Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Ztr. 270. Samstag den iS. November 1»82. neßener Anzeiger --------------------------—, s» j (n. . t Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Burennr Schulstraße 7. Erscheint täglich nut Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf. Amtlicher HHeit. Betreffend: Fischerei-Verpachtung. Gießen, am 16. November 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. ',u- Anschlüsse an unser Amtsblatt vom 3. Oktober l. I., Nr. 10, theilen wir Ihnen mit, daß Forwularien für Fifchereiverpachtungs- verträsda von der Buchdruckerei von Fr. Langnes zu Darmstadt käuflich bezogen werden können. .nd ________________Dr, Boek mann._____________________________________________________ — Gießen, am 16. November 1882. i.^Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großberzoglichen Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen). Nach Ablauf des Monats November wollen Sie die Ueberwachungsbogen über alle im Laufe des Jahres 1882 iy fremder Verpflegung befindlich gewesenen Kinder unter 6 Jahren an uns einsenden, ebenso auch diejenigen über die während des Jahres weggezogenen oder gestorbenen derartigen Kinder. Wurden im Jahre 1882 keine solche Kinder verpflegt, so ist dies anzuzeigen. _____Dr. Boekmann.____________________________ Bekanntmachung. Donnerstag den 7. f. Mts., Nachmittags 3 Uhr, findet die AnSloosung der Schöffen für das Jahr 1883 m öffentlicher Sitzung in unserem Saale Nr. 18 statt. Gießen, den 11. November 1882. Großherzogliches Amtsgericht. Langsdorfs. Deutschland. Darmstadt, 16. Novbr. Die Abreise Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs nach England ist auf heute Nachmittag 5 Uhr 12 Min. festgesetzt. Jyr Gefolge wird sich der Flügeladjutant Major Wernher befinden. Zur Feier des Geburtsfestes Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm findet heute Nachmittag 2 Uhr im Großh. Neuen Palais Familientafel statt. Berlin, 15. Novbr. Die kaiserliche Dacht „Hohenzollern" ist mit zwei von der Firma Krupp in Essen geschenkten, künstlerisch reich ausgestatteten Pracht-Exemplaren von 8,7 Centimeter-Geschützen, in Gelenkrahmen-Lafetten versehen worden. Im Innern sind dieselben genau wie all' diese Geschütze gearbeitet. Das Aeußere übersteigt jedoch allen bisher in dieser Weise entfalteten Luxus. Rohr und Lafette, sowie sämmtliche Zubehörstücke sind mit der reichsten Ziselirarbeit versehen und in künstlerischer Weise über und über mit getriebenen: Silber bekleidet. Jede der einzelnen Silberarbeiten ist wieder ein Kunstwerk an sich und äußerst geschmackvoll an den einzelnen Theilen der Geschütze angebracht. Sie bilden die Endtheile der übereinander liegenden Ringe, mit Silber ausgeschlagene, wundervoll gearbeitete Manschetten; der Ring am Mündungsdeckel wird durch einen massiv silbernen Löwenkopf, der einen Ring im Rachen trägt, dargestellt. Das Rohr selbst ist mit in Silber getriebenen Emblemen und Inschriften reich verziert und hat dabei nichts von der Sicherheit in seiner Bestimmung verloren. Mit ganz besonderen kunstvollen Verzierungen sind die Lafetten versehen. — Die „Tribüne" schreibt: Die Tisza-Eßlaer Affaire dreht sich bekanntlich um die Frage, ob ein sog. ritueller Mord nach jüdischer Anschauung überhaupt denkbar ist, d. h. ein Mord, der entweder zu rituellen Zwecken verübt wird, oder bei dessen Verübung der Thäter auch nur dem Wahn sich hingeben kann, zu rituellen Zwecken zu handeln. Ueber diese Frage hat nun der Bischof von Fulda, Herr Dr. Kopp, vor einigen Tagen mit dem Provinzial-Rabbiner von Fulda, Herrn Dr. Cahn, eine Unterhaltung gepflogen, deren Resultat alsbald zusammengefaßt wurde in das folgende Schreiben, zu dessen Veröffentlichung wir ermächtigt worden sind: Fulda, den 4. November 1882. Geehrtester Herr Doctor! Aus Ihren Wunsch stehe ich nicht an, die bei unserer neulichen Unterredung abgegebene Erklärung hiermit schriftlich zu wiederholen, daß die Annahme, es könnte von Juden Christenblut zu rituellen Zwecken jemals gebraucht worden sein, weder durch die jüdische Religion, noch durch die Geschichte zu begründen ist und daß eine derartige Beschuldigung, auf welche Voraussetzungen immer sie zurückgeführt werden möge, als eine entschiedene freventliche Unwahrheit bezeichnet werden muß In vollkommenster Hochachtung Euer Wohlgeboren ergebenster g. Kopp, Bischof von Fulda. An den Provinzial-Rabbiner Herrn Dr. Cahn. _ Die „Bert. Polit. Nachr." schreiben: In der Allerhöchsten Thronrede ist bekanntlich nicht des Näheren angedeutet, auf welche Weise der durch den dauernden Erlaß der vier untersten Stufen der Klassensteuer entstehende Ausfall in den Einnahmen Preußens gedeckt werden soll. Man darf sich nicht wundern, wenn die Finanzkünstler der liberalen Berliner Preffe sofort herausbekommen haben wie diese Deckung erfolgen müsse. Während das eine Blatt die Einführung der Capital-Rentensteuer ankündigt, kommt das andere zu dem hochweisen Schluffe: . . ±r ±.„ Y - c s „Es besteht kern Zweifel darüber, daß thatsachüch die Deckung des Erlasses durch eine Anleihe erfolgen muß, da ein den Betrag des beabsichtigten Erlasses übersteigendes Deficit vorhanden ist." Und doch liegt die Lösung viel näher! Die Staatsregierung beabgchtigt eine gewerbesteuerartige Heranziehung des Vertriebs von Massenartikeln des Consums. Ist auch nichts Näheres über diese Frage in der heutigen „Pro- vinzial-Correspondenz" enthalten, so haben wir doch Grund anzunehmen, daß der Plan an die seiner Zeit nicht verwirklichten Gedanken einer Besteuerung des Betriebs geistiger Getränke im Sinne einer besonderen Schanksteuer anknüpft. Die damalige Vorlage wurde im Princip von den meisten Seiten gebilligt; auch wurde ihre Zulässigkeit gegenüber den Bestimmungen der Reichsverfassung, wonach dem Reiche die Gesetzgebung über die Besteuerung der wichtigsten Con- sumtionsartikel zusteht, nicht in Zweifel gezogen. Die Bedenken, welche damals erhoben wurden, waren vielmehr gegen die Modalitäten der Ausführung, die gleiche Behandlung von Branntwein, Bier und Wein und die Anpassung an das System der Gewerbesteuer von 1821 gerichtet. Um diesen Ausstellungen Rechnung zu tragen und so die Klippen zu vermeiden, an denen jene Vorlage seiner Zeit gescheitert ist, dürfte eine nach der Natur des Verbrauchs-Gegenstandes geregelte Abstufung der Steuer und die Bemessung der letzteren nach dem Umfange des Vertriebs, ohne Rücksicht auf die Klaffeneintheilung und das Mittelsatzsystem der jetzigen Gewerbesteuer vorzufehen sein. Auch dürfte nicht die Schanksteuer allein in's Auge zu fassen, vielmehr mit Rücksicht auf die noch durchaus nicht erschöpfte Steuerfähigkeit des Tabaks der letztere mit in den Rahmen der beabsichtigten Steuergesetzgebung zu ziehen sein. Letzteres selbstverständlich nur unter Berücksichtigung sowohl der bestehenden Tabaksteuer als des Verhältnisses, in welchem der Tabakgenuß auch in sanitärer Beziehung zu dem Genuß geistiger Getränke steht. Die Summe, um deren Aufbringung es zunächst sich handelt, beträgt, je nachdem die Deckung der 9 noch nicht dauernd außer Hebung gestellten Monatsraten oder nur die pro 1882/ 83 erhobenen 7 Monatsraten erstrebt wird, rund 15 bez. 12 Mill. Beträge, welche hinter den geschätzten Erträgen der früher geplanten Schanksteuer nicht oder nur wenig zurückbleiben. Aegypten. Telegraphische Depeschen, Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau. Kairo, 15. November. Die Untersuchungs-Commission hat heute Suleiman Daoud vernommen. Derselbe gestand, die Befehle zur Brandlegung in Alexandrien gegeben zu haben, nachdem er peremptorische Befehle von Arabi empfangen hatte Der Zeuge fügte hinzu, Arabi habe Mahmoud Sami mehrere Male zu Aiandt, um ihm zu sagen, daß er viele Punkte gleichzeitig in Brand stecken solle. Auß.rdem habe ihm Arabi am 12. Juli befohlen, den Khedlve in dem Palaste Ramleh zu ermorden. Als er gezögert, habe ihm Arabi den Vorwurf der Fr.ghett «-macht. Er Suleiman Daoud, s« darauf in Begleitung von 4 Soldaten nach dem Palast Ramleh gegangen. Auf dem Wege habe er Sultan Pascha getroffen welcher ihn überredet habe, zu Arabi zurückzukehren, um mit diesem die Angelegenheit noch einmal zu besprechen — Der Gesundheitszustand der englischen Truppen ist fortgesetzt wenig befriedigend, bei der Kavallerie sind 14 pCt„ bet der Artillerie 11 ?Ct. und bet der In- sanierte 7' pCt. dienstunfähig. __ Nerliri, 16. Novbr. Das Abgeordnetenhaus wählte v. Köller mit 390 von 397 Stimmen zum Präsidenten, v. Heeremann mit 316 von 386 zum ersten Vicepräsidenten und v. Benda mit 256 von 347 Stimmen zum zweiten Vicepräsidenten. Alle nahmen die Wahl am Leipzig, 16. Novbr. Der dritte Strafsenat des Reichsgerichts verur- theilte heute den Schuhmacher Hammel aus Bruck bei Aachen nach achtstündiger Verhandlung wegen Aufforderung zum Hochverrath, wegen Majestätsbeleidigung und Verbreitung der Moft'schen „Freiheit" und anderer verbotener Druck- , schriften zu 2J/2 Jahren Zuchthaus und zum Verlust der Ehrenrechte auf। drei Jahre. Baden - Baden, 16. Novbr. Der Großherzog wird bereits morgen über Hamburg und Kopenhagen die Reise nach Stockholm antreten. Die Rückreise von dort erfolgt voraussichtlich zu Anfang des Monats December gemeinsam mit der Frau Großherzogin. Biebrich, 16. Novbr. Das Wasser des Rheins hat den bisherigen höchsten Stand dieses Jahres überschritten und ist noch int Steigen begriffen; die Schifffahrt ist eingestellt. Wien, 16. Nov. Der Magistrat nahm zum Setzer-Strike Stellung. Er erklärte, daß die Setzer durch die Arbeitseinstellung ohne Kündigung das Gewerbegesetz verletzt hätten, forderte jedoch gleichzeitig die Buchdruckereibesitzer auf, den Forderungen der Setzer möglichst Rechnung zu tragen. Die Zeitungs- Setzer verlangen, nachdem der Tarif angenommen worden, auch die Aufhebung der Sonntagsarbeit. Pesth, 16. Novbr. Die ungarische Delegation hat das Budget des Ministeriums des Auswärtigen fast ohne alle Debatte genehmigt. Tilsit, 16. Novbr. Der Eisgang der Memel hat begonnen; die Schiffbrücke ist abgefahren. Riga, 16. Novbr. Der Pernau-Hasen und die Pernau-Bucht sind zugefroren und für Segelschiffe unzugänglich, das Fahrwasser der Düna ist eben- falls mit Eis überzogen, die Schifffahrt auf derselben jedoch noch nicht behindert. Madrid, 16. Novbr. Die Kortes sind auf den 4. December l. Js. einberusen. Kairo, 16. Novbr. (Meldung des Reuter'schen Bureaus"). Die Verhandlungen behufs Abschluß emer Convention wegen der Kosten für die englische Occupations-Armee und die Verhandlungen bezüglich eines Arrangements über die zukünftige politische Verwaltung Egyptens haben bis jetzt noch nicht begonnen. Lord Dufferin ist gegenwärtig mit einer eingehenden Prüfung der politischen und finanziellen Situation Egyptens beschäftigt und conferirt zu dem Behufe täglich mit verschiedenen hohen Beamten. — Die Differenzen zwischen der Untersuchungs-Commission und dem Ver- theidiger Arabfis sind im Wesentlichen beigelegt. Broadley roirt) unverzüglich das Verhör der Belastungszeugen beginnen und heute Nachmittag den Schecks) Abdon und Achmed Bey Rifaat verhören. Wetterleuchten in der mohamedanischen Welt. Am letzten Montage sind die Mohamedaner in ein neues Jahrhundert ihrer Zeitrechnung, in das dreizehnte der Hedschra, der Flucht des Propheten von Mekka nach Medina, eingetreten und wie ein Wetterleuchten, Hoffen und Sehnen zieht es seit diesem Tage durch chre fatalistischen Gcmüther, denn es existirt in der gesummten mohamedanischen Welt ein tief eingewurzelter alter Glaube, daß jedes Jahrhundert der Hedschra den Gläubigen einen neuen großen Helden oder Propheten bringen werde und da in den letzten neunundneunzig Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts der Hedschra sich kein Prophet zeigte, so rechnen die Muselmanen mit Bestimmtheit daraus, daß im letzten Jahre des Jahrhunderts der religiöse Held kommen müsse. Seltsamer Weise ist nun auch im Süden, Oberegypten, welches stets eine Hochburg des arabischen Mohamedanismus, der sich reiner und besser als die anderen Arten hält, ein mohamedamscher Glaubensheld aufgetreten und bekämpft mit großer Kriegsmacht die egyptlsche Regierung, welche jenen Glaubenshelden, Mohamed Hamed, nach dem Gutachten der Ulemas, das sind die hohen mohamedanischen Geistlichen, für einen falschen Propheten erklärt hat, denn der wahre Glaubenserwecker müsse von Osten und nicht von Westen nach Mekka kommen, um dort das tausendjährige Reich der Herrlichkeit zu stiften. Bis jetzt haben sich aber die Anhänger des neuen Propheten um diesen Ausspruch der Korangelchrten gar nicht bekümmert, sondern schlugen zu wiederholten Malen mit ihren wilden Reiterschaaren die egyptischen Truppen tu die Flucht und da der Glaubenskrieg geradezu die mohamedantsche Heilbotschaft ist, so können durch den neuen Propheten Egypten ganz andere Gefahren drohen, als durch die lahme Revolution Arabl Pascha's, zumal wenn der gegenwärtig in der ganzen mohamedanischen Welt neu aufgelebte Glaube an das Erstehen eines Propheten dem oberegypttschen Glaubenskriege neue Streiter zuführen sollte. An ein wirklich gefährliches Auflodern des mohamedanischen Fanatismus, wie es bis vor dreihundert Jabren noch vorkam, ist indessen wohl kaum zu denken, denn der Rückgang der Mohamedaner aller Rassen ist in den letzten Jahrhunderten zu bedeutend gewesen, als daß von ihnen aus auch nur den nachstgelegenen christlichen Culturen eme Gefahr drohen könnte. In Marrokko, Tunis, Tripolis und den andern mohamedanischen Staaten zweiten und dritten Ranges ist der Halbmond schon lange, lange erblichen und starr und tobt liegt die alte Cultur jener Länder da und auch in der Türkei, der man noch immer eine mohamedanische Kraftentfaltung zutraute, zeigt sich der Halbmond nur noch in trauriger Gestalt und ist seit dem letzten Türkenkrtege auch offenbar gebrochen. Ganz erschreckend ist auch die Abnahme der türkischen Bevölkerung in Europa und man hat schon dadurch einen traurigen Beweis, daß Türken und Mohamedaner zum Untergange verurtheilte Völker sind, von dem sie kein Prophet erretten kann, denn der Mohamedanismus steht in seinen Tendenzen mit der wahren Menschenwürde und Sittlichkeit im Widerspruche und aus ihm können seine Bekenner niemals neue Kraft schöpfen. Starr und dumpf ertragen die Türken und Mohamedaner ibr Schicksal, denn nach ihrem Glauben will es die Gottheit so und sie verschmähen es, Hand anzulegen zu neuem Leben und Streben. Und die Menschenrechte, die allein Staaten bilden und Völker veredeln können, wie werden diese in den mohamedanischen Staaten, wo dieUnterthanen der Beamtenwillkür preisgegeben und die Frauen Sklaven sind, mit Füßen getreten. Hoffnungslos liegt der Mohamedanismus darnieder und das Leben, was er noch zeigt, ist nur das Ausflackern vor dem Sterben. Lokales. Gietzerr, 17. November. Für das 4. Quartal der Schwurgerichts-Sitzung der Provinz Oberhessen sind folgende Herren zu Geschworenen bestimmt: 1. Noos, Wilhelm, von Lauterbach. 2. Zorn, Hermann, in Hochweisel, 3. Schudt, Carl, Müller in Dorheim. 4. Gold ström, Wilhelm, in Borsdorf. 5. Schmidt, Joh. Wilh., in Massenheim. 6. Weitzel, Joh. II in Renzendorf. 7. Schmidt, Kaspar, in Groß-Buseck. 8. Dem, Ludwig, Bürgermeister in Hausen. 9. Huber, Friedrich I., Müller in Wisselsheim. 10. Pommer, Anton III., m Pohl-Göns. 11. Möller, Friedrich, in Eichelsachsen. 12. Meyer, Emil, in Münzenberg. 13. Nteß, Friedrich, zu Bobenhausen bet Ortenberg. 14. Korell, Joh, Kammerrath in Schlitz. 15. Bender, Heinrich I., in Dorf Gill. 16. Sandner, Jean, Gastwirth in Gießen. 17. Geiß, Joh., von Windhausen. 18. Ritter, Jonas, Rentner in Grünberg. 19. Schmitt, Otto, Rentner in Gießen. 20. Bechstein, Wilhelm II., Färber tn Friedberg. 21. Koch, Friedrich, in Stockheim. 22. Jacobi, Wilh. III., von Rodheim v. d. H. 23. Neuhardt, Georg Philipp, Pächter in Bingenheim. 24. Wagner, Heinrich IL, in Gettenau. 25. Rasch, Bürgermeister in Freiensteinau. 26 Sehrt, Carl, in Engelrod. 27. Philipp, Georg Kaspar II., Landwirth in Watzenborn. 28. Schön, Johannes, Gastwirth in Lollar. 29. Rühl, Christian, Kaufmann in Gießen. 30. Kreutzer, Heinrich II, Landwirth in Frischborn. Vermischtes. Mainz, 12. November. Ende des verflossenen Jahres zog ein gewisser Seb. Schmitt aus Miehlen, der nebst seiner Frau und 5 Kindern 21/» Jahre lang in Caftel gewohnt hatte, nach Mainz. Es stellte sich aber bald heraus, daß Schmitt ein arbeitsscheuer Mensch sei, der nur im Nothfalle arbeite, sonst aber durch das Betteln seiner Kinder sich ernähren läßt. Die Stadt Mainz wollte sich nun diese Familie vom Halse schaffen und forderte Herr Bürgermeister Du Mont die Gemeinde Castel auf. den Schmitt sammt Familie wieder zu Übernehmen. Castel weigerte sich aber dessen und stellte daher die hiesige Bürgermeisterei bet dem Provinzialausschuß den Antrag, die Gemeinde Castel zur Uebernahme dieses Schmitt zu verurtheilen. Dieser Antrag kam nun in der letzten Sitzung des Provinzialausschusses zur Verhandlung. Herr Oberbürgermeister Du Mont führte bei dieser Gelegenheit aus, daß Schmitt bis jetzt allerdings noch keine öffentliche Unterstützung erhalten habe, allein die Auslegung, welche der § 5 des Unterstüyungswohnsitzgesetzcs bei der Behörde gefunden habe, sei seiner Meinung nach eine irrige Angeführter Paragraph sei in den unteren Instanzen bislang dahin ausgelegt worden, daß Jemand, der den Unterstützungswohnsitz noch nicht erlangt habe, erst dann ausgewiesen werden könne, wenn er wirklich aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden sei. Hier handle es sich um eine notorische Bettlerfamilie, die sich nur so lange durchschlagen werde, ohne öffentliche Kontribution zu nehmen, bis sie den Unterstützungswohnsitz erworben habe. In solchen Fällen müsse den später unterstützungspflichtig werdenden Gemeinden das Recht zustehen, sich solcher Individuen rechtzeitig zu erwehren. Redner wünscht, da die höchste Instanz, das Bundesamt für Heimathwesen, sich mit dieser Materie noch nicht befaßt habe, dessen Entscheidung herbeizusühren. Die Stadt Mainz wurde nach einiger Berathung aus formellen Gründen abgewiesen und in die Kosten verurtheilt und wird nun Herr Ober - Bürgermeister Du Mont Recms an das Bundesamt für Heimathwesen ergreifen. — sNeunzigjährige Zwillinge) Die ältesten Zwillinge in den Vereinigten Staaten sind Bernhard und John Kepler, die, am 27. März 1792 geboren, noch heute ihr elterliches Haus in Plumstead, Bucks Co>, Pa., bewohnen, sich nie, auch nicht einen Tag lang, von einander getrennt und das County nur einmal und zwar im Jahre 1860, wo sie Philadelphia einen gemeinsamen Besuch abstatteten, verlassen haben. Eingesandt. Im Anschluß an die Notiz über das am nächsten Sonntage ftattfindende Con- cert des Concertoereins, der ich vollkommen beistimme, erlaube ich mir noch, einige Zeilen beizufügen: In der That ist die junge Belgierin Frl. Dy na Beumer nach allen uns vorliegenden Berichten eine der virtuosesten und anmuthigften Vertreterinnen des eigentlichen Kunstgesanges. Sie vereinigt alles in sich, was zu einer vollkommenen Colo- ratursängerin erforderlich ist. Das wundervolle, klare, Helle und dabei weiche und zarte Organ ist bet seinem seltenen Umtange — es umfaßt zwei und eine halbe Octaoe bis zum d-eigestrichenen F — in allen Lagen vollkommen ausgeglichen, die Töne schlagen spielend an; die schwierigsten (Koloraturen werden mit einer Leichtigkeit aus- geführt, die beim Zuhörer das Gefühl füc die Schwierigkeit desselben gar nicht aufkommen läßt. Ein glockenreineres Raccato, perlendere Läufe, einen vollendeteren Triller kann man sich nicht denken Dazu kommt ein unfehlbar sicherer Ansatz und eine wunderschöne Aussprache der Vocale. Gehen wir und bewundern wir diesen „Stern". Literarisches. „Goethe's Werke" in lUuftrirter Pracht-Ausgabe. Mit mehr als 800 Illustrationen erster deutscher Künstler. Herausgegeben von Heinrich DÜntzer. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt svormals Eduard Hallberger)). Jede bis jetzt erschnnene Lieferung dieser schönsten aller Goethe-Ausgaben bekundet die Sorgfalt, die von Herausgeber, Künstlern und Verleger auf dieses Prachtwerk verwendet wird. Die Auswahl der aufzunehmenden Werke und die Redaction des Textes ist in den besten Händen, sie ist dem vielbewährten Goethekenner und Forscher Prof. DÜntzer übertragen, dessen umfassender Sachkenntniß mit Recht das größte Vertrauen entgegengebracht wird. Für die Jllustrirung ist eine große Zahl vorzüglicher deutscher Künstler gewonnen, deren gefällige Zeichnungen von einer richtigen Auffassung der Stimmungen und Gedanken des Dichters ausgehen und daher nicht -feiten dem Leser einen Fingerzeig zum Verständniß des Textes geben. Die gefammte Ausstattung ist eine glänzende, der Preis — für die reich illustrirte Lieferung nur 50 Pfennig — ein im Hinblick auf das Gebotene erstaunlich billiger, und so vereinigt sich hier Alles: sorgfältige Textrevision, überraschend schöne Ausstattung, reiche und künstlerisch vollendete Illustration und wohlfeiler Preis, um dieser prächtigen Ausgabe allgemeinste Verbreitung zu verschaffen- Alle Gebildeten, alle Freunde unserer klassischen Dichtung, die Familie sowohl wie der Einzelstehende, werden diese iHuftrirte Goethe-Ausgabe mit Freuden willkommen heißen, sie wird ein nationale^ Prachtwerk ersten Ranges werden, gleich der ihr poiangegangenen Schiller-Ausgabe, die so großen Erfolges sich rühmen darf. Mit dieser und der Shakespeare-Ausgabe zusammen bildet sie einen Schatz von unvergänglichem Werthe, der jedem deutschen Hause zur Zierde, dem Besitzer zur Ehre gereicht. — (Kirchenmusik) Im Verlage des „evangelischen Kirchengesangvereins für Württemberg" ist soeben em .tjeft geistlicher Gesänge für dreistimmigen Schülerchor erschienen. Dasselbe enthält 36 Chöre, die thettweffe für 3 Kmderstimmen, theilwerse für 2 Kinderstimmen mit hinzutretender Männerstimme gesetzt sind. Der Satz der Gesänge ist einfach und schlicht und die Sammlung für die Schülerchöre unserer ländlichen Gemeinden zur Verwendung ganz besonders geeignet. Der Preis ist auf 80 Pf. pro Heft (Partitur), für die Mitglieder der eoangelifchen Kirchengefangvereine auf nur 50 Pf. und in Partien von 25 Exemplaren auf 40 Pf. pro Heft festgesetzt. Zur Entgegennahme von Bestellungen ist der Vorstand des evangelischen Kirchengesangoereins für Hessen (Vorsitzender: Geheimerath Hallwachs; Schriftführer: Reallehrer Becker in Darmstadt) unter dem Anfügen bereit, daß die Mitgliedschaft des „evangelischen Kirchen- gesangvereins für das Großherzogthum Hessen" für Kirchenchorfchulen durch die Erklärung des Beitritts und die Entrichtung eines jährlichen Beitrags von 50 Pf. erworben wird. ftranlfurt a.M., 17. November, Nachmittags2Uhr -Min. (Telegraphischer Coursbertcht. Mttgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 250V<, Staatsbahnactien 297, Galizier 26472, Lombarden 117Vs, Nord- westbahnactien —, Darmstädter - Bankactien —, Oberschlesische E.-B.-Act. 256, Oesterr @Uberrente 653/4, 4% Ungar (Solbrente 73V4, 4% 1880er Russen 69%, 5°/o 1877r Russen 86V«, 2. Onent-Anlethe 543/s, Spanier 61%, 5% Rumänische Rente —, 4% Uniftc. Egypter 69%«, Dtsconto Comm. 1997s, Gotthardbahnactten 110. Tendenz: —. Kirchliche Anzeigen der SLudt Gieften. Evangelische Gemeinde. GotteHdienA: Sonntag den 19. November (24. nach Trinitatis). Vormittags 97r Uhr: Pfarrer Schlosser. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Feier des heil. Abendmahls in Verbindung mit der Beichte. Donner st ag den 23. November, Abends 8 Uhr, im Gymnasium: Bibelstunde, Brief Pauli an die Galater, Kapitel 4,1—11. Pfarrer Dr. Naumann. Sonntag, den 26. November, feiern wir das Todtenfest: Gottesdienst Vormittags in der Stadtkirche, Nachmittags 2 Uhr in der Friedhofskapelle. Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 19. bts 25. November besorgt Pfarrer Schlosser. Katholische Gemeinde. ™ .25. Sonntag nach Pfingsten. Von 7 Uhr an Berchte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. y310 Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Sacramentalische Andacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 4 Uhr, Samstag Morgen 8” Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 5. Allgemeiner Anzeiger. Montafl den 20 November, Nachmittags 2 Uhr, werden im Haufe des Herrn Unverzagt (Steinstraße) Bettwerk, Möbel, Küchen- gcräthe gegen gleich baare Zahlung versteigert- Gießen, den 15- November 1882. Großherzogliches Ortsgericht. 7588___________Lüdeking.__________ Montag den 20. November, Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett' schen Hofraithe dahier 1 Pferd, 1 Kassenschrank, 1 Billard, 1 Commode mit Aufsatz, 1 Sopha und 1 Bild öffentlich meistbietend versteigert- Gießen, den 17. November 1882. Bauer, 7599 Großh. Gerichtsvollzieher. Keitgeßolenes. Echt chinesische TheesZ mit der Schutzmarke C. H. L. empfiehlt die Hirsch-Apotheke von Dr. Hempel. 7566 Ein fast noch neuer zweispänniger Wagen, sowie ein zugfestes Pferd billig zu verkaufen. Näheres bei der Exped. ds. Bl._______ WintersklMe. 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