Nr 88 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags- Vnrranr Schulstraße B. 18. JcD, #;• Q i e'"*' 0* oe c x c " J fl; aT< > 16 aareti toiri Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark °>0 Pt. Igenieur-Schule ■Schule, tieht frei w Mite J" IS I alten, U5' ! lJ- ■■ J Ft'® ^c-3 'ij* ‘•.K. Ä 20 ip 16 £ $etbtpfk«tt, o- al§ Wburid)« luf hoben Eofin ri n aus Mn 2-E.219 Unsere innere §age. Kein Politiker, kein deutscher Staatsbürger darf sich 0?0enn)ärtig barübet bie Augen verschließen, daß unsere Reichspolitik demnächst in ein höchst kritisches Stadium treten wird Die Angelegenheit ist zwar die alte, bekannte, sinanzpolitiiche und social- politische Reform, zu deren fernerer Ausbildung eine Frühlahrssession des Relchs- tags für unerläßlich erachtet wird, da der Reichskanzler unter allen Umstanden alsbald üK-r das Tabakmonopol ein Votum des Reichstags verlangt, obichon dasielbe nut S> verkett ablehnend lauten wird- Das preußische Abgeordnetenhaus, welches am 18.'April seine Arbeiten wieder aufnimmt, wird sich ohne Zweifel auf s Aeußeiste mit denselben beeilen, gleichwohl wird es unter vierzehn Tagen unmöglich fertig werden können Wir stchen sonach wieder vor einer langwierigen und ermüdenden, theilwene Kock durch das^u ammentagen der beiden Vertretungskorper erschwerten parta-- mentaSn ©aifon’ Sa ift "« denn, soll nicht das öffentliche Interesse an den aesehaeberffchen Verhandlungen abgestumpft und, die Kraft der Abgeordneten auf s Aeukerite erschöpft werden, nur dringend zu wünschen, daß sich die bevorstehende Reickstagssefsion wenigstens auf das Allerwichtigue und Unerläßlichste b>schrankt, daß nicht außer dem Tabakmonopol und der Arbeiterunfallversicherung noch andere größere Gesetzentwürfe jetzt an den Reichstag gebracht werden- Ohne allen Zweifel wird nun auch her Reichskanzler Fürst Bismarck einen ganz hervorragenden Antheil an der Leitung der Geschäfte nehmen und demnächst aus Friedrichsruhe zuruckkehren, um an den Minister - Cvnserenzen des Bundesraths und den bedeutsamen Sitzungen des Reichstags theilzunehmen. Alles in Allem gerechnet, ist aber anzunehmen daß sich wolst im Bundesrathe, aber nicht im Reichstage eine Mehrheit für das Tabakmonopol finden wird ja, es dürste kaum ein Viertel der Reichstagsabgeordneten für das Monopol stimmen denn die Liberalen wie die Cei.trumspartei lasten wiederholt m ihren Zeitungen erklären, daß sie nicht für das Monopol stimmen können und ihre Gründe daaeaen noch 'M Reichstage besonders darlegen werden. Wie unter diesen Umstanden, was die ablehnende Haltung des Centrums in der Monopolfrage anbetnfft, der kirchenpolitische Compromiß perfect weiden soll, ist auch gar nicht abzmehen, da neuerdings dst Negierungspresse erklärt hat, die Regierung habe ihre Zustimmung noch nickt ru demselben ertheilt, auch seien weder die Regierung, noch die Conservativen fo T über die künftige Haltung der Centrumspartet zu täuschen. Unsere innere Politik befindet sich daher offenbar an einem Punkte oder vielleicht auch m einer Sackgasse, aus welcher sie ohne eine scharfe Krisis mit nachhaltigen Wandlungen wob nicht herauszubringen 'st. bald, unb Italien hach! Nieder mit Frankreich !» Eine weitere Folge hat diese Kundgebung aber nicht gehabt. — Der Papst empfing am F. April een Prinzen Heinrich von Preußen, welcher von dem Gesandten v. Schlozei und von seinem Gefolge begleitet war. Prinz Heinrich stattete hierauf auch dem Cardinal-Staatssecretär Jacobini einen Besuch ab . Von der pyrenäischen Halbinsel kommt die erfreuliche Kunde, daß der Belagerungszustand jetzt in ganz Catalonien wieder ausgehoben ist. Das Ministerium Sagasta hat sich also als Herrscher der Situation m der aufständischen Provinz behauptet und die von ihm bewiesene Energie war daher 9CUb ^?ürst^Nikita von Montenegro giebt der österreichischen Regierung bei jeder Gelegenheit Beweise seiner freimdnachbarlichen und loyalen Haltung. Als er kürzlich die Jnsurgenten-Chefs Subotic und Cerovic empfing, theilten ihm dieselben Die Bedingungen mit, unter denen sie sich bereitwillig unterwerfen mürden Sie forderten allgemeine Amnestie, Zurückgabe der in der Boeche con- fiseirten Waffen, Aufbau der zerstörten Häuser Befreiung von Steuerm auf 3 Jahre und vollkommene Befreiung vom Landwehrdienste. Mit Recht soll Fürst Nikita diefe Bedingungen als für Oesterreich unannehmbar bezeichnet haben fo daß die Jnfurgenten vielleicht doch seinen Rathfchlagen Gehör geben und sich Oesterreich bedingungslos unterwerfen. - Die in Kairo gegen den Krieasminister Arabi Bey ausgebrochene Bewegung fchemt thells durch Die Verhaftung, theils durch die Strafversetzung der unzufriedenen Ossiciere schon irn Keime erstickt zu fein, wenigstens verlautet Nicht, daß das Beispiel Derselben nachgeahmt worden wäre. Die Bewegung entstand durch die Unzufriedenheit der verhafteten Offieiere, welche sich in ihrem Avancement zuruckgefetzt glaubten, politische Motive laufen also nicht mit unter. Gießen, 15. April. Kaiser ist von seinem jüngsten Unwohlsein nunmehr wieder voll- Mndia b-mck°llt >md hat !°w°ht di- R-gi-rungiMtigk-it im ganzen Umfange, gergejieui > .jerfahrten wieder ausgenommen. Heber die Ab- iV?« Kaders n°v Wiesbaden shtd jedoch noch keine näheren Bestimmungen eetT0fi»n h,„ Regionen der hohen Politik herrscht noch immer die seit den Seiertamn eingetr-t-ne Ruhe vor, welche nur durch -in einziges bemerkens- wertstes Ereigniß, durch die Ernennung des Herrn v. Giers zum definitiven PHfpr her ru«n auswärtigen Politik, an Stelle des factisch von der politischen Schaubühne schon längst zurückgetretenen greisen Reichskanzlers, Für,ten Gortschakoff unterbrochen wurde. Dagegen ist in unserer inneren Polckck durch die bereits am 12. April erfolgte Wiederaufnahme der Bundesraths-Sitzungen schon wieder eine lebhaftere Bewegung zur Geltung gelangt. ^n der Bundes- raths-Sitzung vom genannten Tage wurden Die Gesetzentwürfe über die Unfall- und Krankenversicherung für Arbeiter, die Abänderung der Gewerbeordnung und das Tabakmonopol den Ausschüssen zur Vorberathung überwiesen. thungen im Plenum des Bundesraths über diese Vorlagen, an deiien betannlich auck die Minister der Bundesstaaten theilnehmen, sotten Sonn ag den 16. April, ober, nach einer anderen Angabe, Montag Den 17. April beginnen. Man hofft daß diese Berathungen im Laufe dieses Monats soweit ^gefordert werden, daß die Einberufung des Reichstages noch in den letzten -tagen des April D /r" k i rchenpolitifche Compromiß zwischen Centrum und Conservativen qiebt der Presse noch immer Anlaß zu lebhasten Betrachtungen. Die Nachricht, Fürst Bismarck habe diesem Übereinkommen von Friedrichsruhe aus zugestimmt, ist von den Berliner Ofsiciösen mit merkwürdigem Elfer denientirt worden, so daß die Frage, wie sich der Reichskanzler zu,dem Compromiß stellen werde, noch immer eine offene bleibt. Fürst Bismarck soll überhaupt nach er „Nordd Alla Ltg." von dem Inhalte des Compromisses gar nicht m Kenntmtz gefetzt worden sein, da das preußische Staatsministerium von vornherein entschlossen gewesen sei, sich in die Fraktions-Verhandlungen nicht emzumlsckM. Unter solchen Umständen kann man in der That nicht sagen, ob aus den Beschlüssen des preußischen Abgeordnetenhauses bezüglich der kirchenpolitischen Vorlage ein Gesetz werden wird oder nicht. w Die erste hessische Kammer hat den Beschluß der zweiten Kammer, die Regierung zu ersuchen, die Aushebung der technischen Hochschule zu -<-arm- stadt, in Anbetracht der sortdauernd schwachen Frequenz dieser Anstalt, in Ci- wägung zu ziehen, abgelehnt und, ebenfalls abweichend von dem Beschlüsse der zweiten Kammer, Die Mittel für alle Vorschulen Der hessischen Gymnasien bewilligt. . Mit dem an diesem Sonnabend, den 15. April, erfolgten Wiederzusammentritt der österreichisch-ungarischen Delegationen ist Die EntscheiDung für Die verschiedenen schwebenden Angelegenheiten der occupirten Provinzen wie auch der Crivoscie nahe gerückt. Die Regierung wird von Den Delegationen einen abermaligen außerordentlichen Kredit, wie man sagt, in der Höhe von 25 bis 30 Millionen Gulden, fordern, welcher hauptsächlich zur Anlegung von großartigen Befestigungswerken in der Herzegowina und der Crivoscie verwendet werden soll. Die Delegirten sollen aber entschlossen sein, den Kredit nicht eher zu bewilligen, als bis Die Regierung sich bestimmt Darüber geäußert hat , in welcher Weise Das fernere Verhältnis Bosniens unD Der Herzegowina zur öjterj reichischeu Monarchie geregelt werDen foll. Denn so lange Dem Sultan noch Die Oberhoheit über Diese LänDer zusteht, wäre es unklug, große Summen für Befestigungen unD ähnliche Zwecke in Diesen LänDern auszugeben. — In Wien fanD am 12. April Die Trauung Des Prinzen Arnulf von Bayern unD Der Prinzessin Therese Liechtenstein in Gegenwart Des kaiserlichen Paares, Der Erzherzöge unD Erzherzoginnen, sowie zahlreicher hoher Gäste, statt, Zwischen Den Regierungen von EnglanD unD 9ZorDumerita hat in jüngster Zeit ein lebhafter Depeschenwechsel stattgefunDen, Der DaDurch veranlaßt roorDen war, Daß mehrere in EnglanD weilenDe amerikanische Bürger wegen VerDachtes Der Teilnahme an der irischen Bewegung verhaftet worden waren. Außerdem reclamirte die Unions-Regierung mehrere Amerikaner, welche wegen in England begangener gemeiner Verbrechen ebenfalls verhaftet worben waren und verlangte deren Auslieferung, um sie nach arnerikanifchen Gesetzen abzuurtheilen, d. h. fchließlich laufen zu lassen. Dieser Forderung hat sich die englische Regierung bis jetzt widersetzt, dagegen ist der amerikanische Bürger White, welcher wegen des Verdachtes, daß er im Auftrage der arnerikanifchen Iren in Irland agitire, s. Z. in Dublin zur Haft gebracht worden war, vor einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Trotzdem dauert die Erregung im amerikanischen Volke gegen England fort und wird namentlich von den englischen Agitatoren geschickt geschürt. In der sicilianischen Hauptstadt Palermo verhallen allmälig die Klänge der 600jährigen Gedenkfeier der sicilianifchen Vesper, in welche sich, l^sveit bekannt, kein störender Mißton geschlichen hat. Auf einzelnen -theilen Siciliens hat indesfen Die Feier begreiflicher Weife doch eine gewisse aufgeregte Stimmung erzeugt. So durchzog ein Haufen junger Leute am Abend des 6. April die Stadt Cagliari mit dem Rufe: „Die sicilianifche Vesper, Gari- Truppe ausrücken. Unserem Landsmann siel erst nach h nirücfgelaffen Marsches ein, daß er in ber Uebeiftürjung be§ Mufbrud)§fein' ®Saften hatte, in welcher sich seine nicht unbedeutende Va ar schaff P ^er au§ an und feine Photographie befand. Nach Friedensschluß sch . seinen Quart,ergeben, einen Apotheker, und ersuchte ihn um Rua,en^ »^ntag wurde thums. Das Schreiben blieb sidoch ubne alle Antwo B mbs? vollständigem Inhalt nun Herrn E. die Ueberraschung zu Theil, die ör ! > einiger gestorben, franco per Post zu erholten. . Der Apotheker s bein%j2nönj£f)reiben be§ beutfdjen feine Erben fanben im Nachlaß die Bnfftasch Willen ihres verstorbenen Soldaten und erfüllten mit der Rücksendung den leyren Vaters. - sii-s>linasaespräch hiesiger Gesellschaftskreise bildet Hagen, im April. Das Liebling giP . .Wests. Pro» -Ztg." wie gegenwärtig eine intereffante ®nt^ü^“nÄf$c£ilt'er entwachsene, für ihre Jahre jedoch folgt erzählt wird: Die eben erst dem J »Meinung begabte Tochter einer sehr sehr entwickelte und mit sew'nnender ußere^sw^ au5märttge§ ^enfionat gebracht wohlsituirten hiesigen Familie war^n e ^fen ^hr passend als die „Kunst zu worden, um dort das zu lernen wa^d njd)t aUein bie Kunst des Lebens, leben" bezeichnen. Aber !d>junge ^m sie bie Bekanntschast eines ihr schwärmerisch sonb-rn auch dieienigedesL'eben, nawoe^ ^mad)t hatte. Doch das Unglück schreitet zugethanen lungen Studenten der Justitutsvorsteherin verrathen; dieselbe schnell. Das vertraute Verbatt i ß ' Dame unb letztere wird ganz unerwartet r meldet die Sache dem siat t 0 sBrie| empfängt, durch welchen ber SK'ÄiV.ÄÜ «S@tr.n8f.. unter(aßt u„» ihre ioforli«, Mck, Zweites Blatt. Sonntag den lt>. April 1882. ießencr Anzeiger AM- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. i',cr „ M gesucht z II., Ludwi^iM 6” 8' j, ’ i . AI l*. 133,12^l315'6^ jo. is 4”, 36,' ö56; . 6%ief^3f Izug- * a: et kehr nach Hause anordnet. Das war ein böser Brief! Eine Trennung schien den Liebenden unmöglich; blieb die junge Dame im Institut, ohne dem Befehl des gestrengen Vaters Folge zu leisten, so war mit Gewißheit vorauszusehen, daß dieser Ne nach Hause holen würde So gewann der Plan einer Entführung an Gestalt- Aber, sagte sich der Studiosus, wie sollte die Geliebte vor den unvermeidlichen Nachforschungen verborgen werden? Doch das Herrchen wußte sich zu helfen. Plötzlich ist die junge Dame verschwunden. Der Herr Papa reist sofort an Ort und Stelle, um persönlich die Nachforschungen nach der Entführten zu leiten; allein diese blieben trotz aller Mühe vergeblich. Der muthmaßl-che Entführer wird scharf beobachtet, doch auch nicht die Spur eines Umgangs mit irgendwelchem weiblichen Wesen ist zu entdecken Aufklärung um jeden Preis will der Vater haben, er tritt den schweren Gang zu dem Entführer an. Dieser ist nicht zu Hause; dem klopfenden Vater öffnet ein junger Student, der erschrocken zurückweicht, als er den Eintretenden licht, und in ihm erkennt der Vater — seine verschwundene Tochter, welche in Studententracht, mit kurz abgeschnittenem Haar in der That einem jungen Musensohne taufchend ähnlich sah. Der vollzogenen Thatsache gegenüber kapitulirte endlich der gestrenge Herr Papa, erweicht durch die gar nicht studentischen Thräncn des hübschen Töchterchens, und es wurde beschlossen, daß nach abgelegter Staatsprüfung der Herr Studiosus seine Studiosa als Gattin heimführen solle. — sPapa Wrangel's Osterpräsent-j Im Jahre 186 . am ersten Osterfeiertage erschien Papa Wrangel int Gräflich von —e'schen Palais und wurde trotz der unver- hältnißmäßig frühen Stunde — es war noch nicht 10 Uhr — als langjähriger Hausfreund sofort empfangen. In der einen Hand den Stahlhelm,Zn der anderen ein Gesangbuch und einen eleganten Carton haltend, betrat er den Salon, begrüßte die Gräfin im Tone der Vertraulichkeit und meinte dann: „Ich will mir nämlich nach die Garnisonkirche begeben, meine Gnädigste, vorher aber unser Comteßchen ein Osterei mit Zubehör schenken" — „Meine Tochter befindet sich leider noch in ihrem Boudoir", erwiederte die Gräfin. — „Ja, ja!" fuhr Papa Wrangel fort, „sich putzen und schmücken ist einmal das Vorrecht der Jugend. An mir und Ihnen freilich hat schon der Zahn der Zett so herumgenagt, daß die rassinirteste Toilettenkunst nicht mehr viel zur Verschönerung beitragen würde" — „Ich danke Ew. Excellenz verbindlichst für dieses Compliment", lachte die Gräfin amüsirt, indem sie die Morgenzeitung, in welcher sie soeben geblättert hatte, wie einen Fächer langsam hin und her bewegte. „Bitte, bitte," versetzte Papa Wrangel kurz. Dann sich umwendend, rief er einer schönen, jungen Dame, welche in diesem Augenblick die schwere Portiere zum Nebenzimmer zurückgeschlagen hatte, erfreut entgegen: „Das ist schön von Dich, Comteßchen, daß Du Deinen alten Freund nicht lange warten läßt!" Trotz ihrer 18 Jahre und ihrer nahe bevorstehenden Vermählung mit einem hochadligen Gardeoffizier, bediente sich der Marschall aus alter Freundschaft der jungen Gräfin gegenüber noch immer des traulichen Du. E'nen Kuß auf ihr Händchen drückend, fuhr er fort: „Erinnerst Du Dich noch, Comteßchen, wie wir früher zusammen in Eurem Schloßgarten noch die versteckten Ostereier gesucht haben? Ich habe mich gedacht, Du wirst Dir gewiß freuen, wenn ich Dir gerade jetzt, wo Du bald aus den Jungfernstand in den der heiligen Ehe trittst durch eine zarte Aufmerksamkeit an Deine Kindheit erinnere. Hier mache mal den Pappkasten auf!" Erwartungsvoll hob die junge Dame den Deckel ab. trat aber in demselben Moment sichtlich unangenehm berührt zurück, während die Gräfin Mutter mit einem strengen Blick, jedes Wort betonend, sagte: „Aber Excellenz! Welch unpassender Scherz!" Papa Wrangel starrte mehrere Secunden lang mit dem Ausdruck grenzenlosen Staunens auf den Inhalt des Cartons, dann rief er zornig: „Tausendmillionendonner . . - Pardon, meine Damen! Aber ich bin außer mich! Habe ich mich vorhin beim Condttor ein allerliebstes Täubchen mit zwei frischgelegte Ostereier im Nest ausgesucht und zu enveloppiren befohlen und hat mich der Mensch den danebenstehenden Klapperstorch mit das kleine Kind im Schnabel eingepackt." Nach einer kurzen Pause fügte er, der erröthenden Braut abermals die Hand küssend, hinzu: „Wir wollen dem Menschen seine Verwechslung nicht weiter nachtragen. Comteßchen! Eigentlich ist das Versehen gar nicht so schlimm. Die Störche legen ja auch Eier!" — sKurz, aber gut] In einem Gymnasium wurde als Thema zu einem lateinischen Aufsatz gegeben: „Schilderung der Gefühle beim Besteigen eines hohen Berges." Viele lieferten weit ausgesponnene poetische Herzensergüsse. Emer aber hatte zur Darstellung des Gegenstandes nur drei Worte gebracht, sein Aufsatz lautete „Utinam essem supra!“ (Wenn ich nur schon droben wäre!) Unter lebhafter Heiteikeit des Professors und der Schüler wurde diesem die Palme zuerkannt. — Aus Laibach wird der „Presse" unterm 4. Apr l geschrieben: Wie vor Jahren bei Steinbrück, so versetzte gestern ein Bergsturz die Bewohner von Sagor an der Save, sechs Bahnstationen unter Laibach, in eine unbeschreibliche Aufregung; der zumeist aus Kalkstein und Schiefer bestehende Berg, an dessen südlichem, der Save zugewandten Theile die Südbahn dahinläuft und der andererseits durch das Thal von Sagor, in das man von der Bahn aus durch eine Art Felsenthor hineinsieht, begrenzt wird, befindet sich seit dem 1. ds. Mts. in langsamem Rutschen. Tue knapp von der Bezirksstraße die vom Bahnhof durch das genannte Felsenthor zu der etwa zwanzig Minuten entfernten Kohlengewerkschaft Sagor und weiter nach Locke führt, fast senkrecht aufsteigende Felspartie des spärlich bewaldeten Bergrückens stürzte bereits unter furchtbarem Getöse und Donner nieder, zerstörte die zahlreichen darunter erbauten Kalköfen, eine Sägemühle, die Bezirksstraße und die Pferdebahn der Gewerkschaft. Gestein und Erdmassen erfüllten in einer Längenausdehnung von mehr als 40 Meter die Schlucht und bringen den Mediabach zum Stauen. Menschenleben fielen der Cata- ftrophe nicht zum Opfer, da man die Gefahr rechtzeitig wahrnahm; die Ursache dieses Ereignisses, dessen Folgen für die Gewerkschaft und möglicher Weise auch für die Süd- bahn vorläufig noch nicht abzusehen sind, erblickt man in dem durch die Bergrutschung gleichfalls in Mitleidenschaft gezogenen Steinbruch, wo schon seit längerer Zeit Sprengungen mittelst Dynamcks vorgenommen wurden. — Unter der Besatzung der „Bacchante", auf welcher die Söhne des Prinzen von Wales ihre Reise um die Welt machen, haben sich solche Zeichen der Unbotmäßigkeit gezeigt, daß zehn der Matrosen vor ein Kriegsgericht gestellt und zu Gefängniß- strafen verschiedener Dauer verurtheilt wurden. Ein Theil der Strafe ist den Leuten jedoch erlassen worden und der Capitän des Schiffes, Lord Charles Scott, sowie Com» mandeur Hill haben wegen der Behandlung der Leute von der Admiralität einen scharfen Verweis bekommen. — Zur Vertilgung der Schwaben läßt sich folgendes Mittel anwenden. Man nehme ein Waschbecken oder eine größere glasirte Schüssel, schütte etwas Bier hinein und stelle dieselbe des Nachts auf den Fußboden des Raumes, wo sich die Schwaben aufhalten. Außerhalb um die Schüssel wickele man Tücher herum. Die Schwaben, durch den Geruch des Bieres angezogen, klettern an den um die Schüssel gewickelten Tüchern leicht bis an den Rand desselben hinaus und rutschen an der glatten, glasirten inneren Seite der Schüssel hinab ins Bier, ohne wieder emporklettern zu können. — sAus altem Rahm gute schmackhafte Butter zu erzielen.j In kleineren Wirth- schasten mit wenigen Kühen dauert es oft mehrere Wochen, bis man so viel Rahm zusammen hat, um buttern zu können. Dadurch nimmt die Butter leicht einen bittern, strengen und unangenehmen Geschmack an- Diesem Uebelstande beugt man vollkommen vor, wenn man dem Rahm nach und nach eine kleine Quantität Salz, etwa 30 bis 40 Gramm auf ein Liter, zufetzt. Die Butter gewinnt durch diese Beimischung nicht nur am Geschmack, sondern wird auch fester und kerniger. Der Salzzusatz erleichtert auch das Buttern. Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W- Dietz Nachfolger Gießen. Bremen, 12. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capt. H. A- F- Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 31. März von Bremen abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 13. April. Der Postdampfer Habsburg, Capt-F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. April von Newyork abgegangen war, ist heute 12 Uhr Nachts wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung V/a Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt- Derselbe Überbringt 52 Passagiere und volle Ladung Allgemeiner Anzeiger. Bei der wiederkehrenden Bausaison erlauben wir uns Sdjlttdicnfanii u. SdjUdicnmcIjl, welche zu jeder Zeit aus unseren Werken zu Margarethenhütte bei Gießen und Main-Weser-Hütte bei Lollar zu haben sind, tu empfehlende Erinnerung zu bringen. Bei richtiger Verwendung derselben zu Maurermörtel, Frucht Keller-Böden, Betonarbeiten re., wozu wir auf Verlangen gedruckte Gebrauchsanweisungen franco einsenden, verbürgen wir den besten Erfolg. Wir führen unsere eigenen Bauten nur noch mit den genannten Materialien aus und sind überzeugt, daß Alle, welche die großen Vorzüge derselben kennen gelernt haben, nicht mehr von deren Verwendung absehen werden. — Besonders herrorhebend die sich von Jahr zu Jabr steigernde c.mentartige Festigkeit des daraus bereiteten Mörtels gegenüber demjenigen, der aus Kalk mit Fluß- und Grubensand hergestellt ist, bedarf es gewiß keines Hinweises, wie sich daraus ^uf>;eführte Bauwerke durch ihre Solidität vonheilhaft auszeichnen. Zahlreiche Zeugnisse von Baubehörden und Privaten stehen zu Diensten, auch sind wir jederzeit gern bereit, unsere eigenen Ausführungen, die den besten Beleg für unsere Aussagen geben, an Ort und Stelle vorzuzeigen. Main-Weser-Hütte, Margarethen-Hütte, Station Lollar, Station Gießen, 2666 im April 1882. Gebrüder Buderus» Baumeistern u Hausbesitzern re. die ergebene Anzeige, daß Herr Farben-Fabrikant Wils* Zur buch in Gießen Niederlage meines v. d. Behörden entpf. alleinig patentirten u. prämiirten Ur. H. Zerener'schen Antimerullon (S4),®X" „.) hält und zu den billigsten Detail- u. Engros-Preisen abgiebt. Chem.-Fabr. Gustav Schallehn, Magdeburg. Da, wo das „Antimerulion“ beim .IVeu- oder Keparatur- bau nach Vorschrift angewandt wird, ist das Erscheinen oder die Wiederkehr des Schwammes völlig ausgeschlossen. Rath und Auskunft auch zur Anlage von ElsEiellereien etc. gratis. 2561 Blumenpflanzen zu Einfassungen für Gruppen und Rabatten, als Peneev, Phlox, Glockenblumen, Pechnelken, Nofen, Silenen, Vergißmeinnicht empfiehlt M5i Carl Deines, Asterweg. ------------Q Wegen "WG WM-UNlMIU verkaufe mein reichhaltiges Lager in Herren- u. Knaben Kleider, Damen- u AMcheu-Conseclion, Schuhe und. Stiefel, UM rasch damit zu räumen, ?u bedeutend herabgesetzten Preisen. llermuuu Hut®., 2269 C. 186. Seltersweg C. 186. Rühjahr- und SommerHoffe, passende Besätze, bis zu den feinsten, empfiehlt 1805 F. Holberg, Kirchenplsh. 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