Sonntag den 16. Juli 1882 iehcner Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bureau r Schulftraße B. 18. Nr. 163. Zweites Blatt. Erscheint täglich mit «»«nahm- be6 Wonto.6. Wt'“* 2 r ?? Ä n Durch bte Post bezogen vrertelzahrlrch 2 Mark 50 Pf. Wochenschau. Gießen, 15. Juli. Das Interesse an den Vorgängen der inneren Politik wird zur Zeit fast vollständig durch das große Ereigniß auf dem Gebiete der auswärtigen Angelegenheiten, durch das Bombardement der Hafenbefestigungen von Alexandrien von Seiten der englischen Panzerflotte und das active Auftreten Englands in der egytischen Frage verdrängt. So sehr nun aber auch die Sprache der Kanonen dazu angethan ist, um das Vertrauen in den Weltfrieden zu erschüttern, so ist von dem Vorgehen Englands gegen Egypten doch noch lange keine Vernichtung des Einvernehmens der Großmächte zu fürchten. Ganz besonders ist die Politik des deutschen Reichskanzlers auch bemüht, das durch die englische Action allerdings etwas gelockerte Band der Eintracht unter den Großmächten zusammenzuhalten und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird bald eine Con- ferenz der Großmächte über die Ergebnisse des Bombardements von Alexandrien berathen und eine Herbeiführung der alten Ordnung in Egypten versuchen. Die Annahme, daß Europas und auch Deutschlands Politik von der englischen durchkreuzt worden wäre, ist trotz des tAllarmschlagens einiger großer Zeitungen offenbar sehr irrig. Die Großmächte, und zumal Deutschland, unterstützten allerdings ein Einschreiten des Sultans in Egypten, aber nachdem dies nicht zu erreichen war, mußte unter stillschweigender Billigung der Großmächte, England als zunächst betheiligte Macht einschreiten, aber jedenfalls wird die englische Action gegen Egypten unter der europäischen Controle bleiben. Das Geplänkel zwischen der klerikalen Presse und den Organen der Regierung in Sachen des Kirchenstreites dauerte die ganze Woche hindurch fort und erhielt die klerikale Partei, die mit einem Bunde mit der Fortschrittspartei der Regierung gedroht hatte, von der dem Fürsten Bismarck nahestehenden „Rordd. Allg. Ztg." einen förmlichen Absagebrief, während in anderen Regierungsblättern betont wird, daß die Regierung in ihrer Fürsorge für die Herstellung geordneter und friedlicher Uustände in den kirchlichen Angelegenheiten fortfahren werde, aber dem Staate nichts vergeben dürfe. Bei der am 12. Juli in Kol mar in Posen stattgefundenen Reichstagsersatzwahl siegte mit 4289 Stimmen der conservative Candidat Herr v. Kolmar, der Candidat der Polen, Herr Gajowieki, erhielt nur 1969 und der Candidat der Fortschrittspartei, Herr v. Saro-Saucken nur 952 Stimmen. In Freiburg im Breisgau fand am 12. Juli die feierliche Consecration und Inthronisation des neuen Erzbischofs, Dr. Orbin, im Beisein der Vertreter der Großh. Badischen'Behörden statt. Der Handels- und Schifffahrts-Vertrag Deutschlands mit Mexico, welcher am 13. Juli abgelaufen war, ist bis Ende des Jahres 1882 verlängert worden, bis wohin hoffentlich die Verhandlungen soweit gediehen sind, daß ein neuer Vertrag zwischen der deutschen und mexikanischen Regierung abgeschlossen werden kann. Oesterreichs innere Politik bietet zur Zeit eine ziemliche Ebbe dar, zumal die Reorganisation des österreichisch - ungarischen Heeres glimpflich für die Staatskassen in Wien und Budapesth zu verlaufen scheint und die öffentliche Meinung deshalb über die Heeres-Organisation sich wieder beruhigt hat. Auch in Bosnien ist Alles ruhig. Das französische Cabinet ist anläßlich der Ereignisse vor Alexandrien in ein scharfes Gedränge gerathen, denn alle Gegner der gegenwärtigen französischen Regierung klagen dieselbe an, Frankreichs Interessen in Egypten sehr schlecht wahrzunehmen, England einen Vorsprung gelassen und trotz großer Rüstungen nichts ausgerrchtet zu haben. Leicht ist daher die Stellung der französischen Regierung gegenwärtig keineswegs, obwohl man abwarten muß, welche Aufschlüsse der Ministerpräsident de Freycinet den Kammern ertheilen wird. Was es unter diesen Umständen mit der Festfreude an dem großen Rational- feste der französischen Republik am Freitage geworden ist, dürfte daher bedenklich erscheinen, wenn auch die Vorbereitungen dazu, besonders in Paris, wo auch das neue Rathhaus eingeweiht wurde, großartige waren. Von der englischen Regierung erwartete natürlich alle Welt Aufschluß über das von der englischen Flotte vollzogene Bombardement der Hafenbefestigungen Alexandriens und über die Stellung Englands zur europäischen Conserenz. Der englische Premierminister Gladstone hat sich beeilt, die betr. Aufklärungen zu geben und im Parlamente erklärt, daß das Einvernehmen der Großmächte fortbestehe und von dem Bombardement Alexandriens ein wichtiges Resultat für die Lösung der egyptischen Frage erwartet wird. England verfolge keine selbstsüchtigen Zwecke, sondern es gelte nur, den Gewalthaber Arabi Pascha aus Egypten zu beseitigen, der die Niedermetzelungen der Europäer in Alexandrien ununtersucht ließ und den Vicekönig, wie ganz Egypten, vergewaltige. Deutschland und Oesterreich hätten auch das Bombardement für legitim (?) erklärt und auch zwischen England und Frankreich bestehe keine Entfremdung, wenn sich Frankreich auch nicht an der Action gegen Arabi Pascha betheiligt habe. Berlin. Ueber das lawinenartige Anwachsen des kaufmännischen Proletariats spricht sich ein Bericht aus, den der Berliner Verem junger Kaufleute erstattet hat und den auch der von den Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft erstattete Bericht erwähnt. Im Großen und Ganzen ist es eine für Jeden augenfällige Thatfache, daß sowohl die wissenschaftliche Vorbildung, wie die berufliche Ausbildung der Handlungsgehülfen mehr als sehr viel zu wünschen übrig läßt. In sehr vielen Fällen wird zwischen den Schulkenntnissen zweier junger Männer, von denen der eine eine kaufmännische Lehrzeit, der andere die eines Handwerkers vollendet hat, ein wesentlicher Unterschied nicht zu bemerken sein. Der angehende Handwerker wird sich jedoch eine Menge technischer Kenntnisse angeeignet haben, die ihm zu einem anständigen Lebensunterhalt verhelfen müssen; der junge Kaufmann dagegen, der sich nicht ungern für etwas „Besseres" als ein Handwerker zu halten geneigt ist, steht ohne solche tatsächliche Kenntnisse an der Schwelle des Lebens und besitzt vielfach wenig mehr, als einige Handfertigkeit, die ihm jeder einigermaßen intelligente, aber sonst nicht gebildete Arbeiter bald abgesehen haben wird. Daher ist denn auch nur zu wohl erklärlich, wenn dies mehr als mangelhafte Wissen der sog. jungen Kaufleute dieselben allzu leicht in die Arme der Roth und des Elends treibt. Trotz dieser täglich für Jeden zu machenden Erfahrung streben dennoch der lieben Eitelkeit wegen Viele nach dem „höheren" Berufe des Kaufmannes; daß es aber so Vielen leicht gemacht wird, die ersten Schritte der kaufmännischen Carriöre zu beschreiten, rührt zum großen Theil auch mit daher, daß viele Prinzipale das Princip der Massenausbildung von Kaufmanns-Lehrlingen befolgen, und statt eines Gehülsen, den sie honoriren müßten, eine Anzahl von Lehrlingen anstellen, die eine Zeit lang umsonst arbeiten müssen, und die sie laufen lassen, ohne für deren spätere Lebensschicksale irgend welche Verantwortung zu übernehmen, sobald dieselben ausgelernt haben, d. h. sobald dieselben nach 3 oder 4 Jahren freiwilliger und unbezahlter Arbeit den doch sehr gerechtfertigten Anspruch auf Remuneration erheben. Daß ihre Remuneration bis dahin nicht einmal die virtuelle einer entsprechenden Verschaffung der ihnen nöthigen kaufmännischen Kenntnisse gewesen ist, ist der traurige Schluß dieses Circulus vitiosus; denn würden die jungen Leute solche erreicht haben, dann würde es ihnen — nicht weniger als einem tüchtigen Handwerksgesellen — leicht sein, ihr Brod zu finden; so aber, kenntnißlos und unwissend, wie sie die Lehrzeit verlassen, bilden sie nichts als neue Massen an der Lawine des Proletariats, die uns so schwer bedroht und gegen die ein Schutzwall zu sein, der Zweck der socialpolitischen Bestrebungen der Regie- rung ist. — ecr ßbtr= t)cfien vo m 5. it nÖ L°uter gegen den Ausschluß ihrer . 3" Betreff des » J’, al§ Kreisstraßen entschied der Promnztalausschutz, Straßenstrecken,v°v> der JU ^werfen und die Gemeinde Lauter >ur Gablung d-r Kasten des Verfahrens, sowie eines Aversionalbetrages von M in die Provinzialkasse zu verurtherlen sei. Die Beschießung von Alexandrien. Es ist für England gar keine Veranlassung vorhanden, aus dem relativen Erfolge, welchen die Panzerflotte vor Alexandrien davongetragen hat, irgendwllch- günstige Schlüsse auf die technische Vollkommenheit und artilleristische Leistungsfähigkeit seiner Kriegsmarine zu ziehen. Voraussichtlich wird aber nach dieser Richtung hm von John Bull der Mund gewaltig voll genommen werden und in ganz England eitel Freude und Entzücken herrschen über die „wundervolle" Wirkung der Woolwich-Geschütze; es dürfte deshalb am Platze sein, die ungeheure Verschiede-heit der Kampfmittel, wie sie vor Alexandrien bestand, etwas näher zu beleuchten. Die englische Flotte, welche die Niederkämpfung und theilweise Zerstörung der Forts und Hafenbatterien durchführte, enthielt die größten und bestarmirten Panzerschiffe, die das Land überhauvt besitzt. Zu geschweigen von dem Jnvtncible, haben die Schiffe (Monarch, Sultan, Alexandra, Superb) in den 38 Tons-Geschützen eine sehr respectable Lelstungs- fähtgkett, insofern diese Geschosse von über 7 Ctr. Gewicht mit 1V4 Etr. Ladung verfeuern bet eurer höchsten Schußweite von 5000 M- Sehen wir uns dagegen die Widerstandsfähigkeit und bte Armtrung der ägyptischen Werke an. Es waren zu bekämpfen die Forts, welche die Hafeneingänge vertheidigen sollten und einige Zwischenwerke in der Form von Strandbatterien. Erstere sind in Stein nach dem veralteten Etagensystem ausgeführt und entbehren der Panzerthürme oder sonstiger Wehren, die gegen die furchtbare Sprengwirkung der schweren Geschosse Schutz gewährten. Die Strandbatterien waren in der Form von Erdwerken mit schwachem Profil hergestellt, also noch weniger im Stande, den Verheerungen der minenartig wirkenden Panzergranaten zu trotzen. Als Geschützausrüstung standen den Aegyptern zu Gebot eiserne Küstengeschütze veralteter französischer Modelle und als bestes Geschütz eine Anzahl schmiedeeiserner Kanonen von 21 Ctm- Durchmesser, die im Jahre 1868 von Armstrong construirt worden waren und deren Geschoß noch nicht dem dritten Theil des Gewichts des 80 Tons-Geschützes gleichkam. Rechnen wir hierzu eine mangelhaft ausgebildete Bedienungsmannschaft auf ägyptischer Seite, das Fehlen technisch vollkommener Hilfsmittel, wie sie der jetzige Stand der Artillerie erfordert, weiterhin das Fehlen von Torpedos und Seeminen, welche ja heutzutage die furchtbarsten Angriffsmittel gegen Schiffe bilden, so sind die Umrisse der beiderseitigen Kräfte gegeben Es kommt hierzu noch, daß die meisten der ägyptischen Geschütze nicht einmal die englischen L>chiste erreichen konnten, während die Engländer in beinahe absoluter Sicherheit ihr Geschütze richten und abfeuern konnten. Daß trotzdem aus Setten der letzteren 40 ^et - wundete gezählt werden, erscheint uns als eine anerkennenswerthe Leistung der agyp ,cy Der unparteiische Leser mag aber nach alledem darüber entscheiden, ob e- gerade als eine besondere Heldenthat anzusehen ist, daß die englischen Panzerko ost h' unendlich überlegenen Geschützausrüstung nach mehrstündigem Kampfe die Äwn, schlecht gebauten und noch schlechter armirten Forts bezw. Erdwerke zum Schweigen gebracht haben. Die Sache kommt so ziemlich auf dasselbe hinaus, als w I , einem W'nchefteEepetirgewehr ausgerüstet ist. Jagd aus > einen macht, welcher nichts zu seiner Vertheidigung besitzt, als eine alte rostige Vsttose- p f möcbten wir \ Zum Schlüsse unb (amentlid) »ur aber darauf Hinweisen, daß das 40 E'm.-Geicyuy bda ji ■ stärksten der Engländer noch jeder Richtung bin üb-rl-g-n fft 2(®ftrbefjrointeI Quf englischen Panzer, wie iyn der Inflexible oestyl, w mirflidt xu bedauern 4580 !W. und Sei 60 Grad ouf «XÄ ' nI ent s-chenden Bedi-nungs- daß den armen Aegyptern nicht einige fouper jcrupp xu gestalten als mannhaft«, ju G-boie W-mM-nS M.lbm mir Wm Neue holl. Bollhäringe eingetroffen. 4685 Gg. Chr. Spruch. Röhe Kaffees ” in besten Qualitäten, von 90 H bis 1.60, 3644 gebräunten Äaffcc in feinschmeckenden Sorten von 1.20 bis JL. 1.60 per Pfund empfiehlt »J, Kelter^ Neustadt D. 62. Die Entscheidungsgründe lauten: m _ . . .. , , D e Ent cheidung der Frage, ob der Krersausschuß mit Recht bte Uebernahme hpr in der Gemarkung Lauter gelegenen Vicinalstraßen als KrelsUraßm verweigett habe bannt u ™ ft« L'inie von bet Auslegung oer pos. 2 d-s Art 7 des Gesetzes oorn 97 yinnl 1881 ab. Nach derselben sind ausgeschlossen von der Uebernahme alle Kunst- ffrXn deren Straßenkörper so mangelhaft gebaut oder unterhalten ist. daß em Neubau Nald einttetkn müßte. In dieser Bestimmung kann nur der Ausdruck Neubau eine nere Prüfun,veraZunächst constatirt werden, daß Zweifel über die Be- deutuna des Wortes Neubau als vollständig berechtigt erscheinen und daß es nach dem nilnemetnen Svrachgebrauche näher ließt, unter dem Neubau einer Kunstslraße deren nm E dauung .n alleu ihren Theilen zu verstehen in welchem Sinne auch derselbe Ausdruck ohne allen Zweifel in Art. 9 gebraucht tft. Aber gerade diese nach dem Korackaebrauche näher liegende Bedeutung des Wortes Neubau führt zu dem Bedenken, daß bei dieser Auslegung die fragliche gesetzliche Bestimmung im ganzen Lande in keinem einzigen Falle Anwendung sinden konnte und deshalb geradezu als überflüssig erscheinen müßtet Außer dem Falle einer künstlichen Sprengung ober Demoürung ift fein Fall benkbar, m welchem ber Straßenkörper einer Kunststraße so mangelhaft gebaut oder unterhalten sein könnte, daß eine neue Erbauung in allen ihren Theilen alsbald emtreten müßte. Auch die fehlerhafteste Anlage und die nachlässigste Unterhaltung wird niemals eine gänzliche Erneuerung aller Thetle der Straße erfordern, sondern es werden immer noch einige übrig bleiben, die ganz oder wenigstens theilweise n ihrem dermaligen Zustande verbleiben können und wird es sich deshalb dann immer nickt um den Neubau der ganzen Straße, sondern einzelner Thetle derselben handeln. Fcklt auch die Decke, so wird doch der Grundbau verwendbar fern, und wäre auch dieser gänzlich unbrauchbar geworden, was ganz unmöglich ist, so blieben doch noch Banquette, Gräben, Kanäle und Brücken zur Verwendung übrig. Bevor man sich aber der bedenklichen Annahme fügt, daß em erst in der neuesten Qett erlassenes Gesetz eine gänzlich unanwendbare Bestimmung enthalten sollte, erscheint es geboten, eine Prüfung m der Richtung eintreten zu lassen, ob denn diese lediglich auf den Wortlaut gegründete grammatische Interpretation des Gesetzes nicht im Wege einer logischen Interpretation beseitigt werden könnte. Bei dieser logischen Interpretation kommt nunmehr zunächst in Betracht die ratio legis, bte Absicht des Gesetzgebers. In dieser Beziehung geben die Motive folgende Ebenso wenig kann dem Kreise angemuthet werden, mangelhaft erbaute ober ungenügenb unterhaltene Vicrnalftraßen zu übernehmen; denn damit würben die Ge- meinben, die ihren Pflichten hinsichtlich des Wegbaus nur nachlässig»genügt haben, in dieselbe günstige Lage versetzt werden, wie die Gemeinden, die ihren Verpflichtungen vollständig nachgekommen sind, außerdem läge aber auch die Gefahr nahe, daß einzelne Gemernden ihre Wege bis zur Uebernahme derselben durch den»Kreis gar nicht mehr unterhalten möchten. Daß in dem Falle mangelhaften Zustandes einer Vicinalstraße die ganze Strecke in der der Mangel hervortritt, von der Uebernahme ausgeschlossen bleibt bedarf wohl keiner näheren Begründung, aber allerdings soll eine einzige, nicht erhebliche Beschädigung der Straße nicht Grund zur Ablehnung der Uebernahme sein können. Wortlaute der Motive kann auch nicht der mindeste Zweifel darüber obwalten, daß der eine Factor der Gesetzgebung den Ausdruck Neubau nicht im Sinne einer neuen Erbauung aller Thetle der Straße, sondern der Erneuerung einzelner Thetle verstanden wissen wollte. Daß aber auch der andere Factor der Gesetzgebung, die Land- stände mit dieser Absicht vollständig einverstanden war, geht unzweifelhaft hervor aus der Thatsache der in beiden Kammern erfolgten Annahme eines Antrages des Abgeordneten Freiherrn von Nordeck zur Rabenau, der dahin lautet: „Großhe»zog- Uche Regierung zu ersuchen, darüber zu wachen, daß bis zum Zustandekommen eines neuen Wegbaugesetzes das bestehende Gesetz, namentlich in Bezug auf Unterhaltung ber Vtcinalwege streng gehandhabt werde." In Folge dessen wies bann auch Großh. Ministerium des Innern die Kreisämter an, die Ortsvorslände darauf aufmerksam zu machen, daß eine Uebernahme der Unterhaltungspflicht auf andere Korporationen nur in den Fällen zum Vollzug gelangen werde, in denen die bis letzt verpflichteten Gemeinden die betreffenden Straßen dis zur Uebernahme ordnungsmäßig unterhalten und erhalten haben werden." p ' Für diese weitere Interpretation spricht aber auch noch der Wortlaut des Gesetzes in Art. 7 zweiter Absatz in fine und in 2M. 8. Der erstere fügt ber Bestimmung, daß im Falle der pos. 2 von ber Uebernahme burch ben Kreis bie ganze zwischen zwei Ortschaften gelegene Strecke ausgeschlossen Hn soll wenn auch nur ein Theil berfelben bes Neubaues bebarf, b«e Einschränkung bei- immerhin barf aber biefer Theil nicht ganz unerheblich sein- Ein Neubau aller Thetle eines ganz unerheblichen Theiles einer Straße kann aber niemals vorkommen unb schließt baher auch biese Bestimmung bie Interpretation bes Wortes Neubau im engeren Sinne unbedingt aus. Art. 8 lautet*. , . . . a „ . „ , „Wirb eine Straße, bie aus ben unter 1, 2 und 4 des Art. 7 angeführten Gründen nicht alsbald von dem Kreise übernommen worden ist, durch bie betreffende Gemeinde neu gebaut ober umgedam, so tritt bie Uebernahme burch ben Kreis mit bem auf die Vollendung nächstfolgenden 1. April ein; erfolgt ber Aus- ober Umbau durch ben Kreis, so übernimmt derselbe auch sofort bie Unterhaltung " Wenn dieser Artikel, m bem ausbrücklich auf Art. 7 pos. 2 Bezug genommen ift, nur von einem Ausbau ober Umbau, nicht aber von einem Neubau handelt, so kann auch in Art. 7 pos. 2 unter Neubau nur ein Aus- oder Umbau, also eine theilweise Erneuerung verstanden sein. _ Die vorstehende Auslegung entspricht aber auch vollständig dem Principe des ganzen Gesetzes, das die unvermögenden Gemeinden dadurch erleichtern will, daß es die Unterhaltung vom 1. April an dem Kreise überweist, in dessen Kasse die vermögenden Gemeinden den vielfachen Beitrag von demjenigen leisten, was die unvermögenden Gemeinden zahlen. Diese Wohlthat beginnt am ersten April, und zwar nur für diejenigen Gemeinden, welche der Voraussetzung des Gesetzes entsprochen haben, indem sie die Wege in einem ordnungsmäßigen Zustande überliefern Nach dem 1 April begünstigt bas Gesetz die armen Gemeinden vor den reichen; vor diesem Tage behandelt es beide gleich, indem es für decke denselben Maßstab für die Uebernahme anordnet. Hätte das Gesetz die Ablehnung der Uebernahme nur von der Nothwendigkeit des Neubaues im engeren Sinne abhängig gemacht, so würde es hierdurch eine Prämie auf bie möglichste Vernachlässigung der Vicinalwege gesetzt haben, und jeder Orts- vorstand würde die Rücksicht auf das finanzielle Interesse seiner Gemeinde schwer verletzt haben, wenn er nach Erscheinen des Gesetzes zur Unterhaltung ber Vicinalwege noch ngenb etwas verwilligt haben würde. In Bezug auf die Beantwortung der zweiten Frage, ob bei Annahme der obigen Auslegung der gesetzlichen Bestimmung die materiellen Voraussetzungen für die Anwendung derselben vorhanden sind, kann nach dem Ergebnisse des Augenscheines und dem Gutachten des für bie zweite Instanz bestellten Experten auch nicht ber mmbefte Zweifel obwalten. Der Experte bestätigt auf Grund bes Augenscheines bas Vorhanbensein sämmt- licket von bem Kreisausschusse beanstandeten Mängel, erklärt, daß biese Mängel nach den auch jetzt noch maßgebenden Bestimmungen der Instruction für die Ausführung des Vicinalwegbaues vom 11. Juli 1838 nicht zu dulden seien und refumirt sein Gutachten dahin, daß sich die sämmtlichen in der Gemarkung Lauter vorhandenen Wege in einem schlechten Zustande befänden. Dieses Gutachten wird unterstützt durch die actenmäßige Thatsache, daß die im Jahre 1879 erbaute Strecke zwischen Lauter und der Staatsstraße überhaupt noch keine Unterhaltungskosten veranlaßt hat und daß für bie sämmtlichen sehr frequenten Strecken nach zehnjährigem Durchschnitt pro Kilometer nur 92 Jl. und speciell im letzten Jahre 1880 nur 75 Unterhaltungskosten erwachsen sind, während dieselben im ganzen Kreis im Durchschnitt dieser 10 Jahre 163 JL pro Kilometer betragen haben. Nach der von dem Experten zweiter Instanz als richtig anerkannten Darlegung des Experten erster Instanz tft auf allen Wegstrecken Erneuerung der Decken auf erheblichen Theilen dieser Strecken erforderlich. Da schon durch diese Thatsache allein die Ablehnung begründet erscheint, so bedarf es keines Eingehens auf die weiteren Ablehnungsgründe. In Betreff des Recurses desJ.K. Schneider zu Schmitten wegen der Beigeordnetenwahl daselbst erkannte der Provinzialausschuß, daß der Recurs als unbegründet zu verwerfen und Recurrent in die Kosten des Verfahrens sowie zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 5 JL. in die Provinzialkasse zu verurthetlen sei. Die Entscheidungsgründe lauten: Der Recurs erweist sich: I. als formell unzulässig unb zwar a. weil ber Kreisausschuß enbgültig entschieden hatte; b weil er nicht beim Kreisausschusse angezeigt und gerechtfertigt ist; H. als materiell unbegründet. ad I. a. Nach Art. 25 der Landgemeindeordnung findet in dem Falle, wenn eine Wahl für ungültig erklärt wird, unverzüglich eine nochmalige Wahl statt. Es kann somit gegen eine die Wahl vernichtende Entscheidung des Kreisausschusses von keiner Seite ein Recurs verfolgt werden, wie dies durch übereinstimmende Entscheidungen der Prooinzialausschüsse ber brei Provinzen ausbrücklich anerkannt worben ist. ad I. b. Nach Art. 104 ber Kreisorbnung ist ber Recurs gegen bie Entscheidung des Kreisausschusses bei diesem anzuzeigen und zu rechtfertigen und nicht, wie Re- current gethan hat, bei dem Provinzialausschusse. ad 11. Der Kreisausschuß hat mit Recht angenommen, daß Recurrent, der als Invalide kerne Einkommensteuer zahlt, in Gemäßheit des Art. 13 der Landgemeindeordnung nicht als stimmfähig und demzufolge auch in Gemäßheit des Art 15 nicht als wählbar zu betrachten sei. Die Bestimmung des Art. 7 im Gesetze vom 8. November 1872 Über die ßanb- tagswahlen, wonach „diejenigen activen Militärpersonen und Invaliden, welche gesetzlich Einkommensteuer nicht zu bezahlen brauchen, in Bezug auf ihre Stimmberechtigung so betrachtet werden sollen, als entrichteten sie Einkommensteuer," darf auf die Gemeinbevorstandswahlen bei dem Schweigen des Gesetzes nicht analog übertragen werben. Entscheidungen des Großh. Ministeriums des Innern über Gemeindevorstandswahlen pag. 9. Literarisches. Die populär-wissenschaftlicke Universal-Bibl'othek „Das Wissen ber Gegenwart", (Preis pro Band nur 1 JL. Verlag von G. Freytag in Leipzig), der auf dem ganzen Gebiete der deutsche« Zunge das Interesse der Gebildeten entgegenkommt, schreitet rasch vorwärts. Der 3. Band, ber wiederum ber historischen Abtheilung angehört, ist eine Fortsetzung des ersten, bildet aber rote dieser ein für sich abgeschlossenes Ganze. Als zweite Abtheilung der Geschichte des 3Ojährigen Krieges von Professor Dr Gindely, behandelt er den niedersächsischen, dänischen und schwedischen Krieg dis zum Tode Gustav Adolf (1622—1632). Es ift ein ereignißvolles Jahrzehnt, dessen vielfädtges Gewebe der Historiker in diesem Buche entwirrt. Während eine kurze historische Übersicht dieser Periode nur große Gegensätze des religiösen Fanatismus aufzudecken scheint, erhalten wir hier, in biefA kritisch historischen Darstellung aller Details, Einblick in die zahllosen ökonomischen, dynastischen und streng persönlichen Interessen, welche diese Gegensatz' stets steigerten, theils kreuzten und in Wahrheit erst die bewegenden Momente jener kriegerischen Verwirrung erkennen lassen, welche Deutschland so lange zerfleischte, auf lange Zeit hinaus wirtschaftlich niederdrückte, aber im Hinblick auf den Sieg einzelner befreiender Elemente doch nicht als eine ganz fruchtlose bezeichnet werden kann Von hervorragendem Interesse m dem vorliegenden Bande sind namentlich die Kapitel, welche den Regensburger Kurfürstentag, die erste Action Gustav Adolfs und den Kampf zwischen Wallenstein und Gustav Adolf beleuchten. Die beiden größeren Charactere des 3Ojährigen Krieges erscheinen da scharf und treu gekennzeichnet. Die geistig beherrschten und nach ihrem ursächlichen Zusammenhänge wohlgeordneten Thatsachen führen eme beredte Sprache. Wallenstein, der energische, lücksichtslose Kraftmensch, unb Gustav Adolf, der ehrgeizige Idealist, erheben sich in dieser Beleuchtung aus dem Nebel des rasch fertigen Allgemeinurtheils in jene Sphäre der Charakteristik, in der die Individualität mit eigcnthümlicher und lebendiger Physiognomie cmmuthet Der Forscher wird sich an den neuen Details des Buches, jeder Leser aber an dem aufflarenben Einblick in das mannigfaltige Spiel ber Kräfte, welche bie Ereignisse einer so tief bewegten Zeit bestimmten, erfreuen. Nicht zu unterschätzen sind die eigenartigen Illustrationen, die dem Texte beigegeben sind. Sowohl die Poriraits (Gustav Adolf, Wallenstein, Gras Buquo und Maximilian von Baiern), als die zahlre eben aus ber Zeit der dargestellten Periobe stammenden unb in ihrer Naivität sehr beredten Darstellungen der Kämpfe und Städte sind wohl geeignet, die Anschaulichkeit der Darstellung zu erhöhen und in den Geist der geschilderten Periode zu versetzen. Allgemeiner Anzeiger. Keilgeöote«es. 4549 Außer dem so beliebten Gußkuchen bringe meine vorzüglichen O b ft- k u ch e n in empfehlende, Erinnerung; empfehle gegenwärtig Heidtlbcer- und Kirschkuchen in bester Qualität, täglich frisch. Zwieback in bekannter Güte. 4549 August Guitr, Lindenplatz. Flaschenbier, Gießener Actien-Exhort ä 23 Psg., „ Lagerbier ä 18 Psg. alle Arten Liqueure und Branntwein, Selters- und Sodawasser empfiehlt 3643 I. Retter, Neustadt D. 62. Frisch abgeschnittene Rosen empfiehlt Gärtner Schaum. 3854 4362 Das Spccialitäts - Wäsche-, Weitzwaaren «nb Ausstattungs-Geschäft von. M. 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Hug wird dre Leistungsfähigkeit und Solidität derselben nach- gewiesen. __ Meine chemlich reinen nngegyprten Natnrweine, von denen der Herr pr. Biuchyf , eideter Chemiker der KönlJ. Gerichte und de* Polizei-Präsidii zu Berlin gesagt hat: Iche primitiven Weine Sädfrankrelcbs (wie die Ihrigen) sind wir in Deutschland cht gewöhnt Es liegt euch wahrscheinlich das Danziger Versehen an der für den Chemiker zur Zeit noch mangelhaften Kenntniss reiner südftanzösischer Weine, > wie die Ihrigen keinerlei Veredelung erfahren haben«, welche Worte □ein Stolz und die beste Belohnung meines Bestrebens sind und bleiben werden, in mit meinem eigenem Namenssiegel verschlossenen */i und h Literflaschen sot^ie illustrirte Preis-Courante sind zu haben in meinen obenstehend verzeichneten Oentralgeaohäften, sowie auch in meiner Niederlage in 0l6886N bei 8. ElSOffcr. 4461 E e ■pmqat) tn» itq 08 ~a puicssp u; zahlen wir Demjenigen, welcher bei Gebrauch von Goldmann’s Kaiser- Zahnwasser jemals wieder zann- schmerzen bekommt. Einziges Mritel zur Erhaltung schöner, weisser und gesunder Zähne bis in das spateste Alter. 5o6 8. Goldmann & Co., Dresden, Nlarienstrasse 20. In Giessen nur allein echt zu haben bei Heinrich Wallach. ..jj- • -7 t~ ■ o 41 1 G. Neidlingen, Giessen, Reichensand-Bahnhofstr. Naturweine sind keine gleichmässig menschlichen Fabrikate, sondern Produkte der selbst schaffenden Natur, demnach wie diese selbst, nicht immer gleich in rarbe oder Geschmack, stets aber gesünder und besser in ihrem primitiven und natürl ihm Zustand, als verbesserte, gegypste, mundrecht oder wer weiss womit kristallschön gemachte Weine. Seit 1876 20 Central-Geschäfte nebst eigenen Weinstuben (billige Küche, Weine per */4 Liter ohne Preisaufschlag) und 210 Filialen in Deutschland. Neue Filialen werden stets gern vergeben. Vermischte Anzeigen. 4739 Ein ordentliches Mädchen für Küche und Hausarbeit wird zu Ende August nach auswärts (Oberhessen) gesucht. Frankfurterstraße E. 84. = •3 c- . ja *** d o .5 Si M S • .E* ® p . £ ® «3 V Wanzentinktur vertilgt fofort Wanze mit Snrt * N 50.2). Erfolg garantirt. Niederlage be Carl Hoffmann. Heindeu nach Maass in guten Stoffen und solider Arbeit empfiehlt unter Garantie des Gutsitzens 3421_____ H. Rübsamen» Dettfedern und Daunen bester Qualität empfiehlt zubilliaen Preisen Herm. Aug. Muller, Leinen-, Wäsche- u. Bettwaaren-Geschäft, Schulstraße. 4688 TeXtor's DierkeUer.Z Frima Lager-Export. Nur vom Faß, direct vom Eiskeller. .2 • L U * • ® -4 4? ’ m ü. . -Q g .g .’s -I E .2 5 "d h c § 5 4697 Zur Pflege einer kranken Dame wird eine kräftige, anständige Person als Wartfrau solche, welche gut empfohlen, wollen sich melden bei der Exped. ds. Bl. Ankauf von Lumpen und Knochen, Papier, Akten. 3763 Louis Rothenberger, ___Neuenweg 194._____ Für Spengler In einem größeren Orte unweit Gießen ist ein Spenglergeschäft preiswürdig zu übernehmen. Näheres bei der Exped. ds. Bl. 4724 4312 Das prämiirte Buch über die Berlin Centralgeschäft: 25. Wallstrasse 25. I Berlin 2tes Geschäft: 11. Leipzigerstr. U. Berlin 3tes Geschäft: Jeruselemerstr. 48. Berlin 4tes Geschäft: Alexanderplatz Berlin 5tes Geschäft: Friedrichttr. 103. I Berlin 6tes Geschäft: 133. Linienstr. 133. Berlin 7tes Geschäft: I 7. Elsasterttr. 7. |