1882 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags- Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit BrMgerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bnrean: Schulstraße B. 18. Deutscher Reichstag. 22. Sitzung vom 11- Januar. Präsident v. Levetzow eröffnet d:e Sitzung um IV4 Uhr- Am Bundesrathst.sche: 0. Bött-cher, Scholz u. A zweiter Lesung Tagesordnung: 1) Dritte Berathung der Montag m mm 5 erledigten Rechnungssachen. . f(Srt Dieselben werden debattenlos deslmtlv für ^ 6 geeignet erachteten 2) Berathung mehrerer zur Erörterung rm Plenum mcyl für g » ^^Dieselben werden ebenfalls fürl*aufen• Den Herrn Reichskanzler 3) Berathung des Antrages des Abg. Rlt gy '^^^tzentwurf vorzulegen, durch zu ersuchen, in dreier oder der nächsten Sessto ^^9 und auf Grund welchen in Gemäßheit des 8 5 des E^lges deutschen der Volkszählung vom 1 December 1880 die ^ermeyrung ii'wxBeaun.«««•«'»»«>■«- “ «* als 4 Millionen gestiegen ist. Politische Ueberficht. Gießen, 12. Januar. » ->»- «», (2W Dw>!i°n. Ät_ ,, Freitag den 13. Januar Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Straßen, welche der Zug passirte, aufgestellt; zahlreiche Kränze wurden am Grabe Victor Emanuel's uiedergelegt. Die officielle Lrauerfeierlichkeit wird jedoch erst am 1(1. Januar stattfindeu. , Der Sultan gab iu voriger Woche dem oßerreichüchen BoftckM- ter, Baron Calice, zu Ehren ein Banket, welches man in den politischen Kreisen Konstantinopels als eine bedeutsame politische Kundgebung zu Gunsten Oesterreichs betrachte!. Der Sultan soll hierbei Herrn v. Ealice gegenüber gemerkt haben, daß er glaube, die österreichische Regierung verfolge eme conler- vative und friedfertige Politik nnd fei von, freundlichen Gcilnnnngen gegen die Türkei beseelt. Auch hat sich der Sultan sehr günstig über die den türkischen Specialgesandten in Wien gewordene Ausnahme geäußert. , Die eauptifche Frage ist durch den jüngsten schritt der Westmächte in Kairo um.ein neues Moment bereichert worden. Der französische nnd der englische Generalconsnl in Kairo überreichten dem Vicekomg eine Eollec- tionote, in welcher Frankreich und England erklären, daß )ie keinerlei Cm- mifchung der Pforte in die egyptischen Angelegenheiten dulden und daß sie ferner den Vicekönig auf dem Throne anfrecht zu erhalten wissen ivurden. '4. er Vice- köniq hat sich natürlich über diese Versicherungen sehr erfreut gezeigt, desto un- qünstiqer ivird man aber diefe anmaßende Sprache an den übrigen mropastchen Cabmeten beurtheilen, da sich allseitig die Ueberzeugung geltend macht daß bei "bev Lösung der egypnsche Angelegenheiten nicht nur Frankreich und Englam, sondern auch die andern Großmächte ein Wörtchen nntzusprechen haben. Darmstadt, 11. Januar. Se. König!. Hoheit'der Großherzog nah- men heute militärische Ateldungen entgegen und empfingen den Königlich Grop- britannischen Geschäftsträger Dir. Jocelyn, den OberstlieiltenaM ^rhrn v. Esebeck vom Ostpreußischen Ulanen - Regiment Nr. 8, den MaM r^rhrn. c-enarclens v. Granci) vom K. K. Oesterreichifchen 13. Infanterie-Regiment aus Kmkau, den Legationssecretär Schön von Berlin; zuni Vortrag den Diinisterial-Präsidenten Schleiermacher. .„ — Se. Königl. Hoheit der Groszherzog haben besohlen, datz am 1.1. bv. im Gcoßherzoglichen Palais ein Hofball abgehalten werde. . Darmstadt, 10. Januar. Der Gefetzgebungs-Ausschus; der zweiten Kammer wird Freitag den 13. d. Dits. zufammentreten. Ersten Gegenstand seiner Berathung nnd Beschlnßfassung wird gutem Vernehmen nach der ben Stünden sofort nach Eröffnung des gegenwärtigen Landtages zugegangenen Gesetzentwurf in Betreff der Enteignung von Grundeigenthum bilden. Als Berichterstatter in dieser wichtigen Materie fungirt der Abg. Arnold Berlin, 10. Januar. Die Commission zur Vorberathnng der Vorlage, betr. die Erhebung einer Bernfsstatistik, hat in ihrer heutige^ -Lit-nng die zweite Lesung beendet niid bei dieser Gelegenheit, noch solgende Abänderungen der Beschlüsse erster Lesung genehmigt. Zunächst soll die Viehzählung vorlaus^ ganz fortsallen. Man hielt dafür, daß, mährend für die Erhebnng der Bernss- statistik gerade der Sonniier der geeignetste Zeitpunkt sei, die Viehzählung nn Sommer bei dem uni diese Zeit stark fluctnirenden Viehstande ledenfalls em zutreffendes Bild nicht gewähren würde. Es soll die Viehzählung lpater statt- finden,' und zwar in Verbindung mit einer allgememeit tandwirthschastlichen °tat^3m klebrigen wurden die Beschlüsse der zweiten Lesung aufrecht Erhalten und mir noch eine Resolution angenommen, welche dahm geht, daß die oe n landwirthschaftlichen Betriebe dienende Bodenflache mit ausgenommen und endlich noch festgestellt werde, ob der Betrieb für eigenen Bedarf, oder für önecte Consnmenten, oder für Fabrikanten und Diagazine stattsindet.—_ w 3 Im i Nachr noth 1 unterbi unirbe । ij eine Mirs Kone, Staats! urhmfr •S' ijt 'M ' riichi ern zufolge Pforte gierung England sorgch 2 Mfchre Mma mgeftöri S her sm von der t hcs ®n ist eine Voraus unb con B regi G Grnerali bi(ud)t. imb hat Schrish -ei-vor, Mm fei MöK /?/ nn Winte bleiern Zc ünschWr von 6dc ^teinsja nwrtt eir w Vnei Generali) ■ßr. Httr obligato Kamme Hebung dieser !fi flbli9at0 Kleger Ne Ai c Wbe" Wart' Herr Ä Echrist,i 7 S«ll Kegierun j 01 des H rangen V T hältmis t)?’ wie be »y ey Sn< Srfeii >"9 Reichsfeinde genannt und vaterlandslos; wie Viele sind uns aber seit dem in diesen Abgrund gefolgt. Wäre wahr, was die voni Auslande gemietheten Redakteure in öffentlichen Blattern vom Centrum geschrieben, daß es des Patriotismus und der Kömgstreue entbehre, ich wäre nie Mitglied des Centrums geworden, und dasselbe gilt von allen meinen Genossen (Bravo im Ccntrum). Jetzt will eigentlich Niemand mehr am Culturkampf schuld )ein, Niemand will mehr wissen, wie er eigentlich ge- kommen Hätten Sie damals der Vorlage der Regierung nicht zuaestimmt, so wäre das Gesetz nicht zu Stande gekommen. Aber Sie folgten blind Ihrem Führer Falk und Ihrem staatsmännischen Führer Bennigsen. (Zuruf: Bismarck') Nein Sic folgten dem. Staatsmann Bennigsen und es ist bezeichnend, daß die beiden Führer noch letzt hier brüderlich bei einander sitzen. (Heiterkeit.) Ich erkenne mit Vergnügen an, daß man auf der linken Seite des Hauses uns jetzt entgegenkommen will, während ich bedaure, daß wir auf der Rechten unerwarteten Bedenken begegnen. Wollte Fürst Bismarck sich an die Spitze einer konservativ-christlichen Politik stellen so weiß ich die Majorität würde ihm nicht fehlen, denn die Majorität des Volkes' will eine solche Politik. Haben Sie den Wunsch, Ihren katholischen Mitbürgern wirklich Wohlthaten zu erweisen, so zeigen Sie dabei Thaten, nicht bloße Worte, so stimmen Sie unserm Anträge bet. Zum Schluß bemerke ich noch, daß es ein vergebliches Bemühen sein würde, die Centrumspartei zu trennen, oder uns zu einer gouvernementalen Partei 8LN8 phrase zu machen. Vom Centrum gilt das gute Wort: »int ut sunt aut non sint : Den Liberalen aber gebe ich den Rath: Schaffen Sie den Culturkampf ab, ehe Sie zur Regierung kommen (Heiterkeit), das ist nicht so unwahrscheinlich, wie Sie wohl meinen, denn die Offiziösen behandeln Herrn v. Bennigsen, trotz seiner scharfen Rede vom/9 Dezember, mit einer Zartheit, welche man an dieser Stelle sonst nicht findet. (Beifall im Centrum.) ... ^E>g. Hobrecht spricht sich gegen den Antrag aus, weil derselbe eine generelle Prüfung der gesummten Culturkampfgesetze zur Voraussetzung habe und die Antragsteller es unterlassen hätten, zur Begründung ihres Antrages vorzuführen, inwiefern das Expatriirungsgesetz so schlimm gewirkt habe. . Ng Dr. v. Jagdzewski empfiehlt in längerer Rede den Antrag Windhorst. Äusfuhriingen behandeln, soweit sie auf der Tribüne im Zusammenhänge ver standlich find, Exemplifikationen in Betreff der Wirkungen des Expatriirungsgesetzes. Abg. Dr. Virchow: Ich bin in der angenehmen Lage, der Aufforderung des Herrn Vorredners entsprechen zu können. Der größte Theil meiner politischen Freunde wird für den Antrag stimmen. Ich war bei Berathung dieses Gesetzes nicht Mitglied dieses Hauses, aber ich habe mich öffentlich entschieden gegen das Expatriirungsgesetz erklärt, ^zetzt, nachdem die Regierung selbst den Frieden mit der Kirche anstrebt, wäre es sonderbar, wenn wir an diesem Gesetz fefthalten wollten. Wir würden dann in der That mehr erstreben, als die Regierung zu thun beabsichtigt. Wir würden der Negierung gewissermaßen eine Waffe an die Wand hängen, damit sie von Zeit zu Zeit sehen kann, ob sie nicht schartig oder rostig geworden ist. Weder Bennigsen noch Falk hat diesen Kampf erfunden; diese Männer sind nicht an die Seite des Fürsten Bismarck getreten, als dieser zum Kampf aufrief. (Ruf: Na! Na! Große Heiterkeit.) Dieser Kampf ist damals inaugurirt worden mit der ausdrücklichen Erklärung, daß der Kaiser seine Zustimmung dazu ertheilt habe. Auch hat St. Majestät sich in diesem Sinn so- gar in der Thronrede ausgesprochen. Dem gegenüber finde ich es höchst sonderbar, wie gegenwärtig der leitende Staatsmann über diese Sache denkt. Wir haben uns diirch die Autorität des Kanzlers und auch des Kaisers bestimmen lassen, in dieser Sache auf die Seite der Negierung zu treten und dasjenige mitzumachen, was diese Autoritäten für das Beste hielten. Wenn wir uns heute entschlossen haben, für den Antrag,zu stimmen, so möchte ich doch bitten, durchaus nicht Schlüsse zu ziehen aus die Maigesetze überhaupt. Ich müßte keinen Zweifel darüber lassen, daß durch unsere Hcutung ,gegenüber diesem Gesetz unsere weitere Haltung in Bezug auf die Maigesetze Nicht prajudicirt wird. Ich wüßte fehl weiteres Gesetz, welches wir so ohne Weiteres preisgeben würden. Soweit wir die Situation im Allgemeinen auffassen, ist ein dauer- haster Frieden mit der katholischen Kirche überhaupt nicht denkbar. Nach den Erfahrungen in Preußen greift die katholische Hierarchie Schritt für Schritt weiter, um m immer weiterer Ausdehnung die Gewalt an sich zu ziehen. Redner erkennt an, daß das Gesetz große Harten enthalte, und daß man deshalb, aulehneud au die praktischen Erfahrungen, das Gesetz beseitigen müsse. Wir haben kein Interesse daran, das Odium dieses Gesetzes noch ferner auf uns zu wälzen in einem Augenblick, wo die Regierung mit der 6 iiric unterhandelt. Wir wollen nicht die Prügelknabeii der Regierung sein, aber wir werden die Rebierung daran zu hindern suchen, werthvolle Rechte preiszugeben. Wir haben ferne Lust, die Politik des Kanzlers mitzumachen; das ist keine Politik, das sind nur Einfälle, welche sich aus unvollständige Studien gründen. (Widerspruch ) Machen wir eine regelrechte Gesetzgebung, die dauernd bestehen kann, nicht aber eine solche, die nur für morgen oder übermorgen Geltung hat. (Beifall links.) Staatsseeretär v. Bötticher: Der Herr Vorredner hat den Bundesrath dahin provoeirt, er möge aus seiner Reserve heraustreten und Stellung zu dem vorliegenden Anträge nehmen. Er (Redner) habe geglaubt, daß die Praxis der verbündeten Regierungen dem Vorredner nicht bekannt sei. Er sei gar nicht in der Lage, aus dieser Reserve herauszutreten, denn sie sei für die verbündeten Regierungen eine zwingende Es handelt sich um die Aufhebung eines Gesetzes, zu welchem die Anregung von einem Th eile dieses Hauses gegeben worden. Sollte der Reichstag dem Anträge zustimmen, dann werden auch die Regierungen in die Lage kommen, sich ihrerseits die ^rage vorzulegen, ob auch sie zu der Aufhebung des Gesetzes ihre Zustimmung geben können (Heiterkeit), Sie mögen das belächeln; es ist das die Stellung, die verfassungsmäßig gegeben ist. Ich bin nicht in der Lage, Ihnen heute zu sagen, wie die bayerische, die benfiche, hamburgische oder die preußi'che Regieruiig sich zu dem Anträge stell-n werden. Der Herr Vorredner hat seine Verwunderung darüber ausgesprochen weshalb wir nicht belehrend in die Debatte eingreifen, weshalb wir überhaupt hier sind Gerade die Belehrung ist es, die wir suchen für die künftige Beschlußfassung Virchow hat ferner gesagt, wenn der Reichskanzler Vollmachten haben wolle, daß er thun und lassen kanii, was er wolle, dann brauche man kein Parlament. Er möchte darauf erwidern, daß, wenn die preußische Regieruna Vollmachten begehrt auf diesem Gebiete so g-ichiclst dics nicht um bi.- 6rrueiterunfl ihrer Machtfüllc, sondern es geschieht zur Herstellung des Frieden?, i, gcichiedt zum Wohle des Vaterlandes. Mit der Wendung rn den Anjchauuugen des Herrn Reichskanzlers hat der Herr Vorredner auch den Namen des Kaisers verknüpft. Wenn der Kai,er in diesem Jahre zu der lieber,enauna gekommen ist, daß es besser für das Wohl des Vaterlandes und des Volkes ist ^einc Mastregel zu ergreifen an welche man im vorigen Jahre noch nicht gedacht hat,'so ist das etwas, was mit Ehrfurcht und Dank ausgenommen werden muß. (Lebhafter Best fall rechts.) ' ., Kardorff vertheidigt die von Kleist befürwortete rnotivirte Tagesordnung mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen mit Rom, und meint, daß die Con- servativeu damit dem Centrum ein persönliches Entgegenkommen bereiten. (Heiterkeit) Die kircheupolitiiche Stellung letner freunde sei wesentlich modificirt durch das Mitarbeiten des Centrums au den positiven Bestrebungen auf dem wirthschaftlichen'Ge- biete. Das Centruin habe durch lerne Beihülfe bei der Zollpolitik eine nationale That gethan. Die Maige|etzgebung steht einer anderen Situation auch insofern gegenüber als wir dabei von der irrigen Voraussetzung ausgegangen sind, das Centrum sei weniger von der Curie abhängig, als sich jetzt thatsachlich erweise. Die Revision der Maigeletze halte ick deshalb für eine berechtigte Forderung. Ohne ein gewisses Maß diskretionärer Vollmachten werden geordnete Zustande in der Diöeesanverwaltung kaum erreicht werden. Der Reichstag kann nicht übersehen, welchen Einfluß die Annahme des Antrages auf die Verhandlungen mit Rom haben wird. Die Ausführung des Antrages hangt aber auch von den Bundesregierungen ab, die im Augenblick der Ver' Handlungen darauf jedenfalls nicht cingeben werden.' OT_. L Aba. Payer erklärt, daß die Volkspartei ohne Vorbehalt für den Antrag Windthorst stimmen wurde; er sei immer ein Gegner des Culturkampfes gewesen Der Culturkampf habe dem Staate geschadet uiid das Centrum gestärkt. Die Linke sollte sich davor hüten, daß der Culturkampffriede nicht mit dem Centrum über ihre Köpfe hinweg abgeschlossen werde. (Bravo im Centrum.) Abg. v. Bennigsen verwahrt sich dagegen, daß er der Führer des Culturkampfes geweseu |ei, was Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst bestens acceptirt. Nach einigen weiteren persönlichen Bemerkungen der Abgg. Virckow, Richter, Majunke, Wiudthorst, v. Kar- dorff wird die Sitzung um 4% Uhr geschlossen. Nächste Sitzung morgen 11 Uhr. Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des Antrags Wiudthorst uiid kleinere Vorlagen. Abg. Mayer (Württemberg) spricht für den Antrag. Die Regierung werde sich der Aufgabe nicht entziehen können, die Zahl der Volksvertreter mit der Bevölkerungszahl in Einklang zu bringen. Eme Folge der Annahme detz Antrags würde eine ander- weite Eintheilung der Wahlkreise sein. Es sei indeß nothwendig, dem Gesetze eine solche Fassung zu geben, daß eine künftige Vermehrung der Bevölkerungszahl eine anderweite gesetzliche Regelung unnöthig macht. Abg. Freiherr v. Minnigerode erkennt an, daß eine Vermehrung der Bevölkerung allgemein und speciell in den großen Verkehrscentren seit 1871 stattgefunden hat. Aber er ist der Meinung, daß die Verhältnisse noch nicht dringend genug sind, um eine gesetzliche Neuregelung zu rechtfertigen. Abg. Dr. Günther (Berlin) erklärt sich gegen den Antrag. In einer so conflicts- schwangeren Zeit, wie die gegenwärtige, könne man an eine solche Arbeit nicht herantreten. Man würde damit der Regierung nur eine zweischneidige Waffe in die Hand geben. Er hoffe, daß die Zeit kommen werde, wo es möglich sein wird, diese wichtige Verfassungsfrage im freiheitlichen Sinne lösen zu können. Aber man werde nicht verlangen können, an seinem eigenen Begräbniß mitzuwirken, fein eigener Todtengräber zu fein. Abg. v. Bennigsen hält die Durchführung einer solchen Maßregel erst möglich, wenn das neue Reichstagsgebäude fertiggestellt sein wird. In diesem Gebäude könne man unmöglich 50 weitere Abgeordnete placiren. Im Weiteren führt Redner aus, daß eine Vermehrung der Abgeordneten nur durch Gesetz erfolgen könne. Auch er bittet, ruhigere politische Zeiten abzuwarten, denn dazu gehöre eine gerechte Wüid gung aller Verhältnisse. Abg. Dr. Windhorst erklärt, ebenfalls gegen den Antrag stimmen zu wollen. Auch seine Partei sei keineswegs mit der Eintheilung der Wahlkreise einverstanden. Die Geometrie sei vielfach zum Nacktheil feiner Partei gemacht, aber die bestehenden Verhältnisse hätten sich in die Bevölkerung eingelebt und eine geschichtliche Bedeutung gewonnen. Außerdem sei auch er der Meinung, daß man ruhigere Zeiten abwarten müsse, ehe man an eine Neuregelung der Wahlkreise herantrete. Der Antrag wird hierauf abgelehnt. (Dafür nur die Süddeutschen und Socialdemokraten.) 4) Erste und event. zweite Berathung des Antrags Windthorst auf Erlaß eines Gesetzes, beir. die Aufhebung des Gesetzes über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern. Abg. Dr. Windhorst befürwortet seinen Antrag zur Annahme. Es ist von verschiedenen Seiten gegen meinen Antrag geltend gemacht worden, daß der Reichstag mit dieser Sache nichts zu thun habe, daß nur das preußische Abgeordnetenhaus in dieser Frage kompetent sei. Die solches behaupten, spekuliren auf den Mangel an Einsicht der Wähler. Die Wähler wissen sehr gut, daß der kirchenpolit sehe Streit sich nicht allein auf das eigentliche Gebiet desselben beschränkt, daß vielmehr die kirchliche Frage alle Fragen beherrscht; sie wissen sehr gut, daß das deutsche Reich nicht eher gedeihen kann, bis dieser heillose Bruderzwist endlich beseitigt ist und der Kirche die Freiheit gegeben wird, welche sie bedarf. Und wenn es Parteien im Lande giebt, welche glauben, daß es dem Reiche nützt, wenn sie diesen Kampf führen, dann sind dies Manner, von denen ich annehmen muß, daß sie die deutsche Geschichte niemals kennen gelernt haben. Ich glaube der Confolidirung des Reichs am besten zu dienen, wenn ich dafür eintrete, daß in demselben das Rechtund das Recht Aller zur Geltung kommt, und die kirchliche Freihit gesichert ist. Etwas anderes als die kirckliche Freiheit erstreben wir absolut nicht. Und weil wir sie erstreben gleichmäßig für alle Konfessionen ohne Ausnahme, so habe ich geglaubt, daß ein solches Beginnen von allen Seiten die vollste Unterstützung finden müsse Es giebt leider Parteien und Männer, welche ohne den Culturkampf nicht leben zu können glauben. An diese wende ich mich nicht, sondern an die Männer wahrer Freiheit, und frage sie, ob es ihren freiheitlichen Auffassungen entspricht, wenn der Mensch in den wichtigsten Dingen der Polizeigewalt unrettbar überliefert wird, und wenn die Verhältnisse so geordnet sind, daß ein Theil ber Unter? thanen den religiösen Pflichten nicht nachkommen kann. Auch an die Herren Conser- vativen wende ich mich. Wenn sie wirklich konservativ sind, so sind ste vielleicht die Vertreter wahrer Freiheit. Ich wende mich insbesondere an sie, weil ich glaube, daß die Geschichte den Herren zeigen müßte, daß wahre konservat've Gesinnung und eine wahre Bethätigung derselben nur hervorwächst auf religiösem Boden und ich frage' Sie, wie ist es denkbar, wie eine wirklich konservative Gesinnung erhalten werden kann, wenn diejenige Institution, welche diese Gesinnung entwickelt und begründet, geknechtet und in ihrer freien Thätigkeit gehindert ist An die Freikonservativen und Natior.alliberalen wende ich mich nicht, auf diese werde ich vielleicht in meinem Schlußwort zurückkommen. Es giebt sogar Professoren, welche sich freisinnig nennen, und nickt anderes sind, als bureaukratische Männer. (Heiterkeit). Der Redner erörtert die Tragweite des G-setzes und wefft nach, wie wenig dazu gehört, um der Reichsacht auf Grund dieses Gesetzes zu verfallen. Er zeigt, daß selbst das Sozialistengesetz nicht so drakonisch wirke, als das in Rede stehende Gesetz. So lange dieses Gesetz zu Recht besteht, seien die Geistlichen dem Willen der Regierung unterworfen. Sie habe es in der Hand, gegen die Geistlichen in aller kürzester Frist einzuschreiten. Aus dieser gefährlichen Situation wolle sein Antrag die Herren befreien. Er wolle die Kirche ber Willkür einzelner Personen entziehen. Die Kirche Gottes dürfe nicht der Willkür von Menschen unterliegen Wir verlangen nichts als volle Freiheit für die Kirche Die zwischen den Confessionen bestehenden Differenzen müssen allein auf wissenschaftlichem Gebiete ausgefochten werden. Wir verlangen auch für die Geistlichen das gemeine Recht, denn vor dem Rechte sollen Alle gleich sein. Wer das in Rede stehende Gesetz vertheibigt, dem spreche ich den Anspruch auf wahre Freisinnigkeit ab; er hat absolut fein Recht, sich liberal zu nennen Redner bittet zum Schluß dringend, dem Anträge zuzustimmen, damit sich wieder alle Parteien die Hand reichen können zur gemeinsamen Arbeit für das Wohl des Vaterlandes. (Beifall im Centrum.) Abg. v Kleist Retzow: Die Motive des Jnternirungsgesetzes ergeben, daß es nur ein Executionsgesetz fein sollte für die Folgen der preußischen Maigesetzgebung. Die Centrumsmitglieder haben durch fo ruhmreiches Eingreifen für die Sache ber katholischen Kirche bas Vertrauen der katholischen Wähler verdient. Ich stimme nrt dem Abg. Windthorst überein, baß nur eine in ihrer Freiheit unbeschränkte Kirche allein das Heil für Protestanten und Katholiken begründen kann. In diesem Sinne hat auch ber Reichskanzler sich neulich g'äußert, aber zu einer Kraftprobe ist weder dieses Gesetz noch ber Zeitpunkt geeignet. Die theuren Freunde mir gegenüber (Heiterkeit) werden mir bezeugen, daß ich von Anfang an gegen die Culturkampf-Gesetzgebnng gekämpft habe. Ich will aber keine Culturkampfdebatte in großem Style und deßhalb werde ich unb meine Freunde gegen den Antrag stimmen; ein Theil der Conservativen wird allerdings dem Anträge zustimmen. Ich halte den Theil des Gesetzes, der die Expatriirung wegen Gehorsams gegen die Oberen verlangt, für ganz unerhört unb geeignet, eine große Erbitterung zu erwecken. In Betreff der Expatriirung wäre ich deßhalb zu einer Revision bereit. In formeller Beziehung aber widerspreche ich dem Anträge, weil ich eine Revision der ganzen kirchenpolitischen Gesetzgebung für nothwendig halte unb weil ich glaube, baß ein einzelner Stein nicht herausgenommen werden kann. Eine solche Revision erwarten wir bestimmt im Frübjahre. Wir verwerfen ebenso wie der Antrag Windthorst das System der diskretionären Vollmachten. Ich meinerseits halte es sogar für zweifelhaft, ob es nicht gut ist, das Gesetz bestehen zu lassen als eine würdige Ruine ber früheren Zeitftrömung (Heiterkeit.) Redner empfiehlt schließlich die Annahme einer motimrten Tagesordnung, welche der Revisionsbedürftigkeit des Gesetzesentwurfs entspreche. Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst erwidert dem Vorredner, daß die Katholiken weiter nichts beanspruchen, als die Wiederherstellung ihres verfassungsmäßigen Rechtes. Damit fielen alle Redensarten von den Forderungen des Centrums für die Kirche ins Wasser. Worte können auf uns keinen Eindruck mehr machen, wir erwarten Thaten. Wenn der vorliegende Antrag von der Regierung eingebrackt oder befürwortet worden wäre, so hätte Herr v. Kleist für den Antrag gestimmt. Der Herr Vorredner erwiderte, daß ber Abg. Windthorst.einen bedeutenden Ruf als Diplomat habe; er selbst aber hat heute nicht weniger biplomatifirt, freilich herzlich schlecht, beim das Diploma- tifiren ginge gegen seine Natur. Ich erwarte namentlich von der linken Seite des Hauses ein offenes Bekenntnis; dahin, daß man bei Erlaß des Expatriirungsgesetzes im Jrrthurn gewesen und deshalb bereit fein wird, denJrrthum zu forrigirwi. Dieses Gesetz hat feinen Zweck vollständig verfehlt, es hat die katholischen Geistlichen nicht eingeschücktert, sondern nur Märtyrer gemacht. Sie auf der linken Seite des Hauses haben erst jüngst über Wahlbeeiifflussungen Klage geführt. Das Jndigenat steht höher als das Wahlrecht, denn es ist dessen Voraussetzung. Helfen Sie uns also, dieses höhere Reckt sicher zu stellen gegen Polizeiwillkür. Vor Jahr und Tag hat man uns 5 r Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 11. Januar. Die „Prov.-Corresp." reprobircirt den Erlaß -es Königs vom 4. Januar und sagt bei Besprechung desselben: Der Erlaß ist eine feierliche Verwahrung gegen gewisse Vorkommnisse der neuesten Zeit, woraus zum Schaden des Ansehens der Krone leicht parlamentarisches Recht und constitutioneller Brauch sich hätten entwickeln können. In Preußen herrscht wld regiert der König. Die Reichsverfassung hat dieses Recht der Krone Preußens nur bestätigen wollen. Daß der König nur herrscht, aber nicht regiert, ist eine auf fremdem Boden erwachsene Anschauung. . Dieser Lehre und den daraus entspringenden Jrrthümern entgegenzutreten, ist Recht und Pflicht der Krone, wo immer Gelegenheit dazu sich bietet. Das Wort des Königs an das Staatsministerium ist ein vollkommen treuer Ausfluß der preußischen Verfassungsurkunde und enthält keine Neuerung, wendet sich aber gegen die Versuche, Neuerungen herbeizuführen, über die Verfassung hinaus. An den bestehenden Verhältnissen nicht rütteln zu lassen, ist auch heute noch der Wille des Monarchen, wie derselbe dies vor 20 Jahren vom Throne verkündete. London, 11. Januar. Die „Saint-JameS-Gazette" schreibt, daß sie Nachrichten von Wichtigkeit aus Tunis empfing, wonach daselbst eine Hungers- noth befürchtet wird, mell vielfach in Folge der Unruhen die Landbebauung unterblieben sei. Sobald Nahrungsmangel im Innern des,Landes fühlbar würde, würde ein heftigerer Ausbruch neuer Unruhen zu erwarten feilt. — Einer Meldung des „Reuterffchen Bureau" aus Kairo vom 11. ds. zufolge hat die Aufregung abgenommen. Der Khedive telegraphirte an die Pforte den Worllaut der englisch-französischen Collectivnote. Die egyptische Regierung bereitet eine Antwortnote vor, worin sie, wie es heißt, den Regierungen Englands und Frankreichs für ihre Sorgfalt dankt, aber hinzufügt, daß Be- sorgniß unnöthig ist. Sofia, 11. Januar. Die auswärts verbreiteten Mittheilungen von aufrührerischen Bewegungen und Feuersbrünsten Hierselbst sind einer „Havas"- Meldung zufolge vollständig unbegründet. Im ganzen Fürstenthum ist die Ruhe ungestört. Konstantinopel, 11. Januar. Die Pforte erhielt gestern den Text der französisch-englischen Collectivnote an den Khedive. — Da Rußland direct von der rumelischen Regierung 4 Mill. Rubel Occupationskosten verlangt, suchte Aleko Pascha die Weisungen der Pforte nach. — Der Expremier Kadri Pascha ist zum Gouverneur Adrianopels, Ghalib Pascha zum Gouverneur von Salo- nichi ernannt. Lokales. Gießen, 12. Tanuar. Die am 4. Januar im Cafö Schwiun adgehaltene Generalversammlung des hiesigen Volksbildungs-Vereins war auch diesmal nur schwach beucht. Der Vorsitzende, Herr Fabrlkam Han st ein,, war verhindert zu erscheinen und hatte Herrn Bürgermeister Gramm ersucht, den Vorsitz zu übernehmen. Der Schriftführer, Herr Reallehrer Alb ach, übernahm die Berichterstattung. Erhob hervor, daß der Verein getreu der Idee, welche seiner Entstehu ng zu Grunde lag, vor allem sein Augenmerk auf die Bildung der Heranwachsenden Jugend gerichtet und dem. gemäß nicht nur der Fortbildungsschule manche Unterstützung gewährt, sondern auch im Winter wöchentlich zwei Leseabende emgerlchtet bade. Die Bibliothek, welche zu diesem Zwecke geschaffen wurde, hat auch im 1 tzten Jahre durch Schenkung und Neuanschaffung manche Erweiterung erfahren und wird, vesonders in der letzten Zeit, auch von ^Erwachsenen in erfreulicher Weise benutzt. Die Vorträge, welche un letzten Vereinsjahr gehalten wurden, waren zahlreich besucht und fanden allgemeinen Beifall. — Mtt dem mtttelrh. Verbände, dem der hiesige Verein als Zweigverein angehört, wurde ein reger Verkehr unterhalten. Auf der Generalversammlung in Worms war der Verein durch seinen ersten Vorstand, Herrn Haustein, vertreten. Die nächste Generalversammlung wird künftiges Frühjahr hier in Gießen abgehalten werden. An der nun folgenden Dlscussion beteiligten sich besonders die Herren Piof Dr. Oncken, Bürgermeister Bramm, die Lehrer Ebeling, Fuhr und Alb ach. Herr Prof. Dr. Oncken äußerte den Wunsch, der Verein, der früher für Errichtung obligator scher Fortbildungsschulen cingetreten sei, möge den in der hessischen zweiten Kammer von dem Abgeordneten Frank und Eons, eingebrachten Antrag auf Aufhebung der obligatorischen Fortbildungsschulen gegenüber die Erfahrungen, welche in dieser Beziehung mit der früheren freiwilligen Fortbildungsschule im Vergleich mit der obligatorischen gemacht worden seien, zur Aufklärung der Volksmeinung öffentlich darlegen. Nach längerer Debatte wurde auf Antrag des Herrn Bür germeist.r Gramm diese Angelegenheit dem Ausschuß des Vereins überwiesen. Das Ergebniß der Ergänzungswahl war folgendes: Herr Prof. Dr. Gar eis wurde zum ersten Vorstand gewählt, da Herr Haustein in einem besonderen Schreiben erklärt hatte, wegen Mangel an Zeit, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können. Herr W inhändler Mayer wurde als Rechner und Herr Reallehrer Alb ach als Schriftführer wiedergewählt Der Ausschuß wurde ergänzt durch Herrn Hanstetn, an Stelle des Herrn Prof. Dr. Gareis, und durch Herrn Prof. Dr. Ludwig; Herr Regierungsrath Haberkorn wurde wiedergewählt Zum Schlüsse noch dankte die Versammlung dem seitherigen ersten Vorstand für feine langjährige, ersprießliche Thätigkeit durch Erheben von den S tzen. SermSfdbte# Villingen, 11. Januar. Heute Morgen hat der lljähriqe Sohn eines hirsiaen Bürgers seinen 9jähr'gen Bruder mit einem Jagdgewehre erschossen. Die That geschah in der Wohnstube und zwar beim Spielen mit dem geladenen Gewehr. ——————«ezi Bonn, 5. Januar. In dem Garten der Bonner Sternwarte, so schreibt die „B. Ztg.", lebt still und beschaulich eine betagte Schildkröte, welche bis zum Tode des Geh. Bergraths und Professors Nöggerath dessen treues Hausthier gewesen ist, an dem der greife Gelehrte bei seinen Gartenpromenaden stets viel Gefallen hatte. Diese Schildkröte pflegt sich beim Herrannahen eines strengen Winters stets ein Logis unter einem großen Haufen Blätter u. s. w. zu bereiten. In diesem Jahre sällt ihr das gar nicht ein und sie beharrt auf ihren Wanderungen, woraus wir also auf ein Vorhalten des milden Winterwetters bestimmt schließen können. Moskau, 9. Januar. Aus Irkutsk wird gemeldet: Der Reisende-Suk- kowski berichtet, daß der Dampfer „Rodgers" am 9. August nach Herald-Land auf- gebroch.n sei, während der Küpper „Strelock" aus der Providence-Bay nach den chinesischen Häfen zurückgekehrt sei. In der Providence-Bay sei vorher ein von Norden kommend"r amerikanischer Schooner eingetroffen, welcher den Capitän eines gestrandeten Wollfischfängers an Bord gehabt habe. Dieser habe erzählt, daß er bei der Herald- Jnsel ein Boot mit tobten Insassen gesehen habe, welche außer anderen Geg-nftänden silberne Löffel mit dem Namenszug ^Jeannette" bei sich gehabt hätten. Diese Mittheilung habe den „Rodgers" zu dem Entschlüsse gebracht, nach Herald Land zu steuern, dort zu Überwintern und von dort aus mit in Kamtschatka gekauften Hunden nach verschiedenen Seiten Streifzüge behufs Nachforschung nach der „Jeannette" zu veranstalten. Nordhausen, 4. Januar. [@in schlauer Schuster.) In der vorgestrigen Schöffengerichtssitzung zu Artern erschien der Apotheker Hartleb als Kläger wider den Schuhmacher Franke. Letzterer hatte im October o. I. im Artener „Wochenblattes angezeigt, daß er das beste Heilmittel gegen Hühneraugen besitze. Kläger glaubte sich geschädigt und verklagte Franke wegen unerlaubten Betriebs von Heilmitteln. Richter zu Franke: „Sie sind angeklagt, ein Heilmittel gegen Hühneraugen verkauft zu haben. Geben Sie das zu?" Verklagter: „Nein." Richter: „Sie haben es aber doch im „Wochenblatt" Nr. 41 bekannt gemacht." Verklagter: „Ich habe nur bekannt gemacht, daß ich ein solches besitze ich habe es aber nicht zum Verkaufe ausgeboten, liebere Haupt werde ich dasselbe nicht verkaufen, da ich es selber sehr nöthig gebrauche, das Heilmittel besteht nämlich in meinen gut gearbeiteten Leisten." Franke wurde frei- gesprochen. — Ein Paar Schuhe für 1 X ist doch sehr billig, dachte L. und kaufte solche in emem Laden zu Hannover. Es war Regenwetter und er fand bald, daß die Sohlen weich wurden und auseinander gingen — weil sie von Papier waren. Voll Entrüstung über den Betrug, reichte er beim Staatsanwalt Klage ein und der Kaufmann wurde, obwohl er dem Käufer keine unrichtige Angaben gemacht hatte, zu 60 X Strafe ver- urtheilt. Der Verkäufer hatte nachgewiesen, daß ihm die Schuhe selbst auf 80 H zu stehen kamen, daß er also nur 20 H daran verdiente, und die Geringfügigkeit des Betrages, um den der Käufer geschädigt war, bewirkte, daß von der beantragten Gefäng- nißstrase abgesehen wurde. Der Betrug wurde vom Gerichtshof darin gefunden, daß der Kaufmann den Käufer über die Natur der Schuhe, auch ohne daß dieser fragte, mebt belehrt, daß er ihn nicht auf die Pappsohlen aufmerksam gemacht hatte. Das Unheil erscheint zwar hart, dürfte aber die wohlthätige Wirkung haben, daß solche völlig unbrauchaare Waare keinen Absatz mehr findet und folgeweise nicht mehr fab- ricirt wird. — sEisenbahn auf die Wartburg) Das Ministerium hat dem General-Unternehmer H. Bachstein in Berlin die Erlaubniß zu Vorarbeiten für eine electrische oder Drahtseilbahn vom Bahnhof Eisenach auf die Wartburg ertheilt. — sHinter den Coulffsen) lÄne Petersburger Zeitung ergänzte ihren Bericht über die Benefizvorstellung Sarah Bernhardtts durch Mittheilung eines für eine Dame der Bernhardt-Truppe unangenehmen Vorfalls, den dos Blatt folgendermaßen erzählt: Kaum war der Vorhang nach dem letzten Acte von „La princesse Georges“ herabgerauscht, als auf der Scene einer der Gerichtsexecutoren des St. Petersburger Friedensrichterplenums erschien. Er erklärte, daß er nicht zu den Zuschauern gehört, sondern im Namen des Gesetzes auftrete. Es stellte sich Folgendes heraus: Eine der zur Truppe Sarah Bernhardtts gehörenden Schauspielerinnen hatte während ihres zwei- wöchentlichen Aufenthalts in St- Petersburg täglich bei Borrel g frühstückt und war in dieser kurzen Zeit dort 500 Rubel schuldig geblieben Angesichts der bevorstehenden Abreise der Truppe entschloß sich Borrel kurz und reichte dem Friedensrichter eine Klane ein, mit der Bitte, die Debitorin durch einen Revers zu verpflichten, Petersburg nicht vor Regulirung dieser ihrer Angelegenheit mit Borrel zu verlassen. Auf Grund dessen erschien der Gerichtsexecutor auf der Scene des Alexandra-Theaters und die Künstlerin mußte ihm dort den geforderten Revers ausftellcn. Welches Mädchen wünschte nickt, einst eine tüchtige Hausfrau zu werden, welche Frau nicht, eine solche zu sein? Was eigene Erfahrung nicht bietet, ersetzt oft ein Rath Anderer, und wenn sich eine Reibe von bewährten Hausfrauen, Müttern, Erziehern, Aerzten rc. vereint, um ihre Erfahrungen und Rathschläge den Strebsamen unserer Frauenwelt mitzu- theilen, so verdient ein solches Unternehmen wohl Unterstützung seitens der Frauen und Männer. Dörner's „Aausfrairen-Jettirng" ist ein solcher Rathgeber für Frauen und Mädchen, sie lehrt, unter besonderer Berücksichtigung der für unsere Zeit so nothwendigen Sparsamkeit, alle Zweige des Hauswesens, indem sie Anleitung gibt für die Pstege Gesunder wie Erkrankter, für Erziehung rc. Außerdem bietet sic gediegenen Unterhaltungsstoff in Romanen, Novellen, Erzählungen rc. und das Alles für den Preis von 10 H für die Wochennummer. Abonnement (zu X 1.30 vierteljährlich) nehmen alle Buchhandlungen und Postämter an, letzteren ist die Nr. 2050 der Zeitungs-Preisliste anzugeben. Probenummern sind auch vom Herausgeber F. Dörner in Berlin Landgrafenstraße 2, gratis zu beziehen. Handel und Verkehr. Limburg, 11. Januar. (Fruchtmarkt.) Rotb-r Weizen M. 20.10, Weißer Weizen M 20 00 Korn 15.10, Gerste JL 10,55, Hafer M. 8,05, Erbsen M. 00.00 Kartoffeln X 00,00. Frankfurt a. M., den 12. Januar, Nachmittags 2 Uhr — Mm iTelegr. Coursbertcht. Mitgetbeilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in lüften.) Credrt- actien 294 Staatsb.-Zetten 275V«, Galizier 2623/8 Oest Silberrente 66«/16, 4°/,> UngM. Goldrente 76?/i6, 4% 1880er Russen —, 2. Orient Anleihe 587/ö, o°/0 Rumänische Rente 89, Lombarden 1241/a- Tendenz —. ______ 152 Der Vorstand. 227 n .. Sonntag den 22. Jan., Abends 8 Uhr: Concordia. TaMÄ^ltua= Alleinige Niederlage bei , . Gg. Wilh. Weidig, «urßeii Bekanntmachung. Die Landbriesträger führen auf ihren Bestellgängen Bücher mit sich, welche zur Eintragung der ihnen vorn Publikum zur Beförderung nach der nächsten PostanstaÜ übergebenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibsendungen , Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen bestimmt sind und zu größerer Sicherheit für die richtige und rechtzeitige Ablieferung dieser Gegenstände dienen. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so hat der Landbriefträger demselben das Buch vorzulegen. Bei Eintragung des Gegenstandes Seitens des Landbriefträgers muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der stattgehabten richtigen Eintragung gewährt werden. Da diese Einrichtung und das dem Publikum durch dieselbe gebotene Mittel zu seiner Sicherstellung nicht genügend bekannt zu sein scheint, so wird auf das Bestehen derselben besonders aufmerksam gemacht. Darmstadt, den 4. Januar 1882. Der Kaiserliche Ober- Postdirector. Hagemann. Meine so beliebt gewordene, nicht durchsichtige, aber wirklich gehaltvolle, überall als vorzüglich anerkannte ‘U'mversal-Glyc^i.'iM.-Seife empfehle für Jedermann als mildeste, billigste und für die Gesundheit der Haut zuträglichste Waschseife per Stück 15, 20 und 30 Unentbehrlich zum Waschen für Kinder. Fabrik von H. P. Beyschlag, Augsburg. 106- 168 Massen-Verkauf Chr ofmann 40 Detail-Preis per Büchse: 70 4^. empfohlen. steigert A. Bra m m. 293 7200 Großh. Gerichtsvollzieher. 313 289 Buchen Eichen Aspen Rmtr. 13 166 Rmtr. 38 197 10 Artikel überzeugen zu wollen. 26 Holzverfteigerung im Gießener Stadtwald. Montag den 16. Januar 1882, von Bormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwald in dem District Faulerdoden nachverzeichnetes Holz ver- Wellen. 1050 3300 700 Rmtr. 28,5 103,9 2 Holzversteigerung. Mittwoch den 18. ds. Mts., von Vormittags 10 Uhr an, sollen in dem hiesigen Gemeindewald, Distrikt Galgenberg und Oehlenberg, 12 Nadel-Stämme, Akademisches Mpilal. Eine tüchtige Köchin zum 1. Februar gesucht. 300 versteigert werden. Der Anfang ist im Distrikt Galgenberg. Groß-Buseck, den 12. Januar 1882. Großh. Bürgermeisterei Groß-Buseck. 324 Wagner. Freitag den 13. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, sollen in dem Flett'schen Hofraum dahier 12 Malter Kartoffeln, 1 Nähmaschine, 1 viereckiger Spiegel mit Goldrahmen und 1 Wanduhr meistbietend versteigert werden. Gießen, den 11. Januar 1882. Geißler, Detail-Preis per Büchse: 90 /$. Zu beziehen in den 'meisten Apotheken und Cotenialwaaren- handlungen. / En gros in CoJjJenz bei C. Krieger & Co. Man/^erlange die Broschüre über Kinderernährung. Meine Reparaturwerkstätte für Uhren und Musikwerke aller Art befindet sich von heute an im Hause des Herrn Bäckermeisters G. Eger, Lindenplatz, A. 29, 1 Treppe. Alle vorkommenden Reparaturen an Uhren und Musikwerken werden von mir äußerst solid in kürzester Zeit und billigst ausgeführt. Robert Hartmann, ________________________Uhr- und Chronometermacher. werden: Brennholz. Scheith. Priigelh. 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Bürgermeisterei Gießen. 176 Ein Haus mit Laden ist zu verkaufen oder zu ver- unethen und kann sofort bezogen werden. Nähere- bei J. RHts Prima weiße Kernseife, per Pfd. 35 H, do. weiße Schmierseife DantsagMg. Für die über Erwarten große Betheiligung und die Älulnenspenoe bei dem Begräbniß unserer guten Mutter Frau, Briefträger Petri Wwe. sagen den tiefgefühltesten Dank ■ 319 Ludwig Löber und Frau. Ieikgeöotenes. 330 Ein vollständiges Bett mit Bettzeug und eiserner Bettstelle sofort gegen haar zu verkaufen. Näheres in der Exped. ds. Bl. 329 Stets frische Hasen, per Stück 2.80, zu haben bei Wildhändler Ebel, Marktstraße. 317 Ein neuer Schreibsecretär billig zu verkaufen. Näh. bei der Exped. d. Bl. Anglo-Swiss Verkauf in 1880: 258 Auf Ostern event. auch früher suche ich wegen Heirath des gegenwärtigen ein gut empfohlenes Mädchen für Küche und Hausarbeit. Prof. Fromme, Alieenstr. 1013. 309 Ein kräftiger "in Tfe Lehre treten 6et __Culer, Schmiedmeister. vermischte Anzeigen. 326 Ein Dienstmädchen gesucht. ________Mädchenschule, Schillerst! aße. ’ Milch 20,00^,000 Büchsen. Todes-Anzeige. Statt besonderem Ansagen Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mittheilung, das; unser guter Bruder llarl Ltttm^ Pumpenmacher, heute Morgen im 62. Lebensjahr sanft verschieden ist. Um stille Theilnahme bitten Gießen, den 12. Januar 1882. 33 Die trauernden Geschwister Die Beerdigung findet Samstag den 14. ds. Mts, 2 Uhr Nachmittags, vom Sterbehalls, Neustadt, aus statt. „ Stangen, „ Wellen (Durchforstung) Die Jahrgänge 1830—37, sowie 1848,1844». 1845 des Gie enek L>ochendlattes, sowie die ältere» Jahrgänge vor 1826 werden zu Oo^em JßretS m kaufen gesucht. Nah, bei der E;ved. ds. Bl. ,„.7^ Junge, der die Bäckcrci cr- lernen will, kann in die Lehre treten bei ___Bäcker Kuhn. Serantroortlidje Red-etion- A. Scheyda. - Druck und Putsch) in per Pfd. 25 offerirt Wermiethungen. 325 Logis von 6 Zimmern, Speisekammer, Balkon, Garten re. bis 1. April anderweit zu vermiethen. Gaqnoin, Gartenstraße 1655. 328 Das seither von Frau Wittwe Lotz bewohnte Familienlogis ist bis zum 1. April, auf Wunsch auch sofort, $u Der= miethen. Karl Burkhardt, Neustadt. 321 Der mittlere Stock meines Hauses- ist zu vermiethen._______Fr. Bender. 322 Das seither von Herrn Trompeter- Haase bewohnte Logis ist sofort zu ver- mietheu.__________Karl Loth. 323 Ein kleines Mansardenlogis pei* 1. Februar zu vermiethen. August Weidig, Kreuz D. 2. 232 Ein kleines Familienlogis zu vermiethen. Hirz, G aser, Seltersweg 8. 327 Ein großes Petroleum-Lager zu vermiethen. Näh, bei der Exped. ds. Bl. 186 Das von Herrn Adolf Weidia bewohnte Logis ist per 1. April anderweit Zu vermiethen. Karl .Hoffmann. 291 Ein kleines Familienlogis m uer? nuethen. Wilh. Nagel, Brandgasse. 172 Zu vermiethen eine Wohnung, 4 Zimmer mit Zubehör, beziehbar Anfangs- April oder Ansangs März bei Helm, Bismarckstraße. Drei gut möblirte Zimmer mit Küche an eine ruhige Familie oder eins Dame verhaltnissehalber für die Wintermonate billig zu vermiethen Näheres Frankfurterstraße 323/10. Ao^lo-Swiss zKiiidermehl. Vorzüglichstes Nahrungsnwtel für Kinder, nachdem Milch allein nicht mehr genügt. V/m vielen medizinischen Autoritäten 50 Aimmer mit Cabinet und Küche an anständige Leute zu vermiethen im ___________________„Darmstädter Haus".. 260 Ein neues, bereits bewohntes Haun zum Alleinbewohnen, wit großen Lagerräumen sowie Hofraum ist zu vermiethen und kann sofort bezogen werden. Näheres bei I. Blitz. S. Elsoffer, Marktstraße. SPiegelschrärrke, Chiffounieres, ein- und zweithürige Kleiderschränke, Spiegel rc. zu sehr billigen Preisen. 333 J. Rothenberger, Lindenplatz. Joh. Hoff s Masi-Crtract ä- Mals- Ehocolabe frisch eingetroffen. 257 Heinrich Waliach« !c-, i-d. 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Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bet der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar: Samstag den 14. Januar 1882 Die Interessenten werden daher aufgefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren. Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, Dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 29. November 1881. Der Rechner der Spar- u. Leihkasse. Kehr.