1882. Donnerstag den 7. September Nr. 208. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Erscheint ISDltch mit Ausnahme be8 Bureau r Schukstraße B. 18. Betreffende Die Bildung eines Vereins ,ur Zucht und Veredlung der reinen Vogelsberger Rindviehraffe. Prei- vierteljährlich 2 M«rk 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Indem ich nachstehend das von der hierzu beauftragten Commission entworfene Statut zur Bildung -ineS Vereins für di« Zucht und Beredluna der reinen Vogelsberger Rindviehraffe zur öffentlichen Kenntniß bringe, lade ich chle Dryemgen, welche dem Vererne bntreten wollen und dies bis jetzt noch nicht erklärt haben, ein, mir dies längstens bis Ende September l. I. anzuzeigen. Nach diesem vermine soll eine Generalverfammlung llUr ^°^Die^r°rm"Wrgerm^ das Statut zur Kenntniß ihrer Gemeinde-Angehörigen, welche die Zucht der Vogelsberger Raffe unterstützen wollen, zu bringen und mir etwaige Beitrittserklärungen zu übermitteln. Auch stelle ich den Herren Bürgermeistern anheim, die Gememderathe darüber zu vernehmen, ob die Gemeinden als solche dem Vereine beitreten wollen. , , , . a , Gießen den 30. August 1882. Der Director des landwirthschastlichen Bezirksvereins Gießen. Dr. Boekmann. Statuten des Vereins für Züchtung und Veredlung der Vogelsberger Rindviehrasse. § 9. Auch Gemeinden und Corporationen können Mitglieder des Vereins werden. 4) Wirksamkeit deS Vereins. 1) Zweck des Vereins. § 1. Zweck des Vereins ist, die Zucht und Veredelung der reinen Vogelsberger Rindviehraffe zu fördern. Die Ausdehnung des Vereins ist an politische Grenzen nicht gebunden- 2) Organisation des Vereins. § 2. . Die Besorgung der Vereinsgeschäfte geschieht: a. Durch die Generalversammlung. Dieselbe wird jedes Jahr mindestens einmal abgehalten und hat über alle Vereinsangelegenheiten zu beschließen, über welche in diesem Statut nichts bestimmt ist. Insbesondere wühlt die Generalversammlung in geheimer schriftlicher Abstimmung den Vorstand, prüft die Rechnung und das Stammregister der Zucht- thiere (f. § 11) und hat sie das Recht der Statutenänderung (f. § 18). (lieber das Stimmrecht s. § 7.) b. Durch den Vorstand. Derselbe besteht aus einem Präsidenten, einem Stellvertreter desselben, einem Secretär, neun weiteren Mitgliedern, welche das Recht haben, sich durch Wahl um drei weitere Mitglieder zu verstärken, und einem von dem Vorstand zu wählenden Kassier. Alle drei Jahre scheiden drei bezw. vier Mitglieder aus, das erste Mal durch das Loos und später die Aeltesten im Amt. Ausgeschiedene Mitglieder sind wieder wählbar. § 3. Der Vorstand verfügt in allen Vereinsangelegenheiten selbstständig, insofern nicht Beschlüsse der Generalversammlung vorliegen. Insbesondere beruft er die Generalversammlung unter Festsetzung des Ortes, der Zeit und der Tagesordnung derselben. Zu jeder Berathung des Vorstandes müssen alle Mtglieder desselben von dem Vorsitzenden zeitig eingeladen und mindestens fünf Mtglieder anwesend sein. § 4. Die Vorstandsmitglieder haben nur auf Rückersatz derjenigen Auslagen Anspruch, welche durch Geschäfte des Vereins außerhalb des Zuchtgebietes (das ist der Bezirk, in dem ordentliche Mitglieder des Vereins wohnen) veranlaßt wurden. § 5. Vorstand und Generalversammlung fassen ihre Beschlüsse mit Stimmenmehrheit, ausgenommen bei der Auflösung des Vereins (s. § 18). 3) Mitgliedschaft. § 6. Die Aufnahme in den Verein erfolgt auf schriftliche Anmeldung durch den Vorstand. Der Austritt ist schriftlich anzuzeigen und wird Jedem ertheilt, der mit feinest Verbindlichkeiten gegen den Verein nicht im Rückstände ist. Der Vorstand hat ein Mitgliederverzeichniß zu führen. ,§ 7. Jedes ordentliche Mitglied hat mindestens einen Antheilschein im Betrag von fünf Mark zu erwerben, ist aber zu sonstigen Beiträgen nicht verpflichtet. Der Austretende ist berechtigt, unter Rückgabe seiner Antheilscheine fünf Jahre nach deren Erwerb, jedoch nur während des Zeitraumes bis zum sechsten Jahre, die Nominalbeträge seiner Anthellscheine zurück zu fordern. Bei Abstimmungen in der Generalversammlung haben die Besitzer von 1 bis 10 Anteilscheinen eine Stimme, die von 10 bis 20 Antheilscheinen zwei Stimmen rc., jedoch höchstens zehn Stimmen, vorausgesetzt, daß die betreffende Zahl von Antheilscheinen dem Betreffenden im Mitgliederverzeichniß zugeschrieben ist. §8. Außerordentliche Mitglieder sind solche, welche den Verein durch beliebige, von ihnen selbst zu bestimmende jährliche Geldbeiträge unterstützen. Sie dürfen an den Berathungen in den Generalversammlungen Thell nehmen, haben aber kein Stimmrecht und besitzen im Uebrigen dieselben Rechte, wie die ordentlichen Mitglieder. 8 10. Der Zweck des Vereins (s. 8 l) soll erreicht werden: 1) Durch Aufnahme vonZuchtthieren reiner Vogelsberger Rasse, welche den Vereinsmitgliedern gehören, als Vereinsthiere, worüber auf Anmeldung der Vorstand entscheidet. 2) Durch Ankauf von Zuchtthieren reiner Vogelsberger Raffe durch den Vorstand und Verloosung derselben. 3) Durch Thierschauen in Verbindung mit Preisvertheilungen gelegentlich der regelmäßigen Generalversammlungen. 8 11. Die verloosten und mit 30 Jl. oder mehr prämiirten Thiere werden Vereinsthiere. Die Eigenthümer derselben verpflichten sich daher, wenn sie nicht schon Mitglieder des Vereins sind, durch Annahme des ausgeloosten Viehes oder der Prämie, mindestens auf fünf Jahre Mitglied des Vereins zu. werden. Außerdem sind beim Gewinn einer Kuh oder eines Bullen vier Antheilscheine, bei dem eines Rindes drei Antheilscheine und eines Kuh- oder Bullenkalbes ein Antheilschein zu erwerben. Alle Vereinsthiere sind in ein von dem Vorstände zu führendes Stammregister einzutragen. F) Pflichten der Mitglieder. 8 12. Die Besitzer von Vereinsthieren sind verpflichtet: 1) die Kühe und deren zur Nachzucht tauglichen Nachkommen mindestens vier Jahre lang zur Zucht zu benutzen und sie zu dem Ende alljährlich wenn thunlich durch Vereinsbullen decken zu lassen; 2) die Zuchtthiere mit dem Vereinszeichen versehen und Bullenkälber, welche nach dem Urtheile des Vorstandes zu Zuchtbullen geeignet erscheinen, vor Ablauf von neun Monaten nicht kastriren zu lassen; 3) die Rinder sachgemäß zu erziehen, womöglich aus Tummelplätzen oder Weiden; 4) die Kühe, Rinder und Bullen bei den Schauen des Vereins nach Möglichkeit alljährlich vorzuführen; 5) die Geburt der von Vereinsthieren gefallenen Kälber deni Vorstände zuni Einträge in das Stammregister anzuzeigen, die erkrankten Vereinsthiere, soweit dies ausführbar ist, durch einen approbirten Thierarzt behandeln zu lassen und etwaige die Vereinsthiere betreffenden Todesfälle dem Vorstande anzumelden; 6) Rinder nicht unter einem Alter von 20 Monaten decken zu lassen. 8 13. Vereinsthiere, oder deren Nachkommen, dürfen nur mit Genehmigung des Vorstandes veräußert werden. . Dieser wird hierbei, wo es angeht, zur Bedingung setzen, daß der neue Erwerber die Pflichten des Veräußerers übernimmt und daß der neue Erwerber, wenn derselbe noch nicht Mitglied des Vereins ist, demselben beitritt. Der Veräußerer haftet alsdann dafür^ daß diese Bedingungen erftillt werden. Freies Eigenthum werden Vereinsthiere: 1) wenn Kühe oder Rinder in einem und demselben Besitze viermal gekalbt haben, oder wenn Bullen vier Jahre lang zur Nachzucht verwendet worden sind; ü . 2) wenn sie dem Vorstände zur Nachzucht nicht mehr tauglich erscheinen; 3) wenn der Besitzer sich nachweislich nicht mehr m der Lage befindet, Viehzucht treiben zu können, oder wenn derselbe den empfangenen Geldpreis, beziehungsweise bei verloosten Thieren die Hälfte des Einkaufspreises in die Vereinskasse bezahlt. 8 15. Inhaber von Vereinsthieren, welche den vorstehenden Bedingungen nicht nachkommen, unterwerfen sich unweigerlich den von dem Vorstände verhängten Strafen von einer bis dreißig Mark, welche in die Vereinskasse fließen. 6) Vereins-Vermögen. § 16. Die Beschaffung der nöthigen Mittel erfolgt: 1) Durch Ausgabe von Anthellscheinen zu je fünf Mark. Diese Antheilscheine sind in den ersten fünf Jahren nach dem Erwerb unkündbar (f. § 7). 2) Durch die jährlichen Beiträge der außerordentlichen Mitglieder des Vereins. 3) Durch Ausgabe von Loosen zum Ankäufe der zu verloosenden Zucht- thiere. 4) Durch Einnahmen aus Beiträgen des Staats, der landwirthschaMchen Vereine rc. § 17. Das baare Vermögen des Vereins ist verzinslich anzulegen. Von dem durch die Ausgabe von Anthellscheinen gebildeten Kapitale dürfen nur die Zinsen zu den laufenden Ausgaben verwendet werden. Feutschlünd. Darmstadt, 3. September. Ein auch für Hessen in seinen voraussichtlichen Folgen wichtiges Project scheint wieder in den Vordergrund treten zu wollen. Schon vor längerer Zeit liefen Nachrichten durch die Presse, oatz die Uferstaaten des Bodensees sich mit dem Plane beschäftigten, die Frage einer Tieferlegung des Wasserspiegels des Bodensees in Erwägung zu ziehen und zur Untersuchung der betreffenden Verhältnisse eine Eonferenz zusammentreten zu lassen. Nachher wurde es wieder still von dieser für die Bewohner der Rheinufer äußerst wichtigen Angelegenheit. Jetzt aber ist, wie verlautet, der Plan wieder ausgenommen und es soll nach der „K. Ztg." die Absicht bestehen, im Monat October an einem bereits festgesetzten Tage Vertreter von Oesterreich-Ungarn, Bayern, Württemberg, Baden und der Schweiz in Constanz zusammentreten zu lassen, um darüber zu beralhen, ob und in welcher Weise das Unternehmen zur Ausführung gebracht werden soll. Der Plan ist auch im Reichstage seiner Zeit bereits zur Sprache gebracht worden. Bei den damaligen Verhandlungen über die Berichtigung des Rheinlaufs betonte der Reichstagsabgeordnete Heyl aus Worms, welchen Einfluß auf die Wasseroerhältnisse des ganzen deutschen Rheins es haben würde, wenn die Absicht, den Wasserspiegel des Bodensees zu senken, verwirklicht würde. Es wurde darauf hingewtesen, welche Wichtigkeit der Bodenfee für den Wasserzufluß des Rheins habe, indem er das Hochwasser des Schweizer Oberrheins in seinem Bett sammelt und nach und nach in den trockenen Monaten Juni, Juli und September an den Rhein abliefert und welche Gefahr hinsichtlich der Abführung des Hochwassers eintreten könnte, wenn in die bisherige regelnde Thötigkeit dieses großen Wassersammlers eingegriffcn würde. (SR. H. P.) England. London, 4. Septbr. Die Regierung beschloß, drei weitere Bataillone Infanterie und Erfatzmannschasten, im Ganzen 5000 Mann, nach Alexandrien zu senden, um die Brigade des Generals Wood in den Stand zu setzen, zu General Wolseley zu stoßen. Dublin, 4. Septbr. Sämmtliche enllassenen hiesigen Polizisten haben nunmehr dem Vicekönig eine Petition übersandt, in welcher sie ihr Disciplinar- vergehen einräumen und um Wrederanstellung bitten. Die Unruhen, welche sich gestern Abend erneuerten, wurden gegen Mitternacht von dem Militär durch Bajonnetangriffe, wobei jedoch keine erheblichen Verletzungen vorgekommen sind, unterdrückt. Spanien. Madrid, 4. Septbr. Nach aus Manila eingegangenen Nachrichten von gestern waren bis dahin 347 Eingeborene und ein Europäer an der Cholera gestorben. Türkei. Konstantinopel, 4. Septbr. Die türkische und die griechische Regierung haben ihren Truppen-Besehlshabern Befehl wegen Wiederherstellung des status quo ante zugehen lassen; die türkischen und die griechischen Truppen sollen die vor dem Zusammenstöße innegehabten Stellungen wieder einnehmen. Zur Lösung des Grenzstreits wird von der Pforte die Rückabtretung von Nezeros gegen Uebergabe der anderen streitigen Grenzpunkte beantragt. Wegen der von Griechenland vorgenommenen militärischen Vorbereitungen wurden von der Pforte mündliche Vorstellungen bei der griechischen Regierung erhoben. Konstantinopel, 4. Septbr. Zwischen der Pforte und England ist nunmehr über die Ausschiffung von türkischen Truppen in Port Said und auch bezüglich der Proklamation, welche Arabi Pascha zum Rebellen erklärt, ein Ein- verständntß erzielt worden. Die Publicirung der letzteren soll vor der Ausschiffung der türkischen Truppen in Egypten erfolgen. Die Unterzeichnung der Militär-Convention wird noch im Laufe dieser Woche erwartet. Aegypten. Alexandrien, 4. Septbr. Heute früh hat das englische Panzerschiff „Minotaur" die Erdbefestigungen der Araber auf der Seite von Abukir beschossen. — Hier herrscht eine gewisse Aufregung wegen der Verhaftung eines Arabischen Spions, welcher der Ueberbringer eines an Antonopulos, den griechischen Consularagenten, gerichteten Schreibens war. Antonopulos wurde gestern Abend in Haft genommen. — Einem Gerüchte zufolge soll die Polizei eine beträchtliche Menge von Waffen entdeckt und einem Complott auf die Spur gekommen sein, demzufolge mehrere Griechen mit dem Plane umgehen, die Europäer in dem Augenblicke zu ermorden, wo die englischen Truppen durch ein ernstliches Engagement vor Ramleh beschäftigt wären. — Die Egypter wurden heute nur in geringer Anzahl vor Ramleh gesehen, aber die Arbeiter fahren fort, Erdbefestigungen zu errichten. Von den in der Nähe der Eisenbahn nach Kairo aufgestellten schweren Geschützen wurde Nachmittags das Lager Arabi Pascha's mit Granaten beschossen. Die Egypter erwiderten das Feuer, richteten aber keinen Schaden an. — Die Aufregung unter der europäischen Bevölkerung dauert fort, Senfations-Gerüchte jeder Art circulirten am Abend in der Stadt. Die englischen Militärbehörden halten die von ihnen getroffenen Vorsichtsmaßregeln für ausreichend, um jeder Eventualität wirksam zu begegnen. Das Eisenbahn Unglück bei Freiburg. (Bericht der „Straßburger Post".) „ Hugstetten, 4. September. _ „<■ Vergnügungszug sollte nach Münster und Colmar von Freiburg Abends 8 Uhr 10 Minuten nach badischer Zeit zurückkehren, verspätete sich aber um etwa 5 Minuten, welche der badische Zugführer einholen lassen wollte. Der Zug fuhr deß- *1) Auflösung deS Vereins. § 18. Die Auflösung des Vereins kann nur erfolgen, wenn in einer zu diesem Zwecke berufenen Generalversammlung drei Viertheile der anwesenden ordentlichen Mitglieder dafür sind, jedoch ist in diesem Falle jedes derselben nur zu einer Stimme berechtigt. Im Falle der beschlossenen Auflösung wird das Vermögen verwerthet. Bleibt nach Tilgung der Schulden und Einlösung der Anthellscheine zum Nominalwerthe noch Vermögen übrig, so fällt dieser Ueberschuß an den land- wirthschaftlichen Verein der Provinz Oberhessen. Gießen, im September 1882. Die mit Abfassung des Statuts beauftragte Commisstvn. halb statt Mit der für d e Rückkehr gestatteten Schnelligkeit von etwa 40 Km. in der Stunde von Frerburg über Hugstetten hinaus mit der fast doppelten Geschwindigkeit was um so gefährlicher war, als die 26 vollbesetzten Personenwagen nur von fünf Bremsern bedient waren, und als unmittelbar von Freiburg aus die Bahn ein ziemliches Gefalle hat. Hinter dem Hugstetter Einschnitt kam die Maschine aus dem Geleise und riß die ersten zwölf Personenwagen mit sich, welche wie die Maschine umschlugen und theils auf dem Geleise, theils rechts, theils links hiervon sich ineinander hinemschoben, so daß zu verwundern ist, daß nicht alle Passagiere dieser Wagen verunglückt sind. Diejenigen, welche sofort ihre Füße auf die Bänke stellten, kamen am besten davon; so hat em ganzes diesbezügliches Coupe keinen einzigen Verwundeten aufzuweisen, trotzdem von diesem Coupe keine Wand oder Seite unverletzt blieb, sondern alles auseinanderbarst. Andere Reisende wurden unter den Trümmern unverletzt hervorgezogen, da das Eisendach, von einigen Haken aufgehalten, eine schützende Decke gebildet hatte. Noch heute früh 5 Uhr dauerten die angestrengtesten Rettungsversuche fort, da, trotzdem Hugstetten und die umliegenden Orte noch Abends nach 9 Uhr Sturm lauten ließen und aus Freiburg gleichfalls Wagen und Mannschaften gesandt wurde« mü den Trümmern noch lange nicht aufgeräumt werden konnte. Die »Zahl der Ge- tödteten wird über 50, die der leicht und schwer Verwundeten über 100 betragen. Die meisten Verwundeten mußten mindestens 1> 2-2 Stunden unter den Trümmern liegen bleiben, bevor ihnen Erlösung aus der gefahrvollen Lage gebracht werden konnte Den heimkehrenden Unglückszug umstanden an allen Bahnhöfen zahlreiche Angehörige der Reisenden, welche in ein herzzerreißendes Wehklagen bei der vermißten Wiederkehr ihrer Angehörigen ausbrachen. Ich selbst habe an beiden Füßen arge Verletzungen erlitten und auch meine Hand ist verwundet, so daß ich wohl mehrere Monate werde das Bett hüten müssen. Zahlreiche Personen, darunter eine Anzahl höherer. Beamten, werden noch vermißt. Die reichsländische Bahnverwaltung ist unschuldig. _ Freiburg, 4. September. Wern waren zwei Vergnügungszüge hier eingetroffen, einer von Basel mit etwa 1000 und einer von Münster-Colmar mit etwa 1200 Theilnehmern. Der letztere Zug ging nach 8 Uhr Abends von hier fort und entgleiste alsbald zwischen hier und Hugstetten an der zweiten Lichtung d.s Mooswaldcs,' die südlich vom Lehener Bergle begrenzt ist. Als Ursache der Entgleisung nimmt man einen Dammrutsch an, der in Folge des wolkenbruchartigen Regens gestern Abend entstanden ist. Die Scene, die sich m rabenschwarzer Nacht, bei strömendem Regen auf freiem Felde darbot, war eine entsetzliche; sie spottet jeher Beschreibung. Als die erste Hülfe herankam, war die Um- Unglücksplatzes nur einem mit Leichen und zahllosen Trümmern bedeckten Schlachtselde vergleichbar. Aerzte waren rasch zur Stelle; während der ganzen Nackt wurden die Verunglückten, Tode und Verwundete, in Gefährten aller Art nach der Stadt und den nächsten Dörfern, darunter namentlich nach dem nahen Hugstetten ae- bracht Das Schauspiel der Verwüstung, das sich diesen Vormittag einlm zahlreichen L°nb zur Unglücksstätte gezogen, darbot, ist schrecklich. Auf der linken Sette abseits des Bahndammes haben sich die Maschine und ein Kohlenwagen in den welchen Boden eingewühlt. lieber diese Stelle hinaus auf dem Bahnkörper selbst stehend eröffnet em Güterwagen den Zug der mehr ober minder zerstörten Wagen, ein Zug, der einige Male durchbrochen ist von auf die Seite geworfenen und zertrümmerten, meinander gefahrenen Waggons. Den Schluß der Kette bilden sechs noch aufrecht gebliebene Wagen, von denen indeß d-e vordersten mehr oder minder stark geneigt sind. Zwei in der Mitte des Zuges sich befindende Wagen sind ganz über-' nnb ^er Voden des einen nach oen gekehrt; hier hat die Gewalt hfl« Rpfcr anc8cle? ^fordert. An dieser Stelle bietet sich jetzt noch das entsetzliche Schauspiel von furchtbar verstümmelten Leichen dar, welche aus ihrer anthLfb.nn nicht entfernt werden konnten. Alle Hände sind ge- schafttg, diesen Trümmerhaufen von Tod und verstümmeltem Leben zu entwirren und die wenigen, die in biefem Schutthaufen noch lebend der Befreiung harren, aus ihrer ^mosphare Zu erlösen. Der Eindruck, den das Ganze macht, ist ent- Jahrzehnte nicht zu vermischen vermögen Betroffen sind Ent^ sonders sollen die Zollbeamten ein sehr zahlreiches Con- tingent gestellt haben. Einzelne Beamte hatten bis gegen 50—60 Billets für ihre greunbe gekauft. Auch von höheren Beamten war eine große Anzahl betheiligt Aber fitibaS furStbare^fÄirf^rm" C®s ^nse Familien, Mann, Weib unb Kinbcr aeto^en km, Seitens der Bahnverwaltung war sich auch bsi umU^enbenÄr^k^? ^ Unglücklichen zu bringen. Ebenso zeigten reit Dem ' fÄ Ä f o tn,b,cr aufopfernden Weise zur Hülseleiftung bi-. so machte bie Benachrichtig^ h?cäu9 feinen transportabel Apparat mit sich sührte, Xro^bra tarn am felbet'Äh^A* 0l?6en Stationen einige Schwierigkeiten. runasrath^"Ob"r-Betriebsinsn^>n^§,/,^ Sonberzug von Colmar, welcher ben Regie, mar unbeinemOTn ln,t dem Oberstabsarzt b-r Garnison Col- schnellen Mren bes ^Me. Wenn man Anfangs bem zu ein bn aeiäh Uch- so bürste bas boch kaum zutreffend lurücfaelcat nrrben T&ei ^"ellem Fahren der Erfahrung nach viel glücklicher nlederstel ba? das 'r Fahrt. Der Regen, der wolkenbruchartig her- aebabt und fn mar er rÄ! stegmde Geleis jedenfalls vollständig unterwaschen SSAIXi b«Voraussicht die Catastrophe unvermeidlich. Ueber sübre?s vrnlan^ samten, des Locomotivführers, des Feuermanns und dcs Zug- N OpferÄe" U Ht iU fürd)ti"' dl-f-lben auch bem Unglück den 104 verwundeten" sind^ ' Gunter auch Landgenchtsrath Janton. Von Der Führer Rub ber Ä" "»letzt, 2 von ihnen sind heute Nacht gestorbe». taasabgeorbneter T>r mÄ'i bc8 stab gerettet. Der Senatsprasibent, R-ichS- SnÄmÄ“«" befand sich nebst feiner Gattin indem befcbäbigt nverlefet geblieben. Regierungsrath Geigel aus Colmar ist leicht Berid)t®r$bontben5hi?eZ»m6erc,^4 Uhr Morgens. Dem „Franks. Journ.- wirb ferner Angehörigen ober Rekanntln" äIbe"b. flefunbenen 57 Leichen waren erst 27 von ihren 3 Verwundete gestorben k/n ai’?’äc,rt worden. Wahrend der Nacht sollen weitere Menschen lieget so dü?ite b bl1 au* unti,r ben nl*1 Behobenen Trümmern von dem entseülicken iS b ^nen seftern telegraphisch ausgesprochene Befürchtung finden Das Gwüberwn leider nur zu bald ihre volle Bestätigung Bericht, in toeldiem bie ör fnnbte an die hiesigen Blätter einen offtcfeUen nicht erusitVngeaebennA?' Z°rwunbeten auf 104, bie ber Tobten aber als noch gebrachten VerwZndekn zu verstehn/' W 8kfi0Cn Kliniken untere ins SpTtal ^uTchen"8^ mb durchwegs sehr erhebliche, boch weigerten sich Viele, 8ugehöriaeu un?prHrh7o? r ® neP, sollten zuerst über das Schicksal ihrer vermißten Jhriaen amfl^ ' die Anderen wollten in ihre Heimath, um von dm die Straßen nach^ dem B^^.r,??on sah hfoIc^e Verwundete wohl an Hundert durch umhergehen. oahnhof oder aber vor den Klrniken und der Anatomie \& r Unb , gecitfaal 'Sammet? 1» wunWiWj eiueW ichrnvrM vrmuW j vor drr TM beamten M 38 *n’7 bie Unter* grifft I* üegenbe 1W tipfen hat in nMns zum schluchzenden ü Doch dai bis vor wenige' die der Rückkrh Zater und Mu iorächen: „5d die Wonne der unmündigen Ich übe mit so wenig iantigen Beste Blick über dai wenigen Stur Kleidern bebe ihren Leiden ber Unglückss befdjleunigt, Leichen zu Ta sehen lassen, t Bedeute Professor Mm Assistenten uni lobenswerthe Berli ^er Kronprin Nachmittags । vorher ini ber & Wre&itmt ; Minister v. i Wn tin ziem- nä dem Ge- ^aichine um; 4 fneinanber ^öagen Der; L tarnen am Verwundeten 'lieb, for.bern "verletzt her; ützende Decke tungsoersuche 9 Uhr Sturm anbt wurden, Zahl der Ge- iragen. Die nmern liegen konnte. Den ngehörige der eberkehr ihrer ngen erlitten e werbe das iten, wnbm ;mbtr. in W- mit Der letztere hen hier und ehener Bergle ch an, der in >ie Scene, die bot, war eine mar die Urn- iern bedeckten anjen 9lad)l r t narb btt jftetten.^ zaduncyen \\ l^recklich. ein Kohlen- I dem W: bet zerstörten oorfentn wb e bilden W r minder start nb ganz über- at die Gewalt sich jetzt noch lche aus ihrer jänbe sind ge- entwirrenun •en, austh r machte. Setrosten sind Miches Con- llets für ihr theil'gt. A b und Kruder •waliung roor Ebenso zeigten lfelelstung/' Lr.»«' Lwierrskeiten ?r den W* KS Ls-» Z U-b-- ib des W. >em Unglück Don y-S? *,?S - w'ro i " 27 L 8?.S :'A die weitere Anstellung von Special - Constablern nicht nothwendig sei. Die Vermischtes Ruhestörungen haben sich gestern nicht wiederholt. Petersburg, 5. Septbr. Der Fürst von Montenegro ist heute Abend hier eingetroffen und im Winterpalais abgestiegen. Lokales. Gießen, 6. September. (Sterblichkeit in Gießens Die Zahl der Todesfälle in der Woche vom 27. August bis 2. September belief sich hier im Ganzen auf 6. Unter den Gestorbenen befand sich nur eine erwachsene Person, welche einer Bauchfellentzündung erlag. Unter den 5 Kindern hatten zwei das erste Lebensjahr noch nicht vollendet und starb das eine an allgemeiner Abzehrung, das andere an Krämpfen. Von drei älteren Kindern starben zwei an Diphtherie, eins an Lungenentzündung. G. Gießen, 6. September. Gestern Abend kurz nach 9 Uhr stürzte aus dem 3. Stock eines Hauses der Wallthorstraße eine Frauensperson auf das Straßenpflaster. Mit geborstenem Schädel wurde die Unglückliche in das Haus gebracht. — Der äußere und innere Zustand von einigen unserer öffentlichen Bahnhofs' Droschken spottet eben jeder Beschreibung. Man sollte doch keinem Menschen zumuthen, sich in solchen Marterkastcn nach der Stadt fahren zu lassen. Abhilfe thut hier dringend Noth, soll nicht das Droschkenwesen unserer Stadt zum Gespötte fremder Passagiere werden. Darmstadt. Folgende orthographische Musterleistung ist hier eingegangen: An Landausstelung in Höhen Darmstahl an die Herren in Direktion Königreich Höhen. Sie werden so guht sein mir 10 Loos schien auf Nachnam, fir 10 Mark, aber ich verlange den Brief Fralggiren das es nicht so viehl Kost, aber jedes Loos soll anderrm Vor der Anatomie insbesondere gab es der Verwundeten, behufs Nachfrage nach ckhriaen aber gleichwohl Erschienenen in Massen. Eine etwa 75 Jahre alte Frau am rechten Auge derart verletzt, daß die Passanten ihre Verbringung ins Spital ßarderten Eine 22jährige Frau war von Morgens bis Mittags vor der Anatomie neftanden Die Kleider waren der scheinbar dem besseren Stande angehörenden Frau *Lm Leibe gerissen; sie weinte und klagte bitter: mein Mann! mein Mann! Das tvbfpaar war nebeneinander gesessen bei Eintritt des Unglücks, die Frau wurde aus dem in Trümmer gegangenen Waggon geschleudert, der Mann blieb unter demselben mit vollständig eingedrücktem Schädel. Und soll ich denn auch den Anblick schildern, der sich mir bei meinem Eintritt in den Secirsaal darbot? Eine unlösbare Aufgabe! Auch nur einen Theil des Elends und Jammers zu schildern, den ich hier gewahr wurde, wäre unmöglich. Der Fußboden des langen Saales ist mit männlichen und weiblichen Leichen bedeckt. Die meisten dieser Opfer zerauetscht ober aufgeschlitzt; nur wenige liegen da, deren Verwundung nicht schon dem oberflächlichsten Blicke erkennbar. Rechts an der Thür liegt eine 28jahrige Frau; die verzerrten Züge bekunden, daß hier dem Tode Widerstand zu leisten versucht wurde. Neben ihr liegt ihr Kmd, ein etwa öjährtges Knäblein, das vermuthlich eine innere Verletzung erlitten. Wie zum Schutze ist noch jetzt die Mutterland nach dem neben ihr liegenden Kinde ausgestreckt. Der Gatte und Vater harrt vor der Thür der schrecklichen Aufgabe. Frau und Kind dem dienstthuenden Polizei- deamten als die ihm entrissene Familie zu bezeichnen. Dort liegt ein Mann von 38 Jahren; Kleider und Gesicht verrathen, daß er dem niederen Stande nicht angehört; die Untersuchung ergibt, daß der so böse zugerichtete Beamte verlobt war und eben im Begriffe stand, ein Ehebündniß einzugehen. DaS auf der anderen Seite des Saales liegende 19jährige Mädchen mit ihren blutdurchtränkten, nun schlaff herabhängenden Köpfen hat in ihm doppelt einen Schicksalsgenossen; weint um ihn eine Braut, die er nächstens zum Altar führen wollte, so wird sie von ihrem im Hose stehenden, laut schluchzenden Bräutigam betrauert. Doch das entsetzlichste aller Entsetzen! Mein Blick begegnet einem Paare, das bis vor wenigen Stunden noch glücklich war im Gedanken an ihre 5 kleinen Kinder, die der Rückkehr der Eltern aus Freiburg harrten. Wie sie da neben einander liegen, Vater und Mutter, es ist, als ob sie händeringend zu den an ihnen Vorüberziehenden sprächen: „Schauet her und sehet, ob ein Schmerz dem unseren gleicht " Dahin ist die Wonne der Eltern, dahin die Freude der sich ihres Unglücks noch nicht bewußten, unmündigen Kinder! Ich übergehe die lange Reihe jener hier liegenden Unglücklichen, deren Betrachtung mir so wenig möglich al5 ihre Schilderung. An ihnen thaten die Räder und andere kantigen Bestandthcilc der Waggons ihre fürchterliche Arbeit. Nur noch einen raschen Blick über das ganze vor mir liegende Unheil. Es waren 48 Menschenleben noch vor wenigen Stunden, jetzt liegen hier blutige, nur an einzelnen Theilen mit zerrissenen Kleidern bedeckte Körperstücke! Im Hospital sind mittlerweile zwei Schwerverwundete ihren Leiden erlegen und die noch Vermißten sind 5 an der Zahl. Die Arbeiten an Der Unglücksstätte werden nunmehr, nachdem die Behörde an Ort und Stelle war, beschleunigt, so daß jedenfalls noch während des heutigen Tages die noch vermißten Leichen zu Tage gefördert werden dürften. Erst bann wird sich das Unheil ganz übersehen lassen, das die Katastrophe anqerichtet. Bedeutende Verdienste erwarb sich anläßlich des Unglücks Herr Universitäts- Professor Maas, der mit unter den Ersten an Ort und Stelle war und mit seinen Assistenten unaufhörlich arbeitete. Auch die Freiburger Aerzte entwickelten eine sehr lobenswerthe Thätigkeit- Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Eorrespondenr-Bureau. Berlin, 5. Septbr. Der Kaiser ist, begleitet von dem Kronprinzen, der Kronprinzessin, den Prinzen Friedrich Karl und Albrecht, um l3/4 Uhr Nachmittags mit großem Gefolge nach Breslau abgereist. Der Kaiser hatte vorher im hiesigen Palais mehrere Vorträge entgegengenommen. Gestern empfing der Kaiser auf Babelsberg zahlreiche militärische Meldungen, arbeitete längere Zeit mit dem Chef des Civll-Cabinets v. Wilmowski und conserirte mit dem Minister v. Puttkamer. Vor und nach dem Diner hatte der Kaiser Ausfahrten gemacht. Prinz Wilhelm wird erst am 7. ds. nach Breslau nachfolgen. Freiburg, 5. Septbr. Der Com.niffar des Reichs-Eisenbahnamtes, Geh. Ober-Regierungsrath Streckert, ist anläßlich des Eisenbahn-Unglücks bei Hugstetten heute hier eingetroffen. London, 5. Septbr. Wie die „Times" erfährt, soll die englische Negierung im Besitze eines zwischen dem Sultan und Arabi Pascha stattgehabten Briefwechsels sich befinden, welcher das heimliche Einverständniß beider vollständig constatire. Dublin, 5. Septbr. Der Vicekönig erließ eine Bekanntmachung, daß fcrantfurt a. M., 6. Septbr., Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Creditactten 277%, Staatsbahnactien 305V,, Galizier 276%, Lombarden 1331/,, Nord- westbahnactien —, Darmstädter-Bankactien 162, Oberschlesische E.-B.-Act. 260%, Oefterr. Silberrente 663/w, 4°/0 Ungar. Goldrente 76%, . 4% 1880er Russen 69%, derlange oen oriti tyiuigyntn IV v.vyt. «nun, uuer jtoouooQ iou anoerrm ■ 5% 1877r Russen 86%, 2. Orient-Anleihe 56%, Spanier 64%, 5% Rumänische Numerren sein, Ich grüß Sie, Directton nach der Ziung will ich Ziungeslistn auf | Rente 91%, 4% Unific. Egypter 60% g. Tendenz schwankend, eher fest. —■P” ....... Nachnam. Verschidene Dausender Hunderrht. die AtreS Xaver Schmidt Uhrenmacher in Tunzehl Ammt ©taufen Oberland Grobherzog von Baaden. Mainz, 2. September. Heute Abend 6 Uhr erfolgte in der Schusterstraße eine Gasexplosion, wobei 2 Personen schwer verletzt wurden. Die Demolirung ist sehr groß. Königstein, 30. August. Gestern Abend ereignete sich hier ein schrecklicher Unglücksfall. Die 26jährige Tvcbter des Herrn Lehrers F. wurde aus Unvorsichtigkeit von einem Freunde ihres Bruders, welcher auf einige Tage hier zu Besuch war, durch eine Flaubert-Pistole gelobtet. Die Kugel, welche in bte linke Brust eindrang, traf das Herz und hatte der augenblicklichen Tob bes Mäbchens zur Folge. Der Jammer ber bejahrten Eltern, deren Stütze die Tochter war, ist herzzerreißend. Der unglückliche junge Mann, welcher die That verübt, ist der 19jährige Primaner P. aus Karlsruhe. Bremen, 4. September. (Rettung aus Seegesahr.) lieber die bereits telegraphisch gemeldete Rettung der aus acht Personen bestehenden Besatzung des russischen Schuners „Skandia", Capitän Michelson, mit Holz von Uleaborg nach Southampton bestimmt, durch das Rettungsboot „Emden" der Station Borkum-Westland, gibt der Ortsausschuß in Borkum im Nachstehenden näheren Bericht: Am 31. August er. kamen früh Morgens drei Lootsen vom Lootsenabholer „Dollart", in der Fischerbalje ankernd, an Land, um sich nach ihrem in See befindlichen Lootsenschuner umzusehen. Sie bestiegen den hiesigen Leuchtthurm und bemerkten mittelst Fernrohrs N-N-O-wärts gegen Juist ein Schiff in Gefahr, welches Noth- ftgnale gehisst hatte. Hiervon wurde der Vormann sofort in Kenntniß gesetzt und ließ derselbe bas Rettungsboot schleunigst zu Wasser bringen. Da bie Besatzung des Bootes nicht gleich vollzählig war, so erboten sich die drei anwesenden Lootsen, mitzufahren, und stach das Rettungsboot um 11% Uhr Vormittags in See. Fluth, stürmischer Wind aus Nordweft und hoher Seegang verhinderten an der Westseite ber Insel vorwärts zu kommen, unb wurde baher beschlossen, um schneller und sicherer zu fahren, den „Dollart" zu Hülfe zu nehmen- Das Rettungsboot im Schlepptau, kreuzte nun der „Dollart" durch die Oster-Ems nach See und gelang es mit vieler Mühe und Anstrengung, die hochgehende See unb Branbung zu bekämpfen. Enblich spät Abenbs kam man in bie Nähe bes verunglückten Schiffes. Als man dem Schiffe so nahe wie irgend rathsam war, stieß das Rettungsboot vom „Dollart" ab unb gelang es der Rettungsmannschaft mit eigener Lebensgefahr das Schiff zu erreichen und die Besatzung, bestehend aus acht Personen, glücklich an Bord des „Dollart" zu bringen. Beim Anlegen an das in Noth befindliche Schiff erlitt das Rettungsboot durch den Anprall, verursacht durch eine hochgehende Woge, Beschädigung am Vordersteven, der Korkumgürtung und am Bug. Das Wrack des Schuners lag in unmittelbarer Nähe der Brandung vor den Hummegats-Gründen. Das Schiff war voll Wasser und hatte schon 8 Tage vorher das Ruder verloren. Inzwischen war es dunkle Nacht geworden. Trotz ber größten Anstrengung gelang es nicht, eine ber Emsmündungen zu erreichen, ba bie hohe Branbung nicht zuließ, Über das Juister Riff zu fahren, es blieb daher nichts übrig, als die Nacht auf See zu bleiben. Am anderen Tage, Freitag den 1. September; gelangte das Rettungsboot um 12% Uhr hier wieder an. Das Boot bewährte sich feinem Zwecke entsprechend ganz vorzüglich. Die Mannschaften waren mit Korkjacken bekleidet. Aus dem Rheingau, 2. September. Die Weinaussichten sind bedenklich gesunken. Klagen, nichts als Klagen! Wenn auch hier unb da „Etwas draußen hängt", wie z. B. vorzugsweise in Rauenthal unb auch in Rübesheim — bei biefer Witterung kann von einem Ausreisen kaum die Rebe sein! Im Allgemeinen kam ich von einer Runbreise, welche zum Zwecke hatte, mir über ben Stand ber Reben hinsichtlich der au erwartenden Quantität in diesem Jahre durch Autopsie ein richtiges Bild zu schaffen über alles Das, was ich gesehen, mit tiefem Betrübnisse nach Hause. In Hochheim, am Neroberg, Eltville, Erbach, Steinberg, Hallgarten, Oestrich rc. gibt es im Großen unb Ganzen viel weniger, wie im vorigen Jahre; viel besser steht es im Marcobrunnen unb überhaupt in ber Hattenheimer Gemarkung; dem vorjährigen Stande gleich steht es in den Lagen zu Rüdesheim, wirklich trefflich allein in Rauenthal, während der Klebroth (gen. Burgunder) zu Aßmannshausen zumeist in ber Blüthe durchgefallen, kaum die Hälfte des vorjährigen Quantums geben wird. Der Klebroth fängt seit acht Tagen, in den besten Lagen des Aßmannshauser Berges, sich zu färben an. Die Entwickelung des Rieslings steht selbst in ben besten Lagen sehr zurück. Die beständig naßkalte rauhe Witterung, das in den Weinbergen kaum zu bewältigende Unkraut rc. sind so unb so viel ungünstige Umstände, welche das Reifen der Trauben hindern, unb es ist daher unschwer das Prognostikon aufzustellen, daß der 1882er kaum feinen unmittelbaren Vorgänger in der Qualität erreichen wird. Es gibt zwar noch Leute im Rheingau, bie vom guten September und October Alles hoffen, allein mögen dieselben mit ihren kurzen sonnigen Tagen und langen kühlen Nächten noch so gut werden, das im ganzen Sommer Versäumte werden sie nicht ausgleichen können. (Rh. C.) — Ein „deutscher Händedruck" brachte einen Maurer in Erfurt in nicht geringe Verlegenheit und für feine Verhältnisse ziemlich hohe Geldkosten. Er muß nämlich einem Zimmermann, dessen Hand er bei einer Begegnung so übermäßig drückte, daß der Daumen ausgerenkt wurde, allwöchentlich 12 Mark unb zwar so lange zahlen, bis sein Freunb wieder arbeitsfähig ist. — Daß selbst eine anscheinend so trockene Arbeit wie bie, welche mit ber Redaction des deutschen Exportadreßbuchs verbunden ist, nicht gänzlich des Humors entbehrt, mag zunächst ebenso unwahrscheinlich klingen wie bte Nachricht von ber Entdeckung bisher ungeahnter Exportartikel aus dem deutschen Reiche. Aber an bte Redaction des genannten Exportadreßbuchs ist das sonderbare Ansinnen gestellt worden, die Annonce einer „Exportanstalt" aufzunehmen, welche statt tobter Erzeugnisse deutschen Gewerbfleißes, lebende Verbreiter deutschen Hausfleißes in Gestalt von Gouvernanten unb Musiklehrerinnen an das Ausland abgibt. Wahrlich, die oft erhobene Klage, welche von weiblichen Lehrsklaven zu erzählen weiß, hätte keine traurigere Illustration erfinden können, als diese- Interessanteres aber noch und eine immer schrankenloser auftretende und immer breiter sich brüstende Art moderner Seelenverkäuferei zeigte sich in dem Antrag au bie Rebaction des Export-Adreßbuchs, welcher nichts weniger verlangte, als die Ausnahme einer Annonce seitens eines „Internationalen Heiraths- Bureaus". Selbstverständlich sind diese Anträge von der Rebactton des Export-Adreß- buchs zurückgewiesen worden. Telegraphische Dampfernachrichten. Mitgetheilt von den General-Agenten Gcbr. Gosewisch unb Max Jos. Schröder, Mainz. New-Aork, 3. Septbr. Angekommen von Bremen der Norddeutsche Lloyd- Dampfer „Rhein" iA'ffahrt 20. August) unb ber Dampfer ^Zeeland" ber Reb Star Lme in Amwcrpen (Abfahrt 19. August).. Allgemeiner Anzeiger. rcw Gratulationskarten rown empfiehlt in schönster Ausstattung 5703 E. Balser, Mäusburg. 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Die an dem der Lang-Gönser Sparund Leihkasse gehörigen Wohnhaus am Wiesecker-Weg — Lit. A. Nr. 1717 — vorzunehmende Weißbinderarbeit soll im Weg der Submission vergeben werden. Uebernehmer wollen im Laufe dieser Woche ihre Forderung schriftlich an den Unterzeichneten gelangen taffen, bei welchem auch die Beschreibung der Arbeit und Bedingungen eingesehen werden kann. Gießen, den 5. September 1882. 5742______A. Henrich, Geometer. Grummetgras- Versteigerung. Die am Montag den 4. l. Mts. abgehaltene Versteigerung des Grummet- arases von den Fürstlichen Wiesen in der Gemarkung Lich hat die vorbehaltene Genehmigung nicht erhalten, und wird dasselbe von den Wiesen oberhalb der Stadt Lich (115 Morgen) Mittwoch den 13. September, Vormittags präcis 8 Uhr, und von den Wiefen unterhalb der Stadt Lich (10 Morgen) Mittwoch den 13. September, Nachmittags präcis 1 Uhr, nochmals versteigert. Zusammenkunft Morgens an der Saubrücke nächst der Peinmühle, Nachmittags im Schloßgarten an der Eisenbahnbrücke. Lich, den 5. September 1882. Fürstlich Solmsifche Rentei Lich. 5788_________Kreiling. Freitag den 8. ds. Mts^ Nachmittags 2 Uhr, lassen die Erben der verstorbenen Frau Kreisarzt Dr. Caprano die zu deren Nachlaß aehörigen Mobilien, als: 1 Sopha, Kleiderschränke, Betten, Bettwerk und Weißzeug, 1 Goldspiegel, 1 Küchenschrank, sonstiges Haus- und Küchengeräthe im Hause des Herrn Markscheiders Keller (Grünbergerstraße) öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. Gießen, den 4. September 1882. Die Mitglieder des landw. Lokalvereins, welche fich an einem gemeinschaftlichen Besuch der landw. Ausstellung in Wetzlar betheiligen wollen, werden eingeladen, Sonntag den 10. September vor 12 Uhr Mittags am Bahnhof sich einfinden zu wollen. 5789 Wvrtmann, Landwirthschafts-Schule zu Weilburg a. d L. Oeffentl. Prüfung zum Schluß des Sommersemesters 6. Okt. Das Wintersemester beginnt für die Abteilung der Anstalt, deren Abgangszeugnisse zugleich zum einiäbria- fremullrgen Militärdienst berechtigen, am 19. Okt., für die andere iWintercurse) am 6. Nov. Anmeldungen bis zum 15. Okt. an Director Matzat in Weilburg welcher auch Programme (kostenfrei) versendet und weitere Auskunft ertheilt. 5552 Das Kuratorium r gez. v. Wurmt», Regierungspräsident in Wiesbaden beulten L Verhältnisse Lust, nicht land und l „Mühle.". rolling-mi tcren, sou Sie sehen sehen zu w haben und Gero Anlage, iü( gestempelt: Vezeichnum derselben n dcrn als „ somit, den Wir sagen wurzeln, 1 und Jeder Gelehrter, werbe, ftiej her ßeibeigen] achtung jeder O geniihrt, 116 ft?“ Bcrli» internationalen M UnW tung Haden 1 PMungen über das angeht, so v ausgeworfen Gewicht der gleiche gültig als 3 Kilo) höchstens 1 i zm Gewicht märts in Ar lich aus 6 9 auf 9 P. ( Handrvrüs n auch bitta sog. M aber sollte Beruf und klaren Beze — C, ^jährigen Ansetzung Äng der langen. N tmber ihr Wahres zur activen Die 1 aus be" näd d Zahle. 186! Dien °«Wrig < ?tlf man t>i 'das mirj, bitte i(fi flick lch hierbuch • Sprock übten Werbt’. i(b mir bas »alten suchen. lelri, Spruck ö Mein zu biltigften Reifen fall, Zinngieher, jäuen 85._________ Karne, ö Strümpfe nben empfiehlt: rt Haas, weg §. 59. 'n von Älrnf irqe ich, wie •Seit. 5« 16 20 16 9 Pup. ilienwohME^I IrrzkiseN' Äun« """ft-d-i k j)s. ■. tzM M J S ru venmetb- Sr»®7* zotz,KiE- Lust im W^wen'' § und emWw im ,>n^L- '. j Oktober ander. r j. Vitzn-r- gKpFimi#” a 5545 Em bis zwei Schüler wünscht in Pension zu nehmen eineP'„ Näheres bei der Exped. ds. Bl. 5375 Eine Wohnung von 2 Zimmern, Küche rc. Kirchenplatz 23. Herrn WILHELM REIBER, Seltersweg, übergaben wir ein Lager in Kasküster, Haslampen, und Koch-Apparaten, 1 sowie allen sonstigen Gegenständen zur Gasbeleuchtung aus den ersten Fabriken dieser Specialitäten und in den bewährtesten Constructionen. €}iessener Gaswerk. 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