Hkr. 191« Freitag den IS. August L88L. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. : Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. ^^^'^ljahrlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerl^n. ’ p _____________'_________________1 Durch die Post bezogen viertclzährlich 2 Mark 50 Pf. Politische Ueberfkcht. Gießen, 17. August. Die kirchenpolitische Frage in Preußen ist wiederum auf dem Standpunkt angelangt, den sie schon öfters eingenommen hat und welcher dadurch charakterisirt wird, daß man sich über die Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan abermals in völliger Ungewißheit befindet. Nach der „Germania" hat man sich nicht einmal über die Basis der weiteren Unterhandlungen verständigen können und erblickt das leitende Organ unserer Ultramontanen in dem Bestreben der preußischen Regierung, mit Hülfe der discretio- nären Vollmachten vorerst einige Mißstände zu beseitigen und sich den ganzen Kampf-Apparat für später zu retten, das Haupthinderniß für einen gedeihlichen Fortgang der Verhandlungen. Die Anstalten zur Ausbildung des Clerus blieben geschloffen, der Fürstbischof von Breslau sei nicht einmal im Stande, die kirchlich excomnlunicirten Eindringlinge in die Pfarreien zu beseitigen und die liberale Presse Hetze nach wie vor gegen den Fürstbischof und die Kirche überhaupt. Vielleicht ist dieser Ausfall der „Germania" die Antwort auf dw officiöse Mittheilung, daß man in den leitenden Kreisen der preußischen Negierung über das Vorgehen des Breslauer Fürstbischofs gegen die Staatspfarrer und in Sachen der gemischten Ehen im höchsten Grade verstimmt sei. Herr v. Puttkamer hat in der Frage der Auslösung der Berliner Stadtverordneten-Versammlung anscheinend den Rückzug angetreten. Wenigstens ist es von dieser Angelegenheit ganz still geworden, woraus man den Schluß ziehen kann, daß Herr v. Puttkamer mit seinen Ansichten über die Nothwendigkeit dieser Maßregel an Allerhöchster Stelle nicht durchgedrungen ist und nun klüglich schweigt. Daß die jetzige Eintheilung der Berliner Communal- Wahlbezirke an gewissen Mängeln leidet, mag ja seine Nichtigkeit haben, aber die nothwendigen Reformen werden sich auf anderem Wege mindestens ebenso rasch erreichen lassen, als durch eine Auflösung, welche Maßregel immerhin ihre bedenklichen Seiten hat. lieber die Politik, welche das neue französische Cabinet Duclerc einzuschlagen gedenkt, war bisher nur wenig bekannt. Jetzt liegen aber Aeußerun- gen vor, welche der Ministerpräsident fielen, selbst gegenüber einem „Interviewer" gethan haben soll, und die ihre Richtigkeit vorausgesetzt, das Cabinet Duclerc keineswegs als ein Ferien- oder Uebergangs-Dtinisterium erscheinen lassen. Herr Duclerc soll erklärt haben, daß die Politik seines Cabinets eine entschieden fortschrittliche und insbesondere die nationale Wiederaufrichtung bezweckende sein werde; das Cabinet lege sich volle Rechnung über seine Verantwortlichkeit ab und sei deshalb entschlossen, seine ganze Initiative, Handlungsfreiheit und Autorität zu wahren. Das klingt allerdings recht energisch und darf man gespannt sein, in welcher Weise sich diese Energie beider „nationalen Wiederaufrichtung" bethätigen wird. Die Ereignisse in Egypten haben die irischen Angelegenheiten ganz in Schatten gestellt und glücklicher Weise sind in den letzten Wochen auch keine Agrarverbrechen vorgekommen, welche die Aufmerksamkeit wieder der „grünen Insel" zugelenkt hätten. Trotzdem ist die Anzahl der Agrarverbrechen noch eine ziemlich bedeutende, denn im Monat Juli wurden 231 Ausschreitungen aller Art, darunter zwei Mordthaten, fünf Mordanfälle u. s. w., der Polizei gemeldet. Gegen den Monat Juni bedeutet dies eine Abnahme von 49 Agrarverbrechen und diese relative Besserung der Zustände in dem unglücklichen Lande lleht mit der Verminderung der Pächter-Ausweisungen in augenscheinlichem Zu- saminenhang, so daß man pch von der Pachtrückstandsbill eine weitere Besserung versprechen kann. Die Moskauer Krönung des russischen Kaiserpaares ist förmlich zum Mythus geworden, denn ein Kreis der widersprechendsten Gerüchte hat sich bereits um diese Angelegenheit gebildet. Neuerdings in Berlin eingegangene Depeschen aus Petersburg wissen nun zu melden, daß die Krönungsfeier doch noch m diesem Jahre stattfinden werde, zu diesem Zwecke würden Gardetruppen schon jetzt von Petersburg und Warschau nach Moskau befördert und die geriebensten Petersburger Geheimpolizisten seien bereits in der Krönungsstadt eingetroffen. Der englische Entwurf der Mllitär - Convention mit der Türkei liegt jetzt vor. Derselbe umfaßt folgende Hauptpunkte: 1) Die Leitung der strategischen Bewegungen wird dem englischen Commandanten anvertraut sein. 2) Dem türkischen Commandanten wird ein englischer Commissär beigegeben. 3) Der Ort, an welchem die türkischen Truppen landen, ist vorher zu bestimmen. 4) Der mit 6000 Mann festgesetzte Effectivbestand des türkischen Expeditions- Corps kann nur unter Zustimmung beider contrahirenden Mächte erhöht werden. Die Türken opponiren zwar hauptsächlich dem ersten Punkte, doch zweifelt man nicht, daß sie schließlich die Convention in der englischen Fassung annehmen werden. Aus Egypten liegen noch immer keine Nachrichten von Belang vor, wenn man als solche nicht die von dem täglichen Eintreffen englischer Verstärkungen in Alexandrien, Port Said u. s. w. betrachten will. Die letzten Truppen des englischen Expeditions-Corps sind am 15. August in London einge'chifft worden, deren Ankunft in Egypten sonach gegen den 25. d. Mts. erfolgen dürste. In Ramleh ist jetzt die ganze englische Gardebrigade unter dem Com- mando des Herzogs von Connaught, des dritten Sohnes der Königin Victoria, versammelt, so daß wahrscheinlich der erste größere Angriff der Engländer gegen die Stellungen Arabi Pascha's von Ramleh aus erfolgen soll. — Das Gerücht, daß das Bombardement der Forts von Abukir unmittelbar bevorstünde, "wird als vollständig unbegründet bezeichnet. Deutschland. Darmstadt, 16. August. Se. Könial. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberpostdirector Hagemann , den Amtsrichter Lindenstrudt von Herbstein; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck und den Oberconsistorial-Präsidenten Dr. Goldmann. m- Darmstadt, 16 August. Der Abgeordnete Freiherr von Wedekind Hal bet dem Bureau der zweiten Kammer den Antrag übergeben, dieselbe wolle die Großh. Staatsregierung ersuchen, mit der Großh. Badischen Regierung in Unterhandlung zu treten zur Beseitigung der zwischen Hessen und Baden ungleichmäßigen und unsere Staatsangehörigen vorzugsweise schädigenden Besteuerung des Kleinhandels, insbesondere mit Victualten. Zur Mot'virung des Antrages legt der Antragsteller eine an ihn gelangte Eingabe der Bürgermeisterei Hirschhorn bet, worin ausgeführt wird, Hirschhorn liege unmittelbar tn der Nähe von badischen Orten und haben seine Victualienhändler immer ihre Einkäufe, welche meist aus Eiern und Butter bestehen, in den badischen Orten, welche sehr wohlhabende Bewohner besitzen, die viel Oekonomie treiben, gemacht, ohne von einer Behörde belästigt oder zum Steuerzahlen angehalten zu werden. Seit einiger Zeit werde nun tn Baden mit solcher Strenge gegen die Händler, welche dort Einkäufe machen, vorgegangen und dieselben werden derart besteuert oder bestraft, daß es diesen Personen unmöglich ist, unter diesen Verhältnissen ihr Geschäft weiter zu betreiben. Wetter wird noch bemerkt, daß die badischen Bewohner nach Hirschhorn kommen, ihre Victualienvorräthe verkaufen, wieder andere Waare einkaufen und zu keinem Pfennig Steuer angehalten werden, weßhalb sie ihre Waare billiger als die einheimischen Händler absetzen können, welch letzteren dadurch großer Schaden zugefügt werde. Berlin, 15. August. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird aus Port Said unterm 31. v. Mts. gemeldet: Die Begleitung deutscher Kauffarteischiffe im Suezkanal durch Sr. Maj. Kanonenboot „Möve" hat nun ihren Anfang genommen. Gestern verließ das genannte Kanonenboot unseren Hafen, um den Hamburger Dampfer „Stolzenfels" von hier bis zum anderen Ende des Suezkanals zu escortiren. Bei der Unregelmäßigkeit der Ankunft der Schiffe, hier sowohl als wie in Suez, dürfte es schwierig sein, die Fahrten derart zu reguliren, um allen Ansprüchen jedesmal gerecht zu werden, besonders, da bei dem gesteigerten Verkehr des Kanals stde Reise hin und zurück mindestens vier Tage in Anspruch nimmt und zur Zeit die „Möve" eben nur allein zur Verfügung steht, Handels- schiffs-Capitäne aber lieber auf Begleitung verzichten, als eventuell vier Tage warten. Da bis zur Stunde Feindseligkeiten am Kanal nicht vorgekommen sind, so dürften die Hin- und Herfahrten der „Möve" doch immerhin ihren Zweck erfüllen, indem sie den Handelsschiffs-Capitänen volles Vertrauen einflößen und die Fürsorge der kaiserlichen Regierung für die deutschen Schiffe im Suezkanal offen darthun. — Die Hälfte unserer Flotte steht in Dienst, im Ganzen 31 deutsche Kriegsschiffe: die 4 Panzerfregatten Friedrich Karl, Kronprinz, Friedrich der Große, Preußen; eine Segelfregatte Niobe; 11 Corvetten: Stosch, Elisabeth, Hertha, Carola, Moltke, Nymphe, Luise, Blücher, Arcona, Sophie, Gneisenau; dazu kommen am 3. October noch Olga und Leipzig. Ferner 9 Kanonenboote: Wolf, Iltis, Möve, Habicht, Hyäne, Albatroß, Cyclop, Drache, Hai; 4 Avisos: Loreley, Grille, Pommerania, Zielen; 2 Briggs: Musquito, Undine, sowie das Artillerieschiff Mars. Das deutsche Mittelmeergeschwader wird bestehen aus den Corvetten Gneisenau und Nymphe, den Kanonenbooten Möve, Habicht, Cyclop und dem Aviso Zielen, doch scheint es noch nicht ganz sicher, ob die Nymphe, das Schiffsjungen-Uebungsschiff, in den Geschwaderverband eintreten wird. Nach der Segelordre soll das Schiff die Balearen, Sardinien und Sicilien besuchen und in der zweiten Hälfte des September in der Sudabucht ankern. England. London, 15. August. Unterhaus. Auf Antrag der Regierung wurde der aus der parlamentarischen Initiative hervorgegangene Gesetzentwurf, betreffend den Bau des Canaltunnels von der Tagesordnung abgesetzt. Der Präsident des Handelsministeriums, Chamberlain, erklärt, die Regierung werde zur Prüfung dieser Frage in der nächsten Session die Einsetzung eines Ausschusses beantragen, welchem der bezügliche Schriftwechsel mit Frankreich und die Gutachten der Sachverständigen-Commission und der militärischen Behörden unterbreitet werden sollen. Dem Deputirten Bartlett gegenüber erwidert Dilke, die Mtlitärconvention mit der Türkei sei bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Auf eine Anfrage Buxton's erklärt Dilke, Lesseps habe als Vorsitzender des Verwaltungsraths der Suez-Canalgesellschaft, soweit ihm bekannt, keine besonderen Befugnisse, außer daß er bet Stimmengleichheit im Verwaltungsrathe die ausschlaggebende Stimme führe. Auf eine bezügliche Anregung Hubbard's bemerkt der Unter? staatssecretär der Colonien, Ashley, die Regierung habe beschlossen, die Möglichkeit eines Arrangements zur theilweisen Wiedereinsetzung Cetewoyo's als König des Zulu- landes unter gewissen Bedingungen und Garantien in Erwägung zu ziehen, (Beifall.) Ein District des Zululandes werde für denjenigen Thetl der Häuptlinge und des Volkes reservirt werden, welche nicht mehr zur Herrschaft Cettwayo s zurückkehren wollen. Ein britischer Resident solle im Zululande wohnen, die Meder Herstellung des früheren militärischen Systems der Zulus solle nicht gestattet und kein Theil des Zulugebiets solle dem britischen einverleibt werden Der ^taatssecretar der Colonien, Kimberley, habe heute Morgen Cetewayo von dem Gesagten Mittheilung gemacht. Ashmead Bartlett beantragt ein Tadelsootum gegen die Regierung wegen hrer egyptischen Politik. Unterstaatssecretär Dilke weist mehrere Behauptungen Bartlet 's als unrichtig zurück und erwidert, die Beziehungen, zu Deutschland und Oesterreich seien zu keiner Zeit besser und freundschaftlicher gewesen, als gerade letzt. Anlangend die Behauptung Bartlett's, daß die gegenwärtige Regierung Allianz deS vorigen Cabinets mit Deutschland umgestürzt habe, so beglückwünsche sich rm Gegentheil gerade die jetzige Regierung zu der Herzlichkeit ihrer Beziehungen zu Deutschland und zu der Thatsache daß Deutschland ihre Politik auf das Wärmste unterstützt habe, wofür England auf das Dankbarste feine Anerkennung zolle. Es sei nicht der mindeste Grund für Bartlett's Behauptung vorhanden, daß er (Dilke) den Versuch gemacht habe, eine Telegraphische Depeschen. Wolff s telegr. Eorrefpondenr-Brrreair. Kassel, 16. August. Die Uebersiedelung Sr. Königl. Hoh. des Prinzen Karl nach Wilhelmshöhe erfolgte um 10 Uhr mittelst einer prinzlichen Equipage, in welcher Se. Königl. Hoheit aufrecht neben dem Leibarzt Dr. Valentini saß. Den ganzen Weg über wurde im Schritt gefahren. Der Prinz wurde von der Bevölkerung überall ehrerbietig begrüßt und dankte lebhaft. In Wilhelmshöhe ist ein Aufenthalt von drei Wochen in Aussicht genommen. London, 16. August. Unterhaus. Anläßlich der britten Lesung der Fmanzbill beantragt Lawson, die Bill nicht zu genehmigen, bis die Regierung versichert, daß sie von den de facto in Egypten bestehenden militärischen Behörden die Niederlegung der Waffen zu erlangen versuchen werde gegen Zusiche- rung des Rechtes, ihr Budget zu votiren. Gladstone erklärt, bei Erwägung der Forderung der Egypter, ihr Budget zu votiren, muffe man sich erinnern, daß feit Jahrhunderten die Egypter die Macht und die Verantwortlichkeiten einer Nation nicht besessen haben, man könne ihnen daher nicht sofort die unbegrenzten Privilegien freier Leute geben, man könne ihnen vielmehr nur allmälig den Gmuß der Privllegien des Selfgovernments und der Freiheit wieder verschaffen und das sei der Wunsch Englands. Gladstone hofft, daß, wenn es im europäischen Rathe wieder zur Erörterung der egyptischen Frage komme, England iin Stande sein werde, an diese Diskussion mit dem moralischen Anspruch heranzutreten, den es aus einer energischen und wirksamen aber gleichzeitig ehrenhaften und uneigennützigen Aktion ziehe. — Nächsten Freitag gehen 3000 Mann Truppen aller Waffengattungen nach Malta und Cypern ab, um für das Expeditions-Corps in Egypten als Reserve zu dienen. — Die „Times" glaubt, Lord Dufferin werde in Kurzem die sofortige Annahme der von England für die Cooperation türkischer Truppen in Egypten gestellten Bedingungen fordern oder die bezüglichen Verhandlungen mit der Pforte ganz abbrechen. L , Dublin, 16. August. Das Assisengericht hat gestern den Parlaments- Deputirten und high sherif von Dublin, Gray, als Eigenthümer von „Free- mans Journal" wegen mehrerer durch dieses Organ der Agrarliga veröffentlichten Artikel und Schreiben, die gegen zur Aburtheilung von Agrarverbrechen berufene Gerichtspersonen gerichtet waren, zu dreimonatlichem Gefängniß und 500 Psd. Sterl. Geldbuße verurtheilt. Petersburg, 16. August. Nachdem die Bevölkerung von Corea neuerdings abermals Feindseligkeiten gegen die dortige japanesische Mission begangen hatte, ist von der Regierung von Corea der mllitärijche Beistand der chinesischen Negierung gegen die Unruhstifter angerufen worden. Alexandrien, 16. August. General Wolseley hatte heute früh eine Befprechung mit dem Admiral und sämmtlichen hier anwesenden Generalen. Derselbe stattete sodann dem Khedive einen Besuch ab und wird am Nachmittag die Positionen bei Ramleh infpieiren. ataen Deutschland und Oesterreich gerichtete Allianz mit Frankreich zu Stande zu k,naen Bartlett sprech- von Deutschlands Einfluß in Konstantinopel, Englmo sei inde^auf diesen Einfluß durchaus nicht eifersüchtig und habe auch keinen Grund, deß- halb effersüch ig zu sein- Durchaus unbegründet fei feaur daß eine Union von vier Mäch en gegen Englands Politik bezüglich des Suez-Canals bestehe, von den anderen Mächten seien in dieser Beziehung nichts als temporare Maßregeln vorgeschlagen, in welche England eingewilligt habe. Der Antrag Bartlett's wurde ohne besondere Ab- fllmmung abgelehnt Der Deputtrte O'Donnell lenkte darauf aufs Neue die Aufmerksamkeit des Hauses auf die egypttsche Politik der Regierung, die lediglich der Förderung der Interessen der Gelddarleher diene. Dilke wies auch diesen Angriff O^Donnel's zurück und stellte in Abrede, daß der Khedive von Niemand in Egypten respecttrt werde. Die Regierung sei im Gegenthetl davon unterrichtet, daß alle Personen von Bedeutung den Khedive unterstützten und eine Coalitton zu bilden beabsichtigten, um öffentlich und auf das Entschiedenste darzuthun, daß der Khedive ihre Unielstützung^h^b raEhun Finanzgesetzes wurde der Deputtrte Callan zur Ordnung gerufen, weil er den Staatssecretär des Innern, Harcourt, in einer Rede unterbrach und die Erklärung Harcourts, daß gewisse irische Deputirte der Justizverwaltung in Irland feindlich gegenüberständen, als falsch bezeichnete. Da Callan sich weigerte, seine Aeußerung zurückzunehmen, wurde vom Hause mit 58 gegen 3 Stimmen die Suspension gegen denselben ausgesprochen. Die Conferenz. Allem Anscheine nach ist der Zeitpunkt sehr nahe herangerückt, an welchem die in Konstantinopel zur Conferenz versammelten Diplomaten ihre Berathungen, wenn nicht endgültig schließen, so doch bis zur Wiederherstellung der Ordnung in Egypten vertagen werden- Diese Vertagung würde auch nur der wahren Lage der Dinge entsprechen, denn die Ereignisse im Pharaonenlande sind den Berathungen der Botschafter in Konstantinopel thatsächlich weit vorausgeetlt und in Anbetracht dieses Umstandes erscheint ein längeres Tagen der Conferenz herzlich überflüssig. — Wenn man nun nach den Resultaten, welche dieser jüngste Versuch, große politische Fragen durch ein europäisches Schiedsgericht zu lösen, bislang gehabt hat, fragt, so ist die Antwort hierauf eine sehr einfache und klare. Die Conferenz hat bis zur Stunde nicht das Geringste zu einer zweckentsprechenden Lösung der egyptischen Frage beigetragen und wird wohl auch in Zukunft nicht im Stande fein, auf diplomatischem Wege den egyptischen Knoten zu entwirren. Der einzige greifbare Erfolg, den die Verhandlungen der Conferenz vielleicht noch aufweisen werden, könnte in der Annahme des italienischen Antrages auf provisorischen Collectivschutz des Suez-Canals bestehen, aber was will die Annahme dieses Antrages besagen, jetzt, da England mit seinen Schiffen und Truppen den Suez-Canal beherrscht und zudem erklärt hat, es müsse sich feine volle Actions- fäbiafeu am Canal wahren? - Wir wollen jetzt nicht der Frage näher treten, was die Conferenz hätte möglicherweise leisten können, sondern vielmehr einen Blick auf die Ursachen werfen, welche es erklärlich machen, daß die Conferenz noch so gut wie aar nichts geleistet hat. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man als die hauptsächlichste dieser Ursachen die eigenthüml'che Haltung Englands auf der Conferenz be- tradnet welche mit seinem Vorgehen in Egypten in grellem Widerspruch steht. Während der Vertreter Englands am grünen Tische in Therapia ganz unbefangen an den Be- rathungen mit Theil nimmt, in entscheidenden Momenten aber gewöhnlich „ohne Instructionen" seitens seiner Regierung ft, geht England in Egypten ganz nach Gutdünken vor ohne sich em Jota um die etwaigen Beschlüsse der Conferenz zu kümmern, die doch gerade eine gemeinsame Regelung der Wirren am Nil anstreben zollten und diese offenbare Rücksichtslosigkeit, mit welcher das englische Cabmet der' Conferenz gegenüber- lritt, derselben Conferenz, in welcher sich doch auch der Vertreter Englands befindet, wirkte gleich von Anfang an lähmend auf den Gang der Verhandlungen. Dann tragt auch di- Hartnäckigkeit der Pforte und ihre lange Weigerung, der Confe^nz beizutreten, mit die Schuld andern bisherigen Mißerfolge und auch heute noch ist die Conferenz im Unklaren, welche Losung der egyptischen Frage die Pforte eigentlid) an- ftrebt, beim die geschraubten Erklärungen welche von den türkischen Bevollmächtigten hierüber abgegeben worden sind, haben die Conferenz in dieser Beziehung ohne Aufklärung gelassen Im Allgemeinen leiden endlich die Berathungen der Conferenz einerseits durch das versteckte Jntriguenspiel zwischen England und der, Pfvrl^ andererseits durch das nur schlecht verhüllte Mißtrauen, mit welchem sich die Machte gegen- seit'ü betrachten, und schon dieses Mißtrauen ist eineKlippe, an welcher tue ferneren Verhandlungen zu scheitern drohen. — Unter diesen Umständen erscheint es demnach in der Thai am Besten, wenn sich die Conferenz vertagt und es dem Schwerte überläßt, das zu vollbringen, was der Feder der Diplomaten nicht gelingen wollte, Aus Oberhessen. Der Forstoerein für das Großherzogthum Hessen hält seine Versammlung für das Jahr 1882 den 24., 25. und 26. August in Alsfeld ad. Die Einladung an die Vereinsmitglieder und alle Freunde des Forstwesens besagt: Zeiteintheilung: Donnerstag den 24. August: Von Nachmittags 3 Uhr an Empfang der Teilnehmer am Bahnhof, Eintrag in die Präsenzliste, Logisnachweis; Abends gesellige Zusammenkunft im Gesellschaftslokal Concordia. Freitag den 25. August: Sitzung im Saale der Concordia von Vormittags 7—1 Uhr; Erledigung der Vereinsangelegenheiten und der zur Discussion gestellten Themata: 1) Vereinsangelegenheiten: Neuwahl des Vereinsvorstandes, Disposition über angesammeltes Vermögen, Antrag des Professors Dr Heß auf Statutenänderung. 2) Liegt die Aufforstung kahler Höhen des Vogelsbergs, und welcher, im Interesse der Landescultur und — bejahenden Falls — welche Verwaltungs- und technischen Maßregeln wären zur Bewerkstelligung zu ergreifen? Referent: Oberförster Leo zu Büdingen. 3) Welche Stellung empfiehlt sich für den Forstoerein des Großherzogthums Hessen, gegenüber der in Hannover beschlossenen Gründung eines deutschen Forstoereins mit ständiger Mitgliedschaft und Abzweigung in Landesvereine? Referent: Professor Dr. Heß zu Gießen. 4) Miltheilung beachtenswerter Vorkommnisse, Versuche und Erfahrungen im Bereiche des Forstwesens. Von 1—2 Uhr Mittags gemeinsames Gabelfrühstück im Gasthaus zur Krone. Von da um 2 Uhr Abfahrt in die Domanial- waldungen der Oberförsterei Eudorf unter Führung des Großh. Oberförsters Frey Abends 8 Uhr gemeinschaftliches Nachtessen im Friesischen Gartensaale. Samstag den 26. August, Vormittags 8 Uhr: Abfahrt vom Gasthaus zur Krone aus, unter Führung des Großh. Oberförsters Block, in die dem Grobherzoglichen Haus und der Stadt Alsfeld gemeinschaftlich gehörenden, sowie in einen Theil der allein fiscalischen Waldungen der Obersörsterei Alsfeld, woselbst Nachmittags 1 Uhr ein gemeinsames Frühstück ftattfindet. — Rückkehr nach Alsfeld so zeitig, daß Seitens der Teilnehmenden die betreffenden Bahnzüge von 6 Uhr an noch benutzt werden können. Marburg, 16. August. Zu dem heutigen gemeinschaftlichen Besuche der Sehenswürdigkeiten unserer Stadt hatten sich gegen 30 Herren des Oberhessischen Geschichtsvereins zu Gießen hier eingefunden; auch der hiesige Geschichtsverein war zahlreich vertreten. In der St- Elisabethkirche hielt Herr Pfarrer Kolb einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über dieselbe. Berlin, 12. August. Die Stadt ist in hoher Erregung wegen eines heute hier verübten fünffachen Mordes in dem Haufe Fruchtstraße 68. Die Abendblätter enthalten darüber folgenden Bericht: In dem genannten Hause bewohnt seit einem halben Jahre die von ihrem Ehemanne, dem ehemaligen Hausdiener Conrad, getrennt lebende Frau Conrad, geborene Theilemann. mit ihren vier Kindern eine im Hose parterre belesene aus Stube, Kammer und Küche bestehende Wohnung. Der Ehemann selbst wohnte mit einer übelbeleumundeten, unter sittenpolizeilicher Aussicht stehenden Frauensperson am Grünen Weg. Trotz der Trennung empfing die Frau, die von Hausbewohnern als sehr ordentlich geschildert wurde und sich sowohl rote ihre Kinder durch ihrer Hände Arbeit ernährte, die Besuche ihres Mannes. Heute früh gegen V28 Uhr bemerkten die Hausbewohner den Mann in augenscheinlicher Erregung in das Haus zurückkehren und durch Klopfen Einlaß in die Wohnung begehren. Da ihm auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, so holte Conrad einen Schlosser, dem es jedoch nicht möglich war, die Thür zu offnen. Conrad holte sich sodann eine Leiter und stieg, nachdem er ein Fenster zerschlagen, mit Hausbewohnern in die Wohnung ein. Den Eintretenden bot sich nun ein ganz entsetzlicher Anblick dar. Frau Conrad hing mit ihrem jüngsten, am 19. März 1881 geborenen Töchterchen an einer und derselben Thürzarche, während von den übrigen 3 Kindern nichts zu sehen war. Plötzlich ergriff Conrad, als wenn er den Aufenthalt der Kinder wüßte, einen auf der Kommode liegenden Schlüssels und öffnete die Thüren des Kleiderschranks, bei deren Oeffnung er jedoch halb ohnmächtig zusammenbrach. Die drei Kinder und zwar die Knaben Theodor, geboren im Februar 1874, Anton, geboren im April 1875 und Max, geboren im December 1878, hingen, nur mit einem Hemd bekleidet, als Leichen an drei starken Riegeln des KleiderspindeS. Seitens des anwesenden Vicewirthes Krützke wurde nunmehr der Reviervorstand des gegenüber belesenen Polizeireviers benachricht, der sofort Criminalpolizei und die Staatsanwaltschaft telegraphisch von dem Vorfall in Kenntniß setzte. Nachdem der Chef der Criminalpolizei, Graf Pückler und der Chef des 3. Bezirks am Thatorte erschienen, gab Conrad bei feiner sofort vorgenommenen Vernehmung an, wie sonst seine Frau um 5 Uhr früh besucht und dann die Wohnung verlassen zu haben- Erst um V»8 Uhr will er dann zurückgekehrt sein und dabei das entsetzliche Verbrechen, das seiner Angabe nach nur von seiner Frau selbst und in der Zeit zwischen 5 und 8 Uhr verübt sein kann, entdeckt haben. Später verwickelte er sich in Widersprüche, indem er angab, die ganze Nacht in der Wohnung seiner Frau verbracht und die Wohnung um 5 Uhr verlassen zu haben. Da aber ein sofort zu Rathe gezogener Arzt feststellte daß die Todesstarre zweifellos bereits gegen Mitternacht eingetreten fei und da Conrad auch durch fein Benehmen den Verdacht erregte, als könne er selbst die That verübt haben, so wurde seine sofortige Verhaftung verfügt. Weitere Nachforschungen im Hause ergaben, daß Conrad bereits vor Monaten einmal nach dem Genuß einer Punschborole plötzlich auf einen Stuhl gestiegen sei, seiner Frau eine Schlinge über den Hals geworfen und geäußert habe, er wolle sie erhängen. Es gelang damals der Frau, die ihren Mann für betrunken hielt, sich wieder frei zu machen. Seitdem soll es aber, wie Hausbewohner übereinstimmend bekunden, wiederholt zu äußerst heftigen Auftritten zwischen den Eheleuten gekommen fein. In der vergangenen Nacht hat Niemand in der Conrao'schen Wohnung irgend etwas Auffälliges bemerkt, was zu der Ver- muthung Anlaß gegeben hat, daß die That verübt worden ist, als die Opfer derselben schliefen. t p Worms, 11. August- Ein durch die Wucherparagraphen des Strafgesetzbuches hervorgerufener Monstreprozeß wird demnächst die Strafkammer des Landgerichts in Mainz beschäftigen. In Folge der von einem vor der Zwangsvollstreckung stehenden Ackersmann aus der Umgegend bei der hiesigen Amtsanwaltschaft gemachten Anzeige, daß ihm von dem Handelsmann Löb von hier unerschwingliche Zinsen bei einem Urtheil in Anrechnung gebracht worden seien, wurde der genannte Handelsmann vorgeladen, verweigerte aber jede Auskunft über seine Geschäfte mit dem n enden Ackersmann. Durch die bestimmte Denunciation und das Verhalten des Lob sah sich das Gericht veranlaßt, eine Haussuchung bei demselben vorzunehmen, deren Resultat war, daß man mehrere Kisten und Kasten voll Wechsel und Schuldscheine, genau nach Registern geordnet, vorfand. Die erste Wahrnehmung, die man bei dieser Entdeckung machte, war, daß der größte Theil der Wechsel nicht gestempelt war. in Folge dessen Löb zunächst in eine hohe Stempelstrafe verurtheilt wurde. In Folge nämlich den Jntereffenstreit am Nil zu schlichten. Am Allerbesten wäre es freilich, wenn die Conferenz Überhaupt auf Nimmerwiederkehr nach Hause ginge, die Welt würde ihr keine Thränen nachweinen, denn die Rolle, welche die Confeeenz bisher gespielt hat, ist nun einmal nicht derart, daß man der Conferenz bei ihrem Abgang von der politischen Schaubühne Beifall zuklatschen könnte. Lokale-. Gießen, 17. August. Bei dem Turnfest in Neuwied haben die Turner aus dem Großherzogthum Hessen eine unverhältnißmäßig große Anzahl von Preisen errungen. Es erhielten nämlich den 1. Preis Neumann aus Castel mit 65 Punkten, den 2. Preis Unverzagt aus Gießen mit 63 P., den 3. Preis Henninger aus Mainz mit 62Vz P-, den 6. Preis Schnabel aus Darmstadt mit 59 P, den 11. Preis Carl Hoffmann aus Gießen, den 12. Preis G. Braun aus Offenbach mit 55Vr resp. 50 P-, den 14. Preis Stadelmann aus Offenbach mit 54 P., den 16. Preis (Doppelpreis) Wahl aus Worms und Keller aus Offenbach mit 52Vr P, den 20. Preis Engelmann aus Ingelheim mit 50 P., den 21. Preis Schmitt aus Mainz mit 49 P, den 23 Preis Walther aus Darmstadt mit 48 P, den 26. Preis Rühl aus Gießen mit 46 P., den 30. Preis (Doppelpreis) Wald und Kaiser, beide au5 Bessungen, mit 44 P., den 31. Preis (Doppelpreis) Lotz aus Offenbach und Trübe aus Gießen mit 43* 1 * * * 5/« P. Aus Obigem ist ersichtlich, wie außerordentlich brav sich unsere wackeren hessischen Turner gehalten haben. — Bezugnehmend auf unsere gestrige Notiz theilen wir heute berichtigend mit, daß fragt Offizier nicht in das Lazareth verbracht, sondern in seiner Wohnung verblieben ist. — Als Naturseltenheit wird uns mitgetheilt, daß ein Aepfelbäumchen, welches in einem Garten vor dem Neustädter Thor steht, eben in voller Blüthe prangt. aus 65 Mm, ■ P--l- (Sau «l»> 50 P ®oppelprdä) Engelmann bm^PreiS 1 mit 46 P., , mit 44 P mit 431/, £ ren hessischen Wifltnb mit, iohnung ver-- hrn> öt\d)t8 ixangt. bie Welt i^sher gelang von ' Hessen HD n AlSseld ab. n3 besagt: ß 3 Uhr an iogiSnachweiS; n Vormittags sion gestellten , Disposition iuttnänberung. i Interesse der hnischen M- oinMingen. thums Hessen, cstvereins mit nt: Prosessor Versuche und 1 gemeinsames die Domanial- 'rförsters Frey ;auS zur Krone sroßherzoglichen einen Theil der t Nachmittags Sseld so zeitig, an noch benutzt n Besuche der ObtrMfy11 tySDerein ö« w W hetreM rxS>: ,S ft* wes heute h er blätter enthalten im halben Jahre nt lebende Krau »arterre b-Kgene m selbst * . 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Bei einem großen Theil dieser Leute kostete es anfänglich viel Mühe, Auskunft über ihren Verkehr mit Löb zu erhalten; erst bei der Vorlage der Schuldscheine und Wechsel war ihnen gewöhnlich der Mund zu öffnen. Die Untersuchung ist noch lange nicht abgeschlossen, aber schon in 40 Fällen ist theils durch Zeugen, theils durch die Papiere und Bücher Material zur Erhebung der Anklage gegeben Wie sich aus den beschlagnahmten Büchern und Notizen ersehen ließ, bewegte sich der Procentsatz, den dieser „Handelsmann" bei seinen Geschäften nahm, zwischen 12 und 140 Procent. Wie verlautet, hat sich aus der Untersuchung auch Material zu gerichtlichem Einschreiten gegen mehrere Geschästsgenossen Löb's ergeben. Zur Führung der Untersuchung ist ein Landgerichtsrath von Mainz eigens hierher committtrt, der täglich mit der Vernehmung von Zeugen zu thun hat. New york, 9. August, lieber die abnorme Hitze, welche zur Zett in Newyork herrscht, wird berichtet: „Es ist zu heiß, um zu leben; Jammer und Elend herrscht hier in jedem Hause. Worte können diese Hitze nicht beschreiben. Gestern starben in Folge der Hitze 194 Personen und zahllose Pferde." — In Havre hat sich in der Nacht zum 1. ds. ein junger reicher Engländer Namens Georg Graham den Hals durchschnitten. In einem hinterlassenen Schreiben gibt der Selbstmörder das regnerische Wetter als Ursache seiner That an. - DaS Reisen ist heutzutage Lebensbedürfntß, meinte der Bostoner Fabrikherr Jordan von der Firma Jordan, Marsh u. Co. Demzufolge veranstaltete er eine Lotterie unter seinen 3000 Angestellten und Arbeitern und führte die Glücklichen, welche die 25 Gewinnlose zogen auf seine Kosten nach Europa, um ihnen die alte Welt zu zeigen. Die Reisegesellschaft hat London bereits besichtigt. — Ein humoristischer Zwischenfall spielte sich dieser Tage in Alexandrien ab. Ein Herr richtete ein Schreiben an den Admiral, worin er sich beschwerte, daß eine zum „Inflexible" gehörige Granate in seinem Salon liege und bat um deren Fott- schaffung. Der Admiral sandte den Brief an den Capttän des „Inflexible", welcher den Hochbootsmann und ein halbes Dutzend Seesoldaten an's Gestade schickte, welche die große Bombe unexplodirt in dem Salon des Schreibers vorfanden. Da Vorsicht in dem Umgänge mit dem gefährlichen Geschosse geboten schien, wurde nach einiger Ueberlegung folgendes Auskunftsmittel, um es an Bord des Schiffes zu bringen, ersonnen. Ein Federbett wurde herbeigeholt und die Granate fest darin eingewickelt. Dann wurde es sorgfältig die Treppe hinunter und zurück auf das Schiff gerollt. — sEtne Wucheraeschichte.^ Aus Heidelberg wird eine Wuchergeschichte gemeldet, welche ihrer Großartigkeit und Frechheit wegen weiteste Verbreitung verdient. Ein dortiger Geldverlerher, vulgo „Cravattenfabrtkant", hatte, wie die „Köln. Volks-Ztg." berichtet, in den Jahren 1875 bis 1877 einem Studenten aus guter Familie nach und nach 6200 Mark geliehen, darauf aber Wechsel sich ausstellen lassten, die auf 60000 Mark sich belaufen. Die Wechselklage ist anhängig. Leider ist dem sauberen Geschäftsmann strafrechtlich nicht wohl beizukommen, weil die Bewucherung vor Einführung des Wuchergesetzes stattgefunden hat; civtlrechtlich aber wird sich die Sache hoffentlich doch noch etwas anders gestalten, als der menschenfreundliche „Geschäftsmann" es erwartet. — Der Schwager eines Angeklagten gehört unter die Personen, welche, auch wenn die Ehe, durch welche die Schwägerschaft begründet ist, nicht mehr besteht, zur Verweigerung des Zeugniffes berechttgt ist und welche vor jeder Vernehmung über ihr Recht zur Verweigerung des Zeugnisses zu belehren sind. Dieser letzteren Vorschrift muß, rote das Reichsgericht entschieden hat, bet jeder Vernehmung genügt werden, selbst wenn bei einer früheren Vernehmung der Zeuge, über das Recht der Zeugntß- verweigerung belehrt, erklärt hat, er wolle sich vernehmen lassen; denn der damals erklärte Verzicht kann als für die späteren Vernehmungen des Zeugen und namentlich für die Hauptverhandlung fortwtrkend, nicht gelten. Der des Rechtes der Zeugntßverweigerung ost unkundige Zeuge muß vor jeder Vernehmung hierauf htngewtesen werden. Schisfsbericht. Mttgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C. W. Dietz Nachfolger Gießen. Bremen, 15. Auaust. Der Norddeutsche Lloyddampfer „Elbe" trat seine letzte Reise nach Newyork am 2. August, 2 Uhr 30 Minuten Nachmittags, an und kam am Freitag den 11. August, 1 Uhr Nachmittags, in Newyork an, hat demnach die Reise von Bremen nach Newyork, einschließlich des Aufenthalts in England, in weniger als 9 Tagen und somtt schneller als auf irgend einer vorhergehenden Reise gemacht. Bremen, 16. August. Der Postdampfer Neckar, Capt. C. Pohle, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. August von Newyork abgegangen war, ist heute 9 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 10V, Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 152 Passagiere und volle Ladung. Handel und verkehr. Gießen, 16. August. Der gestern dahier abgehaltene Viehmarkt war sehr stark befahren. Es waren aufgetrieben: 1614 Stück Rindvieh und 270 Stück Schweine. Der Handel war lebhaft und standen die Preise bei Rindvieh denen des letzten Marktes gleich, die Preise bei Schweinen billiger. Nächster Markt Dienstag den 29. und Mittwoch dm 30. d. Mts-, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Limburg, 16. August. Rother Weizen JL. 19.50, Weißer Weizen JL —. Korn JL 12.40, Gerste JL —, Hafer JL 9.35, Erbsen JL —, Kartoffeln . Frankfurt, 16. August. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu JL 2.50—3.50, Stroh JL 1.50—2.00, Eier das Hundert JL 4.50—5.50, Stück 5 u. 6 Ä Butter 1. Qualität JL 1.25, 2. Qualität JL 1.10, Kartoffeln per Centner JL 2.50—3.50, .ausgek. Erbsen das Pfund 50 Buschbohnen per Pfund 8—12 \ Wirsing 8 H, Blumenkohl 15—50 H das Stück, 1 Hahn JL 1.00—1.50, 1 Huhn JL 0.00, 1 Poularde v*L 0—0.00, 1 Ente JL 1.80—2.00, 1 Taube 00 H, 1 Welschen JL 0—00, 1 Gans vtt 4.50-5.00. frtontfiiri a. M., 17. August, Nachmittags 2 Uhr — Mn. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactien 273, Staatsbahnactien 2973/«, Galizier 277, Lombarden 125%, Nord- westbahnactien 183 Ve, Darmstädter-Bankactien 159v», Oberschlesische E.-B.-Act. 254Va, Oesterr. Silberrente 66, 4% Ungar. Goldrente 759/ie, 4% 1880er Russen 697/0, 5% 1877r Russen 86’/4, 2. Orient-Anleihe 567/8, Spanier —, 5% Rumänische Rente —, 4% Unific. Egypter 58Ve» Tendenz —. Briefkasten. Herrn? Grünberg. Wir wollen die Sache auf sich beruhen lassen, zumal die Prügelei sammt ihren nothwendtgen Folgen unseres Wissens bereits zur Anzeige gebracht ist und demnächst zum Austrag kommen wird. Bekanntmachung. Die Erbauung eines Patronenhauses für die Garnison Gießen, veranschlagt zu 4400 Jt., soll in General-Entreprise an qualificirte Unternehmer vergeben werden. Hierzu ist ein öffentlicher Submisstons- Termin auf Samstag den 19. August, Vormittags 10 Uhr, im Garnison- Verwaltungsbureau anberaumt, woselbst Bedingungen, Kostenanschlag und Zeichnung zur Einsichtnahme ausgelegt sind. Gießen, den 14. August 1882. 5334 Großh. Garnison-Verwaltung. Arbeits-Vergebung. Nachfolgende Arbeiten sollen Samstag den 19. ds. Ms., Nachmittags 2 Uhr, in dem Rachhaus zu Groß- Buseck durch öffentliche Versteigerung vergeben werden: Maurerarbeiten, veranschlagt zu «X 54, 5348 ii ii ii ii n u n ii ii ii ii ii ii n n u ii ii ii ii ii ii n u n ii 75, 126, 12, 441, 66, 25, 10, 135, 20. Dorn, Bezirksbauaufseher. Dachdeckerarbeiten, Schreinerarbeiten, Schlosserarbeiten, Weißbinderarbeiten, Spenglerarbeiten, Steinlieferung, Chaussirarbeiten, Fuhrlöhne, Fertigen v. Faschinen, „ Voranschlag und Bedingungen liegen auf der Großh. Bürgermeisterei daselbst zur Einsicht der Jntereffenten offen. Groß-Buseck, den 15. August 1882. Freitag den 15. Septbr.. Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die Immobilien des Johannes Schneider II. FlurXXXIX/77Vio, 1076Mtr. Grabgarten rechts des Wiesccker-Wegs, XXXIX/777/io, 393 Mtr. Hofraithe daselbst, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. August 1882. Großherzogliches Ortsgericht. 5174 Müller. jH 1 I I I I I I 1 I 10001 I I I I I 1 I I I II I Linen Posten r T rein wollene Buckskin-Anzüge t I für Herren und Knaben verkaufe, um $ + damit rasch ?u räumen, bedeutend unter + J dem Preis. I » 5053 Hermann Katz, t ■H I I I I I I I I I 10001 I I I I I i i I 1 it Allgemeiner Anzeiger. Bekanntmachung. In Folge Beurlaubung des Großherzoglichen Rendanten Walther ist durch Verfügung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, Abtheilung für Steuerwesen, zu Darmstadt vom 11. d. Mts. zu Nr. F. M. St. 20377 die Verwaltung der Districts - Einnehmerei Gießen I dem Großherzoglichen Finanz- Aspiranten Meißinger provisorisch übertragen worden, was hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht wird. Gießen, den 17. August 1882. Müller, Ueberlieferungs - Commiffär. "SST Sö^sjGq.*[eg "SST ,nTn Ns