Nr. 133. Zweites Blatt. Sonntag den 11. Juni 1882. Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße B. 18. Erscheint tL-ttch mit Ausnahme des Montags. Pkei»,vierteNährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlvhn. Wochenschau. Gießen, 10. Juni. Die morgen, Sonntag, in Potsdam stattfindende Taufe des Urenkels des Kaisers ist nicht nur eine Familienfeier im Schooße unseres erhabenen Kaiserhauses, an welcher das gesammte deutsche Volk freudig Anthell nimmt, sondern auch ein Act von unverkennbar politischer Bedeutung. Dieselbe giebt sich namentlich durch die Theilnahme des Königs Humbert von Italien und des Kronprinzen Rudolf von Oesterreich an den Tauffeierlichkeiten kund, denn hierdurch werden die Bande, welche Deutschland und sein Kaiserhaus mit Italien, besonders aber mit dem stammverwandten Oesterreich, verknüpfen, unzweifelhaft vermehrt und gekräftigt werden, welche Empfindung hoffentlich auch bei den Völkern Oesterreichs und Italiens vorherrschend sein wird. Der Reichstag hat nach dreiwöchentlicher Pause am Dienstag seine Verhandlungen mit der zweiten Berathung der Zolltarif-Novelle wieder aufgenommen. Die in derselben vorgeschlagenen Zollerhöhungeu wurden fast sämmtlich gegen die Stimmen des Centrums und der Conservativen, deren Reihen nur schwach besetzt waren, abgelehnt. Der Sitzung wohnte auch der Reichskanzler Fürst Bismarck auf kurze Zeit bei. In der folgenden Sitzung am Montag wurde zunächst der Antrag des secessionistischen Abg. Dr. Barth auf Aushebung des Schmalzzolles in zweiter Lesung berathen. Rach einigen einleitenden Worten des Antragstellers und einer Erwiderung des Directors im Reichsschatzamt, Burchard, hielt der Abg. v. Ludwig, das „enfant terrible“ der conservativen Partei, eine donnernde Philippika gegen seine Fraktionsgenossen, denen er in seiner eigenthümlich drastischen Dränier Saumseligkeit in den parlamentarischen Arbeiten vorwarf, schließlich plaidirte er für die Beibehaltung des Schmalzzolles. In letzterem Sinne sprachen auch die Abgg. v. Schalscha, v. Kardorff und Dr. Frege, welche, wie der Abg. v. Ludwig, auf die Interessen der Landwirthschaft, namentlich der Viehzucht, hinwiesen, während die fortschrittlichen Abgg. Rohland und Ahlhorn sich für den Antrag Barth erklärten. Derselbe wurde in namentlicher Abstimmung mit 129 Stimmen (Conservative, Centrum und der kleinere Theil der Nationalliberalen) gegen 120 Stimmen abgelehnt. Hierauf wurde die Wahl des fortschrittlichen Abg. Papellier (l. Oberfranken) für giltig, dagegen die des freiconservativen Abg. Riekert (XIV. Württemberg) für ungiltig erklärt, und sodann der Nachtrags-Etat zum Etat für 1882/83 der Rechnungs-Commission überwiesen. Auf Antrag des Präsidenten vertagte sich das Haus bis Freitag, den 9. Juni, für welchen Tag das Nelictengesetz für Heer und Marine, die Jnterpallation v. Kardorff, betr. die Oberschlestschen Kohlentarife, und die Dritte Lesung der Zolltarif-Novelle auf die Tagesordnung gesetzt wurden. Die Kaiserin Augusta ist am Mittwoch Abend wohlbehalten von Baden-Baden wieder in Berlin eingetroffen. — Das Gesetz, betr die Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze, ist unterm 31. v. Mts. vom Kaiser vollzogen worden. Nachrichten aus Kassel zufolge ist das Befinden des Prinzen Karl von Preußen den Umständen angemessen befriedigend, zumal haben sich bis jetzt Fiebererscheinungen noch nicht eingestellt. Der württembergische Landtag ist am 7. Juni nach kurzer Thä- tigkett vom Könige nut einer Thronrede geschlossen worden, welche die Befriedigung der Negierung über die Leistungen des Landtages erklärt und den Mitgliedern desselben den königlichen Dank für ihre Thütigkeit ausdrückt. In den inneren Verhältnissen Oesterreich-Ungarns ziehen jetzt die bosnischen Angelegenheiten die meiste Aufmerksainkeit auf sich Die österreichische Negierung hat erkannt, daß es ihr auf dem bisherigen Verwaltungswege nicht gelingen werde, sich das Vertrauen der Bevölkerung in den occupirten Provinzen zu erwerben und sie hat darum beschlossen, gründliche Reformen in der Verwaltung Bosniens und der Herzegowina vorzunehmen. Das Programm hierzu ist von dem neuen Reichs-Finanzminister, Herrn v. Kalla», ausqearbeitet worden, welches in seinen Hauptpunkten Abschaffung der Militärverwaltung, Vereinfachung der Verwaltungsmaschinerie und Neubildung des Veamtenkörpers umfaßt. Bosnien hat bereits seinen neuen Civil-Gouverneur in der Person des seitherigen österreichischen Gesandten in Belgrad, Baron Kheveichüller, erhalten. In der französischen Deputirtenkammer gelangte am Dienstag die Interpellation des Deputaten Lanessan bezüglich der Studentenunruhen im lateinischen Viertel von Paris zur Verhandlung. Dieselbe nahm einen ziemlich stürmischen Verlauf, da von bonapartistischer Seite der Minister des Innern, Goblet, wegen des Verhaltens der Polizei in dieser Affaire heftig angegriffen wurde. Die Darstellung indessen, welche der Minister von diesen Vorfällen gab, ließ das Vorgehen der Polizisten in einem bedeutend milderen Lichte erscheinen, so daß die Mehrheit der Kammer, trotz der Proteste der Radicalen und der Bonapartisten, das von Lanessan für Goblet beantragte Tadelsvotum ablehnte, dagegen den Antrag des Ministers des Innern auf Uebergang zur einfachen Tagesordnung annahm. In Irland ist im Laufe der letzten Woche merkwürdiger oder vielmehr erfreuter Werse weder ern Mordanfall, noch sonst ein agrarisches Verbrechen vorgekommen Doch wäre es verfrüht, hieraus schon aus eine Besserung der rrrschen Verhaltnrsse schließen zu wollen; man wird vielmehr die Wirkung der neuen irischen Zwangsbill abwarten müssen, deren hauptsächlichste Bestimmungen das Unterhaus im Anfang dieser Woche mit großer Majorität genehmigt hat. (Siehe jedoch die neuesten Depeschen. D. Red.) In den höheren militärischen Verwaltungsposten Rußlands haben zwei nicht unwichtige Neu-Ernennungen stattgefunden. General Kolpatowsky ist zum General-Gouverneur des neugebildeten Steppen-Gouverne- ments und des Onesk'schen Militärbezirkes, und General Tlchernajew, bekannt durch seine Theilnahme an dem letzten Kriege Serbiens gegen die Türkei, zum General-Gouverneur von Turkestan ernannt worden. Das junge serbische Königreich krankt noch fortwährend an inneren Kämpfen. Die Ausgleichsverhandlungen in der Skupschtina zwischen den Radicalen und der verfassungstreuen Majorität haben sich zerschlagen, in Folge dessen die Regierung die jüngsten Ersatzwahlen annullirte und für die nun nicht wieder wählbaren radicalen Abgeordneten Neuwahlen anordnete. Das Cabinet Pirotschanatz reichte wegen dieser Vorgänge seine Entlassung ein, doch nahm der König dieselbe nicht an. Mit der am Donnerstag erfolgten Ankunft der türkischen Mission in Kairo ist die egytiiche Frage abermals in ein neues Stadium getreten. Es muß sich jetzt entscheiden, ob das Ansehen des Sultans bei der egyptischen Nationalpartei groß genug ist, um die Forderungen desselben, Aufrechterhaltung des Status quo und der Herrschaft des gegenwärtigen Vicekönigs Tewfik Pascha durchzusetzen. Da Derwisch Pascha, das Haupt der Mission, nebst seinen Begleitern bei den egyptischen Truppen wie bei der Bevölkerung eine gute Aufnahme gefunden haben, so ist zu hoffen, daß die Mission den gewünsch- ten Erfolg haben werde. BermiscbtcS. Friedberg, 8. Juni. Gestern land dahier eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von größeren Landwtrthen hiesiger Gegend statt, in welcher über die Glündung einer Rübenzuckeifabrik verhandelt wurde. Die Anmeldungen zum Rüben- bau und die Zeichnungen von Actün sind so weit vorgeschritten, daß das Unternehmen als gesichert angesehen werden kann. Es wurde eine aus 7 Mitgliedern bestehende Commission gewählt, welche beauftragt ist, unter Zuziehung juristischer und technischer Beibülfe die Statuten und den Gesellschaftsvertrag zu entwerfen. Das Actienkapital ist auf 1 Million Jü festgesetzt und verpflichten sich die Belheiligten, für jeden Normalmorgen Rüden, den sie bauen, eine Actie von 300 «A zu übernehmen, die baar einbezahlt werden muß, aber auch ratenweise von dem Preis der an die Fabrik verkauften Rüben getilgt werden kann. Außerdem sollen auch Geldactien von 300 JL ausgegeben werden, jedoch nur insoweit durch die erstere Actiengattung nicht die volle Summc aufgebracht werden kann. Der Bau der Fabrik soll noch in diesem Jahre und der Betrieb derselben mit dem Herbst 1883 beginnen. Heber die Frage, wo die Fabrik errichtet wird, soll demnächst eine aus kompetenten Technikern gebildete Commission entscheiden. Die Versammlung, welcher auch der hier anwesende Präsident der landwirthschaftlichen Centralstelle. Herr Ministerialrath Dr. Jaup, beiwohnte, votirte dem Vorsitzenden des seitherigen Comites, Herrn Kreisrath Dr. Braden, ihren Dank über die umsichtige und erfolgreiche Leitung der für unsere La ndnurthschaft so wichtigen Angelegenheit. Darmstadt, 8. Juni. In der gestrigen Monatsversammlung des Gartenbau- Vereins wurde u. A. auch der von Darwin angestellten Beobachtungen gedacht, wonach im Laufe von 30 Jahren ein mit Steinen bis zur Größe eines Kinderkopfes bedecktes Grundstück durch die von den Regenwürmern aufgenommene und wieder ausgeschiedene Dammerde, Steinchen und Pflauzemheile dermaßen mit Erde bedeckt worden sei, daß man über das Grundstück reiten könne. Es wurde von fachmännischer Seite hiergegen geltend gemacht, daß die Regenwürmer nicht in Sand oder Kiesgrund gesunden würden, sondern nur da, wo die Erde reich an Humustheilen sei, welch letztere auch die Ursache bildeten, aus welcher die Regenwürmer die Erde fressen. Der Boden werde hierdurch aber nicht besser, sondern schlechter und sauer. Ein Redner bemerkte hierzu, die letztere Erklärung gebe ihm eine gewisse Beruhigung, weil sonst zu befürchten gewesen sei, daß unser weitberühmtes Felsenmeer am Ende auch noch von den Regenwürmern aufgefressen werde. Der gute Einfall fand indessen vor den Augen des den Vorsitz führenden Vicepräsidenten keine Gnade, er bedeutete dem Redner vielmehr, daß er seine Witze einem Manne wie Darwin gegenüber unterlassen solle, bei dessen Leichenbegängniß die Zipfel des Bahrtuches von Herzögen getragen worden feien, — Der Taschenspieler Blitz hat in einem Hotel in Mankato, im Staate Minnesota folgende Probe seiner Kunst geliefert: Während er beim Frühstück an der Tafel saß, brachte ihm das aufwartende Mädchen einen Teller mit heißen Bisquits. Er ostnete einen derselben und zur nicht geringen Verwunderung der Gäste rollten sechs halbe Dollarstücke heraus. Er nahm darauf eine Kartoffel und fing an, dieselbe zu schalen, als plötzlich eine Stimme, die aus der Kartoffel zu kommen schien, die Worte sprach: „O schäle mich nicht, Du wirst mir den Kopf abschneiden." Das war zu viel für das arme Mädchen. Mit dem Ruse: „Der Teufel fitzt ^er am Tfiche , stürzre es zum Zimmer hinaus und nichts vermochte sie zu bewegen, ferner Herrn Blitz zu bEbtCn- Sine Civilklage des bekannten Fürsten Sulkowski gegen den Rechtsanwalt Deyks In Berlin auf Erstattung zu viel gezahlter Gebühren 's" Bettag° >aon 4500C। Ut ist vor einigen Togen beim Berliner Landgericht I. zum Austrag L^racht worden und zwar konnte die Entscheidung für den fürstUchen mcht schUmmer aussallem Der Fürst ist nämlich nicht nur mit seiner«Klage abg wiesen"g von wei eren Antrag des Verklagten und widerklagenden R/chtfanwal.s auf Zahlung von wehren «0009X Gebühren an den Verklagten dieser Summe zu g verwaltete das Vermögen des Fürsten ist m Kürze folgender: Der Rechts"lt 9 als Verwaltungsgebühren im Betrage von 6000000 A und halte oei ci abaesckuieben. Der Fürst von diesem Vermögen non^45000 und fordert?von Sulkowski beanstandete bi^^^nbareÄ0guinme Rechtsanwalt Deyks prüfte noch- Herrn Deyks die Zurückerstattug bafe er gerade 45000 A zu wenig liquidirt ^salt'g Le.l^n.^br .mdeben beiben Parteien nicht zu Stande kam, so klagte der $abeA eme ^?ÄÜ0Erstattungsanspruch ein, wogegen sein ehemaliger Mandatar ÖÄ Das l°udger.chMche Ur.hetl fiel in allen Theilen zu Gunsten e ^ts. findet bei Coblen; eine große Regatta statt, an r, nde Vereine betheiligen: Bernkasteler Ruder-Club, Bonner Stuber; ^sntt^^s?-l^Ruder"Gesellschaft, Koblenzer Ruder-Club, Coblenzer Ruder-Gesellschaft, Frankfurt^er^Ruder-Verein, Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Germania", Frankfurter Ruder-Gesellschaft Sachsenhausen, Kölner Ruder-Gesellschaft, Kreuznacher Ruder-Verein, Ludwigshafener Ruder-Verein, Mainzer Ruder-Club, Mainzer Ruder-Verein und Mannheimer Ruder-Gesellschaft. Anfang der aus 18 Fahrten bestehenden Regatta 3Vr Uhr. Kurs ist bei allen Fahrten 3000 Meter (2000 Meter stromab- und 1000 Meter stromaufwärts). — Bei dem Eisenbahnunglück bei Heidelberg wurden, wie fast immer, die meisten schweren Verwundungen (Quetschungen und Brüche der Ober- und Unterschenkel) dadurch herbeigeführt, daß die Sitzbänke bei dem Zusammenprall gewaltsam gegeneinander gedrückt wurden. Es ist daher den Reisenden die Vorsichtsmaßregel zu empfehlen, bei Ertönen des Nothsianals bte Beine bis über den Sitz emporzuziehen. — Der Verein „Concordia" hat möglichst eingehende Erhebungen über die Lohn- und Lebensmittelverhältnisse der Arbeiter in Deutschland angestellt und ist dabei zu dem merkwürdigen Resultat gelangt, daß diese Verhältnisse in Süddeutschland bei Weitem günstiger stehen als in Norddeutschland. Es erhielten nach den Berechnungen der „Concordia" in je 18 an Größe und gewerblicher Bedeutung ähnlichen Städten im Nordosten und Südwesten Deutschlands Wochenlohn im Norden im Süden Im Baugewerbe: JL Parliere 15,9 22,2 Gesellen 11,8 14,4 Handlanger 8 9,2 Im Kleingewerbe Schreiner 11,1 15,6 Schlosser 11,4 14,6 Schneider 10,3 13,5 Schuhmacher 9,7 12,8 Gelernte Fabrikarbeiter 12,5 15,5 Fabrik- | 10,1 11,6 Garten- > Taglöhner 7,9 11,7 Feld- J 7,2 9,9 Mittel 10,6 13,6 Nach dieser Zusammenstellnng, heißt es in der Zeitschrift „Concordia", bezieht also in der südlichen Gruppe der Arbeiter durchschnittlich 150 jährlich mehr, als in der nördlichen; oder rechnet man das Jahr (mit Abzug der Feiertage u. s. w) durchschnittlich zu 3000 Arbeitsstunden, so erhält er für diese im Norden 495, im Süden 672 Ji., also 177 JL. mehr. Sehen wir von den vier Arten der Tagelohnarbeit (in Baugewerbe, Fabrikindustrie und Landwirtschaft) ab, so stellt sich der Unterschied noch bedeutender dar: ein gelernter Arbeiter verdient demnach in der ersten Gruppe 11,8 wöchentlich — 618,6 jährlich, dagegen in der zweiten 15,4 wöchentlich — 800,8 jährlich (Unterschied 187,2) oder, nach Arbeitsstunden, in der ersteren 18,6 H x 3000 — 558 JL jährlich, in der letzteren 25,1 x 3900 — 753 JL jährlich. Dieses Resultat ist um so bemerkenswerther, als die Vergleichung der Lebensmittelpreise ergibt, daß der Durchschnitt der Normalausgaben in der ersten Gruppe 41,39 JL und in der zweiten 38,36 beträgt. Gewerbliche und technische Notizen. — (Hemdkragen aus Eisenblech.) Professor Dr. Artus in Jena erhielt vor Kurzem aus England patentirte sogenannte permanente Kragen (Vatermörder), die aus sehr dünnem Eisenblech und vorn zum Schluß mit einer Feder versehen waren, die sehr gut schlossen und deshalb außerordentlich empfehlenswerth erscheinen, da sie schön weiß und mit einer Mischung von gleichen Theilen Schwersoath und Zinkweiß (Zinkoxyd) und Leinölfirniß überstrichen und mit einem feinen Dammarlack überzogen waren und nach einem gewissen Gebrauch, nach dem Schmutzigwerden, nur mit Seifenwasser abzuwüschen waren, um sofort den Kragen wieder ein schönes Ansehen zu ertheilen. Da die Kragen also vermöge ihres Materials unverwüstlich erscheinen und stets mit wenig Mühe und Kosten gereinigt werden können, so dürfte auch bei uns dieser gewiß wichtige Industriezweig vielfach Beachtung finden. — Eine unzerstörbare Tinte erhält man nach Puscher durch Abreiben von 1 Quentchen Anilinschwarz mit 60 Tropfen starker Salzsäure und l'/r Loth Alkohol. Die erhaltene tiefblaue Lösung wird mit einer heißen Lösung von IVa Quentchen unserer arabischem Gummi in 6 Loth Wasser verdünnt. Die Tinte greift Stahlfedern nicht an und wird weder durch concentr.rte M.neralsäuren noch durch starke Laugen zersetzt — sMolkenverwendung zur Senfbereitung.) Nach Dr. Waaner-Norden kMilch- •&lUnq? ^rwenden die vier in Norden bestehenden Senf-Fabriken sämmilich Molk n zu ihrer Fabrikation. Sie fahren dieselbe theilweise sogar auf eine Entfernuna von 1 Meil? fl. 4°"w°du7ch'sich M°?k7b.ss» L durch Verwendung für Mastschweine rentut Nach längerer Aufbewahrung in offenen Tastern, m stark angefaueitem Zustande, nachdem also der größte Theil der vorher noch in Losung befindlichen Eiwe.ßkörper durch Gerinnen ausgeschieden ist werden d e Molken durch Filtnren oder wiederholtes Abgießen geklärt und mm Ersätze pinps Theils des sonst zur Senfbercitung benutzten Essigs verwendet. Der auf diese Weise aus einer Mischung von Elsig u d Milchsäure dargeftellte Senf erhält hi rdurch^nen milderen angenehmeren Geschmack als der allein aus Essigsäure bereitete. Literarisches. 3Uei Sedan,' die Zu- lt eingehender, und ng buchard Vereinigt vorzüglichste Qualität mit' mässigem Preise Vermietungen. 3261 Ein Familienlogis, 4 Zimmer und Zubehör, zu vermiethen im „Darm- städter Haus".___ 3161 Familienlogis zu vermiethen. Wernh. Brück, Flügelsgasse. 3968 Ein möbl. Zimmer mit oder ohne Kost zu vermiethen. Seltersweg C. 61. 3987 Die Wohnung des Herrn Land- gerichtsvräsidenten Knorr, 8 Zimmer rc., rst perl. Oktober anderweit zu vermiethen. Hch. Adami. 3309 Der 2. Stock meines Hauses, 3 Zimmer, Küche rc., gleich beziehbar, zu vermiethen. Heinrich Schomber, __________________Neustädter-Thor. 3470 Eine Familienwohnung, sowie gut möbl. Zimmer, mit und ohne Kabinet, vermiethet Christ. Weiß, Nordanlage. 1145 Ein Familienlogis zu vermiethen. Fritz Fürst Wwe. 2304 In dem Windecker' schen Hause am Kreuz (Heinzerling & Tribus) ist die zweitoberste Etage zu vermiethen, beziehbar alsbald. Näheres bei Labroise, Rechtsanwalt. 2495 Eine Wohnung, 3—4 Zimmer, sofort beziehbar, zu vermiethen. Adolf Hoß, Schützenstraße. 3279 Der erste Stock zu vermiethen. L. Fänerbach Wwe., geb. Eberwein, Grünbergerstraße 15612. 3959 Ein kleines Logis zu vermiethen bei A. Debus, „Schissenberger-Thal". 3913 Eine neuhergerichtete freundliche Familienwohnung von 4 schönen Zimmern und Küche in geschlossenem Corridor, Keller, Boden und Waschküche, sogleich zu vermiethen bei W. Ferber, Buchhdlr. 3879 Der 2. Stock meines Hauses ganz oder getheilt zu vermiethen. I. Georg Unverzagt, Steinstr. 3878 Ein kleines Logis vermiethet ___C. Lehrmund. 3875 Möbl. Zimmer zu vermiethen. Ingen. Merz, Bahnhofstr. C. 93Vig. 3868 Der 1. Stock meines neuerbauten Hauses (neben dem Justizgebäude) ist so- fort zu vermiethen. I. Ruppel. 3866 Ein Logis vermiethet __________________Bolp, Lindengasse. 3864 Ein Familienlogis zu vermiethen Karl Heil, Schützenstraße. 3790 Ein Familienlogis von 6—8 Zimmern nebst allem Zubehör, sowie 2 schön möblirte und 2 unmöblirte Zimmer, in bester und schönster Lage der Stadt, baldigst zu oer; miethen. Näheres fln der Exped. d. Bl. 3661 Ein möbl. Zimmer ist zu oer- miethen im Kreiling'schen Nebenhause, Süd-Anlage.__ 3741 Eine schöne Mansardenwohnung zu vernüethen bei _____G. K. Simon, Bahnhofstraße. 3633 Zwei Zimmer mit Kabinet, möb- lirt oder unmöblirt, zu vermiethen. Gebr. Stamm. 3407 Ein kleines Familienlogis zu ver- miethen. A. Rüsing, am Bahnhof. 3391 Ein kleines Familienlogis. ______________________Schloßgasse B. 5. 3388 Der untere Stock in meinem Vorderhause und ein kleines Mansardenlogis zu vermiethen. Th. Vogt, Löwengasse. 3249 Eine freundl. Wohnung mit ab- geschloss. Corridor (5 Zimmer, Küche rc.) ist zu vermiethen. _________L. Felstng, Nord-Anlage. 3308 Wegzugshalber ist der 1. und 3. Stock meines Hauses per August zu vermiethen. Karl Jughardt,Kanzleiberg. 3199 Kleine Mansardenwohnung per sofort zu vermiethen. B. 101. 3162 Der erste Stock, 5 Zimmer, Wasserleitung, Bleichplatz rc. per 1. August anderweit zu vermiethen. Chr. Zimmer, Bahnhofstraße. ~ 3122 Mansardenlogis — 2 Zimmer und Küche nebst Zubehör —zu vermiethen bei I. Stein^Bahnhofstraße. 3043 Die 3. Etage meines Hauses, bestehend in 5 Zinimern, Küche rc. ist anderweit an eine ruhige Familie zu ver- miethen. Dornfeiff, Rechtsanwalt. 2720 Ein neuhergerichtetes Logis, 2 Zimmer, Küche und Kabinet, ist auf sogleich zu vermiethen. Wallthorstr. A. 136. 2238 Ein gut möblirtes Zimmer mit Kabinet zu vermiethen. Karl Lehrmnnd, Neuenweg. 1529 Die von Hrn. Dr. Blum bewohnten Räume sind . sofort ander- weit zu vermiethen. Nähere Auskunft ertheilt G. Chr. Spruck. 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Berkehrsbeamten und der Bank ein Gruppenvertrag besteht. — Cautionsdarlehen des Staats- und Communal-Dienstes. — Kriegs- Berficherung. — Unanfechtbarkeit der Police. — Im Jahr 1881 haben sich die Zins tragenden Aktiven um Mk. 230 526 — das Garantie - Kapital um Mk. 706 409 — vermehrt. Näheres besagt der zur Vertheilung an die Versicherten bestimmte Auszug aus dem Rechenschaftsbericht pro 1881, worin auch die Dividenden-Vertheilung an die Gewinn berechtigten Versicherten angegeben ist. Prospecte rc., sowie jede gewünschte Auskunft bei allen Agenten der Bank, sowie den Unterzeichneten A. Stauth jun. in Mainz, Betriebs-Jnspector. L. König, Gießen. k. 8. Solide und tüchtige Agenten werden an allen Orten unter guten Bedingungen engagirt und wolle man sich an den Betriebs-Jnspector Herrn A. 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Pfingstfeiertag wurde auf der Thüringer Eisenbahn 1 grauer Handkoffer als Handgepäck vertauscht. Der in m. Besitz gekommene (aus d. Fabrik von Witte, Gera) enthält u. A> Hemden-gez. E. B., der meinige Herrn- und Damenkleidungsstücke resp. Wäsche. Um event. Adresse ersucht P. Kohlstock, Klein-Schmalkalden (Th.). Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Vrühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. B«v«a«r Schulstraße B. 18. V jahr 1 «82/83 zur Bestreitung der Eominunai-Vedursntsfe der ötaot BZorms -u erhebenden Umlagen betreffend. L 2. Uebersicht der für das Jahr 1882/83 von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Worms. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1882/83 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal- Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Bensheim. 4. Erhebung in den Freiherrnstand: Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 12. Novbr. 1881 den Besitzer des in den Gemarkungen Rieder-Erlenbach, Ober- Erlenbach und Harheim gelegenen v. Lersner'schen Famllien-Fideicommffses, Wil- helnr v. Lersner, für sich und seine gegenwärtigen und zukünftigen ehelichen Nachkommen beiderlei Geschlechts in den Freiherrnstand des Großherzogthums zu erheben. 5. Namensveränderungen. 6. Charakterertheilungen. 7. Concurrenzeröffnungen: Erledigt ist: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim, Kreis Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden jährl. Gehalt voll 900 bis 1000 «X m. Darmstadt, 11. Juni. Eme im neuesten Regierungsblatt veröffentlichte Bekanntmachung deö Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 26. Mai ds Js. in Betreff der Gebühren der Gerichtsdiener enthält m § 4 u. A- die Bestimmung, daß die Zustellungen von Kostenrechnungen und Kostenforderungen von den Gertchtsdienern gebührenfrei zu besorgen sind. Bekanntlich wurde dieser Punkt bei der letzten Budgetberathung in der zweiten Kammer gelegentlich der von der Regierung vrovonirten Gehaltserhöhung der Gerichtsdiener eingehend erörtert und ertheilte die Regierung damals die nun für die drei Provinzen des Landes eingelöste Zusage. Nach § 6 der Bekanntmachung ist den Gertchtsdi-enern die Erhebung ihrer Zustellungs- aebühren durch Postnachnahme nur dann gestattet, wenn dieselbe in anderer, minder kostspieliger Weise nicht ausführbar ist. Dieselbe ist ihnen daher stets dann untersagt, Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. AcuLschland. Darmstadt. 10. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Konigl. Großbn- tannischen Major Ewen, den Professor Weiffenbach aus Friedberg, den Hoftheater-Director Wünzer; zum Vortrag den Ministerialpräsidenten Schleierniacher, sowie die Geh. Staatsräthe Finger und Knorr. Darmstadt, 10. Juni. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 3. Juni den Districtseinnehmer der Districtseinnehmerei Groß-Umstadt, Johannes Georg Gr eiff en st ein, auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen, sowie an dems. Tage den Kreisbauaufseher-Aspiranten Gg. P lös er aus Seeheim zum Bahnmeister bei den Oberhesfischen Eisenbahnen zu ernennen; an dems. Tage den Psandmeffter bei dem Rentamt Zwingenberg, Joh. Korn, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand zu versetzen und den Ministerial-Canzlisten Ferdinand Heb er er zum Zeichner bei dem Ministerium der Finanzen zu ernennen. Darmstadt, 10. Juni. Das Großherzogliche Regrerungsblatt (Beis&s'-l HS- MM w Mr neu- * I SV“*’6 r wenn der Schuldner der Gebühr in dem Bezirke des Amtsgerichts wohnt und,der Gerichtsdiener im Stande ist, die Gebühr perjönllch zu erheben- Ist die Erhebung der Gebühr durch Postnachnahme durchaus nicht zu vermelden, dann darf der (. erichts- diener in keinem Falle mehr als seine Gebühr erhebenInsbesondere ist es untersagt, daß der Gerichtsdiener außer der Gebühr das Bestellgeld für dre Ueberbringung des'durch Nachnahme erhobenen Betrages erhebt. - Die Gesammtzahl der im Großherzogthum im Etatsjahre 1881/82 mit staatlicher Hundesteuer belegten Hunde beträgt nach den neuesten Mittheilungen der Großh. Centralstelle für die Landesftattftik 26,276, der Ertrag der Hundesteuer m dem genannten c>abre beziffert sich auf 131,380 A Hiervon entfallen auf die Provinz Starkenburg 11,445 Hunde mit 57,225 A, auf die Provinz Oberhessen 8573 Hunde mit 42,865 J4 und auf die Provinz Rheinhessen 6258 Hunde mit 31 290 JL Communalsteuer von Hunden erhoben in demselben Jahre 62 Gemeinden des Großherzogthums und schwankt der Betrag derselben zwischen 1 und 5 JL Eine Communalhundesteuer oon 1 wurde in 3 Gemeinden, eine solche von 1,50 m einer Gemeinde erhoben; 21 Gemeinden erhoben 2 JL, 20 Gemeinden 3 JL, 2 Gemeinden 4 etzt in Kraft b°sindlich-n Gesetze Betreffend: Die Entlassung der Schüler aus der Volksschule. ~~~ am 12. Ium 1882. Die Großherzogliche Kreis-Schul-Comnuffion Gießen an die Schulvorstände des Kreises. fiinnen weil sie bis dabiu die Volksschule 8 Jahre lang besucht hatten, so eröffnen rott Ihnen, daß die Cnüassung solcher Kmder unsiallyatl t,l. -t^te ^Usnay beS ^°^Sie wollm Tmach die betr. Eltern, wo dieses nothig wird, entsprechend bedeuten und strengstens darüber wachen, daß am Ende dieses Schuljahres keine Kinder entlassen werden, welche erst nach dem 30. September 1883 ihr vierzehntes Lebensjahr erreichen. Dr. Boekmann.-------- ---— B, 3 Zimmer und Zu- hen. N!bode, Kaplansgasse. freiindliche Mansar-cn- tr,8obentammer,Ä'f : und verschließbarem iethen bei and, Marb.-Str. 161. Zrm Kirchenrath Göry Wohnung, bestehend in ämmtlichem Zubehör, ist emiethen und sofort Tic- ! Söget, Nordanlage 116'. lilienlogis ist bis I.Juni ■ : W vermieden bei thel, Grünbergerstratze. ; VLoM MZuWr zu ' MantyW £ $ ffoniitienlwf Mitt, Grunb.-Str. undl.FamilüMolMg AMör, aus lo. > Sckreiner, Walltborft. SSwTySa'11 Löwengaste b. ermiethen: im Vorderhaus unb eine, benbaus bei Aköls/Leltu^M-.. Ss»- w n iih Platane Nr. 13) enthält: u Bekanntmachung Großh. Kreisamts Worms, die für das Rechnungsjahr lw2/83 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse der Stadt Worms Betreffend: Kreis-Lehrer-Conferenz. Gießen, am 12. Juni 1882. Die Grohherzogliche Krtts-Schul-Commffston Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Die diesmbriae Kreis-Lehrer-Conferenz soll Mittwoch den 21. Juni, Vormittags 10 Uhr. auf dem Schiffenberg abgeha en werden Sie wollen die Lehrer Ihrer Gemeinden hiervon mit dem Anfügen in Kenntmß setzen, daß wir dringend wünschen muffen, daß ohne triftigen Grün kein Lehrer fehle. Ihre geistlichen Mitglieder werden zur Beiwohnung sreundltchst emgeladen. 3" “"»i“.’" 'SS Kl— »--.»..d 21 Der Anschauungsunterricht in der Volksschule. Referent: Lehrer Zörb zu Gießen. .. 3) Die beste Art der Einführung der neuen Orthographie in der Volksschule. Referent: Lehrer Dirlam zu Orunberg. vr. Boekmann.— Ar 134 Dienstag den 13. Juni Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. häufig genug zu Tage getreten sei, dieser Zwang doch sehr oft nothwendig sein würde. Die Commission beschloß indeß mit 14 gegen 13 Stimmen die Al. 2 und 3 zu streichen. Der Antrag Buhl, welcher dahin geht, daß die Errichtung solcher Kassen von der Behörde untersagt werden könne, wenn die Zahl der zu versichernden Personen weniger als 50 beträgt, wurde damit motivirt, daß die Arbeiter davor geschützt werden müßten, von der Geineindeverwaltung aus Gründen der Bequemlichkeit und Wohlfellheit in leistungsunfähige Kassen gedrängt und überlastet zu werden. Nachdem der Antrag Buhl angenommen worden, wurde auch der in hier angegebener Weise umgestaltete § 13 der Regierungsvorlage angenommen. Berlin, 9. Juni. In den bevorstehenden steuerpolitischen Verhandlungen wird die von der Tabakmonopol - Commission beschlossene, unter dem Namen des Abg. Lingens gehende Resolution eine große Rolle spielen- lieber die Gesichtspunkte, von welchen sich die Commission bei Annahme dieses Antrages hat letten lassen, entnehmen wir dem jetzt vorliegenden officiellen Bericht die nachfolgenden Angaben: Die Commission war der Ansicht, daß die seit Jahren durch^Steuerprojecte aller Art beunruhigte und erst im Jahre 1879 einer erheblichen Zoll- und Steuerbelastung unterworfene Tabaktndustrte für die nächsten Zeiten mit weiteren Steuerbelastungen verschont bleiben müsse, um die Kraft zur wirthschaftlichen Genesung und zu einer gesunden Weiterentwickelung zu gewinnen. Selbst für den Fall der erkannten Nothwendigkeit neuer Steuerbewilligungen wäre deßhalb nach Ansicht der Commission einstweilen von einer wetteren Mehrbelastung der Tabakindustrte ganz abzusehen. Daß es im allgemeinen Interesse geboten sei, neue Steuern zu bewilligen, nimmt die überwiegende Mehrheit der Commission überhaupt nicht an. Die Steuerquellen, welche in den letzten Jahren neu erschlossen sind, liefern im Allgemeinen noch nicht die starken Erträge, welche nach Ueberwtndung des Uebergangsstadiums zu erwarten sind. Zudem wurde darauf hingewiesen, daß die Anhänger der jetzt herrschenden Wirthschaftspolitik sich von dem Verlassen der Bahnen der alten Zollpolitik ja gleichfalls einen erhöhten Aufschwung des wirthschaftlichen Lebens der Nation versprächen, welcher Aufschwung, falls er eintreten sollte oder inzwischen bereits eingetreten sei, auf die Vermehrung der Reichseinnahmen günstig einwirken müsse. Der Staatssecretär des Reichsschatzamtes bestätigte zwar feine bereits früher gemachten Mittheilungen, daß die Rechnungsergebnisse des Jahres 1881—82 gegenüber den Voranschlägen bcs Reichshaushalts günstige sein würden, er hob aber zugleich hervor, daß neue tnbirectc Steuern durchaus nöth'g waren, wenn die Ziele der Reichssteuerreform verwirklicht werden sollten. Auf denselben Standpunkt stellten sich auch einige der Minorität angehörige Commissionsmitglieder. Die Meinung, daß die Erträge der jetzt bestehenden Zölle und Steuern im Reich ausreichen würde, um eine solche umfassende Steuerreform durchzuführen, sei völlig unhaltbar. Träte eine weitere Ausbildung des inbirectcn Steuersystems nicht rechtzeitig ein, so würden auch schon in Nothzeiten die Einzelstaaten gezwungen fein, die Mehrbedürfnisse durch Zuschläge zu den direkten Steuern aufzubringen. Geschähe das aber, so würden die unteren Klassen der Bevölkerung und der Grundbesitz, welche durch die birecten Steuern im hohen Maße prägravirt seien, gerabezu ruinirt werden. Die Annahme der Resolution sei deßhalb einer völligen Ablehnung der Steuerreform gleich zu achten. Dagegen würde geltend gemacht: Was die weiteren socialen und Steuerreformen an- lange, so verhalte sich die Resolution keineswegs grundsätzlich ablehnend zu denselben; aber sie verlange mit Recht, daß man zunächst abwarte, inwieweit die im Jahre 1879 bewilligten Zölle und Steuern die Mittel hierzu darbieten, ehe man zu weiteren Steuerbelastungen schreite. Für künftige mögliche Nothstände könne man doch keine (Steuern bewilligen; daß zur Zeit nach den Bewilligungen seit 1879 aber finanzielle Nothstände nicht vorliegen, gehe aus den Motiven zum Tabakmonopol und für Preußen insbesondere aus den Erklärungen des preußischen Finanzministers bei Gelegenheit der Etatsberathungen hervor. Für das Reich, wie für die Einzelstaaten sei daher die Verweisung auf die vorhandenen und in Zunahme begriffenen Einnahmen vollkommen berechtiat. Berlin, 10. Juni. Die nationalliberale Fraktion hat heute einstimmig beschlossen, gegen das Tabakmenoppl und für den ersten Theil der Resolution Lingen's zu stimmen, dagegen den zweiten Theil abzulehnen. Die Secessionisten beschlossen, für die ganze Resolution Lingen's und die Conservativen gegen dieselbe zu stimmen. Das Centrum beräth heute Abend eine Modificatiön derselben. — Die Unfall-Commission hat den § 14 mit der Abänderung angenom- men, daß eine Vereinigung der verschiedenen Arbeiter-Kategorien zu einer Ortskrankenkasse statthaft sein soll. § 15 wurde unverändert angenommen, § 16 mit dem Antrag Buhl, wonach auch unter Berücksichtigung der zwischen den Kassenmitgliedern hinsichtlich der Lohnhöhe bestehenden Verschiedenheiten eine tlassenweise Feststellung des Tagelohns erfolgen kann, und mit dem ferneren Antrag Lohren, daß das Sterbegeld in dem zwanzigfachen Betrage des ortsüblichen Tagelohns zu zahlen sei. Die §§ 17, 18 und 19 wurden unverändert angenommen. — Der König von Sachsen ist um 12 Uhr 55 Mn. und der Herzog von Aosta um 12 Uhr 30 Min. hier eingetroffen und wurden von dem Kaiser, dem Kronprinzen, dem Prinzen Wilhelm, dem Stadtcommandanten, der Generalität und dem Polizeipräsidenten empfangen. Auf dem Bahnhofe war eine Ehrencompagnie aufgestellt. Der König von Sachsen wurde von dein Kaiser nach dem königlichen Schlosse geleitet. Der Großfürst Sergius, der König von Sachsen, der Herzog von Aosta statteten später den Majestäten Besuche ab. Der Kaiser empfing sodann den französischen Botschafter Baron Courcel, welcher die Glückwünsche seiner Regierung zur Geburt des Urenkels überbrachte. Um 5 Uhr fand ein größeres Diner zu Ehren der angekommenen fürstlichen Gäste statt. Kassel, 10. Juni. Nach dem heutigen Bulletin hat in dein Befinden Se. Königl. Hoheit des Prinzen Karl von Preußen keine Veränderung stattgefunden. — Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Luise, Tochter Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Karl, ist zum Besuche des Prinzen aus Wiesbaden hier eingetroffen. Oesterreich. Wien, 10. Juni. Die wiederholt austauchende Meldung von einer angeblichen Entsendung österreichisch-ungarischer Kriegsschiffe nach Alexandrien wird von authentischer Seite als vollkommen unbegründet bezeichnet. Pesth, 9. Juni. Unterhaus. In der heutigen Abendsitzung wurde der Antrag des Ausschusses, betr. die Einwanderung der russischen Juden mit überwiegender Majorität angenommen. Schweiz. Elm, 10. Juni. Der am meisten gelockerte Theil des Risikopfes ist heute Nachmittag 3V2 Uhr heruntergestürzt, vollständig auf das alte Trümmerfeld. Arankreich. Paris, 10. Juni. Deputirtenkammer. Bei der Verathung der Justizreform-Vorlage wurde die Aufhebung der Unabsetzbarkeit der Richter mit 300 gegen 204 Stimmen angenommen und danach trotz des Widerspruchs des Justrz- ministers das Princip der Erwählung der Richter mit 284 gegen 212 Stimmen beschlossen. Paris, 10. Juni. Die „Agence Havas" läßt sich aus Kairo melden, Derwisch Pascha habe der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die gegenwärtigen Schwierigkeiten sehr bald ihre Lösung finden würden. Aegypten. Kairo, 9. Juni. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus"). Die General- Consuln der Mächte statteten heute Derwisch Pascha einen Besuch ab; Malet und Sienkiewicz begaben sich gemeinschaftlich zu demselben. Derwisch Pascha empfing sodann Sultan Pascha und mehrere Mitglieder der Notabelnkammer, welchen er erklärte, er sei entschlossen, die Ordnung wieder herzustellen und nöthigenfalls das Kriegsministerium zu übernehmen. Kairo, 10. Juni. (Meldung der „Agence Havas"). Der Khedive hat Derwisch Pascha gegenüber erklärt, daß eine Versöhnung mit Arabi Bey nicht möglich sei. Die Consuln haben sich in demselben Sinne ausgesprochen. Türkei. Konstantinopel, 10. Juni. In hier eingegangenen officiellen Berichten aus Kairo werden die Besorgnisse wegen eines Attentates aus den Khedive für unbegründet erklärt. — (Telegramm der „Agence Havas"). Die Vertreter Oesterreich- Ungarns, Italiens, Rußlands und Deutschlands haben sich heute auf die Pforte begeben, um die Schritte der Botschafter Frankreichs und Englands vom 7. ds. behufs Beitritts der Pforte zur Conferenz zu unterstützen. Deutscher Reichstag. 15. Sitzung. Samstag, 10. Juni. Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um ly, Uhr. Am Tische des Bundesrathes: v. Kamecke, v. Derby, v. Bötticher, v. Mayr, Graf v. Lerch en selb. Tagesordnung: I. Erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffenb die Fürsorge für bie Wittwen unb Waisen der Angehörigen bes Reichsheeres unb ber kaiserlichen Marine. Abg. v. Bernuth erklärt sich im Großen einverstanden. Bedenken hat Rebner nur gegen bie Bestimmung, baß bie nnverheiratheten Officiere, Aerzte unb Beamte wegen ihres geringen Diensteinkommens nicht zur Bestragspflicht herangezogcn werben bürfen. Eme solche Ausnahme exiftirt hinsichtlich ber Civilbeamten nicht. Jnbeß möchte er zu Gunsten ber Regierungsvorlage bas Argument gelten lassen, baß bie Civilbeamten burch nichts gehinbert seien, in jedem Augenblick eine Ehe zu schließen unb daburch bie Rerchskasse im Tobesfalle auf bie Dauer zu belasten, wähienb bie Militärpersonen hierzu eines Consenses bebürfen. Rebner erklärt sich gegen cornmissarische Berathung unb behält sich vor, in ber zweiten Berathung noch auf einige wesentliche Punkte zurückzukommen. Abg. v. Ger lach erklärt sich mit ber Tenbenz bes vorliegenben Gesetzes ebenfalls einoerftanben. Dagegen f.inn er kein°n Grunb erblicken, de- bie Ausschließung des Unterofficierstanbes von ber Wohlthat bieses Gesetzes rechtfertigen könnte. Rebner befürwortet bie Aufnahme aller berufsmäßigen Unterofficiere (Kapitulanten) in bas Gesetz unb stellt er einen diesbezüglichen Abänderungsantrag in Aussicht. Er be- antragtddie Verweisung ber Vorlage an eine besondere Commission von vierzehn Ab. Richter (Hagen) erklärt sich ebenfalls für commisfarische Berathung. Es wäre bas erste Mal, baß ber Reichstag eine Vorlage, bei ber es sich um eine bauernbe Mehrbelastung bes Reichs hanble, ohne commissarische Vorberathung erlebigte. Die Sache liege boch hier ganz anbers, als bei den Civilbmmien Für bie Militärpersonen bestehe schon in weitgehenbes Verforgungssyitem. was bei ben Civilbeamten nicht bet Fall sei. Jetzt soll noch eine wei.ere Ungleichheit burch bie Befreiung ber Officiere bis zum Hauptmann zweiter (Hoffe herauf von der Beitragspflicht ftatuirt werben. Jeder unverheirathete Beamte ohne Unterschied bes Dienfteinkommens müsse seine 3 pCt. von seinem Gehalte beitragen. Wie in aller Welt komme man nun bazu, bie Officiere ber genannten Classen von biesen Beiträgen zu befreien Jebensalls seien bie jüngeren Officiere hinsichtlich ihres Diensteinkommens viel besser gestellt, als bie jüngeren Civilbeamten; biätarische Militärpersonen kenne man gar nicht. Eine solche Bevorzugung würbe sehr böses Blut in ber Beamt cnwelt fitzn. Aus betn formalen Grunde bi s s Hen aths Consenses lasse sich biefe Befreiung nicht rechtfertigen. Die Fortschrittspartei wolle di. Gleichheit ber Officiere unb Beamte nach allen Richtungen, aber biefe Gleichh.it bestehe N'cht barin, daß jebe Verbesserung ber Civilbeamten mechanisch auch auf bie Militärperfonen übertragen werbe, ohne zu untersuchen, ob nicht die letzteren wesentlich besser gestellt finb, als bie Civilbeamten. Hier biete sich eine Gelegenheit, bic Ungleichheit zu beseitigen, bie zwischen Officieren unb Beamten seit langer Zeit besteht, beßhald werben wir unsere Zustimmung zu ber Vorlage nur geben, wenn ber Commissionsbeschluß vom Jahre 1873 in berfelben Aufnahme finbet, wonach Officiere unb Milstarbeamte überall in ben Communen ebenso zu besteuern finb, als bie Civilbeamten, bas ist unser Stanbpunkt zur Sache. Abg. Schneiber (nat-lib) erklärt sich ebenfalls gegen bie Bestimmung in § 2, welche unverheirathete Militärperfonen von ber Beitragspflicht ausschließt unter Exemplification aus Baben, wo jeder Officier ohne Unterschieb ber Charge zur Wittwen- faffe beiträgt. Rebner stellt ebenfalls entsprechenbe Abänberungs - Anträge in Aussicht. Kriegsminister v. Kameke stellt zunächst in Abrebe, baß anbere als formelle Grünbe für bie geforberte Behanblung ber Materien bezüglich ber Militär- und Civilbeamten maßgebend gewesen finb. Gegenüber Richter vertheidigt der Minister die Communalsteuerfreiheit ber Officiere unb weift nach, baß sie als Grunbbesitzer zur Communalsteuer herangezogen würben. Gegen Gerlach bemerkt ber Minister, daß die Unterofficiere in bas Gesetz nicht ausgenommen worben, weil sie zur Beitragspflicht nicht herangezogen werben können. Nach kurzen Bemerkungen bes Abg. Richter wird die Discusston geschlossen. Die Vorlage geht hierauf an eine besondere Commission von vierzehn Mitgliedern. II. Antrag des Abg. Hasen clever zu der Uebersicht über die Entscheidungen des Bundesraths auf bie Resolution bes Reichstags, betr. bie Verhaftung bes A'og. Dietz (Hamburg). Der Abgeorbncte Hasen clever hat zu der Uebersicht folgende Bemerkungen gemacht: 1. Der Beschluß des Reichstages vom 14. Januar er. ist durch den Beschluß des Bunbesraths nicht erleb,gt. Der Reichstag hat biesen feinen Beschluß in ber Absicht gefaßt, Aufklärung zu schaffen, ob burch die Verhaftung bes Abg. Dietz ber Art. 31 ber Reichsoerfassung verletzt worben ist ober nicht- Der Beschluß bes Bunbesrathes läßt biefe dem Reichstagsbeschlüsse zu Grunde liegende Frage gänzlich unberührt- 2. Die Auskunft des Bunbesraths ist unvollständig, weil sie die Gründe für die Verweigerung einer actenmäßigen Darstellung des Sachverhaltes im Falle Dietz nicht angiebt- Abg. Kayser fritifirt bas Verfahren ber württembergischen Richter in bem vorerwähnten Fall Dietz. Er behauptet, baß hier eine Verfassungsverletzung vorliege unb hält es für angezeigt, baß bie Anmaßung beS Richterstanbes ein wenig zu bämpfen sei. Bunbeskommissar, Geycimrath W e y m a n n rechtfertigt bas Verfahren bes Bundesraths, bie Bemerkungen bes Abg. Has en clever seien in keiner Weise zutreffenb- Der Bunbesrath habe ben Beschluß des Reichstags orbnungsmäßig ausgeführt unb verfahre dabei durchaus selbstständig. Dem Bundesrath sei übrigens jetzt das Material aus Württemberg zugegangen. III. Berathung der kaiserlichen Verordnung vom 24. Februar 1882 Über das gewerbsmäßige Verkaufen unb Feilb eten von Petroleum. Abg. Dr. Hermes (Priegnitzl ist ber Meinung, baß bie Bestimmungen, welche bas gewerbsmäßige Verkaufen und Feilhalten entflammbaren Petroleums nur in solchen Gefäßen gestattet, bie an in bie Augen faüenber Stelle auf rothem Grunbe bie nicht verwischbare Aufschrift „feuergefährlich" tragen, aus technischen Grünben, die Redner eingehend entwickelt, nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich sei. Redner wünscht LSi'®ew 'Mt lota6Mtnmet Mdh m 5“ «W» h«i eiptoäjett. Jn osßciellA Be- led aus den Ahe- ^ter Oesterreich- le aus diente auds vom 7. b§. । v- Bötticher, !ffcnb die Fürsorge mb ber kaiserlichen senken hat Redner letzte und Beamte ^rangezogen werden icht- Jndeß möchte 1, baß die Wl- ! zu schließen und ihi end die Mär-- zen commiffarische j einige wesentliche iben Tesehetz ebendie Wschlrehung en könnte. Redner pitulanten) in das Aussicht. Er be- ssion von vierzehn he Berathung. Es um eine dauernde ng erlebigte. Sie I£ Wärperionen beamten nicht bet der Osfickre dis t werden. W* M M. ba^ii, dre Diniere leien die jüngeren die jüngeren Ciotl- (olche Bevorzugung sich diese Befreiung itficiere und Beamte Hebe Verbesserung ?en werbe, ohne 5.SS SSW? Bestimmung in ?ver ,h?r W'M »Äl« w * 8e»«W" a beit Bes^l Uta) ne‘l ... der d^Dietz der i8?bÄeÄ «Ki A'L *■*' K- m d-r <981®* * - !,»<>« deshalb die Außerkraftsetzung der Verordnung, die noch eine ganze Reihe von Polizeiverordnungen nöthtg machen würde. Geh- Rath Köhler rechtfertigt dem gegenüber den Erlaß der Verordnung insbesondere mit den zahlreichen Explosionen, welche in steigender Zahl sich alljährlich wiederholen. Die dadurch vermehrten Gefahren hätten die Aufmerksamkeit des Gesundheitsamts auf sich gelenkt. Dasselbe sei dazu befugt gewesen, weil die Gefahren in stetem Wachsen begriffen. Auch in anderen Ländern sei man dem Gegenstände bereits näher getreten und in Amerika habe der Abel'sche Apparat ebenfalls bereits Geltung. Abg. Freiherr v. Minnigerode plaidirt für Aufrechthaltvng der Verordnung, die ihre Begründung schon in den vielen Petroleum-Explosionen finde. Abg. Meier (Bremen) erklärt sich aber gegen eine Aufhebung dieser Verordnung. Dieselbe schädige den Handel in keiner Weise, garantire aber eine größere Sicherheit. Abg. Hermes hält trotzdem seine Bedenken aufrecht. Von Petroleum-Explosionen höre man äußerst selten, wenn Unglücksfälle vorgekommen, so sei daran zum allergrößten Theil die Unvorsichtigkeit der Menschen schuld. Die Gefahren würden durch diese Verordnung gar nicht beseitigt. Nachdem noch Abg. Perrot ebenfalls für die Verordnung gesprochen, wird dieselbe genehmigt, womit die Tagesordnung erledigt ist. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr. Tages-Ordnung: Nachtragsetat und zweite Berathung des Tabakmonopols. Schluß 4% Uhr. Telegraphische Depeschen. Woiff's telegr. Correspondenz-Bureau. Potsdam, 11. Juni. Heute Nachmittag 2 Uhr fand fin der zu einer Capelle umgewundelten Jaspis-Galerie des Neuen Palais bei Potsdam die Taufe des am 6 Mai geborenen Sohnes Sr. K. Hoheit des Prinzen Wilhelm statt, zu welcher außer den fürstlichen Gästen des kaiserlichen Hofes die landsässigen Fürsten, die Minister, der Bundesrath, das Präsidium des Reichstags, die Generalität, die Botschafter und andere Personen von Distinction geladen waren Die Mutter des Täuflings, Ihre K. Hoheit die Prinzessin Wilhelm, nahm am Altar Platz, während Se. Majestät der Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserip und die übrigen höchsten Taufpathen und resp. deren Vertreter sich vor dem Altar aufstellten. Hofmarschall Major v. Liebenau eröffnete den Zug des Täuflings, bet dessen Eintritt der königliche Domchor den Psalm 103 anstimmte und die Motette: „Lobe den Herrn, meine Seele" sang. Die Oberhofmeisterin Gräfin Brockdorff trug das fürstliche Kind; die Schleppe der Taufrobe hielten die Hofdamen Gräfin Keller und Fräulein v. Gersdorff Aus den Händen der Gräfin Brockdorff empfing Ihre K. Hoheit die Prinzessin Victoria den Täufling, trug ihn zum Altar und übergab ihn Ihrer K. K- Hoheit der Frau Kronprinzessin, welche denselben während der Taufrede hielt- Bei der Taufhandlung selbst trug Se. Majestät der Kaiser den Urenkel auf seinen Armen. Oberhofprediger Dr Kögel hielt die Iauf- rede, in welcher er Bezug nahm auf den Sonntag Cantate (7. Mai), der die Kunde von der Geburt des Prinzen durch das Land trug, auf den 11. Juni, den 53. Hochzeitstag des Kaiserpaares und auf den Spruch 1. Corinther 13, Vers 13, der sowohl der goldenen Hochzeitsfeier als der Trauung des Prinzen und der Prinzessin Wilhelm zu Grunde gelegen- In der heiligen Taufe erhielt der junge Prinz die Namen: Friedrich Wilhelm Victor August Ernst. Die Taufpathen sind: Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin, Ihre K. K- Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin, Ihre K- Hoheiten Prinz Heinrich, Prinzessin Victoria, Prinz Karl, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl, Prinz und Prinzessin Albrecht, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein, die Prinzessinnen Caroline Mathilde und Amalie von Schleswig-Holstein, Prinz Christian von Schleswig-Holstein und seine Gemahlin, Prinzessin Helene von Großbritannien, Prinzessin Pauline von Schleswig-Holstein; -ferner_bte Königin von England, der Kaiser von Rußland, der Kaiser von Oesterreich, der König von Italien, der König von Sachsen, der König der Belgier, Prinz von Wales, Kronprinz von Oesterreich, Großherzog und Großherzogin von Baden, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha, Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen, Fürst von Hohenlohe-Langenburg. Nach vollzogener Taufhandlung übernahm Ihre K. K. Hoheit die Frau Kron- prmzesfin den jungen Primen und legte denselben in die Arme der hohen Mutter. Vor dieser fand alsdann die Cour statt und hieran schloß sich ein Galadiner im Marmorsaale. Pesth, 11. Juni. Das Duell zwischen den Abgg. Wahrmann und -xlstoczy wurde im Momente des Beginnes durch das Erscheinen eines Wachmannes verhindert. 7 Wasbington, 11. Juni. Der Bericht des Ackerbau-Bureaus saqt ■ Das nut Frühjahrs-Weizen befäete Areal hat um 12 pGt. abqenommen • der Stand des Winter-Weizens ist durchschnittlich 100. Nimmt man das Areal s>es Wmter- und Frühjahrs-Weizens zusammen und dauern die jetziaen Zustände jart, so wird die Ernte 13 Scheffel pro Acre ergeben und die Gesammt-Ernte Wafferwärme der Lahn. Am 12. Juni, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: -fi 11V? R-, Luftwärme +10° 9? L. Chr. Rübsamen. L o f al e- c, e 12; Juni. Bei dem am nächsten Sonntag den 18. Juni hier stattfindenden Kirchengesangfeste kommen folgende Gesangstücke von Seiten ^es von ca 350 Saugern und Sängerinnen gebildeten Chors zum Vortrag: 1. Allein Gott in derHöb o1 c na$ dem altkirchlichen gloria in excelsis. Tonsatz von Calvisius 1597 2- Der Fleisch geworden ist, aus einer Messe von Josquin de Prba 1440—1515 3 Mie ^0" leuchtet der Morgenstern, Text und Melodie von PH. Nicolai 1599. 4 Ebre sei dir Chnstc, au§ einer Pasfionsmusik von Heinr. Schütz 1585—1672. 5 Christ um er §eil?nb non Jakobus Gallus (Handl, 1550-1591. 6. Komm, h-tllg-r Wt. altl deutsch lo24- 7. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit, von A- v. Löwenstern (1594—1648). Tonsatz von F- Riegel. 8. Christe, du Lamm Gottes. Melodie aus bcm 16 Jahrhundert. Tonsatz von Mich. Prätorms, 1607- 9- Lobe den Herren Tert von J Neander (geft. 1680). Melodie 1668, Frankfurt. 10. Die Nacht ist kommen Mel- Böhmische Brüder. Harmoni: Joh. Herm. Schein (1627). 11. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt. Von Joh. Mich. Bach, 1660-1709 - Bei den Chorälen wirken sammtliche, bei den übrigen Stücken nur die größeren Vereine mit — Von der Kal Eisenbahn-Direction in Hannover ist eine Fahrpreisermäßigung in der Weise bewilliat worden, daß den Theilnehrnern des Festes gegen Vorzeigung einer von hier (Pfarrer Schlosser) zugestellten Legitimationskarte Hin- und Rückfahrt für ein einfaches Billei gewahrt wird._________________________________ "nG ”Onf?er ®rn,te Don E0 übertroffen werden. Das Mais-Areal kann vor verarÄ ”erben- W ®übm unb ^orbroeften bedeutend schadete den WanM 8 fpät' bttä kalte u«d nasse Wetter — Die Eisenfabriken im Cincinnati-Districte nehmen die Arbeit am Won. b[etteTX7uUkr|rt.WäbUt0er^brifankn bie Sa8e in ^ttäburS . Alexandrien, 12. Juni (Privatdepesche). Gestern Nachmittag stnb hier Unruhen gegen die Europäer ausgebrochen. $ünf Stunden nach Beginn derselben ,erstreutc das Militär die ^"trnhrischen. Der britische Konsul, griechische Eonsul und der italienische Vice-Consul sind schwer verwundet. s ^"9e",euF ^s englischen Panzerschiffes „Superb- 7bu"h einen Pistolenschuß getödtet. Die „Superb" soll Nachts in den Hafen einlaufen und 200 Soldaten lum b°ufulats ausschiffen. Die Briten nahmen^die Bord. Die Zahl der letzteren wird auf 20 geschätzt. • sn ' 12' Ium. (Privatdepesche). Ein Allerhöchster Beschl de« Czaren an den Senat meldet die Enthebung Jgnat.eff « und die Ernennung des Akademie-Präfidentcn Grafen Tolstor zum Mtnrster des Innern. Handel und Verkehr. Grünberg, 10. Juni. (Fruchtpreise vom 10. Juni.) Weizen JL 25 — Korn 18 86 Gerste JL 16.74 Hafer JL 16.26, Erbsen Lein 28.58, Samen uH. 25.66, Kartoffeln JL 3.08. Frankfurt. 10. Juni. Auf dem heutigen Markt kostete der CentnerHeu je nach Qualität JL 4.00-4.75, Stroh 2.50—3.20, Eier des Hundert 4.30—5.30 Butter 1- Qualität JL 1.10, 2. Qualität JL 1.00, Neue Kartoffeln das Gescheid 30 Kopfsalat 1—2 Wirsing 00—00 Erbsen 00 Bohnen 80—90 das Pfund Spargel 00—00 das Pfund, Blumenkohl 30—50 H das Stuck. Ochsenfleisch per Pfund 70^, Kuh- und Rindfleisch 50—60^, Kalbfleisch 50—60 X Schweinefleisch 70—80 4, Hammelfleisch 55—65 H, 1 Hahn Jl. 1.70—2.30, 1 Huhn 2 —2 50 1 Poularde JL 3.00,-3.00, 1 Ente M. 3.-4, 1 Taube 45—50 1 Welscher «^L 8—12 1 Gans