Nr. S8. Donnerstag den 9. März 1882» Gießener Anzeiger Amts- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen. --------- PrcjK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. »wetau t Schulstr°b° B. 18. Erscheint «»glich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps. Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Mittwoch den 13. März L I., Vormittags 1« Uhr, findet in dem Reaierungsgebäude dahier eine außerordentliche öffentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gießen statt. tmoet 's-Ordnung: 1. Nachtrag zum Kreiskasse-Voranschlag für 1882/83. 2. Vorberathung über Anlegung von Krelsstraßen. 3. Wahl zweier Er- sahmitglieder zur Commission für Abschätzung von Flurschäden. Gießen, am 6. März 1882. Der Vorsitzende des Kreistages. p I)r. Boekmann. ____________________________ -------- ---;--------------------—— — Gießen, den 7. März 1882. Betreffend: Die Bildung der für das Jahr 1882 nöthigen Weinsteuer-Einschätzungs-Commissionen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosz Herz »glichen Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Erledigung unseres in Nr. 4t des Anzeigers enthaltenen Ausschreibens rubricirten Betreffs im Rückstand sind, werden hiermit an die alsbaldige Erledigung erinnert. vr. Boekmann.■ Betreffend: Die Frühjahrs-Control-Versammlungen. , Gießen, am 2. März 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Groß herzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Die nachstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise veröffentlichen laffen. Dr S0efmann' Gießen, den 28. Februar 1882. Bekanntmachung. Die diesjährigen Frühjahrs-Control-Versammlungen werden im Kreise GJ.ßen wie folgt abgehalten werden: 1. Im Bezirke -er I. Compagnie (Gießen). 8. Zu Gießen am 3. April 1882, Vormittags, im Oswald'sthen Garten und zwar um *Vk Uhr für sämmtliche Reservisten der Infanterie, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Alannschasten aller Waffen, um 83/4 Uhr für sämmtliche Wehrleute der Infanterie, um 10 Uhr für sämmtliche Reservisten und Wehrleute der übrigen Waffen. Hierher gehören die Orte: . Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg, Heuchelheim, Klem-Lmden, Oppenrod. 2. Zu Lollar am 4. April 1882, Vormittags, neben dem neuen Bahnhossgebaude und zwar um 8 Uhr für sämmtliche Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, um 10 V» Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. 5 h AllendorfEa.O^Lda., Alt-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Hof Heibertshausen, Groß-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, 281^6(1. ;r Zu Grünberg am 5. April 1882, Vormittags, an dem Bahnhofe und zwar um 8 Uhr für sämmtliche Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller -affen, um 9 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. Hierher ^^^^Veltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Hattenrod, Härbach, Kesselbach, Lauter, /^nstruth, Londorf, Lumda Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Mddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitersham, Winnerod. US. Im Bezirke der RS. Compagnie (Lieh). 1. Zu Hungen am 17. April 1882, Mittags 12 Nhr, am Friedhöfe. für sämintliche Reservisten upd Wehrleute sowie zur Disposition der Truppenthelle und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen. ^iC h Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdors, Muschenheim, Ronnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen. 2. Zu Lictt am 18. April 1882, Vormittags, am Bahnhose und zwar um 9 Uhr für sämmtliche Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mamischasten aller Waffen, um 10 Uhr für sämmtliche Wehrleute aller Waffen. Hierher ^A^i^^ndorf a. d. Lahn, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich , Groß-Linden, ^ünmgen, Hausen, Holzheim, Lang-Göns, Leihgestern, Sich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühljachsen, Munster, egof-Gill, Nieder-Besslngen, Ober Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach, Watzenborn mit Steinberg. . „ . . , „... . . hi-s Renrlo>ibken- Es haben aus den genannteii Orten zur bestimmten Stunde sämmtliche im betreffenden Bezirke wohnenden Offiziere und_--i.n 1-1 :Trutil)enthcHe standes aller Waffen des deutschen Reiches zu erscheinen, welche zur Reserve und Landwehr gehören, zur Dtspoflt beurlaubt, oder zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassen sind. Die Ersich-Reservlsten haben E e sch ^treffenden Control- Dispensalionen können nur in. ganz dringenden Fällen eintreten und müssen darauf bezügliche Gesuche spätestens 8 -r. g Versammlungen auf dein Dienstwege eingereicht werden. • „ . Die ohne Entschuldigung fehlenden Mannschaften haben sich der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen. Naben und vor dem Es wird noch bemerkt, daß die Leute mit dem Militär-Paß und Führungs-Attest versehen in bürgerlicher Kle.dnng M ersthemen haben, und vor dem Beginn der Control-Versammlung Schirme, Stöcke, Pfeifen rc. fortzulegen sind. Oberstlieutenant z. D und Bezirks-Commandeur. /X Die künftige Realschule erster Ordnung. Der Kreis der Schulmänner und Interessenten ivar seit lange in zwei große Heerlager getheilt: auf der einen Seite die Anhänger und Verfechter der Rechte des humanistischen Gymnasiums, seinen Abiturienten allein und ausschließlich die Hallen der Universität zu öffnen, auf der andern Seite die muthigen Kämpfer für die Gleichberechtigung der Realschule erster Ordnung mit dem Ginunasiuin Hüben und drüben erschienen zahlreiche Flug- und Slrett- schritten In der Hitze des Gefechtes hat es an Erbitterung nicht gefehlt. Jetzt in diesen Tagen, haben endlich die vielen sachlichen Erörterungen und langwierigen Kämpfe zu einem Resultat geführt, das wir als ein überaus erfreuliches begrüßen. Die preußische Staatsregierung hat Bestimmungen von der größten Tragweite für das gesammte höhere Unterrichtswesen getroffen, und da Hessen den preußischen Maßnahmen und Einrichtungen auf dem Gebiete der Schule stets gefolgt ist, so hoffen wir, daß der Tag nicht zu weit hinausgerückt werden möge, wo jene kerngesunden und einen Fortschritt im System unseres höheren Unterrichts bekundenden Reformen auch von der hessischen Unterrichtsverwaltung eingeführt werden. Nur ein blindes Borurtheil, eine völlige Unkenntniß der Sache, der Cnl- turverhältnisse überhaupt vermochte den Realschulen die Existenzberechtigung abzusprechen. Die Realschulen haben sich aus den innersten Erfordernissen unserer Zeit entwickelt. Der Umstand, daß das Gymnasium hinter den Forderungen der Gegenwart, der fortgeschrittenen Cultur zurückblieb, hat sie in's Leben gerufen. Das Ringen der Realschule nach gebührender Anerkennung ist daher keine Anmaßung, kein unbegründeter Schritt ihrerseits, es liegt hier das naturgemäße Sichgeltendmachen des erstarkten modernen Culturelementes vor. Nie würde die Axt an die Realschulen gelegt werden können, ohne die Aufgabe unserer ganzen nwdernen Cultur tief zu schädigen. Gymnasium und Realschule sind thatsächlich gleichartige, lebensfrische Organismen, auf welche die Nation stolz sein kann. Beide sind und sollen keine Fachschulen sein, sondern erstreben eine allgemeine Bildung. Es findet zwischen Gymnasium und Realschule kein prinzipieller Gegensatz statt, sondern ein Verhältniß gegenseitiger Ergänzung. In ihrem idealen Ziele werden sie nothwendig sich berühren. Auf Grund dieser Erwägungen hat die preußische Regierung folgende Bestimmungen bezüglich der Reorganisation der Lehrpläne für die Realschule erster Ordnung (oder nach späterer Benennung Real-Gymnasium) erlassen: Die Lehrpläne beider Lehranstalten werden für die drei untersten Jahrescourse so angenähert, daß bis zur Versetzung nach Untertertia der Uebergang von der einen Kategorie der Schulen zu der anderu unbehindert ist. Innerhalb jener drei Jahre können sich Lehrer und Eltern überzeugen, ob die Fähigkeiten des Knaben denselben mehr für die fernere Ausbildung auf einem Gymnasium oder einer Realschule geeignet erscheinen lassen. Und tritt ein Wechsel der Anstalt ein, so wird der Verlust eines Jahres nicht mehr in dem Maße wie jetzt eintreten können. Beide Arten von Schulen werden zugleich von nicht hinein gehörenden Elementen befreit. Eine tiefere Einführung in die lateinische Sprache wird durch eine höhere Stundenzahl erzielt. Wie beim Gymnasium die ungünstigen Resultate im Französischen, so sind bei der Realschule die "Mängel im Lateinischen eine Folge der geringen Stundenzahl. Dem naturwissenschaftlichen Unterricht auf den Realschulen, insbesondere dem in den oberen Klassen, werden engere Grenzen gezogen: denn in seiner jetzigen Ausdehnung stempelt er dieselben zu Fachschulen, und Manches aus ihrem Pensum gehört wohl auf die Universität oder technische Hochschule. Das Centrum der Realschule werden die modernen Sprachen. Das Gymnasium nimmt die alten Sprachen zu Hilfe; die Realschule geht von der Gegenwart aus, welche den Jdeenkreis ausgedehnt, die geistigen Bedürfnisse vermehrt hat. So reorganisirt, wird die Realschule in regeln Wetteifer mit dem Gymnasium, für die Lösung der höchsten intellectuellen ethischen und praktischen Aufgabe befähigt sein. Allgemeine Bildung und der wissenschaftliche Sinn der Nation, der bis dahin ihr Schnmck und ihre Zierde war, wird das Princip beider Lehranstalten sein. Die Lösung weiterer Fragen, rote die gleiche Berechtigung mit den Gymnasial-Abiturienten und die Zulassung zu allen Fakultäts- Studien — unter der Bedingung einer Nachprüfung! — wird der Zukunft anheimfallen; dem Gebotenen werden sich zur Zeit gerne weitere Wünsche unterordnen. Seutschland. w. Darmstadt, 7. März. fZweüe Kammer der Stände. 16. Sitzung.j Präsident Kugler verkündigt zu Beginn der Sitzung einen Antrag des Abgeordneten Schad- und Genossen auf Anstellung von Erhebungen über die Lage des kt-inercn und mittleren Grundbesitzes. — Hierauf erstattet Abg. El len berg er Namens des Finanzausschusses mündlichen Bericht in der Polytechnikumsfrage Er führt aus: Zn einer gemeinschastlichen Ausschußsihung mit der Großh. Regierung erklärte der zugezogene Oberbürgermeister Ohly, daß die Stadt um des Friedens willen außer den seitherigen Leistungen, welche in Bestreitung der sachlichen Ausgaben und der Stellung des Gebäudes bestehen, einen Zuschuß von 10,000 x leisten wolle. Diese Summe se, jedoch bei der ungünstigen Finanzlage der Stadt das höchste Maß der Lcistungsrnöglichkeit und werde überhaupt nur unter der Bedingung verwilligt, daß von den Ständen ein Vertrag gutgeheißen werde, der den Bestand des Poiyiechnikums mindestens auf 20 Jahre sicher stelle Die Majorität hielt dieses Ansinnen für viel zu niedrig und glaubte noch viel weniger den Abschluß eines Vertrags annehmen resp. empfehlen zu können. Sind auch nach diesem Anerbieten die Verhandlimgen mit der Stadt Darmstadt als gescheitert zu betrachten, so glaubt die Majorität, wenn auch nicht durch die für die Weiterexistenz des Polytechnikums vorgebrachten Gründe bewogen doch aus Zweckmäßigkeitsgründen von ihrem Antrag, das Polytechnikum bis znm 1. Ociober 1882 aufzuheben, abseheu und > unmehr, während die Minorität ihren früheren Antrag aufrecht erhält, vorschlagen zu sollen: 1. die für bie technische Hock schule angeforderten 143,880 X, jedoch abzüglich von 400 X Besoldungserhöhung für den Secretär bei der Direction. zu bewilligen; 2. die Großh. Regierung zu ersuchen die technische Hochschule bei Fortdauer der dermaligetr geringen Fre,' quenz mtt Ablauf der Finanzperiode 1882/83 aufzuheben. — Präsident Kugler beraumt die weitere Berathung über diesen Gegenstand im Plenum auf morgen an. Die Kammer tritt in dieBerathung des Budgets der Seetion für Justizverwaltung ein und spinnt sich dieselbe ziemlich rasch ab. — Bei den Land und Amtsgerichten werden ebenfalls die Gehalte von drei Canzlisten gestrichen, auch wird die vorgefchlagene Erhöhung der Gehalte der Amtsgerichtsdiener abgelehnt, dagegen der Betrag von 4000 X zur Verbesserung des Einkommens solcher Amtsgerichtsdiener, zunächst in Rheinhessen, welche schlecht gestellt sind, verwilligt. Die (Sefammtfumme für die Land- und Amtsgerichte wird unter Berücksichtigung der stattgehabten Aender- ungen hierauf bewilligt — Die Anfoiderungen zu Cap. 81, „Bureaukosten für die Gerichte zur Verfügung des Ministeriums", Cap. 82, „Vicariats- und Aushülfekosten, Remunerationen, Kosten Der Renovation der Hypothekenbücher, Reisekosten, Tagegelder, Ueberzugskosten, Kosten in Armensagen", und Cap. 83, „Kosten der Standesregister", geben zu einer Beanstandung keinen Anlaß und werdin ohne Debatte bewilligt. - Bei Cap. 84, „Criminalkosten", Hai bie Regierung für einen Criminalpolizeicommifsät zu Darmstadt einen Gehalt von 3000 X vorgesehen, welchen der Ausschuß zu streichen beantragt. Trotz warmer Befürwortung des Postens durch den als Regierurgs-Eom- miffär fungirenden Herrn Oberstaatsanwalt Becker wird derselbe abgelehnt; die übrigen Anforderungen zu diesem Capitel werden bewilligt. Auch am C ntralbauwesen im Ressort der Justizverwaltung werden einige kleine Abstriche oorgenomrnen. Es folgt die Berathung des außerordentlichen Ausgabebudgets. Die für Kreisstraßen geforderten 180,000 x werden bewilligt, ebenso 15,000 x für Errichtung eines Küchenbaues bei dem Gefängmß zu Darmstadt. — Der Neubau eines Gymnasialgebäudes in Darmstadt, für welchen 231,000 X angefordert sind, wird heute wederholt von den Adgg Wolfskehl und Tecklenburg und von Geh. Staatsrath Knorr als dringend nothwendig^ bezeichnet, trotzdem ergibt die Abstimmung Ablehnung der Anfordeiung gegen 9 Stimmen. — Die für die Errichtung eines Gebäudes für bie landwirthschaftliche Versuchsstation angeforberten 76,200 X werben, nachdem Abg. Psannstiel dagegen gespiochen, gegen 7 Stimmen bewilligt. Weitere Debatten finden nicht mehr ftatt und werden noch verwilligt: Für bäuliche Ausführungen ,m Arbeitshaus zu Dieburg 22,000 X, für Hochreserooire und Wasserleitung in der Land-s-Jrreiwnstait zu Heppenheim 20,100 X, für Errichtung eines Gebäudes für bie Taubstummenanstalt zu Bensheim 61,500 X. für Wasserleitung, Brunnen und Canalisation im Landeszuchthaus Marienschloß 35,000 X, für Erbauung eines Hast- locals zu Pfeddersheim 22,000 X, für die Katharinenkirche zu Oppenheim 50,000 X, für Erweiterung des Provinzialarrest Hanfes zu Gießen und Neubau eines Haftlocals in Verbindung mit dem ersteren 75,500 X, für Erweiterung der Haftlocale zu Friedberg und Alsfeld 12,000, resp. 13,000 X, für Einrichtung einer Küche für die Bereitung der Gefangenenkost im Provinzial Arresthaus zu Darnisiadt 7000 X für Erweiterung des Haftlocals in Gernsheim 21,000 X und für Erweiterung des Gerichtsgebäudes zu Mainz 23,600 X. — Nä-bste itzung morgen. Darmstadt, 8. März. sTeleqramm.^ Zweite Kammer. Die Anforderung für das Polytechnikum wurde bewilligt. Ein Antrag auf Aufhebung desselben mit Ablauf der Finanzperiode bei fortdauernd schwacher Frequenz wurde in namentlicher Abstimmung mit 28 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Berlin, 6. März. Es ist vorgekonnnen, daß Consum-Vereine Waaren in nicht unerheblichem Umfange auch an Nichtmitglieder abgelassen haben, und da sie hiernach ein unter den Begriff des Handels fallendes Gewerbe betrieben, für ihren gefainmten Geschäftsumsatz zur Gewerbesteuer herangezogen worden finb., Es hat dies bei solchem Geschäftsbetriebe auch die weitere Folge, daß ein Consuin-Verein, insoweit es sich um den Verkauf von Branntwein oder Spiritus handelt, auch unter die Vorschriften des § 53 der Reichsgewerbeordnung fällt Es dürfen mithin Quantitäten unter ’/s Anker (17,, 7z Liter) nur auf Grund einer besonderen Erlaubniß (Concession) abgegeben werden. — So unglaublich es klingen mag, so ist es dennoch wahr, daß gegenwärtig in Berlin ein Schwindler mit ganz nennenswerthem Erfolge Beiträge für die beim Ringtheater-Brande in Wien Verunglückten, resp. deren Hinterbliebenen, sammelt. Der Schwindler bedient sich hierbei eines Bogens, welcher mit dein Stempel des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins versehen ist. Es werden zumeist vornehme Persönlichkeiten gebrandschatzt. — Um Ablehnung des Tabaksmonopols ist dem Volkswirthschaftsrath eine Petition der Handelskammer zu Hanau zugegangen. Dieselbe nimmt Bezug auf die erhebliche Tabaksindustrie Hanaus und schildert die großen Nachthelle, welche die Einführung des Monopols im Gefolge haben werde. Die Arbeiter würden brodlos, die Grundstücke im Allgemeinen entwerthet, die mit der Tabaksindustrie in Verbindung stehenden Nebengewerbe, wie Kisten- und Wickelform- Fabriken, vernichtet, die kleine Hausindustrie zerstört und die Kauf- und Steuerkraft der Gesannntbevölkerung erheblich geschwächt werden. Für alle diese Schäden sei in der Vorlage eine Entschädigung nicht vorgesehen. Die zweite Drucksache ist ein von der süddeutschen Abtheilung des deutschen Vereins für Tabaksfabrikanten und Händler zusammengestelltes Verzeichniß derjenigen Handels- Corporationen, welche sich in ihrem Jahresberichte pro 1880 bezüglich des Tabaksmonopols, der Straßburger Tabaksmanufaktur und der Lage der Tabaksindustrie und des Handels geäußert haben. — Dem allgemeinen Verlangen nach einer Reform des Aktiengesetzes dürfte jetzt Rechnung getragen werben. Eine Berathung von Sachverstänbigen» an ber auch der jetzige Präsibent der Central-Boden-Credit-Aktiengesellschaft, Dr. Jacobi, Theil nimmt, wird am 24. d. Bits, beginnen. Wünschen wir ihr guten Erfolg. Telegraphische Depeschen. Wolff's telcgr. Correspondenz-Bureau. Berlin, 7. März. Volkswirthschaftsrath. Berathung des Unfallversicherungsgesetzes. Kalle, Baare, Hertz und Andere sprechen sich principiell für die Genossenschaften aus, halten aber zur Durchführung des Princips die ReichS- versicherungsanstalt nicht entbehrlich. Hagen befürwortet die Erweiterung des Haftpflichtgesetzes mit VersicherungSzwang im Sinne des Entwurfs der liberalen Reichstagsparteien. Die meisten anderen Redner bekämpfen diesen Standpunkt. Jansen und Hertz wollen die Betheiltgung des Reiches an ber Prämienzahlung. Hagen und Leyendecker sprechen gegen die Betheiligung des Reiches an der Prämienzahlung. Leyendecker will die Betheiligung ber bestehenden Unfallversicherungsanstalten an der Lösung der Aufgabe, was Wolff bekämpft. Gegen bie ganze Vorlage als nicht im Interesse der Arbeiter spricht sich Kamine aus. Nachbem noch mehrere Rebner nicht zu Gunsten des Unfallgesetzes gesprochen hatten, wird die Vorlage dem permanenten Ausschuß überwiesen. Leipzig, 7. März. Die Revision, welche ber Buchdruckerei - Besitzer Ruppel in Berlin gegen baS Erkenntniß des Landgerichts I, Berlin, durch das er wegen Beleidigung der Berliner Stadtverwaltung zu 400 X. Geldbuße ver- urtheilt worden war, eingelegt hatte, ist vom Reichsgerichte zurückgewiesen worden. . — Das Reichsgericht hat die von dem Chef-Redacteur des „Berl. Tagebl.", Levysohn, gegen das Urtheil des Landgerichts I, Berlin, durch welches derselbe wegen Beleidigung des Reichskanzlers, Fürsten Bismarck, zu 3 Monaten Ge- fängniß verurthellt worden war, eingelegte Revision verworfen. Ebenso verwarf bas Reichsgericht bie Revision, welche die Staatsanwaltschaft gegen bas den mitangeklagten Redacteur der „Tribüne", Meyer, freisprechende Erkenntniß eingelegt hatte. München, 7. März. Die Kammer lehnte mit 78 gegen 70 Stimmen den Initiativantrag Schels (Einschränkung der Diäten und Eisenbahnfreikarten) ab. Die Berathung über den Antrag Rittler betreffs der Erklärung von Tegernsee wurde nach längerer Begründung durch den Antragsteller und einer Gegenrede des Cnltusministers, worin er die Intentionen der Opposition entschieden bekämpfte, nn Uebrigen bie bereits gemachten Zugeständnisse und Zusagen auf wohlwollendste Berücksichtigung feierlich wiederholte, auf morgen vertagt. Wie«, 7. März. Officiell. Behufs Säuberung der Gegend von Du- bocani von Jnsurgenten-Colonnen wurde Oberst Zambauer die Narenta abwärts entsendet und Hauptmann Loy in Korjice angewiesen, die Unternehmung zu unterstützen. Letzterer griff sofort nach Eintreffen in Dubocani 40 Insurgenten an, welche unter Zurücklassung von 3 Tobten und 4 Verwunbeten zersprengt Die zweite Streite für n Handels- a Tadaks- .täiMrie schchsrch Mit BW Kchchile, ie Arbeiter «TadÄs- WäM- md Stem- ktimgefetzes «rsMigen, ngeskllMft, hm mi ihr H gegen« Beiträge n Hmter- 6, wücher t ist. Es »e SSaarett [laben, unb * betrieben, 'M worden ?e, daß ein ■r Spiritus nung W uf Grund Lokale». Gieße«, 8. März. [Sterblidjteit in@ie§en.J Die Zahl der Todesfälle während der Woche vom 26. Februar bis 4. Mär, belief sich im Ganzen auf 12, die sich auf « Erwachsene und 4 Kinder vertheilen. Don den erfieren endete ein Mann aus einer benachbarten Gemeinde durch Selbstmord (Erhängen,, außerdem starben 3 Personen an Lunaenschwindsucht und t- eine an Lungenentzündung, Lungenemphysem, orgamscher Herzkrankheit, Bauchfellentzündung. 2 Kinder befanden sich noch im ersirn Lebenssabre eins von ihnen starb, nur wenige Stunden alt, an angeborener Schwache, das andere an Darmcatarrh. Von den beiden älteren Kindern starb das eine an Bron- chienentzündung, das andere an Keuchhusten. G. Gießen, 8. März. (Feierabend, Lehrlingspensionat.s Aus Frankfurt a. M. wird uns Folgendes geschrieben: . . s , Die gute alte Sitte, daß die Lehrlinge in den Verband des Hauses ausgenommen, somit auch der Aussicht und Regel desselben unterworfen waren, hat sich leider bis auf wenige Ausnahmen nicht erhalten, und die jungen, kaum dem Knabenalter entwachsenen Leute kommen oftmals auS der strengen Zucht der Schule und des Elternhauses vom Lande in die Stadt, deren lockende Reize sie veranlassen, von der ihnen plötzlich gewordenen Freiheit Übeln Gebrauch zu machen. Von oielen Seiten wurde nun schon der Wunsch ausgesprochen, ev möge den Lehrlingen eine Häuslichkeit geboten werden, welche zwischen der Bevormundung des Knaben und der bewußten Selbstständigkeit des Mannes einen Uebergang bildend, ihnen bei genau geregelter Hausordnung zugleich em gewisses Maß berechtigter Freiheit gewähre. Um dem erwähnten Bedürfniß zu entsprechen, haben wir in unserem Hause, „Nürnberger Hof", an der Schnurgasse, eine Lkhrlingspension errichtet, welcher unser Verwalter, Herr Johann Göbel, und dessen Frau als christliche Hauseltern vorstehen. Die Lchrlinge erhalten, getrennt von den daselbst verkehrenden Arbeitern, Wohnung, Kost. Unterricht, sowie passende Unterhaltung und Beschältigung. Wir bitten freundlichst, unser Unternehmen in den betreffenden Kreisen bekannt zu mach-n und namentlich diejenigen Eltern, welche für ihre Söhne Lehrstellen und geeignete Unterkunft in unserer Stadt suchen, darauf aufmerksam machen znwollrn und -sind gerne zu jeder weiteren Auskunft über Pensionspreise und sonstige Verhältnisse erbötig. Hochachtungsvoll Der Vorstand der Feierabend-Säle und des Lehrlings-Hauses. Verwischte H. Darmstadt, 5. März. Heute Nachmittag wurde in der Ochsengasse ein Sackträger von einem aus Schaafheim gebürtigen Maurer »durch einen Messerstich in den Hals fast augenblicklich gelobtet. Der sofort festgepommene Thäter, der zuerst angegriffen, und mit dem Messer verwundet wurde, scheint sich faetisch im Zustande der Rothwehr befunden zu Haden. Win decken Am vergangenen Samstag brach etwa gegen 9 Uhr Abends dahier Feuer aus und äscherte eine Scheune und ein halbes Wohnhaus ein Die Gebäude waren, wie es in Windecken überhaupt vorhanden, sehr aneinander gebaut, und ist es nur der raschen und energischen Hülse der Windecker Feuerwehr und der umliegenden Orte zu danken, daß das Feuer aus feinen Herd beschränkt wurde. Leider hatte jedoch die Brandaffaire noch ein großes Unglück im Gefolge, indem einem jungen Mann aus Heldenbergen durch die heimkehrende dortige Feuerspritze der Kopf überfahren wurde, so daß der Mann auf der Stelle tobt geblieben ist. Biebrich Die Eriminalpolizei von Wiesbaden ist gegenwärtig hier sehr thäiig, weil der Verdacht besteht, daß ein kürzlich bet St. Goarshausen geländeter Schüler der Baugewerkichule zu Idstein, Namens Haardt, in der Nähe unserer Stadt ermordet und in den Rhein geworfen worden ist. Man vermuthet, daß bei dieser Affaire auch ein Frauenzimmer eine Rolle gespielt hat. Bockenheim, 2. März. Vor einigen Tagen wurde hier ein Fall conftatirt, wie es einzelne Gemeinden betreiben, um mit Hülfe des Unterstützungswohnsitz-Gesetzes ihre Unterstützungsbedürftigen oder Berechtigten los zu werden und dieselben anderen Gemeinden aufzuhalsen. Es wurde nämlich wegen einer polizeilichen Uebertretunq ein Mann vernommen, der ohne den nöthigen Verdienst sich hier umhertrieb und angab, 5 »Cr reOn *e*ner Heimathsgemeinde Rendel vierteljährlich seine Wohnungsmiethe er- batte. Es stellte sich heraus, daß er schon anderthalb Jahre hier, bann wieder in Jienbel gewesen ist, wo matt ihn veranlaßt, hier zu bleiben, man würde ihm bte t nyn9Smiethe hierher senden, wahrscheinlich so lange, bis er nach zwei Jahren seine AMprUche aus Unterstützung geltend machen kann. Derartige Fälle sollen schon wiederholt hier beobachtet worden sein. ... _t®'n e kleine Hausapotheke von Pros. Ritter v. Nußbaum.s Es gibt Sia! ... m T«eiVn k« Gelehrtenwelt, welche glauben, daß ein Universitätsprofessor „VS. HZrabsteigen und ein populäres Buch schreiben dürfe, und daß es zum m >AU en ^?n.e ükböre, die Gelehrsamkeit und das Wissen stets in einem ge- Jl‘, G von Unklarheit oder Langeweile einzuhüllen. Einer solchen Ansicht gegen- uver begrüßen wir um so mehr diese von Herrn Professor unter dem Titel: „Kleine 1’eri’ffentlid)te Anleitung, wie man sich in Krankheitsfällen zu be- fioiJVS. wenn ärztliche Hülse nicht bei der Hand ist. Das Büchelchen ist eine jl0entIi(5 den Titel einer kurzen Hygiene beanspruchen kann Sr VH durch leichtfaßliche, populäre und naturwüchsige Darstellung auszeichnet, rote nut ^/Mge Schriften dieser Art; selbst Erlebtes, reiche Erfahrung, innige Ueberzeugung und klare Belehrung sprechen aus jeder Zeile. Drum gehe hinaus in die weite Welt, eltus ) “tmiuun» ^“”9 eine! . “erben ®eilete .Weitung 1 ®ebäube§ Iuiwtn unb e|nt8 ßQft. Ä “eit unb st st er en *2|000, rtjp. ffltnfoft im >aftlocal§ hi >23,600 2 kwilligt. auf der 'i wurde Stimmen Eden Die Truppen hatten keinen Verlust., Sie fanden Stetnschanzen und En mit Prviantresten vor. Zambauer traf keine Gegner an. Rach Lagorje 5 ein großer Theil der männlichen Bevölkerung zuruckgekehrt Bet den S ret- - §naen am 5. März gegen Riska und Lupavae und von Nevestnje nach ^asena [ £Sn sie keine Insurgenten mehr an. Bet Durchstretfung der Vtdusaplanma , Eden in Vlasko 14 Verdächtige gefangen. Am 4. Marz mar em kurzes Ge- ; echt bei Skodjigrin zwischen Gensd'armen und Insurgenten; dte etzteren flohen. Die Truppen hatten keinen Verlust, ^n der Rächt vom 4. auf den o. .Rarz fand ein Geplänkel bei Greben statt. . . Beiarad 7 März Der König erließ eine Proklamation, m welcher ,r prfrärt daß er nach dem Willen des ganzen Volkes die Königskrone ange- Mommen bade Er werde sein ganzes Leben dein Glücke des Volkes widmen. ' Von gan? Europa sympathisch unterstützt , wofür er seinem tiefen Danke Aus- . wuef flicht, gehe Serbien sicherer der Zukunft entgegen. Möge die neue Aera Alle mit Vaterlandsliebe und Opferwilligkert erfüllen, möge die neue Stellung geheiligt werden durch Entwickelung zur Burgerliebe, zur Gerechtigkeit, zum . Fortschritte, zur ^Ä^^Deputitt-rckammer. Berathunq des Berichtes, nach welchem j . gi„trnn he'?, ®eoutrtm Boysset betreffend die Aushebung des Konkordats in Be- ! werdm soll- Der Bischop Freppel sprach sich gegen den Antrag aus, , Äm er h-rvochod, man könne wohl ein Gesetz aufheben, aber nicht einen Vertrag, j ÄA/^i Parteien mit einanb-r verbinde. Freppel rotes am bte Unruhen hm. I !v ch bie Äuchebung des Konkordats Hervorrufen würde. Nach den Unglücksfallen 1870 müffe man auf die Vereinigung einer Kinder bedacht fein, aber nicht «iS» Boyss-t führt aus, der Papst habe durch Publikation des Syl- ?abus fe?dst das Konkordat aufgekündigt. Der Ministerpräsident Freyctntt erklärte, die »eoieruna würde sich der Jnbetrach'nahme widersetzen, wenn barm ein-Prazudizirung b/r "“Sengten Frage- liegen sollte, dieselbe halte es aber indessen für vor- , tbeilbMi baß eine eingehende Debatte Klarheit bezüglich der Frage der Beziehungen ; ,wischen Staat und Kirche schasse. Deßhalb sei sie, indem sie sich vollkommen das ; Reckt Vorbehalte, die Basis des Antrages zu bekämpfen und das Konkordat aufrecht- t mbalten bereit, diese große Berathung zu beginnen, welche spatere Losungen vorbereiten könne Durch diese Erwägungen bewogen, sei die Regierung für d,c Jnbetrachtnahm- des Antrages. (Beifall.) Die Jnbetrachtnahme wurde darauf Mit 343 gegen 139 Stimmen angenommen. Eine Kommission von 22 Mstgüedern wird den Antrag Boysset prüfen unb ebenso den Antrag des ehemaligen Ministers Bert, betreffend die Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat m Algier. z tilllit’ § bit#* * * * 5’ »eitefflS * j her lN® ■ grt« , wy- ai ter M- rli^5 | Seger die i eine aus. ■ gesprochen J Ä-BeM durch b“6 bbuße * jjckgE [.»£' ie» d-rs» «M % sovermri 'bas w Miß eUV 0 gtim* nfreika» M« * ei'*0 ,., uif 1 h"1“: reni1 kleiner Rathgeber, du brauchst keinen Begleitschein und keinen Empfehlungsbrief, die Thüren weiden sich dir von selbst öffnen unb bu wirft Tausenben nützen unb willkommen fein. I Dr. J. — [Ein ruhiges Fräuenheim.f Der unglücklichste Mensch ist im Augenblicke der König von Siam. Er ist Besitzer von 350 Frauen unb soll int Ernste beabsichtigen, einer jeben berselben ein Klavier zum Geschenke zu machen. Das kann ein schönes Hausconeert werben! Frankfurt a. M. Am 31. ds. Monats findet nun definitiv die Ziehung der 2 Serie der Ausstellungs Lotterie statt, weiche mit den herrlichsten Gewinnen so reich dotirt ist wie feine andere Lotterie in Deutschland. Ein kurzer Besuch der Ausstellung im Saalbau wird Jedem diese Ueberzeugung aufbrängen. Als ein großer Vorzug der 2. Serie darf es betrachtet werden, daß die Gewinn-Aukauss-Commission, welche ihr schwieriges Amt wie man anerkennen muß mit großem Geschick geführt, diesmal nicht auf die Ausstellung ausschließlich angewiesen war, fonbern bte Ankäufe größteniheils burch Auswahl in den großen reichen Magazinen Frankfurts, theils durch Bestellung bei den renommirten Handwerkern und Fabrikanten der Kunst-Gewerbe-Brattche vollzogen hat. Dadurch ist der Umstand der zu vielen Klagen Anlaß gab, vermieden, daß emroeber Gegenstände erworben wurden, die Monate lang ausgestellt waren und während dieser Zeit vom Staub und Licht sehr zu leiben hatten, ober Objecte aus- geroäblt wurden, die bei den Gewinnern Unzufriedenheit hervorrtefen. Derartige Klagen müssen jetzt verstummen, denn in der That bietet die Ausstellung der Gewinne nut eine Auswahl gediegener und praktischer Gegenstände aus allen Zweigen des Gewerbes und der Kunst, die den glücklichen Gewinner unbedingt hoch erfreuen werden. Theater. Herr Emil Schubert, der seit seinem einstigen Hiersein noch Allen lebhaft im Gebächtniß ist, gaftlrte am Dienstag Abenb als Reis-Reiflingen in »Krieg im Frieden". Wir haben btese Rolle schon einmal von ihm verkörpert gesehen, wollen tedoch nicht unterlassen, ihm auch heute unsere vollste Anerkennung für seine Leistung zu zollen. Unter allen Schauspielern, bte wir bis jetzt in dieser Partie gesehen, können mir Herrn Director Emil Schubert einen der ersten Plätze einräumen, denn sein Spiel besitzt außer der Lebhaftigkeit eine wahre Natürlichkeit. — Wer jemals eine ungarische oder polnische Dame unsere deutsche Sprache hat sprechen hören wird am besten die gestrige Leistung des Fr!, von Jarzehowska beurteilen können. Ihr Dialekt als Ilka hatte nichts gezwungenes, wie man es bei vielen Vertretern dieser Rolle findet, sondern war ohne Anstoß unb natürlich wirkend. Auch diese Partie der Ilka Eivös gehört zu den besten des FrI. v. Jarzebowska Herr Höfler als schmucker Husarenlieutenant Curt von Folgen gewann unsere vollste Sympathie. Was wir schon öfters lobend bei ihm hervorg hoben, sein ungekünsteltes Spiel, kam ihm auch als Folgen trefflich zu Statten und wir wollen ihm deswegen auch für diese Leistung unseren Beifall nicht versagen. Herr Kaschin ski als Or. Schäfer und Herr Schreyer als v. Sonnenfels waren ohne jeden Tadel, welches Lob wir auch der Frau und FrI. Simon zollen. Die neue Acquisitum, welche die Direction in Herrn Hermann gemacht hat, ist eine recht gute, denn sein Apotheker Paul Hofmeister war eine Erscheinung, die dem Publikum recht gefiel durch Naivität und -gute Charak- terisirung. Am Donnerstag Abend soll zum Benefiz für Herrn H öfter Mo ser's »Stiftungsfest" gegeben werden. Wir glauben gewiß, daß es unser Theaterpublikum, auch nach den vielen Gastspielen der letzten Tage, nicht versäumen wird, Hrn. Höfler für seine bisher immer guten Leistungen Dank abzutragen in Gestalt eines recht vollen Hauses. Wir rufen Herrn Höfler ein kräftiges „Glückauf" entgegen. B. v. F. Das Blut als Träger des Krankheitsstoffes. Hebet dieses, für Jeden gewiß das größte Interesse bietende Thema entnehmen wir einer Broschüre des berühmten Hospitalarztes Dr. Liebaut, dem eine sehr erfahrungsreiche 40jährige Praxis zur Seite steht, Folgendes: „Die meisten Menschen der heutigen Generation sind nicht mehr, wie in früheren Zeiten, in dem Vollbesitz ihrer Gesundheit. Die frühere einfache, dem Körper zuträglichere Lebensweise ist in andere Bahnen gedrängt; die Genußsucht, Leichtlebigkeit, Ausschweifungen einerseits und der schwere, die Körperkräfte aufs Äeiißerste anfpannenbe Kampf um Dasein, häufig in Verbindung mit mangelhafter Ernährung andererseits, haben eine Verschlechterung des Blutes verursacht unb ben Grundstein zu einer ganzen Reihe von liebeln gelegt, die sich von Generation auf Generation vererben unb in progressiv zunehmender Weife äußern. Namentlich in der Anlage zu Tuberkulose, Skropheln, Bleichsucht, Gicht unb Rheumatismus, Gehirnleiden, Epilepsie, Syphilis, Flechten, Hautkrankheiten machen sich diese Überlieferungen vorausgegangener Generationen bemerkbar. Sehr verschieden ist die Zeit, in welcher sich das eine oder das andere dieser Leiden bei den Menschen entwickelt, ja es sind Fälle conftatirt, in welchen der Krankheitskeim in einer Generation überhaupt nicht zum Ausbruch kam, um desto heftiger aber die Nachkommen heimzufuchen. Die Anlage zu den vorher namhaft gemachten Erkrankungen lassen sich in der Regel durch folgende Erscheinungen feststellen: Flache Brust, schnelles Wachsthum, Andrang des Blutes nach Kopf unb Brust, öfteres Nasenbluten, Verdauungsstörungen verbunden mit Magenbeschwerden, Verstopfung, Urin: beschroerden, Neigung zu Erkältung (Husten, Katarrh rc.), häufige Ermattimg, Rückenschmerzen, saures Äusstoßeii, häufiges Herzklopfen, gelb angehauchtes Auge, Kopfschmerzen, Bleichsucht, Blutarmuth, Abmagerung, belegte Zunge, Schmerz in der Leber- u. Mayengegend, Hämorrhoidalleiden, gereiztes Wesen, Angst u. Beklommenheit rc. Alle diese Symptome, sofern sie anhaltend sind oder regelmäßig wiederkehren, lassen auf eine krankhafte Anlage und Slutbilbung im Organismus schließen. Sehr häufig finden derartige Erscheinungen keine Beachtung und erst wenn der sich unaufhaltsam weiter entwickelnde Keim einer Krankheit sich ausprägt, dem Menschen qualvolle Stunden, jahrelanges Siechthum rc. bereitet hat, dann erst sucht nach Hülfe — und häufig „zu spät". Aus diesen Gründen sollte die vorbeugende Behandlung, sobald sich Erscheinungen wie die beschriebenen einstellen, ohne allen Verzug in Anwendung kommen, denn in sehr vielen Fällen wird die auf rechtzeitige Aufbesserung der Beschaffenheit des Blutes abzielende rationelle Behandlung den Krankheitskeim zerstören und eine völlige Gesundung zur Folge haben. Auf diese Beobachtungen und Erfahrungen stützt sich die Lieb aut'sch- Regeneratiouskur, welche heute als eine große Wohlthat für die leidende Menschheit allseitig anerkannt und hoch geschätzt wird. Es genügt oft eine Flasche des von Dr. Liebaut verordneten „Regcnerator's" (derselbe ist aus den edelsten unb wirksamsten Pflanzensäften präparirt, vollständig gefahrlos und sehr angenehm zu nehmen) inn eine Neubelebung und Kräftigung des leidenden und geschwächten Körpers herbeizuführen unb es sollte ein Jeder, der mit einer derartigen krankhaften Anlage behaftet ist, nicht verabsäumen sich unb seine Nachkommen von berselben zu befreien resp. zu bewahren. Dr. Liebaut Regenerator ist nebst einer sehr interessanten Broschüre über die Regenerationskur in der Adlerapotheke in Frankfurt a. M. zu haben, welche auch auf briefliche Bestellung versendet. Frankfurt a. M., 8. März, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coiirsbericht. Mitgctheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann m Gießen.) Creditactien 264, Staatsbahnactien 254>/-, Galizier 264%, Ocfterr. totlberrente 643/s, 4% Ungar. Goldrente 74’/8, 4% 1880er Russen 69, 2. Orient-Anleihe 56'-/.x, 5% Rumänische Reute 86>/z Lombarden 120. Tendenz — Local-Historisches Museum. Neu eingelaufen: Diverse Gegenstände Nr. 1049-1218 von den Herren Sommeriad, Scriba, E. Pistor, C. Buchner, O. Buchner, A. Robchen, Schweizer, Spanier, ßetb, Wilson, Großmann, Weimar, Volz, Frech, Dickorö, Kroll, Hesse unb von Großh. Ministerium b. I. Kaufmännischer Verein in Frankfurt a. M. Unserem ZuföiUi fÜf Stellenvermittelung, 8 >m vorigen Jahr I ca. 1100 Stellen besetzte (auch für N ichtmitgl ieder), fehlt es momentan an $ tüchtigen Bewerbern der Papier-, Leder-, Manufaotur- und [Herren-Confections- ' Branchen, die in jüngster Zeit (unter ca. 200 Vacanzen monatlich) ungewöhnlich stark vertreten waren. 130& Die am 28. Februar ds. Js. im Gemeindewald von Hörnsheim abgehaltene Holzversteigerung ist nicht genehmigt. Es werden daher Donnerstag den 16. d. M. in demselben Wald von Vornnttags 9 Uhr an nochmals ausgeboten: 32 Eichen-Stämme — 36,40 Fstm., 24,50 Rmtr. Eichen-Derbholz, 7,50 „ Buchen-Knüppel, 18,50 Eichen- und Buchen-Stock und 210 Rmtr. Reiserholz. Großrechtenbach, den 7. März 1882. 1672 Das Bürgermeister-Amt. Freitag den 10. d. von Nachmittags 4 Uhr an, sollen die Ausputzreiser von den Bäumen auf den Vieh- und Krämermarktsplätzen und auf den städtischen Anlagen versteigert werden. Zusammenkunft am Neustädter Thor. Gießen, den 8. März 1882. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 1696 A. Bramm. Arbeitsversteigerung. Freitag den 10. d. M., Nachmittags Vs 3 Uhr, sollen auf der Gemeindestube zu Lollar nachstehende zur Unterhaltung der Chaussee im sog. Rußland erforderliche Arbeiten öffentlich versteigert werden: 1) Lieferung zugerichteter Wandsteine veranschlagt zu M. 126.—, 2) Anfahren derselben, veranschlagt zu