PreiA vierteHchrlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bnreaur Schulstraße 7. Politische Ueberflcht. Gießen, 12. December. Im Reichstage hat am Donnerstag die Berathung des Etats begonnen, nachdem vorher die beiden Novellen zum Neichsbemnten- und zum Militär-Pensionsgesetze an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen worden waren. Die Berathung wurde durch einen längeren Vortrag des Schatzsecretärs Burchard eingeleitet, in welchem Herr Burchard im Allgemeinen die durch die Zustellung des Etats schon bekannt gewordenen Zahlengruppirungen vorführte. Bei Darlegung der Gründe, welche die Regierung veranlaßten, dem Reichstage die beiden Etats für 1883/84 und 1884,85 gleichzeitig vorzulegen, betonte der Schatzsecretär, daß dieselben lediglich praktischer Natur und durchaus nicht von irgendwelcher politischen Bedeutung seien. Von Seiten des Hauses gelangte am Donnerstag nur noch der secessionistische Abg. Rickert zum Worte, der gerade politische Gründe gegen die gleichzeitige Behandlung geltend machte, namentlich erklärte sich Herr Rickert aus Versaffungsbedenken gegen die gleich- gleichzeitige Vorlegung der beiden Etats. Die Generaldebatte über den Etat wurde in der nächsten Sitzung des Reichstages am Sonnabend fortgesetzt. — Die fernere Berathung des Etats dürste jedoch nicht gemäß den Wünschen der Reichsregierung verlaufen, da der Antrag der drei liberalen Gruppen, den Etat des Jahres 1884/85 von vornherein zurückzuweisen, auch die Unterstützung des Centrums finden wird. Die conservative Partei des Reichstages gedenkt m diesen Tagen ihren Antrag auf Einführung einer procentualen Börsensteuer einzubringen. Wie es heißt, würde derselbe im Hause einer nicht unfreundlichen Aufnahme begegnen und wohl kein Object dürste eine stärkere Besteuerung leichter ertragen, als die Börsengeschäfte und die riesigen Summen, welche durch sie umgesetzt werden. Einem entschiedenen Widerspruch würde der conservative Antrag dem Vernehmen nach nur von Seiten der Fortschrittler und Secessio- nisten begegnen, da diese als prinzipielle Gegner der procentualen Börsensteuer gelten. • Heber den Beginn der parlamentarischen Werhnachts- ferien verlautet noch nichts Näheres. Man nimmt jedoch an, daß die Vertagung des Reichstages und des preußischen Abgeordnetenhauses ungefähr gleichzeitig, etwa gegen Mitte dieses Monats, eintreten werde. Heber die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeiten, namentlich des Reichstags, scheinen noch gar keine Dispositionen getroffen zu sein. Die Budget-Verhandlungen in der sranzösischen Deputirtenkammer haben bis jetzt einen raschen und für das Cabinet Duclerc günstigen Verlauf genommen. Man kann demnach der Erledigung des französischen Staatsbudgets im Sinne der Regierung noch vor Weihnachten entgegensetzen, obwohl die Rechte .beschlossen hat, der Regierung ihre Zustimmung zum Budget zu verweigern. Hm diese Drohung braucht sich Herr Duclerc nicht zu kümmern, so lange er auf die Hnterstützung der gemäßigten Parteien zählen kann; trotzdem wird die Weigerung der monarchistifchen Kammer, dem Budget zuzusümmen, im Lande peinliche Hebecraschung Hervorrufen, und dies um fo mehr, als die Enthüllungen aus der Budget-Commission über die finanzielle Mißwirthschast unter der heutigen sranzösischen Republik die Veranlassung zu einer sich immer mehr bemerklich machende Verstimmung gegen das republikanische Regime geworden sind. Die jetzigen Machthaber in Frankreich können es fast als ein Glück betrachten, daß den monarchistischen Parteien augenblicklich keine geeignete Persönlichkeit zur Verfügung steht, um dieser Hnzusriedenheit der gehörigen Ausdruck zu geben — die Tage der Republik könnten sonst leicht gezählt sein. Die englische Regierung scheint nicht geneigt zu sein, trotz des Lärmens der Londoner Blätter, wegen der madagassischen Angelegenheit einen ernsten Zwischenfall mit Frankreich herbeizuführen. Lord Granville, der Minister des Auswärtigen, hat nach Paris die Versicherung gelangen lassen, daß England auf Madagaskar nichts gegen Frankreich unternehmen würde, wenn Frankreich die dortigen englischen Interessen respectire. Dagegen sind dw Schwierigkeiten zwischen beiden Ländern bezüglich der egyptischen Frage noch nicht behoben; vorläufig schweben noch die Verhandlungen über das von England gewünschte Ausscheiden Frankreichs aus der egyptischen Finanz-Corckrole. Die italienischen Officiösen versichern jetzt, daß der russische Minister des Aeußern, Herr v. Giers, nur deshalb in Rom gewesen sei, um dem Könige und der Königin seine Auswartung zu machen; sein Besuch hänge durchaus nicht mit politischen Erwägungen zusammen. Auch die Audienz des Herrn v. Giers beim Papste sei keineswegs mit den zwischen Rußland und dem Vatikan schwebenden Fragen in Verbindung zu bringen. Daß der leckende russische Staatsmann nach Rom gereist sei, lediglich, um dem ckauemlchen Königspaare und dem Papste seine Aufwartung zu machen, wird den ckauem- schen Officiösen Niemand glauben, vielmehr muß man nach wie vor annehmen^ daß die lange Anwesenheit des Herrn v. Giers in der Hauptstadt Italiens auch ihren politischen Hintergrund hat. Im Winterpalais zu Petersburg wurde am vergangenen Freitag das Sanct - Georg - Ordenssest in der herkömmlichen Weise begangen. liche geladene Ordensritter begaben sich in feierlicher Auffahrt nach Wmter- palais. Bei dem Galadiner brachte der Kaiser einen Toast auf das Wahl de ältesten Ordensritters, des deutschen Kaisers, und auf das Wohl der übrigen Ordensritter aus, in welchen die Versammelten enthusiastisch einstimmten. Noch immer bringen uns die Meldungen aus Konstantinope Ne. 291. Mittwoch den J3. December 1SS2< icßencr Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Ueberraschendes. Edib Effendi, der bisherige Director des Departements der indirecten Steuern, welcher bei dem jüngsten Ministerwechsel im türkischen Cabinet zum Finanzminister ernannt worden war, ist von dieseni Posten zurückgetreten und hat sein altes Amt wieder übernommen. Noch verblüffender klingt die Meldung, daß der Sultan seinen Generaladju'anten Fuad Pascha, welcher wegen der noch unaufgeklärten Verschwörung gegen Abdul Hamid verhaftet worden war, wieder in seine frühere Würde eingesetzt und mit einer diamantengeschmückten Dose beschenkt habe; Fuad Pascha scheint also unschuldig verur- theilt worden zu sein. Uebrigens wohnte der Sultan der allwöchentlich stattfindenden Ceremonie des Selamlik am vergangenen Freitag bei; er scheint demnach seine Furcht vor Attentaten wieder überwunden zu haben. Neben Ara bi Pascha sind nun auch die andern Anstifter der egypti- schen Wirren, Ali Fehmi Pascha, Sami Ali Pascha, Tulba Pascha und Ab- dellal Pascha, vom Gerichtshöfe zu Kairo „verurtheilt" worden. Auch über diese letzteren sprach der Gerichtshof das Todesurtheil aus, aber auch sie wurden, gleich Arabi, vom Khedive zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt; sie sollen nach der Insel Ceylon geschickt werden. Nur den Mitangeklagten Jacub Sann Pascha und Mahmud Femi Pascha, welche als die Hauptträger der Jnsurrection gelten, will die Sonne der Gnade nicht leuchten, sie sollen demnächst vor em besonderes Kriegsgericht gestellt werden. Ria; Pascha, der egyptische Premier, welcher am liebsten den Strick um den Hals Arabi Pascha's imb seiner Mü- schuldioen gesehen hätte, hat aus Verdruß über die bedingte Freisprechung der Häupter der Jnsurrection feine Demifsion eingereicht, welche jedoch vom Khedwe noch nicht angenommen worden ist. — lieber den Aufstand im Sudan laufen die Nachrichten nur spärlich ein, doch scheint die Sache oer egyptischen Regierung hier nicht zum Besten zu stehen, denn es sind acht weitere Bataillone nach dem aufständischen Gebiete beordert worden.____________________________________ Darmstadt, 9. December. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 23 enthält: Regulativ, bie Umzugslosten der Lehrer an Volksschulen betreffend Lehrer, welch- aus ein-Stelle versetzt werden, die em-Veränderung ihres Wohn- sitzes zur Folge hat, haben danach Anspruch auf Vergütung der Umzugskosten, sofern nicht eine erste AnsUllu- g oder eine Versetzung auf freiwilliges Ansuchen oder eme Strafversetzung unter Absprechung der Umzugskosten in Frage steht. Die Veraltung besteht für verheirathete Lehrer und für Lehrer, welche verheirathet waren und Kinder haben, in einer ohne Rücksicht auf die Enisernung bemessenen Summe für allgemeine Umzugskosten, nämlich 130 JL und tn einem Ersatz der Transportkosten von 50 H pro Kilometer. Für unoerhelcathete Lehrer und Lehrer, die verheirathet waren, aber keine Kinder haben, btsteht die Vergütung in dem Ersatz der nachgewresenen Auslagen oder, falls diese hoher sind als die Hälfte der für verheirathete Lehrer bestimmten Vergütung, in dem.Betrag dieser Hälfte. Das Regulativ enthält auch Bestimmungen, wenn pen- fionirte Schullehrer wieder angestellt oder nichthessische Staatsangehörige als Lehrer in den hessischen Schuldienst gezogen werden. , Berlin, 10. December. Die „B. P. N." schreiben: Mit Rücksicht auf die hervorragende Bedeutung, welche das durch die Versicherungsvorlagen der Regierung an - gestrebte Kiel für sich in Anspruch nehmen darf, möchten wir an die publicistischen Vertreter "aller Parteien das Ersuchen richten, dem von dem Centralverbande deutscher Industrieller aufgestellten neuen Entwürfe eines Unfallversicherungsgesetzes eine unbefangene und vornrthetlslose Würdigung zu Theil werden zu lassen. Die in dem Centralverbande vereinigten industriellen Vereine und Unternehmer beschäftigen nahezu die Hälfte aller derjenigen Arbeiter, für welche die Umallsoorlage Vorsorge treffen will, und man wird der deutschen Industrie das Zeugn'tz nicht versagen dürfen, daß ,hr das Wohl ihrer Arbeiter stets am Herzen gelegen hat und daß sie schon seither ohne gesetzlichen Zwang hinsichtlich der Krankenkassen und der Sicherstellung der Arbeiter gegen alle Arten von Unfällen sehr beträchtliche Aufwölbungen gemacht hat. Man sollte daher in dieser Angelegenheit, welche den ersten L-chrrtt zur Lösung der wichtigsten social-politischen Probleme darstellt, von aller Parte'.schablone absehen und den Anträgen der Industrie, die aus reichen Lebenserfahrungen und umfassender Sachkenntniß geschöpft sind, Anerkennung und Würdigung "'^^^gen. Wenn wir die Denkschrift des Centralverbandes naher prüfen, fo ergibt sich, daß der Centralverband den Versuch macht, den korporativen Auf^u der Versicherungs- Institute praktischer und einfacher zu gestalten, als dies in der Regierungsvorlage geschehen ist. Jede unnütze Anhäufung genossenschaftlicher Bildungen, welche die Verwaltung erschweren würde, hat man zu vermeiden gesucht; /Fr reden- höheren V«..- waltungsbeziik wird als Regel nur ein einziger genoffenschaf l^er Verband in Vo- schlag gebracht, der je nach Bedürfniß in eine Anzahl räumlich zusammenhängender Nach"demReg"ierungsentwurfe gehören die Arbeiter, in deren Interesse die Ver- fi cfier una 3 a ennif en f chatten aei'cbaffen werden, nicht zu den Mitgliedern derselben und bet >e“enjeinen Anth-il Die Vorlage b-s Centralverbandes bat den Kreis der Genostenfchastsmitglleder auf Arbeiter aus- aebehnt und läfit sie in umfassender Welse an der Verwaltung sich betheiUgen. Freilich war hierzu erforderlich, daß die Arbeiter, in Uebemnfttmmung mit den Beschlüssen, wttche der Reichstag bei der Berathung der ersten Vorlage in dritter Lesung gefaßt hat, zu den Unfallslasten mit herangezogen merben. Da aber der Procentsatz d^c Prämie, die ihnen auferlegt werden soll, ein äußerst geringfügiger Eintritt des Bebarrungszustandes sich nur aus etwa 1 JL 50 Jahr ' . 91 soll so Ist allerdings hstrb-i von einer drückenden Belastung d-r Arb-rt-r nicht b" Anwendung der Formen des Akti-ng-setz-s auf di- g-noss-nschaftlichcn lltaroorationen ist die Abhaltung von conftlluirenden und anderen Gcneraloersamm- lung-n^?°rgl. m im R-gierungs-ntwurf- vorgesehen Der Entwur d-s C-ntral- verbandes beseitigt auch diesen Mechanismus und vereinfacht die Verwaltung intern die Arbeiter Mitglieder der Genossenschaft werden und m dieser Eigenschaft an der Verwaltung theilnehmen bedarf es der Blldung von Arb-it-r-Ausschüs,-n nicht die vermöge ihrer Zahl und Verbreitung durch das ganze Land leicht ein Tummel- '■>ÄXÄ.’ÄS”.ÄÄB **. 8?~„ ta «... schlag gebracht. In industriellen Kreisen hofft man, daß die Unfallversicherung, wenn si- nach den Vorschlägen des Centralverbandes organisirt wird, alle irgendwie berechtigten Erwartungen erfüllen, mancher berechtigten Beschwerdc Abhülfe schaffen und eine Aussöhnung der Arbeiter mit den gegenwärtigen Wirtschaftsformen anbahnen wird. Berlin, 8. December. An der Weigerung Frankreichs, auf die Com- pensations-Anerbietungen des englischen Cabinets für den Wegfall der westmücht- llchen Controle in Egypten einzugehen, kann kaum noch gezweifelt werden. Zwar steht die amtliche Beantwortung der jüngsten Granville'schen Note von Seiten der französischen Regierung zur Zeit noch aus, aber im „Foreign Office" eingelangte vertrauliche Informationen machen es mehr als wahrscheinlich, daß Herr Grövy den in London gehegten Wünschen ein „non possumns“ entgegen sitzen dürfte. Man darf freilich um deswillen Rodomontaden der „Röpubl. franyaise" nicht für baare Münze nehmen. Herr Grövy ist viel zu behutsam, Drohungen auszusprechen, deren Realisirung unter mehr als einem Gesichtspunkte aus sich von selbst verbieten. Aber wenn das Pariser Diplomatenblatt par exellence, der „Temps" mit Behagen den angeblichen Mißerfolg der Giers'- schen Reife nach Varzin constatirt, so wird man die Schadenfreude der französischen Politiker um so gleichmüthiger ertragen können, als ihnen der in die westmächtliche Entente getragene Riß denn doch bleischwer in den Gliedern liegt. Sind doch alle Vortheile der Situation aus Seiten Englands, welches seine Stellung am Nll tagtäglich verstärkt, während diejenige Frankreichs vergleichsweise auf ein Minimum herabgedrückt ist. Die Neider der auswärtigen Politik Mr. Gladstone's fühlen urplötzlich ein menschliches Rühren mit der Bedrängniß der englischen Steuerzahler. Sie rechnen den Leuten vor — so kürzlich das conservative Parlaments-Mitglied Mr. Stanhope in einem zu Dorlington gehaltenen Speech — daß das Ausgabenbudget sowohl für Großbritannien als auch für Indien — ganz abgesehen von den Kriegskosten der egyptischeu Expedition — seit Jahren in unaufhörlichem Steigen begriffen sei, und zwar unter dem gegenwärtigen Ministerium noch rapider, als in den Tagen Lord Beaconsfield's. Beides ist wahr; Mr. Gladstone hat die Thatsache amtlich wie privatim offen anerkannt, aber zugleich auch erklärt, daß er außer Stande sei, gegen diese momentane Tendenz der finanz-politischen Conjunktur anzukämpfen. Nun kann ja allerdings das liberale Cabinet seinen conservativen Widersachern für ihre Bemängelungen der gouver- nementalen Staatshaushaltsführung sehr gewichtige positive Leistungen in Gegenrechnung stellen; aber die Sache hat gleichwohl eine Kehrseite, die unter Umständen bedenklich werden kann. Die Neigungen der Parlamentwähler sind unberechenbar; Beaconsfield wurde gestürzt, als er, vom Berliner Congreß im Triumphe heimkehrend, peace wilh honour nach Hause brachte. Zwar besitzt die conservative Partei Großbritanniens im Augenblick keine Persönlichkeit, deren Name sich mit dem politischen Prestige des Gladstone'schen messen könnte; das hat aber nicht gehindert, daß mehrere parlamentarische Ersatzwahlen die letzten Wochen dem conservativen Candidaten zum Siege verhalfen. Man gebe der conservativen Opposition nur im richtigen Zeitpunkt das richtige Schlagwort — und die Wankelmüthigkeit der Volksgunst wäre im Stande, der Welt ein Schauspiel zu geben, das der liberalen Geschmacksrichtung eine herbe Enttäuschung bereiten könnte. Telegraphische Depeicheu. Wolffs telegr. Eorrespondsnz-Burearr. Berlin, 11. December. Reichstag. Etatlesung. Fmanzminister Scholz hält die Klage Hodrecht's vom Samstag über Indiskretion für unberechtigt, die Akten Staatsnnmsteriums seien öffentliche U> künden und Mittheilungen aus denselben an das Parlament durchaus nichts Unrechtes. Hobrecht erwidert, er und feine Collegm seien 1879 der Ansicht gewesen, datz die Akten des Staatsministcriums geheim bleiben müßten. Die Vorlesung seines Voiums am Samstag sei eine geg.n seine Person ge- ichtcte Spitze. Hobrecht ist schließlich der Meinung, ohne Verfassungsänderung sei b e Durchführung zweijähriger Etats nicht möglich. Scholz wiederholt, er habe am Sams- t ig Hodrecht's Votum nur verlesen um zu ze'gen, datz drei einander folgende, ver- ichtedene Standpunkte einnehmende Finanzminister, unter denen auch Hobrecht, über die Verfassungsmäßigkeit zweijähriger Etats einig gewesen seien. Hobrecht wiederholt, seine jetzige ablehnende Haltung widerspreche nicht seinem Votum von 1879. Hänel und Lasker verlangen die Verlesung des Hodrecht'schen Votums, Kardorff, Mrnnigerode, Bennigsen, Winddorst, Kleist-Retzow widersprechen der Verlesung des Wortlaut«, welche denn auch nicht stattfindet. Windthorst hält die Bevathung des Etats von 1884—1885 für ent- schieden unzulässig. Bundesraths Bevollmächtigter für Bayern, Räsfcld, erklärt das Emverständniß Bayerns mit zweijährigen Etats Auch Kardorff hält eine Verfassungsänderung für noihwendig, beantragt aber gleichwohl, gemtste Positionen des Etats pro 1884—85 an die Budget-Comm ssion zum Ber'cht darüber zu verweisen, ob die gegen die zweijährigen Etats geäußerten technischen Bedenken bet der thatsächlichen Prüfung stichhaltig feien. Der R ichstag lehnte sodann den Antrag Minirigerode und den Antrag Kardorff ab und nahm den Antrag Rickert, nur gewisse Theile des Etats von 1883—84 an die Budget-Commission zu verweisen, an. — Der Botschafter Saburoff wird Abends nach Petersburg reisen, um Weihnachten bei seiner Familie zuzubringen. Die Geschäfte führt inzwischen Aragoff. — Dem A den bärbeißigen, polternden, aber rechtschaffenen und edlen Charakter des Arztes wußte Herr Abatura den richtigen Ton zu treffen. Recht natürlich gab Fräulein Herzenskron die Frau Baronin. Dadurch, daß Herr E. Schubert ben Baron von Boden nicht allzu g.ckenhaft gab, erschien Der llebergang zum soliden Landwirlh ungezwungen. (Der Zettel hatte uns hier ein Räthsel aufgegeben, auf dessen Lösung wir vergeblich warteten, denn in dieser Rolle sollte ein Herr Adolphi Schmitt vom Frankfurter Victoricttheater bebütiren, war jedoch nicht erschienen.). Die Rolle der Haushälterin war bei Frau Schubert een. wohl aufgehoben. Herr Pa ll mann fand sich mit seiner Verlegenheitsrolle als Referendar Gerstel befriedigend ab. Recht wirksam wußte Herr Kuba le den Kutscher Ludowsky darzustellen. Beifallswürdig waren endlich Herr Ernst als Griesinger und Frl. Hauptmann I. als Emma. Daß einige Rollen gestrichen waren, konnte den Eindruck Der im Ganzen glatten Aufführung nid# wesentlich beeinträchtigen.______________________________________________________________ Vermischtes. Mainz, 9. December. Die höchsten Wasserstände des Rheins in diesem Jahrhundert werden nach actenmäßiger Darstellung folgendermaßen angegeben: 1819 stand der Rhein im December in den Straßen der unteren Stadttheile von Mainz 1824 Ende Oktober große Wassersnoth. In Main; stand der Rbein am 24. November 21 Fuß 6 Linien. Der Strom stieg in der Nacht des 31 Oktober ziemlich unerwartet um etwa 7 Fuß, was verschiedene verheerende Dammbrüche bei Biblis und Groß-Rohrheim zur Folge hatte, ebenso war der linksseitige Weschnitzdamm gebrochen, desgleichen der Neuterdamm in der Nordheimer Gemarkung, die lmksfeittge Schwarzbach- Dämmung wurde weggerissen, die rechte sehr bedeutend beschädigt, Die Ginsheimer Dämme durchbrochen, desgleichen der Damm zwischen Rhern-DÜrkheim und Oppenheim, der einen tiefen 100 Klafter langen Bruch erl'tt, ebenso waren die Nackenheimer, Boden- heimcr und Laubenheimer Dämme gebrochen, eine Menge anb-rer stark befchäd gt. 1845 Am 31. März ungeheure U berschwemmung des Rheins, der m Mainz die Höhe von 22 Fuß 8 Zoll erreichte. Kastel und Koftheint war unter Wasser, die ganze Gegend glich einem See, von den Auen sah man nur die Dächer der Häuser und die Banmspitzen 1850. Hochwasser in Mainz 20 Fuß 2 Zoll. 1862. Hochwasser tm Februar, das in Mainz die Höhe vor. 21 Fuß 5 Linien erreichte. 1876. Hochwasser im März Bruch d?s Dammes bei Ludwigshöhe. Rheinhöhe in Mainz 19 Fuß 6 Zoll 4 Linien. 1880. Am 2 Januar schwerer Eisgang des Rheins und Mains, in Folge desselben Dawmbruch ber Groß Rohrhcim, B blis, Gustaosburg und Bischofsheim. Ueberflutbung von GioßMohrheim und Biblis, Kostheim in großer Gefahr. Der d-rsjährige höchste Wasscrstand in Mainz betrug na n unserer. Nachrichten bis jetzt 5,93 Meter — 23 Fuß 7 Zoll, ist somit der höchste in diesem Jahrhundert beobachtete Wasserstand. Gingesandt. Eine treffliche Weihnachtsgabe, noch dazu für den billigen Preis von dreißig Pfennigen, wird nuferer evangelischen Gemeinde durch den soeben erschieneaen ^Kirchen- Kalender pro 1883*' geboten. Derselbe sollte in feiner Familie Gießens fehlen und auch an die unbemittelten Familien durch Generosität ber bemittelteren gelangen! Der Reinertrag des Unternehmens ^ird ja ohnehin für Werke christlicher Liebe in unserer Gemeinde verwendet. Anschaffen und Verbreiten des Kalenders ist der einzig' Dank, welchen unsere drei Pfarrer als Verfasser begehren. Der Inhalt ist reich: ein vollständiger Kulender, mit Angabe aller kirchlichen Gemeindeangelegenheitcn, Penkopen, Gottesdienste, Abendmahlsfeier, (Safealien, Konfirmation, Amtsmochen der Geistlichen, Kirchenvorstand, Schulwesen, Kleinkinderbewahranstalt, kirchliche Armenpflege, Statistik. Gesangverein, Andere Vereinigungen, Kirchliche Chronik von 1881 und 1882. Die zweite s2lbtbeilung enthält Miitheilungen aus der älteren Kirchenchionik Gießens und auch drei Briefe von Luther aus dem Jahre 1530. Zu kaufen ist der Kirchrnkalender bei den Herren Pfarrern Naumann, Schlosser und Dingeldey und bet den Kirchendienern. Sparsamkeit erhält das Harrs ist der Wahlspruch jeder braven Hausfrau, den sie immer, wo es nur angeht, zum Wohle der Familie zu betätigen sucht. Viele Bedürfnisse kommen für den Haushalt in Betracht, woran sich sparen läßt, und namentlich gilt dies bei der Bekleidung hauptsächlich dann, wenn eine zahlreiche Familie vorhanden ist. Mit der Hand dieselbe zu beschaffen ist nicht möglich, fremde Hülse in Anspruch zu nehmen zu kostspielig, und da ist bann die Hülfe der Nähmaschine für die Hausfrau von eminentester Bedeutung. Mit der Nähmaschine kann sie nicht nur spielend die nöthigen Kleidungsstücke viel schöner Herstellen als mit der Hand, auch zur Anfertigung der verschiedenartigsten LuxuSarbeiten dient dieselbe, ja die Nähmaschine setzt sie sogar tn den Stand, Muse für die oft so nöthige Erholung zu finden. So weit gehende Ansprüche kann man nun allerdings nicht an jede Nähmaschine stellen, jedoch die Original Singer Maschine gewährt diese Vortheile in ausgedehntestem Maße und spricht auch für ihre Güte und Beliebtheit der sich stets vergrößernde Absatz derselben. Die Singer Co. ist aber auch stetig bemüht, sich dieses Vertrauen des Publikunts zu erhalten, indem sie nur beste Waare liefert und diese durch fortwährende Verbesserungen und neue wirklich praktische Erfindungen auf die vollkommenste Stufe zu bringen sucht. Die Original Singer Nähmaschinen sind am hiesigen Platze ausschließlich durch Herrn G- Ncidlinger zu beziehen und ist der Besuch dieses Geschäftes zum Ankauf eines der nützlichsten Weihnachtsgeschenke mit Recht zu empfehlen, zumal die Maschinen von Herrn Neidlinger auch gegen geringe Abzahlungen abgegeben werden, sodaß von einer Ausgabe hierfür kaum die Rede sein kann, da die Abzahlungen mit Hülfe der Nähntaschine leicht erspart werden; es ist mithin auch der Unbemittelte in der Lage, sich einer dieser vorzüglichen Hülfswerkzeuge anzuschaffen. Gedenket der hungernden und frierenden Vögel. Schnee und Kälte treiben fie in die Stadt, wo fie Nahrung zu finden hoffen. Täuscht ihr Vertrauen nicht! MWMWMMWWWWWWW ■ III !»»W! ■ i Handel und Verkehr. Gießen, 12. Dezember. Auf dem heutigen Markt kostete: Butter rer Pfund M. 1.25-1.30, Hühnereier per Stück 7—9 Käse per Stück 5-9 5iS(emnttc per Stück 3 Erbsen 1 Liter 20 Linsen 1 Liter 25 Tauben ba§ Paar 60—70 Hühner per S tuet M. 0.85-1.00, Hahnen per Stück M. 1.10 biä x 1.30, Enten per Stück Jt 1.70—2, Ochs-nflcisch per Pfund 66-70 Kuh- und Rindfleisch 56—60 H, Kalbfleisch 54 bis 56 Schweinefleisch- 62—64 Hammelfleisch 60-66 Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.50-6.00, Zwiebeln per Centner 3.00, Milch per Liter 14—18 L. Gänse per Psd. 56—68 Weißkraut 100 Stück M. 2—4.50. itrantfurt a. M.» 12. December, Nachmittags 2 Uhr — Win. (Telegraphischer tzoursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Ereditactien 2466-,. Staatsbahnactien 296-/,, Galizier 257-/, Lombarden 117-/,, Nord- westbabnactien 170°/», Darmstädter-Bankactien - Oberschleftlchc E.-B.-Act. 2->8, Oesteri-. Sitberrente 65-/«, 4% Ungar. Goldrente 73'/s, 4% 1880er Russen 68/«, 5% 1877r Russen —, 2. Orient-Änleibe 54>/,, Spanier 61’/i8, o’/o Rumänische Rente 92, 4% Unific. Egppter 72’/,e, Disconto Comm. 196-/», Gotthardbahnactien I18Vh> Tendenz: —• Für die Wasserbeschädigten im Großherzogthum gingen weiter ein: H. W. 1 X, Dr. Stammler 3 X, Karl Böß SX, Fnanzasp. Fr. Kammer 1 K. H. 0,40 X, Carl Wigandt 2 X, Rechner Kehr 5 X, A. Blr. 1 X, Reglerungs- rath Haberkorn 6 X, Major Mache 10 X, Hauptmann Cullmann 5 X, Amtsrichter Gebhardt 10 X, Locomotivführcr Bornmüller 3 X, Landger -Director Stammler 15 X. Frau Mülberger 3 X, A- Windecker 3 X, Stein 2 X, Hauptmann Winter 10 X, Rentamtmann Schmitt 3 X, N N 5 X, Lambert 3 X, A- L- 1 X, I- Thomas 1 CH. Klippe! 0.30 X, H. Schäfer 0,30 X, G- Schäfer 1 X, Hch- Debus I 1 X, ............ .in—— Ph. Bibricher 0,10 X, I Jendt 0,20 X, K. Häuser 1,50 X, Anton Petri 3 X, Louis Petri Wwe. 3 X. Georg Ebel Wwe. 6 X, Frau I. G. Appel 3 X, H. 1 X, I. u. M. H- 1 X, Musiklehrer Zimmer 3 X, N- N- 1,50 X, L- Walter 5 X. Dr. Brüel Wwe 3 X, Dr. Reatz 10 X, N. N- 2 X, Phil. Schäfer 1 X, N. N-1 X, Schutzmann B. Müller 1 X, Ungenannt 1 X, Dr. Großmann 5 X, I- Herz 3 X, Comm'.s Leop. Goldschmidt 1 X, H. Eichenauer 2 X, Feldwebel He.nstadt 1 X, F. Wiegand Wwe. 1X, Zufall 1 X, Heinrich Hollmann 1 X, M- W- 1 C-Schulze 1 X, Karl Zimmermann 3 X, M. F. 2X, Steinhäuser IX, Hosch 1 X, Dr. Felsing 5 X, Decker 2 X, E- L- 1 X. A- H. 1 X, Stadtrentmeister Enders 6 X. G- Döpfer 1 X, Carl Stohr 1 X. Hch- Gengnagel 1 X, Christian Faß 4 X. M P. 2 X, Fr. Schreiner 2 X, L- Pirr 2 X, Rudolf Göbel 2 X, C- Roth II. 2 X, Ludwig Möser 2 X, Georg Sebmehl Wwe. 1 X, Ludwig Keil 2 X Jacob Koch 1 X, Frau F. Wwe. 5 X, Frau Pf. Berck 1 X, R- N- 3 X, G- G. 0,50 X. C- Schwalb Wwe. 0,50 X, I. H. 2 X, B- D- 1,50 X, durch Decan Pullmann in Grünberg (1. Gabe) 82,67 X, Collecte aus Stangenrod 22,05 X, von Mitgliedern des Kaufmännischen Vereins 60 X, von Schülern aus Röthges 3,05 X, Collecte aus Treis a. d. Lda. 73,10 X, Collecte aus Watzenborn-Steinberg 158,31 X, Collecte aus Beltershain 13,95 X, Rechtsanwalt Dr. Reatz 20 X, W 2 X, Gebrüder Buderus 400 Collecte aus Uiphe 72,25 X, Collecte aus Lollar 93 X, Collecte aus Langsdorf 187,95 X. Collecte aus Hattenrod 26,45 X, Gymnasiallehrer Dr. Stamm 10 Pfarrer Drngeldey 3 X, Busch u. Mylius 30 X, durch Rechner Schäfer I aus Grünberg von: Johannes Schweißguth 1 X, Johs. Lauder 2 X, Ludwig Zinßer 1 X, Rechner I Schäfer 4 X, Carl Trinkaus 1 X. K- CH 1 X, Franz Vott 3 X, Philipp Frank 1 X, Gerichtsschreiber Wchner 2 X, Oberamtsrichter Fritz 6 X, Amtsrichter Dr. Möbius 5 X, Frau Decan Möbius Wwe. 3X, Polizeidiener Bügelmeter 1 X dem Vorschußverein Grünberg 50 X und Johannes Gieß Wwe. von Reinhardshain 1 X, Gemekndekasse Wettershain 50 X Summa 1611,58 X Hierzu die bereits früher quittrrten 8267,95 X Zusammen 9879,53 X Den Empfang obiger 1611,58 X bescheinige ich mit herzlichem Danke. Die Haus- collecte wird fortgesetzt- Gießen, den 12. December 1882- Dr. Boekman Bekanntmachung. Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse 1882 14. 16. 19. 20. 21. 23. 27. 28. 30. Mittwoch den Donnerstag „ Samstag „ Dienstag Mittwoch „ Donnerstag „ Samstag „ Mittwoch „ Donnerstag „ Samstag „ sowie angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar: 13. December Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag Dienstag Mittwoch Donnerstag Samstag den n 1883 Januar 2. 3. 4. 6. 9. 10. 11. 13. Die Interessenten werden daher auf- aefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Sadt Gießen, dagegen bte übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind- Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf orts- r'illiche Weise bekannt machen zu lassen- Gießen, den 24. November 1882. Der Rechner der Spar- und Leihkasse. Kehr. Mittwoch den 13. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett'schen Hofraithe dahier 2 Kühe, 1 Kalb und 1 Kleiderschrank gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 11- Dezember 1882. In Beurlaubung des Gerichtsvollziehers Geißler: Geißler, 8210 Gerichtsvollzieher-Aspirant. Jeilgeöotenes. 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