Fvitaq den 16. Juni 1882 srr. 137 llt ton, Erscheint mit Ausnühtne des RlontagS. Bureau: Schulstraße B. 18. (ML haaren Steifen Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark SO Pf. Deutschland. Darmstadt, 14. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute mllitärische Meldungen entgegen und empfingen den Oberstlieutenant z. D. Francks bisher Bezirkscommandeur in Gießen, den Landstallmeister v. Willich, den Oberbaurath Horst, den Baumeister Harres, den Rechtsanwalt Krug; zum Vortrag den Geh. Staatsrath Knorr, den Ordenskanzler Generallieutenant v. Grolman, dell Hofcerenlonienlneister v. Werner. — Ernannt wurden: Am 10. Juni der Hofgerichts-Canzlist i. P. Julius Roth in Gießen zum Registrator bei dein Landgerichte der Provinz Oberhessen; ferner: der Schreibgehülfe Franz Wolf in Mainz zum Registrator bei dem Landgerichte der Provinz Rheinhessen. Berlin, 14. Juni. Beim Reichskanzler waren gestern die Führer des Centrums, der Conservativen, der Reichs- und der nationalliberalen Partei, Franckenstein, Minnigerode, Kardorff und Bennigsen zum Diner geladen, um über die Geschäftslage zu berathen. Man einigte sich darüber, den Reichstag durch ein Gesetz auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Fürst Bismarck äußerte, er beabsichtige, den Reichstag im December einzuberufen. Die Vertagung soll Sonnabend erfolgen. Der Reichskanzler wird ein Schreiben an den Reichstag richten zur Entscheidung über diese Vertagung und nachdem der Reichstag für dieselbe sich ausgesprochen hat, wird das betr. Gesetz an den Reichstag gelangen. — In diplomatischen Kreisen ist hier von einer Nachricht über die Ermordung Tewfik Pascha's nichts bekannt. Politische Ueberficht. Gießen, 15. Juni. Im Reichstage hat am Montag die entscheidende zweite Lesung der Tabakmonopol-Vorlage begonnen. Schon die äußere Physiognomie des Sitzungssaales bewies, daß etwas Ungewöhnliches vor sich gehen müsse, denn Saal und Tribünen waren stark besetzt, während in den Corridoren sich Hunderte drängten, die vergeblich Einlaß begehrten. Nachdeiu zunächst der Nachtragsetat für 1882/83 in zweiter Berathung angenommen worden war, ergriff der gleich vom Beginn der Sitzung an anwesende Reichskanzler Fürst Bismarck das Wort zum eigentlichen Gegenstand der Tagesordnung, zur Monopvlvorlage. Fürst Bismarck gab allerdings zu, daß das Tabakmonopol ein Nebel sei, aber er warf zugleich die Frage auf, wo man sonst die Mittel hernehmen wolle, um Die von den Bundesregierungen für nothwendig erachteten Reformen durchzu- sühren. Der Kanzler wies dann daraus hin, daß die Reichsregierung bei Vorlegung des Monopol-Entwurfes von dem Gedanken geleitet worden sei, die Steuerzahler zu entlasten; die Klassensteuer müßte beseitigt werden, denn die Veranlagung derselben in den untersten Stufen führe zu zahlreichen, meist fruchtlosen, Pfändungen und im Zusammenhänge hiermit zu schweren socialen Noth- ständen. Im weiteren Verlaufe seiner Rede führte Fürst Bismarck aus, daß das Monopol im Reichstage namentlich aus Fraktiouspolitik bekämpft werde, wenn er trotzdem an seinem Platze bleibe, so geschehe dies nur auf Wunsch seines kaiserlichen Herrn, er für seinen Theil würde viel lieber draußen auf Dem Lande sein. Der Kanzler kam dann ausführlicher auf deu nationalen Gedanken zu sprechen, wobei er namentlich hervorhob, daß jetzt, im Gegensatz zu früher, die Dynastien national seien, während im Reichstage der Fraktions- PartikularismuS herrsche, den er nicht brechen könne. Mit dem Ausruf: „Lassen Sie endlich das Nationalgefühl in den Vordergrund und das Fraktions- Zriteresse in den Hintergrund treten", schloß Fürst Bismarck seine mehr als zweistündige Rede, welche von der liechten mit lautem Beifall, von der Linken mit demonstrativem Zischen aufgenommen wurde. Den Ausführungen des Kanzlers gegenüber boten bie der übrigen Redner wenig Interesse dar, von denen sich Dr. Treitschke für, Dr. Barth und Dr. Bamberger gegen das Monopol erklärten. Zum Schluß sprach noch Slaatssecretar Scholz, welcher den Kanzler gegen den vom Abg. Bamberger gemachten Vorwurf, Bismarck habe in seiner Rede zu viel preußische Politik getrieben, vertheidigte und darauf hinwies, der Kanzler habe wegen des Zusammenhanges mit den Reichssteuer-Angelegenheiten die preußischen Verhältnisse beleuchten müssen. Am Dienstag setzte der Reichstag die Debatte über die Monopolvorlage fort und lehnte am Mittwoch den § i der Vorlage mit 276 gegen 43 Stimmen ab. Das Schicksal der bekannten Resolution Lingen's, welche in ihrem ersten Theile sich gegen jede weitere Erhöhung der Tabaksteuer und im zweiten Theile gegen alle eventuellen anderweiten Steuererhöhungs-Anträge erklärt, ist noch immer nicht gewiß, doch scheint unter den Reichstagsparteien, mit Ausnahme der Fortschrittspartei, wenig Neigung zur Annahme des zweiten Theiles dieser Resolution vorhanden zu jein. In der letzten Fraktionssitzung des Centrums bezüglich der Resolution Lingen's soll es zu sehr stürmischen Auseinandersetzungen gekommen sein; die größere Hälfte der Partei nahm schließlich den Antrag Windthorst an, wonach beide Theile der Resolution Lingen's abzulehnen seien. Der Beschluß der französischen Deputirtenkammer, wodurch die Unabsetzbarkeit der Richter in Frankreich für aufgehoben und deren Wählbarkeit erklärt wird, i)t trotz des Widerspruches des Justizministers Humbert erfolgt. Derselbe reichte deshalb seine Entlassung ein, doch ließ er sich vom Präsidenten der Republik, Grevy, schließlich befummelt, seine Demission zurückzuziehen und dafür einen einmonatlichen Urlaub zu nehmen. — In der Sitzung der Deputirtenkammer vom 12. Juni richtete der Deputirte Tenot eine Anfrage an die Regierung bezüglich der blutigen Vorgänge in Alexandrien. Der Mini- sterpräsident Freycinet konnte nur eine mangelhafte Auskunft ertheilen, doch versicherte er, daß die Regierung _ unverzüglich alle Maßregeln ergreifen werde, welche für die Sicherheit der französischen Staatsangehörigen und der Ehre Frankreichs in Egypten nothwendig seien. Der Leichnam Garibaldi's ruhet nun bis auf Weiteres in der für ihn in aller Eile bereiteten Gruft auf dem einsamen, sturm- und wogenumbrausten Friedhöfe von Caprera. Darüber, ob der Leichnam schließlich doch noch verbrannt oder aber nach Rom überführt werden soll, wie es die Mehrheit der italienischen Nation wünscht, um dort auf dem Janiculus, einem der 7 Hügel öer „ewigen" Stadt feine definitive Ruhestätte zu finden, ist noch immer nichts befannt. Am vergangenen Sonntag hat in Rom die feierliche Uebertragung der Hüfte Garibaldi's nach dem Capitol stattgefunden. Gegen 170 politische, sowie Arbeiter* und Humanitäts-Vereine nahmen an der Ueberfiihrung Theil. Ein achtspänniger Wagen führte die Colosfalbüste, welche von den Veranstaltern der Demonstration dem Syndicus der Stadt Rom übergeben wurde. — Das italienische Panzerschiff „Castelsidardo" ist von Port Said am Suez-Canal nach Allexandrien abgegangen. In Rußland ist zur Stunde der Rücktritt des Ministers des Innern, Grafen Jgnatieff, das hervorragendste Ereigniß. Der kaiserliche Ukas, welcher bi e Annahme des mit den üblichen Gesundheitsrücksichten motivirten Demissions- Giesuches Jgnatieff's ausspricht, ist, ebenso wie die Ernennung Tolstoy's, des Präsidenten der Petersburger Akademie, zu seinem Nachfolger, in einem am 12. Juni ausgegebenen Supplementblatte des „Regierungs-Anzeigers" veröffentlicht worden. Graf Jgnatieff bleibt allerdings Mitglied des Neichsrathes und Generaladjutant des Kaisers, doch kann er in dieser Stellung nicht mehr den geringsten Einfluß auf den Gang der politischen Angelegenheiten ausüben. Mit Graf Jgnatieff ist aus dem Nathe des Czaren ein Element beseitigt, das entschieden deutschfeindlich auftrat und dessen Wirksamkeit nachgerade drohte, die traditionellen guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland zu trüben und deshalb begrüßen gerade wir Deutsche den Sturz Jgnatieff's mit besonderer Genugthuung. Der norwegische Storthing, welcher sich schon seit langer Zeit zur schwedisch-norwegischen Regierung in einem tiefen Gegensätze befindet, hat jüngst wiederum einen Beweis seiner republikanischen Halsstarrigkeit gegeben. Er lehnte nämlich den von der Regierung eingebrachten Antrag auf Erhöhung der Apanage des Kronprinzen anläßlich feiner Vermählung mit der Prinzessin Victoria wiederum ab, hierdurch allerdings nur wenig Tactgefühl an den Tag legend. Die blutigen Ereignisse in Alexandrien sind ein leider nur zu trauriger Beweis dafür, wohin die falsche Behandlung der egyptischen Frage Seitens der Westmächte geführt hat. In den Zusammenstößen zwischen den Europäern und den Eingeborenen sind fast sämmtliche Consuln mehr oder weniger schwer verwundet worden. Soweit bis jetzt bekannt, soll die Anzahl der Todten auf europäischer Seite 49, auf derjenigen der Eingeborenen 5, die Zahl der Verwundeten europäischerseits 80, bei den Eingeborenen 28 betragen. Es ist begreiflich, daß in Folge dieser Vorfälle in Alexandrien große Erregung herrscht und daß die europäischen Colonieen und die fremden Consuln große Beunruhigung zeigen. Der türkische Commissär Derwisch Pascha hat sich auf die erste Kunde von diesen Ereignissen von Kairo nach Alexandrien begeben, ob es ihm aber gelingen wird, die entfesselten fanatischen Massen der Araber zu beruhigen, ist noch sehr fraglich. Gießener Anzeiger Amts- nnd Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. ermietben: i im Vvrbchms unb eine lbenhaus bei ist Kröll, MersMg. neunbl. Logis sofort zu mhi Hrn. Dr. Älumv L»re Minft S. Or. Lpru-k. freundliche B#' »WS* *’S*t91w n «Ki-K W* ,(.n0@a’b Kngtand. London, 14. Juni. Die Consuln haben allen irgend abkömmlichen Europäern gerathen, Egypten zu verlassen. Sämmtliche Generalconsuln werden dem Khedive nach Alexandrien folgen. — Unter den Gemordeten in Alexandrien befindet sich auch ein deutscher Commis, W. Biedermann. — Englische Blätter melden: Die Europäer verlassen nach der Abreise des Khedive in großer Zahl Kairo. Der italienische Consul notificirte die italienischen Unterthanen, abzureisen. Malet äußerte den Wunsch, die Engländer möchten gleichfalls abreisen, jedoch nicht in osficieller Weise, um die Panik zu vermeiden. Arabi Bey ist Herr von Kairo. Die Alexandrien verlassenden Schiffe sind mit Flüchtlingen überfüllt. Die Fahrgelegenheit ist ungenügend Malet bleibt noch einige Tage in Kairo. Die Consuln gehen heute nach Alexandrien. Arabi ist erbittert gegen England.____ Deutscher Reichstag. 18. Sitzung. Mittwoch, 14. Juni. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 11 Vr Uhr. g« Am Tische des Bundesrath is: o. Bötticher, Bitter, Scholz, Dr. o. Mayr, v. Fortsetzung der zweiten Berathung über das Tabakmonopol. Ab? A ck e r m a n n (Sachsen) erklärt sich gegen bie Vorlage tft " bereit, der Regierung diejenigen Mittel zu bewilligen welche Mr die Durch ührung ihrer Steuerreformpläne unerläßlich sind. Em r so ties m alle Privatoerhaltn sie n- icbneidenden Maüreael wie ne in der Borlage uns entgegentritt, könne er n cht zu- Nmmen nam°n°Iich°n°chd°m L bie öffentlidje Meinung faft. «u8na»miilo8 jrt Monopol erklärt hat- Auf solche Kundgebungen müsse auch die Volksvertretung Rücksicht nehmen. Bei dieser Sachlage habe es ihn überrascht, daß dem Reichstage über; bauet e ne solche Vorlaae gemacht worden sei. Es wäre nicht mehr noth'g gewezen, etti"Verbiet des Reichstags^ einzuholen, da bereits eine mit großer Majorität gefaßte Resolution de/ Reichstags und ein Beschluß des Volkswirthschaftsraths gegen das Monopol vorltegt Die Monopolvorlage ser wenig geeignet, die socialpolitischen Plane des Kanzlers zu unterstützen. Die finanziellen Bedenken treten bei dem Monopol mehr in den Hintergrund, vorzugsweise sind es die wirthschastlichen Bedenken, welche die Annahme des Monopols unmöglich machen. Redner bespricht sodann die bezüglichen Verhältnisse in Sachsen; die Tabakindustrie sei boit eine aufblühende, Sachsen könne dieselbe gar nicht mehr entbehren und detzhnlb erkläre er sich entschieden gegen das Monopol. Reichskanzler Fürst Bismarck: Er sei gestern Geschäfte wegen behindert gewesen, den Reichstagsverhandlungen beizuwohnen. Schon vorgestern habe der Abgeordnete Bamberger sich in scharfer Weife gegen seine (des Kanzlers) Politik erklärt, aber er habe in dessen Rede nichts gefunden, was die vorliegende Frage überhaupt berührt. Herr Bamberger habe nur seine Politik im Allgemeinen angegriffen, daran sei er aber schon gewöhnt und habe darauf nichts zu erwidern. Dagegen habe er beute Kenntniß von der Rede des Abg. Richter erhalten, die eingehender die Frage selbst behandelt, die uns heute beschäftigt- Er vermeide in der Regel, mit Richter selbst in Diskussion zu treten, denn er finde in der Art, in welcher dieser spricht, eine Art Selbsteinschätzung. In Bezug auf diese Selbsteinschätzung treffe seine Meinung mit der des Abg. Richter nicht vollständig zusammen und doch sei es schwer, auf Vorwürfe gewisser Art anders als in demselben Tone zu antworten. Er werde indeß versuchen, in den Grenzen seiner Erziehung und seiner Gewohnheit zu antworten. Richter habe ihm zunächst vorgeworfen, daß seine vorgestrige Rede nur eine neue Auflage der früheren Rede gewesen. Richter sollte doch, wenn er selbst in einem Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen. Er (Redner) komme mit viel weniger Wiederholungen aus, wie der Abg Richter, denn er halte sich stets an die Sache. Richter habe ferner auf die Steuerexekulionen bingewiesen und behauptet, daß dies die Folge der neuen Wirlh- schaftspolitik sei. Er (Redner) habe aber in der Hauptsache von den Exekutionen dir Jahre 1876 und 1877 gesprochen, auch von 1880, wie sollte da die Wirkung der Zölle 2C. auf die Exekutionen damals schon bemerkbar gewesen sein! Er könne das, was er behauptet habe, nur wiederholen, und wenn er im Amte bleibe, werde er noch recht oft den Exekutor vorführen, so lange, bis entweder er oder der Steuerexecutor tobt ist. Rebner bespricht ausführlich bie Wirkungen bes Getreibezolles mit Bezug auf ben Consum und führt aus, daß dieser vollständig zurücktrete vor der Thatsache, daß die deutsche Getreideproductton mit einer vollen Mark pro Centner directer Steuer belastet sei; dieser Betrag müsse aufgebracht werden, wenn die Landwirthschaft nicht zu Grunde gehen solle. Es sei nicht wahr, was der Abg. Richter behauptet, daß diejenigen, welche weniger als 140 Thaler jährliche Einnahme haben, von der Classensteucr befreit sind; es existtrt gar kein Hausstand, der weniger als 140 Thaler Einnahmen hat. Die Argumentationen Richter's für die Classensteuer sprächen gerade gegen dieselbe. Was die Auswanderung anlange, so sei diese am stärksten gerade in den dünner bevölkerten Provinzen. Eine Ausnahme hiervon mache nur Ostpreußen, wo die Fortschrittspartei eine heilsame Verwaltung führt. (Heiterkeit.) Die wahre Ursache aber sei, daß die Ostpreußen ein stark ausgeprägtes Heimathsgefühl hätten- Der bisherige Mangel an Schutzzöllen und ebenso der Druck der directen Steuern gebe auch noch heute den Grund dafür ab, daß gerade die am wenigsten bevölkerten Provinzen das Hauptkontingent für die Auswanderung stellen. Was ferner die behaupteten Versprechungen anlange, so könne er doch nichts versprechen, was er nicht habe; er habe niemals einen Pfennig verspiochen, er habe nur Wünsche geäußert- Wolle also Richter ihn unterstützen, so sei er bereit, die in Aussicht gestellten Erleichterungen eintreten zu lassen. Aber er glaube nicht, daß diese Art der Opposition zur Consvlckirung des Reiches beitragen kann. Auch er halte die Gebäudesteuer für ungerecht, denn sie treffe das Vermögen ebenso wenig wie die Grundsteuer; auch habe er früher wiederholt hervorgehoben, daß für die großen Städte mit Bewilligung des Landtags ein Ausgleich geschaffen werden müsse. Wo beabsichtigt denn Richter Ersparnisse zn machen? Glaubt er denn, daß es mir Vergnügen macht, eine so große Armee zu halten? Ich weiß nicht, ob es unseren Nachbarn, Frankreich und Rußland, Vergnügen macht, eine so große Armee zu unterhalten, auch habe ich das nicht zu untersuchen, sondern einfach mit der Thatsache zu rechnen. Als Centralpunkt in Europa gelegen, ist Deutschland mehr als jeder andere Siaat der Koalition anderer Mächte ausgesetzt, und wenn .ch mir in der auswärtigen Politik em Verdienst anrechne, so ist es die Verhinderung einer übermächtigen Coalition gegen Deutschland (Zustimmung.) Das wäre mir aber ohne die deutsche Heeresorganisation nicht gelungen und ohne den Respect, den wir mit unserer wohlgeschulten Armee einflößen. Also an d-er Armee rühren Sie nicht, das ist die Meinung der Majorität der Nation; bei diesem Punkt hört die Gemüthlichkeit auf. — Richter sagt ferner, die Resolution Lingens wolle nicht für ewige Zeiten die Steuern ablehnen; es erinnert dies an das Wort: Diesem Ministerium bewilligen wir keine Steuern. Wenn ich Souverän wäre, hätte ich schon vor Jahren Richter und seine Freunde zu Ministern berufen, um nur zu sehen, wie sie wirthschaften und um sie zu kuriren. Der Reichskanzler wendet sich sodann gegen die Ausführung Richters, daß es nicht mehr möglich gewesen für den preußischen Landtag, das Verwendungsgesetz gründlich zu berathen; wenn nicht andere Gründe mitgewirkt hätten, die $eit habe dies ja erlaubt, denn in früheren Jahren habe der Landtag nicht blos über den Monat März und Mai hinaus, sondern auch im August und September getagt. Wenn Richter über mein Regiment klagt, so möge er doch nach England sehen, wo mein College Gladstone noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Auf die Verhältnisse in Frankreich h.nzuweism, will ick nur in Rücksicht auf die Empfindlichkeit daselbst versagen; in Bezug auf England kann ich das eher, dort kennt man meine Gesinnung für England. Ich will Sie auf Oesterreich, Cisleithanien verweisen, wo in Folge der maßlosen Forderungen der deutschliberalen Partei die Dynastie, deren Bestreben es gewesen, sich auf die deutsche Partei zu stützen, sich schließlich gezwungen sah, die anderen Parteien als Stütze zu benutzen. Ich habe schon im Jahre 1847 auf die Schwierigkeiten der sogen, parlamentarischen Regierung hingewiesen, wo der regiert, der die Majorität hat und die schließlich zu Coalitionsministerien führen muß. Bei uns ist eine Parteiregierung schlechterdings unmöglich, weil die Fortentwickelung der Parteien nach links ihr das Regieren unendlich erschweren wurde. Der Abg. Bamberger hat fein Recht, im Namen der deutschen Nation hier zu sprechen und Richter hat nicht mehr Recht als ich, sich als Vertreter des deutschen Volkes zu geriren. Wenn ich hier als Vertrauensmann des Kaisers stehe, so glaube ich ebenso sehr auf die Sympathien des deutschen Volkes Anspruch zu haben, als ein Abgeordneter, der nur vielleicht mit knapper Majorität gewählt ist. Wenn ich nicht die Nation verträte, so hätte mich ein Sturm längst von dieser Stelle weggefegt. Herr Richter hat aus meiner Rede bie Sprache bes Absolutismus herausgehört. Ich finde das Neichsrnteresse gegenwärtig besser durch die Dynastie als durch das Parlament gewahrt und namentlich durch meinen Herrn, den König von Preußen. Wenn ich in die Lage käme, daß ich zwischen dem Parlament und meinem'Vaterland wählen müßte, dann wäre meine Wahl nicht zweifelhaft. Was endlich meine deutsche nationale Gesinnung anbetrifft, die Herr Richter in Zweifel zieht und meine Arbeit für die nationale Einheit betreffend, so muß ich widersprechen, da kann Herr Richter doch nicht mitkommen. (Lebhafter Beifall rechts, Zischeii links.) Abg. Dr. Bamberger: Der Reichskanzler habe kein Recht, sich darüber zu beklagen, daß man sich von der Sache entfernt. Fürst Bismarck habe weder vorgestern noch heute von der Sache gesprochen. Er (Redner) könne nicht einmal von sich sagen, daß er sich allzu weit von dem vorliegenden Gegenstände entfernt habe. Er halte nun einmal das gegenwärtige Wirthschaftssystem des Reichskanzlers für falsch und für Deutfchland schädlich und zwar in dem Maße, daß er, falls er bie Wahl hätte, er bent Monopol für ihn als bem kleinen Nebel den Vorzug geben würde. Er kämpfe gegen dieses System, weil er in demselben nichts weiter als eine schablonenhafte Nachahmung des Auslandes erblicke. Der Kanzler habe gar kein Recht, ihm vorzuwerfen, daß er französische Ideen in sich ausgenommen. Die Schutzzollpolitik sei von Frankreich im-' portirt; für die französische Volkswirthschaft habe sich allein der Reichskanzler begeistert und das Monopol selbst sei eine französische Jnstntion. Wie also habe Fürst Bismarck die Beweise, daß er (Redner) sich in französischen Jdeenkreisen bewege, wahrend der Kanzler die teutonischen Ideen vertritt. Das deutsche Tabaksmonopol sei ebenso eine Chimäre, wie die gemischten Gedanken, die man mir unterschiebt. Er könne verlangen, daß man seine Gesinnungen nicht herabzieht im Gegensatz zu meinem ganzen Leben. Er habe auch im Auslände niemals vergessen, daß er deutscher Patriot ist. Er sei unter seinen politischen Freunden der erste gewesen, der für die Politik des Reichskanzlers im Jahre 1866 eingetreten ist; er habe sich damit den Spott und Hohn aller seiner früheren Gesinnungsgenossen ausgesetzt. Was würde Fürst Bismarck sagen, wenn ch sein Leben ebenso interpretiren würde. Ich habe ein vorwurfsfreies und bekanntes Leben hinter mir und er hat kein Recht, mit Bezug auf mich einen verächtlichen Ausdruck anzuwenden. Ich habe aüein dazu fein Recht, in dem Sinne des Herrn Reichskanzlers zu sprechen, aber ich glaube die Ansichten der Motive zu kennen während der Kanzler sich mit einer Corona umgeben, die es nicht mehr wagt, offen etwas Unangenehmes zu sagen. Der Kanzler kennt aber die Meinungen des Volkes nicht mehr. Reichskanzler Fürst Bismarck: Er stehe hier nicht als Vertreter in seiner eigenen Sache, sondern im Namen der verbündeten Regierungen. Er habe ein Recht eine wesentliche sachliche Diskussion zu fordern, und doch fange jede Ausführung der Opposition damit an: Der Herr Reichskanzler hat das oder das gesagt, man greife fortwährend feine Person und seine Tendenz an, seine Person werde künstlich in die Debatte hineingezogen, weit über das nothwendige Maß hinaus. Herr Bamberger hält mein System für schädlich; er wird mir erlauben, sein System von Grund aus für falsch zu halten. Sollte ich mich etwa deshalb auf den Standpunkt des Abg Bamberger stellen, weil Frankreich dies Monopol hat. Vergessen wir doch nicht, daß Frankreich trotz seiner ungeheuren Verpflichtungen noch immerhin eine reiche Nation ist. Wenn Herr Bamberger behauptet, ich hätte ihn persönlich zu verdächtigen gesucht, so irrt er, ich habe auch nicht mit einem Worte ihn in der persönlichen Achtung herabzusetzen gesucht. Sie sprechen immer von der Majorität, zeigen Sie sie mir, und ich werde bie Geschäfte in ihre Hänbe legen; aber ich sehe keine, als verschobene Parteien. Herr Bamberger hat auf eine Aeußerung bes früheren Abgeorbneten v. Blankenburg Bezug genommen. Ich bin fein Pommer, ich bin ein Altmärfer, aber ich theile bie Ansicht nicht, baß n.an doppelt grob werden müsse, wenn man grob behandelt werbe Auch erfenne ich an, daß Herr Bamberger den gesellschaftlichen Ton eines gebildeten Mannes als gewandter Dialeftifer niemals außer Augen läßt, aber im klebrigen vermisse ich ein gewisses Wohlwollen gegen mich. Unverständlich ist es, wenn in dem Momente, wo ich die Minorität auffordere, etwas für bie Masse der Bevölkerung zu thun, mich als Gegner der Volksmasse darstellen zu wollen. Wenn Sie die Resolution Lingens mit noch so großer Majorität annehmen, so werden Sie uns doch nicht von dem abbriitgen, was wir als recht und nothwenbig halten (Beifall rechts). Abg. Richter: Der Herr Reichskanzler hat gegen mich, den einfachen Abgeordneten, seine persönliche Autorität und sein persönliches Verdienst ins Feld geführt. Ich erkenne vollkommen bie Verbienste bes Fürsten Bismarck an unb bin weit entfernt davon, meine Person mit ihm vergleichen zu wollen. Der Hinweis auf feine Verdienste war gar nicht nöthig, denn wenn die Ansichten des Reichskanzlers die allein richtigen sein sollen, wozu ist dann überhaupt noch ein Parlament nöthig? — Der Kanzler wirft uns vor, daß wir allein Fraktionsintereffen vertreten, daß er aber bie salus publica vertrete. Die Fraktionen im Parlament bebeuten aber immer nur so viel, als das Volk sie gelten lassen will, und von ihnen muß man auf die Stimmung im Volke zurückfchließen. Er beruft sich auf ben künstlichen Mechanismus ber Wahlkreise, aber warum schwenken denn die Konservativen vom Monopol ab? Das Wahlresultat beweist nur, daß künstliche Mittel nicht mehr verfangen und bas beste Kennzeichen ber öeränberten Stimmung ist, daß das platte Land sich am meisten von der Politik des Kanzlers abwenbet. Die Nation erkennt bie Verbienste des Kanzlers um Deutschland vollkommen an, aber darum sollte er doch auch die Verdienste Anderer um die Entwickelung des deutschen Gedankens anerkennen. Nicht Jeder kann Minister sein, nicht Jeder konnte wie er vor 1866 sein Vermögen als bonus pater familias bei Zeiten in Sicherheit bringen, aber viele seiner Zeitgenossen haben im Kerker zubringen müssen, weil sie ein einiges Deutschland unter der Herrschaft der Hohenzollern erstrebt. Es ist unrecht, wenn der Kanzler bie Armee im Gegensätze zum Volke hinstellt; aerobe bei uns ist die Armee das Volk in Waffen unb nicht die Berufsoffiziere allein, sondern bas Volk in Waffen hat die Siege in bem letzten Kriege erftritten. Eine Nation, bie so Großes gethan, hat also auch ein Recht, über ihre Geschicke mitzusprechen. Wir ücrmeiben es gewöhnlich, auf die Geschichte des preußischen Ver- fassuugskonfliktes im deutschen Reichstage zurückzukommen, um nicht alte Gegensätze zu erwecken, wenn aber der' Kanzler diese Geschichte hier vorführt, dann sollte er sich doch vor Entstellungen hüten. Mit Freuden haben wir den Steuererlaß begrüßt, unb werden stets, wenn er gleiche Ziele verfolgt, ihn unterstützen. Schließlich vindizirt es sich Redner als sein Verdienst, daß der Reichskanzler noch einmal im Reichstage erschienen und sich an ber Debatte betbeili^t hat. Dafür lasse er. sich zwar die kleinen Nabelstiche bes Kanzlers gefallen und würde er sich freuen, wenn derselbe nunmehr feine Sache öfter hier vertreten würde (Beifall links). Abg. Hasen clever rechtfertigt den Standpunkt ber socialdemokratischen Partei in der Frage des Tabakmonopols, indem er sich im Wesentlichen den Ausführungen des Abg. v. Vollmar in der ersten Lesung anschließt. Dann wirb bie Diskussion über § 1 geschlossen und nach einem Schlußwort des Referenten Abg. Dr. Barth, gegen den sich in sehr scharfer Weise Schatzsekretär Scholz wendet, in namentlicher Abstimmung § 1 mit 246 gegen 43 Stimmen ab gelehnt. 12 Abgeordnete (Polen) haben sich der Abstimmung enthalten. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr 20 Min. Nachtragsetat, Interpellation Grillenberger und Fortsetzung der Monopoldebatte. Schluß gegen 6 Uhr. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz-Brrrearr. Berlin, 14. Juni. Die „Prov.-Corresp." schreibt: Mag das Tabakmonopol vom Reichstage verworfen werden — die unumgängliche Roth Wendigkeit der Steuerreform bleibt. Die Feststellung dieses Bedürfnisses oder der Beweis, daß dasselbe nur eingebildet, ist das Feld, wo der Reichskanzler vorerst den nächsten Landtag erwarten werde. Der Kanzler und seine Collegen in der preußischen Negierung werden nicht ruhen, bis jenes Bedürfniß anerkannt ist oder bis der Beweis seiner Nichtigkeit erbracht. Wenn der Landtag, wie vorauszusehen, sich nicht länger einer Anerkennung entziehen kann, dann wird die Reichsregierung die Mittel besitzen, auch vom Reichstage die Angabe der.Wege zu erlangen, wie der Druck der unzweckmäßigen Steuern, welcher auf dem deutschen Volke lastet, zu beseitigen ist. — Wie von bestunterrichteter Seite mitgetheilt wird, wird eine längere Vertagung des Reichstags ventilirt. Der Präsident des Reichstags ist um eine Aeußerung ersucht worden, ob zu erwarten sei, daß wenigstens das Hilfskassen- gesetz und die Gewerbeordnungs-Novelle bis zum Schluß des Monats an das Plenum gelangen können. Die Antwort darüber sieht noch aus, eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Berlin, 14. Juni, 6 Uhr 20 Min. Abends. Der Reichstag lehnte heute die Tabak-Monopol-Vorlage mit 276 gegen 43 Stimmen ab. (Den Lesern in der Stadt zum Theil bereits gestern Abend durch Extrablatt mitgetheilt). Petersburg, 14. Juni. Das gestrige Bulletin besagt: Der Zustand der neugeborenen Großfürstin ist befriedigend, mährend die Kaiserin angegriffener als sonst bei gleicher Veranlassung ist. Marseille, 14. Juni. Das Mittelmeer-Evolutions-Geschwader, welches gegenwärtig im Hafen von Toulon liegt, sowie die Kreuzer „Dugnay", „Trouin" und die Transportschiffe „Sarthe" und „Mitho" erhielten den Befehl, sich nöthi- genfalls zur Abfahrt nach Alexandrien bereit zu halten. Wien, 14. Juni. Wie hiesigen Blättern aus Agram gemeldet wird, hat gestern Nacht zwischen Studenten, welche singend von einem Commers zu Ehren Starcewics zurückkehrten und Polizisten ein Zusammenstoß stattgefunden, bei welchem 2 Wachmänner und 6 oder 7 Studenten schwer verwundet worden sind. 17 Studenten sind verhaftet worden. Lokales. Gießen, 15. Juni. Nach heute hier eingetroffener Nachricht beabsichtigt Se. Königl Hoheit ber Großherzog bas am nächsten Sonntag bahier ftattfiabenbe Kirch en- gesangsest mit feinem Besuche zu beehren. Gießen, 15. Juni. Montag den 19. und Dienstag den 20. d. Mts. finden öffentliche Sitzungen des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt- Zur Verhandlung kommen: am 19- Juni: 1. Beschwerde des Franz Birkenholz und Consorten zu Vilbel betr. die Erbauung eines Pfarrhauses zu Vilbel . . 2. Reclamation gegen den Voranschlag der Gemeinde Ober-Florstadt für das Jahr 1879 und 1880. am 20. Juni: 1. Klage des Ortsarmenverbandes Lauterbach gegen den Landarmenoerband Lauterbach wegen Unterstützung des Nicolaus Götz. 2. Die Geschäftsführung des Gastwirths Schramm in Gießen. 3. Das Disciplinarverfahren gegen den Schutzmann Gemmecker zu Gießen. Gießen, 15. Juni. sSchwurgerichts-Sitzungen vom 2. Quartal 1882.] Montag den 19. Ium, Vormittags 9 Uhr: Anna Marie Stock von Angenrod wegen Kmdesmord und Sittlichkeitsverbrechen. Staatsanwalt Zimmermann, Ver- Iheldiger Rechtsanwalt Lauer- .. 1XTTTT £ Dienstag den 20. Juni, Vormittags 8 Uhr: Heinrich Schmidt VIII. Ehefrau von Queckborn wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schwarz. Mittwoch den 21. Juni. Vormittags 8 Uhr: Konrad Kleinschmidt von Streifberg. Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechtsanwalt Weidig . Donnerstag den 22. Juni, Vormittags 8 Uhr: Emanuel Rosenthal von Wenings weaen Meineids. Staatsanwalt Dr. Lahr, Vertheidiger Rechtsanwalt vr. Rosenberg. Freitag den 23. Juni, Vormittags 8 Uhr: Wilhelm Hosmann's Ehefrau von -Grüningen wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann, Vertheidiger Rechts- ann)aIt(5amftag den 24. Juni, Vormittags 8 Uhr: Kaspar Winter's Ehefrau von Effolderbach wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann. . . Montag den 26 und Dienstag den 27. Ium, Vormittags 8 Uhr: Heinrich Wilhelm Craß von Niederflorstadt wegen Brandstiftung. Staatsanwalt vr. Lahr. Mittwoch den 28. Juni, Vormittags 8 Uhr: Samuel Wtndecker von Lich wegen Meineids. Staatsanwalt Zimmermann. _ . Donnerstag den 29. Juni, Vormittags 8 Uhr: Carl Hepper's Ehesrau von Oberhörlen und Johann Philipp Rack II. von Dornassenhetm wegen betrüg. Bankerotts. Staatsanwalt Jöckel. , QU den letzte- Verhandlungen sind d'e Namen der Vertyeidiger noch nicht bekannt. Gießen, 15. Juni. Im Anschluß an unsere frühere Notiz wird uns heute mrt- aetheilt, daß auf dem von der hiesigen Rudergesellfchaft in Frankfurt a. M. abgehaltenen Delegirtentag des Hess. Regatta-Verbands nunmehr Sonntag den 9. Juli endgültig als Tag der Hierselbst abzuhaltenden II. Hess. Vereins-Regatta bestimmt worden ist. Die Arbeiten zur Vorbereitung des Festes sind im besten Gange und dürfte im Laufe der nächsten Woche mit dem Aufschlagen der Tribünen rc. begonnen werden; die Mannschaften der hiesigen Gesellschaft sind bereits im strengsten Training und finden Mittags und Abends Uebungsfahrten statt, bei welchem der Jngstructor, sowie ältere erfahrene Mitglieder die Boote am Ufer begleiten und durch Zuruf ermuntern und instruiren. „ „ . f.. .. Auch die Theilnahme der hiesigen Einwohner für die Regatta steigert sich mit jpbem Tage und hat die hiesige Schützengesellschaft in anerkennenster Weise bereits zwei Ehrenpreise im Werthe von über 400 «X gestiftet . QU der nächsten Sonntag in Frankfurt a. M. stattfindenden Verems-Regatta hat sich unsere Gesellschaft mit ihren 4 riems outrigged Racrboot „Britania" für Juniors angemeldet, aber laut soeben eingetroffener Nachricht leider keine Concurrenz gefunden. Die Gesellschaft beabsichtigt nunmehr, sich bei der Emser Kaiserregatta mit ihrem 4rudrigen outrigged Gigg ebenfalls Juntor-Mannschaft, zu betheiligen und wünschen wir derselben heute schon besten Erfolg. Verwischtes. Marburg, 14. Juni. Der am 3. d. M. vom hiesigen Hessischen Geschichts- Derein zusammen mit dem Oberhessischen Vereine für Localgeschichte zu Gießen auf den Gleiberg gemachte kunsthistorische Ausflug war für die Theilnehmcr so lehrreich und interessant, daß es nur zu bedauern ist, daß von hier aus nicht noch eine größere Beiheiligung stattfand. Durch das liebenswürdige und werkthätige Entgegenkommen -eS Gießener Vereins und namentlich seines Vorsitzenden, des Herrn Professors Gare is wurde es ermöglicht, daß den hiesigen Vereinsgenossen alles, was Gießen für sie an Sehenswürdigkeit bot, gezeigt und zugänglich gemacht wurde. Nach freundlicher Begrüßung auf dem Bahnhofe wurde unter sachkundiger Führung zunächst ein Rundgang durch die Stadt gemacht und die architectonisch wichtigen Gebäude, Rathhaus, Hirsch- apotheke, das von Ludwig dem älteren erbaute Zeughaus (jetzt Caserne) in Augenschein genommen, um sodann die durch die Güte des Herrn Kanzlers v. Wass^rsch- leben zugänglich gemachten alten (früher Marburger) Unioersitätsbecher zu besichtige. Namentlich der größere, ein Geschenk Landgraf Philipps des Großmüthigen an die Universität Marburg, erregte die gerechte Bewunderung Aller; er ist ein Prachtstück ersten Ranges. Auch die kleine Kunstsammlung der Universität wurde hierauf unter Leitung des Herrn Geh Bauraths v. Ritgen besichtigt. Sie enthält namentlich einen Apparat von Photographien zu kunsthistorischen Hebungen, den wir leider auf unserer Universität in diesem Umfange vermissen. Als Hauptstück der Originale dieser Sammlung galt bisher ein Oelbild, welches das einzig erhaltene Portraii des berühmten Humanisten Reuchlm sein sollte. Neuere Forschungen haben jedoch nachgewiesen, daß dieses Bild nichts als eine schlechte Copie eines Rembraudt'schen Kupferstichs, die Zigeunerin, fei, welche durch Anmalen eines Bartes in einen Mann verwandelt ist. In dem neuen Universitätsgebäude nahmen vorzüglich die Bilder der älteren Marburger Profefforen das Interesse in Anspruch; ein Vergleich mit unserer neuen Universität fiel, namentlich was die Zweckmäßigkeit der einzelnen Räume betrifft, zu Gunsten des Gießener Baues aus. Beneiden dürfen wir die Gießener Universität auch um die reichhaltige Sammlung von Gypsabgüssen antiker Meisterwerke. Sie sind im Untergeschoß der neuen Aula schön und zweckmäßig aufgestellt. Wir in Marburg müssen uns immer noch mit den traurigen Räumen begnügen, welche im Deutschenhause abfällig geworden sind und ist kaum die Zeit abzusehen, wann endlich einmal ein würdigerer Raum für unser archäologisches Museum geschaffen wird. Nachdem noch die bedeutenderen neuen Gebäude Gießens in Augenschein genommen waren, wurde der Weg auf den Gleiberg angetreten, wo schon eine große Anzahl der Gießener Vereinsmitglieder versammelt war. Vor dem Eingang zur Burg begrüßte Herr Professor Gareis die Gäste in poetischer Rede und brachte ihnen aus einem großen Humpen den Willkommen dar. In einem der durch den Gießener Geschichtsoeretn und die Gleibergsgesellschaft wieder- hergestellten Säle der Burg fand sodann die nochmalige Begrüßung der Gäste, der Vortrag des Herrn Professor Gareis Über die Geschichte der Burg Gleiberg statt. Es ist ein fast tausendjähriges Stück Geschichte, welches der Redner schilderte. Wenngleich wegen Mangels der Quellen man in karolingischer Zeit vielfach auf Comblnationen angewiesen ist, fo tritt man doch mit dem zehnten und elften Jahrhundert aus sicheren historischen Boden; der Vortragende verstand es, in fesselnder Form seinen hochinteressanten Stoff zu behandeln. Es ist aber auch ein denkwürdiges Stück deutscher Geschichte, an welcher der alte Gleiberg und seine Herren theilnahmen; es ist nicht hier der Ort, eine specielle Geschichte des Gleibergs an der Hand des Gareis'schen Vortrags zu geben, von der Zeit, wo Landgraf Otto, Bruder König Konrads I., die Lahngrafschaft inne hatte, bis zur Zeit, als die Hessenkasseler Truppen am 9. Juni 1646 die alte Best-' zerstörten. Erwähnt seien nur einige der hauptsächlichsten bekannten Namen und Geschlechter, die mit dem Gleiberg Zusammenhängen, als Graf Friedrich von Luxemburg, der Bruder der Kaiserin Kunigunde, Graf Hermann, der Gegenkönig Heinrichs IV., König Heinrich V., der die Burg eroberte, die Gräfin Clementia, die Meremberger, die Pfalzgrafen von Tübingen, die Nassauer Grafen. Heroorzuheben ist noch, daß auch die Gründung von Gießen von den Grafen von Gleiberg ausging. Nach Beendigung dieses Vortrages dankte der Vorsitzende des Marburger Vereins, Herr Dr. Könnecke, dem Herrn Vorredner für fein herzliches Willkommen, womit er feinen Vortrag eingeleitet hatte, führte aus, er hoffe, daß diese erste Vereinigung der beiden Oberhessischen historischen Vereine nicht die letzte sein möge und sprach den Wunsch aus, den Gießener Verein recht bald auch in Marburg begrüßen zu können. Herr Geh. Oberbaurath von Ritgen behandelte hierauf in seinem Vortrage die Bau- und Kunstgeschichte des Gleibergs. Fast fünfzigjährige Bekanntschaft mit der Burg, sowie die tiefgehendsten Studien desselben, die er fett Jahren zur Geschichte des deutschen Burgenhauses gemacht, kamen dem durch viele Abbildungen illustrirten Vortrage des berühmten Wiederherstellers der Wartburg'in reichstem Maße zu Gute. Wichtig waren hierbei auch die Excurse des Herrn Vortragenden über Zinnenbauten, Fenstereinrichtungen und andere Details. Diesem Vortrag schloß sich ein Rundgang durch die Burg unter Führung des Herrn Vortragenden an. Seit einigen Jahren ist unendlich viel für die Unterhaltung des Gleibergs durch den Gießener Verein gffchehen und kann man demselben für seine erfolgreiche Tätigkeit nicht dankbar genug sein. — Neben dem Kunstgenuß, welchen dieser Ausflug allen Theilnehmern bot, hatten dieselben sich auch noch des schönsten Naturgenusfes zu erfreuen, denn das Wetter war entzückend und die herrliche Rundsicht, welche sich namentlich von dem alten, noch aus dem zehnten Jahrhundert stammenden Schloßthurme darbietet, erschien bet dem prächtigen Wetter um so herrlicher. Nach der kunsthistorischen Besichtigung des Gleiberg legte der Vorsitzende des Marburger Vereins den Anwesenden noch die älteste erhaltene bis dahin unbekannte Abbildung Gießens und des Gleibergs aus dem Jahre 1591 vor und sprach über die aus dieser Ansicht abgeleiteten vorhandenen älteren Abbildungen Gießens und des Gleibergs. Nachdem noch Herr Prof. Gar eis ein begeistertes Hoch auf Se. Maj. unfern Kaiser, den jetzigen Territorialherrn des Gleibergs, ausgebracht und Herr Prof. v. Ritgen einen Toast auf I. Maj. die Kaiserin, durch deren Huld erst kürzlich eine bedeutende Summe zur Wiederherstellung des Gleibergs dem Verein bewilligt war, angeschlossen batten, schieden die Marburger Gäste von dem alten Gleiberg, nachdem noch Herr Geh. Ober-Juftiz- rath Schultheiß in einem Hoch dem Gießener Verein dem Alle beseelenden Danke Ausdruck gegeben hatte. (Oberhess. Zeitung.) Handel und Verkehr. Gießen, 14.Juni. Auf dem gestrigen Viehmarkt waren aufgetrieben 1126 Stück Rindvieh und 497 Stück Schweine. Die Preise gingen gegen die der vorhergehenden Märkte etwas zurück. — Nächster Markt Dienstag den 27. und Mittwoch den 28. d. M., am letzteren Tag auch Krämermarkt (Kirschenmarkt). Limburg, 14. Juni. Rother Weizen -X 21.45, Weißer Weizen , 1 Hahn .X 1.70—2.20, 1 Huhn JL 2.—2.50, 1 Poularde . B&pet auf dem Markt in Gießen. 2792 Grossh. Salinen- und Bergamt Bad-Nauheim. 4123 Eine Parthie zurückgesetzter Waaren, als: Schleifen^ JLavalieres^ Kragen , Kinder- Strümpfe etc. etc• empfehlen Gresdvuv^ Peth Feinste G-othaer Cervelatwurst empfiehlt 3899 Gg. Wild Weidig. 3906 Ein fast neues Billard ist billig zu verkaufen. Näh. bei der Exped. ds. Bl. Herren-Strohhüle schöne weiße, von 1 «M. an bis zu den feinsten, in sämmtlichen Geflechten und Formen, empfiehlt A. Fangmann, 3883 Kirchenplatz. Schwämme | in großer Auswahl empfiehlt G-g. Wilh. Weidig. Ein Haus § in bester Lage der Neustadt und nächster Nähe des Marktplatzes gelegen, ist unter günstigen Zahlungsbedingungen zu verkaufen. Auskunft Wilh. Krämer. Mermietöungen. 4124 Eine kleine Familienwohnung zu vermiethen. Neustadt D. 56. 4071 Freund!. Familienlogis (2 Zim- mer, 2 Kabinete und alles Zubehör) per 1. August zu vermiethen. Louis Benner, Schoor. 3923 Eine freundl. Familienwohnung im 2. 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