Bäckerei er- tc treten bei 830-37, Meßmer >ie älteren oerden zu n gesucht- . ds. Bl. intr» stet ispruchsloses Familie zur zur Stühe wem? sagt pier, Eisen, ser, dlei, Illft von iteuemoeg 19T - auch früher aeaenwärtigen leit für KW icenstr^U- mit Lade» >er.ju°-r- s-s-rt be-, ähereö bti Bitt* >inb w * M ^WMch Oällllg , ne6ft TesS- ststsiir Kunde. nmluna findet mar, sondern wr, Abends statt. ie§ Nachtessen 286 I illft lisch, Mie- axw ehen durck die zshandlung Egen. - und Färb: W ist für ^Dn Mann ^gen Eintritt 5 flotter Per- nchekcnntnisse rüchen unter ’ ds. Bl. zu ilt •ISWegj. TBiinmer, lenem Cor- ’atI« fprter 6t; VmiHW uthen. leid 1149. lb.) „ Itilfr* Wie fleht es in Rußland aus? Obwohl seit der Danziger Kaiser-Zusammenkunft und der wiederum vollzogenen Annäherung Rußlands an Deutschland und Oesterreich das russische Reich schon vor längerer Zeit aus seiner isolirten und schmollenden Haltung herausgetreten und auf den besonderen Wunsch des maßvollen und friedliebenden Kaisers Alexander HI. ein getreuer und zuverlässiger Nachbar in der europäischen Staatenfamilie geworden ist, so betrachtet man in Europa die fernere Entwickelung der politischen Dinge ün Ezarenreiche doch immer noch mit argwöhnischen Äugen, und zwar mit guten Gründen. Wir constatiren allerdings ganz ausdrücklich, daß man in der Besonnenheit und Friedensliebe des Czaren Alexander HL einen festen Damm gegen die panflavistischen Evolutionen der in Rußland dominirenden Parteien der Altrussen und Pauslavisten erblicken muß, aber der Czar ist nicht nur allein sterblich, sondern er ist auch in Rußland nicht immer allmächtig und die gesauunte Zukunft Rußlands hängt nicht mehr vom Willen des Czaren, sondern dein Laufe ab, den die fort und sott gähren- den inneren russischen Zustände nehmen und in dleser Beziehung lieht es gar nicht besonders tröstlich aus. Daß der Nihilismus in Rußland nicht wüste Zer- störungswuth, sondern auch den fanatischen Kampf einiger unterdrückter Klassen gegen die russische Beamten-Corruption und das russische Regierungs-System bedeutet, darüber sind sich alle Polititer, sogar die einsichtigen Staatsmänner Rußlands, klar, denn man hat es ja neuerdings gesehen, daß die Nihilisten manchmal glimpflich behandelt werden, was offenbar nicht geschehen würde, wenn die russische Negierung in jedem Nihllisten einen wilden Zerstörungs- Fanatiker erblickte. Der Nihilismus ist daher wahrscheinlich weiter nichts, als die unter den drakonischen Verhältnissen Rußlands sehr wild, roh, verwegen und listig auftretende russische Oppositionspartei. Was diese Oppositionspartei erstrebt, liegt sehr nahe. Sie verlangt die Beseitigung der Beamten-Corruption und der Beamtenwillkür und Einführung einer Verfassung mit Volksvertretung und theilweiser Selbstregierung. Es gab nun eine Zeit, wo einige erleuchtete russische Staatsmänner in diesen Forderungen einen berechtigten Kern anerkannten und durch entgegenkommende allmälige Reformen den Revolutionären den Zündstoff entziehen und Rußland einem modernen Staats- und Cutturleben entgegenführen wollten. Diese Staatsmänner waren Graf Loris Melikoff, Graf Schu- waloff und Abasa. Aber wo sind diese wenigen Erleuchteten geblieben? Nach und nach fielen sie bei dem Kaiser in Ungnade oder wurden doch aus ihren Regierungsstellen verdrängt und zwar ohne jeden Zweifel deshalb, weil die Altrussen und Pauslavisten in Rußland leider übermächtig geworden sind und ihre frivolen und anmaßenden Führer, wie Jgnatieff, Aksakoff u. A. dem Czaren eingeredet haben, daß für Rußland alles Heil im Altrussenthum und Slavismus liege und der verderbliche Nihilismus mit seinen Nimmersatten Forderungen nur - ein Product der ausländischen, modernen Cultur sei. Es liegt ja ein Körnchen Wahrheit in diesen Behauptungen, denn wenn die Unterthanen des Czaren die Stockrussen geblieben wären, wie vor hundert und zweihundert Jahren, dann hätte sich in Rußland allerdings kein Nihilismus und keine Oppositionspartei entwickeln können. Aber wer hat denn die moderne europäische Cultur in Rußland eingeführt und Rußland dadurch zu einer Großmacht erhoben? War es nicht Peter der Große selbst, der da einsah, daß das Altrussenthum, werter nichts war, als die alte asiatische Barbarei und daß diese seinen Russen mit Gewalt ausgetrieben rverden müsse? Der Barbar ist nun den Russen jo ziemlich ausgetrieben, aber den modernen Culturmenschen läßt das corrumpirte, der Willkürherrschaft ergebene russische Beamtenthum nicht fertig werden. Weil sich aber Mßland weder durch die Künste eines Jgnatieff besänftigen, noch durch den reaktionären Fanatismus der Allrussenpartei in die Zustände früherer Jahrhunderte Druckschrauben läßt, so ergiebt sich daraus für Rußland em aufreibender Kampf der unvermittelten Gegenjätze, der im Stillen fortwuthet und es auch an gewaltsamen Ausbrüchen nach Innen wie nach Außen früher oder- später nicht fehlen lassen wird, wenn der Czar Alexander sich nicht mit Rathgebern urngiebt, die unbedingt für Rußland geboten find. Freilich erscheint die friedliche Durchführung von Reformen in Rußland vollständig unmöglich, denn die Beamten-Corruption ist in diesem Lande so tief eingefresfen und dabei die Macht dieser Beamten doch noch so groß, daß wir keine friedlichen Mittel kennen, die im Stande wären, jene verrotteten und ungetreuen Diener des russischen Staates zu beseitigen. Deutschland. m. Darmstadt, 10. Januar. Das Berathungsmaterial, welches der demnächst zusammentretenden zweiten Kammer bereits vorliegt, ist ein ziemlich umfangreiches. Hauptgkgcnstand der Berathung wird naturgemäß vorerst das StaatsBudget für die Finanzperiode 1882/85 und der damit im Zusammenhang stehende Entwurf des Finanzgesetzes bilden. Weiter hat die Regierung bis jetzt fünf Gesetzesentwürfe vorgttcgt. Dieselben betreffen die Bildung von Provinzialfonds für den Neubau von Kreisstraßen, die Ausführung des deutschen Genchtskostengesetzes und der deutschen Gebührenordnung für Gerichtsvollzieher und fti- Zeugen und Sachverständige, die Enteignung von G'.undeigenthum, die Hinterlegung von Depositen und Eaut'onen und von Proatkapitatten bet der Hauptstaatskasse und die Gewann- und Parzellenvermessung. Eine weitere Vorlage der-Regierung bezw.ckt die Erhöhung der Pensionen der Wittwen und Waisen der Volksschullehrer für die > ächsten drei Jahre. Bis jetzt wurde ein Initiativantrag eingebracht und zwar von den Abgg. Schröder und Genossen Derselbe geht auf Aufhebung des Gesetzes vom 3. Mai 1858, die Bildung der Ortsoorstände betreffend, und des Abs. 2 des Art. 1 des Gesetzes vom 22. November 1872. die Mitwirkung der Forensen bei der Festsetzung des Gemeindevoranschlags betreffend. Die Zahl der von einzelnen Abgeordneten gestellten Anträge beträgt bis jetzt 17. Es sind der Reihenfolge der Einbringung nach die folgenden: Antrag Metz, die Abänderung d s Gesetzes vom 8. November 1872 über die Zusammensetzung der beiden Kammern der Stände und die Wahlen der Abgeordneten betreffend; Antrag Wasserburg und Genossen auf Abänderung der Gesetzgebung bezüglich der Wahlen der Abgeordneten zur zweiten Kammer der Stände; Antrag Schröder, das Civildiener-Wittweninstitut betreffend; Antrag v. Rabenau. Herabsetzung des Jm- mobiliar- und Hypothekenstempels betreffend; Antrag D'ltmar auf Errichtung einer Beschälftation zu Butzbach; Antrag Betz, die Unterhaltung des Gymnasialgebäudes m Mainz und der dazu gehörigen Häuser betreffend; Antrag Ellenberger, und Genossen auf Regulirung und Eindämmung der N'dder und Nidda; Antrag Osann,auf Uebernahme der durch die Dammbau. und S.Neußenanlagen den Gemeinden Trebur und Astbeim entstandenen Kosten durch den Staat; Antrag Haas, Förderung der Bodenmelioration betreffend; Antrag Haas un- Schröder auf Aufbesserung der Pensionen der Wittwen, bezw. hinterlassener pensior.sberecht'gter Kinder der Volksschullehrer; Antrag Kugler unh Böhm zum Hanptvoranschlag, Territorial-, Fluß und Dammbau betr.; Antrag Dittmar auf Ertheilung von Pensionen und Unterstützungen an Gemeindeforstwarte und deren Hinterbliebenen; Antrag Wasserburg auf Einführung von Wahlcouverten; Antrag v. Rabenau, die Landescutturgesetzgebung im Großberzog- thum betreffend; Antrag Kugler auf alsbaldige E nführung des Secundärbetriebs bei den Oberhessischen Bahnen; Antrag Frank und Genossen auf Vorlage eines auf Aufhebung der Art. 16, 17 und 23 des Schulgesetzes «der obligatorischen Fortbildungsschule) gerichteten Gesetzesentwurfs und endlich Antrag Dittmar auf Regulirung der Ufa. An Interpellationen sind bis jetzt fünf eingereicht worden, und zwar von dem Abg. Haas in Betreff der Landesculturgesetze, von dem Abg. Metz in Betreff der Regulirung des Rheirstroms, von dem Abg. Wasserburg bezüglich der Handhabung der Sonntagsfeier, von dem Abg. Scriba bezüglich des Gesetzes über den Bau und die Unterhaltuna der Kunststraßen und von dem Abg. Schröder wegen Vorlage eines Gesetzes, die Benutzung und Instandhaltung der Gewässer (Wasserrechts-Gesctz) betreffend. — Zu diesen Gegenständen kommen noch die dem dritten Ausschuß obliegende Prüfung der Wahlen, sowie ein'ge Petttionen Der Gesetzgebungsausschuß der 2. Kammer tritt am 13. d. M zusamm n, um zunächst den von dem Abg. Arnold entworfenen Bericht über den Gesetzesentwurf, die Enteignuna von Grundeigenthum betr ffend, zu beratben. Berlin, 9. Januar. Das Kriegsministerium hat zur Sicherstellung einer schnellen und genauen Ausführung der Trinkwasser-Untersuchung im Felde unterm 2. v. Mts. angeordnet, daß die einjährig-freiwilligen Pharmaceuten in der Handhabung des in Rede stehenden Verfahrens geübt und dessen genaue Kenntniß in Theorie und Praxis mit zum Gegenstands der Prüfung für die Qualification zum Oberapotheker gemacht werde. So muß fortan jeder einjährigfreiwillige Pharmaceut vierteljährlich durchschnittlich mindestens zehn solcher Un- tersuchungen im Verlaufe seiner Dienstzeit ausführen. Zuerst dienen als Unter- suchungsobjecte Mischungen aus destillirten und den für die Trinkwasser-Analyfe in Frage kommenden Substanzen, dann folgt die Untersuchung natürlicher Wasser aus Brunnen und Wasserläufen. Bei der Prüstmg zum Oberapotheker sind Wasserproben in Gegenwart des Chefarztes zu untersuchen, das Verfahien zu erläutern und die Fragen über Bereitung und Prüfung der Reagentien zu beantworten. , t <<._ — Da die Socialdemokraten befürchten, ihr Antrag auf Aufhe umg Ausnahmegesetze werde nicht mehr zur Berathung im^Plenumkotlinien, s ' sichtigen sie, diesen Antrag als Amendement zum Windthorst fchen — Aus den heutigen Mittheilungen der „Nordd. Allg. Ä^^^'^rung Vorlage des Tabaksmonopols bestätigt sich Zunächst, ^6 Landtags- nach wie vor daran festhalte, den Reichstag sesjion zu einer Frühjahrssession einzuberufen. ^es Erhöhung der der Thatsache, daß von der Annahme des Monopols, üe Ausjetzigen Gewichtssteuer für Tabak und der ^steu^ru nn hie Com- Hebung her Klaffensteuer unb Ne preußischen Landtage nicht nmiialverbande abhängig gemacht st « -l,,.,>rresorm-Vorlage zugehen werde. So« di- ««te-iti« «W“*Sliter’k, Uk» - g. Miinch.» m* «,» »-», in. und der ultramontanen Ma arttn i es g - ^Ealen sogar den toWuSw UÄA« d« »ei.« «■ -n« 1« «W.A M. 1882. Donnerftalz den 12. Januar Nr IO. nznger tc euer Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Burean: Schulstraße B. 18. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohu. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Bekanntmachung. Abgesehen von sehr dringenden Fällen und selbstverständlich'von Vorladungen sind die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei unseren Gerichtsschreibereien können Mittwochs nnd Samstags, Vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, an den ubngen Wochentagen Nachunttag» zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden. , Gießen, den ti. Januar 1882. Großherzogüches Amtsgericht Gießen. ♦ Langsdorfs. Zv bewilligen, sondern ganz zu streichen, — wenn nicht vorher Friede geschlossen (b. h. in der Simultanschul-Frage nachgegeben) und insbesondere Professor Dr. Friedrich in München von der theologischen auf die philosophische Fakultät übernommen, Dr. Rittler aber zum Professor der Kirchengeschichte an der Universität München ernannt werde (was nahe bevorstehen soll). Zum Ziele werden die Herren schwerlich kommen, hinter Herrn v. Lutz steht König Ludwig. Karlsruhe, 9. Januar. Durch Großh. Entschließung wird der Finanzminister beauftragt, den Ständen eine Vorlage über Erbauung einer Eisenbahn von Freiburg durchs Höllenthal nach Neustadt zu machen. Die Bahn soll als eingeleisige Normalspurbahn gebaut werden, der Bau geschieht aus Staatskosten unter der Voraussetzung, daß das Terrain unentgeltlich hergegeben wird und die Interessenten einen Zuschuß von 500,000 Jl. leisten. Durch die Anlage der Bahn ist ein sehnlicher Wunsch der Schwarzwald-Bevölkerung erfüllt. Deutscher Reichstag. 21. Sitzung vom 10. Januar. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um U/r Uhr. Am Bundesrathstische: c. Bötticher. Eingegangen i|l eine Zusammenstellung des Wahlergebnisses des Jahres 1881. Tagesordnung: 1) Erste und zweite Beratdang des Beschlusses des Bundesraths, betreffend die Ausnahme der Kalifabriken und Anstalten zum Jmprägniren von Holz und erhitzten Theerölen. Die Vorlage wird debattenlos genehmigt. 2) Mündlicher Bericht der Geschäftsordnungs-Commission über das Schreiben des Reichskanzlers vom 1. December 1881 wegen Ertheilung der Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung eines tm 2. mlltelsränkischen Wahlbezirke beschlagnahmten, m der Schweiz gedruckten Wahlflugblattes. Die Commission beantragt, die Ermächtigung nicht zu ertheilen. Referent Abg. Schroder (Wittenberg) empfiehlt die Annahme dieses Antrags. Abg. Richter (Hagen) bittet, den Reichstag, bezw. die Geschästsordnungs Commission mit dergleichen Anträgen zu verschonen, um so mehr, als offenbar bei der Auswahl der Blätter, gegen welche Strafanträge gestellt würden, tendenziös verfuhren werde. Die „N. A Ztg." habe beispielsweise noch gestern von der unersätllichen Begier des Reichstags, die Wahlen zu discutiren, gesprochen, wie denn fast täglich in regierungsfreundlichen Blättern Beleidigungen gegen den Reichstag enthalten seien. Der Herr Reichskanzler möge zunächst dafür Sorge tragen, daß die von ihm abhängigen Organe sich eines angemeffeneren Tones befleißigen. Staatssecretär v. Bötticher weift mit großer Entschiedenheit die Behauptung zurück, daß bei der strafrecht ichen Verfolgung wegen Beleidigung des Reichstags tendenziös verfahren werde. Es werde bei dergleichen Anträgen rein sachlich verfahren. Abg. Richter (Hagen): Es sei jedenfalls sonderbar, daß die Staatsanwaltschaft niemals Beleidigtingen von socialistischen Organen übersehe, während unter ihren Augen von anderen, der Regierung nahestehenden Blättern fortwährend Beleidigungen gegen den Reichstag ungeftrart verübt werden. Die Herren Staatsanwälte müssen danach mangelhaft mftruiu sein über das, was sie zu thun haben. Im Uebrigen erkläre er, daß der Reichstag von diesen Blättern gar nicht beleidigt werden könne, aber wiederholen müsse er, daß während der Wahlen am meisten in dieser Beziehung die officiöse Presse gesündigt hat. Staatssecretär v. Bötticher: Wenn nach der Auffassung des Vorredners der Reichstag nicht beleidigt werden könne, dann müßte doch gerade das Verfahren der Berliner Staatsanwaltschaft den Wünschen des Vorredners entsprechen. Abg. Dr Brause bringt einen Fall zur Sprache, welcher zeigen solle, daß die Staatsanwaltschaft allerdings tendenziös verfahren. Er sei von einem socmldemo- kratischen Blatte in seiner Eigenschaft als Abgeordneter beleidigt worden. Der Staatsanwalt habe ihm hiervon Mittheilung gemacht mit der Aufforderung, den Strafantrag zu stellen. Er sei hierzu bereit gewesen unter der Bedingung, daß der Staatsanwalt zugleich die Anklage erhebe gegen ein officiöses Blatt, das sich eines gieren Vergehens gegen ihn habe zu Schulden kommen lassen, wenn es auch von anderen Gesichtspunkten dabei ausgegangen sei. Darauf habe er feine Antwort erhalten. (Heiterkeit) Abg. Dr. Saro bemerkt dem Vorredner, daß er Unrecht habe, der Staatsanwaltschaft daraus einen Vorwurf zu machen. Die Staatsanwalischaft könne nicht bedingungsweise Anklage erheben. Abg. Richter (Hagen) bringt die Stöckerfälle zur Sprache. Hier habe sich die Staatsanwaltschaft des Herrn Stöcker in seiner Eigenschaft als Abgeordneter angenommen, während es noch nicht Dorg-’fommen sei, daß sie sich auch eines beleidigten liberalen Abgeordneten angenommen habe. Staatssecretair v. Bötticher: Er sei nicht in der Lage, auf den speziellen Fall zu antworten. Er bestreite ober prmcipiell, daß Willkür geübt werde und daß Willkür befohlen sei. Abg. Dr. Lasker: Streiten sei ungemein leicht, aber für Jeden, der den Gang der Dinge verfolgt, bedürfe es keines Beweises dafür, daß die Justiz insoweit sie bei der Staatsanwaltschaft geübt wird, mit Rücksicht auf die Parteistellung gehandhabt werde. Redner verweist auf den bekannten Fall Bennigsen-Förder, wo die Verwaltung sogar m den ordentlichen Gang der Justiz eingegriffen habe. (Ruf: Rechtsstaat!) Abg. Saro weist seinerseits jedes tendenziöse Verfahren der Staatsanwaltschaft zurück Die Strafanträge gingen von den Königlichen Behörden aus und :s müßte denselben Folge gegeben werden. Abg Richter (Hagen) erinnert an den Fall Meyer-Pindter. Ersterer sei von dem Redacteur der „Nord. Allg. Ztg." aufs Schwerste beledigt worden, ohne, daß der Staatsanwalt Veranlassung genommen hätte, gegen Herrn Pindter die Anklage zu erheben. Auch die Beschwerde bei der Oberstaalsanwaltschaft sei in diesem Falle nutzlos gewesen. Unsere Staatsanwälte seien zu politischen Instrumenten geworden, d.e der Regierung zur Verfügung ständen. Die Regierung mache bei den Strafverfolgungen allerdings politische Interessen geltend. Abg. Frhr. v. Minnigerode: Er müsse es als ungeeignet bezeichnen, wenn die parlamentarische Redefreiheit dazu benutzt werde, hochgestellte Beamte in dieser Weise zu beleidigen. Er proteftire gegen ein derartiges Verfahren. Ab .Richter (Hagen): Herr v. Minnigerode sei noch nicht Präsident dieses Hauses, um die Redefreiheit zu überwachen. Dazu märe erst ein Staatsstreich erforderlich Wenn hochgestellte Beamte sich solche Dinge zu Schulden kommen lassen, so sei es gerade das Recht diesis Hauses, solche Beamte vor sein Forum zu ziehen und öffentlich zu zeigen, wie weit wir noch vom Rechtsstaat entfernt sind Abg v. Minnigerode dankt dem Vorredner für die Belehrung, daß man erst Präsident sein müsse, um gegen sachliche Ausschreitungen Protest zu erheben. Die Discussion wird geschlossen und der Antrag der Commission genehmigt. 3) Fortsetzung der Beralhung über die Interpellation des Abg. Frhr. v. Hertling betreffend bte weitere Ausbildung der Fabrikgesetzgebung. Abg. Ebert lkons.) hebt die segensreiche Thätipkeit der Fabrikinspectoren hervor, deren Geschästskrets er zu erweitern wünscht, um die Zahl der Unfälle nach Möglichkeit zu vermindern. (Redner ist auf der Tribüne im Zusammenhänge schwer verständlich.) Abg. Grillenberger (sozialdem.) begrüßt einzelne Forderungen des Interpellanten mit Freude. Wegen des Normalarbeitstages habe er allerdings Bedenken, wenn überhaupt, so sei nur ein zehnstündiger Arbeitstag möglich und durchführbar. Die Beseitigung der Frauenarbeit sei eine unabweisliche Pflicht des Staates, namentlich in Bergwerken und ähnlichen Instituten. Redner wünscht, daß die Fabrikinspektoren in weniger freundlichen Verhältnissen zu den Fabrikanten, wie z. B in Bayern und Sachsen ständen Der Abg. Lasker habe in einer Wählerversammlung Jeden für einen Friedensbrecher erklärt der sich gegen seinen berühmten § 4 des Haftpflichtgesetzes aufs lehne; und jei’t bringen die Liberalen selbst ein resormirtes Hastpflichtgesetz ein. Redner wendet sich ferner gegen Herrn Richter, der gewissermaßen als Trumps ausgespielt habe, daß die Heimath des Manchesterthumes England, die Wiege der Gesetzgebung zum Schutze der Arbeite'- fei. Diese Gesetzgebung hätten aber die Arbeiter dem Parlamente abgezwungen. Die Liberalen haben also keine Veranlassung, sich auf England $u berufen. Wenn wir im Großen und Ganzen mit den Forderungen der Interpellation einverstanden sind, so geschieht dies, weil wir unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit Abschlagszadlungen zufrieden sind, nicht aber um auch nur ein Iota öoit unseren Endzielen aufzugeben. Abg Stöcker stimmt dem Vorredner darin zu, daß eine internationale Regelung der Arbeiterverhältnisse erwünscht fein würde, da feiner Meinung nach die Zeit der Handelsverträge vorüber fei. Der Minister Stein habe sich auch, in früherer Zeit, der Neuerungsfucht auf agrarischem Gebiete entgegengesetzt. Redner verlieft längere Citate, nach welchen Stein dieselben Schlußfolgerungen aus einer liberalen Gesetzgebung gezogen habe, wie er und feine Freunde. Es fei ein größerer Gegensatz gar nicht denkbar, wie die Ziele der Fortschrittspartei und die Sein'sche Politik Der Reichskanzler dürfe sich durch den Ausfall der Wahlen nicht fo entmutigen lassen, da dieser Ausfall durch Entstellung der Wahrheit herdeigeführt fei. Die Ausführungen des Vorredners thäten schon dar, daß die Arbeiter mehr den Reformversuchen des Reichskanzlers, als der Unftuchtbarkeit des Manchesterthums zugethan seien. Das Programm Richters stelle die Unsicherheit der Arbeiter dar. Das Chiistenthum müsse sich auch im socialen Leben geltend machen. Die englische Gesetzgebung ist mcht, wie Richter meint, aus der Manchesterweisheit hervorgegangen, sondern ein Product vieler Kämpfe, wie Gnllen- berger sehr richtig bemerkt. Der Erfolg der englischen Fabrikgesetzgebung ist namentlich auch dem Hervortreten zu danken, der ja auch bei uns durch den Staatssocialismus Geltung erlangen soll. Aus die specüllen Punkte der Interpellation übergehend, spricht sich Redner für unbedingte Sonntagsruhe als Gebot des christlichen Staates aus. Auch gegen die Frauenarbeit erklärt sich Redner, da ein gesundes Familienleben die Vorbedingung eines gesunden christlichen Staatslebens sei. Er wünscht daher unbedingtes Verbot der Arbeit jugendlicher Frauen, das auch auf die Kinderarbeit aus- a^dehnt werden müßte. Die Frage des Normalarbeitstages müsse innerhalb der ko po-ativen Verbände bei der Schwierigkeit, das Ideal mit der Wirkl-chkeit in Verbindung zu bringen, entschieden werden. Redner wünscht zum Schluß Namens seiner Fraction, daß die Fabrikgesetzgebung auf die Werkstätten und die Hausindustrie ausgedehnt werbe. Dann werden auch die socialen Reformen Früchte tragen. (Betfall rechts.) Abg. Dr. Lasker. Der Vorredner habe ein klassisches Beispiel dafür geliefert, wohin es fuhrt, wenn man die Person des Kaisers in die perlamentarische Discussion zieht. Der Vorredner hat Gesetze als falscher Richtung bezeichnet, die noch geltend sind, und die Unterschrift des Kaisers tragen. Es muß große Verwirrung anrichten, wenn solche Verfahren als conservativ geschildert werben. Der Vorredner hat ferner für sich unb seine Partei, die Stein-Harbenberg'sche Gesetzgebung in Anspruch genommen und durch Zusammenwerfen verschiedener Citate zu stützen gesucht. Es weiß aber jeder Kenner unserer Geschichte, daß Stein eine liberal-reformatorisch- unb eine reactionäre- unsruchtbare Periode gehabt hat, wie ja auch heute noch manche große Männer, deren Leben ui ^wn gesonderte Abschnitte fällt. Wie ein geschickter Taschenspieler bemächtigt sich nun der Vorredner der reactionären Periode Stein's um gegen die liberale Ge- setzgebung anzukämpfen. Dem Reichskanzler ist ein Gefallen durch Ablehnung des Un- fallverstchernngsgesetzes geschehen, von dessen Unfruchtbarkeit er sich schon in der vor- jabrigen Debatte überzeugt hatte. Der Reichskanzler hat die Linke als Vertreter de« Tftertbiim3, des verkörperten Egoismus gegenüber der durch ihn verkörperten Menschenliebe und Selbstlosigkeit verkörpert. Mit solchen Verdächtigungen kann man 'ucht zur Verständigung kommen. Thatsächlich ist, baß bis zum Jahre 1878 mehr ge- »•i r cen m00? ^r jetzigen Majorität. Die Gewerbeorbnung, die Freizügig- keit, selbst ber. erste Versuch bes Haftpflichtgesetzes sind Produkte positiver Thätigkeit und stellen kein Zerstoningswerk bar. Auch die geltende Fabrikgesetzgebung ist ein Werk der Liberalen unb wir erörtern heute nur die Frage, wie diese Gesetzgebung fort- ontwickelt werben soll. Wenn al)o Alles, was von 1867 bis 1878 geschaffen worben, den Liberalen zugeschrieben wirb, so geben Sie uns einen Ehrentitel in der Geschichte Deutschlands. Der Reichskanzler hat um den kleinen sachlichen Kern der Interpellation einen politisch-sozialen Nebel gehüllt. Er hat sich darüber gewundert, daß die Arbeiter mehr den Sezeistomsten und Fortschrittlern trauen, als der Regierung. Sollte er dafür barm einen Grund entdecken können, daß die Lasten auf die Schultern der Unbemittelten zum größten Theil gewalzt werden. Auch in dem Zurückdrängen der politischen Freiheiten, welche selbst die Sozialdemokratie nicht für jein Linsengericht verkauft, liegt ein fernerer Grund. _ Es wurde auch den Arbeitern klar, daß die Sozialpolitik des Reichs- ^uzlers mcht auf Bereicherung, sondern auf Herabdrückung des Arbeiters hinausläuft. er Reichskanzler hat neuerdings eine Schwenkung gemacht, und erwartet alles Heil von den korporativen Verbänden. Hat aber einer von denen, die auch diesem neuen Evangelium Hostanna zurufen, wie so eben Herr Stöcker, eine Vorstellung von dem, rvas sich der Reichskanzler darunter denkt? In den Gewerkvereinen sind diese Verbände schon gegeben, wahrend Sre mit den Feuer spielen und mit dein unmittelbaren Ein- greifen des Staates durch Staatszuschuß die gefährlichsten Folgen heranfbeschwören. Rur weil wir die Plane für unausführbar halten, welche dem Versprechen des Kanz- lers zu Grunde liegen, machen wir Opposition. Deshalb sollte man die Liberalen nicht tadeln da sie doch nur unfruchtbaren und schädlichen Gesetzen Widerstand leisten v- Schorlenrer-Alft will an dem Grundsatz festhalten, daß in die Discussion dw Person des Karfers nicht hineingezogen werden dürfe, aber eben deshalb burre cr dic Ge>etzgcbung dcr letzten zehn Jahre als schlecht und verfehlt d-zeichnen. £n6(?„ibte ?'beralen das Wohl des Volkes etwa durch die Wucherlreiheit und durch den Cultmlantpf befördert ; Wenn aber auch die lieberalc Partei mehr zerstörend als positiv aufbancnd gewirkt, so erkenne er doch an, daß auch vom Fürsten Bismarck und den Conservatwen wenig geleistet worden ist. Die konservative Partei war dazu ,u wenig selbstständig. Gegen Richter bemerkt Redner, daß der Kornzoll den Arbeitern nichts vertheuert habe. Der Reichskanzler hat gestern allerdings, wie ich zugcbc sich selbst verleugnet und gegen den Interpellanten mit Gründen dcr Manchesterpartei polemisirt Ich freue mich daß der Kanzler wenigstens für nächstes Jahr eine Vorlage zur Vcr- besf-iumg der Arbeiterverhältnisse zugesagt hat. Di-Berussstatistik, w-Nder Kanller keit Sfßi Wt96 om. fS!?Icn ,^wrm bezeichnet, wird in dcr Commission nach Möglich- keit «-fordert. Die ^nteipellation wird schon werthvoll durch die Erklärung, daß die K-n-lers^^08 Verbände basiren müssen. Die Anscharrung des hn, , -Wablcrgebmß halte ich für zu pessimistisch, weil die Wähler sich Hauptfach ich gegen den fetzt aufgcgebeneii Staatssozialismus, gegen die Anpreisiing P ral6 Patrimonium dcr Enterbten aussprechen wollte,i. Man wurde viel weiter kommen, wenn die sozialen und wirthschaftlichen Fragen von «in würden. Die Vorliebe des Kanzlers und der Konservativen -ntfpräng durch den Gedanken, daß immer di- eiserne Hand des Kanzlers darüber walten wurde. Es würde Ihnen /zur Rechten) weniger gefallen En bie Lertung den Sezessioniften,,den affcin nfä 1° W? aur bem Standpunkt des Interpellanten, er wolle sie nnaÄÄ Ömb?-Mr010? UÄlb bcr Sittlichkeit betrachtet wissen. Redner geht tHJJle ^r Grubenarbeiter ein uno wünscht, daß man in den 1 bhort, erst dann werde man volle Wahrheit hören. Die Klagen ßiirf fnirV/?? i blCk CI Ein der Grund zur Unzufriedenheit. Der je^ge Slugen: fnJft r,er?e}L' kUm c/ne konservativ - christliche Gesetzgebung zu schaffen SamiMft J^rflicfje Wort hören : zu spät. (Beifall 'im Centrum.) ^init ist der Gegenstand erledigt. Windthorst et$lln0 ^"woch H Uhr. Tages-Ordn.: Kleinere Vorlagen. Antrag Schluß öy4 Uhr. Telegraphische Depeschen. Wolff's telegr. Correspondenz-Bureau. . . Berlin, 10 Januar. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge circulirt hier auf oen Orlaß des Kaisers vom Sonnabend eine Dankadresse, welche sich mit zahlreichen Unterschriften bedeckt. .... —I. Kopp von Fulda ist heute früh hier eingetroffen. — Die Com- nnfston für die Vorlage, betr. die Bernfsstatistik, hat die zweite Lesung beendigt und befchlofjen, die Viehzählung aus der jetzigen Erhebung zu streichen. Auf Antrag des Abg. Franz^ wurde die Resolution angenommen, daß bei der Zählung dre von der Landwirthschaft benutzte Bodenfläche festzustellen sei, ferner in Be- nehmen, ob für eigenen Consum, ob direct für Consumenten oder für Fabriken und Magazine die Production stattfindet. — Der „Reichs-Anz." publicirt eine Bekanntmachung des Ministers des Innern, wonach die Eröffnung des Landtages morgen Mittag um 12 Uhr stattfindet. München, 10. Januar. Die Kammer der Abgeordneten berieth heute über die Anträge Lerzer's (klerikal) auf Minderung der Militär-Ausgaben und auf spätere Anberaumung der Zeit für die jährliche Hauptübung der bayerischen Truppen. Zu ersterem Anträge lag ein Modifications-Antrag Frankenberger's auf Einschaltung der Worte „soweit dies ohne Schädigung der Reichswehrkraft und der Schlagfertigkeit des Heeres geschehen kann" vor. Rach längerer Debatte wurde der Antrag Frankenberger's abgelehnt und wurden die Anträge Lerzer's angenommen. Der Kriegsminister hatte erklärt, auch die Regierung wünsche eine Herabminderung der Militärlast, müsse aber ihre Verpflichtung gegen das Reich getreulich erfüllen und dieses lege nicht ohne Grund Opfer auf. Auch in Betreff der Zeit für die Hauptübungen des Militärs sei Bayern an eine übereinstimmende Handhabung gehalten. Pari-, 10. Januar. Senat. Der Alterspräsident Gauthier eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er sagte, daß eine Revision der Verfassung des Landes unnöthig werde, da die Senatswahlen am Sonntag eine Vermehrung der republikanischen Majorität ergeben hätten, die geneigt wäre, alle dem Lande nützlichen Reformen zu bewMgen. Der Redner erinnerte an bie Aeußerungen Gambetta's in Lahors gegen einen beschleunigten Zufam- mentritt der Kammern und sagte, daß die Wahrheit dieser Worte auch heute noch gelte. Der Senat vertagte sich darauf bis Sonnabend. In der Deputirtenkammer wurde Brisson zum Präsidenten wiedergewählt; die Wahl der Vicepräsidenten wird am Donnerstag stattfinden. London, 10. Januar. In einer Höhle in der Nähe von Kork wurden von der Polizei 30 Snidergewehre, 800 scharfe Patronen und 300 Dynamitpatronen entdeckt. — Das conservative Mitglied des Unterhauses, Hölker, ist zum Lord-Richter des Appellhofs ernannt worden. Kork, 10. Januar. Der am 29. v. Mts. verhaftete, unter dem Namen Kapitän Moonlight bekannte Connell hat Geständnisse gemacht; in Folge deren wurde gestern in Millstreet eine aus 12 Personen bestehende Bande verhaftet, welche die in jüngster Zeit in der Umgegend ausgeführten gewaltthätigen Handlungen verübt haben soll. New-Aork, 10. Januar. In den Hauptstädten der Vereinigten Staaten breitet sich die Pocken-Epidemie in beunruhigender Weise aus. Lokales. Gießen, 11. Januar. ^Sterblichkeit in Gießen.) Die Zahl der während der Woche vom 1.—7. Januar in hiesiger Stadt vorgekommenen Todesfälle belief sich im Ganzen auf 7. Es wurden betroffen 2 Kinder und 5 erwachsene Personen Von den letzteren starben 2 an Schlagfluß des Gehirns, eine an Lungenentzündung, eine an Lungenschwindsucht, eine an Leberentartung. Die Kinder, unter welchen ein von auswärts hierher gebrachtes sich befand, hatten be de das 5. Lebensjahr noch nicht erreicht und erlagen der Diphtherie. G. Gießen, 11. Januar. Der Laternenstürmer, welcher in der Neujahrsnacht verschiedene Laternen in der LudwigssNaß: zertrümmerte, wurde gestern ermittelt und zur Anzeige gebracht. — Gestern wurde dahier ein Mann (Taglöhner) wegen Vergehens^gegm den 8 173 des R -St.-G. verhaftet. B e r m i f 4 t H. Januar war das Einhetzen der Zimmer nicht mehr erforderlich; 1659 gab es keinen Schnee und Frost, 1617, f619, 1607 keinen Winter, lo88, 1582 waren d'e Bäume tm grün, 1538 standen im Dezember und Januar die Gärten im Blüthenschmuck 1241 blühten die Baume im März und im Mai gab es reife Kirschen 1289 gab eß feinen Winter und zu Weihnachten schon Veilchen, 1712 warm im Winter die Bäume neu belaubt ~ I" Berlin verzehrten während der Festtage viele Familien Geflügel, welches drei Wochen vorher den Sand der Ebenen von Illinois oder Kansas aufgescharrt hatte. In vorigem Jahre wurden nämlich, wie die „Volks Zeitung" erzählt im Westen Amerikas Prairie-Hühner in so großer Zahl geschossen, daß vnle Amerikaner ihren Freunden m Deutschland aus der reichen Jagdbeute ein Festgeschenk machten. Die im Westen geschossenen Hühner kämm 24 oder 30 Stunden nach dem Schuß in New-York an, wurden dann ungerupft und ungesäubert in den großen Eisschrank eines Lloyddampfers gelegt und langten 11 oder 12 Tage später so frisch und wohlbehalten in Berlin an, als seien sie am Tage vorher erlegt worden. Das Eis ist ein herrlicher Conservator und bei der schnellen Ueberwindung von Zeit und Raum, bei der Gemeinsamkeit der Interessen aller Völker wird es bald den Bewohnern der großen Städte Europas nicht mehr Schwierigkeiten und Kosten verursachen, kalifornische Tafeltrauben zu verzehren als italienische, Prairiehühuer aus den fernsten Districtm Amerikas als russische Schneehühner, frische Lachse aus Japan als solche aus Bergen und Hammelskoteletten aus Australien als solche aus Posen, — sofern die Zollbehörde nichts dagegen hat. Moskau, 2. Januar. In Rußland sind Bankdiebstähle gegenwärtig etwas so Gewöhnliches, daß weiter nicht viel Aufhebens darüber gemacht wird. Wenn ein Beamter die Bank um eine bedeutende Summe bestiehlt, so hat man sogar ein neues Wort für Diebstahl erfunden, es heißt nicht. Herr Soundso habe gestohlen, sondern er habe „Bankgelder verausgabt". Fast jede Zeitung bringt Nachrichten über einen neuen Bankdnbstahl; wir erwähnen hier nur dm Diebstahl in der sibirischen Bank, in der von Tscheboksara. im Gouvernement Kasan, und endlich den neuerdings entdeckten in der Rigaer Discontobank, deren Verwalter im Einverständniß mit dem Buchhalter mtt den in der Bank niedergelegten Procentpapieren an der Börse speculirt und gegm 90.000 Rubel auf diese Wäse angebracht haben soll. Ein noch viel größerer Unterschleif ist neuerdings in der Zollverwaltung von Taganrog aufgedeckt worden. Die von dem Finanzm'.nifter mit der Untersuchung beauftragte Commission hat in der genannten Zollverwaltung eine Defraudation entdeckt, welche in die.Millionen geht Es handelt sich hier um den Eingang unverzollter Waarm, mithin im eigentlichen Sinne des Wortes um systematisch betriebene Contrebande, an welcher sich sämmtliche Zollbeamte vom Verwalter des Zolls bis zum letzten Packhausbeamten betheiligt haben Vorderhand hat sich der Betrug um eine Summe von 400,000 R. herausgestellt. Der Verwalter Nikitenko. der Zollbeisitzer Tschule. der Schiffsaufseher Rusowlew und noch vier andere Zollbeamte sind suspendüt, der einzige Rentmeister des Zollamts, Apostolow «st auf seiner Stelle verblieben. Noch ist die Sache dem Procurator nicht zur Untersuchung übergeben, die Börse ist geschlossen, vor den Magazinen stehen Schildwachen. — Die Commissionen, welche im Rayon.des Generalgouvernements von Odessa zur Berathung über die Jud nfrage berufen worden, haben ihre Arbeit beendigt. Als Er- gebnch wird, wie anders nicht zu erwarten war, die Ansicht ausgesprochen, daß die russische Bevölkerung von den Juden thatsächlich ausgesogen wird. Die Commissionen dringen daher darauf, daß den Juden der Handel mit Spirituosen verboten werde; ferner soll fein Jude das Recht haben, Land zu pachten oder käuflich zu erwerben; die Chersoner Commission verlangt sogar, den Juden solle ohne besondere Erlaubniß nicht gestattet werden, in Dörfern zu leben. Wie sollen denn die Juden den Schacher aufgeben und Ackerbauer werden? Kirchliche Antigen der evang. Gemeinde Gießen. Donnerstag den 12. Januar: Im Gymnasium Misfionsstunde. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann (Das Christenthum unter den gebildeten Hindus in Ostindien.) — Erfahrene Waldhüter wollen aus dem Stande bei gegenwärtigen Waldpflanzen daraus schließen, daß wir den >o milden Winter auch fernerhin behalten werden. Das wäre für manche Geschäfte schlimm, für die Armen gut und gar vorteilhaft für manches Wachsthum. so besonders für die Wünrebe, die voriges Jahr sehr viel gelitten. Nach Aufzeichnungen waren 1834 und 1846 gelinde und milde Winter, 1807 gab es saft gar keinen Winter, 1792 blühten im Februar fast sämmtliche Bäume, schon im Handel und Verkehr. Frankfurt a. M., den 11. Januar, Nachmittags 2 Uhr — Mn. iTelegc. CourSbericht. Mitgethellt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießens Credtt- actien 289 Staatsb.-Xetien 272 Cö CD =?E -*-* M fktnste Wiener Mischung, Nr. 3a. Java-Perl Nr. 5. Java Lotterie der Allgemeinen Deutschen Patent- und Musterschutz-Ausstellung Irankfurt a. M. Wir bringen hiermit zur Kenntnis;, daß die Ziehung der 2. Serie mit Genehmigung des Königl. Ministeriums des Innern auf den 31. März d. I. verlegt ist. Die Lotterie-Commission. Frankfurt a. M., den 9. Januar 1882. empfiehlt ihren vorzüglichen, nach eigener Methode gebrannten la • VS: aäw‘llt>vt Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pi empfiehlt, außer 3 weiteren Sorten im Preise von