1S6» Samstag den 12. August 1882 Gießener Anzeiger x~^ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des MsrrtagS. 9MH**** x Schulstraße v. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlshn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Torpedos, von der man gegenüber der Geschwindigkeit eines durch Pulver geschleuderten Geschosses sprechen muß, das Treffen, vom Schiffe in Fahrt aus, eines ebenfalls m Fahrt befindlichen Schiffes ganz bedeutend und es kann daher leicht selbst die vorsichtigste der auf Hypothesen beruhenden Berechnungen des Gegners durch eine andere als die vorausgesetzte Fahrgeschwindigkeit und die geringste Cursänderung hinfällig werden Hieraus leitet sich nun der taktische Grundsatz her, dotz, sobald die eigene taktische Formation des Geschwaders und der feindliche Sporn, die Ramme, es gestatten, recht häufiges Aendern des Kurses und der Fahrgeschwindigkeit vorgenommen werden muß. Die Ausbildung dieses Grundsatzes bildet einen wesentlichen Inhalt der Exercitten des Panzer - Uebungsgeschwaders zur Abwehr der Angriffe mit Fisch- Torpedos. Deutschland. Berlin, 8. August. Die „Berl. Polit. Rachr." schreiben: Endlich ist ein Ministerium für die französische Republik gesunden worden. Der Senator Duclerc wird dasselbe leiten und da dieser Herr ein alter und erfahrener Mann und dabei ein seif made man im vollen Umfange des Wortes ist, so steht zu hoffen, daß er die Einsicht besitzen wird, die Geschäfte seiner Heimath in geeigneter Weise zu führen. Herr Duclerc war ursprünglich Corrector bei einer Zeitung, sodann wurde er Mitarbeiter des. „Journals du Progrös" und trat im Jahre 1840 in die Redaction des „National", wo er volkswirthschaftliche, Finanz- und Eisenbahn-Fragen bearbeitete. Im Februar 1848 zum Adjunkt des Maires von Paris ernannt, wurde er bald daraus Unterstaatssecretär im Finanzministerium und am 10. Mai desselben Jahres Finanzminister. 1871 wurde Duclerc zum Deputirten gewählt. Er präsidrrte der republuamschen Linken und nahm Theil an den Berathungen der Budget-Commissionen. Seit 1875 Senator auf Lebenszeit, wurde er später zum Bice-Präsidenten des Senats gewählt. , , Die türkische Regierung hat sich entschlossen, Arabi Pascha m Acht und Bann zu erklären; eine Jrade des Sultans ermächtigt die türkischen Conserenz- Delegirten, Said Pascha und Assym Pascha , der Herstellung eines internationalen Ueberwachungsdienstes auf dem Suezkanal zuzustimmen und die Politik des Sultans in Egypten durch eine Proklamation kund zu thun. Bom Minister- rathe wurden für Serwer Pascha, als den für Egypten bestimmten türkischen Commissar, Instructionen erlassen. Arabi Pascha aber scheint nunmehr den Krieg auf eigene Faust fortsetzen zu wollen. Seine Truppen sind mit der Errichtung von Verschanzungen zwilchen Abukir und Ramleh und an den: westlichen User des Kanals beschäftigt, einer Cooperation der Türkei und Englands wird Arabi aber ernstlich sich doch nicht widersetzen können. . m Berlin, 9. August. Der Minister des Innern hat bezüglich der Ver- loosung der Sparscheine der Rabatt-Sparanstalt verfügt, daß solche als Veranstaltung einer Lotterie anzusehen sei, daß er aber nicht Anstand genommen habe, die von dem Anstaltsvorstand nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Lotterie zu ertheilen, weil das Bestreben der Rabatt-Sparanstalt durch Beförderung des Baarzahlungs-Systems und durch Kräftigung des Sparsinnes in der Bevölkerung dem Gemeinwohl zu dienen, als ein der Unterstützung würdiges anzuerkennen sei. — In Schloß Rumpenheim wird in etwa drei Wochen — wie den „Berl. Polit. Rachr." zuverlässig berichtet wird — ein Zusammentreffen der Prinzen und der Prinzessin von Wales, des Königs und der Königin von Dänemark und des Königs und der Königin von Griechenland stattfinden. Kiel, 8. August. Die Hebungen mit Ftschtorpedos stehen tm Vordergrund auf Dem Programm des Panzergeschwaders. Sie beschränken sich nicht nur aus Schießübungen, sondern bestehen auch, und zwar nicht zum geringeren Theile, aus Exercitien zur Abwehr der Angriffe mit denselben. Die Fischtorpedos werden im Geschwader aus Torpedokanonen geschossen, Apparaten, welche den äußeren Habitus von Geschützen haben und daher zu dieser Benennung gekommen sind. Das Manöver des Angriffs erfolgt von Bord der einzelnen Schiffe selbst aus, sodann auch von Barkassen, die in's Wasser gelassen werden und ihren Angriff unter dem Schutze jener ausführen. Die Hebungen der Abwehr eines Torpedoangriffes beziehen sich auf die Verwendung der Revolverkanonen, welcher der diesjährige Geschwaderverband zuerst in größerem Hm- fange zeigt und ferner auf die taktischen Evolutionen der einzelnen Schiffe. Das ursprüngliche Gebiet, auf dem man die Mittel zur Abwehr eines Angriffs mit Fisch- Torpedos suchte, war die Hnterwasserpanzerung des Schiffes — man wollte die Schiffsböden mit Panzer bekleiden und sie so der zerstörenden Gewalt der ingeniösen submarinen Kriegswerkzeuge gegenüber schadlos halten. Lange beschäftigte man sich mit diesem System des Panzerschutzes, bis der Fortschritt der Fischtorpedo-Construction dessen allgemeine Hnausführbarkeit ergab. Man construtrte dann ein Geschütz, welches, seinen Geschossen nach den Kanonen, seinem Wesen nach der Mitrailleuse gleichend, und daher auch eine Mittelstellung zwischen jenen und dieser einnehmend, einfach, solid und leicht zu handhaben, von großer Schußpräcision seiner kleinen durchdringenden Projektile, die Aufgabe übernehmen sollte, dem Angriff eines feindlichen Torpedobootes oder auch nur eines abgehenden Torpedos allein durch Zerstörung desselben schon in der Ferne wirksam entgegenzutreten; ferner suchte man in der Manövrirfähigkeit der Schiffe ein zweites Mittel. Es klingt zwar merkwürdig, die Manövrirfähigkeit der aroßen Panzerkolosse bei Abwehr eines Angriffes von Torpedos zu benutzen, die doch stets mit rapider Geschwindigkeit ihr Ziel verfolgen, einem Geschosse also mit einem aroßen Schiffe aus dem Wege zu fahren. Indessen, ebensogut wie man in Belagerungsbatterien Posten ausstellt, welche die Mannschaften von dem Ankommen der Bomben avertiren damit sie schnell hinter die Blendungen springen, so ist es auch möglich, in vielen Fällen mit Erfolg auf den Schiffen Personen auszuftellen, die lediglich nach dem Lause des viel langsameren Fischtorpedos ausspähen. Allerdings ist es höchst schwierig, bei kurzen Distanzen auszuweichen oder überhaupt mit dem Schiffe ein Manöver aus- zuführen, namentlich dann, wenn nach einem mißglückten Rammversuche die Torpedos aus nächster Nähe abgeschossen werden; engagirte Schiffe haben sich indessen immer die Aufgabe zu stellen, vorsätzlich das einmal auf sie abgesandte Geschoß, den Torpedo, am Erreichen des Zieles zu hindern oder ihn in unschädlicher Entfernung zur Explosion zu bringen, und dies ist durch das taktische Manöver wohl erreichbar. Ein Umgeben oder Umspinnen der Schlachtschiffe mit Netzen oder Matten von Ketten ober Draht- Tauwerk, welche von abstrebenden Balken getragen werden, ist im Geschwader absolut unzweckmäßig, denn Fahrgeschwindigkeit und Manövrirfähigkeit, Eigenschaften, welche auch schon im Hinblick auf die Namen ganz besonders aufrecht erhalten werden müssen, würden dadurch zu große Einbuße erleiden. Außerdem könnten derartige Arrangements leicht in Unordnung gerathen und dann bedenkliche Verwickelungen herbeiführen. Es ist daher nur möglich, durch ein entsprechendes Manöver mit dem Schiffe selbst das Treffen des Torpedos zu verhindern oder wenigstens zu erschweren und es wird dies immer um so leichter fein, je größer die Distanz ist. Die Trefffähigkeit der Torpedos ist immer noch eine sehr geringe; ist sie an und für sich betrachtet immerhin bewunderungswürdig, so erschweren doch entweder die Lanzirapparate oder die Langsamkeit des England. London, 9. August. Irischen Blättern zufolge greift die Bewegung unter den Mannschaften des irischen Constabler-Corps zu Gunsten einer Solderhöhung in bedenklicher Weise um sich. Der Generalinspector des Corps, Oberst Bruce, besuchte am Samstag Limerick, wo die Bewegung entstanden, um deren Natur zu ermitteln. Der Oberst hielt eine Ansprache au etwa 100 Cou- stabler, in welche er ihr Verhalten streng mißbilligte. Er sagte, dasselbe sei beispiellos in der inilitärischen Geschichte und stelle sich seinem Ermessen nach einer unloyalen Vereinigung gleich. Sie hatten nicht ein anonymes Rundschreiben aussenden sollen, wodurch die ganze Polizeimacht Irlands veranlaßt wurde, ihrem anstößigen Beispiel zu folgen. Warum Hütten sie sich der Regierung nicht in soldatischer Weise genähert und ihr in einer Denkschrift ihre Beschwerden unterbreitet? Dann würden dieselben schleunigst Abhülfe gefunden haben Statt dessen hätten sie ein durchaus unloyales Verfahren eingeschlagen. Der Generalinspector empfahl schließlich den Mannschaften, das Rundschreiben zurückzuziehen, die Umtriebe auszugeben und es der Regierung zu überlassen, ihren Beschwerden abzuhelfen. Die Mannschaften räumten em, daß die Form ihrer Agitation ungewöhnlich fei, allein fie wiesen die Beschuldigung, daß ste sich der Untreue schuldig geinacht, mit Entrüstung zurück. Das wäre eine Beleidigung der schlimmsten Art, die hoffentlich nicht wiederholt werden wurde und für die sie eine Entschuldigung von dem Obersten erwarteten. Sie lehnten es schließlich ab, die Agitation auszugeben, und erklärten, daß sie dieselbe fortsetzeu würden, bis sie ihren Zweck erreicht. Der Oberst bezeichnete später die Haltung der Mannschaften als meuterisch. Asten. Bombay, 9. August. Gestern sind 5 Transportschiffe mit indischen Truppen nach Egypten abgegangen, 7 weitere Transportschiffe folgen heute nach auf einem der letzteren befindet sich der Commanöirende des indischen Truppen-Contingents, General Macpherson mit seinem Generalstabe. Zur Verstärkung des indischen Truppen-Contingents sind noch ein weiteres Regiment Infanterie mit 3 Batterien Artillerie bestimmt, denen die entsprechenden Befehle bereits zugegangen sind. Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Birreair. Hamburg, 10. August. Zu Ehren des hier stattfindenden dritten deutschen Sängerbundfestes ist die Stadt auf das Festlichste geschmückt, bis Mittags sind mit den fahrplanmäßigen Zügen und mit 23 Extrazügen bereits über 4000 Sänger hier angelangt. Die Sänger wurden auf den Bahnhöfen mit Musik begrüßt, auf dem Wege nach der Marienthaler Bierhalle, wo auf städtische Kosten eine Erfrischung gereicht wurde, von der die Straßen füllenden Bevölkerung mit sympathischen Zurufen empfangen und hierauf durch Schulknaben nach den für sie bestimmten Quartieren geleitet. Unter den Fahnen erregte diejenige des Leipziger Zöllnerbundes, die von 3 Sängern getragen und von 8 Herolden begleitet wurde, besondere Aufmerksamkeit. Unter den hier emge- troffenen Festgästen befinden sich auch sehr viele Ausländer. Wien, 10. August. Die Blätter heben übereinstimmend hervor daß die alljährliche Begegnung des Kaisers Wllhelm mit dein Kaiser Franz Josef M Ischl die beste Kundgebung der zwischen Oesterreich und Deutjchland unverändert fortbestehenden Freundschaft und daß der Sunbber beiden Machte der * WÜÄ xsfrk fflSÄfewaw SSWÄÄWgÄÖÄti demselben ergriff Gladstone das Wort und f ö0te • 7m-r er e §9? eicbe§ zu wahren, ja, das Egypten gesandt worden, um d,e großen Interest ’roel^e mir an diesem tage ich feierlich der civ>l,sirt-nW-lt -sstn° Staaten mit uns th-il-n. Egypten ist Thor- haben und welche nicht alle -uropail-Y-n Hemisphären; dieses Thor soll das unentbehrliche Thor firn den H°?del d,er de d n 0 P« egyptische Volk, offen und das Land friedl ch s°'n, « fiJun' "wünschen nicht,' die fort- wir wollen bafielbe befreien aus der um ^ünfd)en vielmehr ein freies und schreitende Freiheit Egyptens rurückzudrang ,^w ^änbzn# nicht mit geheimen glückliches Egypten. England geht do h n ml verheimlichen. Wir haben ein »“S, “ »'• 1nlBffeneh^eOtb?e*et ermähne sodann di/sr-undlichen Beziehungen der Türkei als Rebellen und V-'b"ch-r. -rway , t $f0Tte> bie Autorität des Su gn0lanb und rklare '^^inist-rpräsid-nt Said Pascha theilte Lord Dufferin Kh°dwe zu unterstütz in. ell' bic „sie Abtheilung türkischer Truppen in der I "°ch Egypten abgehen zu lassen. — Die „Daily News" erfährt, in der heutigen Sitzung der Conferenz werde der österreichische Botschafter, Baron Calice, die Vertagung derselben auf unbestimmte Zeit beantragen.^ Abendblätter veröffentlichen eine Depesche aus Larnaca von heute, der- zufolge auf die Nachricht von der Ermordung eines Muselmannes in Beyrut sich da- s-lbft das Gerücht verbreitete, der Mord fei durch Christen verübt worden. In Folge dessen sei es bei der Beerdigung desselben zu einer feindseligen Kundgebung gegen die Christen gekommen, wobei aus der Menge die Rufe „Nieder mit den Christen" laut geworden. Die Polizei sympathisire mit der Menge, der Christen habe sich große Furcht bemächtigt, viele seien in's Gebirge entflohen und viele tn Hast genommen worben Im Augenblicke sei die Stadt zwar ruhig, aber eine Wiederholung der Unruhen werde befürchtet. Attnang, 10. August. Seine Majestät der Deutsche Kaiser ist von Ischl wohlbehalten hier eingetroffen und kehrt über Regensburg nach Babelsberg wieder zurück. Petersburg, 10. August. Das „Journal de St. Pötersb." schreibt: Indem das Londoner Cabinet erklärt, die Fahne des Khedive werde beim Einmarsch der britischen Truppen in Egypten entfaltet werden, stellt es die militärische Aktion auf ein Gebiet, auf welchem eine Verständigung mit der Türkei möglich ist. Die Erkaltung der gegenseitigen Beziehungen kann vermieden werden, wenn man sich in dieser Weise unter die Aegioe des europäischen Programms stellt, welches die Wiederherstellung des Status quo ist. Wenn einmal die Jnsurrection gedämpft sein wird, dann wird die Conferenz Maßregeln in Erwägung ziehen, um den Status quo ante zu sichern. Dies ist das Mandat, beffen sich Europa niemals entäußert hat und welches es auch nicht aufzugeben gedenkt. Konstantinopel, 10. August. Die Proklamation des Sultans soll im Wesentlichen folgendermaßen lauten: Da der Khedive der Vertreter des Souveräns ist, so schulden ihm Alle Gehorsam. Arabi Pascha mißachtete beim erstenmale die Autorität des Khedive; allein als er zum Bewußtsein seiner Pflicht zurückgekehrt war, bat er um Verzeihung, welche ihm auch gewährt würbe und wir überhäuften ihn sogar mit Wohlthaten. Dessenungeachtet verging sich Arabi neuerdings bei vielen Gelegenheiten (die Proklamation zählt dieselben auf) gegen seine Pflichten. Namentlich ergriff Arabi eigenmächtig aggressive Maßregeln gegen die Kriegsschiffe Englands, unseres alten Freundes und Murten, und bewies derart neuerdings seine Verachtung der Autorität des Khedive. Demnach erklären wir Arabi Pascha für einen Rebellen und erlassen diese Proklamation, damit es Alle wissen und damit die Autorität des Khedive keine Beeinträchtigung weiter erleide. Alexandrien, 10. August. Das Transportschiff „Orient" mit dem Herzog von Connaught und dem ersten Bataillon der schottischen Garde ist heute Nachmittag hier eingetroffen. Der Aviso „Salamis" mit dem General Adye ist gleichzeitig hier angelangt. Der Herzog von Connaught stattete bald nach seiner Ankunft mit dem heute Morgen eingetroffenen Generalconsul Malet dem Khedive einen Besuch ab. Alexandrien, 10. August. Die egyptische Negierung hat die fremden Konsuln mit Rücksicht aus den drohenden Wassermangel ersucht, darauf hinzu- tvirken, daß die Flüchtlinge nicht jetzt schon nach Alexandrien zurückkehren. Konstantinopel, 10. August. Wie verlautet, ging dem Minister des Aeußeren von der Admiralität die M'ttheilung zu, daß ein Schiff der russischen Maiine längs drs Laufes des Sakariaflusses Recognvscirungen und von der Mündung des genannten Flusses an bis zur asiatischen Küste des Bosporus Sorrdtrungen vorgenommen habe. Lokale-. Gießen, 11. August. Heute Nacht erhängte sich im hiesigen Prooinzial-Arrest- hause ein m Untersuchungshaft befindlicher Mann aus Lauterbach. Der Selbstmörder war im Verdacht, sein Dienstmädchen, mit welchem er strafbaren Verkehr gepflogen haben sollte, erdrosselt und dann aufgehängt zu haben. Die Strafsache wäre jedenfalls vor dem nächsten Schwurgerichtshofe zur Verhandlung gekommen. — Am Dienstag Nachmittag verunglückte ein hiesiger Metzger meister in der Art, daß er im Walde bei Rödgen von seinem mit zwei Hunden bespannten Fuhrwerk heruntergeschleudert wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Manne ein Bein zerschmettert. Diese Verletzung und eine heftig blutende Wunde, welche der über eine Stunde hilflos Daliegende nicht zu stillen vermochte, verursachten einen derartigen Blutverlust, daß man für das Leben des Verunglückten, welcher in der Klinik Aufnahme gefunden, sehr arge Bedenken hegt. Verwischte Friedberg, 9. August. Gelegentlich der Cavallertemannöver in hiesiger Gegend wird auch Se. Königliche Hoheit der Großherzog wieder im hiesigen Schlosse wohnen und die gesammte Hofyaltung für die Dauer der Hebungen hierher verlegt werden. Auch hohe Gäste wird das Schloß, das soeben in Stand gesetzt wird, behei bergen. Zwei preußische Prinzen, darunter wahrscheinlich Prinz Friedrich Carl, werden die Gäste unseres Großherzogs sein. Wie man weiter vernimmt, wird die neulich verregnete Regatta auf dem Nauheimer Teiche zu der Zeit der Manöver stattfinden und Se Königliche Hoheit der Großherzog nebst hohem Besuche derselben wahrscheinlich anwohnen. Worms, 10. August. Durch den Großh. Bürgermeister Küchler ist heute der Stadtverordnetenversammlung ein eingehend begründeter Antrag auf Einführung des Octrois für die Stadt Worms zugegangen. Darmstadt, 9. August. sSterblichkeit im Großherzogthum Hessen.) Im Monat Mai lfd. Js. sind im Großherzogthum, mit Ausschluß der Todtgeborerien, 2015 Todesfälle vorgekommen, gegen 2043 im April; davon ereigneten sich in den Provinzen Starkenburg 914 (898). Oderhessen 530 (569) und Rheinhessen 571 (576); auch jetzt war wiederum eine Zunahme der Sterbefälle in der Provinz Starkenburg bemerkbar, wenn auch nur in geringem Bet ag, in Rheinhessen und Oberhessen hatte die Zahl derselben gegen den Vormonat sich vermindert Von den insgesammt 2015 Todesfällen des Großherzogthuws betrafen 883 ;924) Kinder; davon waren im ersten Lebensjahre verstorben 488 (471) und im zweiten bis fünfzehnten Jahre 395 (453); den Erwachsenen gehörten von den Verstorbenen zu 1132 (1119); danach hatte die Sterblichkeit der älteren K'nder gegen den Vormonat eine Abnahme erfahren, die Sterbfälle der Kinder des ersten Lebensjahres, aber auch die der Elwachsenen, wiesen eine Steigerung auf. — In Folge von epidemischen Krankheiten waren verstorben 215 Personen gegen 232 im April, und davon in Starkenburg 119 (115), in Ober- Hessen 54 (64) und in Rheinhessen 42 (53); die Abnahme der Epidemiesterblichkeit in beiden letztgenannten Provinzen war sonach eine beträchtliche, während die letztere in Starkenburg um ein Geringes zugenommen hatte. Von den einzelnen epidemischen Krankheitsformen hatten Scharlach 66 (62) Sterbcsälle veranlaßt, in Starkenburg 38, in Oberhessen 21 und tn Rheinhessen 7, Nachen- und Halsbräune deren 58 (63), Keuchhusten 36 (33), Masern 28(47), wovon in Starkenburg 24, in Rheinhessen 4 und in Oberhessen 0, Abdominaltyphus 19 (16), Rose 7 (5) und Blattern 1 (6). Außer einer beträchtlichen Abnahme der Todesfälle an Masern und Blattern waren die Differenzen im Vergleich des Vormonats nur geringe. Im Wochenbett ereigneten sich 13 Sterbfälle, ebensoviel wie im April Von anderen wichtigeren Krankheiten hatten Lungenschwindsucht 261 (273), acute entzündliche Krankheiten der Athemorgane 259 (283), Schlagfluß 54 (48-, acuter Gelenkrheumatismus 2 (3), Darmkatarrh und Brechdurchfall 65 (57) Todesfälle verursacht. Allen anderen, vorstehend nicht genannten Krankheiten waren erlegen 834 (843) Personen; unbekannt blieb die Todesursache, bezw. tödtliche Krankheit bet 259 (257). Todesfälle gewaltsamer Art wurden 53 (34) verzeichnet. und zwar durch Verunglückung 23 (15), durch Selbstmord 23 (18) und durch Mord 7 (1). Der Monat Juni wies 1724 Todesfälle im Großherzogthum auf gegen 2015 des Vormonats; die Sterblichkeit erfuhr sonach eine sehr beträchtliche Abnahme unt zwar vorzugsweise in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen, denn es entfielen auf die Provinzen: Starkenburg nur 765 Sterbfälle gegen 914 auf Ober Hessen nur 422 gegen 530 und auf Rheinhessen 537 gegen 571. Von den 1724 Todesfällen insgesammt betrafen Kinder 851 (883), und zwar solche des ersten Lebensjahres 495 (488), solche im zweiten bis fünfzehnten Jahre 356 (395) und Erwachsene 873 (1132). Die verminderte Sterblichkeit betraf sonach im Wesentlichen die Erwachsenen, in geringerem Maße auch die älteren Kinder; bei den Kindern des Säuglingsalters wurde eine geringe Erhöhung der Sterblichkeit beobachtet. Todesfälle durch epidemische Krankheiten wurden nur 167 gegen 215 verzeichnet und zwar an Masern 59 (28), davon 54 in Starkenburg, 5 in Rheinhessen und 0 in Oberhessen, an Scharlach 43 (66), in Starkenburg 20, in Oberhesscn 17 und in Nheinh ssen 6, an Hals- und Rachenbräune 37 (58), an Keuchhusten 16 (36), an Abdom naltyphus 8 (19), an Rose 3 (7) und an Ruhr 1 (0); an Blattern kamen Sterbfälle nicht mehr vor. Sämmtliche epidemische Krankheiten mit Ausnahme der Masern, welche in der Provinz Starkenburg verbreiteter auftraten, hatten eine beträchtliche Abnahme der Todesfälle aufzuweisen. Im Wochenbett hatten 7 (13) Sterbfälle statt. Von den anderen vorherrschenden Krankheiten hatten Lungenschwindsucht mit 230 (261) und acute entzündliche Krankheiten der Äthern- organe mit 197 (259) Todesfällen nur eine geringe Sterblichkeit aufzuweisen; am Schlagfluß starben 54 und an acutem Gelenkrheumatismus 2 Personen, ebensoviel als im Vormonat; die Sterbfälle durch Darmkatarrh und Brechdurchfall, welche Krankheiten in der Regel gegen den Sommer hin zuzunehmen und das Säuglingsalter zu gefährden pflegen, hatten sich von 65 auf 98 erhöht. Durch alle übrigen, vorstehend nicht genannten Krankheiten waren 697 gegen 834 Personen verstorben; unbekannt blieb die den Tod bedingende Krankheit bei 220 (259) Sterbfällen. Todesfälle gewaltsamer Art wurden 52 verzeichnet, davon kommen auf Verunglückungen 26 (23), auf Selbstmord 24 (23) und auf Mord 2 (7). Neuwied, 8. August. (Vom Mittelrheinischen Turnfest.) Dem Wohnunqs- Ausschusse sind Seitens des Militär-Oeconomie-Departements zur Einrichtung von Massen-Quartieren 1000 Strohsäcke, 1000 Kopfpolster und 1000 wollene Decken leihweise überlassen worden„unb verdient dieses Entgegenkommen alle Anerkennung. Die Anmeldungen der auswärtiaen Turner lassen auf einen ganz enormen Besuch unseres Festes schließen und gehen dem Festausschuß, obwohl der letzte Anmeldetermin bereits verstrichen ist, noch täglich zahlreiche Anmeldungen zu. Bebra, 7. August. Gestern Abend gegen 10 Uhr ertönten plötzlich schauerliche Feuerrufe durch den hiesigen Ort und verursachten in demselben einen gewaltigen Schrecken. Jedoch legte sich die Aufregung einigermaßen, als man erfuhr, daß es am Bahnhofe brenne, für das Dorf also noch keine Gefahr drohe. Anfänglich meinte man, es stehe die Ladehalle am Bahnhof in Flammen, jedoch, wie sich später herausstellte, war es nicht diese, sondern das Maschinenhaus der Bebra-Frankfurter Bahn. Das Feuer hatte schon bedeutende Dimensionen angenommen, als Hilfe aus dem Dorfe erschien, aber man hatte vorher bereits die Maschinen sowie die meisten Geräthe in Sicherheit gebracht. Einer ganz besonderen Windstille und dem Ueberfluß an Wasser ist es zu verdanken, daß, da es so leicht nicht möglich war, dem Brande von irgend einer Seite ordentlich beizukommen, der größte Theil des Maschinenhauses n cht vom Feu'r erfaßt wurde. Nach fast dreistündiger Anstrengung war man des F'uers vollständig Herr geworden. Wodurch der Brand entstanden ist, darüber läßt sich jetzt noch nichts Bestimmtes feststellen. Mainz, 7. August. Der Mainzer Baugewerksmeister-Verband hielt dieser Tage eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher bezüglich der Regelung des Submissionsverfahrens eine Reihe von Vorschlägen gemacht wurde. In B^zug auf bie Vergebung von städtischen Arbeiten in Submission wurden folgende Bestimmungen, getroffen: Da es sehr häufig vorkommt, daß städtische Arbeiten, die aus dem Submissionswege üergeben worden sind, deshalb mangelhaft und schlecht ausgeführt würben, weil die betr. Baugewerksmeister, ohne zu berechnen, zu hohe Abg-bote gemacht hatten, ist für bie Folge jebes Mitglied des Verbandes verpflichtet, sobald ihm abermals ein solcher Fall zur Kenntniß kommt, dies dem Vorstände des Verbandes anzuzeigen. Der Vorstand des Verbandes ist gehalten, die Arbeit des betr. Subm'ttenten genau durch Sachverständige untersuchen und prüfen zu lassen; hat es sich nun ergeben, daß die städtische Arbeit in der That schlecht ausgeführt worden ist und bLfe schlechte Arbeir nur auf das zu hohe Abgebot zurückzuführen ist, dann ist der Vorstand gehalten, den genauen Thatbcstand des betreffenden Falles rückhaltlos der Oeffentlichkeit durch die Tagespresse zu übergeben. (Fr. I ) Frankfurt a. O-, 5. August. Die hiesige „Oder-Ztg." schreibt: Am Donnerstag Nachmittag ereignete sich ein sehr bedauerlicher Unfall auf der Neipziger Feldmark, auf welcher das Leib-Grenadier-Regiment Gefechts- und Colonnen-Schießübungen abhielt. Der Feind war durch Figurenscheiben markirt, von denen Zündschnüre mit in gewissen Entfernungen sich wiederholenden Knoten — sogenannten Kanonenschlägen — angebracht waren, welche während des Colonnenschießens zur Explosion gebracht wurden, gewissermaßen um das Feuer des Feindes zu markiren- In den links von den Scheiben sich befindenden gedeckten Gruben befanden sich je zwei Unteroffiziere und sechs Mann, welche die Schüsse in den Scheiben zu überkleben und durch Entzünden der Zündschnur mit den Kanonenschlägen das feindliche Feuer zu markiren hatten- Aus noch unerklärlichen Ursachen gerieth die Zündschnur an einer Grube wohl nicht ganz richtig in Brand, das Feuer schlug rückwärts, traf die in der Grube vorhandene größere Menge Zündschnur mit dem Pulverknoten und veranlaßte eine Explosion derselben, wodurch die in der Grube befindlichen acht Mann mehr oder weniger verletzt wurden. Die Explosion und das Herausstürzen eines Verletzten aus der Grube führte zur fofortigen Einstellung des Feuers Es wurde mit scharfen Patronen geschossen, so daß ohne die bei unseren Truppen so überaus gewissenhafte Aufmerksamkeit leicht großes Unglück hätte entstehen können. Die Verletzten wurden auf dem Manöoerselde verbunden und zu Wagen nach Frankfurt a. O- ins Lazareth befördert, woselbst sie um SVz Uhr eintrafen. — Egypten und fein Endel Das arme Egypten! Wenn je ein Land von Beginn aller Zeiten an dazu bestimmt war, allerlei Ungemach über sich ergehen zu lassen, so ist es das Land, dessen Geschichte und Cultur uns so geheimnißvoll anmnthet, das Land der Pharaonen, jener armen Könige, die nach Tausenden von Jahren noch reine Ruhe gesunden und deren balfamirte Leichname der geldgierige Fellah hervorzuholen weiß, um einen schwunghaften Handel mit jenen ehrwürdigen Gebeinen zu treiben. ™ i Ägypten! Die älteste Nachricht, die uns aus der Geschichte des Wunderlandes Überkommen ist, überkommen aus dem aschgrauen Alterthum, aus einer Zeit, bet deren „Fixirung" es uns auf ein paar Jahrhunderte nicht antommen darf, -'ne »rohe volttisch-sozial- Umwälzung im Lande: „Der Etnsall der Hiksos", 2100 bis 1600 vor Christt Geburt, auf ein paar hundert Jährchen kommt es, wie gesagt, nicht an. v Blut, Greuel und Verwüstung sind die Plagen, die über Egyptenland immer wieder kommen, alle Eroberer der alten Welt, bie Mörder von Hunderttaufenden, haben fast ausnahmslos ihren Fuß auf den Nacken des armen Landes gesetzt, fast ausnahmslos alle Eroberer, von Nebukadnezar und Cambyses an bis auf Napoleon I. Das Blut aller Völker der alten Welt hat Egyptens Wüstensand getrunken und wie oft hoben die tausendjährigen Pyramiden dieselben Greuel über das Land hereinbrechen sehen? Die Greuel des Mordes, der Verwüstung, die Greuel, die der einbringende Fremdling in das Land gebracht, von der Sklaverei, die der Hirtenkönig (Hyksos) über die Autochthonen verhängt, bis zu dein Coupon der egyptischen Staatsschuld, dessen Bezahlung die englisch französischen Finanz-Controleure verlangen. Dieselben Greuel waren es stets, die über das Land kamen und so muß es denn doch eigentlich Analogien fleben Jn der Leidensgeschichte des egyptischen Landes und in der That, das älteste Geschichtswerk, das mir besitzen, die Bibel, weist dergleichen auf. ifrraf.e.^£ erschrecken aber kann, wer im Propheten Hesekiel auf das 29. und 30. Kapitel stoßt, welches die Ueberschrift trägt: „Weissagungen gegen den Egyp*er". Man mutz sich immer wieder davon überzeugen, daß man das alte Testament in der Houd hat und nicht etwa einen Extract diverser Leitartikel aus den Zeitungen dieser unserer Tage. Doch mögen unsere Leser selbst urtheilen. Das 30. Kapitel lautet in feinen ersten Versen: der Tag ist nahe; ja des Herrn Tag ist nahe, ein finsterer Tag; die Zeit ist da, daß die Hechen kommen sollen- 4. Und das Schwert soll Über Egypten kommen; und Mobrenland muß erschrecken, wann die Erschlagenen tn Egypten fallen roerben, unb tbr Volk weggesühret, und ihre Grundfesten umgeriffen werden. 6. So spacht der Herr: Die Schutzherren Egyptens müssen fallen und die Hoffahrt ihrer schauerliche i gewaltigen daß es am meinte man, Musstellte, Sahn. Das dem Dorfe Gerathe in an jßaffer von irqmd ncht vom i'urrs voll- ch W noch [8=n 2015 »8m, um ‘"'fein 'ff'" nut Äen in§. 321 (S Dir 'engerem ' eine ge; ■«Weiten ’on 54 in ®tarfen= ' 37 (58), «"Nr *e Krank- ^ibreiteter ? Wochen- itönl^tfen dnAhm- D«ien; am ^soviel als lche Krank- Psalter zu Dorffe&enb unbefannt le gewalt- 3 («), aut Vohnungs- chtung von Decken leth- nung. Die uch unseres mm bereits l dieser Tage 10 des Sub' yug auf bie eftimmungen Zubmissions- mrben, weil ht hatten, ist abermals ein zeigen. Der genau durch en, hab die edjte Arbeit galten, den t durck, W ^Donnerstag n Feldmark, Schießübungen chnüre mit in enschlägen- ^acht wurden, ben Scheiden sechs Mann, r Zündschnur ^chunerklar- nz richtig in Me M-nge >en, °«d»rS wurden ,urE daß oncd'e )ßes Üngtüch rbunben und M y/t ,n Land von ch ergehen sti ,oü annu'h^ öon 3* $w* SS's pÄ iS»* L-S 'fc Ltz --S . g 29 und f den «J; »er d'es'' MA 'übeAsttN ^en> . jhrer Macht muß herunter; von Migdol bis gen Syene sollen sie durchs Schwert fallen, i'oricht der Herr. 7. Und sollen, wie thre wüste Grenze, wüste werden, und ihre Städte unter anderen wüsten Städten wüste liegen. 8. Daß sie erfuhren, daß Ich der Herr sey. wann ich ein Feuer in Egypten mache, daß Alle, die ihnen helfen, zerstöret werden. 9 Zu derselbigen Zeit werden Boten von mir ausziehen in Schiffen, Mohrenland zu schrecken, das jetzt so sicher ist, und wird ein Schrecken unter ihnen sein, gleichwie es Egypten ging, da ihre Zeit kam; denn siehe, es kommt gewißlich. Vers 12. Und ich will die Wasserströme trocken machen (den Süßwafferkanal Mahmudte) und das Land bösen Leuten verkaufen; und will das Land und was darinnen ist, durch Fremde verwüsten. Ich, der Herr, habe es geredet. Soweit die Prophezeiung und nach den neuesten Nachrichten, welche uns der Telegraphendraht übermittelt, nach denen die türkische Intervention wohl dem armen Khedive Tewfik Pascha seinen Herrschertbron kosten wird, werden in demselben Kapitel bestätigt, denn es heißt allda Vers 22. Darum spricht der Herr also: Siehe, ich will an Pharao, den König in Egypten, und will seine Arme zerbrechen, beide, den starken und den schwachen, daS ihm das Schwert aus feinet Hand entfallen muß. 24. Aber die Arme des Königs von Babel will ich stärken und ihm mein Schwert in seine Hand geben; und will die Arme Pharao's zerbrechen, daß er vor ihm winseln soll (hat Tewfik bereits gethan), wie em tödtlich Verwundeter. Armer Tewfik! Armes Egypten, so dir geschieht nach den Worten des Propheten! Daß aber diese lausend Jahre alten Prophezeiungen heute noch passend sind auf Eaypterland, beweist wiederum die Wahrheit des alten Wortes: „Nichts Neues unter der Sonne!" (B. Tgbl.) Aus Ungarn, Anfang August. In der Angelegenheit von Tisza-Eszlar sind die Vorerhebungen abgeschlossen und eine Untersuchung wegen Mordes eröffnet. Die Thatsachen liegen so, daß ein Mädchen, Esther Salymossy, feit Monaten verschwunden und weder lebendig noch tobt zum Vorschein gekommen ist. Dagegen hat ein vierzehnjähriger Jüngling ausgcsagt, sein eigener Vater, der Schächter in Tysza-Eszlar, habe das verschwundene Mädchen im Vorhofe der Synagoge mittelst Durchschneidens der Kehle getödtet. Gegen die geistliche wie sittliche Qualisication dieser Zeugen sind Einwendungen erhoben worden, um welche das weitere Verfahren voraussichtlich sich drehen wird. — Ein anderes Verbrechen ist unzweifelhaft begangen worden. Der Leichnam eines Mädchens wurde vom Kirchhofe gestohlen und in die Theiß geworfen in der fast zweifellosen Absicht, daß derselbe für den Leichnam der Esther Solymossy gehalten und der Richter irre geführt werde. Wem die Schuld der Urheberschaft dicfes Verbrechens zur Last falle, ist aus den vielfach einander widersprechenden Mittheilungen nicht zu entnehmen. (Fr. Z.) — Wenn der alte Pindar mit seinem Sprüchlein, „daß Wasser das Beste ist", Recht gehabt hätte, so müßten wir uns zur Zeit im lieben deutschen Reiche in einer Periode seltener Glückseligkeit befinden; denn der Himmel versieht uns mit diesem „besten" Artikel in überreichem Maße. Aus den Bädern und Sommerfrischen kommen herzzerreißende Klagen über die Leiden der zu Stubenarrest Verurtheilten; jämmerlich dreinschauende Sommerkleider und Hüte erzählen düstere Geschichttn von den Reizen dieses Sommers, der Regenschirm ist der gesuchteste Artikel der Zeit und die ganze Welt sieht sich an wie ein einziger großer Schnupfen. — Die unaussprechlichen Seufzer nach gutem Weiter werden in vielen Kirchen zu andächtigen Bitten und Fürbitten. Auch in der Synagoge in Fürth sind Bittgebete in das tägliche Gebet eingeschaltet worden. — Das „Berl. Tgbl." schreibt: Unser Buchstabenscherz, daß der Name „Bismarck" den Kern des gegenwärtigen wie des früheren Ministeriums bildet, scheint der „Volks- zeitun g" geeignet, conseroatioe Gemüther allzu freudig aufzuregen und „zur Abkühlung" bringt sie daher folgenden wohlgelungenen Antwortscherz: Das frühere Ministerium: Das jetzige Ministerium: Bitt Gr FriedbGrg Friedberg GoßleL Luc—us Lucius Maybach Maybach Stosc-rr Sc-solz Put—kamer S—osch Kam^ke Kam^ke Goßle*« Puttkame". SchiffSbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W- Dietz Nachfolger Gießen. Bremen, 10. August. Der Postdampfer General Werder, Capt. H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 29. Juli von Newyork abgegangen war, ist gestern 8y2 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 10 Vr Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe Überbringt 119 Passagiere und volle Ladung.________________________________________ ___________ Kirchliche Anzeigen -er Stadt Greffen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst: Sonntag den 13. Auaust (10. nach Trinitatis). Vormittags 9V-2 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Nach beiden Gottesdiensten wird eine Collecte für die innere Mission erhoben werden. Die P f a r r g e s chä f t e in der Woche vom 13. bis zum 19. August besorgt Pfarrer Dingeldey. (Wohnung Ludwigsplatz 1695.) Katholische Gemeinde. 11. Sonntag nach Pfingsten. Von 6 Uhr an : Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion. VzlO Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Andacht. 15. August (Fest Mariä-Himmelfahrt). Von 6 Uhr an: Beichte. 7 Uhr: Frühmesse und Austheilung der h. Communion, V210 Uhr: Festgottesdienst. Predigt: Pfarrer Rady. 2 Uhr: Festandacht. Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 7 Uhr, Samstag Morgen 8 Uhr, Samstag Mittag 4 Uhr, Samstag Abend 810. Submission Der Bedarf von nachstehenden Gegenständen für die chirurgische Klinik des akademischen Hospitals für das Rechnungsjahr 1882/83 soll auf dem Weg der Submission vergeben werden: 1) Bettwäsche, 2) Hemden, 3) Kleidung, 4) Lederschlappen, 5) 1 Schrank. Offerten sind bis zum 15. ds. M., Vormittags 12 Uhr, auf das Verwaltungsbureau einzureichen, woselbst Bedingungen und Muster eingesehen ! werden können. Gießen, den 11. August 1882. Großh. Verwaltung des akad. Hospitals. 5288 Keller. Bekanntmachung. Die Lieferung von 20 Raummeter Vuchen-Scheitholz bester Qualität für das hiesige Haftlokal soll an den Wenigstnehmenden vergeben werden. Schriftliche Offerten sind bis zum 30. August l. Js. dahier einzureichen. Lich, den 9. August 1882. Die Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts Lich. I. V. 5246 Bauer. Versteigerung. Samstag den 12 August l. I, Nachmittags 3 Uhr, werden in derFlett' schen Hofraithe dahier folgende Gegenstände, als: 9 Kleiderschränke, 12 Tische, 16Sophas, 1 nußbaum. Consolschrank, 5 Bilder, 2 Pferde, 2 Wagen, 2 Kassenschränke, 15 Schränke, 4 Chaisen, 5 Nähmaschinen, 6 Oeldruckbilder, 6 Spiegel, 1 Nachtschränkchen, 3 alte Räder, 3 alte Reife, 1 Kanarienvogel mit Käfiy, 2 Klaviere, 1 Kuh, eine Parthie Hobel und Schraubenzwingen, 2 Pulte, 4 Küchenschränke, 8 Uhren, eine Parthie Arbeitsholz, 3 Hobelbänke, verschied. Bohlen, 1 gepolsterter Stuhl, 1 Causeuse, 2 Betten und eine Parthie Besen t m ,y öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. „ Gießen, den 10. August 1882. Bauer, 5257 Gerichtsvollzieher. Allgemeiner Anzeiger. Submission. Die zur Herstellung eines neuen Oberbaues an der Brücke über die Lahn bei Sarnau erforderlichen Zimmer- und Schmiedearbeiten, erstere zu 1915^., die letzteren zu 3734 einschließlich der Materiallieferung veranschlagt, sollen auf dem Submissionsweg vergeben werden, und sind die bezüglichen Offerten bis zum 22. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, bei dem Unterzeich- neten einzureichen, woselbst die Zeichnungen und Bedingungen in den Vor- mittagsstunden eingesehen werden können, auch die erforderlichen Formulare abgegeben werden. Marburg, den 10. August 1882. Der ständische Baumeister. 5266 Brüning. Arbeitsversteigenmg. Dienstag den 13. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, werden in dem Gemeindehaus zu Rieder-Bessingen nachverzeichnete Arbeiten unter den dabei bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich in Accord gegeben werden, als: Zerschlagen von 30 Cbm. Unterhaltungssteinen, Lieferung von 60 Cbm. Pflastersteinen 2. Sorte, Lieferung von 2 Wagen Schlackensand, Planir- und Pflasterarbeit im Ort, sowie verschiedene Reparaturen an den Gemeinde-Gebäuden in Maurer- und Weißbinderarbeit im Gesammt-Voranschlag von 1100^. Rieder-Bessingen, den 9. August 1882. Gr. Bürgermeisterei Rieder-Bessingen. Horst. 5271 Vergebung von Rajol-Arbeit. Auf der neuen Kahlfläche neben dem Forstgarten (Zellenrod 8) soll 1 Morgen hessisch M. auf 50 cm Tiefe stein- und wurzelrein rajolt werden. Lust- tragende wollen sich an den Gartenaufseher Karl Dörmer wenden. Gießen, den 12. August 1882. Die forstliche Versuchsanstalt. 5284 Dr. Hess. Iandwirthschastl. Landesausstellung Darmstadt 1882. Den Herren Interessenten geben wir hiermit bekannt, daß besonderer Umstände halber die Anmeldefrist für: 1) Produkte des Pflanzenbaues (Mehl-, Hülsen- und Oelfrüchte, Wurzelfrüchte, Knollengewächse, Gespinnst- pflanzen, Futterpflanzen, Gemüse und Drogengewächse, Hopfen, Tabak, Weiden, Obst, Trauben 2c.) bis zum 25. August 1. Js», 2) Producte des Molkereibetriebes bis zum 1 September 1. Js. verlängert worden ist. Bis zu den gedachten Terminen müssen jedoch die Anmeldungen dahier eingelaufen sein. Darmstadt, den 7. August 1882. Der Central-Ausschuß: Haas, Präsident. Friedrich Graf zu Solms-Laubach, Vicepräsident. E. Werner, Vicepräsident. Stimmet, Generalsecretär. Mahnung. Die Kaufgelder für das am 30. Januar ds. Jahres im von Milchling'schen Walde Oberseilbach gesteigerte Brennholz müssen binnen 14 Tagen bei Meidung gerichtlicher Eintreibung an den Unterzeichneten bezahlt werden. Treis a.Lda., den 10. August 1882. Kehr, 5269 v. Milchling'scher Administrator. Ieilgevotenes. Erdbeerm-Maipen | — beste Pflanzzeit August-September — in 6 der besten großfrüchtigen Sorten, das Dutzend 30, 40 und 50 sowie größere Posten Bohnen zum Einmachen empfiehlt R. Lohnau, Gärtner, Hardthof. Aecblen Weinessig seit Jahren bewährt, empfiehlt billigst 5281_________Emil Fischbach. Engelsing's Desinfections-Tafeln zum Desinficiren der Krankenstuben und Aborte, „ Räuchertafeln, „ Wäschetafeln zumPar- fümiren der Wäsche »Stück 30 H _ °,152 einpfiehlt Die «ngelapotheke. Zncarnat-Kleesamen, frische la Waare, vorräthig bei 5194 A. 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Orth. _ 4082 Das von dem Materialienverwalter Herrn H e i n b e r g bisher bewohnte Familienlogis ist versetzungshalber per 1. Oktober anderweitig zu vermiethen, auf Verlangen auch früher beziehbar. Näheres bei A. Rüsing in der Nähe des Bahnhofs.______________ 5241 Ein kleines Familienlogis sofort zu vermiethen. Sonnenstraße B- 1O6._ 5201 Stube mit Zubehör zu vermiethen. _____________________Schloßgasse B. 3. 5101 Möbl- Zimmer zu vermiethen. ___________________________Bleichstraße 37. 4976 Ein möbl. Zimmer zu vermiethen. ______________________Bleichstraße C. 395- 4966 Ein schönes Mansardenlogis (Nordanlage), bestehend in 3 Zimmern und Küche, sofort zu vermiethen. __________________W. Seuling. 4655 Grünbergerstraße B. 1665 ist im Hintergebäude ein Logis an eine ruhige Familie zu vermiethen und am 7. Oktober zu beziehen. 4699 Ein möbl. Zimmer zu vermiethen. __ _Ludw. Orth, Neuen-Bäuen. 5190 Ein gut möbl. 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August statt._____________________________________________________5004 Bei der am Sonntag den 13. August in TroilC stattfindenden Kirchweihe findet Caroussel- Schiestbuden-Belnstiguug statt, wozu ergebend! einladet I H. Krämer. CH Wellersburg. Sonntag den 13. August 1882, von Nachmittags 4 Uhr an: SMT Tanzmusik wozu ergebenst einladet 5283 Fh. Weilet. Anstalt für Färberei und Reinigung __ — von Herren- und Damen- Garderoben, Sammeten, Möbelstoffen, Federn, Handschuhen re. Die Renten-KIebensverüchermigs Anstalt zuDarmstadl hat zu jeder Zeit Gelder sum Ausleihen gegen hypothekarische Sicherheit in größeren Beträgen verfügbar. 4420 Nachmittag Sterbehause, W> aus jmerzliche Mittheilung,!; Schwägerin Verwandten und Bekannten ß unsere liebe Gattin, Mutter, C Morgen 3 Uhr sanft entschlafen ist. Im stille Theilnahme bitten Die trauernden Hi ließen, den 9. August 1882. 5268 Gold. Broche mit Photographie vom Philosopheuwald nach dem Bahnhof am 9. ds- verloren. Abzugeben gegen Belohnung bei der Exped. ds. Bl.______ 5261 Bezüglich beabsichtigter Neu- Qnlagen, Erweiterungen und Aenderungen von Gas - Einrichtungen bitten wir uns behufs rechtzeitiger Ausführung baldmöglichst Mittheilung zu machen, da sich diese Arbeiten mit dem Vorschreiten der Jahreszeit anhäufen. Griessmier Gaswerk. 5276 Weißbinder-Gefellen gesucht von Wilhelm Seipp, Ludwigsplatz. 5279 Weißbindergefellerr und Handlanger auf sofort gesucht von K. Döpfer, Gartfeld. 5176 Zum 1. September findet ein gut empfohlenes Kindermädchen gesetzten Alters Stelle, desgleichen ein Zweitmädchen, welches waschen und bügeln kann. Näheres durch die Exped. ds. Bl. ausgenommen. Hebamme £1IIIv Bl Müssig, Mannheim. 4731 4? ♦ Unserem lieben Kameraden ch» G-eorg Hoasbach $ zu seinem morgen (13. August) statt- ♦ H findenden 25. Wiegenfest ein drei- ♦ fach donnerndes Hoch, daß ganz < ♦ Lützellinden wackelt und schallt bls zur Main-Weser-Bahn. 5274 H ♦ I. I.... F. F. 1 ♦»♦♦fr»»* ♦»♦♦♦♦♦♦♦* 5278 Ein Kindermädchen für Anfang September gesucht. Frau Louis Lony. 5277 Eine Dame wünscht einen zeitweiligen Aufenthalt in schöner Gegend. Möbl. Zimmer oder volle Pension. Adressen mit moderatem Preis unter Nr. 5277 an die Exped. ds- Bl. erbeten. Ankauf von Lumpen und Knochen, Papier, Akten. 3763 Louis Rothenberger, Neuenweg 194. Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch in Gießen.