1882. - A Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täHlich mit Ausnahme des Bureau r (5chu!ftraße B. 18. PreiK v^rte^xührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlcchn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Betreffend: Die Wahlen der Bürgermeister in den Landgemeinden. Gießen, am 13. September 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir eröffnen Ihnen auf verschiedene Anfragen, daß, da nach Art. 31 der Landgemeinde-Ordnung die Bürgermeister auf neun Jahre gewählt werden und eine Ausnahme von diesen! Grundsatz im Gesetze nirgends gemacht wird, in Landgemeinden die Amtsdauer des gewählten Bürgermeisters in allen Fallen neun Jahre beträgt, somit auch dann sich auf diesen Zeitraum erstreckt, wann der betreffende Bürgermeister zum Ersatz eines vor Ablauf seiner gesetzlichen Dienstperiode aus dem Amte geschiedenen Vorgängers gewählt worden ist. Dr. Boekmann. Deutschland. Darmstadt, 14. Septbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 6. Septbr. den Oberamtsrichter bei dem Amtsgerichte Ortenberg, Otto v. Zangen, auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. November l. Js. in den Ruhestand zu versetzen. Berlin, 13. Septbr. Die Ersatzreservisten 1. Klasse des Jahres 1877 treten mit dem 1. k. Mts. zur 2. Klasse über, wobei sie jedoch zu beachten haben, daß, so lange die Überführung zur 2. Klasse auf dem dem Bezirksfeldwebel abzugebenden Erjatzreserve-Scheine fehlt, der Inhaber zur 1. Klaffe der Ersatzreserve gehört, von Jahr zu Jahr in die zunächst jüngere Jahresklasse versetzt wird und im Mobilmachungsfalle mit zur Einstellung gelangt. — In Frankfurt a. M. hat am 11. d. Mts. die große Katholiken-Ver- sammlung begonnen, welche sich durch die Anwesenheit der hervorragendsten Parteiführer, Windthorst, v. Schorlemer, v. Franckenstein, sich zu einer politischen Veranstaltung im großen Stil entwickelte. Die Stellung des Ultramontanismus in unserm ganzen politischen Leben ist nachgerade von so entscheidender Bedeutung geworden, daß man den Kundgebungen dieser Versammlung mit größter Spannung wird entgegensetzen müssen. — Man meldet aus Alexandrien: Dem Dr. Mackie gebührt das Verdienst, eine Frage angeregt zu haben, deren Wichtigkeit für die sanitären Verhältnisse nicht nur Egyptens, sondern ganz Europas in die Augen springt. Die bevorstehenden Kämpfe dürften Anhäufungen von egyptischen Tobten und Verwundeten zur Folge haben, welche, wenn von keiner Seite Hilfe geschafft wird, leicht den Ausbruch von Epidemien nach sich zu ziehen vermöchten. Dr. Mackie erläßt nun einen Aufruf an alle Egypter, in welchem zu Geldsannulungen zum Zwecke der Ausstellung von Ambulanzen für die egyptischen Soldaten aufgefordert wird. Der warm gehaltene Apell ignorirt gänzlich die Politik, betont ausschließlich den Standpunkt der Humanität, verweist die Egypter aus die ähnlichen Institutionen bei den civilisirten Nationen und stellt, wenn die Egypter mit gutem Beispiele vorangehen, auch Unterstützungs-Beiträge der Europäer, sowie die Aufnahme egyptischer Verwundeter in die europäischen Spitäler in Alexandrien in Aussicht. — Der internationale Antisemiten-Congreß in Dresden hat seine erste Hauptsitzung am Montage gehalten. Ihr ging eine geheime Besprechung voraus. Die Zahl der Anwesenden ist auf etwa 300 gestiegen, darunter Stöcker, Henrici rc., sowie mehrere Redacteure cor.servativer Blätter aus Berlin. Der erste Antrag gmg dahm, die Berichterstatter für die Presse auszuschließen. Durch Stöcker's Vermittelung wurde der Antrag indeß nicht angenommen; es mußten sich aber die anwesenden Berichterstatter verpflichten, ihre Berichte, ehe sie dieselben absenden, dem Vorsitzenden vorzulegen. Dann wurde die Discussion eröffnet, in welcher die Heißsporne darauf losgingen, ein Gesetz vom Staate zu erreichen, das die sofortige und völlige Austreibung aller Juden ermögliche — Stöcker brachte eine vermittelnde These ein, nach welcher die Juden für alle christlichen Völker eine hohe Gefahr bilden und Gesetze erstrebt werden müßten, welche ihr Uebergewicht unmöglich machten. Dieser vermittelnden Auffassung trat die Mehrzahl der Redner bei. Vorgeschlagen wurde auch noch, alle Juden nach Egypten zu schicken, wo sie em eigenes Königreich bilden sollten. Stöcker wünscht, daß ein Congreß zusammenberufen werde, um die praktische Frage zu berathen; auch müsse ein Centralorgan geschaffen werden, um der „Alliance israelite universelle“ die Spitze bieten zu können. Ein Judenmissions-Prediqer de la Roi aus Berlin will die Emancipation der Juden für ein Menschenalter ausheben. Um „gerecht" zu sein, macht er unter stürmischer Heiterkeit den Vorschlag, daß die Juden zwölf ihrer beredtesten Männer auf den Antisemiten- Congreß entsenden sollten, um die ihnen gemachten Vorhalte zu widerlegen. Danach trat eine Pause in der Berathung ein. Kassel, 12. Septbr. Der Juristentag hat nach dem „Berl. Taqebl." folgenden Beschluß gefaßt: „Beim Verlust von Werthpapieren, welche auf den Inhaber lauten oder indossirbar sind, ist mit dem gerichtlichen Aufgebot auf Ansuchen die Zahlungssperre zu verbinden. Für Zins- und Dividenden-Scheine empfiehlt sich eine selbstständige gerichtliche Zahlungssperre, wonach der Verlierer, falls Niemand Ansprüche erhoben hat, nach Ablauf der Verjäbrunasfrist sein Recht geltend machen kann." Arankreich. Paris, 12. Septbr. Ein französischer Oeconomist hat dieser Tage die Franzosen ob der drohenden deutschen Concurrenz damit getröstet, daß Bismarck's System Deutschland zu Grunde richte und für Frankreich die beste Revanche für Sedan fei. Der „Telägraphe" entgegnet darauf: „Zum Unglück für uns entwickeln die geschützten Industrien Deutschlands ihre Kräfte in enormen Verhältnissen, und jetzt führt, wie Herr Marteau (in den Annales du commerce ex- Urieur') bestätigt, Deutschland für mehr als 2 Milliarden Fabrikate aus, während wir nur für 1700 Millionen ausführen. Die Deutschen haben billigere Arbeitslöhne und billigere Kohlen, sie zahlen kaum halb so hohe Steuern als wir, und ihre Transporte sind minder schwer als die unfern. Wir begegnen jetzt den deutschen Fabrikanten in Concurrenz auf fast allen Märkten der Welt und besonders in Italien. Seit der Durchstechung des Gotthard verdoppeln sich die deutschen Einfuhren in Italien, während die unfern fortwährend Nachlassen." Wie dem begegnen ? Die Durchstechung des Simplon, die 720m nicht überstiege, wird zunächst empfohlen, um die Entfernung von Paris nach Mailand aus 835km zu kürzen, die jetzt durch den Mont Cenis 951 und durch den Gotthard 906km betrage. Die „deutsche Concurrenz" ist jetzt das Hauptthema des Tages; an Geld und Credit fehlt es den Franzosen nicht, man wird bauen und bauen und in dem Festungsgürtel an der Ostgrenze das nicht scheuen, um Frankreich zu decken. Deutschland weiß jetzt, daß man in Frankreich aus diesen Punkt sein Auge gerichtet hat. England. London, 12. Septbr. Der irische Mörder Francis Hynes ward heute vom englischen Henker Marwood im Kerker von Limerick aufgeknüpft. Bis zum letzten Augenblicke gaben sich Landligisten und Katholiken die äußerste Mühe, eine Begnadigung für ihn auszuwirken. Noch am Samstag Abend ließ das Parlamentsmitglied Sexton dem Vicekönig einen Brief des Arbeitsgebers des Delinquenten überreichen, worin Jener die freundschaftlichen Beziehungen zwischen sich und Hynes hervorhob. Auch schrieb Sexton selbst an Gladstone; und Gladstone war höflich genug, ihm zu antworten, daß er Lord Spencer angewiesen habe, jeden Fingerzeig zur Klarstellung der Sache zu benutzen. Zahlreiche Gebete stiegen gestern in den katholischen Kirchen der Graffchaft Limerick und Clare für Hynes. zum Himmel auf. Da seine Schuld sonnenklar ist, so beweist der Eifer, mit welchem seine Begnadigung verfolgt ward, nur das Eine, daß sein Mord politischen Beweggründen entstammte. Hynes selbst war merkwürdig gefaßt und schicksalsergeben. Sein letzter Schlaf vor der Hinrichtung war ruhig; er erhob sich früh, machte seine Sterbe-Toilette mit Hülfe zweier Gefängniß Wärter, frühstückte mit vielem Appetit, hörte die Messe, empfing die Sterbesacramente und betrat festen Schrittes das Schaffot. Vertreter der Presse waren nicht zugegen. Es ist noch nicht bekannt, ob er ein Bekenntniß abgelegt hat; bis gestern leugnete er jede Mitschuld an dem ihm zur Last gelegten Verbrechen. Während der Hinrichtung umstand eine dichte Menge das Gefängniß, zum Theil in inbrünstige Gebete für des Mannes Seelenheil versunken. Unruhen fanden nicht statt; allerdings hatte die Regierung das Gefängniß von zwei Compagnien Soldaten besetzen und außerdem 600 Extra-Constadler aus der Grafschaft nach Limerick kommen lassen. __ Aegypten. London, 14. Septbr. General Macpherson telegraphirt aus Zagazig, er habe einen Force-Marsch ausgeführt und unmittelbar nach der Eroberung von Tel-el-Kebir um 4 Uhr Nachmittags mit den indischen Truppen Zagazig eingenommen und fünf Züge mit Kriegsmaterial erbeutet. Der Gouverneur ergab sich, die Bevölkerung ist unterwürfig. — General Drury Lowe geht mit seiner Kavallerie in forcirten Märschen über Belbeis auf Kairo los. — Aus Tel-el-Kebir wird gemeldet: Heute geht das Hauptquartier nach Zagazig. Die Engländer sind im Besitz der Eisenbahn nach Kairo. Dieselben erbeuteten Kameele, Maulthiere, Pferde und Vorräthe für 20,000 Mann auf einen Monat. Das indische Kontingent hat sich bei Hamid (Abu Hammad?) mit der unter dem Befehl Drury Lowe's stehenden Kavallerie vereinigt und rückt auf Kairo vor. — Die Papiere Arabi's sind ebenfalls erbeutet worden. — Aus Alexandrien wird von heute gemeldet: Der in Kafte-Dowar commandirende Officier Arabi's hat an Scherif Pascha ein Schreiben gerichtet, in welchem er die Uebergabe anbietet. Arabi ist nach Kairo geflohen. Wolselcy hofft heute Benha zu besetzen und wird von da aus mit der Garde einen Vorstoß auf Kalyub, wenn nicht schon auf Kairo machen. — Tulba Pascha, der in Kafre-Dowar commandirt, sandte um 8 Uhr Morgens dem General Wood unter weißer Flagge das Angebot seiner Unterwerfung. Wood telegraphirte an Wolseley um Instructionen. Aus Kairo wird licher Glocken der Stadt, welches bis zur Einfahrt Sr. Maiestat des Kaisers ins Schloß anhielt. Im königlichen Schlosse war das Offizierkorps und eine Ehrenkompagnie des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101 (Kaiser Wilhelm, König von Preußen) mit Fahne und Musik ausgestellt. Dresden, ,14. September. In der Ansprache, welche der Oberbürgermeister Dr Stübel an Se. Majestät den Kaiser bei dem festlichen Einzug richtete, gab derselbe dem Danke dafür, oatz der Kaiser die festliche Begrüßung von Seiten der Stadt gestattet habe und der Versicherung wärmsten Ausoruck, daß Dresden keiner deutschen Stabt nachstehe an Treue zu des Kaisers Majestät und für des Reiches Herrlichkeit. Se. Majestät der Kaiser drückte, als der Oberbürgermeister seine Rede geendet, dem König Albert die Hand und grüßte bann banfenb ben Rebner. — Alle Häuser haben geflaggt und sind mit Blumen reich geschmückt, von allen Thürmen wehen Fahnen, die Hauptstraße, durch welche der Einzug erfolgte und die Brücke sind mit einem Wald von Flaggenmasten und Festons deconrt. Die von allen Seiten herbeigeellte Bevölkerung brachte dem Kaiser ihre Huldigung durch nicht endenwollende Jubelrufe dar. Bromberg, 14. September. Reichstags Stichwahl. Nach dem nunmehr vollständig vorliegenden Resultat erhielt Hempel (Fortschr.) 5198 St., o. Schenck (kon.) 4837 St. Ersterer ist somit gewählt Triest, 14. Sept. Ein orkanartiger Sturm durchriß heute Vormittag das Dach des eisernen Pavillons in der Ausstellung und beschädigte die im Mittelschiffe untergebrachten Objecte ziemlich erheblich. Restaurirungsarbelten wurden sofort begonnen und werden in ein paar Tagen beendigt sein. m. Darmstadt, 14. September. Die soeben erschienene Festnummer der „Zeitschrift für die landwirthschaftlichen Vereine des Großherzogthums Hessen zur Feier des 50jährigen Jubiläums dieser Vereine enthält folgenden „Z »'n Fe ste überschriebenen Gruß: „Fünfzig Jahre sind verflossen, seitdem die landwirthschaftl'chen Vereine des Großherzogthums elstanden sind — Ehre den Mannern, welche das Werk vollbrachten und Denen, die es männialich unterstützten, eine dankbare Erinnerung an alle Freunde der Vereine, die aus dem Leben abberufen wurden und an die, welche einem entfernten Beiufskrerse folgend, dem Hessischen landwirthschaftlichen Veretnswesen in ihrem Herzen Theilnahme und Freundschaft bewahrten! — Welche Summe von Nutzen die landwirthschaftlichen Vereine Hessens in diesem halben Jahrhundert gebracht haben, wer vermag es zu ermessen? Wenn wir aber im Stande wären, alle die Vor- tbeile zusammenzuftellen, welche der Landwtrthschaft und damit auch der gesammten Volkswirthschaft mittelbar und unmittelbar aus der Wirksamkeit der landwtrthschafl- lichen Vereine des Landes erwuchsen — Millionen und abermals Millionen Capital- werth würden sich daraus ergeben. — Die schlummernden Geister wurden geweckt, der Gemeinsinn, die beste Tugend des Bürgers, wurde gepflegt und gehoben, die Erfahrungen des Einzelnen wurden zum Gemeingut der Gesammtheit gemacht und damit in ihren Erfolgen vertausendfacht, die Ausbildung der Gesetze und öffentlichen Einrichtungen, den Interessen der Landwirthschaft entsprechend, wurde angeregt und vorbereitet , der Melioration und rationellen Cultur des Bodens, des Grundkapitals des LandwirtyeS, sind die Wege geebnet worden und die Vervollkommnung der gesammten Betriebs mittel, der eigentlichen Lebensnerven des landwirthschaftlichen Gewerbes, wurde nach allen den verschiedenen dabei in Betracht kommenden Richtungen in einem Matze gefördert, wie es ohne die Macht der Vereinigung nimmermehr möglich gewesen wäre. Die Schlacht bei Tel-el-Kebir. Allem Anscheine nach ist die Schlacht, die am M'twoch bei Tel-el-Kebir geschlagen worden ist, eine entscheidende. Es gelang den Engländern, m guter Ordnung und mit frischen Kräften an dir seindllchen Stellungen heranzukommcn und so das Treffen unter günstigen Umständen zu eröffnen. Die englische Ariiller e begann das Feuer; die Egypter antworteten Anfangs unregelmäßig, da sie offenbar des Angriffs sich nicht versahen, dann aber besserte sich ihr Feuer. Jetzt griff die englische Infanterie ein; unter stetem Feuer näherte sie sich den feindlichen Linien und gma dann zum Sturm mit dem Bayonnet über. Dem konnten die Egypter nicht widerstehen, sie wandten sich zur Flucht. Aber ihr nördlicher Flügel war bereits von der englischen Eavallerie umgangen und nur im Süden stand bei Weg zur Wüste noch offen. So geschah es, baß 3000 Egypter als Gefangene ben Englänbern in die Hänbe fielen, nach- bem 2000 gefallen waren. Die Englänber geben ihren Verlust auf 200 Tobe und mehrere Hundert Verwundete an. Unter ben gefallenen Engländern befinden sich ctele Officiere, ein Beweis dafür, daß die Führer an Muth den Truppen nicht nachstandcn. Die Hochländer-Brigade soll sich in der Schlacht besonders ausgezeichnet haben. Das weitere militärische Schicksal des englischen Feldzugs hängt von der Art und Weise ab, wie die Armee Arabt's das Schlachtfeld verläßt und wie die Engländer ihren Sieg auszunützen verstehen- Es ist schon glaublich, baß bie Egypter besorganisirt inb; es wirb sich aber erst zeigen müssen, ob sie zu einem wetteren W-berstanbe ab- olut unfähig sinb ober nicht. Die Englänber selbst haben ihre anfangs sehr abfällige Meinung über bie Wiberstandsfähigkett und den kriegerischen Geist der egyptlschen Truppen nachträglich einigermaßen rektifiziren müssen. Freilich ist nicht wahrscheir^ sich, daß Arabi seine Niederlage fo leicht verschmerzen wird. War ferne Armee auch wirklich, wie die am Samstag gefangenen Egypter aussagten, etwa 30,000 Mann stark, o ist ein Verlust von 2000 Tobten, ca. doppelt so viel Verwundeten und 3000 Ge- angenen schon ein tödtlicher Schlag, der Desorganisation in Folge der verlorenen Schlacht, des Rückzuges und der Flucht nicht zu gedenken. Außerdem muß man bet dm Orientalen noch etwas Anderes in Rechnung ziehen: den moralischen Eindruck. Mehr wie bei anderen Völkern ist bei den Orientalen der Erfolg maßgebend; die Kraft, die That, die Macht sind für sie die Zeugnisse der gerechten Sache. Wer sich schlagen läßt, den hat Gott geschlagen. Arabi hat nicht umsonst in den letzten Tagen und Wochen überall in Egypten Siegesnachrichten verbreiten lassen, und wenn alle Engländer, die er angeblich tobtete, wirklich tobt wären, so gäbe es in der Welt kaum ein Dutzend Engländer mehr. Auch außerhalb Egyptens, in Tripolis, Tunis, Algier und in Syrien siegte Arabi beständig und wurden die Engländer Tag für Tag bis zur Vernichtung auf's Haupt geschlagen. Auf diese Weise hielt der Dictator die Zuversicht und die Anhänglichkeit seiner Leute aufrecht. Damit bat es nun wohl ein Ende. Die kolossale Niederlage von Tel el-Kebir kann nicht vertuscht werden, die Engländer rücken unaufhaltsam vor, und nunmehr wird es manchem Muhamedaner klar werden, daß Arabi doch nicht der rechte Prophet war. Ohnehin wartet ein Theil seiner Egypter, die längst enttäuscht sind, nur aus ben günstigen Moment, um zu ben vollen Fleischtöpfen des viceköniglichen Egyptens zurückzukehrcn. Das werden die nächsten Tage wohl bezeugen. Zu befürchten ist nur, daß an einzelnen Stellen auch der wildeste Fanatismus der Muhamedaner aufflammt und an L-ben und E'genthum der Europäer, wo es ihm noch zugänglich ist, Rache übt. Hoffentlich sind die Engländer im Stande, •wnielbet daß eine Deputation von dort unter sicherem Geleit in Kafre-Dowar wartet um nach Alexandreen zu kommen. Arabi und Tulba Pascha sind Gefangene in Kairo. ®r- StQ-J _ Die „Times" bespricht die politische Lage nach der Niederwerfung Arabi Pascha's und meint, nach der Auflösung der rebellischen Armee müsse Sie Autorität des Khedwe in ganz Egypten Herg-Mt werden. Hierzu sei natürlich die Unterstützung der englischen Waffen erforderlich. Die Herstellung des An eben des Khediue und der socialen Ordnung durfte Monate beanspruchen und fei ein Ausgabe, wobei England den Beistand Anderer weder brauchen noch zulasten werde. Die Hand, ivelche gekämpft und gesiegt muffe die Fnedensbedin- aungen dictiren. Die Nation, welche Blut und Geld an das Werk gewendet, S die Regelung bewirken. Glücklicher Weise sei Grund zur Annahme vorhanden, diese Anschauung werde sich der gesunden Vernunft Europas empfehlen und die Zustimmung aller Mächte finden. -Mehrere Abend-Journale lassen sich aus Alexandrien telegraphiren, daß dort das Gerücht verbreitet sei, Arabi sei bei Benha gesangen genommen, sowie daß eine Deputation aus Kairo sich auf dem Wege nach Alexandrien befinde und bereits in Kafre-Dowar emgetroffen sei. Alexandrien, 14. September- Es sind Verhandlungen wegen der Uebergabe von Kasr-Dowar angetnüpft, die englischen Truppen haben Beseht erhalten, sich zur lNeikvuna der Stellung von Kasr-Dowar bereit zu halten. Besitzung m s ”frs5Don,ar ben Beseht sührende Offtcier hat em Schreiben an iSAerlf Vascha gerichtet, worin er seine Ergebung anbietet. Alerandrien, 14. September. Nach einer Depesche des General Wolseley vom 13 d sindstn Tel-el'Kebsi 50 bis 60 Kanonen erobert worben. .Arabi Pascha hat sich nach Kaüo begeben. Die englische Cav-llerie hat am 13. d Belbeis besetzt. General Wolselcy gebenft heute mit ber Infanterie baselbst einzutreffen unb hofft auch Benha N zu besetzen. Wenn alles gut geht, wollte Wolseley nach Galiub vorrücken, anderer- seits mit ber Garbe nach Kairo rnarschiren. — Die Vorarbeiten zur Unterwassersetzung bes trocken legenden Theiles des Mariutsees sinb beenbet; es würben die Dämme bei Mex durchstochen, das Wasser füllte ben Graben sofort dreiundeinhalb Fuß hoch. Die Operation ist indeß nicht genügend; neue Arbeiten sind erforderlich, um dem Wasserlaufe Richtung zu geben. — Der Commandant von Alexandrien meldet unter dem heutigen Tage, ein Officier aus Kafre-Dowar habe ein Schreiben überbracht, in welchem erklärt wird, die militärischen Führer der Insurgenten seien bereit, stch dem Mdwe ru unterwerfen und hätten Befehl gegeben, den un Kanal aufgefuhrten Damm zu öffnen. Der Officier habe General Wood ersucht, die telegraphische Verbindung wieder herzustellen und habe gleichzeitig bemerkt, daß die Insurgenten alle Feindseligkeiten eingestellt hätten. Port Said, 15. Sept. (Privat-Depesche). Dre Avantgarde der Engländer ist gestern Abend in Kairo mittelst der Eisenbahn eingetroffen und enthusiastrsch ausgenommen worden. Alle hervorragenden Persönlichkeiten der Jnsurrection haben sich unterworfen. btes zu verhindern. _ Die politischen Folgen bes Sieges von T'l-el-Kebir machen sich auch bereits bemerkbar. Es tft gewiß kein Zufall, baß bie „Times" gerabe heute ber Ansicht ist, baß alle Hindernisse bezügl'ch ber Militär-Convention überwunben seien unb daß dieselbe unverzüglich werbe unterzeichnet werben. Im Rebactionsbureau ber „Times" ober vielmehr f PU Ä Eure landwirthschaftlichen Vereine, da sind die Darum,^andwirthe schaart E j uw i vermehren, welche bereit sind, der harken Wurzeln Eurer Kraft helft^ie ä o ^^rmals fünfzig Jahren die landwirth- Sache zu di ' rum in verdoppelter Stärke dastehen und damit auch fch'iftlichen Vereine Hafens reden können, wie wir es heute von unseren unsere Nachkommen nur.Gutes von red en können, w^ Kraft des Vorfahren ^n . Niem ls ve^ag^ ^ 6 y^ler, an sich oft gering erscheinender Einzelnen zu.erringen,was o hochgehenden Wogen der Zeit, der drängenden Kräfte möglich wird. Allein, ^^ -ckelung gegenüber ist der Einzelne wie ein schwaches Nothwendigkeit ew r schnellen Entwickelung ge^ Quf bc» Bahn, auf der wir Rohr, das «der Sturm--rkmckd RMNg Trug und der blinden Selbst- säfon so Vieles erreichten und h Wahrheit und des Gemeinsinnes hoch; — dann A K-n imm-rfn d-n^sttn Reihen stehen im Kampf für das Wohl der gesammten Landwirthschaft unseres deutschen Vaterlandes! Jetzt ^r fröhlich zum Feste, willkommeNo^^ Frohsinn uns begleiten, Becher mlater schäumen und Freude herrsch' in allen Räumen I" Schauplatz einer Katastrophe ^wor Arbeiter mit der Bedienung der Kessel langen Seitengebäude waren am Abend.drei jtri völlig unaufgeklärten Ur- nlpfirArhnnbpn Der imeite dem gleichfalls die Kleider vom Leibe gesengt waren, luf in seiner Todesangst, obgleich ihn der Schmerz halb ohnmächtig gemacht hatte, ’JL' „ S X Mnte M In die Fluth. Dem dritten konnte man die brennenden Kleider noch vom Körper reißen. Trotz der schweren Brandwunden, die auTe? erlitten wirb ihm vielleicht das Leben erhalten bleiben können, wahrend der imeite wohl kaum wieder aufkommen wird. Beide wurden schleunigst nach Berlin in " <>rnnfenbau§ überführt. Inzwischen hatten die Flammen das ganze Haus ergriffen, nur der Umstand daß fast absolute Windstille herrschte und das ganze Gebäude im- prägn rt wÄ hatte noch etwas die Macht des Feuers gehindert Der Leiter der Fahrck N sofort einen Schlauch an den Dampfkessel anschrauben und begann selbst das N?ttunaswerk In kürzester Frist langte auch die Lichtenberger Feuerwehr auf der Brandstätte an der kurz nachher noch zwei Züge des Berliner Loschcorps folgten. Qur mit der größten Vorsicht konnten jedoch die Mannschaften vorgehen; in jebeni lugenÄick schabten bie Wackern, die mit Sicherheitslaternen vorgingen,m Gefahr, r)nfer einer erneuten Explosion zu werden. Man mußte sich Allem in Acht nchmen das kalte Wasser nicht in Verbindung mit den unter dem hohen Druck stehenden Rockwolle per Pfund von JL 1.20 an, Strickwolle in allen Farben und Qualitäten empfiehlt sehr billig 6006 Julius Schulze. 5920 Ein Pianino ist zu verkaufen. Näheres bei der Exped. ds. Bl. Kesseln zu bringen, eine Aufgabe, deren Befolgung unendliche Schwierigkeiten veranlaßte. Erhöht wurde die Gefahr dadurch, baß es ber Flammen wegen unmöglich war, bie Sicherheisventile der Kessel zu offnen. Zum Glück gelang es, bas Feuer, das bereits den ganzen Dachstuhl ergriffen, von zwei Seiten so zu umzingeln, daß man nach zweistündiger Arbeit dasselbe gelöscht hatte. Um HVr Uhr konnte die Berliner Feuerwehr die Brandstätte wieder verlassen. Telegraphische Dampsernachrichterr. Mitgetheilt von den General-Agenten Gebr. Gosewisch und Max Jos. Schröder, Mainz. New-York, 11. September. Angekommcn von Hamburg Dampfer „Bohemia" der Hamburg-Amerik. Packetfahrt-Co. New-York, 12. Septbr. Angekommen von Hamburg Dampfer ^Westphalia der Hamburg-Amerik. Packetfahrt-Co. und von Havre (Abfahrt 2. Septbr.) Dampfer -Canada" der Comp. Generale Transatlantique New-York, 13. September. Angekommen von Antwerpen (Abfahrt30. Aug) Dampfer „Schwitzerland" der Red-Star-Line.____________________________________ Handel und Verkehr. Gießen, 14. September. Auf dem am 12. d. Mts. dahier abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 1062 Stück Rindvieh und 346 Stück Schweine. Die Preise standen den früheren gleich. Nächster Markt Dienstag den 26. und Mittwoch den 27. d. Mts., am letzteren Tage auch Krämermarkt (Michaelimarkt). Kirchliche Anzeigen der Stadt Giesten. Evangelische Gemeinde. GotteSdienff: Samstag den 16. September. Nachmittags 2 Uhr: Beichte, Pfarrer Dingeldey. Sonntag den 17. September (15. nach Trinitatis). Vormittags 9Vr Uhr: Pfarrer Schlosser. (Zugleich kirchliche Feier des Geburtstages Sr. kgl. Hoheit des Großherzogs.) Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer,Dr^. Naumann. Der Gemeinde wird mitgetheilt, daß die diesjährige Dekanats-Synode am Montag, den 18. September d. I., in der Kirche zu Klein-Linden gehalten werden soll. Dieselbe wird eingeleitet durch einen Gottesdienst, der um 9V2 Uhr beginnt. In den Verhandlungen wird nach Abstattung des Jahresberichts die Frage behandelt: Was kann von kirchlicher Seite für die geistige und sittliche Hebung der confirmirten Jugend geschehen? Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom'17. bis 23. September besorgt Pfarrer Schlosser. Katliolischc Gemeinde. 16. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. i/810 Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Sakramentalische Andacht. Gotiesdieust in der Synagoge. Freitag Abend 6 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 7 Uhr. _______________________________ Mir gl-. Ollmuntz M so bai tßQnn bas s Angriffs SlGe Ingina dann rftepen, sie englischen offen. So Iden, nach- • Tode und n sich dele achstanden. iben. Ion der Alt ; Engländer Morgan ifirt :rfianöe ab: hr aMige egypl'schm vahrschein- lrmee auch Rann stark, ) 3000 Ge- verlorenen utz man bei en Eindrucl. d; die Kraft, sich fchlagen i Tagen und in alle Sng- [t laum ein Algier und iß biS gur .nbtr rücken Derben, ner SWP!e(' ottcn FM- y der wildeste t>er Europäer, r tm Stande, auch bereits! er Ansicht , und daß die-1 d.r T«,-s 6‘r* l Wson M pW s* W Ä K-tz Es M i 6® Di«' i! Ls 6ri"» an en®et< nie »Ls, ,d<« ® (6* Bestellungen nach Maß in kurzer Zeit ohne Preisaufschlag St. gute Auf- 5897 Pensionäre finden gul nähme- Gesunde Lage, schöne Bin Näheres bei der Exped. ds. Bl, »immer.. Gesucht £ vr Bureau G G 5892 C. Kliebe in Wetzlar. 5993 vr. Stück 8 Pf.. Rohbückir auch im vollzählig J. A. Busch Söhne. -empfehlen 5588 empfiehlt Chr. Duill. I. Volkert 5985 1j. 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Das letzte, dem Welthandel noch verschlossene Land. — Am Familientische: Christoffel Dauber von Jenua. — Die Giftigkeit der Morchel- Von Julius Stinde. Mit vier Illustrationen. Mit zwei illustrirten Beilagen: Bayerische Manöverbilder. Mit Abbildung: Skizzen von den bayerischen Manövern. Originalzeichnungen von Heinrich Lang. — Der Schiffbruch der „Mosel". Mit Abbildung: Wrack des bei der Sianalstation Lizard Head gestrandeten deutschen Dampfschtffes „Mosel". — Gewerbliche Umschau. — Friedrich von Lütke. Mit Porträt.__ 5998 Ein Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit wird per Michaelis zu miethen gesucht. Seltersweg C. 185, 1 Tr. h. wozu ergebenst einladet EL Vogel, Baugewerkss@hu.le ^u Wetalar. Anfang des Wintersemesters 23. Oktober 1882. 5996 Director Buumbaeh. 6001 Für mein Manufakturwaaren- und Confections-Geschäft suche ich sofort' einen tüchtigen Detailreisenden und einen Lehrling mit guten Schulkenntnisfem Butzbach. Herrn. Wießler. Bei mir kann gekeltert Vermietungen. 5988 In meinem Hause an der Nordanlage (Ecke der Scyillerstraße) ist der dritte Stock, bestehend aus 5 Zimmern mit Küche rc., zu vermiethen. _____________Rechtsanwalt Dr. Dittmar. 6003 Der 2. Stock meines Hauses ist zu vermiethen. Georg Beith, Schreiner, Löweng. 9. 6004 Ein kleines Familienlogis, sowie eine einzelne Stube sofort zu vermiethen bei Heinrich Roll, Mühlgasse.________ 6005 Ein möbl Zimmer zu vermiethen. L. Georg, Löwengasse. 6008 Schlafstelle zu vermiethen. __________Neustadt Nr. 8, Hinterhaus. 6007 Zwei Zimmer, möbl. oder unmöbl-, an einen ruhigen Herrn oder eine ruhige Dame zu vermiethen. ____________F r. Lam p u s. 6010 Ein möbl. Zimmer mit Pension zu vermiethen. _______Louis Gail, Mäusburg. 5978 Eine Wohnung, 4 Zimmer und Kabinet mit Zubehör, zu vermiethen und kann alsbald bezogen werden. Ries, Obergüterinspector. Für Schüler! Ein frdl- möbl. Zimmer zu vermiethen. Zu erfr. in der Exped. ds- Bl. 5963 8—10 Küfergesellen, auf Lagerfässer und Bottiche gut eingearbeitet, sucht sofort Bandwirthsehafts-Schule ju Weilburg a. d. L. Oeffentl. Prüfung zum Schluß des Sommersemesters 6. Okt. Das Wintersemester beginnt für die Abtheilung der Anstalt, deren Abgangszeugnisse zugleich zum einjährig- freiwilligen Militärdienst berechtigen, am 19. Okt., für die andere lWintercurse) am 6. Nov. Anmeldungen bis zum 15. Okt. an Director Matzat in Weilburg, welcher auch Programme (kostenfrei) versendet und weitere Auskunft ertheilt- 5552 Das Kuratorium r gez. v. Wurmb, Regierungspräsident in Wiesbaden. Sonntag den 17. und Montag den 18. Septbr.: