-Mr. 260. Dienstag den 7. November Aints- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen. y Bureau r Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerl.hr.. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pz. Amtlicher Hheil. Gießen, am 3. November 1882. Betreffend: Statistische Ermittelung der landmirthschastlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags im Jahr 1882. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern Sie, soweit Sie noch im Rückstände sich befinden, an die alsbaldige Einsendung der Ueberfichten rubricirten Betreffs. Dr. Boekmann. Deutschland. Darmstadt, 4. Novbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog nahmen beute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Obersten Rüti, den Obersten a. D. Coulmann, die Oberstabsärzte 1. Klasse Dr. Kappesser und Dr. Duesterberg, den Ministerialrath Jaup, den Proseffor Dr. Buchner aus Gießen, den Ministerialrath i. P. Frhrn. v. Preuschen, den Medicinalrath Dr. Orth, den Stationsvorsteher Bernhardt von Bensheim, den K.K. Oberst vom Generalstabe Kronenbold aus Kaschau, den Hosmusikdirector Mangold, den Geh. Obersteuerrath Hahn, den Maler August Becker aus Düffeldorf, den Geheimerath Dr. Walther, den Hosjägermeister v. Werner; zum Vortrag den Staatsminister Frhrn. v. Starck, den Oberconsistorial-Präsidenten Dr. Gold- lnann, den Geh. Staatsrath Finger. Darmstadt, 4. November. Das Amtsblatt Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, Section für Justizverwaltung, Nr. 43, enthält folgendes Ausschreiben, d. d. Darmstadt, am 28. October, betreffend: die Erhebung der Gebühren für Zahlungsbefehle und für Vollstreckungsbefehle im Mahnverfahren, an die Aintsgerichte und die Gerichtsschreibereien der Amtsgerichte, sowie an die Gerichtsvollzieher: Um den Mißstand zu beseitigen, daß im Mahnverfahren die Gebühren der Staatskasse für die Zahlungsbefehle uno die Vollstreckungsbefehle, wenn für Ertheilung des Auftrags an den Gerichtsvollzieher die Vermittlung des Gerichtsschreibers ausdrücklich oder stillschweigend in Anspruch genommen ist, von den Gerichtsschreibern durch unfrankirte oder unter Zuschlag des Portos zu den Kosten frankirte Kostenrechnungen angefordert werden und daß unmittelbar darauf der Gerichtsvollzieher seine eigene Gebühr durch Postnachnahme erhebt, bestimmen wir auf Anregung der Handelskammern des Großherzogthums, daß die Gerichtsvollzieher in den oben bezeichneten Fällen die Gebühren der Staatskasse gleichzeitig mit ihren eigenen Gebühren zu erheben und mit den Gerichtsschreibern zu verrechnen haben. Dabei empfiehlt sich die Einrichtung, daß die Gerichtsvollzieher die Gebühren der Staatskasse bei Empfang der betr. Schriftstücke vorlegen und daß, wenn (was nur höchst selten vorkommen wird) der Gerichtsvollzieher die vorgelegte Gebühr nicht beibringen kann, demselben Rückvergütung aus der Staatskasse geleistet und die rückständige Gebühr nach den bestehenden Vorschriften angesordert und eventuell zur Beitreibung überwiesen wird. Will sich der Gerichtsvollzieher nicht dazu verstehen, die Gebühren der Staatskasse vorzulegen, so empfiehlt sich die Einrichtung, daß der Gerichtsschreiber bei Ertheilung des Auftrags den Betrag der für die Staatskasse zu erhebenden Gebühren in ein zum Mahnregister gehöriges Kostenregister einstellt und der Gerichtsvollzieher in einer Frist von 8 Tagen entweder Die von ihm erhobene Gebühr oder den Nachweis über ihren Nichteingang an den Gerichtsschreiber abliesert, welcher im Falle des Nichteinganges die Kosten in der gewöhnlichen Art anfordert. In den Fällen, in welchen der Gläubiger selbst den Gerichtsvollzieher beauftragt, empfiehlt sich ein ähnliches Verfahren. v. Starck. Kolb. — Unter der Rubrik „Die Schulreform im Großherzogthum Hessen" wird der „Kölnischen Zeitung" aus Düsseldorf geschrieben: Die Kölmscye Zeitung vom 29. Oktober brachte die erfreuliche MittheUung, dah auch die Großh. hessische Rgierung Schritte zur Untersuchung der Schuloerhältnisse, zunächst bezüglich der Gymnasien, ge- than und zu diesem Ende ein- Conferenz auf den 27. November nach Darmstadt ein- berufen habe. Diese Conferenz soll bestehen aus dm Direktoren der Gymnasien lhoffent- lich auch der Realgymnasien) und aus solchen Landtagsabgeordneten, die Kinder auf höheren Schulen haben. Weil nun lediglich von der Zusammensetzung derartiger Com- mtffwnen der Wertb und Erfolg ihrer Thätigkeit abhängt, so feien uns einige Worte über die Absicht der hessischen Regierung gestattet. Schon oft haben sich die Direktorcn- Versammlungen in Preußen mit der Frage beschäftigt, ob unter der Erfüllung der geistigen Anforderungen, welche die höheren Schulen an ihre Zöglinge stellen, die körperliche Entwickelung der letzteren leide. Diese Verhandlungen sind meistens, wie leicht erklärlich, ohne wesentliches Ergebniß geblieben. Man suchte den Grund etwa beängstigender Erscheinungen nicht da, wo er hauptsächl'ch zu suchen ist, nämlich in der Art und Einrichtung der Lehrpläne,. sondern in der mangelhaften Ausführung derselben; machte für die erkannten Mißstände die Schüler und die Eltern verantwortlich und, wenn es hoch kam, auch wohl die Lehrer, die Schulbänke und die Lüftungs- oerhältnisse. Was darf nun die Zukunft, was darf das leibliche Wohl, die körperliche Entwickelung und Frische der Jugend von den Dtrektoren-Conferenzen hoffen, deren einziger Werth in dieser Richtung bisher darin bestand, daß dieselben sich nicht mehr die ernsten Bedenken verhehlen konnten, zu welchen die Massen der häuslichen Aufgaben Anlaß gibt? Eine gründliche Lösung der einschlägigen Fragen — die wir in ihrer Gesammthett als eine nationale Lebensfrage bezeichnen müssen — ist einzig und allein von dem Vorgehen des Statthalters von Elsaß-Lothringen zu erwarten. An die Spitze seines Erlasses vom 11. April stellt er den Satz, dem alle Eltern zujubcln und der in goldenen Buchstaben über dem Eingänge aller Schulen Deutschlands prangen sollen: „Die körperliche Gesundheit und geistige Frische der die Schule besuchenden Jugend darf nicht gefährdet werden." Weiter heißt es bann: „Die Frage, welche Bedingungen einzuhaltm sind, damit jene Forderung auch wirklich erfüllt werde, ist eine wesentlich medicinische." Eine Commission von medictnischen Sachverständigen hatte deßhalb unter „Zuziehung von Schultechnikern (Schulmännein) als Auskunftspersonen", das Maß von Scvul- und Arbeitsstunden fcstzustellen, das die Schule höchstens in Anspruch netmen darf, und die Schulbehörden haben dann zu überlegen, wie jenes zugestandene Matz von Zeit „am zweckmäßigsten ausgenutzt werden kann". Dieser Erlaß bedeutet einen Wendepunkt in der Entw'ckelung unseres gesammten Schulwesens. Deßhalb halten wir die Zusammensetzung der Commission, die am 27. November in Darmstadt ihr Werk beginnen soll, für verfehlt. Wir vermissen die Aerzte wenn es sich um die Gesundheit und das körperliche Gedeihen der Jugend handelt. Nur wenn die tüchtigsten Professoren der Medicin und die ersten Autoritäten der ärztlichen Praxis den Hauptbestandtheil der Conferenz bilden, ist ein praktisches und segensreiches Ergebniß ihrer Verhandlungen zu erwarten. Schulmänner, die nebenbei auf der Höhe der pädagogischen Wissenschaft stehen müssen, sind, wie in Elsaß-Lotbringen, dieser Commission nur „als Auskunftspersonen mit beratbenber Stimme" beizugeben. Sonst werben wir wieber seufzenb ausrufen müssen: Parturiunt montes, pascetur ridi- culus mus! Berlin, 3. Novbr. Wie die „Bert. Polit. Nachr." hören, richtet der Bundesrath seine Arbeiten so ein, daß er bis Ende dieses Monats mit den Berathungen des Reichshaushalts-Etats pro 1883/84 und 1884/85 fertig sein wird und diese dem Reichstage alsbald beim Zusammentritte am 30. November werden vorgelegt werden können. — Wenn die Engländer sich von der Sendung Lord Dufferin's nach Kairo eine erhebliche Förderung ihrer dortigen Interessen versprechen, so haben sie gewiß triftige Gründe zu ihrer bezüglichen Annahme. Lord Dufferin gilt für einen befähigten Diplomaten und man rühmt ihm nach, daß er in den Geschäften der hohen Politik, an denen er beteiligt war, stets eine glückliche Hand gehabt hat. Diese seine Eigenschaften soll er nun auch in Egypten verwerthen. Es scheint, daß die an Ort und Stelle befindlichen Agenten Großbritanniens den auf sie gesetzten Erwartungen nicht in vollem Umfange entsprochen haben. So rasch und glänzend die militärische Campagne General Wolseley's sich entwickelte, jo schwerfällig und unbeholfen arbeitete der diplomatische Apparat; und die dilatorische Taktik des Londoner „Foreige Office" den europäischen Mächten gegenüber mag nicht zum kleinsten Theil durch den langsamen Fortgang des in Egypten in Angriff genommenen ReorganisationS-Processes verursacht worden, und die Sendung Lord Dufferin's durch die Erkenntniß bedingt worden sein, daß es im Interesse Englands gelegen ist, wenn die Abwickelung der egyp- tischen Affaire ein etwas lebhafteres Tempo erhält. Nach birecten Konstantinopeler Meldungen ist Lord Dufferin gestern Abend nach Egypten abgereift. Seine Abschieds-Audienz beim Sultan soll für beide Theile befriedigend ausgefallen sein. Etwas sonderbar nimmt sich neben dieser Behauptung der Umstand aus, daß der türkische Botschafter in London, Musurus Pascha, über telegraphische Ordre aus Konstantinopel einen Aufschub der Abreise des Lords nachgesucht und bemerkt hat, die Entsendung des Lords im gegenwärtigen Moment könne zu falschen Auffassungen und zu einer ungünstigen Beeinflussung der im Zuge befindlichen anglo-türkischen Entente führen. Dergleichen Eröffnungen machen nicht gerade den Eindruck, als sähe man im Dildiz - Kiosk den britischen Botschafter mit besonders wohlwollender Empfindung die Reise nach Kairo antreten — und wenn die Pforte schließlich dennoch gute Miene zum bösen Spiele macht, so geschieht es, weil ihr eben keine andere Wahl mehr bleibt. Die Gebahrung Frankreichs aus Anlaß des tunesischen Regentenwechsels verschärft das am Bosporus herrschende Gefühl des Mißbehagens um ein Bedeutendes. Daß auch Tunesien der Oberherrlichkeit des Sultans aus den Händen schlüpft, will man sich schlechterdings nicht eingestehen. So hat denn Essad Pascha, der türkische Botschafter in Paris, Auftrag erhalten, von der französischen Regierung eine authentische Kundgebung zu extrahiren. Dieselbe kann nach Lage der Dinge nur eine abermalige Enttäuschung bringen. Berlin, 4. Novbr. Wie die „Nat.-Ztg." erfährt, ist dem Bundesrath mit Genehmigung des Kaisers der Entwurf einer Verordnung zugegangen, der das Verbot der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amertka- nischen Ursprungs ausspricht. Die Maßregel wird damit begründet, daß die Einfuhr von Schweinen aus Amerika sowohl wegen der bei diesen Thieren häufig vorkommenden Trichinenkrankheit, als auch wegen einer unter ihnen vielfach verbreiteten Seuche für Menschen und Thiere mit Gefahr verbunden sei und die Reichsregierung sich deshalb genöthigt sehe, diese Emfuhr für die Zukunft zu untersagen. Berlin, 4. Novbr. Der Kaiser Alexander hat anläßlich des heutigen Jubiläums des Prinzen Karl folgendes Telegramm an denselben gesandt: Das 6. Regiment feiert heute den 60. Jahrestag Ihrer Ernennung zum Chef des Regiments. Um diesem Tage eine besondere Bedeutung zu verleihen, habe Ich befohlen, Ihren Enkel, den Prinzen Friedrich Leopold, ä la suite des Regiments zu stellen, welches sonach die Ehre hat, in seinen Reihen drei Generationen von Prinzen Ihres Hauses zu zählen. Mit den aufrichtigsten Glückwünschen vereinige Ich den lebhaften Wunsch, Ihren Namen noch lange Jahre an der Spitze des braven Regiments von Libau glänzen zu sehen. — Das Mitglied des Herrenhauses, Baron Senfft v. Pilsach, ist gestorben. — Ueber die Verurteilung eines Unschuldigen schreibt man der „Königsb. Hart. Ztg." aus Elbing, 30. October: „Im Jahre 1877 wurde vom Schwurgerichte Hierselbst der Arbeiter Schulz aus Milenz wegen Beraubung eines Schweinehändlers zu 12 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Schulz hatte von dieser Strafe bereits 18 Monate verbüßt, da endlich bequemte sich der damals ebenfalls verurteilte Zuchthäusler Czerlinski zu einem umfassenden Geständniß, wodurch die Unschuld des Schulz an den Tag kam. Am 27. v. M. wurde er von der Anklage des Raubes freigesprochen. Gleichzeitig erkannte der Gerichtshof dahin, daß ihm die baaren Auslagen für die Vertheidigung aus der Staatskasse zu ersetzen seien." Dem bestehenden Gesetze ist damit Genüge geschehen; aber auch der Gerechtigkeit? — Aus Mülhausen schreibt man der „Straßburger Post": „Unter der israelitischen Bevölkerung hiesiger Stadt herrscht große Aufregung. Es wurden nämlich ungefähr 20 junge Israeliten verhaftet, welche es verstanden hatten, durch Täuschung der Behörden sich vom Militärdienst zu befreien. Die Zahl derjenigen, welche dieses Manövers beschuldigt sind, soll sich auf 32 belaufen. Wie man sagt, waren diese Leute bei der ersten Musterung zurückgestellt worden, nachher haben sie sich dann irgend einen wirklich dienstuntauglichen jungen Mann ausgesucht, welcher unter dem Namen seines Auftraggebers sich bei einem Arzte ein Dienstuntauglichkeits-Zeugniß verschaffte, mit dem dann der Betreffende seine Entlassung vom Militärdienst bewirken konnte. Diese Zeugnisse sollen meisten thells aus Altdeutschland geholt worden sein. Obschon es schon längst ausgefallen war, daß fo viele kräftige junge Israeliten keinen Militärdienst zu leisten hatten, so dachte doch Niemand an einen solchen Betrug, bis derselbe durch Ver- rath zu Tage kam. Die Betroffenen sind alle vermöglich, einige davon sogar reiche Leute; es ist deshalb erklärlich, daß ihre Verhaftung ein ungeheueres Aufsehen hervorgerufen hat. Das Manöver soll schon vom Jahre 1876 an getrieben worden sein." Aegypten. Kairo. 3. Novbr. Mit Genehmigung der Behörden ist vom General Alison beschlossen worden, sofort drei englische Osficiere nach dem Sudan zu entsenden, die über die gesammte militärische Lage daselbst berichten und sich auch über die Straßen von Suakim nach Khartum und über tue Möglichkeit, Khartum in Vertheidigungszustand zu setzen, Jnsormationen verschaffen sollen. Telegraphische Depeschen Wolff'S telegr. Eorrespondenz-Brrreair. Wernigerode, 5. Novbr. Se. Maj. der Kaiser ist heute 'Nachmittag kurz nach 5 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen und wurde aus dem Bahnhofe vom Grafen zu Stolberg und den städtischen Behörden empfangen Die Stadt ist glänzend geschmückt und beleuchtet. Se. Majestät, von der Bevölkerung mit jubelnden Hochrufen begrüßt, wurde von dem Grafen zu Stolberg in's Schloß geleitet, woselbst die Gräfin Stolberg und deren Verwandte den Kaiser empfingen. Um 6 Uhr findet das Diner, um 7 Uhr Beleuchtung der umliegenden Züge und ein großer Fackelzug statt. Ueberall verkünden Böllerschüsse die Freude der Bevölkerung. Der Kriegeroerein hat die Ehrenwache im Schlosse. Morgen früh um halb 10 Uhr erfolgt der Aufbruch zur Jagd, welche in einem eingestellten Jagen auf Rothwild und Sauen im Forstrevier Hasserode und in einem Treiben auf Rothwlld und Sauen im Forstrevier Oehrenfeld bestehen nürd. Das Frühstück wird um 12 Uhr an der sog. Himmelspforte eingenommen. Kairo, 5. Novbr. Nach amtlichen Nachrichten ist in Mekka die Cholera ausgebrochen. Petersburg, 5. Novbr. Der „Regier.-Anz." bestätigt, daß alle Gerüchte von einem Pferdeausfuhr-Verbot aus Rußland durchaus grundlos seien. Das im Jahre 1877 erlassene Pferdeausfuhr-Verbot über die westliche Landesgrenze und das Schwarze und Asow'sche Meer sei bereits im Jahre 1878 wieder aufgehoben worden. — Dem genannten Blatte zufolge sanden am 2. ds. Versuche statt, eine Telephon-Verbindung zwischen der Telegraphen-Station in dem Palais zu Gatschina und Petersburg herzustellen. Lokales. Gießen, 6. November. Gestern wurde dahier ein Btttler verhaftet, in dessen Besitz sich 18,75 A oorfanden. Derselbe ist Oesterreicher und betreibt das Betteln gewerbsmäß g. — In vergangener Nacht fand m der Neustadt eine Keilerei statt. Die Be- theiliglen wurden zur Anzeige gebracht. Wernrischtsö, Mainz, 3. November. In der Nähe unserer Stadt wurde dieser Tage von einem Landmann beim Anlegen einer Grube zum Einlegen von Rüben ein sehr werthvoller und bemerkenswerther Fund gemacht. Ungefähr einen Meter tief unter der Erdoberfläche stieß der Mann mit seinem Werkzeug auf eine Urne, welche in Trümmer ging und entrollten dadurch dem Gefäß eine große Menge Goldgulden aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Im Ganzen waren es 1005 Goldstücke, welche der Finder zu Taq beförderte und repräsenttrten dieselben einen Werth von 8—10,000 «A Glücklicher Weise ist jedoch der ganze Fund unserem städtischen Münzcabinet bereits gesichert, so daß die werthvollen Stücke vor einer Verschleuderung bewahrt blieben. Zürich, 1. November. Ein neuer, ebenso räthselhaster als scheußlicher Mord setzt die Gemüther des Cantons in Schrecken. Im nördlichen Theile desselben liegt idyllisch das Dörfchen Glattfelden unweit des Rheines. In seiner Mitte, fast unmittelbar von den bäurischen Gehöften umgeben, ein stattliches Pfarrhaus, dessen Bewohner junge Leute und von allgemeiner Beliebtheit sind. Pastor, Pastorin und zwei jüngere Kinder, eines von 4 Monaten. Pastor Jäggli befand sich Dienstag und Mittwoch in der Geiftlichkeitssynode in Zürich, welche über Trennung der Kirche vom Staate berieth. In dieser Nacht seiner Abwesenheit wurde die junge Frau im Schlafe überfallen und erwürgt. Bis jetzt hat man keine Spur des Mörders als die Fußtritte unterhalb des Eorridorfensters. Im Hinteren Zimmer sd'läft die Magd. Morgens 3 Uhr hörte sie Hülferufe, sprang in die Wohnstube und fand den Srcretär erbrochen, alle Thüren offen, auf dem Boden die Lampe. Sie hörte vor Schreck nichts, ergriff das Knäblein 'm Bett, sah nicht nach dem Nebenzimmer, sondern sprang mit jenem durchs Fenster. Sofort herbeigerufene Hülfe fand die Pastorin erdrosselt neben dem Bette. — Die brasilische Ausstellung des Centralvereins für Handelsgeographie, welche 'N den Sälen des Architektmhauscs in Berlin eröffnet worden ist, stellt ein großes, farbenreiches Tropenbild dar. Die Wände sind bedeckt mit gröbsten, aus Panther-, Jaguar-, Coaty- (Nasenbär), Beutelratten- und Ameisenbär-Fellen kunstvoll zusammengesetzten Verzierungen, zwischen denen sich reichgeschnitzte Jndianerwaffen — Bogen und Köcher, buntbefiederte Pfeile u. s. w. — abheben. Mannigfache Zierathen, hölzerne Kämme, Halsbänder aus Zähnen und dergleichen haben dazwischen Platz gefunden. Weiterhin erblicken wir prächtige Exemplare von Lianen (der Schlingpflanze des Urwaldes) in den eigensten Windungen, neben Palmblättern, Riesengräsern, Moosen, Krokodil- und Haifischköpfen. Um den Eindruck, welchen dieser Tropenschmuck auf den Beschauer macht, noch zu erhöhen, sind an verschiedenen Plätzen prächtige Exemplare ausgestopfter Jaguars, Pumas, Jacares (eine Krokodtlart), Leguans, Affen, Gürtel- thiere und Riesenschildkiöten ausgestellt, farbenprächtige Vögel, besonders Tukans, zeigen ihr schillerndes Gefieder und dazwischen leuchten kleine Korallenriffe roth auf. Im handelsindustrieüen Theile der Ausstellung finden wir nicht minder interessantes Material vor, in erster Reihe die Specialausstellung des Kaffees Mit großer Anjchau- lichkett ist hier durch eine hohe Würfelpyramide das Verhältniß der Kaffeeproduklion der verschiedenen Tropenländer illustrirt. Den Grundstein der Pyramide bildet ein die jährliche Kaffeeproduklion der ganzen Erde mit 615,711 Kg. darstellender Würfel; unmittelbar auf demselben erhebt sich der Würfel Brasiliens mit 300,000,000 Kg, dann der der holländischen Coloniern in Ostasien; Venezuela, Ceylon, Hayti u. a. thürmen sich tn spitzer Abstufung nach oben und unmittelbar an die Pyramide schließen sich die zweihundert verschiedenen Kaffeesotten, therls in Säcken, theils tn hohen Gläsern aus gestellt, an. Die meisten derselben kommen von Rio de Janeiro, dann folgen Sao Paulo, Minas und Santo- Tabakblätter haben Santa Cruz, Munda Roya, Blumenau und Jtojah-Bruspue geliefert, desgleichen Chartons (Cigarren) und Cigarros (Mais- blätter-Cigarretten) Neben dem Cauha und Caxaxas, Zuckerrohr, Rohrzucker sieht man den Rohrbranntwein, Piraheiraha und den Cha do Mate von Paraguay, einen Thee, welcher in besonders dazu erbauten Mühlen gestampft und aus einer eigenthüm- lieben AU von Flaschenkürbis durch Röhrchen aufgesaugt wird, der brasilische Sherry Cobbler also. Auf Nutz- und Farbhölzer der verschiedensten Art: Jpeholz aus Pernam- buco, Cedernbolz und Sao Bento, verschiedene Sorten von Baumwolle, Orangewein und Weine aus Campo Bom, Malz und dergleichen folgen Seidenraupen, Cocons und sehr schöne Rohseide in weiß und gelb, sodann die allerverschiedensten Früchte und (Sämereien, Ganz besonders reichhaltig ist die Sammlung von Conserven, unter denen die Macachis (eingemachte Ananas) die hervorragendste Stelle einnimmt, nicht minder die köstliche Doze de Mangaba (Palmfrucht von Pernanrbuco), Goiabas Mangas, Bananen, CarjambollaS (eingemachter Palmenkohl), Maraconias in Blechdosen eingekocht, Krabben, Feijao (eine Art schwarzer Bohnen), Tracara brasileira. In der Abteilung für Stoffe und Gewebe finden wir Stricke und Taue ans Cocos- und Nesselfasern, Siebe aus Plamblättcrn und — Badeschwämme und Damenhauben aus Gurkenfasern! Die Gegenstände sind thaifächlich aus den Fasern der Luffagurke, die in der Colonie Joinoille angebaut wird, gefertigt, wie auch aus dem Gravata, einem Binsenfaserstoffe, die mannigfachsten und seltsamsten Artikel hergeftellt werden. Acara, ein Gerbstoff für feines Leder, ist neben Säften und vegetabilischen Substanzen, die medicinischen Zwecken (besonders der Homöopathie) dienen, ausgestellt, desgleichen Cam poire-Kirschen, Erdmandeln, wohlriechende Kräuter, Leder, Rinder- und Schweinefett, Steinkohle von San Jeromino, Amethyste, Achate, Eisenerze, Ziegelsteine und ein vollständiger Thonofen aus Pernambuco. In der ethnologischen Abteilung Haber leider eine Anzahl der Gegenstände auf der Reise Bruchschaden erlitten, besonders die Sammlung uralter Thongefäße; außerdem sind noch Sternwaffen der Buggers (Wilden) aus der Steinzeit und Steinteller derselben vorhanden. Gelbe Lederanzüge, wie die brasilischen Ranchcros und Viehtreiber sie zu tragen pflegen, mit Lasso, Modelle von Flößen mit rautenförmigen Rudern und schließlich ein Colossalbild der Stadt Rio de Janeiro, von Jacobs gemalt, vollenden die Liste der Sehenswürdigkeiten dieser Ausstellung, welche ohne Zweifel für den deutsch-brasilischen Handelsverkehr von Bedeutung sein wird. Während der Ausstellung wird in einer Bude von Tannenzweigen der aus den Proben brasilischer Kaffees bereitete Trank verschenkt werden. — (Falsche Fünfzig-Mark-Scheine.) In Solingen wurde in den letzten Tagen bei mehreren Geschäftshäusern der Versuch gemacht, falsche Fünszig-Markscheine mit der Jahreszahl 1874 in Zahlung zu geben. Schon bet flüchtiger Besichtigung hatten diese Scheine ihrer hellgrünen Farbe wegen und auch, weil die Wasserzeichen an ihnen nicht sichtbar waren, Verdacht erregt. Als ein ferneres Unterscheidungszeichen von den ächten, wird der „Sol. Ztg " mitgetheilt, daß auf den Fälschungen neben her Strafandrohung sowohl rechts als links das Sternchen fehlt. Eingesandt. Gestern Abend entwischte nach der Vorstellung ein Indianer, nahm feinen Weg durch die Stephansmark und gerieth über den W-esecksteg in bie, Bleichstraße. Alle Nachforschungen blieben bei jener Beleuchtung erfolglos, bis man denselben heute früh im Schlamme stecken sah, woraus selbst dieser Wilde, an Unwegsamkeit gewohnte, sich nicht allein heraushelfen konnte. Er bedankte sich, wollte nie wieder burebbrennen und fing, ob dies wirklich der directe Weg von der Aula nach dem Bahnhofe sei. Als ihm dies bejaht wurde, meinte er, bei ihm zu Hause wäre das alles anders und undenkbar. Schiffsbericht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in Bremen, C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 3. November. Der Postdampfer Werra, Capt. I. Barre, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. Oktober von Newyork abgegangen war, ist geste n 9 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für boit bestimmten Passagiere, Post und Ladung 11 Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 113 Passagiere und volle Ladung. Bremen, 4. November. (Per transatlantischen Telegraph.^, Der Postdampfer Elbe. Capt. W. Willigerod, vom Norddeütschcn Lloyd in Bremen, welcher am 25. Oktober von Bremen und am 26- Oktober von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Handel und Verkehr. Frankfurt, 4. Nov. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu JL 3.00—4.00, Stroh «//L 1.90—2.20, Eier das Hundert Z 3 p e: I i i I 6 •I L L i Toumureia ganz neue Fa^ons, sind in großer Auswahl eingetroffen und empfiehlt zu jehr billigen Preisen Robert Haas, 6729 Seltersweg 57. 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Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Vorm.: 8—12 — Offener Zeichensaal „ 8-12 — Freihandzeichnen und technisches Zeichnen. Abend: ^8—9 Modelliren Modelliren Zeichnen Modelliren Zeichnen „ V» 8-9 Rechnen und Aufsatz Rechnen und Buchführen H Deutsch Zeichnen >f Wir laden die Herren Gewerbetreibende zur Benützung des offenen Zeichensaals, sowie unserer reichhaltigen Fachbibliothek ein. Wir ersuchen die Herren Industriellen und Gewerbetreibende, ihren Lehrlingen den rechtzeitigen Besuch des Unterrichts möglich zu machen und diese zum fleißigen Besuch anhalten zu wollen. 7220 Der Vorstand. Morits Heichelheim Bank- & Wechselgeschäft empfiehlt sich zum An- und Verkauf von Staatspapieren etc. 7172 Evangelische Gemeindevertretung. Die geehrten Mitglieder der Gemeindevertretung lade ich hierdurch ergebens! ein zu einer freien Versammlung, die am Mittwoch den 8. November d. I., Abends 8 Uhr, im Cafe Ebel (bei Herrn Balzer) stattfinden soll. Gegenstand der Besprechung: Lokalkirchliche Angelegenheiten. Gießen, den 4. November 1882. 7309 Dr. Naumann, Pfarrer. Zum Taxiren und zur Arrangirung von Versteigerungen empfiehlt sieb 6793 Louis Rothenberger, Neuenweg 22. Wilhelmsstraße 18, aus statt. 7349 Gießen, den 6. November 1882. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr vom Sterbehause, Todes-Anzeige. Gestern Morgen entschlief sanft nach kurzem Leiden unsere liebes Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Sufanna Hedterich, 7351 Ein braves, zuverlässiges Dienstmädchen wird per sofort gesucht von Frau Moritz Friedberger, ________________Ludwigsplatz. Lehrlings -Gesuch Ein junger Mann mit guten Vorkenntnissen in ein Colonialwaaren - Geschäft en gros als Lehrling ßefudjt- Näheres bei der Exped- ds. Bl- 7281 Lehrling gesucht in meinem Colonialwaaren- und Delicatessen-G'schäft. Frankfurt a. M. 7201 Rud. Herm. 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