. bedeutende Erwerbung soll v«n der preußischen Regierung , Mn- der Silberschatz des Grasen von Fürstenberg-Herdring-N ist, wie per Köln Stfl." aus Paris gemeldet wird, preußischerseits sür 500,000 M. angefauft worden Dustr Schatz besteht aus den Werken des Goldschmieds Antonius Elsenhoi 7°n Warburg wttcher in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sür den Fürstbischo nnn ^ödtmbera arbeitete. Sechs prachtvolle Stücke, ein silbernes Crncifix, zwei ®nbünb= D®n Meßbüchern, -m W-ihwasserk-ss-l nebst Sprengwedel und ein Rauchfaß, baden sich von den Eisenholl'schen Arbeiten noch erhalten. Dieselben waren zuerst 1879 in Münster öffentlich ausgestellt, bildeten dann geraume Zeit im hiesigen Kunst- aewerbe-Museum den Gegenstand allgemeiner Bewunderung und waren zuletzt auf der Düsseldorfer G-w-rde-AuSstellung 1880 zu sehen- - liebet Hochwasser im Fulda-Gebiet schobt man ber „W-s.-Ztg-" aus Kasse : ‘In Folge der saft ununterbrochen anhaltenden Niederschlage der letzten Tage ist tue Fulda stark angeschwollen und droht über die Ufer zu steigen; auch von dem oberen Lause des Flusses wird Hochwasser gemeldet, welches die Niederungen überschwemmt, io daü es also den Anschein hat, als ob wir abermals eine Ueberschwemmung unserer Flure? zu b sürch?en hätten. Wenn das Wetter sich nicht bald ändert ist wenigstens das Schlimmste zu befürchten. Das unerhörte Regenwetter, welches einen wirklichen Sommer in unserer Gegend gar nicht hat auskommen lasten und nun auch die Hoffnung auf einen sogenannten „alten Weibersommer" zu Schanden macht, hat für die Land- wirihschast sehr empfindliche Nachtheile im Gesolge. In manchen Gemarkungen Kur- h-ssens welch tief gelegen sind, hat bis jetzt nur wenig Winterfrucht gefat werden £ Seiner ist es tober eine traurige Thatsache, welche in verschiedenen Gegenden wadrgenommen ist, daß der Kornfamen auf den bestellten Siedern sehr stark unter der großen Nässe leidet. Ein überaus trauriges Wttterungsbild wird beispielsweise aus der Rohngegend gemeldet. So sind in Damm-rsf-ld die Leute erst jetzt gegen Mitte November Mi dem Einbringen ihrer Ernte ganz fertig geworden. Im Monat Oktober gab e« dort nur zwei sonn'ge Tage, die übrigen waren trübe, nebelig und regnerisch, am 16. Okt. fiel sogar bereits Schnee. Das Thermometer sank am 15. auf 1 Gr. +, am 16. sogar auf 0 Gr. und am 30. Oktober auf 2 Gr. herab. Eine schone Bescheerung für die dortige durchgängig arme Bevölkerung. — [T)te Auskunftertheilung seitens eines Kaufmanns oder eines Geschastsbureaus Über die Creditwürdigkeit eines Dritten. Mittheilungen über die Geschaftstüchtigkeit und Ehrlichkeit eines Handlungsdieners.) Bei Anknüpfung neuer Gefchaftsverbindungen ist es von der größten Bedeutung für den Kaufmann, zuverlässige^uskunft^über^die^ SchissSbericht. Mitgctheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 16. Novbr. Der Postdampfer Main, Capt. O. Heimbruch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. November von Newyork abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Poft und Ladung 10 Uhr Morgens die Reife nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 120 Passagiere und I volle Ladung. 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Ludwigsplatz 4. 6196 Logis, 3 Zimmer, Küche nebst Zubehör, gleich beziehbar, zu vermiethen bei A. Hoß, Schützenstr., Neustädter-Thor. 3006 In meinem neuerbauten Hause (Bahnhofstraße) ist ein Laden mit Logis, sowie eine Familienwohnung, bestehend aus 4 Zimmern, Küche und Zubehör, sofort zu vermiethen. Wilh, Plante. 7509 Logis, sowie ein einzelnes Zimmer, gleich beziehb., zu verm. in Neuen-Bäuen 20. 7082 Ein schön möblirtes Zimmer zu vermiethen. A. Wilker, Ludwigsstraße 5, part. 7486 Ein kleines Logis zu Dernnettjetv I. Georg Unverzagt, Steinftraße. 7121 Eine Mansardenwohnung an ruhige Leute vermiethet Carl Bogt, Wallthorstraße. 7380 Stube mit Zubehör zu vermiethen. L. Hilgardt, Schloßgasse. 7378 In meinem Hause in der Schillerstraße ist die von Herrn Premierlieutenant Budde innegehabte Wohnung durch dessen Versetzung sofort anderweitig zu vermiethen. Karl Noll, Flügelsgässe. 6961 Kleines Familienlogis mit verschließbarem Corridor auf 15. Janu ar und ein möblirtes Zimmer auf sofort zn vermiethen. Wallthorstraße 18- 4526 Ein Familienlogis zn vermiethen bei Dr. Felsing, Neuen-Bäuen. Rüssler ■ Gesuch. Bei der Gewerbebank zu Gießen, e. G., ist in Folge Abkaufs der Amtsdauer des bisherigen Kassiers, Herrn Chr. Wallenfels L, dieser Posten, womit ein jährliches Einkommen von M. 2800 verbunden ist und welcher eine Cautions- leistung von JA. 10,000 bedingt, vom 1. Januar 1883 an erledigt. Bewerber wollen ihre Gesuche bis zum 24. dieses Monats bei Verantwortliche Redactiou: SL Schevba. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Dietich in Gießen.