264. Samstag den 11. November 1SS2. M ^4 |4 A J Sy h" ^weT LMU 9 17 UE fl/ | B 17 9 I 1 II 4 bz 999 97 9 tgia XW KVSf kM h^/ SäT y7 ▼" lr P S T ~ rj^ y T f r 7 G^J ' Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Moutagö. PreiK vierteljührlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mar! 50 Pf. ——-r-^WM1WHram»r»CTw«re»CT«m.i ■ «mw-iur-L > vrr.rT-^ naaB.-t^z Deutschland. Aus dem Grotzherzogthum Hegen, 9. November. Durch verschiedene Blätter laufen Nachrichten über die Beendigung des Cullurkampfes in Hessen, welche u. A- die Thatsache konstatiren wollen, es siche die Wiedereröffnung des bischöflichen Seminars in Mainz bevor. Wer die Entstehung jenes Seminars und den Inhalt der neuen Kirchengesetzgebung kennt, mutz erstaunen, daß eine solche Behauptung Glauben finden konnte. Bis zum Jahre 1851 war in Hessen zur Erlangung eines katholischen Kirchenamtes der Besuch einer deutschen Universität vorgeschrieb. n, als der Bffchos von Mainz einseitig eine theologische Lehranstalt im Seminare zu Mainz errichtete, wodurch thaisäcklich die katholisch-theologische Fakultät zu Götzen emging. Das Priesterseminar hatte ursprünglich nach btr Verordnung vom 30. Januar 1830 nur den Zweck, die Ecwdidaün des geistlichen Standes nach vollendeten theologischen Studien in der Praxis der Seelsorge auszubilden. Die neuen Kirchengesetzc versuchten den früheren Rechtszustand wieder herzustellen und verlangten zum Nachweis der wissenschaftlichen Vorbildung der Geistlichen: Maturitätsprüfung auf einem deutschen Gymnasium, dreijährigen Besuch einer deutschen Universität 2C- Die bestehenden Knabenseminare wurden geschlossen und bestimmt, datz alle kirchlichen Anstalten, welche zur Vorbildung der Geistlichen dienen, unter Aussicht des Staates stehen. Es könnten hiernach höchstens Verhandlungen wegen Vorbildung der Katholiken zum geistlichen Amte tn einer durch big geistliche Behörde geleiteten Anstalt bestehen, die Wiedereröffnung des bischöflichen bminars in seiner früheren Bedeutung würde dagegen eine Verletzung der Gesetze enthalten und gehört in das Reich der Fabeln. (F- 3) Berlin, 7. Novbr. Wir entnehmen den „Verl. Polit. Nachr.": Eine neulich durch die Zeitungen gegangene Notiz, betr. die Bildung der Genossenschaften auf Grund der Unfallversicherungs-Vorlage, hat zu der mißverständlichen Auffassung geführt, als beabsichtige die Reichsregierung selbst Anordnungen nach dieser Richtung vorzuschlagen, resp. die Vorlage zurückzuziehen, um dieselbe einer nochmaligen Umarbeitung zu unterziehen. Auf Grund zuverlässiger Informationen können wir versichern, daß solche Annahmen vollkommen unzutreffend sind, daß im Gegentheil an maßgebender Stelle nach wie vor der größte Werth darauf gelegt wird, die Kranken- und Unfallversicherungs-Vorlagen noch in dieser Session des Reichstags angenommen zu sehen. Es liegt bisher kein Grund vor, an dem Zustandekommen dieser Gesetze zu zweifeln und die bisher auf dieselben verwandte Arbeit durch ein Zurückziehen der Vorlagen zu einer vergeblichen zu machen. Daß die Reichsregierung den aus der Mitte des Reichstags gemachten Abänderungs-Vorschlägen gegenüber sich nicht von vornherein ablehnend verhallen, dieselben vielmehr einer genauen Prüfung unterziehen wird, ist wohl selbstverständlich und hat ja schon die bisherige Com- missionsberathung des Krankenkassen-Gesetzes gezeigt, daß die Reichsregierung es an bereitwilligem Entgegenkommen nicht mangeln läßt. — Nach dem Indiensthaltungsplan für die kaiserliche Marine auf das Etatsjahr 1883 84 werden Verwendung finden in Ost-Amerika 1 Glattdecks- Corvette und 1 Kanonenboot, in Ost-Asien 2 gedeckte Corvetten und 2 Kanonenboote, in der Südiee 2 Kanonenboote, im Mittelmeer 1 Aviso, in West-Amerika 1 gedeckte Corvette. Das Panzer-Uebungsgeschwader soll aus 4 Panzer-Fregatten und 1 Aviso bestehen. Ferner sollen Verwendung finden zur Kadetten- Äusbildung 1 gedeckte Corvette, zur Schiffsjungen-Ausbildung 2 Glattdecks- Corvetten und 2 Segelbriggs, zur artilleristischen Ausbildung 1 Artillerieschiff, 1 Kanonenboot und 1 Torpedofahrzeug, zur Ausbildung des Maschinenpersonals 2 gedeckte Corvetten und zu Übungszwecken 4 Panzer-Kanonenboote. Für den Dienst bei den Stationen und zur Vermittelung des Verkehrs zwischen ^en Werften werden dienen zum Tenderdienst für den Stations-Chef 1 Äviso., M Vermessungszwecken 1 Kanonenboot, zum Schutz der Nordsee-Fischerei 1 Kanonenboot, zu Transportzwecken 1 Transportfahrzeug, als Wachtschiff in Kiek und Wilhelmshaven je 1 gedeckte Corvette, zur Verfügung der Allerhöchsten Herx- schaften die kaiserliche Dacht „Hohenzollern" und zu Versuchszwecken 2 Panzer- Corvetten. — Um dem fortwährend mehr überhand nehmenden Vagabondenunwesen entgegen zu treten, ist — nachdem ein „Verein gegen Bettelei" seinen Zweck nicht zu erfüllen vermochte — mit Genehmigung der königlichen Regierung in Herford eine Handwerksburschen-Steuer von der dortigen Gemeindeverwaltung in Höhe des dritten Theils der Klassensteuer eingeführt worden. Dafür wird von der Armen-Commission gesorgt, daß den würdigen, dürftigen Durchreisenden eine ausreichende und gute Pflege, sowie Nachtquartier zu Theil wird, daß yer Bedarf an Arbeitskräften an einer Allen zugänglichen Stelle bekannt gemacht wird, während andererseits allen Einwohnern unter Androhung von Polizeistrafen verboten ist, an unbekannte Bettler Gaben zu verabreichen. Bamberg, 7. Novbr. Das hiesige Gemeinde-Collegium beschloß mit allen gegen 7 Stimmen die Aushebung der Schulgelder für die Schüler der städtischen Volksschulen. In derselben Sitzung wurde auch mit allen gegen eine Stimme die Aufhebung der Schülerpreise, welche bis jetzt in Bayern außer Bamberg nur noch in Straubing vertheilt werden, zum Beschluß erhoben. Bei der Schulgeld-Diskussion wurde hervorgehoben, daß das Schulgeld als nicht im Einklang mit dem Schulzwang und aus Rücksicht für die allgemeine Volksbildung eine unberechtigte und den armen Familienvater drückende Steuer sei, die sich durch 5 pCt. Gemeindeumlagen leicht ersetzen lasse, ohne daß übrigens die Gemeindeumlagen bei dem günstigen Stande des communalen Finanzwesens in der That erhöht werden müßten. Oesterreich. Wien, 8. Novbr. Heute Abend fand wieder ein Auflauf einiger hundert Schustergesellen und Lehrlinge der Vorstädte Josephstadt und Neubau sowie der Vororte 'Lerchenfeld und Ottakring statt, welche mit Pfeifen und Johlen die Bewohner beunruhigten. Das aufgebotene Militär, welches mit Steinen beworfen wurde, machte in Folge dessen von den Seitenwaffen energisch Gebrauch. E» kamen beiderseits Verwundungen vor. Nachts 10 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt. — Bei der Reichstagswahl in der Vorstadt Josephstadt wurde Sturdza gewählt. Wien, 9. Novbr. Bis zur Stunde liegen keine Nachrichten von neuen Krawallen vor. Das Wetter, Regen mit Sturm, erleichtert den Behörden die Durchführung der Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe. Patrouillirende Kavallerie-Abtheilungen zerstreuten leicht alle hier und da vorkommenden Ansammlungen. (5r- Ztg') Arankreich. Paris, 8. November. Die ministerielle Erklärung, welche bei Wiedereröffnung der Kammern zur Verlesung gelangt, wird gutem Vernehmen nach besagen, es sei das Ziel der Negierung gewesen und sei das Ziel derselben gegenwärtig noch, alle Spaltungen der republikanischen Partei fernzuhalten, um den andern Parteien widerstehen zu können. Die Regierung werde alle factiösen Kundgebungen, woher immer dieselben komnren möchten, mit allen gesetzlichen Mitteln unterdrücken. ’ Auf den nürthschaftlichen Gebieten werde sich die Regierung nur mit den allgemeinen Interessen des Landes beschäftigen. Mit dem Finanzsystem des Finanzministers Tirard sei die Negierung durchaus einverstanden. Die Votirung der Gesetze über die Militär-Reorganisation werde sie entschlossen in die Hand nehmen. Die ministerielle Erklärung wird ferner die guten Beziehungen Frankreichs zu den Mächten bekunden. In den auswärtigen Fragen werde Frankreich weder eine herausfordernde, noch aber auch eine klein- müthige Politik befolgen. Marseille, 9. Novbr. In Süd-Spanien ist eine Hungersnot!) ausgebrochen. In Xeres wurden die Bäckerläden geplündert. Den Bäckerjungen wurden auf der Straße die Brodkörbe von der hungernden Menge weggerissen. In Rizarsona wurden die Mehllager ausgeplündert, sowie die Eßwaaren auf dem Markte fortgenommen Die Polizei mußte einschreiten. In Folge dieser betrübenden Umstände findet große Ausfuhr von Mehl aus Marseille nach Süd-Spanien statt. C8r- 3^0 — Gestern circulirte ein Lasttrain aus einer Zweigbahn der ost-algerischen Bahn mit 50 Arbeitern, als derselbe aus eine starke Eisenstange an einer Kreuzung der Bahn stieb, entgleiste und über die Böschung stürzte. Die Waggons sind nebst der Locomotive zertrümmert. 11 Personen sind getödtet, 39 meist schwer verwundet. r 3kg-) Aegypten. Kairo, 8. Novbr. Der englische Botschafter Lord Dufferin hatte heute früh eine Audienz bei dem Khedive. — Der Gouverneur von Sudan bestätigt in einer Depesche an den Khedive den übertreibenden Charakter der neuesten Nachrichten, welche u. A. besagten, die Stadt Khartum sei vom „falschen Propheten" bedroht. Eine Depesche des egyptischen Generals Ab-del-Kader an den Khedive meldet, die schwarzen Truppen hätten zwar etwa 1000 Mann und viele Osficiere in einem Zusammentreffen mit den Schaaren des „falschen Propheten" verloren, seien aber keineswegs vernichtet worden. Ab-del-Kader bemerkt weiter, Khartum sei gegenwärtig nicht bedroht und erwarte die in Aussicht gestellten Verstärkungen. Die Belagerung von Bara und Obeid sei durch den „falschen Propheten" aufgehoben, die telegraphische Verbindung zwischen Khartum und Kordofan unterbrochen. Kairo, 8. November. Die Voruntersuchung in dem Prozeß gegen Arabt ist beendet, soweit sie die Vernehmung der Belastungszeugen betrifft. Die Verlheidiger haben eine Frist von 3 Wochen erhalten, um die Aussagen dieser Zeugen zu prüfen Der Prozeß wird Anfangs December wieder ausgenommen werden. — Gutem Vernehmen nach hat die egyptische Regierung gestern den diplomatischen Agenten Englands und Frankreich eine Note zuftellen lassen, in welcher die Abschaffung der europäischen Finanzkontrolc verlangt wird. Amerika. New - York, 8. Novbr. Der Sieg der Demokraten bei den gestern erfolgten allgemeinen Wahlen zum nordamerikanischen Congreß und den Legislaturen der Einzelstaaten scheint kaum noch zweifelhaft. S)amit wurde he feit dem Präsidentschafts-Antritt Abraham Lincoln's. am Staatsruder gewesene republikanische Partei ihrer herrschenden Stellung jenseits des ^-ceans enlkleidet sein und voraussichtlich für lange Zeit. Die Demokrattn werden, falls die Nachricht ihres Sieges sich bestätigt, nicht an die einfache Reactimrung ihrer früheren Traditionen denken dürfen. Sie sind auf den Schild gehoben m erster Linie durch die Beihülfe der westlichen Farmer und die m Merge zu ihnen übergegangene Wählerschaft deutscher Nationalität welch letztere^des immer unverschämteren Gebahrens der Knownothmgs und heuchlerischen Temperenzler gründlich überdrüssig geworden. - Eine demokratische Zukunftsregierung der Bereinigten Staaten würde auch die auswärtige Politik der Union in cheüweis neue Bahnen lenken. Telegraphisch! Depeschen. Wolft'S telegr. Eorrespondenz-Bureau. Berlin 9 Novbr. Der Kaiser, der Kronprinz, sowie die Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl sind heute Nachmittag 1 Uhr 45 Min. zu den Hofjagden nach Ohlau abgereist. — Der „Reichs-Anz." meldet die Ernennung des Kammergerichtssenats- Präsidenten Henschke zum Mitglieds des Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten. Kairo, 9. Novbr. In der wegen der Finanz-Controle von der egypti- schen Regierung an England uno Frankreich gerichteten Note heißt es, die Con- trole, wie sie durch das Dekret des Khedive vom 15. November 1879 wieder hergestellt worden fei, biete den Bondholders keine Garantie mehr und sei eine Institution geworden, deren dualitischer und politischer Charakter der Grund zu vielen 'administrativen Schwierigkeiten geworden sei. Von dem an Stelle der bisherigen Controle vorgeschlagenen Arrangement wird in der Note nichts erwähnt. — Meldung des „Reuter'schen Bureaus": Heute wurde eine Mittheilung der egyptischen Regierung veröffentlicht, in welcher die Aufhebung der europäischen Finanz-Controle angezeigt wird. New'Avrk, 9. Novbr. Im Staate Michigan wurde der demokra» tische Candidat zum Gouverneur gewählt, die übrigen Beamtenstellen des Staates sind durch Republikaner besetzt. Im Staate Kansas wurden, mit Ausnahme des Gouverneurs, republikanische Beamte gewählt; im Staate Kolorado trugen die Demokraten den Sieg davon. Die demokratische Majorität in dem neuen Repräsentantenhaus wird jetzt allgemein auf 30 Stimmen geschätzt. — Die Majorität, welche die demokratische Partei bei den gestrigen Wahlen im Staate New-Dork erlangte, wird auf 175,000 Stimmen geschätzt. Diese bedeutende Majorität wird'besonders den Wahlenthaltungen der Republikaner zugeschrieben. Die Republikaner siegten in Virginien und gewannen in Kentucki drei Sitze für den Congreß. Die Demokraten siegten in Kalifornien mit einer Majorität von 5000 Stimmen. Lokale-. Gießen, 10. November. In großer Gefahr schwebten heute Vormittag zwei Menschenleven. Einem Schornstelnfeger passirte beim Fegen eines Schornsteins das Malheur, daß von demselben sich ein Deckstein loslöste und dem Dach htnunterrutschte, von wo er auf der Straße dicht neben einem Manne hinfirl, während der Schornsteinfeger, welcher den Stein fefthalten wollte, ebenfalls dem Dach entlang glitt, sich aber an Der Dachrinne fefthalten und so sein Leben retten konnte. Vermischte- Von der Nidda, 7. November. Gestern Abend gegen 9 Ubr stiegen mächtige Feuergarben aus dem benachbarten Eckenhetm gen Himmel und rötheten zumeist den östlichen Horizont. Das Feuer hatte die Scheune des Metzgers Hamburger daselbst ergriffen und diese sammt noch zwei Wtrthschaftsgebäuden binnen kurzer Frist em- geäschert. Das Element hätte sich in verderblicher Weise für die an die Brandstätte angrenzenden Gebäude entfesselt, wenn nicht rasche Hilfe, insbesondere aus den umliegenden Ortschaften zur Stelle gewesen wäre. — Zwei Spitzbuben in unkenntlicher Kletdertracht mit entstellten Gesichtern wollten den Augenblick, wo alle Hände rührig gewesen sind, um das Umsichgreifen des Feuers zu bewältigen, benutzen, um sich die bedeutende Baarschaft eines wohlhabenden Nachbars des Beschädigten anzueignm, wurden aber durch das Eintreten der Hauseigenthümerin in das Zimmer an der Aus- führung ihres Vorhabens verhindert und ergriffen die Flucht Mainz, 8. November. In der mehrerwähnten Militärbefreiungsgeschichte erfährt man hier noch weiter, daß die bekannten Faiseurs ihr Geschäft schon eine ganze Reihe von Jahren und zwar so schwungvoll betrieben haben, daß, wie hiesige Blatter melden, in Mainz allein etwa 60 junge Leute durch deren Beihilfe dem M'litärdienst entzogen wurden. Noch in der allerletzten Zeit sollen derartige Geschäftsabschlüsse gemacht oder angebahnt worden sein- Durch die Erfolge kühn geworden, hätten die Macher so offen operirt, daß es nur zu verwundern sei, wie sich das Gewerbe so lange der Cognition der Behörden entzogen habe. In einzelnen Fällen seien die Eltern eines dem militärpflichtigen Alter sich nähernden Sohnes angegangen worden, den Loskauf durch die Hände des Agenten zu bewirken. „Zahlen Sie 3000 JL und Ihr Sohn wird frei. Sie wagen dabei gar nichts. Der und Der ist ebenso los gekommen!" Das wäre ungefähr der stete Refrain des Sirenenliedes gewesen, das die Verführer gesungen. Die Untersuchung wird, nach allen Anzeichen zu schließen, mit großer Energie betrieben und sich für manche Familie hier schwer fühlbar machen. Einzelne der Personen haben sich durch die Flucht bereits der Strafe entzogen. Frankfurt, 8. November- Der hiesige Handwerker-Verein hat heute bezüglich veränderter Anwendung des Submissionsverfahrens bei den städtischen Bauten bet dem Magistrate eine Petition eingereicht, worin folgende Verbefferungsvorschläge empfohlen werden: 1. Daß in Zukunft die Submissionsarbeiten nicht in General-Entreprise, sondern im Einzelnen, nach den verschiedenen Handwerkerpositionen ausgeschrieben und vergeben werden; 2. daß die Submissionsausschreibungen immer so klar gehalten und durch Zeichnungen unterstützt werden, daß sie die Art und den Umfang der einzelnen Arbeiten aufs Deutlichste erkennen lassen; 3. daß die Uebertragung der Arbeit an den Mindestfordernden grundsätzlich ausgeschlossen werde, dagegen unter denjenigen Submittenten die Auswahl getroffen werde, deren Preisforderung dem Durchschnitt der gegebenen Offerte am nächsten oder zwischen dem höchsten und niedrigsten Gebot in der Mitte liege; 4. daß bei nicht wesentlichen Preisunterschieden vornehmlich die Submittenten berücksichtigt werden, welche ihren Wohnsitz hier haben. Motivirt werden diese Verbesserungsvorschläge dahin, daß ad 1 die Gewohnheit, die Submissionsarbeiten, an große Unternehmer in General-Entreprise zu übertragen, wesentlich beigetragen habe zu dem verhängnißvollen Rückgang des Kleingewerbes und der steigenden Concentration des wirthschastlichen Lebens in Großbetrieben mit 'hren zahlreichen ärmlichen unselbstständigen Elementen; jene Unternehmer gewännen durch die Bevorzugung der General- Entreprise seitens der Behörden die kräftigste Handhabe, den Handwerker zum Lohnarbeiter herabzudrücken. Eine Vergebung der Arbeit nach Handwerkerpositionen würde außer der nicht hoch genug zu schätzenden persönlichen Garantie der betreffenden Meister iür die Güte der Arbeit vor Allem den bedeutsamen socialen Gewinn hcrbeiführen, die Selbstständigkeit des Kleingewerbes erhalten zu helfen, ad 2. Es werbe vielfach darüber geklagt, daß bei Submissionsausschreibungen die $cb ngungeit so unklar formultrt feien, daß die abzugebende Offerte gar nicht genau kalkultrt werden könne, sondern auf gut Glück festgestellt werden müsse. Auch sei vielfach die Zeit bis zur Fertigstellung zu kurz bemessen, wodurch es nur dem Großbetrieb möglich fei, die Arbeit zu bekommen, ad 3. Der Grundsatz, der billigsten Offerte den Zuschlag zu ertheilen, nehme sich theoretisch ganz gut aus, habe aber in der praktischen Wirksamkeit sehr große Uebel- ftänbe herbeigeführt, welchen zu steuern alle Behörden verpflichtet erschienen. Die Jagd der Submittenten, sich zu unterbieten, sühre zu den billigsten Offerten, deren Prcis- sorderung in gar keinem Verhältniß zu den Selbstkosten der zu liefernden Arbeit stehe. Die Differenz werde dann durch minderwerthige Arbeit und durch allerlei Kunstgriffe auszugleichen gesucht, gegen welche sich die auftraggebende Behörde selten, auch durch die peinlichste Aufsicht zu schützen vermöge. Der wahre volkswirthschaftliche Segen besiehe aber nicht, wie man häusig annehme, in einer möglichst billigen, sondern in einer möglichst preiswerthen Arbeit und dies könne nur auf dem vorgeschlagenen W'ge erreicht werden, ad 4. Der Gesichtspunkt der Reellität und Solidität der Arbeit leite die Petenten bei dem Wunsch um Berücksichtigung der in Frankfurt wohnenden Submittenten. Ein am Orte der zu leiftenben Arbeit wohnender Gewerbetreibender werde am meisten bestrebt fein, seine Geschäftsehre gegenüber feinen Mitbürgern durch gute Arbeit zu wahren, während bei einem außerhalb wohnenden, der nach Beendigung der Arbeit wieder fortgehe, dieses Gefühl im Allgemeinen weniger in Betracht kommen dürfte. Endlich sprächen noch für Berücksichtigung des Wohnortes die steuerliche und wirthschastliche Gemeinschaft, in welcher die auftraggebenden Behörden mit den Submittenten des Wohnortes zu stehen pflegten. (Fr. 8-) Kassel, 5. November. Ein Eisenbahn-Unfall, bei welchem Hunderte von Menschenleben tn größter Gefahr schwebten, hat sich gestern Abend auf der Halle- Kasseler Bahn zwischen den Stationen Arenshausen und Eichenbach zugetragen. Der ungewöhnlich heftige Sturm halte nämlich, ohne daß man es hätte rechtzeitig verhindern können, in Arenshausen eine Anzahl leerer Güterwaggons aus dem Seitengeleise getrieben, dem Bahnhofe entlang und nun in rasendem Laufe nach Eichenberg zu, dem von Kassel kommenden Personenzuge direkt entgegen. Dieser hatte Kassel gegen halb 4 Uhr verlassen, war dicht besetzt und befand sich schon zwischen den Stationen Eichenberg und Arenshausen. Es war inzwischen dunkel geworden und so konnte der Führer des Personenzuges das Herannahen der Güterwaggons nicht so früh wahrnehmen, daß er einen Zusammenstoß hätte Überhaupt verhüten können, indessen bemerkte er die Gefahr immer noch rechtzeitig genug, um durch rasches Geben von Conttedampf den furchtbaren Anprall zu mindern. Trotzdem bohrte sich die Maschine förmlich in die Waggons hinein, daß rechts und links die Trümmer weitab geschleudert wurden. So wurde die Maschine zum Entgleisen gebracht und sowohl dies- ganz er heblich beschädigt, als von den Güterwaggons eine ganze Anzahl zertrümmert. Glücklicherweise sind indessen — hauptsächlich wohl durch die Geistesgegenwart des Loco- motivführers — Menschenleben nicht gefährdet worben. Die Strecke wurde unfahrba. und es mußte der Haller Personenzug über Arniskauken-Fnebland geleitet werben. Groß-Karben, 9 Noo. Der hier in der ganzen Gegend bekannte Kassier Brücker, welcher sich heute früh 5 Uhr nach der Bahn begeben wollte, um in Vilbel feine Kasse von 1700 JL abzul'efern, wurde unterwegs von mehreren Strolchen angefallen, nieber geschlagen, seines Geldes beraubt und in einen Wassergraben in der Nähe der Nidda geworfen, wo man ihn später fand. Der schon 73 Jahre alte Mann befindet sich zur Zeit sehr schwach. Einer der Strolche soll bereits eingefangen sein. — Das Rcichswaisenhaus ist unter Dach. Der Hinkende hat soeben das Gut Altvater, anmuthig gelegen am A!tv< ttr-Berg, 70 Meter über der Stadt Lahr, das in 5 Minuten zu erreichen ist, mit herrlicher Aussicht auf den Schwarzwald, das Rhein thal und die Vogesen, im Ganzen ca- 5 Morgen Park und ca. 8 Morgen Hofrailhe, Weinberg, Gärten, Wiesen und Ackerfeld, für die Summe von 4000 JL von dem seitherigen Besitzer Fallenstein in Bremen erworben. Mit diesem Kauf ist das Vermögen des Neichswaisenhausfonds auf 13,000 JL zusammengeschmolzen urb der Hinkende vertraut auf die weitere Hilfe seiner vielen alten Freunde, zu denen hoffentlich jetzt noch viele neue Freunde kommen werden. Die nötbige Auskunft finden sie in feinem Kalender für 1883 Einen Ertrag wirft das Gut leider nicht ab. Es fei denn, daß Sommerfrischler die schönen Räumlichkeiten miethen, um in der überaus gefunden Luft neue Lebenskraft zu finden. Der Hinkende ist namentlich dem Reichsoberfechtmeifter Nabermann und den vielen Fechtmeistern und Fechtschülern Dank dafür schuldig, daß die Idee nun Wirklichkeit wirb. Sie entstaub vor etwa 6 Jahren. Der Hinkende war im Sommer 1876 mit seinem Kalender für das Jahr 1877 fertig. Er wurde aber vor dem Druck noch an den bei feinen Verwandten in Hamburg weilenden Verleger geschickt und dieser machte zu dem Aussatz: „Viele Wenig machen ein Viel", worin das Sammeln von Cigarrenfpitzen empfohlen wird, die Bemerkung: „Da die Leser keine G-legeuheit zum Absatz von Cigarrenspitzen haben werden, so wird es sich empfehlen, wenn der Hinkende sich die gesammelte Spitzen senden läßt. Außer Cigarrenspttzen könnten aber auch Pfennige gesammelt werden, die in Briefmarken nach Lahr zu senden wären. Der Ertrag könnte für ein Waisenhaus bestimmt werben." Dieser Vorschlag würbe von dem Hinkenden angenommen und nun wirb das Reichswaisenhaus in nicht zu ferner Zeit feiner Bestimmung übergeben werden können- Eine Beschreibung des Gutes wird später mitgetheilt werden. SchiffSvertcht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 7. November. Der Postdampfer Donau, Capt. R. Ringk, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 28. Oktober von Newyork abgegangen war, ist heute 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 82 Passagiere und volle Ladung. Telegraphische Dampfernachrichten. Mitgetheilt von den General-Agenten Gebr. Gosewisch und Max Jos. Schröder, Mainz. New-Ao rk, 29. Oktober. Angekommen von Amsterdam der „Kron-Linie" Dampfer „SurreyE. New-Aork, 1. November Angekommen von Hamburg der Packetfahrt- Dampfer „Fnsia" und von Havre (Abfahrt 21. Oktober) Dampfer „France". New-Aork, 5. November. Angekommen von Bremen Dampfer „Werder" des Nordd. Lloyd New-Aork, 5 November- Angekommen von Amsterdam der „Kron-Linie" Dampfer „Jason" New-Aork, 7. November. Angekommen von Bremen der Nordd. Lloyd- Dampfer „Habsburg". Literatur. Den Verehrern von Georg Ebers dürfte die Mittheilung willkommen fein, als Antwort auf öftere Erkundigungen, daß derselbe auch für diese Weihnachten eine Gabe vorbereitet, welche unter dem Titel: „Ein Wort" Ende lfd. Monats erscheint. — Dieser neueste Roman des berühmten Autors spielt im 16. Jahrhundert. Der Held ist ein Deutscher, welchen das Schicksal aus den Bergen seiner Heimat in die Fremde führt. Der Erzählung, welche voll von rührenden Zügen und glänzenden Bildern ist, liegt eine schöne, echt menschliche Idee zu Grunde. Fein gebundene Exemplare nach einer Zeichnung von Prof. Gmelin in München Preis 7 JL. Bestellungen nimmt entgegen Ferber'sche Univ.-Buchhandlung. 7421 731) lieber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von MA A8EIV SITE 11V «t? in Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder Miin< h<*n) zuvor Auskunft einforderl, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt Kireblrrbe Anzeigen der Stadt (Hießen. Evangelische Gemeinde. MotteHdienrt: Sonntag den 12. November (23. nach Trinitatis). 9% Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey. Donnerstag denl6.November, Abends 8 Uhr, imGymnasium: Bibelstunde, Bnef Pauli an die Galater, Kapitel 3,15—29. Pfarrer Dr. Naumann. Am Sonntag, den 19. November, findet die Feier des hl. Abendmahls statt, und zwar im Abendgottesdienst um 5 Uhr; die Beichte wird nicht am Samstag, sondern in Verbindung mit dem hl- Abendmahl unmittelbar vor demselben gehalten werden. Die P f a r r g e s ch ä f t e in der Woche vom 12. bis 18. November besorgt Pfarrer Dr. Naumann. K a t i> o l i s ch c Gemeinde. „ 24. Sonntag nach Pfingsten. „?on £an Beichte. 8 Uhr: Frühmesse und Austheilung der hl. Communion. l/zlO Uhr: Hochamt und Predigt: Pfarrer R a dy. (Die Nachmittagsandacht fällt aus.) Gottesdienst in der Synagoge. Freitag Abend 430 Uhr, Samstag Morgen 830 Uhr, Samstag Mittag 3 Uhr, Samstag Abend 510* mnKWr CfbenSfraft "und f6 1 0 früh ' Jn^effen ub-n 60]l M-schin. Weubert »anj n - M ÖOCOr ^llhrba. ittbtn. ct knitter >e'nr ftafi! fiit'btp der 9llbU 'et sich M u das Gvl k das in >os Rhein Nrait^, 1 dem fdk 13.000 ‘Ulen alten Die nöthigt m und den nun Wirk- immer 1876 Druck noch unb dieser mneln von ruhest M ix Holende . aber auch oären. Der nun wird :ben werden n Lloyd in Ringk, vom abgegangen immen und ung 2 Uhr Agiere und iral-Henten ftrotisÜinie“ jackelfahtt- Kron-.Linil^ Otbb. 8* fflüHomiW dies- Weih- ;rt" Ende Ms M W aUn welche »E HinM- Jineli» i» zeige in ein' v, inforJerl?rW rund rei^eI Ä M *** 3 M' MS s g/ß -Gemünden Kaufliebhaber 7425 J. A. Busch Söhne. 7443 A. Docter 1041 H. 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