srr. 187» Erstes Blatt Sonntag den 13. August 1882 ießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. t Schul st raße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. PreiA vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 .Mark 5U Pf. Amtlicher HHeil. Betreffend: Die Vertilgung der Blutlaus. Gießen, am 9. August 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Da neuerdings die ApfelrindenlauA oder Blutlaus sich in Besorgniß erregender Weise wieder verbreitet hat, und zu befürchten steht, daß dieselbe den Nest der von der Vernichtung durch die Kälte uns noch übrig gebliebenen Apfelbaumpflanzungen zerstört, wenn ihre Vertllgung nicht energisch betrieben wird, schärfen wir Ihnen in Folge Weisung Großherzoglichen Ministeriums unser Ausschreiben vom 5. April 1879, Anzeiger Nr. 87 zur genauesten Nachachtung ein. Zugleich bemerken wir zu der nochmals im Abdruck folgenden Anleitung zur Vertreibung der Blutlaus, daß außer dem darin empfohlenen Kalken der Wurzeln der hochstämmigen Apfelbäume neuerdings ein weiteres Mittel zur Vertllgung der Blutlaus mit Erfolg angewendet worden ist, das darin besteht, daß man 50 Theile (Gramm) schwarze (s. g. Schmier-) Seise in 650 Theilen kochenden Wassers auflöst, diesem Seifenwaffer, nachdem es erkaltet ist, 100 Theile Fuselöl (Amyl-Alkohol) und 200 Theile Weingeist beimischt, und mit dieser Flüssigkeit die von der Blutlaus befallenen Stellen der Apfelbäume mittelst einer harten Bürste oder eines steifen Pinsels, die man an eine Stange befestigen kann, stark abreibt. Wenn zur energischen Durchführung der zur Vertilgung dieses Insektes nöthigen Maßregeln der Erlaß eines Polizeireglements Bedürfniß sein sollte, wollen Sie es alsbald berichten. I. V.: vr. Hoffmann, Negierungsrath. • Anleitung zur Vertreibung der Blutlaus. Die Blutlaus oder wolltragende Apfelbaum-Rindenlaus, Schizoneura (Aphis) lanigera gehört zur Familie der Blattläuse (Aphidinai, von welch' letzteren sie sich jedoch sowohl durch andere Färbung als namentlich durch die langen, weißen, oder z. Th. bläulichen, wollartigen Fäden unterscheidet, mit welchen sie dicht bedeckt ist, so daß die darunter befindlichen, in größeren oder kleineren, dicht bevölkerten Colonien, beisammensitzenden Läuse meistens nicht gesehen werden. Beim Zerreiben lassen die theils dunklen, thells Heller gefärbten röthlich-braunen oder röthlich-gelben Läuse einen blutrothen Saft zurück, von dem sie den vulgären Namen Blutläuse erhalten haben. Wie bei allen Blattlausarten gibt es auch bei den Blutläusen geflügelte und ungeflügelte Thiere, erstere erscheinen aber erst gegen Herbst, während vorher nur ungeflügelte Exemplare vorhanden sind. Die Vermehrung geschieht wie bei den anderen Apliw-Arten durch Gebühren lebender Jungen, die anfangs lebhaft hin- und herlaufen, sich dann an der Rinde festsaugen und unter mehrmaligen Häutungen bald ihre volle Größe erreichen, um dann ebenfalls, ohne vorherige Befruchtung, lebende Junge zu gebahren. Von Frühjahr bis gegen Herbst werden auf diese Weise etwa 8 Generationen erzeugt, wodurch die Vermehrung eine ganz colossale ist und durch eine kleine Colome in nicht langer Zeit ein großer Baum ganz überzogen werden kann. Die Verbreitung auf andere benachbarte oder auch entferntere Bäume geschieht zum Theil durch die gegen Herbst entstehenden geflügelten Exemplare, die auf kurze Entfernungen weiter fliegen und bei windigem Wetter auch auf größere Entfernungen verschlagen werden und dann neue Colonien gründen, oder z. Th. durch Vögel, welchen Flocken mit Insekten an den Füßen hängen blewen und m größere Entfernungen getragen werden können, wo sie dann manchmal günstigen Boden finden. Die weiteste Verbreitung in ganz entfernte Gegenden und Länder hat aber die Blutlaus wohl durch den Bezug von Apfelbaumen oder Edelreisern aus Gegenden, in welchen das Insekt heimisch ist, von jeher gefunden. 17 Wahrscheinlich verdanken wir die Blutlaus, wie ihre Verwandte die Reblaus, Amerika. Zuerst zeigte sie sich in Europa zu Anfang dieses Jahrhunderts in England, kam von da nach Frankreich und später nach Deutschland. Ueberall hat sie sich sehr rasih verbreitet und ist jetzt in ganz Frankreich, einem großen Thell von Deutschland (namentlich in Südwestdeutschland), in der Schweiz und in Tyrol zu Hause und bedroht in diesen Ländern die Existenz der Apfelbäume. Sie lebt, wie dies ihr Name, Apfelrindenlaus, andeutet, nur an Apfelbäumen; sie soll jedoch auch, zwar nur sehr selten, auf Birnbäumen und auf Quitten schon gefunden worden sein. An den Apfelbäumen richtet sie dadurch großen Schaden an, daß sie an den jüngeren Zweigen und an Wundrändern mit ihrem Saugrüflel die junge Rmde durchsticht und aus dem Splint den Saft aussaugt. Hierdurch entsteht nach diesen Stellen ein vermehrter Saftzudrang, in Folge dessen sich Zellwucherungen unter der Rinde bilden, die schließlich bersten und grind- oder krebsartige Geschwüre erzeugen, welche den zugeführten Nahrungssaft absorbiren und nach und nach das Absterben der Zweige und schließlich der ganzen Bäume herbeiführen, wenn nicht rechtzeitig gegen die Läuse der Vertilgungskrieg geführt wird. Auch am Wurzelhals und den flachgehenden Wurzeln in der Erde kommen sie vor und gehen im Winter selbst tiefer hinab, um während strenger Kälte Schutz zu suchen. Die Vertreibung der Blutlaus ist nicht so leicht zu bewerkstelligen, sondern erfordert die größte Achtsamkeit und Energie, da, wenn nur wenige Insekten Zurückbleiben, dieselben durch ihre starke und rasche Vermehrung bald wieder viele neue Verbreitungsheerde erzeugen. Das einmalige Anwenden von Zerstörungsmitteln ist deßhalb selten von Erfolg, da die kleinen Läuse zum Thell in den Knospen- und Blattwinkeln verborgen sitzen oder unter Rindenritzen und halbverdeckten Wundstellen, wo sie oft dem Auge entgehen, oder wo mit den anzuwendenden Mitteln nicht gut beizukommen ist. Es sind daher die von Blattläusen befallenen Bäume wiederholt in Zwischenräumen von 14 Tagen bis 3 Wochen nachzufehen und. sowie sich einzelne neue Colonien zeigen, diese sogleich wieder zu zerstören und mit den geeigneten Mitteln zu behandeln. Wenn auf diese Weise in kurzen Zwischenräumen wiederholt die Bäume sorgfältig vachgesehen und gereinigt werden, dann wird es in den meisten Fällen möglich sein, im ersten oder wenigstens im nächsten Jahr dieselben von ihren Plagegeistern vollständig zu befreien. Die wirksamsten Zerstörungsmitteln, die sich bis jetzt am besten bewährt haben, sind: 1) Schmierseife (grüne oder schwarze) Vr Kilo in 8 Liter Wasser aufgelöst, 2) starker Weingeist. Auch werden Carbolsäure (4 Theile mit 100 Theilen Wasserglas oer- mischt), Petroleum (1 Pfund mit 25 Pfund Wasser vermischt), sowie kaltflüssiges Baummachs und Leinöl empfohlen; doch sind Carbolsäure und Petroleum den grünen Theilen der Bäume zu gefährlich und Baumwachs und Leinöl können überhaupt nur angewendet werden, um etwa in Rindenritzdn oder Wundstellen sitzende Blutläuse zu überkleben, damit sie von der Lust abgeschlossen werden und ersticken müssen, dagegen können die befallenen jungen grünen Zweige nicht damit bedeckt werden. Bei jungen Bäumchen in der Baumschule, Zwergapfelbäumen und jungen Hochstämmen ist bei der Anwendung der Zerstörungsmittel auf folgende Weise zu verfahren: Alle kleinen, entbehrlichen, von der Blutlaus befallenen Zweige sind sorgfältig wegzuschneiden, zu sammeln und zu verbrennnen; die noch verbleibenden behafteten Stellen sind sorgfältig zu zerreiben und mit einem steifen Pinsel oder einer kleinen Bürste, wie man sie zum Aufträgen der Stiefelwichse benutzt, mit den oben empfohlenen Flüssigkeiten einzureiben und dies volle 14 Tage bis 3 Wochen zu wiederholen, bis sich keine neue Colonien mehr zeigen. Grindige und wunde Stellen sind glatt auszuschneiden und dann, nachdem sie mit den genannten Flüssigkeiten ausgewaschen sind, noch mit kaltflüssigem Baumwachs oder Leinöl zu bedecken; die ausgeschnittenen Theile sind zu sammeln und zu verbrennen. Bei befallenen älteren hochstämmigen Apfelbäumen mit schon ausgedehnten Kronen, bei welchen eine gründliche Reinigung der einzelnen Zweige nicht gut möglich ist, muß im Frühjahr die Krone stark zurückgeschnitten werden, damit nur eine geringe Anzahl Zugäste zurückbleibt, deren Zweige dann leichter auf die oben angegebene Weise gereinigt und behandelt werden können; zugleich ist die alte abgestorbene Rinde an den stehenbleibenden Aesten und am Stamm mit dem Rindenkratzer abzukratzen, grindige und wunde Stellen sind sorgfältig auszuschneiden und dann Stamm und Aeste mit Kalkmllch zu bestreichen. Ueberhaupt ist rathsam, letzteres bei allen Bäumen vor Winter anzuwenden. Die abgeschnittenen Aeste und Zweige, die abgekratzten Rindenthelle und ausgeschnittenen Theile sind natürlich sorgfältig wegzuschassen und zu verbrennen. Sind die starkbefallenen Bäume zum Verjüngen schon zu alt, so tritt die Nothwendigkeit ein, dieselben umzuhauen nnd nur zu verbrennen, da sie doch nicht mehr zu retten sind und zur weiteren Verbreitung der Blutlaus beitragen würden. Ferner wird bei Hochstämmen als ein sehr wirksames Mittel gegen die Blutlaus das Kalken der Wurzeln empfohlen. Im Spätherbst oder Winter, wenn die Erde nicht gefroren ist, nimmt man etwa 1,25—1,50 m im Durchmesser um den Stamm herum die Erde bis auf die Wurzeln hinweg und gießt je nach der Größe des Baumes 1—2 Gießkannen voll Kalkwasser auf die Wurzeln (auch Holzazchenlauge soll gut fein), schüttet dann eine etwa 3 cm hohe Schicht gebrannten, zerfallenen Kalk darauf und bedeckt diesen mit der ausgeworsenen Erde. Die Blutläuse sollen hierauf sicher verschwinden und ist dieses Mcktel zugleich für das Wachs- thum und Gedechen der Bäume sehr förderlich. Da die Blutlaus, wie zu Anfang bemerkt, oft durch den Bezug von jungen Bäumen oder von Edelreisern aus Gegenden, in welchen sie heimisch ist, verbreitet wird, so empfiehlt es sich, solche immer genau zu untersuchen und wenn sie irgend verdächtig sind, mit den empfohlenen Flüssigkeiten zu behandeln. S a&l Mziig aus di August- 8. -in G>eß-n «st 'S Wilhäm Kstblugei qmst°r Christian Zshavnrs Klos j ©labenbad) mit R von Steinbach- August. 9. Webers Konrad , von Euskirchen u zu Gießen. August. 1. Daniel. 1. Dem Hermann Zater ei Neeb eine Tochter 5. Dem Calculato sthrer Georg Köh Kaufmann Friedr Throm ein Sohn, August. 7. Eberhard Karl. 7 Wei „ AilijW l«lW,V5t fein. *’ »W Ache beh' Wf '«Ä bet< nurben, «^chgdou {KäS“*3.8 S“-s u ’,eC uebrig» bet Protest-i« "5 L«°s °uch^_ Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. Correspondenr-Bureau. Berlin, 11. August. Der „Reichs-Anz." bringt einen Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler aus Gastein vom 4. ds., welcher anläßlich des Berichts Uber die Ergebnisse der Reichspostverwaltung von 1879 — 1881 dre hohe Befriedigung des Kaisers über die bedeutenden Fortschritte in allen Zweigen dieser Verwaltung ausdrückt und die besondere Freude ausspricht, daß die Verwaltung auch der geistigen Ausbildung und Förderung der wirtkffchaftllchen Lage des zahlreichen Personals unausgesetzte Sorge widmet; der Erlaß spricht allen bether- liaten Beamten den kaiserlichen Dank aus. , — Se. Maj. der Kaiser ist heute früh wohlbehalten m Schlotz Babels- AckitW Dienstag den 'Somttai «den in dem Meder-Bessingen beiten unter de machenden Bedii Accord gegeben - Zerschlagen von 3 steinen, Lieferung von 6 2. Sorte, Lieferung von 2 Pamir- $ wt verschieden Temeinde-Gei , Peistdinderar ,m Gesmnmt-Vv Nieder-BG ®r- Bürgermei Md 111 SttfA . t i'chlutt ö3li . Wie sollte ich sie auch kennen? Ich habe meine Laufbahn im Generalstab gemacht und seitdem id) eine Cavallerü-brigade befehlige, stehe ich in Cambrai mit nur rwei Schmadl-onen und habe dort nur ein ungenügendes Manöverfeld Nein, ich kenne nicht die Cavalleriemanöoer; aber ich will sie lernen und in acht Tagen werde :ch sie ^^^"Tagen", sagte Galliffet, „das ist zu spät. Wir sind hier, um Andere ru unterrichten, nicht um erst selber zu lernen. Ich bedauere mein lieber General, Sie Ihres Commandos entheben zu müssen. Sie werden es dem ältesten Obersten übergeben. ^ermont^ennerre sich anschickte, diesem Befehle -zu entsprechen, ritt Galliffet, der sich schon ein wenig entfernt hatte, wieder auf ihn zu und sagte $U 11)111 '^hr Ansehen bei der Truppe soll darunter nicht leiden. Lassen Sie noch eine oder zwei Bewegungen ausführen, sagen Sie bann, Sie wären krank und hätten von mir einen Urlaub erhalten und reisen Sie im Laufe des Tages ab." So geschah es. — Aus der sächsischen Oberlausitz wird geschrieben: Für die säumigen Stcuer- rahler gestaltet sich die Lage immer ungemüthücher. Nachdem bisher schon einzelne kleine Städte und mehrere Dörfer vereinzelt mit dem Verbot des Wirthshausbesuches für säumige Steuerzahler vorgegangen sind, hat sich jetzt ein Verband mehrerer Gemeinden gebildet, um gemeinsam ein solches Unterbiet zu verhangen. Dadurch wirb ein solches Verbot, welches durch den Besuch eines Nachbarories umgangen werben konnte erst völlig wirksam. Die Bekanntmachung ber vereinigten Gememderathe lautet: „Um einem längst anerkannten öffentlichen Aergerniß zu steuern, haben die unterzeichneten Gemeindevertretungen beschlossen, allen Personen, welche als notorisch muthwillige Abgabenreftanien zu bezeichnen sind, den mit Aufwand ^verbundenen Besuch öffentlicher Tanzvergnügen und bas Aufliegen, Zechen und Spielen in Gasthäusern und Schankstätten in hiesigen Gemeinden auf so lange M verbieten, als dieselben ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind. Den betreffenden Gastwirthen und Inhabern von Schankstätten werden seiner Zeit die Namen berart.ger Personen unten genannter Gemeinden bekannt gegeben werden, unb jraar mit dem ausdrück chen Bemerken, bieselben unter Strafanbrohung in ihren Schanklocalen nicht zu dulden. Ober-, Nieder-, Neuleutersdorf und Josephsdorf, den 7. Juli 1882. ' — sDie „herzigen kleinen".] In einem englischen Blatte lesen wir: Ein Ehemann, ber ziemlich stark unter bem Pantoffel steht unb gleichzeitig großer Hunbe- liebhaber ist, kaufte jüngst bei einem Besuche in York ein Paar ganz lunger'Hunde- Da er es nicht wagte, sie nach Hause zu bringen, bevor sie sich gewisse mgendliche Unarten abgewöhnt, gab er sie einem Hunbehänbler zur Pflege unb Erziehung. Als er wenige Tage barauf nach Hause kam. fanb er seine Fran über Hals und Kopf damit beschäftigt, Vorbereitungen zum Verlassen seines Hauses /u Treffen und eine Scheidungsklage gegen ihn anzustrengen. Der Grund ihres seltsamen Benehmens bildete ein Telegramm des Hundehändlers an ihren Mann, bas vor wenigenStunben eingelaufen unb in folgenben Ausdrücken abgefaßt war: „Die herzigen Kleinen befinden sich sehr wohl und sehen prächtig aus. Schicken Sie Geld für ihre Ver- Gefundene Gegenstände: o snnrtemonnaie’S mit Inhalt, 2 Haken von Uhrketten, 1 Joch, 2 Sonnenschirme, 1 seidener Regenschirm, 1 Korallenkette, 1 Cigarrenspitze, 1 Tabaksdose, * mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. Gießen am 12. August 1882. Großherzogliches Poüzemmt Gießen. p ' Freseniu ———— Vermischtes. Marburg, 10. August. Heute Morgen starb auf der Cölber Landstraße n der Nähe des Dorfes Cölbe ein aus dem Hanauischen stammender Korbflechter, der sein Gewerbe im Umherziehen trieb und von Frau unb Kindern begleitet war- — Im Lager von Chalons werden gegenwärtig unter ber Oberleitung des Generals Galliffet große Cavalleriemanöoer abgehalten, welche die besondere Aufmerksamkeit der militärischen Welt auf sich ziehen und denen die namhaftesten Persönlichkeiten ber französischen Generalität, wie u. a- ber General Chanzy und der Herzog von Aumale, beiwohnen. Vor einigen Tagen ereignete sich nun dort, wie die „France militaire'1 berichtet, folgender Vorfall: Als man zum ersten Male .die Brigade-Evolutionen ausführte, befand sich der General Galliffet zufällig — gewiß nur ganz zufällig — von Anfang des Manövers K beSn «rtflabe ®ra0oner, bie seit ungefähr zwei Jahren von einem Officier des alten G^neralstabs, dem Brigade-General von Clermont-Tonnerre, befehligt wirb. Der General von Clermont-Tonnerre ist 58 Jahre alt, wäre also noch jung genug, zu Nierde m steigen wenn seine Gesundheit nicht seit mehreren Monaten gelitten hätte. »I mar ein 8öal'ina ber polyt-chn.schen Schule, Orbonnanjoffkter des Kaisers, Mili- ^r-Atlache bei der Berliner Botschaft und später Generalstabsches des 5. Armeeco^s, bat „Ho fo viel Ausbildung und Intelligenz, als man nur wünschen kann. Der tAeneral von Clermont Tonnerre hatte den Säbel m der Hand; von seinen Ordonnanz- HffiHeren unb >wet den beiden Regimentern der Brigade entlehnten Hauptleuten um= S^n liefe er seine Truppen ihre Schwenkungen ausführen. Darüber kam Galliffet h ?bei. l ®er Ober-General fanb. daß eine Bewegung schlecht ausgesührt worden war und bat Herrn von Clermont-Tonnerre, sie noch einmal ansangen zu lassen. Dieser batte seine Officiere ganz nahe bei sich. Er wechselte mit ihnen einige Worte und wollte eben den Befehl zur Wiederholung ^geben, als einer e uer Officiere zu ihm m's «' ÄÄ-Ä Officiereu „Sie stören ben General mit Ihrem unzeit^gen (9eplaub r. „Durchaus nicht", erwiberte Herr von Clermont-Tonnerre. „Ich bat sie nur um eine Mittheüung^^ 0[cid)n)o6l.., rief Galliffet, „Sie sind hier, um Befehle zu empfangen, unb nicht, um solche zu ertheilen". lieht" gib er ich wieberhole Ihnen : Ich bm es, ber sie zu Natye zikyr. . ''Das ist unnöthig. Sie wissen recht gut, was Sie zu thun haben, unb jetzt sieht es aus, als ob Ihre Officiere Ihnen soufflirten.' gnunf(fi ** f?nne „In ber That, sie sousfliren mir, unb auf meinen eigenen nicht bie Cavalleriemanöoer. Ich habe bie Herren gebeten, mir bas Gevachtmß auf- »ufrifchen, um nicht vor ber Truppe einen Fehler zu begehen. Der General Galliffet näherte sich dem Herrn Clermont-Tonnerre, unb alle Anwesenden wichen aus Discretion ein wenig zurück- „Sie kennen nicht bie Cavalleriemanöver? Offen gestanden, ich habe so etwas geahnt." pflegung. e ^ine kluge Frau einen heftigen Mann behandeln soll, zeigt Johann Fischart in seinem im Jahre 1607 zu Straßburg erschienenen, viele beherzigenswerthe Wahrheiten enthaltenden „Philosophische Ehezuchtbüchlein": „Wenn er schreiet, sie nur schweiget. Schweigt er dünn, red' sie ihn an, Ist er grimmsinnig, ist sie stillsinrng, Ist er stillgrimmig, ist sie trostsinnig. Ist er ungestümmig, ist sie kleinstimmig, Tobt er aus Grimm, so weichet sie ihm, Ist er wüthig, so ist sie gütig, Mault er aus Grimm, so red' sie ihn an, Also wird gestillt, auch was ist wild- Sonst gern geschtch't, gleichwie man spricht: Zween harte Stein', mahl'n nimmer klein, Ein g'scheit Frau laßt den Mann wohl wüthen. Aber dafür soll sie sich hüten, Daß sie ihn nicht lang maulen lasse, Sondern durch linde Weis' und Maße Und durch holdselig freundlich Gespräch Bei Zeiten ihm den Mund aufbrech'!" — Der neueste Börsenwitz verdankt seine Entstehung dem "P^rsifal". Zwei Herren aus dem Kaufmannsstande streiten sich über bie musikalischen Schönheiten des neuesten Werkes des Bayreuther Metsters. „ Ach, was verstehen Si: „Lieder Herr, wenn Ihr Eure 80 Gülden multiplicirt mit dem ntadtknecht unb b oibirt fte mit bem Henker, so kömmt Euer Facit an ben Galgen " Er sprach damit „ein ßroßes Wort gelassen aus", bcnn „obbemelbeter Amtmann" soll, wie eine alte Chronik erzayir, bald hinterdrein wegen Unterschleif und Betrug „an seinen Hals so gehenket wor sein, baß er Odem zu holen vergaß". - Mer-Extrazug.) Wie das „Erlanger Tgbl." miitheilt, ging am 7 Abends vom Erlanger Bahnhofe aus zum dritten deutschen Sangerfest in Ham du g B Extrazug von ber Franz Erisch'schen Brauerei ab. Das Blatt bemerkt herz - ' dies unseres Wissens nach ber erste Bier-Extrazug, ber von einem Aufgeber an einen Adressaten gerichtet, auf den deutschen Bahnen abgelassen wirb. Es uns, ß bei ber großen Bewerbung um biese Lieferung bas Erlanger Bier durch die erwähnt Brauerei den Sieg davontrug. Mit Donnerstag 1 ^erarteite] wfcbeitt «m i 4308 bera eingetroffen. , „ ... t c ..t München, 11. August. Der Kaffer von Oesterreich ist heute früh zum Besuche der Erzherzogin Gisela. Gemahlin des Prinzen Leopold hier em- getroffen, hat bei derselben Wohnung genommen und wird dein Vernehmen nach inorgen Abend nach Ischl zurückreisen. . Wien, 11. August. Der „Polit. Corresp." wird über die gestrige Conferenz-Sitzung aus Konstantinopel gemeldet, die türkischen Delegirten hatten den Wunsch ausgesprochen, daß über den Beschluß betreffs des Antrags Italiens bezüglich des Suezkanals ein Protokoll ausgenommen und unterzeichnet werde, der bezügliche Antrag sei angenommen worden, die Unterzeichnung solle nächsten Montag erfolgen, wenn der französische Botschafter bis dahin die ihm noch fehlenden Instructionen erhalten habe. Von den türkischen Delegirten sei nut- qetheilt worden, daß die Pforte eine Biilitär-Convention nut England abfchlietzen werde und daß über die Stärke des Expeditions-Corps, sowie darüber, daß die Landung der türkischen Truppen nicht vor der Ankunft des Oberbefehlshabers und des türkischen Commissars erfolgen solle und daß die türkischen Truppen zugleich mit den englischen Truppen Egypten wieder zu verlassen hatten, bereits euu. ^nstantinopel^lü August. Die tn der gestrigen Sitzung der Conferenz zu dem Antrag Italiens bezüglich des Suez-Canals von Lord Dufferm gemachten Bor- bchalte b-stehen sich auf die AktionsfreiheU Englands für dl- gegenwärtigen militärischen Operationen und darauf, daß die Wirkungen des italienische» Anttages mit dem Ende de? gegenwärtigen anarchischen Situation in Egypten gleichfalls °ufh°r-n und daß der italienische Antraa keine Macht werbe verhmbern können, im Falle ber Nothwenbigkeit Ausschiffungen von Truppenmannschaften vorzunehmen Der französische Botschafter behielt sich wegen mangelnber Instructionen bie Abgabe seiner Erklärung auf,ben italienischen Antrag vor- Salb Pascha künbigte für heute ben Abgang ber türkischen Erpebitionstruppen an unb erwiberte auf eine Bemerkung Lorb Dufferm s, die türfifeben Truppen würden in Egypten erst lanbcn, wenn Derwtsch Pascha unb (5er< wer a" Welbft angekommen seien. Der russische Geschäftsträger Onou wünscht Aufklärungen über die Landung englischer Truppen in Suez, Lord Dufferm erwiderte, die Landung sei von dem Admiral Seymour zum Schutze der Stadt augeordnet worden und thue dem Charakter des Canals keinerlei Eintrag. .. . — -Zn der gestrigen Conserenz-Sitzung wiederholte Lord Duffenü seine Erkläruna, daß er im Princip dem Anträge Italiens bezüglich des Suezkanals beitrete, bemerkte jedoch, daß er sich den Fall der koroe myjeuro Vorbehalten müsse Bor ber Conferenz hatte Lorb Dufferm bem ÄNunfter bes Aeußern, Saib'Pascha, ben britischen Antrag bezüglich ber bie Kooperation der Türker in Egypten regelnben Militär-Convention überreicht. — Der rusflfche Botschasts- verweser v. Neliboff ist hier eingetroffen. _ In Bezug aus ben Abschluß ber englffch-turkffchen Mrlrtar-Conventron verlautet, baß bie Pforte gegen bas Verlangen, ihre Truppen unter englischen Oberbefehl zu stellen, noch immer Einwenbungen erhebt. Handel und Serfebt. Gießen, 12.August. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per^Pfd. JL 0.85-1.00, Hühnereier per Stück 5-6 4, Enteneier per Stück 6-/4, Käse per St. 5—9 Käsematte per Stück 3 X Erbsen 1 Lrter 24 ßmjen 1 Liter 30 Tauben das Paar 70-75 Hühner per Stück 0.90-1.20, Hahnen per Stück 0.55-1.00, Enten per Stück 1.50-1.80, Ochsenfleffch per Psunb 66-70 Kuh- und Rindfleisch 54-60 H, Kalbfleisch 50 bis 54^, Schwemeflerfch 62—64 Hammelfleisch 60-66 ^, Kartoffeln per 100 Kilo JL 4.00-6 00 Zwiebeln per Cent rer X 6-7, Milch per Liter 14—18^, Kirschen per Pfund 2o—30 Ganse O-OO—OO. Frankfurt a. M., 12. AugustzNachmittags 2 Uhr - Min. (Telegrowhischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann m Gießen.) Creditactien 269^2, Staatsbahnactien 295Vr, Galizier 275Vr, Lombarden 124 /z, Nord- westbahnactien 1825/8, Darmstädter-Bankactien 157V2, Oberschlesische E.-B.-Act. 2oö 4, Oesterr. Silberrente 66, 4°/0 Ungar. Goldrente 755/8, 4% 1880er Ruffen „69 50/» 1877r Russen 86 Vie, 2. Orient-Anleihe 563/<, Spanier 2813/ie, 6% Rumamjche Rente —, 4°/o Unific. Egy pter 543/ä, Gotthardactien —. Tendenz —. Berlin 10 August. Der Bau der Eisenbahn Osnabrück - Brackwede wird wahrscheinlich noch in diesem Jahre begonnen und bis zum Herbst nächsten Jahres beendet sein; die Vorarbeiten sind bereits nahezu vollendet. der Brodverkäufer der Bäcker 64 Schwarzbrod 1. Sorte 2. 2. Sorte ) 78 £in hübscher & G Hermann Katz 5053 Amerikan. Brillant- Mt IlillllfllWlIlllillllfl Gehr. Stamm 5299 4 ’2 2 1 2 1 2 3 (6 (2 32 Bro-preise vom 13. bis 27. August 1882. ßRlLLfiNT-Gl^lW^_3l 5302 Zwei gut erhaltene Schulbänke billig au verkaufen. Wo? sagt die Exped- ds- Bl. ölftab t nur n, ich werde Inbere '-mal, dttsten W, d foßlt >4 eine en von Steuer; inylnt ^ucheL ter Tech wirb werben nderäthe M bie Wtorisch neu Be- n Gast- als die; wirthen krönen Mltä)en , bulben. Ein Ehe- : Hunde- ■ Hundc. endliche ig. W M da: unb eine ^nehmens Stunden . Kleiner, ihre Berit Johann Mswerihe Gießen den 12. August 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen Fresenius. 32 64 29 58 26 52 50 73 78 7 5304 ' Auf den Abbruch zu verkaufen ein massives Nebengebäude an der Damm- traße la. Baldigste Offerten beliebe man emzu- reichen an Aug. Hug, Arckntekt, Mar, burgerstraße. 26 o4 „ (4 „ ) bei Konrad Rinn HI . . . . . - (6 Pfd.) Schwarzbrod 2. Sorte , ", bei K.Haas, St- Wallenfels, M. I Ausma aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Den 6. August. Dem Schlosse^Dani!l*Kleinke eine Tochter, Auguste Henriette, °°b°r°"Denftlbm.J^ Dem Landwirth Wilhelm Kitz -in-Tächter, Luis-Magdalene Pauline, 8eb0C6$>=nfdb=n3U!I)=m Postboten Carl Friedrich Busch -in- Tocht-r, Lina Anna. 8°b°" D-ns-lb-n3 D'-m Arb-it-r Conrad Wenzel eine Tochter, Marie, geboren den 6" 3UIt®6nfelben. D-m Bahnarbeiter Friedrich Reinhard F-isel ein Sohn, Friedrich ®n,alb®en'ir0nSMbU6Uft8" Dem Bi-rbr°u-r-ib-sitz-r Johann Adam Fortsch Zwilling-, •“ «"LS.".'!« «?-*«*• ““'ÄÄJ.'Ä** -.» hl». IW« »-»"-» »” 3‘ ^^Dens-lb-n" D-m Tapezier Adolf G-rstenb-rg -in Sohn, Adolf Heinrich, geboren bcn ^D3°s-lb7n.^D-mselb-n -in Sohn, Wilh-Im, geboren den 16. Januar. Den 8. August. Katharine Karl, geb. Launspach, Ehefrau beä Eberhard ^arl. alt 41 Jahr- 6 Monat- 28 Tag^gestorbenden^^lugusb^^^^^^, V 1 Glanz-Stärk- von Fritz Schulz jun. in Leimig muß jedes Packet obige Schutzmarke es/ tragen, wenn sie ächt sein toll Dieselbe ist vorräthigm fall allen diesbezüglichen Handlungen. „ (4 .. bei Karl Lonv • . • • • ♦ • (6 „ ) Schwarzbrod 2. Sorte "bei Emil Sauer . . . • • • Jakob Thomas u. Kath. Baldauf Margarethe, 1 Jahr alt, Tochter des Schneiders Georg Rahrgang. 10. Johanna Zoll, geb. Bohl, 52 Jahre alt, Ehefrau des Schreiners Wilhelm A'. 8»«* M® blu non!“ nfl «l * el" t betto* i?S S"> »■••'S Im Großherzogthum Hessen und von anderen deutschen Staaten genehmigte Lotterie der Allgemeinen Landwirth- schaftl. Landesausstellung in Darmstadt. 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Dem ?ÄffiSAÄ»“ »■ D-m »"»>"> ®”* Throm ein Sohn, Karl Max. ,WÄ. ^.«rKUL'SSSL Montag den I '< August, Vormittags 9 Uhr, werden im vormalsLange'schen Hause am Selterswcg dahier eine große Parthie Eisenwaaren, bestehend m r-Etsen, Blech, und Radschaufeln, Gossensteinen, Stahlscharen, Nieten, fert g $ fenstern, Ofenröhren, Mühlstahl, Wagenachsen, englisches Stahl ech, sowie Oefen und Heerde öffentlich gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 5. August 1882. 5191 M. Pilger, Concursverwalter. Lttbeitsversteigerung. Dienstag den IS. ds. MtS., Vormittags 11 Uhr, werden in dem Gemeindehaus zu Meder-Bessingen nachverzerchnete Arbeiten unter den daber bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich m Accord gegeben werden, als: Zerschlagen von 30 Cbm. Unterhaltungs- Lieferung von 60 Cbm. Pflastersteinen Lieferung von 2 Wagen Schlackensand, Planir- und Pflasterarbeit rm Ort, sowie verschiedene Reparaturen an den Gemeinde-Gebäuden m Maurer- und Weißbinderarbeit im Gesammt-Voranschlag von 1100^ Rieder-Bessingen, den 9. August 1882. Gr. Bürgermeisterei Rieder-Bessingen. Hör st.__________ Arbeitsvergebung. Donnerstag den 17. d. Mts., Nachmittags 3 Uhr, sollen in dem Rathhause zu Holzheim in der Kirche daselbst auszufuh^nde Arbeiten, als: 437 95 Dachdeckerarbeiten, veranschl. zu t Schreinerarbeiten, „ " 19/90 Anstreicherarbeiten, „ » z { durch Versteigerung m Accord gegede werden. rr .OQO Gießen, am 12. August 1882. Seuling, 4308 Bezirks-Bauausseher. 5317 Die bekannten Rosexithal’s Corsetten sind in großartigster Auswahl und elegantesten Fayons wieder neu eingetroffen. Gleichzeitig empfehle eine große Parthie Herren-, Damen- und Kinder wasche in reichhaltiger Auswahl zu den billigsten Preisen. 5MS* Herrenhemden nach Mass. Joseph, Markt Schulstraße. 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