1882. Donnerstag den 13. Juli -rr. 160 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. »ttrMtt: Schulstraße B. 18. Betreffend: Den Ankauf von Stutfüllen. Großherzogliche Handelskammer. Ed. Silbereisen._____ Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. beziehen. Gießen, den 11. Juli 1882. Darmstadt, 11. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergimdlgst geruhtDampfkessel-Prüfungs-Techniker Johann Georg Pöhl- manu aus Flurhof, im Königr. Bayern, zum Dampfkessel-Prüfungs-Jngemeur zu ernennen. , . r .e n , . Ernannt wurde: am 5. Juli der Bureaubeamte und Techniker Ludwig Wilhelm Möser aus Darmstadt zum Secretariats-Assistenten bei der Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein mit Wirkung vom 1. Jul: 1an Darmstadt, 11. Juli. Se. Königl. Hoheit der Großherzog und Ihre Großh. Hoheiten die Prinzen Heinrich und Alexander wohnten heute Vormittag deni Leichenbegängniß des am 8. d. Mts. dahier verstorbenen Generallieutenant z. D. v. Lyncker bei. Darmstadt, 10. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt (Bei- laae Nr. 17) enthält: 1. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den Locomotivbetriev auf der Material-Transportbahn der Bauunternehmer Ph. Holzmann u. Comp. und Gebrüder Benckiser von deren Lagerplätzen bei Mainz längs des Rheines bis zur Baustelle der neuen Rheinbrücke betreffend. 2. Uebersicht der für das Etatsjahr 1882/83 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Com- munal-Bedürfnissen in den Landgemeinden des Kreises Offenbach. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das' Jahr 1882/83 genehmigten Umlagen zur Bestreitlmg von Communal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Schotten. 4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr vom 1. April 1882/83 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürsnissen in den Gemeinden des Kreises Darmstadt. 5. Uebersicht der für das Jahr 1882 genehmigten Umlagen zur Bestrer- tuna der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden ini Kreise Mainz. 6 Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 23 Juni dem Generaladjutanten und Ordenskanzler General-Lieutenant ä la suite v' Grolman die Erlaubniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr, Mas dem König von Sachsen verliehenen Großkreuzes des Albrechts-Ordens, dem Großh. Kammerherrn und Hofjägermeister Ludwig v. Werner die Erlaubmß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Maz. dem König von Sachsen verliehenen Comthurkreuzes 1. Klasse des Albrechts-Ordens zu ertherlen. 7. Dienstnachrichten: f , „rrr Se Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. Juni' den Kreisbauaufseher-Aspiranten Dieter Geipert von Biebesheim zum Straßenmeister zu ernennen. D-r I ->« - 3* ™2 d» W m StutfUU«. fü, «-» «««"” ”b f0l*5l*S ÄÄÄÄÄ i. M.dd-MW-»d sum Durch,°°» 350 A » «,<-» v*"> ,@,5 Mti« «* 3-0 l 3. Mb. U-,-„-ich.«-°d-,di--°,Mbm Wtaubi M m - » X »ÄÄ« «U—, °b-n 9—3-« 'Die Thier- werden wie inden beiden letzten Jahren unter den Bestellern versteigert. Gießen, den 10. Juli 1882. Dr Boekmann. Betreffend: Einsendung der Sterbsallszählkarten. . f ,, , am ' ' Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen erinnert. ______________________________________________________________________ zu w «t w, b« w#» u°°.«ch°» B»!«?. 3ur Herausgabe eines Adreßbuchs deutscher Exportnrwen geemigt und die Bearbeitu g p ae)taue Mitteilung machenden Circulare und Zueck und Ur. Rentzsch übertragen. Alles Nähere Pt °us -inem, u °r Zweck und Emrichtun des L7en Circular und Probebogen von dem einem Probebogen zu ersehen, welch letzterer Format Druck, Ausstattung u. f. w- beu-th^n Rentzsch in Berlin, Königin-Augusta-Straße d3, Secretariat der unterzeichneten Handelskammer oder drrect von dem Redacttonsmrtglred für Hessen, Herrn Dr. Jtenm m b Am 21 Juni wurde dem Schulamts-Aspiranten Johannes Kraußmüller aus Strebendorf, im Kreise Alsfeld, die erledigte Lehrerstelle an der Gememde- jchule zu Heimertshausen, int Kreise Alsfeld, übertragen. Se.^Kön^b^Hoheit der Großherzog haben Mergnädigst geruht: Ain 24. Mai den Kreisassessor bei dem Kreisamte Fnedberg Wilhelm Kuchler auf sein Nachsuchen aus dem Dienste zu entlassen. Am 6. Mai wurde der vormalige Lehrer an der Volksschule zu Mainz Joseph Munk, am 15. Mai wurde der vormalige Lehrer an der Gememdeschule zu Drais, im Kreise Mainz, Lorenz Münzenberger, entlassen. 9. Charakterertheilung. Erledlg^ff^^Eim mi?einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Mainz mit einem Anfangsgehalt von 1200 lahrlrch. 11. Sterbefälle. ... .. Berlin, 10. Juli. Die „Verl. Polit. Rachr." schreiben über die egyp- tifche Affaire, zwar etwas post festem, das Nachstehende: m dem eg'i^ tischen Handel das entscheidende Wort zu sprechen haben wird,. Dte Diplomat n oder die Kanonen ? - ist eine Frage, aus welche Europa. v«t kürzester Frist eine bündige Antwort erhalten durfte. Dresih • mit England und Frankreich ihre Actionsfählgkeü verDollchindlgm, lrd t boten durch die noch fieberhaftere Hast, womit der dip aßen gänzlichen Scheitern des Conferenzwerkes vorzubeuge ich • , ’ . Grund dazu. Bei der Verhandlung der Cabmete ub dw der « händigende Note betreffs der Anthetlnahme der Tu k Betheiligungs- egyptffchen Status guo hat sich ergeben, daß ^^ jstjren, so daß die Ein- Modus der Türkei Differenzen m den Anschau» genSa$il ba& ladung an die Pforte bis i-tzt nicht erlassen ctot me[,eä ben Standpunkt die Pforte selber ein neues Circular versm offenbar darauf berechnet scheint, ihres letzten Rundschreibens aufrecht erhalt » n * Konstantinopeler Staats- im Falle unliebsamer Complicatronen a Es aiebt sogar Leute, welche männer von vornherein gänzlich ^onserenimächten gegenüber doppeltes Spiel, behaupten die Pforte spiele den L° t eine sichere Rückendeckung weil sie sich überzeugt halte, für aue zu haben. Monnenften politischen Kreise von Egypten Thatsache ist, daß. auch dw besonnen, e^p^n ^ch Deutschlands mit wachsender Resignation spr ch-n. Unterthanen das Verlassen des und Oesterreich-Ungarns Regl-ru g ba^ür. ba§ ba§ zünftige Diplomaten- egyptischen Bodens anhetmgebe , ,p die Berechnung aufhört und thum hart an die beginnt. Die Ausgabe der Conser7n7wäre damikiaktisch erledigt, und für Europa würde es nch nur noch darum handeln, daß auch eine acute Wendung der Dinge in Egypten nicht einen Charakter annehme, der nur die Präponderanz gewisser Einzel-Interessen documentirte. Das heißt mit andern Worten: Europa wird verhüten müssen, daß die Entwickelung der egyptischen Krise sich in einen circulus vitiosus einschließe. England fühlt sich trotz seiner gewaltigen Rüstungen höchst unbehaglich. Mit Arabi Pascha allerdings traut sich John Bull rasch genug fertig zu werden — aber die Attitüde seines getreuen Alliirten giebt ihm zu denken. Herr de Freycinet will unter allen Umständen an dem Einvernehmen mit den übrigen Mächten festhalten, well er nur in diesem eine Garantie gegen die unliebsamen Consequenzen erblickt, deren er sich vor einer bewaffneten Einmischung am Nil versieht. Freycinet hat wiederholt erklärt, daß Frankreich für alle Eventualitäten bereit sein müsse. — Die Filiale der Straßburger kaiserlichen Tabakmanufaktur in Emmerich wird in den nächsten Tagen geschlossen werden. Görlitz, 11. Juli. Die hiesige Handelskammer ist aufgelöst worden. Aegypten. Wir entnehmen der „Frkstr. Ztg." nachstehende Mittheilungen: London, 11. Juli. Aus Alexandrien wird vom 10. Juli, Abends, gemeldet: Hier herrscht große Panik unter den Eingeborenen. Der Khedive hat seine Familie aufs Land geschickt. Die französische Flotte, die „Alma", ist abgefahren. Die britische Flotte liegt kampfbereit mit Geschossen im Rohr. — Die Kriegsvorbereitungen werden emsig fortgesetzt. Für die Thurmschiffe „Dreadnought", „Devastation" und „Neptune" ist Fahrbereitschaft binnen 14 Tagen angeordnet. Die Reserven sind noch uneinberufen. — Um 7 Uhr Morgens eröffneten der „Sultan" und der „Superb" das Feuer. Eine Viertelstunde später griffen alle Schiffe ein. Die Forts erwiderten sofort das Feuer; sie schießen indessen zu kurz. Das Fort Pharos ist stark beschädigt. Die Kriegsschiffe sind unverletzt. Um 972 Uhr waren die Forts und die Stadt in Rauch eingehüllt. Zwei Forts sind bereits aufgeflogen. — Aus Alexandrien wird von 9 Uhr Vormittags gemeldet: Die Forts Marsa, Elo und Kanat sind in die Luft gesprengt. Im Fort Pharos ist der Thurm zusammengeschoffen, und sind die Geschütze demontirt. Die britischen Schiffe haben bis jetzt anscheinend nicht gelitten. Anzeigen von Geneigtheit zur Uebergabe sind bis jetzt nicht bemerkbar. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Die Conferenz sistirte die Sitzungen, um den Verlauf der Dinge in Egypten abzuwarten. Zwischen den Engländern und Franzosen herrscht eine gewisse Mißstimmung, indem die Engländer die letzteren beargwöhnen, dem Sultan Rathschläge in anti-englischem Sinne gegeben zu haben. Der deutsche Geschäftsträger thut alles Mögliche, um die Ein- rnüthigkeit unter den Vertretern der Mächte zu erhalten. — Aus Alexandrien wird mitgethellt, daß die französische Flotte die Beschützung des Suezkanals übernahm und gestern Abend dorthin abging. — Bei Eröffnung des Feuers auf Alexandrien fielen 7 Schüsse aus den Forts zuerst in zu geringer Distanz. Ueber der Stadt weht ein rotheä Kreuz. Die Straßen sind, nachdem die erste Aufregung vorüber ist, verödet. — Aus Alexandrien, 8 Uhr, wird von heute gemeldet: Die englischen Schiffe sind in fortwährender Bewegung. Sie feuern nicht in Lagen, sondern geben nur einzelne Schüsse ab, so daß das Feuer langsam erscheint, aber ersichtlich von der größten Wirkung ist. Sämmtliche britische Schiffe setzten Dampfbarkassen aus, welche vereint mit mehreren zu englischen Kauffahrteidampfern gehörenden, aber mit Officieren und Mannschaften der Marine besetzten Dampfbarkassen zwischen den fechtenden Schiffen und der Küste fortwährend kreuzen, um etwaigen Torpedo-Angriffen vorzubeugen. Die egyptischen Batterien antworteten anfänglich kräftig, aber unwirksam, da die Geschütze mangelhaft sind. Jetzt nimmt das Feuer stark ab. — Ein Privat-Telegramm von Port Said von gestern Abend 8 Uhr 50 Min. meldet: Die Europäer verlassen die Stadt in Massen und flüchten an Bord der im Hafen befindlichen Schiffe. Die Dampfer erhalten keine Erlaub- nrß mehr, jn den Kanal einzulaufen. Das Geschäft stockt vollständig. — Es verlautet, Granville habe den Mächten notificirt, daß England keine Absicht einer dauernden Occupation Egyptens habe. Es werde sich zürück- ziehen, sobald die Ordnung hergestellt und eine einigermaßen gute Regierung eingesetzt sei. Eine officielle Depesche Seymour's meldet die Explosion der Forts Marsa und Elkanat. Die Erwiderung des Feuers sei schwach und unwirksam. Seymour warnte die Kauffahrer, während des Bombardements in den Hafen einzufahren. — Bei der Admiralität ist ein osficielles Telegramm Seymour's eingegangen von 8 Uhr Vormittags, welches meldet, daß das Feuer der Egypter nur noch schwach sei. Die 8 Panzerschiffe sind im Gefecht. — Das Verbot, in den Suezkanal einzusahren, betrifft die englischen Kauffahrer. Port Said wird wahrscheinlich morgen occupirt. Mittags wurden auf den Forts viele Geschütze demontirt. Um 1% Uhr ist im Fort Aida das Ma- gazin ausgeflogen. — Meldung aus Alexandrien von 10 V2 Uhr Morgens. Die egyptischen Batterien setzen das Feuer noch immer fort, aber wirkungslos, wogegen das Feuer der Flotte wohlgezielt ist. Ein Landungsversuch ist bis jetzt nicht unternommen, da das Feuer der Batterien noch nicht genügend gedämpft ist. — Aus Alexandrien wird gemeldet: Heute Vormittag notificirte der britische Konsul, daß keine Schiffe den Suezkanal verlassen dürfen. Lesseps pro- lestirte gegen solche Verletzung der Neutralität. Für den Abend wird eine Occupation des Kanals erwartet. Telegraphische Depeschen. Wolft'S telegr. Eorrespondenr-Bureau. Juli. Als Ueberbringer des Jmtiaz-Ordens an den Kaiser wird der Muschir Fuad erwartet. Rom, 11. Juli. Schlözer stellte gestern dem Papst dm Lcgatlonsrath Baron Rotenhan vor. Mailand, 11. Juli. Der Khedive Ismail ist hier eingetroffen. « ü ^ne Depesche des „Standard" vom Bord des „Jnoincible" Ef,n stich meldet: Das Bombardement dauert jetzt zwei Stunden. Das Fort Sri?! f!arf beschädigt, die Forts Massa und El Kanat in die Luft geflogen. Viele beschütze anderer Forts sind unbrauchbar gemacht. < „Aottl?on, 1^'Ju^- Die zwene Ausgabe des „Standard" enthält ein Telegramm, DSI? des ,^Jnvincible" ?3/4 Uhr Morgens, welches besagt: Die Panzer- ich ste „Alexandria , „Sultan und „Superb" eröffneten das Bombardement. Die Batterien antworteten sofort aber die Schüsse erreichten zuerst die Schiffe nicht. Alsdann bctheiligte sich auch der Rest der Flotte an der Beschießung. Der Geschützkampf wurde um 874 Uhr allgemein. Nachdem die Kanonade 20 Minuten gewährt verstummte das Feuer zweier Forts. Fort Pharos scheint schwer beschädigt. Die Schiffe sind unbeschädigt. London, 11. Juli. Ein von der Rhede von Alexandrien, Vormittags 11V2 Ubr datirtes Telegramm lautet: Das Bombardement dauert fort, das Feuer der Forts läßt immer mehr nach. Eine Depesche an die Admiralität von Morgens 8 Uhr fnnt - Das Feuer der Forts ist schwach und unwirksam. 0 ' London, 11. Juli. Der türkische Botschafter Musurus Pascha hat von bem türkischen Minister des Auswärtigen folgende Depesche erhalten: Ich beeile mich, Ihnen in extenso die Verbalnoten zu übermitteln, welche am 10. Juli zwischen meinem Departement und der englischen Botschaft gewechselt worden sind. Sre wollen die vorliegende Depesche sofort dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten mittheilen: I. Note der englischen Botschaft. r < x Die Botschaft Ihrer Majestät der Königin von England beehrt sich, die Hohe Pforte davon zu verständigen, daß in Folge der Fortsetzung der Arnnrung der Forts von Alexandrien durch die egyptischen Militärbehörden der englische Admiral diesen Morgen anzeigen sollte, er würde, wenn die Forts nicht zeitweilig behufs Desarmirung übergeben werden würden, innerhalb 24 Stunden das Feuer eröffnen. gez. Duffe rin. 1 II. Antwort der Hohen Pforte. Jn Beantwortung dieser Verbalnote der englischen Botschaft vom 10. ds welche der Hohen Pforte im Laufe des Nachmittags desselben Tages zugegangen ist' beehrte sich das kaiserliche Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, der Botschaft mitzutheilen, daß nach einem heute von dem Khedive und dem Marschall Derwisch Pascha übermittelten Telegramm Se. Hoheit sowie auch das egyptische Ministerium dem commandirenden Admiral des englischen Geschwaders in Alexandrien erklärt hätten, die Lokalbehörden würden in dem Fall, daß der Admiral zum Bombardement schreiten sollte, keinen Widerstand leisten. Es ist evident, daß ein solcher Akt, wenn er zur Ausführung kommen sollte, die Souveräiietätsrechte Sr. Majestät des Sultans und die Interessen des Landes auf das Schwerste schädigen würde. Die kaiserliche Regierung erwartet, daß das Cabinet Ihrer Majestät der Königin von England, indem es das Vorstehende in ernste Erwägung zieht, den Admiral Seymour veranlassen wird, sich jeden Aktes zu enthalten, der eine solche Eventualität Hervorrufen könnte und ihm Instructionen in diesem Sinn zugehen lassen wird. Die kaiserliche Regierung wird auf jeben Fall bic Ehre haben, die Botschaft I. Maj. ber Königin von Englanb von der Entschließung zu infornnren, welche sie in ber Nacht zum Dienstag sowohl in Betreff ber vorerwähnten Mittheilung ber Botschaft, als auch in Betreff der telegraphischen Mittheilungen des Khedive und des Marschalls treffen wird. Die hohe Pforte ersucht das Cabinet von St. James, die Zusendung der oben erbetenen Instruction an den englischen Admiral beschleunigen zu wollen. Jn Erwartung weiterer telegraphischer Mittheilunaen von mir wollen Sie sich unverzüglich zum Lord Granville begeben und denselben dringend ersuchen, dem Admiral Seymour den Befehl zugehen zu lassen, sich jeden feindseligen Aktes zu enthalten. Toulon, 11. Juli. Das Transportschiff „Sarthe" verließ den Hafen und begibt sich direct nach Port Said, um dem von Alexandrien dahin abgegangenen französischen Levantegeschwader Kriegsmaterial und Proviant zuzuführen. Petersburg, 11. Juli Die Kriegskorvette „Vitjaß" erhielt auf Befehl des Kaisers den Namen „Skobeleff". — Bei General Werder ist gestern folgendes Telegramm des Kaisers von Deutschland an die Fürstin Belosselskaja, die Schwester Skobeleff's, eingetroffen; Ich bin tief betrübt über den plötzlichen Tod Ihres Bruders. Dieser Verlust für die russische Armee ist schwer zu ersetzen und tief zu beklagen. Es ist sehr schmerzlich, solche nützliche Kräfte zu verlieren. — Das „Journal de St. Petersburg" bemerkt gegenüber dem jüngsten Circularschreiben der Pforte, die Behauptungen derselben ständen in vollkommenem Widerspruch mit den neuesten Nachrichten. Man scheine in Konstantinopel schlecht unterrichtet zu sein von dem, was zur Verfolgung der Mörder vom 11. Juni niedergesetzten Special- gerichtshof angehe. Es sei bedauerlich, daß die Pforte es nicht für opportun erachtet, sich bei Zeiten hierüber mit den Vertretern der Mächte in Konstantinopel zu verständigen. Es sei jetzt, wo alle Fremden Alexandrien bereits verlassen hätten, unmöglich, ernsthaft über diese Procedur zu sprechen. Moskau, 11. Juli. Das Todtenamt Skobeleff's fand Montag Mittag in der Dreiheiligenkiichc statt. Die Großfürstin Nikolaus, Alexis, der Herzog von Leuchtenberg, der Kriegsminister, der Moskauer Generalgouverneur, die Generalität, Militärdeputationen, Vertreter städtischer und ländlicher Körperschaften nahmen an demselben Theil. Die Kirchenfeier war um 1 Uhr beendet. Daraus wurde der mit Blumen, Kränzen und Militär-Insignien geschmückte Sarg aus einer vergoldeten Bahre von den Großfürsten und den Generälen hinausgetragen und durch ein Truppenspalier nach dem Rjaesener Bahnhofe gebracht. Um 3 V? Uhr überführte ein Separatzug die Leiche nach Spaßkoje. Eine große Volksmenge geleitete die Leiche nach dem Bahnhofe. Konstantinopel, 11. Juli. Der Premierminister Abdurrahman ist seiner Funktionen enthoben worden. Es heißt, der frühere Premierminister Said werde wieder an seine Stelle treten Konstantinopel, 11. Juli. Der amerikanische Gesandte hatte gestern wieder bei dem Sultan Audrenz. Das Publikum knüpft daran Gerüchte von einer Bereitwilligkeit der Unionsstaaten, in der egyptischen Frage zu vermitteln. Alexandrien, 11. Juli. Die fremden Panzerschiffe sind außerhalb des Hafens gegangen, die französischen Krtegssch ffe ausgenommen. Die „Alma" und die „Htron- delle" verließen Alexandnen bei Sonnenuntergang. Von dem britischen Geschwader befinden sich nur die „Thetis", der „Monarch" und der „Jnvinciblc" innerhalb des Hafens, die anderen außerhalb desselben. Alexandrien, 11. Juli. Das Fort Aida in der Nähe des Palastes des Khedive ist in die Luft geflogen. — Durch einen Befehl des Admirals Seymour ist den Handelsschiffen der Eintritt in den Suez-Canal während des Bombardements verboten. Ebenso hat der englische Conful m Port Said bereits gestern die Einfahrt in den Canal verboten. Man erwartet die Besetzung des Canals. Bukarest, 11. Juli. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Preis-Ausschreiben für Projecte der zur Verbindung der Eisenbahnlinien Küstendje-Cernaroda und Bukarest- Fetelti zu erbauenden Donaubrücke und eines an derselben Stelle zu erbauenden Tunnels unter der Donau. Für Brückenprojecte ist ein Preis von 100,000 Francs bestimmt, w-lche unter den Einsendern der drei besten Projecte für den Brückenbau zur Vertheilung gelangt. Der Preis für ein Tunnel-Project ist 50,000 Frcs. Die Kosten des Brückenbaues sind auf ungefähr zwanzig Millionen veranschlagt. Die rumänische Regierung wendet sich mit ihrer Aufforderung an die hervorragendsten Tonstructeure der Welt. Lokales. Gießen, 12. Juli. sSterblichkeit in Gießen) In der verflossenen Woche ereigneten sich in Gießen nur 2 Todesfälle, einer bei einer Frau (Arteriener.tzündung), der andere bei einem Manne (Magenblutung). Beide Personen waren Ortsfremde. Gießen, 12. Juli. TU. Hessische Vereins-Regatta.) Unser und wohl aller Wunsch, daß Gott Pluvius ein Einsehen haben möchte, ist leider nicht in Erfüllung gegangen und so sand denn am Sonntag, von dem erdenklich schlechtesten Wetter denachtheillgt, die erste Regatta unserer hiesigen Rudergesellschaft statt. Den Vormittag und bis zu Beginn der Rennen schien das Wetter sich zu halten, dagegen düsterte sich gegen 3 Uhr der Himmel und es kam ein recht solider Regen nieder, der aber weder das Interesse noch den Enthusiasmus der angesammelten vielen Tausende von Zuschauern herabzustimmen vermochte. Lange schon vor 3 Uhr, dem Beginn des Festes, hatte sich eine ganze colossale Menschenmenge auf den beiden Uferseiten der Lahn postirt, um dem aquatischen Schauspiel be'zuwohnen. Auf dem reich mit Flaggen geschmückten und mit einer sehr practisch und hübsch angelegten Tribüne versehenen Festplatz hatte sich ebenfalls eine zahlreiche Zuschauermenge angesammelt und war selbst die Damenwelt trotz des niederströmenden Regens recht zahlreich vertreten und harrten auch echt sportmäßig bis zur Preisoertheilung am Schluß des Festes aus. ■fei ’ft Mitt 10, dz MWft ist" *«5 itr $; Wt Michknm nm erklärt Mm, irbemertf schreit», *« -r Jutta, wUltdus mit bic gliche Regierung j ‘o- inbem es bas | Mssen wirb, sich i könnte unb ihm J Regierung wirb i n Eiiglanb von ber j sowohl in Betreff i der telegraphischen l )ohe Pforte ersucht ij nstruction an dm | tir wollen Sie fiA lchen, bem Admiral [ zu enthalten. Den Hafen unb be- gegangenen franzö- eit auf Befehl des ,!ffe nicht, ?r ^esch^.^' “ BeiSgjS 11 D--S'L LkL'-Uhr """L'tz 61 * dem lu5*ti8^ des Kaisers von ieff's, eingettoffen: ifer Verlust für die r schmerzlich, solche iünöften ©rculan iffltm Mbrr/pruch d)t untarldjtit >u Itfiftn tytciab jportun erachtet, rtinoyel «er- hatterr, unmoy L- Mittag in der •ioa von Leuchten- neraVtät, Militär^ imen an demselben ber mit Binmen, eten Bahre M den lruppenspol'er «A in Separatzug die Leiche noch dem rrahman Ift * Said werde wieder HM t von einer Bereit teS; t dü N«f|,§ M ul toba •»> [eße von iW&fltbau fflr wTa Dre ."Ä? !*&»** * b sSs Zum sportlichen Verlauf des Festes sei oorausgeschickt, daß die Rennen nut anerkennenswerther Pünktlichkeit und ohne unnütze Zeitvergeudung aufeinander folgten und daß das ganze Arrangement als wirklich gelungen bezeichnet werden darf. Im ersten Rennen für 4 riems outrigged Giggs für Seniors mußte Oberrad Juniors statt Seniors laufen lassen und mag dies wohl dazu bcigetragen haben, daß die bisher noch nicht besiegte Oberrärer Rudergestllschaft mit 2-3 Bootslängen von der Coblenzer Ruder-Gesellschaft geschlagen wurde. — Den Siegern fiel der 1. Preis, gestiftet von den passiven Mitgliedern der Gießener Rudergesellschaft, 1 schwerer silberner Pokal und 5 silberne Ehrenzeichen, zu. Im 2. Rennen für outrigged Giggs für Juniors starteten der Mainzer Ruder- oerein und unsere hiesige Gesellschaft. Flott gingen beide Boote vom Start ab, eine weite Strecke Bord an Bord kämpfend ; langsam gelang cS Mainz, von seinem Gegner tret zu werden und vergrößerte sich der Zwischenraum dcr beiden Boote immer mehr, bis schließlich Mainz mit einem Vorsprung von ca. 2—3 Bootslängen als Sieger durchs Ziel ging. Wie es uns vom Richteramt aus schien, hielt der Steuermann keinen geraden Cours ein und dürste daher der noch kurz vor dem Ziel entstandene bedeutende Vorsprung der Sieger zu suchen sein; ein reich vergoldetes Trinkhorn, gestiftet von dem Ehrenmitgliede Herrn C. W. B. F er nie, und 5 tzlberne Ehrenzeichen war der Preis für dieses Rennen. Das 3. Rennen um den Ehrenpreis des von Mitgliedern des Mandarinenkastens gestifteten Humpens und 1 silbernes Ehrenzeichen fuhren Sklffs-Juniors und zwar Herr Metzler von der Offenbacher Rudergesellschaft Undine und Herr E. Balser von der hiesigen Rudergesellschaft; Herr Metzler ging zuerst und allein durchs Ziel, während Herr Balser erst einige Minuten später erschien und beim Richteramt Protest einlegte, indem die Boote collidtrt und Herr Metzler das Fahrwasser des letzteren genommen hätte! Herr Balser offerirt Herrn Metzler, sofort noch einmal zu starten und eine halbe Bootslänge sogar vorzugeben; derselbe wollte sich aber nicht darauf einlassen und verlangte den Preis. — In Anbetracht der vorgerückten Zeit und des schlechten Wetters mußte die Preisvertheilung vorgenommen werden und konnte das Richteramt nicht enbgiltig zur Abstimmung kommen; jedenfalls wird die Sache in der nächsten Zett auf unparteiischem Waffer entschieden werden; der Preis bleibt bis dahin in den Händen des Regatta-Comit^s- Im 4. Rennen für 4 riems inrigged Raceboote, Seniors, siegte die Frankfurter Rudergesellschaft „Germania", hart gedrängt von ihrem Gegner, um V< Bootslänge über den Offenbacher Ruderverein; der schöne Stiel, der regelmäßige Schlag und die gut trainirte Mannschaft scheint diesem Verein stets den Sieg zu sichern. Der 1. Ehrenpreis, gestiftet von ber hiesigen Schützengesellschaft und 5 silberne Ehrenzeichen lohnte die Sieger. Im 5. Rennen für Skiffs-Juniors siegte Herr Stern von der Frankfurter Rudergesellschaft „Germania" gegen Herrn Gill berg er vom Frankfurter Ruderverein mit ca. 1 Bootslänge unter lautem Beifall seiner Freunde. Der Ehrenpreis, von ber Gießener Rudergesellschast gestiftet, bestehend aus Trinkbecher und Serviettenring in Ctuts, sowie 1 silbernen Ehrenzeichen, wurde d«m Sieger überreicht Für das 6. Rennen, 4rudrige deutsche Kielboote, für Vereine, die vor dem 1. Januar 1882 noch keinen Preis gewonnen, hatten sich die Casteler Rudergesellschaft und der Höchster Ruderclub „Nassovia" gemeldet. Castel, das gerade nicht sehr stylvoll ruderte, siegte mit ca. 8 Bootslängen über Höchst; die Höchster Mannschaft schien sehr gut trainirt, arbeitete auch sehr regelmäßig und schön, schien aber durch Gewicht und Construction des Bootes benachtheiligt. Der Preis, welchen Castel sich holte, bestand in einer reich vergoldeten Weinkanne und silbernem Becher, sowie 5 Ehrenzeichen, gestiftet von dcm Regatta-Comit4. Das 7. Rennen für Sciffs^Seniors, welches sehr interessant zu werden versprach, verlor leider dadurch sein Interesse, daß Herr Meixner von ber Frankfurter Rubergesellschaft „Germania", der Vormittags bereits schwer erkrankt war, dessen Gegner Herr Biersack von Sachsenhausen einen angebotenen Ersatz nicht acceptirte unb deshalb allein über die Bahn ging. Auf diese Weise fiel Sachsenhausen ber von ben passiven Mitgliedern der Gießener Rudergesellschaft gestiftete 2. Ehrenpreis, 1 silberner Pokal und ein silbernes Ehrenzeichen mühelos und ohne Anstrengung zu. Das 8. Rennen ffür 4riems hing. Raceboot um den 2. Preis von dem hiesigen Schützenoerein, 1 vergoldete Weinkanne und 5 silberne Ehrenzeichen, führte die Sachsen« Häuser Rudergesellschaft und Offenbacher Ruderverein auf die Bahn. Sachsenhausen übernahm von Anfang an die Führung, ohne daß Offenbach im Stande gewesen wäre, den Sieg ernstlich streitig zu machen Die Haltung der Offenbacher war der überlegenen physischen Kraft Sachsenhausens gegenüber immerhin eine lobenswerthe. Differenz an Ziel ca. 4 Bootslängen Alles sah mit größter Spannung dem jetzt folgenden 9. Rennen entgegen. Galt es doch den Ehrenpreis der Damen unserer Vaterstadt zu vertheidigen; galt es doch, unserer Gesellschaft die erlittene Niederlage wieder gut zu machen. — Mit ängstlicher Spannung sah man nach ber Lahnccke, um welch- die Boote kommen mußten; alle Operngläser richteten sich dorthin. Oberrad unb Gießen waren es, die in 4rub. outrg. Giggs, und zwar beide Mannschaften zum zweiten Male, die Bahn durchliefen. Endlich zeigten sich die beiden Boote, Bord an Bord kämpfend, eben einen kleinen Vorsprung erreichend, um ihn im nächsten Augenblick wieder zu verlieren; es war in ber That hochinteressant, die jungen Leute so hartnäckig um den Preis ringen zu sehen- die Mannschaft unserer Gesellschaft hielt sich wirklich recht brav unb thaten ihr Mög' lichstes, schienen auch einen kleinen Vorsprung zu haben, da, beim letzten Spurt kurz vor dem Durchfahren des Zieles, sah ber 2. Schlagmann nach dem Publikum, zog da- burch statt durch's Wasser burch die Luft nnd bte Race war für Gießen verloren; bie Boote schossen zwar fast gleichzeitig durch's Ziel, Oberrad aber mit einem Vorsprung von ca. 1 Fuß. Der von ben Damen Gießens gestiftete Ehrenpreis, bestehenb aus einer reizenben silbernen unb vergoldeten Fruchtschaale und 5 silbernen Ehrenzeichen, wurde von der Oberräder Rubergesellschaft unter Ausdruck des Dankes an bic Damen entgegen^ genommen. Als Nr. 10 wurde von dem Regatta-CoE noch ein Rennen für 4rub. ing. Raceboot eingeschoben, um ber Sachsenhäuser Rudergesellschast Gelegenheit zu geben ihre Kräfte und Senior-Mannschaft zeigen und laufen zu lassen; diesem Verein war nämlich gestattet worden, sich nach Meldeichlutz aus Nr. 4 des Programms noch anzumelden Wafferwärwe der Lahn. Am 12. Juli, Mittags zwischen 11 unb 12 Uhr: + 13V? R-, Luftwarme +13° R. L. Chr. Rübsamen. da aber die beiden bereits angemelbeten 2 Vereine, Offenbacher Ruderverein unb „Germania" bies später nicht acceptirten unb man Sachsenhausen nicht S J 211 ^?s."nb konnte so ließ man biefelben gegen sich selbst fahren unter der Bedingung daß sie die Strecke in kürzerer Zeit durchfahren müßten, als das zweit- anrommende Boot in dcr von Ihnen f. Z. angemeldeten Race Nr. 4; sie haben diese Aufgabe (s. die No iz m Nr. 158 b. Bl.) mehr als gelöst unb sind Ihnen dafür auch oie ausgesetzten fünf Ehrenzeichen überreicht unb von Damenhand die betr Mannschaft persönlich beconrt worben. 1 Jetzt mit der letzten Nummer des Programms ließ auch ber Regen nach unb fonnte Zur Preisvertheilung geschritten werben; Herr Professor Dr. Gareis, umgeben Don bie Hemn 0^ne Zweifel die Einweihung des neuen Pariser Stadthauses bilden, wozu der 09 ^Aben * Nmeinderath der Hauptstadt außer den Bürgermeistern der europäischen Haupt- Mt von denen die meisten aber abgelehnt haben, auch die in Paris beglaip Vertreter der Mächte, die französischen Minister, Senatoren, Deputirten, .Zuu n commandirenden Generäle, Vertreter der Künste und Wissenschaften u. s. w. g" f j 1^ eingeladen hat. Auch Henri Rochefort hatte eine Einladung erhalten, doch lehnte der einstige „Laternenmann" dieselbe mit dem Bemerken ab, daß ihm die „Gesellschaft nicht passe." Die von klerikalen französischen Blättern gebrachte Nach- ,. richt, die Nihilisten beabsichtigten, das Stadthaus am Tage der Einweihung in ' iäer die Luft zu sprengen, wird von Niemand ernst genommen und nur als ein Parteimanöver betrachtet, dem Einweihungsseste möglichst Abbruch zu thun. E, In den gegenwärtigen Rüstungen Englands tritt besonders m ^er Umstand hervor, daß indische eingeborene Truppen in verhältnißmäßig beträchtlicher Zahl in Egypten mit Verwendung finden sollen. Die englische Negie- . rung motivirt die Heranziehung ihrer indischen Truppen damit, daß die an die Sonne Indiens gewöhnten Truppen auch das Klima Egyptens weit üO-x ertragen würden, als die aus England kommenden Regimenter. Dies 15Regeben, so ist aber noch ein anderer zwingender Grund für die Verwendung irdischer Truppen vorhanden. Die Engländer sind trotz aller Großsprechereien fe nicht im Stande, augenblicklich eine zu einem Feldzuge in Egypten genügende Berlin, 8. Juli. Eine Eingabe der Handelskammer zu Frankfurt a. M. an den Bundesrath regt die Einführung einheitlicher deutscher Postwerthzeichen, die Beseitigung der speciellen bayerischen und württembergischen Postmarken an. Die Verkehrserschwerung und Belästigung des Publikums, die in der Beibehaltung verschiedenartiger Postwerthzeichen in Deutschland liegt, ist so handgreiflicher Natur, daß zur Empfehlung des Vorschlags kein Wort gesagt zu werden braucht. Wer hätte diesen Uebelstand nicht schon selbst hundertmal lästig empfunden! Allein es ist uns doch sehr fraglich, ob die Einführung einheitlicher Postwerthzeichen praktisch durchzusetzen, ohne daß die beiden in Betracht kommenden Länder, Bayern und Württemberg, überhaupt die Selbstständigkeit ihrer Postverwaltung zu Gunsten der Neichspostverwaltung aufgeben. Wir meinen nun freilich, ein Verzicht auf die eigene Postverwaltung würde die Souveränität der beiden süddeutschen Königreiche ebensowenig beeinträchtigen, wie es gegenüber Sachsen und Baden der Fall ist. Allein an die Aufgabe dieses Reservatrechts, daß bei Vereinbarung der Neichsverfassung von den Betheiligten mit großer Zähigkeit festgehalten wurde, wird unter den heutigen Verhältnissen, wo der Partikularis- mus sich schwerlich etwas abringen läßt, nicht zu denken sein. Und so wird man sich den fortdauernden Umlauf verschiedenartiger Postwerthzeichen als eine wenn auch unerfreuliche, so doch verhältnißmäßig harmlose Erinnerung an bundestägliche Zeiten gefallen lassen müssen. Berlin, 8. Juli. Es ist eine durch die Statistik sowohl, wie durch die Erfahrungen der hervorragendsten medicinischen Capacitäten bestätigte Thatsache, daß den Verheerungen der Menschenblattern bis jetzt nur durch die Impfung, event. Wiederimpfung mit Erfolg zu begegnen ist. Aus diesem Grunde wurde im deutschen Reiche die Zwangsimpfung eingeführt, die sich ja auch im Allgemeinen bei uns glänzend bewährt hat- Denn während in allen größeren Städten unserer Nachbarländer, in Petersburg, Warschau, Wien, Pesih, Prag. Paris, London, wo Zwangsimpfungen nicht bestehen, alljährlich große Pockcnepidemien auftreten und viele Hunoerte, ja, oft Tausende von Menschen hinraffen, zeigt doch das unbestreitbare Faktum, daß in den deutschen Großstädten, also in Berlin, München, Hamburg, Breslau und namentlich in den Seestädten Bremen, Altona, Stettin, Danzig, obgleich ein stetiger und inniger Kontakt mit den erstgenannten Städten vorhanden und dadurch die Gefahr einer Einschleppung der Epidemie sehr nahe liegt, die Pocken seit Einführung des Impfzwanges nur höchst vereinzelt austreten, daß es zu einer ausgedehnten Pockenepidemie nirgends mehr gekommen ist. Aehnliche Resultate liefern die Berichte aus Schweden, Norwegm und Dänemark. Auch hier sind die Impfungen obligatorisch und Pockenepidemten seit Jahren nicht mehr vorgekommen. Noch deutlicher tritt der durch die Impfung hrrvor- gerufene Schutz in denjenigen deutschen Landesdiftricten zu Tage, welche nach Rußland ungrenzen (Ost-, Westpreußen. Posen und Oberschlesien). Obwohl in den meisten russisch-polnischen Grenzortschaften Pocken stets und oft recht bösartig auftreten, obwohl ferner durch die Unkenntniß des Landvolkes mit manchen sanitären Vorkehrungsmaßregeln die Gefahr der Ein- und Verschleppung noch größer wrrd als in den Städten, ist es in jenen Gegenden seit der Zeit der Einführung des Impfzwanges nicht wieder zu einer ausgedehnten Pockcnepidemie gekommen. Bis vor Kurzem wurde zu den Impfungen humanisirte Lymphe fast allgemein in den Gebrauch gezogen, da einer Conservirung animaler Lymphe, deren großer Vorzug vor der humanisirtm Lymphe nicht zu bestreiten ist, nicht zu erlangen und weil UebertraAungen von ansteckenden Krankheiten, besonders Syphilis, in nur sehr vereinzelten Fallen mit Gewißheit zu constatiren war, welche Uebertragungen aber auch durch gewisse Vorsicht beim Aussuchen abzuimpfender Kinder noch seltener gemacht werden konnten. Seitdem aber die leichte Uebertragung speciell der Tuberculose und Scrophulose durch die Entdeckungen Koch's außer allen Zweifel gestellt ist, ist die Jmpffrage eine viel dringendere geworden, da durch die Impfungen von Arm zu Arm nicht blos in einigen Fällen Keime von Syphilis, sondern auch der Keim von Scrophulose und Tuberkulose von einem kranken auf em gesundes Kind übertragen werden kann. Und in der That erinnern einzelne von den Jmpfgegnern angeführte Fälle von Jmpfbeschädigungen an das Bild der Scrophulose, resp. der Tuberculose. Da nun durch die Koch'schen Entdeckungen einwandfrei festgestellt ist, daß die Tuberkulose und Scrophulose (Perlsucht) von derselben Bacille hcrvorgerufen werden, also identisch sind und nur in der Form des äußeren Bildes sich von einander unterscheiden, so ist dies bei der großen Verbreitung der Scrophulose unter den Kindern von ungemeiner Wichtigkeit. In Folge dieser Entdeckung wird wohl auch bei Aerzten und Laien eine erneute Agitation nicht blos gegen die Impfung mit humanisirter Lymphe, sondern auch gegen das gan^e Jmpfgesetz nicht ausbleiben. Die Impfung und mit derselben den Impfzwang können wir aber nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen nicht entbehren. Es muß deßhalb die animale Impfung aufrecht erhalten bleiben. Für diesen Fall hat das kaiserliche Gesundheitsamt, wie wir erfahren, hinreichend technisches Material gewonnen und sind insbesondere die beiden Methoden der Conservirung animaler Lymphe nach Pissin und Reißner weitgehenden und sorgfältigen Untersuchungen unterworfen worden, die sich nach jeder Richtung hin bewährt haben. Die dazu benutzten Kälber zeigten im Verlauf der Impfung und der Lymphabnahme keine Gesundheitsstörungen, so daß nach Beendigung des Versuches die Untersuchung der geschlachteten Kälber nichts der Gesundheit Schädliches ober Krankes aufwies. In Folge dieser und noch weiterer Versuche dürfte die Herstellung von animaler Lymphe für Massenimpfungen unzweifelhaft sein und ein Verbot der Anwendung humanisirter, dagegen der Gebrauch von nur animaler Lymphe zum Impfen, die nothwendige Folge sein, wie solches im, Großherzogthum Hessen bereits gesetzlich eingeführt ist. Vermischtes. — Der gefeierte Operateur Billroth mußte sich seine jetzige Stellung auch erst erobern und fand manche Gegnerschaft. In einem medicinischen Blatte erschien sogar eine Aufsehen erregende Not>z, in welcher dem Professor vorgeworfen wurde, er habe bei einer Operation an einer kranken Frau einige Schwämmchen im Leibe der Patientm liegen lasten. (Sine Fluih von Artikeln und Gegenartikeln folgte dieser »Enthüllung aus der Klmik. Die Patienten der Stadt befühlten sich an allen Korperstcllm, ob nicht vergessene Lanzetten da ruhten, und auch die Witzblätter bemächtigten sich des Themas. In einem derselben erschien sogar ein Scherz-Inserat des Inhalts: Jener junge Herr, welcher kürzlich in meinem Bauche einen Operngucker vergessen hat, wird ersucht, denselben wieder abzuholen! Billroth rief die Gerichte an und die Schluß- Verhandlung ergab, bafi der Vorfall sich auf der Ablh-ilung B'llrolh>s nie und mmm-r- mehr ereignet habe. Der gefeierte Operateur erhielt eme glanzende ^bnugthlm^und dennoch wollte das Mährchen lange nicht aus dem Gedächtnisse der^Leut Lachend sprach kürzlich der Meiller davon, wie Z-ih das^Leben einer solchen L-gend- ist, die sich an eine bestimmte Person knüpft, „In Wien , sMrDt6 fort, „ift ba3 Mährchen schon längst vergessen, aber daß es in entlegenen Winkelni Deutschlands noch in manchem Kopfe spuken muß, habe ich vor nicht langer Ze,. erf. <^a^eit^e,"e^ schönen Sommerabend stand ich mit meinem SD?«fter 2an0enbelf aut ber Bretten irenpe be§ „Schweizerhoses" in Luzern; mir sahen auf das mundervvlle Landscha tsbtld daS sich vor uns ausbreitete, als ein Bekannter L-mgenbeck s uns gesellte. 63 er. Ute eine gegenseitige Vorstellung- Herr L aus - «« «.«J. SäSmSw ä %£• 'iS mit recht zufrieden." Allgemeiner Anzeiger. Aeiigeßotenes. Spiegelfchränke, ChiffoniriöreS, ein- und zweithürige Kleiderfchränke, Epiegel rc. zu sehr billigen Preisen. 333 J. 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