41$ Dienstag den lt». Mai 1882. (Siegeltet Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. —---------------—--------------- " 3" PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. _ ... @5Äulftrafce B. 18. Erscheint tätlich mit Ausnahme des MSNlagS Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Betreffend: Aussicht über das Fasselvieh. , Greßen, am 13. Mm 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosiherzogttchen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte. _ Die Besichtigung der Gemeinde-Zuchtstiere und Zuchteber durch die von dem landwirthschastlichen Bezirks-Verem gewählte Commisfionvwirb an s°lgendm Taaen stattfinden: _ Garbenteich Hausen, Watzenborn-Steinberg, Grüningen, Holzheim, Ober-Hörgern, Eberstadt, Dorf-Gill und Sich; 2) laÄb”n20 I. 2»! i« SÖ, ÄX, taerob, Oppenrod,' Burkhardsfelden, Hattenrod, Ettingshausen, Münster, Ober-Besstngen Sie"w ollen^die Bullew "und Eberhalter anweisen, zur fraglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vor- ruMren auch sich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu erthesten. ’ 1 v ' 7 Dr. Boekmann. ------------------------- --- Deutschland. Darmstadt. 12. Mai. Auf die Interpellation der Abgg. Pfannstiel, v Rabenau und Theobald, betr. den Uebergang von Vicinalstraßen in das Eigenthum des Staats, hat die Großh. Regierung folgende Antwort ertheilt: Bezüglich der Frage, ob und welche bisherigen Vicinalstraßen in das Eigenthum des Staates übergehen sollen, sind dermalen, insbesondere unter Berücksichtigung aller auf dem vorigen Landtag deshalb gestellten Anträge, Erhebungen im Gang. Sobald dieselben zum Abschluß gelangt sein werden, beabsichtigt die Großh. Regierung, eine desfallsige Gesetzesvorlage, und zwar noch auf dem gegenwärtigen Landtag an die Landstände des Großherzogthmns gelangen zu lassen. , „„ „ „ ... Esten, 13. Mai. Nach dem officiellen Bericht der „Ess. Zig." über das Grubenunglück in der Zeche „Pluto" sind im Ganzen 62 Personen um’ä Leben gekommen, von denen 23 direct durch die Explosion getödtet wurden. 10 zum größten Theil leicht Verletzte befinden sich im Krankenhause. Heute Nachmittag findet die Beerdigung der Verunglückten von dem Zechenhause aus statt. Charlottenburg, 13. Mai. Dem Vorsitzenden des Comitös für die Hygiene-Ausstellung, Wirkt. Geh. Rath Hobrecht, ist Seitens des Herrn Heinrich Quistorp die Mittheilung gemacht worden, daß er die großartigen Ausstellungsräume der Germania in Westend der verbliebenen Hygiene-Ausstellung zur sofortigen Verfügung stelle. Schwerin, 12. Mai. Die Herzogin Marie, Gemahlin des Herzogs Paul Friedrich, ist heute Nacht von einem Prinzen entbunden worden. Hefterreich. Wien, 13. Mai. Ringtheater-Proceß. Nachdem heute noch der Ver- theidiger der Angeklagten Wilhelm und Heer gesprochen, nahm der Staatsanwalt das Wort zur Replik. Nach der Duplik der Vertheidiger Jauner's, Landsteiner's, Wilhelm's und Heer's betheuert Jauner nochmals seine Unschuld, indem er erklärt, er sei nicht der Schuldige, sondern das Opfer des Ringtheater- Brandes. Die übrigen Angeklagten verzichten auf das Wort. Der Präsident beraumt die Verkündigung des Urtheils auf Dienstag den 16. ds., 4 Uhr Nachmittags, an. — Osficiell. Feldmarschall-Lieutenant Jovanovic meldet unterm heutigen Datum: Die am 11. ds. von Vlahovici Ljubomisli nach Ljubinje zurückkehrende Streifcompagnie des 11. Regiments stieß bei Vukovici mit einer stärkeren Jnsurgentenbande zusammen, welche zersprengt wurde und einige Verluste erlitt. Die österreichischen Truppen verloren einen Verwundeten. Kranftreich. Paris, 12. Mai. Zwischen dem französischen und dem englischen Ca- binet dauert ein lebhafter Meinungsaustausch über die egyptische Frage ununterbrochen fort, der Antwort Englands auf die Vorschläge des Ministerpräsidenten Freycinet wird unverzüglich entgegengesehen. Paris, 13. Mai. Nachrichten, welche der „Agence Havas" aus Kairo zugchen, melden ebenfalls, daß sich die Notabelnkammer weigere, zusammenzutreten. Man glaubt, daß Arabi Pascha beabsichtigte, sofort einen Staatsstreich auszuführen, um den Khedive abzufetzen. Toulvn, 13. Mai. Ein Panzerschiff und ein Transportschiff haben ihre Ausrüstung begonnen, nm das gegenwärtig in den tunesifchen Gewässern ftationirte Geschwader zu verstärken und zu verproviantiren. England. Bonbon, 12. Mai. Die Polizei entdeckte heute Abend an dein Gitter des Mansion-House eine Schachtel, an der ein brennender Tuchlappen befestigt war. Die Polizei löschte das Feuer. Ueber den Inhalt der Schachtel ist noch nichts bekannt. London, 12. Mai. Unterhaus. Unterstaatssecretär Dille antwortet auf eine Anfrage Labouchöres, über Egypten habe mit Frankreich und anderen Regierungen ein Meinungsaustausch stattgefunden und dauere jetzt noch fort; es sei aber nicht rathsam, jetzt Näheres nntzutheilen, er hoffe, den Gegenstand künftigen Montag näher beleuchten zu können. Auf eine weitere Anfrage Ashmead Bartlett's erklärte Dille, alle Mächte hätten stets anerkannt, daß Frankreich und England klüglich Egyptens ein überwiegendes Jnteresie hatten. _ O'Donnell kündigt für die zweite Lesung, der Zwangsbill eine Resolution des Inhalts an, daß die Gewaltsamkeiten und die Unzufriedenheit in Irland der grausamen Verwaltung Forster's und die Ermordung zweier Mitglieder der irischen Regierung der sträflichen Nachlässigkeit der Polizei zuzuschreibeii feien; den Irländern deshalb ihre Freiheiten und Sicherheiten zu rauben, erscheine ungerechtfertigt, die Vorlage der Regierung könne daher nur Unzufriedenheit her- vorrufen und ein verhängnisvolles Hindernist für die gute Vermattung und für die Ruhe in Irland fein. — Gladstone erwiderte auf eine Anfrage North- cote's, er hoffe die Bill über die irischen Pachtrückstände dem Hause nächsten Montag vorlegen zu können. . , . London, 13. Mai. Ashley ist zum Unterstaatssecretar der Colonien ernannt worden. — Der „Daily News" zufolge wird der baldige Rücktritt Gladsto te's vom Schatzkanzleramt erwartet. Die „Times" erfährt, die Regre- rung habe beschlossen, zwei Panzerschiffe nach Alexandrien zu senden. London, 13. Mai. Die gestern Abend an dem Güter des Mansion- House von der Polizei entdeckte Schachtel ist mit Schießpulver gefüllt gewesen. — Da? Canal-Geschwader hat Besehl erhalten, sich für den 28. d. Mts. zum Ausläasw bereit zu machen. Daffelve wird voraussichtlich einige Tage danach nach dem Mittelmeer abgehen. Rußland. Petersburg, 13. Mai. Eine Meldung des „Golos" aus Balta besagt, daß bei der dortigen Judenhetze zerstört rauben: 976 Häuser, 253 Buden und 34 Schanklocale. Der Verlust beträgt 1'/- Mill. Rubel. Verwundet wurden 211 Personen, darunter 39 mit schweren Verletzungen. An ihren Wunden gestorben sind 8 Personen. Einige Frauen sind wahnstnmg geworden. Aegypten. Kairo, 12. Mai. (Meldung des „Reuterffchen Bureaus"). Es bestätigt sich vollkommen, daß die Mitglieder der Notabelnkammer sich etnftmmug geweigert haben, zusammenzutreten, es sei denn, daß sie legal einberusen werden, Arabi Pascha soll geäußert haben, alsdann werde ein Bürgerkrieg entstehen. Arabi beabsichtigt, den Khedive mit Gewalt abzusetzen, ohne die Formalität der Zustimmung der Notabelnkanuner abzuwarten. Momentan wird eine muiläryche Demonstration erwartet; gerüchtweise verlautet indessen, daß Arabi sticht auf alle Truppen zählen könne, ein Regiment wäre, wie es heißt, dem Khedive treu. Kairo, 13. Mai. Der französische und der englische Consul statteten heute Vormittag dem Khedive einen Besuch ab. Dieselben sind noch immer ohne Instructionen Seitens ihrer Regierungen, erwarten dieselben aber stündlich. Die circassisch en Osficiere befinden sich noch immer in Hast. Die Minister und viele Mitglieder der Notablenkammer sind bei dem Präsidenten der Kammer zu einer Berathung zusammengetreten, deren Resultat noch nicht bekannt fit. Der Khedive ist nach wie vor entschlossen, dem Ministerium nicht nachzugeben. - (Meldung des „Reuter'scheu Bureaus"). Nach heute früh stattgehabter Versammlung begaben sich der Präsident und der Ausschuß der Notabeln nach dem Palais Jsmailia, um zu Gunsten des Ministeriums zu vermittelm Der Khedive wies die Vermittlung zurück, indem er erklärte, daß er mit Mveu.cn nicht unterhandle. Gerüchtweise verlautet, daß an verschiedenen Punkten in Unter-Egypten starke Zusammenrottungen von Beduinen statfiuden; uv er Zweck nnd Ziel dieser Bewegungen verlautet jedoch nichts^Authentisches^^^^^^^^^ Deutscher Reichstag. 9. Sitzung. Samstag, 13. Mai. Präsident v. Levetzow eröffnete die Sitzung um 1171 Uyr. Am Tische des Bundesraths: v. Bö'tticher, Dr. v. Mayr, v. Schmidt, ^Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Berathung der Tabakmonopolvorlage. Abg. Sander lBaden) hält es als Vertreter eines Landes, welches durch die Einführung des Monopols am schwersten b°tr°ffm «-rd-n würde für seine Pflicht, gegen dasselbe das Wort zu nehmen. Es wäre weit richtiger gewesen, statt des Tabakmonopols den Branntwein zu ein-r höheren Steuer heranzuzrehen. Redner bemängelt die von den Regierungen ausg-st-llt-n Ertragsb-rechnung-n, die nach seiner M-mung aus unrichtigen Voraussetzungen beruhen, und stellt weiter in Abrede, daß das Monopol für die Landwirthschast vortheilhaft sei. Der Vortheil werde allem aus Seiten der Monopolverwaltung sein. Unbegreiflich sei, warum man nicht das Ergebniß der Berufs- statistik abgewartet habe, um genau übersehen zu können, wie groß die Zahl der Interessenten, namentlich der Arbeiter ist, welch- von dem Monopol getroffen werden. Di- Folge des Monopols würde nach seiner Meinung eine Zunahme der Auswanderung sein, dann werde man einen dreisachen Verlust zu verzeichnen Haden; einen Arbeiter-, einen Wehr- und Einen Kapitalverlust. Redner empfiehlt di- Ablehnung der Vorlage. Wolle man das Begräbnch in einer Commission vornehmen, so könne er das nicht verhindern, er halt- eine solche Commissionsberathung für überflüssig. Zum Schluß wendet sich Redner noch gegen eine A-ußerung des Abg. v. Vollmar, indem er aus das hohe Pflichtgefühl unseres greisen Kaisers verweist, das sich auch gestern wieder bei dem Brandunglück g.zeigt habe. Eine Nation, die einen solchen Kaiser hat, brauche keine Republik und wolle keine Republik (Lebhafter Beifall.) Abg. Freiherr v. Wöllwarth (Württemberg) hält die Einführung des Monopols für unausbleiblich. Man würde gegn risch-rseits auch fchwertich so viel Tinte und Papier verschweiiden, wenn man nicht das Gefühl hätte, das Monopol werde kommen und müsse kommen. Ncht der Reichskanzler allein wolle das Monopol, in weiten Kreisen set die Meinung verbreitet, daß die Einsührung des Monopols noih- wendig sei. Roch ehe von dem Monopol die Rede gewesen, hätten ihm einsache Bauern auf dem Lande gesagt, „werden die Herren immer auf neue Steuern sinnen, werden sie nicht lieber d nTabak höher besteuern, es sei doch das erste, daß man einen solchen Luxus höher besteuert." Es sei allerdings eine Ungerechtigkeit, wenn man selbst die nolhw-ndigsten Leb-nsmitiel besteuere, und sich scheue, den Tabak zu einer höheren Steuer heranzuziehen Auch habe er nichts dagegen, wenn man den Branntwein zu einer höheren Steuer heranzieht Sei man im Stande, einen andern Weg zu bezeichnen, aus dem sich höhere Einnahmen aus dem Tabak erzielen lassen, würde er demselben gerne zustimmen. Wenn das Monopol den föderalistischen Eharacter des Reichs verletzen könnte, würde die würtiembergische Regierung ihm sicher nichi zugestimmt haben. Was die Vorlage beireffe, fo gehe sie ihm nicht weit genug, namentlich seien die Preise nicht hoch genug. Was nun die Entschädigung anlange, so sei es richtiger, sünszig Millionen zu viel, als eine Million zu wenig zu zahlen. Bezüglich der Einwendungen gegen den Eingriff in das Privateigenthum bemeitt Redner, daß solche Eingriffe in diesem Jahrhundert wiederholt durch die Gesetzgebung gescheh.n seien. Die Tadakbauer wüiden sich unter dem Monopol besser stehen als jetzt. Daß sein Sp eialcollege Mayr es wage, den Miliiärstaat anzugreisen, habe ihn nicht überrascht, aber desremden müsse es doch, daß er es wage, die Milizfassung dem deutschen Reiche anzuempfehlen. Das deutsche Reich wolle sich dem Schwerte unseres hochverehrten Feldmarschalls Moltke lieber anvertrauen, als dem Schwert- des Herrn Mayr. Daß Herr Mayr, obwohl mit den finanziellen Verhältnissen Württembergs bekannt, Mehreinnahmen des Reiches nicht für nöthig halte, verstehe er nicht. Redner schließt mit der Behauptung, daß diese Frage nicht mehr von der Bildfläche verschwinden werde, bis der Tabak in dem inbirecten Steuersystem die erste Stelle einnimmt. Abg. Freiherr v. Göler (kons.) erklärt sich gegen das Monopol, aber für Ver Weisung der Vorlag ■ an eine Commission, indem er aussührte, daß man es hier mit einer Frage von eminenter Bedeutung zu thun habe, und daß diese nicht gründlich genug geprüft werden könne. Er und ein Theil seiner politischen Freunde seien G-gner des Monopols, das bei der h utigen Entwickelung dieses Industriezweiges eine volks- wirthschastliche ober eine schwer- sociale Schäbigung die Folge der Einsührung des Monopols sein würde. Redner findet es unbegreiflich, wie man bei der heutigen socialen Lage an die Emfüh ung des Monopols denken könne. Was solle denn aus den Leuten werden, wolle man denn das Proletariat noch vermehren ? Viel mehr als das Tabakmonopol würde sich die Branntweinsteuer zur Erzielung größerer Einnahmen eignen, ebenso die Börsensteuer. Die Rohtabaksteuer dürfte feiner Ansicht nach erst wesentlich erhöht werden. Dagegen fcheine ihm eine Kombination dieser Steuer mit der Fabrikationssteuer ernpsehlenswerth. Redner bittet, dem Vorschlag auf cominifsarische Berathrmg zuzustimmen c m ,r . t, Abgeordneter Dr. Barth (Secessionists beleuchtet die Art und Weise, rote die Vorlage entstanden ist. Unterstaatssecretär v. Mayr habe nach der Enquetekommisston angeführt, daß der Bremer Tnbakhandel sich im Anschluß an den „Export von Menschen", wie der hanseatische Vertreter Nebelthau gesagt haben tollte, entwickelt habe. Solche Dinge sprächen nicht für vollständige Objeciiottät bet Vertheidiger ber Vorlage. Er weist ferner nach, daß die Motive in dem Bestreben, die Resultate ber Tabak-Enquete-Commission herabzusetzen, mit den thatsächlichen Verhältnissen ganz eigenthümlich umgesprungen sind. Redner bedauert, daß man in den Motiven auch nicht mit einem Woite des durch das Monopol schwer geschädigten Bremer Tabak- Handels gedacht hat Es überrasche ihn das eigentlich nicht, denn mir sind es ja schon gewöhnt, den Handel stiefmütterlich behandelt zu sehen. Rach seiner Meinung habe man die Entschädigungsfrage schon viel zu viel aufgebauscht, für den Nationolwohlstand spiele diese Frage eine untergeordnete Rolle. Wenn ein Baum, der uns Schatten und Früchte bringt, umgehauen wird, dann fragt man wenig danach, wie viel dgs Brennholz, das daraus gewonnen wird, werth ist. (Beifall.) Unterstaatssecretär Dr. v. Mayr erklärt, daß er heute vor Beginn ber Sitzung eine auf bie Aeußerung des hanseatischen Vertreters Nebelthau bezügliche Berichtigung dem Herrn Präsidenten übergeben habe. Redner wendet sich sodann in längeren Ausführungen gegen die Angriffe der Gegner des Monopols, indem er dann weiter ausführte, daß ber Tabak gegenüber ben geistigen Getränken für bie Steuerqnelle außer- orbentlich vernachlässigt worben, sucht er aus bem historischen Entw ckelungsgange des Monopols ben Nachweis zu führen, baß dasselbe mit dem Socialismus nicht das Mindeste gemein habe. Die Monopolg"gner berücksilbtigen nicht genug bie Lage ber Tabaksbauer unter einer höheren Tabaksteuer, bie nicht ausbleiben könne. Die av- gestellte Vergleichung zwischen bem Monopol und ber jetzigen Lage ber Tadakdouern passe beßhalb nicht. Unter einer anberroeiten erhöhten Tabaksteuer würben bie Tabakbauern noch mehr in bie Hänbe der Händler sollen als bisher. Wenn der Abg. Dr. Windihorst von der Ablehnung ber Vorlage Ruhe für dte Tabakindustrie erwartet, so vergißt er babei, daß es bei der bisherigen Steuer kaum verbleiben werde. Unter diesen Umständen werde man sich doch fragen müsse, ob es richtig wäre, die Entscheidung der Frage noch hinauszuschieben. Abg. Frhr v Hammersteim Er fei n-cht für das Monopol aus Princlp, sondern weil er in der zweitägigen Debatte keine Gründe gegen das Monopol gehört habe. Die Ausführungen des Abgeordneten v Vollmar, bie man uns oorgehalten, erschrecken uns nicht. Wir wissen sehr gut zwischen socialdemokratisch und socialistisch zu untersch-ider. Interessant ist an der Socialdemokratie auch, daß dieselbe von Lasalle an das eigentliche Börsenkapital, die haute finance, niemals angegriffen hat. Redner schließt seine Ausführungen mit der Eiklärung, daß er so lange für dos Monopol Eintreten werde, so lange man nicht ein anderes besseres Mittel in Vorschlag zu bringen im Stande ist, dos geeignet sei, bem Reiche größere Einnahmen zuzuführen. Die allgemeine Besprechung wird geschlossen, und cs erhält als Mitantragstellcr des Antrages Ausfeld das Wort Abg. Richter, indem er zunächst fonftatirt, baß selbst die Konservativen in dieser Frage nach den verschiedensten Richtungen anscin- aiibcrgehen. Nur bie Polen seien anschcinenb gewillt, geschlossen für das Monopol zu stimmen. Der sozialistische Gedanke komme in dieser Vorlage in prägnanter Weise zum Ausdruck. Dieses Monopol tritt auf mit der Behauptung, daß ber Staat ebenso gut und ebenso billig fabriciren könne, als die Privatindustrie, und daß bie Privatin- buftrie einen ungerechten Gewinn von 180 Millionen in bie Tasche gesteckt habe. Das ist genau dasselbe, was die Sozialdemokraten sagen, wie denn der eigentliche Pflegevater des Sozialismus ber Reichskanzler ist. Das Sozialistengesetz macht ben Sozialdemokraten nicht so viel Abbruch, als biefe Monopolvorlage benfeiben Bortheil bringt. Der Redner wiederholt seine schon früher ausgesprochene Vermuthung, daß das Monopol lediglich den Zweck habe, nach Ablauf des Septenats reichliche Mittel für die 9.)iilitärDerroaltung zur Verfügung zu haben. 9iebncr legt der Rede Windthorst die Bedeutung bei, daß die Wähler des Centrums nicht wollen, daß diese Frage zu irgend welchen diplomatischen Unterhandlungen benutzt werde. Dadurch ist eine große entschiedene Mehrheit von vornherein gegen bas Monopol gesichert, auch gegen die Steuer: Erhöhung in dieser Session. Es ist durchaus eine bestimmt sornnilirte Erklärung noth- roenbig, daß das Haus nicht gewillt ist, für eine Erhöhung ber Tabaksteuer einzutreten. Das Monopolprojekt wird damit allerdings nicht von der Bildfläche verschwinden, da- sür werden schon die Württemberger sorgen (Heiterkeit). Zehn Jahre lang hat die württembergische Regierung das Projekt gehegt und gepflegt, aber beunruhigt hat sie damit Niemand. Die Beunruhigung ist erst gekommen in dem Augenblick, als Fürst Bismarck das Projekt in die Hand nahm. Keine Regierung würde auch das Monopol- projeft so weit gebracht haben, wenn nicht Fürst Bismarck seine Autorität für dasselbe eingesetzt hätte. Aber was bie Regierung jetzt nicht bekommt, bas wirb ihr niemals gelingen, um so kräftiger muß der Widerstand gegen das Monopolprojckt fein. Redner kann nicht begreifen, was eine Kommissionsberathung nützen solle, nachdem doch bas abkbnenbe Votum im Voraus seststeht. Eine solche Bcrathungsmethobc trage nur zu einer unnöthigen Verlängerung ber Session bei. Sollte kommissarische Beraihung beschlossen werden, bann werde die Fortschrittspartei zwar Mitglieder zu derselben entsenden, aber heute schon könne er erklären, baß nach Ablehnung bes § 1 diese sich an den weiteren Beschlüssen nicht betheiligen werden. Wir wollen bann mit dieser Materie nichts mehr zu thun haben. Bei dieser Vorlage entsteht die Frage: Giebt es neben bem Willen bes Reichskanzlers noch einen selbstständigen Willen, der sich Geltung zu verschaffen weiß? An biefer Monopolvorlage muß ber Wille bes Reichskanzlers sich brechen. Dazu ist dieses Projekt geeignet und darum entscheiden wir in dieser Vorlage über vieles mehr, als über das Monopol. Thun wir das nicht, dann weiß Niemand mehr, was uns bevorsteht, bann werden bie Projekte immer umfaffenber und beunruhigender werden. (Beifall links; Zischen rechts.) In namentlicher Abstimmung beschließt das Haus sodann mit 162 gegen 121 Stimmen die Verweisung der Vorlage und des Antrages Ausseld an eine Commission von 28 Mitgliedern. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tagesordnung: Erste Berathung der Unfall- unb der Krankenversicherung der Arbeiter. Schluß 5 Uhr. Telegraphische Depeschen. Wotss's telegr. Corresponden,»Bureau. Nürnberg, 14. Mai. Prinz Luitpold ist aus Anlaß der morgen stattfindenden Eröffnung der bayrischen Landes-Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung heute hier eingetroffen und von den Behörden empfangen worden. Die Stadt ist festlich geschmückt. Pari», 14. Mai. Der Herzog von Bassano erklärt in einem Schreiben die von dem früheren Mitglieds der Commune, Lissagaray, bestätigte Mitthei- lung des „Weekly Chronicle" über die Ermordung des Prinzen Napoleon durch französische Flüchtlinge für absolut falsch und erfunden und sagt, mehrere Zulus hätten gelegentlich der Anwesenheit der Kaiserin Eugenie im Zululand, wohin er dieselbe begleitet habe, sich selbst dazu bekannt, den kaiserlichen Prinzen ge- tödtet zu haben. Petersburg, 14. Mai. Die kaiserliche Familie ist gestern Nachmittag von Gatschina nach Peterhos übergesiedelt. — Anläßlich der Ausführungen der „Wiener Presse" über die egyptischen Angelegenheiten, wonach Oesterreich und Deutschland dieselben als eine europäische Frage aufsassen, schreibt das „Journal de St. Pötersbourg": Dieser ganz cor- recte Gesichtspunkt entspreche vollkommen den Anschauungen des Petersburger Cabinets, welches zuerst vorgeschlagen habe, die egyptische Frage auf den Boden des europäischen Concerts zu stellen, um eine Verständigung und Versöhnung zu erzielen. Das Londoner Cabinet habe dem auch zugestimmt mit der Versicherung, daß gleich nach der zwischen England und Frankreich erzielten Ueberein- stimmung die anderen Mächte consultirt und Nichts ohne sie definitiv bestimmt werden solle. Das „Journal de St. Pötersbourg" schließt: „Wir können uns nur Glück wünschen zu dieser allgemeinen Uebereinstimmung, welche, wie wir immer wiederholten, das beste Pfand für die Erhaltung des Friedens ist, wie auch die Complicationen sein mögen, welche denselben bedrohen könnten." Athen, 14. Mai. Das französische Geschwader im Piräus hat Befehl erhalten, sich zu! Abfahrt nach Egypten auf das erste Signal hin bereit zu halten. Kairo, 14. Mai. Es verlautet heute, das gesammte Ministerium werde zurücktreten und der ehemalige Finanzminister, Haidar Pascha, die Neubildung des Cabinets übernehnten. In der Zwischenzeit sollen die laufenden Geschäfte durch die Unterstaatssecretäre erledigt und die Sitzungen derselben unter dem Vorsitze des Khedive abgehalten werden. Lokale». Gießen» 15. Mai. Bei bem gestrigen Volkswettturnen in Münzenberg, woran sich 50 Turner aus ben Vereinen Butzbach, Fricbberg, Gießen, Ltch, Macburg, Bad-Nauhenu, Nibba, Schotten, Wetzlar un» Wehrheim betheiligten, würben im Ganz,» 17 Preise ausgegeben; baoon erhielt Gießen 4, barunter bie drei elften An b.r Turnfahrt hatten sich 200 Turner beteiligt. Der turnerische Theil bieses Tages konnte bei schönstem Wetter ftattfinben. DaS Nachmittags projectirti Volksfest würbe buich bie inzwischen eingetretene rauhe Witterung etroaS beeintiädftigt. — S-. Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Hessen, Commanbeur ber Großh. hessischen Division, traf gestern Abenb behufs Jnspection bes hiesigen Regiments hier ein Die Regimentsmusik brachte auS Anlaß besten eine Serenade vor bem Absteigequartier (Hotel Einhorn). — Heu Türschmann hat vorläufig baoon Abstanb genommen, bie Oebipus- Trilogie in ber beabsichtigten Weise als em Ganzes i.n brei auf einanber folgender Abenden voizuführen. Dagegen hat er zugesagt, einzelne Recitationen zu halten, welchi in ber großen Aula ber Universität ftattfinben werden. Er beginnt Mittwoch ben 17. Mai mit Shakespear e's Othello (f. ben Jnseratenthril) — Ein junger Mensch, ber, nebenbei bemerkt, schon eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr 10 Monaten wegen Diebstahl verbüßt hat, entwenbete in ber Nacht vom Samstag auf Sonntag in Wetzlar, wo er in Arbeit stand, seinen Nebengesellen mehrere Anzüge, Uhr, Ringe, Gclo rc und wurde flüchtig. Derselbe wurde gestern Mittag hier am Bahnhofe verhaftet und fanden sich sammtliche gestohlene Gegenstände bei Ihm vor. — Gestern Abend entwendete em Stromer auf der Sch ramm'scheu Herberge einem hier in Arbeit stehenden Maschinisten ein Portemonnaie auS ber Hosentasche, würbe jedoch auf ber That ertappt unb verhaftet. — Am vorigen Freitag machte eine Frauensperson in verschiedenen Geschäften hier größere Einkäufe mit dem Bemerken, sie wolle heirathen und baar betagten. In einem Geschäfte wurden ihr die Sachen auch an einen von ihr bezeichneten Ort geschickt, allein von Bezahlen war keine Rede, weshalb ihr auch die Waare nicht verabfolgt wurde. Da die Person nicht wieder erschienen ist, um ihre Einkäufe zu holen, ist ju vermuthen, daß man es hier mit einer feinen Schwindlerin zu thun gehabt hat- Kandel unb Berkeb» Grünberg, 13. Mai. (Frachtpreise vom 13. Mai.) Weizen X 25.08, Korn X 18.92, Gerste X 16.46, Hafer X 16.08, Erbsen X 21.— , Lein X — Samen X 26.—, Kartoffeln X 2.78. , Frankfurt, 13. Mai. Aus dem heutigen Markte kostete der Centucr Heu sc nach Qualität X 3.50—4.50, Stroh X. 3—4, Eier des Hundert x 4.80—6.00, Butter 1. Qualität X 1.20, 2. Qualität X 1.10, Kartoffeln das Malter X 4.80—7.00, Spargel 50—-60 H das Pfund, Blumenkohl 30—50 H das Stück, Ochsenfleisch das Pfund 70 A, Kuh- unb Rindfleisch 45—55 H, Kalbfleisch 50—60 A, Schweinefleisch 75—80^, Hammelfleisch 45—65 A, 1 Hohn «*** l.t>0—2.00, 1 Huhn X 1.70—2.30, 1 Poularde' X 2.50—3.00, 1 Ente X 0,00—3.00, 1 GanS X 8—10, 1 Welsche JL 6—12, 1 Taube 45—50 ________ _ ! 73t) Ueber die H3he der Kotten, welche die Einrückung einer Anzeige in eint oder mehre Zeitungon verursacht, wird man sich niemals eattäueefat sehen, wenn mal- von der Annoncen - Expedition von H AA.SETVSTE1RT A hi Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hineichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen e*iver lässigen Bath ertheilt Waffcrwärme der Lahn. Arn 15. Mast Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 11° R., Cuftwärms + 7° 3?. L. Ehr. Rübsamen. Die für das Rechnungsjahr 1881/82 rückständigen Kapitalzinsen können innerhalb der nächsten 14 Tage an den Zahltagen Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zur Um- r>ersttäts-Rentamtskasse bezahlt werden. Gießen, den 15. Mai 1882. Großh. Universitäts-Rentamt. 3490 Schmitt.___________ Die aus früheren Quartalen noch rückständigen Gymnasial - Schulgelder sind bis längstens Ende dieses Monats an den Zabltagen Dienstag, Donnerstag und Samstag zur Gyninasialkasse — Geschäftszimmer des Universitäts- Rentamts — zu entrichten. Gießen, den 15. Mai 1882. Großherzogliche Gymnasialkaffe. 3491 Schmitt. Bekanntmachung. Auf Grund des von der Heinrich Kuhlmann's Wittwe zu Muschenheim gestellten Antrags, gegen den Widerspruch nicht eingelegt worden ist, wird das gegen dieselbe eingeleitete Concurs- verfahren hiermit eingestellt. Lich, den 11. Mai 1882. Grobherzogliches Amtsgericht Lich. Sanger m amt- 3475 Will. Freitag den 2. Juni ds. I., Nachmittags 2 Uhr, fall aus hiesigem Ortsgericht die Hofraithe des Karl Port dahier Flur 1 846 , 62 Mir. Hofraithe in der Lindengasse meistbietend versteigert werden. Gießen, den 17. April 1882. Großh. Ortsgericht. 2810 Müller. Dr. Naumann, Pfarrer. 3443 Evangelische Gemeindevertretung. Die geehrten Mitglieder der Gemeindevertretung lade ich hierdurch ergebenst ein zu der 2. freien Versammlung dieses Jahres, die am nächsten Dienstag den 16. Mai, Abends 8 Uhr, im Cafe Ebel (H. Balzer) stattfinden soll. Gegenstand der Besprechung wird, mit einem einleitenden Vortrag des Herrn Professor Dr. Harnack, fein: Die Geschichte der Armen- u. Krankenpflege in den kirchlichen Orden. Mit Bezug aus dieses Thema wird noch besonders zu zahlreicher Bethelligung an der Versammlung eingeladen. Gießen, den 13. Mai 1882. Feilgrboteues. 3480 Den Klee auf meinem Acker im Altenfeld bin ich Willens zu verkamen. I. K. Rühl. 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In der städtischen Ziegelei zu Lich sind jetzt fortwährend Ziegeltraaren ohne vorherige Bestellung zu haben. 3474 Ausverkauf. 3172 Wegen bevorstehender Geschästsveränderung will ich mein vollständig affortirtes Lager möglichst rasch räumen und verkaufe deßhalb sämnllliche Artikel, als: Seinen, Chiffon, Pique, tveipe und bunte Bvrhang- stoffe, Handtuchdrell, Tischtücher, Taschentücher, Einsätze, fertige Herren- und Damen Wäscbc re. zu bedeutend ermäßigten Preisen. Mode-Artikel, wie Borstecker, Fichns, LavalivreS, Cra- oate» 20., gebe ich unter Einkaufspreis ab. Ich führe, wie bekannt, nur beste Waare und bietet sich die günstigste Gelegenheit zum Einkauf vollständiger Ausstattungen. Herrenhemden sind in allen Weiten auf Lager. F. 62, mit dem Heutigen verlegt habe. Mit der Bitte, mir Ihr Wohlwollen auch ferner zu bewahren, sichere ich meinerseits beste und billigste Bedienung zu und zeichne Hochachtungsvoll 3481 J- Retter. Akademischer Gesangverein. § Die heute Abend ausfallende Probe findet nächsten Samstag den 20. d. M., von 7-9 Uhr, statt.___________ Der Vorstand. Erklärung. Die Stadtvertretung hat geglaubt, gegenüber der öffentlichen Begründung unserer Auflösung eine Erwiderung in Form eines Protokollauszuges veröffentlichen zu sollen. Wenn in unseren Anführungen thatsächlich Vorwürfe für sie gelegen waren, so mußte sie wenn sie gekonnt hätte, die Thatsachen berichtigen. Sie erklärt dies unter ihrer Würde findet es aber mit letzterer vereinbar, auf rem sachliche Darlegungen mit einem persönlichen Angriff der äußersten Art zu antworten. Die psychologische Erklärung liegt auf der Hand; Wahrheit, bitter, unwiderlegbar, reizt bis zum Verlust der Haltung. Wirkliche Würde hätte nach beiden Richtungen hm das Gegentheil bedingt. Der wahre Grund unserer Auflösung, der in einer jebe üble Deutung zulallenden Weise unausgeführt bleibt, soll die Beseitigung unseres Hauptmanns gewesen sem, der der seit Jahren erstrebten Neuorganisation cntgegenstand, dem man vorwirst, daß er an Interesse und Thatigkeit seit Jahren immer mehr verloren habe, und dem man mi vor Jahr überall in der Stadt das Geschre, machte daß er Ausrüstungsstücke namentlich Weggereister verwahrlose und verloren gehen lasse. Ware das unser Zweck gewesen, chann hätten wir denselben einfacher und sachgemäßer durch Nichtwiederwahl oder ^^raumsbes^luß^erreicht.^^ j>jx von uns angegeben«. Sie waren dem Antrag beigegeben, wurden in der Generalversammlung vom 4. l. M. Punkt für Puntt vorgetragen, blieben unwidersprochen und es wurde darnach die Aufloiung und zugleich die Veröffentlichung jener Gründe, und zwar fast einstimmig, beschlossen. Letztere wurde dem Vorsitzenden übertragen, der nur selbst erklärte, den Entwurf zunächst folgenden Abends dem Vorstand vorlegen zu wollen. Dies ist auch geschehen, nur daß einige Mitalieder bei Vereinbarung des Ortes der Sitzung nicht mehr zugegen waren und so ausbliebcn. Der Entwurf fand einstimmige Annahme und wir genehmigen die damalige Ansprache hiermit insgesammt, einstimmig, wiederholt. Die Folgerung aus dem Umstand, daß einige unserer Leute, wohl noch nicht es in der neuen Feuerwehr versuchen, ist nicht sehr glücklich, da wir ja ausdrücklich voraussetzten, es werde unser Schritt sich als Anstoß zu besserem Verhalten des Stadtvorstandes gegenüber der Feuerwehr erweisen; dagegen begreift sich wohl leichter die Logik der Thatsache, daß die beiden einzigen Mitglieder unseres Vorstandes,, welche den Versuch in der neuen Feuerwehr unternehmen, sowohl unserer Ansprache m Nr. Wb wie auch dieser Erklärung in unserer heutigen Sitzung ausdrücklich und in Ueberem- stimmung mit allen übrigen Mitgliedern belpflichtcn. Unsere Voraussetzung, daß unser Schritt den Stadtvorstand zur Forderung der neuen Feuerwehr nöthigen werde, trifft jetzt schon ein; was nun aber weiter eingetroffen ist der hochherzig- Dank vom Haus Oesterreich für langiahrige opfervollste Hingabe an das Löschwcsen unserer Stadt, den haben wir freilich nicht vorausfetzen können und mögen. Vorstand der aufgelösten freiw. städt. Feuerwehr. Hierdurch die ergebene Anzeige, dast ich vom 16. d. M. an im Hause des Herrn Rentner Bender (Bender'sche Cigarrenfabrik), Selterstveg C. 73, Ecke des Selterswegrs und der Süd-(NkUkn-)Anlsgr, wohne. 3482__________________________ Tapeten in neuester, reichhaltigster Auswahl empfiehlt zu billigsten Preisen Georg Schultheis, 2406 Marktstraße D. 20. Ein Haus mit schönem, großem Garten, gut gelegen, ist unter günstigen Bedingungen preis- würdig zu verkaufen. 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Mai, Abends 8 Uhr, in der grossen Aula: Recitation des Othello von Shakespeare. Billets bei den Herren J. Ricker und W. Rudolph: Sperrsitz Mk 1.50 (für Familien Preisermässigung). Saalbillets Mk. 1.—. Billets für studirende ä 75 Pfg. bei Herrn Verwalter Stork. Schülerblllets ä 50 Pfg. bei den Pedellen des Gymnasiums und der ___________Realschule.__3493 An unsere Mitbürger! Wie bekannt, hat sich die seitherige „Freiwillige städtische Feuerwehr" am 11. d. Mts. aufgelöst. Um jedoch unsere Stadt bei etwa ausbrechendem Brande nicht ohne den nöthigen Schutz zu lassen, den eine wohl organifirte Feuerwehr zu bieten im Stande ist, hat sich bereits am 5. d. Mts. eine Anzahl hiesiger Bürger und Einwohner zur Gründung einer neuen Feuerwehr vereinigt, die sich nun auch durch eine am 10. d. Mts. stattgefundene Hauptversammlung unter dem Namen „Gießener freiwillige Feuerwehr" definitiv constituirt hat. Obgleich diese neue Feuerwehr eine stattliche Anzahl Mitglieder schon zu verzeichnen hat, so fehlt es doch noch an ausreichender Mannschaft zur erfolgreichen Bedienung der vorhandenen Löschgeräthe. Der unterzeichnete Vorstand richtet daher an die Bewohner Gießens die Bitte, der „Gießener freiwilligen Feuerwehr" möglichst zahlreich beitreten zu wollen. Widmet dadurch doch Jedermann sich einem Ehrendienste, der das Wohl Aller ohne Ausnahme verfolgt! Aufnahmefähig ist jeder unbescholtene Mann, der gesund ist, die zum Fcucrwehrdienst nöthige körperliche Befähigung besitzt in Gießen seinen ständigen Wohnsitz hat und mindestens 18 Jahre alt ist. Für die aktiven Mitglieder ist ein vierteljähriger Beitrag von 50 Pf. in Aussicht genommen. Freunde unserer Feuerwehr, denen der Eintritt in den aktiven Dienst durch vorgerücktes Alter oder Gesundheitsverhältnisse verboten wird, können derselben als außerordentliche Mitglieder beitreten und der guten Sache durch einen Beitrag nützen, dessen Höhe dem Ermessen des Einzelnen überlassen bleibt. Anmeldungen nimmt jedes der unterzeichneten Vorstandsmitglieder gern entgegen. Möge die Einwohnerschaft Gießens unserer jungen Feuerwehr aufmunterndes Wohlwollen entgegen bringen, das im Stande ist, jene Lust und Liebe zu wecken, die in dem verantwortungsvollen und schweren Feuenvehrberuf unbedingt nöthig sind. Dann wird sie der Stadt wirklich zum Schutz und Segen gereichen. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr! 3436 Der Vorstand der „Gießener freiwilligen §euerwehr:" L. Petri II., 1. Hauptmann. C. Dcmuth, 2. Hauptmann. Scheyda. Schmuck. C. Müller. Julius Möhl. L. Petri III., W. Böger. H. Scherst. H. Schaffstädt. C. Leib. C. Berg. A. Lauber. melden, die durchaus tüchtig sind. 3486 E. Kockerveck. 3469 Ein solides, braves Dienst miidcheu gesucht. Näheres in der Exped. ds. Bl. Verantwortliche Redacttou: A. Schepda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch in Gießen.