lpothekr l Engel ^ifen ät *fg.: . Gegen Ausschläge, ^Ntction, iS,*, lsche). i He n Nmqiick Aeln rocap, Griech.Lümerc. Hüte. 7377 I.. 2- I? -Z ik ,10k Vp., sxbon, crich a. M, riser-, salon-, uc i(. Tinien, sfiger Leim, 08 und »ttm 7200 4 sv ikat J I larren 08U/W n „ 4.00 _ 4.25 millAnssM^ >5 in hochfeiner 'ich in Zog ™d CO er Ä-Jung i.M. _____. kB n 4 < billig r frr)/ > a Freitag den 15. December Nr. 293. 1826, iehencr Anzeiger Amts- unb Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. Dureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Pos^ bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. iJ 1BL1LL”1—1—!■_ ' Politische Ueberstcht. Gießen, 14. December. Der dreitägige Redekampf im Reichstage über Den Etat, resp. über die Einführung zweijähriger Budgetperioden, hat am Montag mit der Ab- lehnung des von der Reichsregierung gemachten Vorschlages, betr. die zweijährigen Etatsperioden, geendigt. Es konnte dieses Resultat nicht überraschen, nachdem in den beiden vorhergegangenen Sitzungen, die der Etatsberathung gewidmet waren, von Seiten des Hauses nur der Führer der Deutschconservativen, v. Minnigerode, für die Regierung eingetreten war, während die der linken Seite des Hauses angehörigen Redner, die Abgg. Rickert, v. Bennigsen und Richter-Hagen sich entschieden gegen die Ausstellung von Dovpeletats ausgesprochen hatten. Außerdem aber mar bereits vor Beginn der Generaldebatte über den Etat das bestimmte Gerücht verbreitet, daß auch das Centrum gegen die Einführung zweijähriger Etatsperioden sei und dieses Gerücht sand seine Bestätigung durch die entschiedene Art, mit welcher sich der Sprecher des Cen- ttums, Dr. Windthorst, am Montag in der erwähnten Frage auf die Seite der liberalen Opposition stellte. Am Montag gelangte auch der Sprecher der deutschen Reichspartei, Abg. v. Kardorff. zum Wort, welcher erklärte, daß seine Partei aus praktischen Gründen für den Versuch mit zweijährigen Budgetperioden stimmen werden. Ein wenig erquickliches Intermezzo in der Montagssitzung bildete der schon am Sonnabend begonnene Disput zwischen dem preußischen Finanzminister Scholz und dessen ehemaligem Vorgänger in diesem Amte, dem Abg. Hobrecht, wegen der Bemerkung des ersteren, daß Hobrecht während seiner Ministerzeit sich ebenfalls für zweijährige Budgetperioden ausgesprochen haben sollte, was Hobrecht energisch bestritt. Die sich hierüber entspinnende Debatte, an welcher sich nach und nach eine ganze Reihe Abgeordneter betheiligte, währte fast drei Stunden und nahm so dem Hause ein gut Theil seiner kostbaren Zeit weg. Die Debatte über den eigentlichen Berathungsgegenstand endigte damit, daß der Reichstag zunächst den Antrag Minnigerode, auch gewisse Theile des Etats für 1884—85 der Budget-Commission zu überweisen, mit 224 gegen 43 Stimmen ablehnte, auch der Antrag Kardorff, Den Etat für 1884—85 Der Budget-Commission zum Bericht zu überweisen, wurde abgelehnt, dagegen der Antrag Rickert, gewisse Theile des Etats für 1883—84 in der Budget-Commission zu berathen, mit großer Majorität angenommen. Für die nächste Sitzung am Mittwoch stand neben einer Reihe anderer Anträge aus der Mitte des Hauses auch der Antrag Windthorst auf Aufhebung des Expatriirungsgesetzes ouf der Tagesordnung. Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat wider Erwarten an der bteneralbebatte über den Etat im Reichstag nicht Theil genommen, da er in der Lhat in den letzten Tagen ernstlich unwohl gewesen ist. Der Kanzler hat sich aber über die Verhandlungen sofort eingehenden Bericht erstatten lassen, über deren Gang er allerdings wenig erbaut gewesen sein soll. Der Antrag Preußens, betreffend die Erhöhung der Holzzölle, ist am 7. d. M. an den Bundesrath gelangt und enthält, wie die „Post" erfährt, den Vorschlag, den Zollsatz für Rohholz von 10 auf 30 Psg., für bearbeitetes Holz von 25 auf 50 Psg. pro Doppelcentner zu erhöhen. Die Wahlprüfungs-Commission des Reichstags hat die Vahl des Reichstags-Präsidenten v. Levetzow beanstandet. Gegen die Wahl des Herrn v. Levetzow war seiner Zeit ein Protest aus dessen Wahlkreise ängelaufen, welcher demnach nicht ganz unbegründet gewesen zu sein scheint. Im ungarischen Abgeordnetenhause hat sich am letzten Sonnabend wieder einmal eine jener eigentümlichen Scenen abgespielt, an denen Die parlamentarische Geschichte Ungarns nicht gerade arm ist. Bei der Berathung über das Budget des Communicationsministeriums griff der Deputirte v. Ro- lronczy den Staatssecretär Hieronymi heftig an, den er als den Ches einer Bande don Schurken im Ministerium bezeichnete; Hieronymi seinerseits bezeichnete diese Angriffe als unanständig und schurkisch. Wegen dieser Äußerungen wurden sowohl Rohonczy als auch Hieronymi vom Präsidenten zurecht gewiesen; schließlich erklärte Rohonczy, daß er wohl das Haus, aber niemals den Staatssecretär um Verzeihung bitte. Die Angelegenheit führte natürlich zu einem Duell zwischen Rohonczy und Hieronymi, welches am folgenden Tage durch Pistolen mit zweimaligem Kugelwechsel ausgefochten wurde, indessen wurde keiner der beiden Kämpfer verletzt. In der Montagssitzung erklärte der Deputirte v. Rohonczy, daß er das gerichtliche Urtheil abwarte, doch bitte er das Haus nochmals um Verzeihung. Sonderbare Verhältnisse. Die französische Deputirtenkamer ist, nachdem sie in vergangener Sß-odje dem Cabinet Duclerc das Ordinarium des Budgets gegen die Stimmen der legitimistischen Abgeordneten bewilligt hatte, in die Berathung des Extra- ordinariums eingetreten. Rach dessen Erledigung dürfte die Deputirtenkammer ivachrscheinlich in die Weihnachtsferien gehen und das Ministerium Duclerc wird öemnach auch das Licht des neuen Jahres schauen. Freilich, wie lange dasselbe airf seinem Posten bleiben wird, läßt sich nicht sagen, doch hat man allseitig das Gefühl, als ob Herr Duclerc im nächsten Jahre am längsten Ministerpräsident gewesen sei.^ Namentlich können die Verhandlungen mit England wegen der egyptischen Frage, die bis jetzt noch nicht das geringste günstige Resultat für )r ankreich ergeben haben, leicht den Sturz des jetzigen französischen Cabinets herbeiführen. Auch die Expedition nach Tonkin, welche dasselbe jetzt in's Werk zu setzen gedenkt, ist ein bedenkliches Unternehmen, da diese Expedition zu neuen Eienwickelungen mit England führen kann. Aus London signalisirt man wichtige Veränderungen im englischen Ca- i binet. „Daily News" zufolge stünde der schon mehrfach angekündigte Eintritt Lord Derby's in das Cabinet Gladstone unmittelbar bevor. Lord Derby ist Mitglied der gemäßigt conservativen Partei und hat dem englischen Cabinet schon wiederholt angehört. Sein Eintritt in das liberale Ministerium Gladstone würde demnach die Bedeutung eines Compromisses zwischen der jetzigen englischen Regierungspartei und den gemäßigten Elementen der Tories haben. Die weiteren Verhandlungen im Ministerium würden, wie das genannte Blatt weiter meldet, noch vor dem Wiederzusammentritte des Parlaments erfolgen; Gladstone würde in Kurzem das Schatzkanzleramt niederlegen und nur Den Posten als Premier beibehalten. — Die „Times" will wissen, Egypten werde zu den Kosten zu dem Unterhalt des englischen Expeditionscorps monatlich 3200 Pfund Sterling beitragen. In den spanischen Cortes befindet man sich am Vorabend heftiger Kämpfe, die sich unter Umständen nicht nur auf das parlamentarische Gebiet beschränken dürften. Der Ministerpräsident Sagasta erklärte jüngst im Senat, daß er die Anträge der Opposition auf Einführung des allgemeinen Stimm- rechts und auf Erlaß eines Gesetzes über die Religionsfreiheit nicht annehmen könne. Diese beiden Punkte bilden jedoch die Hauptforderungen im Programm des Marschalls Serrano, des Chefs der Opposition, und so kann man heftigen Zusammenstößen zwischen der liberalen Majorität der Cortes und der Opposition oder, wie sich dieselbe auch zu nennen pflegt, der „dynastischen Linken" entgegensehen und die Vergangenheit des Marschalls Serrano deutet Darauf hin, daß sich derselbe bei einer parlamentarischen Niederlage schwerlich beruhigen würde. Die Wahlen zum norwegischen Storthing sind nach viermonatlicher Wahlcompagne in voriger Woche beendigt worden. Diese ungewöhnliche Zeitdauer darf nicht überraschen, sie entspricht nur den socialen unD geographischen Verhältnissen Norwegens. In den Küstenstädten finden Die Wahlen gewöhnlich im November statt, da um diese Zeit die seemännische Bevölkerung von ihren Seereisen heimkehrt, während in dem Binnenlande die Wahlbewegung schon früher ihren Abschluß findet. Nach dem Ergebnisse der jüngsten Wahlen besteht das norwegische Storthing aus 83 zur Linken und 31 zur Rechten gehörigen Mitgliedern. Das Kriegsgericht hat nun auch über die letzten der Genossen Arabi Pascha's, Jacub Sami Pascha und Mahmud Fehmi Pascha das Urtheil ge- sprochen. Dieselbe Comödie wiederholte sich zum dritten Male: Beide wurden zum Tode verurtheilt und vom Khedive zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt. Arabi wird mit lammt seinen Gefährten Zeit haben, auf Ceylon über den schnellen Wandel irdischer Macht und Herrlichkeit nachzudenken. Ob aber die Urheber des egyptischen Aufstandes wirklich ihr ganzes Leben auf dem englischen Eilande im Süden Indiens vertrauern werden, das möchte wohl jetzt Niemand behaupten. — Der Khedive Hai Ismail Ejub an Stelle des bisherigen egyptischen Cabinets-Chefs Niaz Pascha, welcher seine Demission eingereicht hatte, zum Minister des Innern ernannt, womit Ismail Ejub wohl auch gleichzeitig das Präsidium übernommen hat. — Von den in Egypten befindlichen englischen Truppen sollen in nächster Zeit vier weitere Bataillone nach der Heirnath zurückkehren. Darmstadt, 13. December. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: Am 12. December die Kaufleute Ferdinand Burk. Georg Wortmann, Evuard Silbereisen, Georg Noll zu Gießen, zu Handelsrichtern, — die Kaufleute Louis Treff, Adolph Zinßcr zu Gießen zu Ergänzungsrichtern — an der be: dem Landgerichte der Provinz Oberhessen gebildeten Kammer für Handelssachen mit dem Sitze in Gießen — sämmtliche mit Wirkung vom 1. Januar 1883 bis zum 31. Decemder 1885 — zu ernennen. Darmstadt, 13. December. Morgen, als am Todestage der Höchstseligen Großherzogin Alice, ist das Mausoleum auf der Rosenhöhe von Vo-miltags 11 Uhr an geöffnet. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird gegen Ostern hin eine Lebensskizze der in Gott ruhenden hohen Frau mit Mitthetlungen aus Briefen c*-fd?etnen. m. Darmstadt, 13. December. Die Abgeordneten Böhm und Kugler haben unterm 5. d. M. in der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, die Regierung zu ersuchen, die Instruction, betreffend die Verpflegung armer Waisen in der Großh. Hessischen Landes-Waisenanstalt, dahin zu erweitern, daß auch unehelich geborene Waisen unter gleichen Bedingungen Aufnahme in dieser Anstalt finden können, rote ehelich geborene Waisen. Die ursprüngl.che Satzung der Großh. Hessischen Landes-Waisenanstalt bestimmt — wie die dem Antrag beigegebenen Motive ausführen, — daß nur ehelich geborene Waisen christlichen Glaubens Aufnahme in dieser Anstalt finden konnten. In Folge eines Antrages der zweiten Kammer wurde diese Satzung dahin abgeändert, daß auch unbemittelte Waisen israelitischen Glaubens aufnahmefähig wurden. Es dürfte deshalb nach Ansicht der Antragsteller kein gesetzliches Hinderniß im Wege stehen, ihrem Anträge Folge zu geben. Ohne Zweifel sei es eine große Wohlthat für unbemittelte Waisen, wenn dieselben durch Aufnahme in die Landeswatsenanstalt eine gute Erziehung genießen, die sie zu tüchtigen und guten Menschen heranbildet und liege kein Grund vor, Kinder, die ohnedies das Unglück haben, unehelich geboren zu werden, von dieser Wohlthat auszuschließen; im Gegentheil seien solche arme Kinder in der Regel noch unterstützungs- und erziehungsbedürftiger. da dieselben meistens auch keine sonstigen Anverwandten haben, die sich ihrer unglücklichen Jugend und ihrer Erziehung annehmen Wenn dieselben von der Aufnahme ausgeschlossen bleiben, rote seither, so falle deren Unterhaltung und Erziehung den betreffenden Gemeinden zu, die nicht so gut in der Lage seien, diese armen Waisen zu tüchtigen und guten Menfchn heranzubilden, wie dies eine eigens zu diesem Zwecke errichtete Landesanstalt thun könne. Der Einwurf, der möglicherweise gemacht werden könnte, daß durch Annahme des Antrages die Immoralität gefördert oder unterstützt werde sei nicht stichhaltig, da die beantragte Fürsorge für uneheliche Kinder sicher nicht zur Folge haben könne, daß deshalb mehr uneheliche Kinder geboren werden. Die Unterstützung solcher Waisen komme auch nicht etwa den Eltern zu Gute, welche sich vergangen haben, sondern nur den an ihrem Unglück unschuldigen Kindern und in zweiter Linie den durch den Ausschluß dieser Kinder ebenso unschuldig leidenden Gemeinden. Aus dem Großherzogthum Hessen, 11. December. Der von der Großh. Regierung etngebrachte Gesetzentwurf über Eisenbahnen von lokalem Interesse und Straßenbahnen enthält über die Staatszuschüsse zu Sekundär- und Localbahnen folgende Grundsätze: Die Gewährung einer staatlichen Beihülfe setzt DorauS. daß der gesammte zum Bahnunternehmen erforderliche Grund und Boden, insoweit nicht öffentliche Straßen mitbenutzt werden, von den Communalverbänden oder sonstigen Interessenten der Bahn beschafft und dem Etsenbahnunternehmer unentgeltlich und kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Für Straßenbahnen innerhalb Städten wird eine staatliche Berhülfe auch dann nicht geleistet, wenn sie mit Haupt- oder Localbahnen in Verbindung stehen. Gewährung staatlicher Beihülfe erfolgt: a. durch Erbauung und Betrieb auf Staatskosten, b Uebernahme des Betriebes, c. Gewährung eines einmaligen Betirags zur Erbauung der Bahn und ersten Ausrüstung mit Betriebsmitteln, 6. durch Betheiligung am Aktienkapital, falls es sich um ein Aktienunternehmen handelt. Uebernimmt der Staat den Bau und Betrieb, so kann von den Interessenten der Bahn, außer den Kosten und kostenfreien Ueberweisung des Geländes an den Staat, auch noch die Leistung eines Geldbeitrages zu den Baukosten in Anspruch genommen werden- In der Regel erfolgt staatliche Beihülfe durch Uebernahme des Betriebes einer Localoder Straßenbahn nur, wenn: a. die Bahn an eine Staatsbahn unmittelbar anschließt, b. die Bahn unser specieller Controle des Staates erbaut und so eingerichtet ist, daß wenigstens die Wagen der Hauptbahn auf sie übergehen können, c. die Gemeinden, Kreis- oder Provtnztaloerbände am Anlagekapital des Unternehmers sich mindestens mit einem Sechstel betheiligen und auf die Verzinsung dieses Antheils über den Betrag von 2 pCt. hinaus so lang verzichten, als nicht den übrigen Bcthetligten eine 4procent'ge Verzinsung ihres Antheils zu Theil wird. Amerika. New-Aork, 12. December. Der Dampfer des norddeutschen Lloyd, „Salier", von Bremen kommend, stieß, als er gestern :n den Hafen lief, auf und blieb sitzen. Die Passagiere wurden gelandet, die Ladung entlöscht. Man glaubt, der Dampfer werde wieder flott werden. Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. Eorrespondeuz-Vnreau. Berlin, 13. December. Reichstag. Interpellation Windthorst. Windthorst fragt an, welche Folge der Bundesrath dem Reichstagsbeschlusse, betreffend die Aufhebung des Expatriirungsgesetzes, zu geben gedenke. Der Staatssecretär v- Böttiger erwidert, der Bundesrath habe es auf den Antrag des Ausschusses abgelehnt, dem Beschlüsse des Reichstags zuzustimmen. Ueber die Gründe der Ablehnung könne die Regierung sich nicht äußern und sie lehne prinziell die Motivirung ihrer Beschlüsse dem Reichstag gegenüber ab- Auf Antrag Reichensperger (Olpe) tritt das Haus in die Besprechung der Interpellation ein. Reichensperger, Schorlemer und Windthorst sind von der Antwort des Staatssecretärs v- Bötticher nicht befriedigt. Dieselbe zeuge nicht von Friedensliebe, die Verweigerung einer Auskunft sei eine Mißachtung des Reichstages. Staatssecretär v- Bötticher erwiderte, der Reichskanzler sei gar nicht in der Lage, die Gründe der votirenden Staaten anzugeben, kein Einzelstaat habe nöthig, sein Votum zu begründen. Richter constatirt, die Mehrheit der Forffchrittspartei würde auch heute, wie im Januar, für den Antrag Windthorst cintreten. Die Besprechung der Interpellation ist damit erledigt. Es folgt die Berathung der Denkschrift über die Ausführung des Sozialistengesetzes. Vollmar meint, der Repressivzweck des Gesetzes sei nicht erreicht. Redner klagt über Härten, Ungesetzlichkeiten, Verletzung des Briefgeheimnisses und Spionage- Minister v. Puttkamer erklärt, es sei unrichtig, daß das Gesetz unwirksam sei, die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen bei den Wahlen sei nicht unerheblich zurückgegangen. In der Richtung der Sozialdemokratie könne die Regierung keinen Unterschied machen; die Bestrebungen Vollmars seien für sie ebenso staatsgefährdend, wie die Most's- Nur in der Taktik, nicht in den Zielen liege die Differenz- Der Minister verliest Citate aus sozialistischen Schriften über die Ehe, den Staat und das Christenthum, welche die Maßregeln gegen die Sozialisten als unabwendbar erscheinen ließen. Der Minister nennt diese Citate bestialische und räth unter demBeifall des Hauses denen, welche solche Dinge vertreten, Deutschland, dessen Kinder sie nicht mehr seien, den Rücken zu kehren und Most nach Amerika zu folgen. Der Minister erwähnte ferner den Wydener Kongreß, an welchem die Abgeordneten Kayser, Volmar, Grillenberger theilnahmen und auf dem der Letztere die nahe Revolution verkündigte. Das zeige das wahre Gesicht der sozialistischen Bestrebungen, v. Nostiz- Wallwitz rechtfertigt die Verlängerung des Belagerungszustandes über Leipzig, während Köhl gegen die Aufrechterhaltung desselben spricht. Hierauf wird die Debatte auf morgen vertagt. — Die Petitionscommission des Reichstags beschloß, dre Petitionen webest des Jmpfgesetze > dem Reichskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, eine Sachverständigencommission einzuberufen zur Prüfung des jetzigen physiologifchen und pathologischen Standes der Jmpffrage, eventuell unter allgemeiner Durchführung der Impfung mit animalischer Lymphe; ferner möge eine Jmpfstatistik Herbeigeführt und der Erlaß eines Volksseuchengesetzes mit Einführung der obligatorischen Leichenschau in Betracht gezogen werden. Da die Fortschrittspartei für ihre die Aenderungen des Zolltarifs betreffenden Anträge die Priorität in Anspruch nimmt, so dürfte der Wedell'sche Börsensteuerantrag an den Schluß der Tagesordnung der morgenden Reichstagssitzung gestellt werden und vor den Ferien gar nicht mehr zur Berathung gelangen. Die „Provinzial-Correspon- denz" bringt einen Artikel über die erste Lesung der beiden Reichsetats. Derselbe schließt: Wenn der Führer des Centrums sich den Bedenken gegen die Verfassungsmäßigkeit anschloß, wenn die Verweisung der Haupttheile des zweiten Etats an die Budgetcommission abgelehnt wurde, so ist die Frage damit nicht erledigt. Der Führer des Centrums motivirt das Verlangen nach einer alljährlichen Feststellung des Budgets mit dem Bedürfniß, jährlich den Kampf gegen die kirchenpolitische Gesetzgebung zu erneuern; ob die deutsche Nation in ihrer Mehrheit diese Begründung anerkenne, werde die Zukunft lehren, ob im Uebrigen der Reichstag befugt sei, die Regierungsvorlage ohne eingehende sachliche Berathung abzulehnen, sei durch die Abstimmung vom 11. d. noch nicht entschieden. Köln, 13. December. Die „Köln. Ztg." bringt betreffs des österreichisch-deutschen Bündnisses verbürgte M'ttheilungen, wonach dasselbe auf eine bestimmte Frist von 5 Jahren abgeschlossen ist, also bis zum 15. Oktober 1884 dauert. Das Bündnitz habe sich aber bisher so bewährt und verspreche künftig eine so feste Frtedensbürgschaft für beide Reiche zu sein, daß auf eine Verlängerung desselben zu rechnen sei. London, 13. December. Die „Pall Mall Gazette" erklärt die gestern von dem „Standard" gemeldeten Gerüchte über bevorstehende Aenderungen im Cabtnet für verfrüht. — Aus Anlaß seines fünfzigjährigen parlamentarischen Jubiläums sind dem Premierminister Gladstone von liberalen Vereinen zahlreiche Glückwunschadreffen zuge- gangen, auch Telegramme vom Khedive und der griechischen Regierung. Allgemeine Lokale-» Gießen, 14. December. Schwurgerichtssttzung vom 13. December l. I. gegen Johannes Nies von Schadges wegen Raubs. Nies ist beschuldigt: daß er am 15- Mai 1882 auf dem Wege von Lauterbach nach Rudlos dem Johannes Dietz von Schlechtenwegen eine demselben gehörige Kuh zweimal kurz nach einander mit Gewalt gegen dessen Person in der Absicht rechtswidriger Zueignung 'neggcnommen habe. Angeschuldigter wurde für schuldig erkannt und in eine Gefängnißstrafe von 1 Jahre verurtheilt, von welcher Strafe jedoch die erlittene Untersuchungshaft in Ausrechnung kommt. Vermischtes. London, 9. December. Die gestrige Feuersbrunst in der City war wohl die furchtbarste, welche London seit dem verheerenden Brande in Toleystreet im Jahre 1861 kennt. Ein ganzes Straßenviertel, begrenzt von Londonwall, Woodstreet, Addlestreet und Philip Lane, ist ein fast gänzlicher Raub der Flammen geworden. Das Feuer brach in dem Souterruin des Geschästslokals der Herren Forster, Porter u. Co (Confectionsgeschäft Engros) in Woodstreet aus und wurde gegen 3 Uhr Morgens von einem Polizisten bemerkt, der sofort Alarm schlug und die Feuerwehr requirtrtc. Ehe jedoch die Spritzen herbeikommen konnten, Halle das Feuer schon eine solche Gewalt erlangt, daß die Flammen zum Dache herausschossen. Ungeachtet der rastlosen Thättg. kett von dreißig mächtigen Dampfspritzen konnte das Feuer nicht localisirt werden und ergriff sehr bald die anstoßenden Magazine der Firmen Peter Rylands u. Co., Silber u. Fleming, Sargord, Butler u. Nichol, Werner u. Kön'g, Gladmont u. Co., Symonds u. Co., Hartley u. Couchman, Boxenden Brothers und mehrerer anderer kleinerer Firmen. Diese Magazine waren von oben bis unten mit Maaren aller Art vollgepfropft und boten dem verheerenden Elemente reichliche Nahrung. An eine Rettung von Etgenthum war nicht zu denken. In dem Magazin der Herren Rylands u. Co. lagerten Hunderte von Ballen der kostbarsten Seidenstoffe, welche alle ein Raub der Flammen wurden. Die engen Straßen, sowie die zuweilen 6 bis 7 Stockwerke hohen Gebäude, in denen das Feuer wüthete, erschwerten die Löschanstrengungen in hohem Grade. Glücklicherweise herrschte Windstille und die Dächer waren mit Schnee bedeckt, sonst dürfte in Folge der massenhaft niederfallenden Funken die Feuersbrunst bei Weitem größere Dimensionen angenommen haben. Erst gegen 10 Uhr Vormittags wurde der Brand gelöscht- Von den ganzen Gebäuden sind nur die Brandmauern stehen geblieben, von denen einige im Laufe des Tages einstürzten und die gegenüberliegenden Häuser arg beschädigten. Auch wurden die anstoßenden Gebäude durch Feuer und Wasser arg mitgenommen. Die Ursache des Feuers ist nicht bekannt. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen, was sich dadurch erklärt, daß betbel 3 X, Gebrüder Adami 10 X, E. F. Conrad 2 X, A. H mdach 3 X, Ph- Malkomesius 2 X, N- N- 2 X. L- u. E Gail 2 X, N N. 1 X. N. N 1 X. Ph. Sch. 2 X, A- Balser Wwe. 2 X, M. Scheel 3 X, H- Lind 3 X. I- Mark 3 Apotheker Collmanu 10 X, L. Kattretn 3 X, V- Dietz 2 X E- H- 0,50 X, L- M. 1 X, Rödelsperger 2 X, I. Leichtweiß 1 X, C Hosch 1 X. E. Loos 2-^L, I. Schulze 3 X. K. Weidig 5 X, Frau Prof. M ttenheimer 6 S- Weimershetm Nachfolger 5 X, N- N- 2 X, Mettenheimer u Schultheis 10 X, W. Schuchard 3 X, H. F- Nassauer (2. Gabe) 3 X, H. Rübsamen 2 X, H. Zimmer 3 X, ß. Hstn 5 X. Gregort 5 X, A- Hilgardt 8 X, M St. 1 X, I. Kaan jun. 3 X. I. Goldschmidt jun. 3 X, A. Schmidt 3 X, G H 4 X, Karl Brück 3 X, L- Höhler 3 X, Geschwister Heerz 1,50 X, Steiner 3 X N- N. 0,50 X, W- Rudolph (2. Gabe) o X, H. Rudolvh Wwe. 10 X. Ä. Lynker 3 X, M. Lony 2 X. W. L- 1 X, F-W-L. u. L- L- 2 X, CH. Weeg 2 X, B. Förster 1 X, G- Stahl 0,50 X, K- Räuber 1 X, L- V- 1 X. CH. Jung 1 X, M- B. 1,50, K- Klemmrath 1,50 X, H. Bätsch 1 X, B. Vogel 1 X, B. Abend 1 X Univ.-Tanz- u. Fechtmeister Röse 3 X, W. Löder 1 X, G- Arnold 3 X. Gemeindekasse Garbenteich 50 X. Kirchenkasse daselbst 6 X, durch .ein Mitglied des Gesangvereins Frohsinn daselbst aus einem Vergleich 5 X, Collecte aus Trohe 15,15 ^L, Collecte aus Rüddingshausen 48,85 X, Gemetndekasft Oppenrod 20 X, Collecte aus Oppenrod (2. Sammlung) 8 X, Bürgermeister Petri daselbst 5 X. vom Männergesangverein zu Lollar Ertrag eines Concerts 36 X, Gemeindekasse Ruttershausen 50 X, vom Gesangverein Concordia zu Langsdorf Ertrag eines Concerts 35,20 X, Collecte aus W'.eseck 219,22 X, Collecte aus Langd 51,45 X, Collecte aus Obbornhofen 125 X, in einer Gesellschaft von Unteroffizieren des Füsilier-Bataillons des 116. Regiments gesammelt 20,18 X Summa 965,85 X Hierzu die bereits früher quittirten 12717,73 X Zusammen 13683,58 X Den Empfang obiger 965,85 X bescheinige ich mit herzlichem Danke. Die Haus- collecte wird fortgesetzt. Gießen, den 14. December 1882. Dr. B 0 ekmann. r Anzeiger. Für Weihnachten empfehle ich eine schöne und reiche Auswahl von Blatt- sowohl als blühenden Topfpflanzen, ferner übernehme das Arrangiren von Blumenkörbchen und Baumstämmen in geschmackvoller Ausführung, zu staunenswerth billigen Preisen. Friedrich Georg, Hmidelsgärtner, 8236 Gartfeld. 4»Ui 8 Tidow, Feukrsprihenf-lbrik, Hannover, empfiehlt ihre rühmlichst bekannten Fseuerspritzen in 140 verschiedenen Grönenu. Preisen. 18 erste Ansftellnngsprümien. Druck- u. Saugschlünchere. Preiscourante frei und gratis.__________ 7244 Nürnberger Lebkuchen aus der Fabrik des Herrn Jacob Goeß in Nürnberg empfehlen zu Fabrikpreisen Gebrüder Adami, 8248 im Ritter. 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