ttn. £ findet Wenzels kkK. lite. Wja ;um Wj der Eintritt gegen Bor- ßchtbar Jutta keinen nt'on nimmt Mite. U mellen*) reslau. rickleimung, iir Lunten» a Beutel 30 504 M Mndr. len. teil. gii«, 12, & 4 eparaturen rniehen * Atotw,i enUorn, iß-L___ Oll. eien n* u ßen »»li: U", y' ii«. Nr. 137. Zweites Blatt. Sonntag den 9. Juli 1882. Meßmer Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Bureau r Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. PreiK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlehn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Wochenschau. Gießen, 8. Juli. Die Kur unseres Kaisers in Ems neigt sich ihrem Ende zu, da er am 13. Juli auf der Insel Mainau erwartet wird, wo der Aufenthalt etwa acht Tage dauern wird. Der Kaiser gedenkt sich sodann, wie bereits bekannt, nach Bad Gastein zu begeben, womit seine üblichen Badereisen für dieses Jahr ihr Ende erreicht haben würden. Ueber die geplante Begegnung mit dem Kaiser von Oesterreich in Gastein verlautet noch nichts Positiveres, doch wird versichert, daß, falls die Zusammenkunft noch stattfinden sollte, die Politik den Bestrebungen zwischen beiden Herrschern fern bleiben würde. Der Waffenstillstand zwischen der preußischen Regierung und dem Centrum resp. der Kurie scheint wieder abgelaufen zu sein. In einer ihrer letzten Nummern veröffentlicht die officiöse „Nordd. Allg. Ztg." einen scharfen Artikel gegen das Centrum und die Kurie. In dem Artikel ist gesagt, es sei jetzt an der Kurie, entgegenzukommen, zumal sie nach Eröffnungen der preußischen Regierung wisse, daß niemals die Begnadigung der abgesetzten Bischöfe Ledochowski und Melchers erfolgen werde. Gerade aber die Zurückberufung der abgesetzten preußischen Bischöfe bildet eine der Hauptforderungen im Lager der Ultramontanen und eine der wesentlichsten Vorbedingungen, welche die Negierung erfüllen soll, ehe man sich im Centrum geneigt zeigt, die Negierung weiter zu „unterstützen." Der erwähnte Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." kommt aber einem Absagebrief an Centrum und Kurie gleich, welcher das fernere Zusammengehen zwischen Regierung und Centrum, vorläufig wenigstens, aufhebt und auch die Fortsetzung der Unterhandlungen zwischen Preußen und der römischen Kurie in unabsehbare Ferne schiebt. Die Rede, welche Herr v. Bennigsen auf dem nationalliberalen Parteitage in Köln gehalten hat, wird von den auf gemäßigt liberalem oder gemäßigt conservativem Standpunkte stehenden Blättern im Allgemeinen mit Zustimmung ausgenommen. Man betont hierbei, daß ein Zusammengehen der gemäßigten Elemente auf liberaler wie auf conservativer Seite nur natürlich sei, da nur hierdurch die Abwehr gegen das Anstürmen der radikalen Elemente von rechts und links Aussicht auf Erfolge habe. Indessen zeigt man sich auf sreiconservativer Seite noch nicht frei von Mißtrauen gegen die Nationalliberalen , man will hier erst „Thaten" sehen, ehe man an die Aufrichtigkeit der gemäßigt Liberalen bezüglich eines Zusammengehens mit den Freiconserva- tiven glaubt. Als Beweis dieser Aufrichtigkeit fordert die „Weimar'sche Ztg.", daß sich die Nationalliberalen überall da, wo sich entschieden Liberale und Frei- conservative gegenüberstehen, aus die Seite der letzteren stellen. Die Wahlen zum preußischen Landtage werden zeigen, ob diese Aufforderung bei den Nationalliberalen auf guten Boden gefallen ist. Der Oberbürgermeister Berlins, Herr v. Forckenbeck, hat die an ihn ergangene Einladung zur Theilnahme an der Einweihung des neuen Pariser Stadthauses unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand abgelehnt. Da bei der erwähnten Feier sicher Worte gesprochen werden, welche das Oberhaupt der deutschen Reichshauptstadt unmöglich hören darf und will, so ist der ablehnende Bescheid des Herrn v. Forckenbeck nur mit Genugthuung zu begrüßen. In Oesterreich beschäftigt man sich eifrigst mit der vom Reichskriegsminister geplanten durchgreifenden Reorganisation des österreichisch-ungarischen Heeres. Das Geheimniß der Erfolge der preußisch-deutschen Waffen in den Kriegen 1864, 1866 und 1870 glaubt man österreichischerseits zum guten Theile auf die in Preußen nun schon seit einem halben Jahrhundert bestehenden Ter- ritorial-Armee-Corps-Bezirke zurückführen zu müssen und es soll deshalb auch in Oesterreich eine gleiche Einrichtung geschaffen werden. Es ist gewiß, daß eine Territorial-Mntheilung eine schnelle Mobilisirung entschieden begünstigt, ganz abgesehen von den andern Vortheilen ,. welche diese Einrichtung noch bietet. Ob aber dieselbe sich in Oesterreich so ohne Weiteres wird durchführen lassen, erscheint sehr fraglich, denn gerade hier erscheint das Heer als der letzte Pfeller der Reichseinheit. Jedenfalls wird die österreichische Regierung bei Einführung der Territorial-Armee-Corps-Bezirke noch besondere Vorsichtsmaßregeln treffen müssen, wenn sie nicht will, daß die nationalen Leidenschaften und Streitigkeiten nun auch in das Heer Eingang finden. Der kriegerische Eifer der Franzosen lodert hell empor. Ihre Rüstungen zur See sind geradezu großartig zu nennen. Das in Toulon liegende Transportgeschwader ist bereit, binnen 24 Stunden 12,000 Mann an Bord zu nehmen. Die Effectivstärke der in Toulon mittelst Schnellzügen eingetroffenen Matrosen der Marine-Reserve ist ganz bedeutend; so sind allein aus den nordfranzösischen Quartieren Boulogne, Dieppe und Dünkirchen je 1000 Matrosen in Toulon angelangt. Das aus sechs Panzerschiffen 1. Klasse bestehende französische Geschwader, welches Toulon bereits vor einigen Tagen verließ, dürfte gegenwärtig an der tunesischen Küste angekommen sein, ein weiteres Geschwader von fünf Panzerschiffen liegt im Touloner Hafen zur Abfahrt bereit und ein Reservegeschwader ist an der französischen Westküste in Bildung begriffen. Die bereits abgegangene Flotte hat 5000 Mann an Bord, während das vor Alexandrien befindliche französische Geschwader 4000 Mann an Bord hat. Frankreich ist demnach gleich England zum Losschlagen in Egypten bereit und es bedarf nur noch der Zustimmung der Conferenz, um die Lösung der egypti- schen Wirren mit dem Schwert herbeizuführen. Das englische Unterhaus hat in der letzten Zeit mit Hochdruck gearbeitet, um die Vorlagen, betr. die Zwangsbill und die Pachtrückstände für Irland, zu erledigen. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch beendigte das Haus die Einzelberathung der Zwangsbill-Vorlage und auch die Pachtrückstandsbill soll nunmehr zur Specialberathung gelangen. Da die irischen Abgeordneten den Beschluß gefaßt haben, sich an den ferneren Berathungen über die Zwangsbill nicht mehr zu betheiligen, so darf man annehmen, daß dieselben nunmehr bald zum Ende gelangen. Während der Dienstags-Sitzung der beiden Häuser des Parlaments fand ein Cabinetsrath statt, welcher wichtig gewesen sein muß, denn Lord Granville, der Minister des Auswärtigen, verließ die Oberhaus-Sitzung, um dem Cabinetsrathe beizuwohnen. Auch die Truppen-Oberbefehlshaber und die Minister conferirten mit einander. Die Session der serbischen Skupschtina ist am Dienstag durch eine Thronrede des Königs feierlich geschlossen ivorden. Die Thronrede gedenkt der freundschaftlichen Beziehungen Serbiens zu ganz Europa, erwähnt die abgeschlossenen Handelsverträge und spricht die Hoffnung aus, daß die votirten Gesetze, namentlich diejenigen zur Lömng der Agrarfrage, dem Lande zum Heile gereichen werden. Die leidige egyptische Frage hat in den letzten Tagen ein recht kriegerisches Aussehen gewonnen. Ganz abgesehen von den Rüstungen Englands und Frankreichs, so haben sich die Dinge in und-vor Alexandrien selbst bedeutend zugespitzt. Drohend blicken einander die Mündungen der Geschütze in den Forts und des englisch-französischen Geschwaders entgegen, die Besatzung Alexandriens ist abermals um 2000 Mann vermehrt worden, Munitions- und sonstige Kriegsvorräthe werden von den Egyptern nach den Forts geschafft, auch soll es bereits zu Mißhelligkeiten zwischen dem englischen Admiral Seymour und den egyptischen Behörden gekommen sein. Admiral Seymour hat in Folge empfangener Instructionen der egyptischen Regierung formell eröffnet, daß die Errichtung von Forts, Auspflanzung von Geschützen oder andere die Flotte bedrohende Operationen nicht länger gestattet sein könnten. Er müsse deshalb die unverzügliche Anstellung solcher Arbeiten fordern, im Weigerungsfälle aber werde er olM Verzug das Bombardement der Werke Alexandriens eröffnen. Es könnte also leicht geschehen, daß die Ereignisse in Egypten die Beschlüsse der Conferenz überholen. Wie übrigens die „Times" wissen will, hätte die Conferenz am Mittwoch beschlossen, dem Sultan die Intervention in Egypten unter den von den Botschaften vereinbarten Bedingungen anzubieten. i'1 Die heutige Türkei. Nahezu seit einem Menschenaller ist man bereits gewöhnt, den türkischen Staat mit dem Spottnamen „des kranken Mannes" zu bezeichnen, an dem ganz Europa herumkurirte, um ihn nun bald zum Sterben zu bringen. Wäre der gute Wille der europäischen Staatsmänner hier allein maßgebend gewesen, das Ziel würde längst erreicht sein, aber da nachdem Ableben des „kranken Mannes" die Thetlung der Erbschaft in Aussicht stand, von der jede Großmacht möglichst viel haben wollte, so fanden sich immer wieder gute Freunde, welche versuchten, den Patienten künstlich am Leben zu erhalten, um dadurch die Frage der Erbschaftstheilung bis auf eine gelegenere Zeit hinauszuschieben. So war es zu den Zeiten Kaiser Nikolaus von Rußland, der das Woit vom „kranken Mann" zuerst gebrauchte und ist es geblieben bis zum letzten großen Kriege, der das osmanische Reich dem Ruin nahe brachte und aus dem es nur als ein krafiloser, in sich zerfallener Staat hervorging. Der Berliner Congreß rettete nochmals das schwer gefährdete Dasein der Türket und erhielt sie als wirkliche Macht, im Gegensatz zu den Absichten Rußlands, welches die Pforte zu einem Schattenbilde erniedrigen wollte. Es scheint in der Thal, als ob diejenigen, welche der Türket damals noch innere Lebenskraft zugetraut Hutten, und zu diesen gehörte auch Fürst Bismarck, Recht behalten werd.n, denn es läßt sich nicht verkennen, daß seitdem Vieles geschehen ist, den Staat zu heben und existenzfähig zu machen. Sultan Abdul Hamid hat sich, wenn auch nicht gerade als ein Genie, doch einsichtsvoll für die bestehenden Schaden des Reiches gezeigt und die Initiative ergriffen, um Reformen herbeizuführen, indem er durch abendländische Verwaltungsbeamte dem Schlendrian und der Corruptton unter den eigenen Staatsbehörden entgegentrat. Es sind vor Allem Angehörige des Deutsch-n Reiches, welche als Reformatoren in der Türkei wirken und soweit ihre Ansichten bekannt geworden sind, läßt sich ersehen, daß sie für die Zukunft desLandes noch alles Gute hoffen, wenn es eben gelingt, die bekannte türkische Wirthschaft abzuschaffen. Diese, nicht die Finanznoth, ist das Grundübel, an dem derStaat^ krankt, denn nach den Mitteilungen des zum Unterstaatssecretar im Manzministermm ernannten preußischen Regierungsrathes Wettendorf besitzt die Türkei recyr gure finanzielle Hilfsquellen; aber so wie das Geld einkommt, verschwindet es a ch Es herrscht eben keine Ordnung in der Staatsmaschinerie. - - horfl Ist in der inneren Verwaltung so noch kein überaus großer aberdoch mtt Rücksicht auf di- früheren Verhältnisse wesentlicher Fortschritt °-rz-'chne^ so hat die Türkei dafür aus-dem Gebiete der äußeren Pol,Nk f-tt b=m S«'S'eruIn6Saent" Abdul Hamid's sich ein Ansehen zu erringen verstanden, w>- st- -s schon lange^M hindurch nicht mehr besessen hat. Das tritt besonders in der t-tzigen egyptilch n ocrnc hervor, in welcher der Sultan mit Erfolk> d-n- W'stm^t - ^ed)ttn ni$ ftÄTÄÄÄ-ÄÄi«... W” “»'■ »um ersten Male-in- Politik, an welch man M 's ^kre.ch, England und gar nicht zu denken wagte. Wahrend h«" Abdul Hamid jetzt mit Rußland sich gegenseitig ihren. 6»# f aue Deutschland, wenn man sonst die allen Dr-t-n gebrochen und W fi* ^r Deutschland ist von allen Beziehungen zwischenr b-td-n Staaten ,° w Qn c(ner Th-ilung der Türket kein europäischen Großmächten- d,- -mr-S-, g,^», Frankreich, Oesterreich, Rußland und unmittelbares Interest- hat, währ-nd ^ng , r würden, wenn eben M-suS^ch VX »U Freunden" ho. sich der Sultan, der im Gegensätze zu seinen Vorgängern selbstständig das Getriebe der äußeren Politik leitet, abgewendet und möchte gern ein directes Bündniß mit Deutschland schließen, worauf nun wohl freilich unsere leitenden Staatsmänner nicht eingehen werden. Die wiederholten außerordentlichen Gesandtschaften zwischen Berlin und Stambul beweisen zur Genüge, daß lebhafte diplomatische Verhandlungen gepflogen werden, deren naturgemäßes Resultat nur eine moralische Unterstützung für die Türkei sein kann. Aber auch diese ist schon werthooll genug, um nicht von dem Sultan geschätzt zu werden; sie sichert den allgemeinen Frieden Europas, hilft die Verwaltung der Türkei reorganisiren und kräftigt und stärkt den geschwächten Staat dadurch bedeutend. Diese guten Beziehungen werden von Berlin, wie von Konstantinopel mit gleicher Sorgfalt gepflegt, denn wenn auch gegenwärtig kein Grund zu einem Bündniß vor- ltegt so kann doch in der Zukunft bei einem Conflicte mit Rußland — es braucht noch gar kein Krieg zu sein — die Türkei von großem Nutzen für Deutschland sein, denn sie würde einen Theil der russischen Streitkräfte in Schach halten. Man darf die türkische Armee nicht unterschätzen, sie hat 1877/78 gezeigt, was sie leisten kann und sie wird noch tüchtiger werden, wenn die Arbeit der deutschen Officiere von Erfolg begleitet ist. So w rd nach jeder Richtung hin zur Hebung der Türkei gearbeitet und es muß sich in den nächsten zehn, zwanzig Jahren Herausstellen, ob dem Reiche überhaupt noch wahre Lebenskraft innewohnt, ob sie in der That fähig ist, sich gänzlich der Herrschaft europäischer Cultur zu unterwerfen. Ist das unmöglich, so hat freilich auch eine Weiterexistenz der Türkei nur dem Namen nach keinen Zweck und eine TheUung wird nicht nur gerechtfertigt, sondern auch nöthig sein. Vermischtes. Mainz, 4. Juli. Auf der Gustavsburg ereignete sich am Samstag Nachmittag folgender ergötzliche Vorfall. Ein Liebespärchen saß in der Sch.'schen Wlrthschast und flüsterte sich süße Worte zu „Doch mit des Geschickes Macht n ist k.in ew'ger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell." Dieses Unglück schritt nun auch wirklich in der Gestalt des erzürnten Vaters ungeahnt und ungesehen heran. Patsch! Patsch' erklang es links und rechts auf die Wangen des höchst überraschten Seladons, welcher den Hut ergriff, die Geliebte und das Bier im Stich ließ und m langen Sätzen über den Eis nbahndamm entwich. Die leer gewordene Stelle nahm nun der grollende Vater ein, welcher dem blühenden Töchterlein ganz andere Koseworte zusprach, um später den Weg nach dem fröhl'chen, goldnen Mainz anzutretcn. Das Mitleid der Augenzeugen wandte sich am Ende doch noch dem Liebhaber zu, denn so aus dem Felde geschlagen zu werden, das ist doch auch keine Kleinigkeit. Mainz, 4. Juli. Ein schändliches Verbrechen ist in unserem Nachbarorte Budenheim gestern durch die Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden. Vor einiger Zeit verschwand in Budenheim die Schwester eines dort'gen Ackermannes und erklärte der Letztere auf Befragen nach seiner Schwester, dieselbe sei zu entfernt wohnenden Verwandten gereist. Dieser Mittheilung schenkte indessen Niemand Glauben und es verbreitete sich plötzlich das Gerücht, das verschwundene Mädchen werde von ihrem Bruder in einem Winkel des Hauses gefangen gehalten. Dieses Gerücht kam auch zur Kenntniß der hiesigen Staatsanwaltschaft und daher begaben sich gestern die Herren Staatsanwälte Dr.Gaßner und Dr. Schlippe in Gemeinschaft mit dem Herrn Untersuchungsrichter nach Budenheim und unter Zuhülfenahme der Ortspolizei wurde in der Wohnung des Ackermannes L. Haussuchung nach dessen Schwester gehalten und wurde dieselbe schließlich auf dem Speicher in einem mehrere Fuß breiten Raum in völlig verwahrlostem Zustande, halb verhungert, mit Ungeziefer und Unrath bedeckt, aufgefunden. Der Ackersmann L-, der seine Schwester, um dieselbe zu beerben, aus dem Weg räumen wollte, wurde sofort verhaftet und in das hiesige Untersuchungs Gefängniß abgeführt. Das Mädchen ist alsbald in ärztliche Pflege gegeben worden. Frankfurt, 4. Juli. Gar viele Ehemänner glauben, daß sie völlig gedeckt seien, wenn sie in den öffentlichen Blättern eine Warnung erlassen, „ihrer Frau nichts mehr zu borgen, da sie für nichts haften " Dieselben haben im Laufe dieser und voriger Woche reichlich Gelegenheit gehabt, ihren Jrrthum einzuschen; denn auf erhobene Klage verurtheilten sie die Gerichte, die von ihren Frauen gemachten Schulden zu bezahlen. Anders gestaltete sich jedoch folgender Fall. Die Frau eines hiesigen Kaufmanns scheint nicht leben zu können, ohne hinter dem Rücken ihres Mannes einige Schulden zu machen- Der gutmülhige Mann zahlte stets, wenn auch murrend, bis ihm die Sache zu arg wurde. Er sah sich deshalb veranlaßt, die betreffenden Firmen brieflich und mündlich davon zu unterrichten, daß sie seiner Frau nicht das Geringste mehr borgen dürften; sie hätte Mittel genug, um baar bezahlen zu können. Gleichwohl ließ sich eine Firma herbei, gegen den Willen des Mannes und hinter dessen Rücken wieder zu crebitiren und die Rechnung bis auf fast 900 Mark auflaufen zu lassen. Als die Firma ihre Forderungen präfentirte, meinte sie auf die Einrede, der Gatte müsse bezahlen, weil es sich um Gegenstände, welche zur Unterhaltung und Ernährung der Familie gedient, handle und die Frau dabei von dem sogenannten Schlüsselrechie Gebrauch gemacht hätte. Da der Eyemann trotz aller Bitten zu zahlen sich weigerte, so wurde Klage gestellt. Der Gerichtshof ging auf alle angeführten Gründe, welche den Beklagten zahlungspflichtig erscheinen lassen sollten, nicht ein, sondern erklärte, Beklagter habe zu beweisen, daß er schriftlich und mündlich den Kläger vor dem Creditiren gewarnt, könne er das, so solle die Klage abgewiesen werden- — [Sine Gräfin Toggenburg.j Chevalier de Hoffmann, den die Wiener Gerichte zu siebenjähriger Kerkerstrafe verurtheilten, hat ein Herz gewonnen, das ihm mehr als treue Schwesterliebe widmet, es ist die Gräfin Wjera Tschestulin. Diese junge Russin lernte den amerikanischen Consul Charles de Hoffmann bei ihrem Austritt aus dem Pensionat bei einer Soiree des Grafen Berg in Petersburg kennen und trotzdem sie hörte, daß der stattliche Mann verheirathet sei, verliebte sie sich derart in ihn, daß sie ihm überallhin folgte. Als Hoffmann vor den Geschworenen stand, eilte Wjera nach Wien und brach zweimal bei den Verhandlungen in Schluchzen aus Sie besuchte ihn dann im Sprechzimmer und brachte ihm Blumen. Der unglückliche Mann, der dieses liebende Weib in den Tagen seines Glanzes unbeachtet ließ, dankte ihr wehmüthig für ihre Freundschaft und sie weinte über den traurigen Ton seiner Stimme. — Vor einem ihrer Freunde äußerte sich Wjera von Tschestulin: „Jetzt werde ich nicht mehr vom Orte weichen, wo Hoffmann sich jeweilig aufhalten wird. Ich werde hier bleiben, so lange er hier bleibt, ich werde fort von hier gehen, wenn er wird fort müssen. Volle sieben Jahre sagen Sie? — Ach, was wissen Sie, ich werde volle sieben Jahre bei ihm bleiben, das thut nichts. Er soll doch wissen, daß außerhalb des Kerkers ihn Jemand liebt. Ich will nicht, daß er die schreckliche Zeitrechnung der Gefangenen haben soll — Tage zählen, Stunden zählen, Minuten — nein, er soll die Heit rechnen von meinem Besuch bis wieder zu meinem Besuch. Alles, was ein Weib für einen Gefangenen thun kann, will ich für ihn thun." - „Sie fragen, was geschehen wird, wenn die sieben Jahre um fein werden? Weiß ich's denn selbst? Ach, wir könnten glücklich fein . . . Aber nein, pfui, ich darf nicht daran denken, jetzt, wo er so elend ist. Nein, er ist zu Nichts gezwungen, er soll frei fein und glücklich, denn ich bin schon glücklich genug, wenn ich ihm dienen kann." — Armes Weib! — (Eine neue Versicherung.) In Amerika versichert man sich bekanntlich gegen alles Mögliche. Nun hat sich in Newark (Staat Neu-Yersei) eine Gesellschaft gebildet die auch gegen das Regenwetter (allen Ernstes!) versichert. Wer z. B- am Sonnabend' ein gutes Geschäft machen will, wobei aber gutes Wetter die Hauptbedingung ist der versichert sich mit 1 Doll- Regnet es aber dann an diesem Sonnabend und wenn auch nur ein wenig, so erhält er von der Compagnie 10 Doll, ausbezahlt. Ein Wirth z. B der sich mit Speisevorrätben und Erfrischungen für ein Picknick eingerichtet und dabei jedenfalls einen schönen Profit zu machen gedenkt, wird, wenn es an dem betreffenden Tag Regen giebt, statt des Gewinnes großen Schaden haben. Versichert er sich aber dagegen mit 10 Doll., so zahlt ihm die Compagnie 100 Doll, aus rc. -- Eine neue afrikanische Forschungsreise ist, wie man dem „Hamb. C." aus Rom schreibt, nun fast eine beschlossene Sache, die in den dortigen wissenschaftlichen Kreisen nicht geringes Interesse erregt. Auch diesmal hat die Geographische Gesellschaft dabei eine lobenswerthe Initiative ergriffen. Der Reisende, welcher die Expediton leiten wird, ist Signor C- Gregori, der auf diesem schwierigen Gebiet kein Neuling mehr ist. Sein Plan geht dahin, das Terrain zwischen dem Rothen Meere und dem äthiopischen Hochlande gründlich zu durchforschen und zwar nicht aus rein wissenschaftlichen, sondern auch aus commerciellen und polnischen Motiven. Die Ausgangsstation soll natürlich Assab — die neue italienische Colonie — bilden. Dadurch, daß man in jenen Regionen festen Fuß gefaßt hat, eröffnet sich für die Afrikaforschung eine glänzende Perspective. Italien gedenkt nämlich mit dem Innern einen regelmäßigen Karawanenverkehr anzuknüpfen. Daß dies gigantische Project aber mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist, das liegt auf der Hand. Arn meisten sind nächst dem mörderischen Klima die blutdürstigen Tribu von Afar zu fürchten. Letztere ermordeten bekanntlich den Reisenden Giulietti, dessen Leichnam heute noch nicht bestattet ist. Um das Reiseprogramm zu erleichtern, wird die Regierung das Möglichste thun, um sich mit dem mächtigen Sultan von Aussa in besseres Einvernehmen zu setzen. Gewerbliche und technische Notizen. - (Carbolsäure gegen Durchfall der Kälber.) Im Centralblatt für Posen berichtet em Landwirth über die zuverlässigen Erfolge, welche er bisher mit Carbolsäure gegen den Durchfall der neugeborenen Kälber gehabt hat- Sowie man den Durchfall bei den jungen Kälbern bemerkt, gebe man sofort von einem Liter lauwarmen Wassers w welchem 20 Tropfen rectificirter Carbolsäure aufgelöst sind, dem Kalbe einen guten Eßlöffel und den Rest der Kuh, wiederhole dies täglich dreimal, bis der Durchfall gänzlich verschwunden und die Excremenle von normaler Beschaffenheit sind. Es bedarf keines Futtermittels, keiner Absonderung, noch irgend einer anderen lästigen oder umständlichen Procedur, das Mittel ist bequem zu verabreichen und hat bisher noch stets geholfen. 1 n j-t.7" Erficht mit Milch, Nahm, Butter.) Diese Stoffe nehmen erfahrungsgemäß alle üblen Gerüche, Ausdunstungen und epidemischen Krankheitskeime, die in der Luft sind, in sich auf. Es ist in letzterer Beziehung auch nachgewiesen, daß durch die Milch selbst Diphtherie, Typhus, Blattern rc weiter verbreitet worden sind Daraus geht hervor, daß alle Milchproducte nicht nur in gesundheitlicher Beziehung, sondern auch rn Bezug auf ihre Qualität nicht sorgfältig genug vor schlechter Luft und üblen Gerüchen bewahrt werden können. Der Verkauf von Milchproducten aus Häusern, in denen epidemische Krankheiten und aus Ställen, wo derartige Seuchen herrschen, sollte gesetzlich verboten sein. Berzeichniß der Miltelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen vom Monat Juni 1882. Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennige- is; o ^4p&4 al 4 al^ al^ ALS. AL^ AL$ AL 4 ■AL^ •AL. 4 ■AL. 4 AL 4 3 - 2 25 2 40 12 75 9 75 9 25 8 25 12 25 13:50 20-23- 85 72 E -- .Er iS1« 85 AL. 4 äl$ 4 4 AL4 AL 4 4 46 70 0 83 9 —'90 i7o 20 — 47 /&4 1914 1b 13 Q AL 4 ^85 c/&4 23 — 26 — 25;—13 50 I4 X4 1 50 B E *6" *6" El 4 25 20 •AL 4 L66 —I56 | 64| 154 40 60| Iß2 AL. 4 |64 A 22 A 18 14 AL^ 27- S E" Allgemeiner Anzeiger. Original engl. Dampf-Dreschmaschinen und aus der Fabrik von Clayton &. Shuttleworth u in Lincoln, liefern unter Garantie und Probezeit mit ausgedehnten Zahlungsterminen franco Bahnfracht. 2553 PH. MAYFARTH & Co., Maschinenfabrik in Frankfurt a. M. ' CHOCOLADEM nid CHOCOLADEN - DESSERT, nach französischem unb schweizer System fabricirt, durch feinsten Geschmack unb großen Cacaogehalt sich auSzeichuend. Leicht lösliche entölte Cacaos. 100 Sassen per Pfund. 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