,81 Erstes Blatt. Sonntag den 6. August 1882, ießcucr Anzeiger Amts- nnb Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. -- ------------------— ' . M ’ PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, t Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50 Pf. Amtlicher Hheit. Gefundene Gegenstände: Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, mehrere Schlüssel und Hundeblechmarken. Auaestoaen: 1 Distelfink. Gießen, am 5. August 1882. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius. Aesterreich. Trieft, 3. August. Heute Nachmittag begaben sich die Mitglieder der Handelskammer zu dem Vertreter des Statthalters Rinaldini, um demselben den Beschluß der Handelskammer mitzutheilen, durch welchen dem tiefsten Abscheu über die gestrigen Vorkommnisse Ausdruck gegeben wtcd. Heute Abend soll der städtische Verwaltungs- Ausschuß zusammentreten, um einen analogen Beschluß zu fassen. Türkei. Konstantinopel, 3. August. In der gestrigen Sitzung der Conferenz bestätigte, wie weiter gemeldet wird, Said Pascha die schriftliche Erklärung der Pforte vom 28. Jult, mit welcher dieselbe die Intervention acceptirt. Der Vertreter Rußlands, Onou, wies darauf hin, es scheine billig, daß die Türkei zuerst versuchen sollte, die Ordnung in Egypten wieder herzuftellen und daß erst, wenn ihr dies nicht gelingen sollte, andere Mächte hierzu schreiten sollten. Lord Dufferin erklärte, England wünsche die türkische Aktion unter der Bedingung, daß zuvor die Proklamation gegen Arabi Pascha erlassen werde. Said Pascha entgegnete, diese Proklamation sei jetzt unmögl'ch. Sobald die türkische Fahne auf cgyptischem Boden wehe, werde die Handlung Arabi Paschas über die weiter zu ergreifenden Maßregeln entscheiden Bei der Diskussion des italienischen Antrages wegen des Collectivschutzes des Suez-Canals erklärte Lord Dufferin, er besitze darüber keine Instructionen. Der Marquis de Noaillcs sagte, er könne Angesichts der französischen Cabinetskrisis nur seine persönliche Meinung aus- sprechen Beide Vertreter erklärten darauf, ihren Regierungen referirm zu wollen. Schließlich theilte Dufferin der Conferenz seine Note vom 30. Juli und die Antwort der Pforte auf dieselbe mit. — (Telegramm der „Agence Havas".) Drei Transportschiffe mit Artillerie und Munition sind Abends nach Alexandrien abgegangen; dieselben werden unterwegs weitere Truppen ausnehmen. — Gutem Vernehmen nach hätte der Sultan die Absicht, auch eine Civilmission nach Egypten zu entsenden. Der Premierminister gab gestern der Hoffnung Ausdruck, daß die Differenzen mit England betgelegt werden würden. — Crtspr ist hier eingetrosfen. Aegypten. Alexandrien, 3. August. Die englischm Truppen haben gestern das Fort Mex besetzt — Eine Abttmlung Artillerie wurde heute früh mit Marinetrupven in der Richtung auf Mchalla vorgeschickt und fand die Eisenbahn auf eine Strecke von ca. 200 Metern durch die Truppen Arabi Paschas zerstört. Man sah die Cavallerie Arabi Paschas und etwa 200 Mann Infanterie avanciren, doch fanden k.'ine Zusammenstöße statt. Heute wurde eine größere Recognoscirung vorgenommen. Das 38. und das 60. Regiment rückten mit Artillerie-Abtheilungen in 2 Colounen gegen die Haupt- Vorpostenstellungen Arabis vor. Dieselben waren fast ganz verlassen. Der Feind zeigte sich nicht und nach einem kurzen Gewehrfeuer k.hrten die englischen Truppen ohne Verluste nach Ramleh zurück. ______ Deutschland. Darmstadt, 4. August. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: , , Am 13. Juli dem Schullehrer an der Gemeindeschule zu Framersheim, im Kreise Alzey, PH. Gerhard, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für fünfzigjährige treue Dienste" und . am 19. Juli dem Bürgermeister der Bürgermeisterei Beltersham, im Kreise Gießen, Johs. Hartmann, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" — zu verleihen; am 26. Juli den Obersteuerrevisor Nicolaus Bender zu Darmstadt nut Wirkung vom 1. August l. Js. an auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen und demselben in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen; am 2. August die Finanzaspiranten Georg Ruch aus Darmstadt und Albert Scriba aus Groß-Felda zu Oberrechnungs-Probatoren zweiter Klasse bei der zweiten Abtheilung der Justificatur Großh. Oberrechnungs-Kammer zu ernennen. ,, r m Darmstadt, 4. August. GelegiNtUch der im kommenden Monat hier stattfindenden Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens der drei landwirthschaftlichen Provinzialvereme des Großherzogthums Hessen, mit welcher in den Tagen vorn 16. bis 24. September eine unter dem Protectorate Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs stehende allgemeine landwirthschaftliche Landesausstellung verbunden sein wird, werden in unserer Stadt eine Anzahl von Specialvereinen, deren Bestrebungen mit der Land- wirthschaft in enger Verbindung stehen, größere Versammlungen abhalten. In erster Linie steht die Generalversammlung der landwirthschaftlichen Vereine des Großherzog- thums, für welche nach einer Mittheilung der Großh. Centralstelle für die Landwirth- schast der 21. September in Aussicht genommen ist. Der Verband der landwirthschaft- lichen Consumvereine wird seine diesjährige Delegirtenversammlung hier am 19. Sept, abhalten und der hiesige Gartenbauverein beschloß vorgestern auf Anregung der Großh. Centralstelle für die Landwirthschaft, die Schwestervereine des Landes zu einer in die Tage des Festes fallenden großen Versammlung einzuladen, bezüglich deren Tagesordnung etwaige Wünsche baldthunlichst bei dem Secretariat des Gartenbauvereins zu äußern wären, da wegen zweckmäßiger Wahl des Versammlungstages eine Verständigung mit der Großh. Centralstelle für die Landwirthschaft erforderlich ist. Berlin, 3. August. Der „Rat.-Ztg." wird aus Paris gemeldet: „Die Lage ist jedenfalls sehr ernst, da in Folge des Auftretens Englands europäische Verwickelungen zu befürchten stehen. Rußland zeigt sich England besonders feindlich gesinnt und will angeblich bei der Conferenz die Revision des Vertrages betreffs der Abtretung Cyperns an England beantragen. — Die „Tribüne" schreibt: „Man kann sich leider keinen Täuschungen mehr darüber hingeben, daß alle Hoffnungen auf einen reichen Erntesegen, mit denen man sich noch vor 14 Tagen trug, durch den inzwischen erfolgten Umschlag der Witterung in der grausamsten Weise vernichtet sind. Die Kalamität schlechten Erntewetters ist in unserem Vaterlande leider nicht neu, sie tritt so häufig ein, daß es fast vermessen ist, eine Ernte zu loben, bevor sie in die Scheune gebracht ist. Eine so große Einbuße von nationalem Wohlstände ist ein Ereigniß von schwerer, allgemeiner Bedeutung und im Interesse der Landwirthschaft wüßten wir kaum eine Frage, die wichtiger ist, als die, wie solchen Einbußen erfolgreich vorgebeugt werden kann." Telegraphische Depesche«. Wolff'S telegr. Correspondenr-Burearr. München, 4. August. Die auf Antrag der Gemeinde-Collegien, betr. die Umwandlung der Simultanfchulen in confefsionelle Schulen, erfolgte Ent- schließuna der Regierung giebt den genannten Collegten bekannt, daß dem Anträge nicht Folge zu geben fei. Zugleich wird der Magistrat beauftragt, einen Entwurf für eine Neubildung der Schulbezirke auszuarbeiten und der Regierung ' oalb einzureichen. . , , . £ . .. Briest, 4 August. Der Stadtrath nahm heute in zahlreich besuchter öffentlicher Sitzung eine Resolution an, welche der Entrüstung und dem Abscheu über die vorgestrige Frevelthat Ausdruck giebt. Paris 4 August. Der „Agence Havas" wird aus Alexandrien gemeldet es sei dort eine Feststellung der von Europäern bei dem Bombardement erlittenen Verluste und die Ernennung einer Commission in Vorschlag gebracht, die sich über die Entschädigungen aussprechen soll . . London, 4 August. Nach hier aus Alexandrien emgegangeuen Nach- rickten erließ Arabi Pascha ein Manifest, worin er die britische Flotte beschul- digt aus Rache dastr, daß die Forts Widerstand geleistet, das arabische Quartier in Alexandrien beschossen zu haben. Um die wehrlosen Einwohner zu schonen wäre er (Arabi) mit den Truppen abgezogen. Der Khedive habe den britischen Truppen die Thore der Stadt geöffnet, wegen welcher Verratherei der Sultan den Khedive abgesetzt habe und jetzt Truppen sende, um den Feind zu vertreiben. Arabi werde zur geeigneten Zeit in Alexandrien einmarschiren und gemeinsam mit den Muselmanen aus Stambul nicht allein die Ungläubigen, sondern auch die eingeborenen Landesverräther züchtigen. _ Rach einer Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Alexandrien von heute habe sich General Alison bei Gelegenheit einer gestern vorgenommenen Recognoscirung überzeugt, daß die in der Nähe von Alexandrien befindlichen feindlichen Truppen von wenig erheblicher Stärke seien. Zu allarmirenden Gerüchten von einem von Seiten Arabi Paschals zu besorgenden.Handstreich liege keinerlei Grund vor, Arabi Pascha könne die Offensive nicht ergreifen, ohne Bewegungen vorzunehmen, die seine Absichten sofort verrathen mutzten. Weiteren Nachrichten zufolge befindet sich Tulba Pascha in Kafte-Dowar, in Arabi Pascha's Umgebung soll sich als einziger Europäer ein Schweiz, Namens Ninet, befinden, der früher Halim Pascha als gehe,mer Agent gedient M*- — Ein Telegramm des Admirals Hewitt bestätigt, daß Su^ am Mitt- woch ohne allen Widerstand besetzt wurde und daß die egyptischen gruppen die Flucht ergriffen. —- m ^UUUIV uuv mancherlei Anzeichen unzweifelhaft Die Vorgänge tn AyAn haben, Welt eine höher und hoher gehende zu ersehen ist, m der gelammten mohamedannw Egypter hervorgerufen, Bewegung zu Gunsten der von den^ fremdenHerrschers schlagen Die Mos- deren Wellen selbst bis an dm Palast des tu'^nasiens, Arabiens und Syriens, lems der afrikanischen Nordküste, wie btejeng ^äffchen Türkei selbst, erflehen von die Bekenner Allahs m ^udien wre r immer ungestümer drängen Allah den Sieg für ihre egyvt. ch n Glaub ^0^’’ ^lbdul Hamid, feinen Einfluß als die Ulemas der türkischen Hauptstadt ^scha und dessen Schaaren In aEiches Oberhaupt aller yCmeflung gegenüber hat nun der Sultan einen di- Wagschale zu werten. fi* ”on berfelben forttragen lassen, so müßte er- schwierigen Stand, denn wollte er sich non oetie^ laffen- Selle feine Bataillone, die letzt noch S " die Engländer zu fämpjen. Die Bekenner an Seite mit den SRegjmentern « ab § dxz^adischah gewiß mit Begeisternng des Islams wurden einem derart feine unberechenbaren Folgen für tue euro- „aber bhE,rlTfirtei unbbie” wissen die Staatslenker am goldenen Horn zu patsche Stellung der türket uns o Truppen mit Arabi das Wort reden komen^ No^b denk 'che? ab?r für das Ansehen des Sultans selbst in der moha- rnedanischm Welt würde es sein, wenn seine Truppen ihre Wan-n. vereint mit den Eingesandt. Stube bfeib?nunbf?3 bie Schuljugend in ihrer freien Zeit in der ^e Knaben ttunnmri// UIx!?k!bcrcn harten überall zu steuern. Daß aber dock öffentlich mü hem“f ^u stoßen ist. Der Vorfall ist so drolliger Natur, daß er auch jetzt noch erzählt zu werden verdient. Unterwegs hatte Herr Songeon mit einem Italiener Bekanntschaft gemacht, der gleichfalls nach Nom will, um den Manen des greisen Freiheitskämpfers seine Huldigung darzubringen. Auf dem Bahnhöfe in Rom angekommen, verabschiedet sich der ttalien sche Reisegefährte von Songeon. Wenige Augenblicke darauf bemerkt dieser, an Wollener feiueu Regenschirm im Waggon zurückgelassen. Schnell entschlossen greift Monsieur Songeon nach bicsem nützlichen Möbel und versucht, den Eigenthümer desse den wieder etnzuholen. In diesem Augenblick sieht sich Songeon von einer Gruppe Italiener umgeben, die ihn Mit lauten Evviva Parigi, evriva la municipalita empsanaen — es ist eine Gesellschaft römischer Socialiften, die sich eingefunden, um den Repräsen- tonten der rabicalen Pariser Sladtväter zu bewillkommnen. Der Führer seht sich m Positur und hält an Herrn Songcon eine fulminante Ansprache, von der der Präsid-nt aber absolut nichts versteht, da seine italienischen Kenntnisse nicht über di- Worte andante, pmnounb tutti frutti hinausrcichen. In aller Hast sagt Herr Song-on auf französisch natürlich, seinen Dank und wendet sich bann an bie Versammelten mit ben Worten: „Cttoyens, einer Eurer Landsleute ha, biefen Regenschirm vergessen.« Rum UnBlfld oer,te6en bie Citovens nicht mehr vom Französischen, als Herr Songeon vom Italienischen, bas Haupt ber Pariser Muniiipalität nimmt also zur Pantomimik seine Zuflucht unb schwingt mit ausdrucksvollen Gesten ben Regenschirm Fetzt zuckt vlöhlich c,n Lichib itz in bem schwarzen Krauskops bes italienischen Arbeiterführers au Er ergreift feierlich ben Schirm schüttelt Herrn Songeon herzlich die Hanb unb bankt mit rührungerstickter tstimme für bas „eccellente presente", welches ber römische Arbeiterverein mit warmem Dank von bem Munizipalpräsibenten entgegennehme unb stets als eme kostbare Erinnerung bewahren werbe. Monsieur Songeon war sprachlos, die Socialiiien aber nehmen ben Regenschirni und den Präsidenten in ihre Mitt- und bee ten dm unsre'willigen Geschenk,pender mit donnernden Evvivas bis zu seiner Carozza, die thn ms Hotel führte. Dvmpfschifffahrtd-Gefellschaft gehörige Personcndampfer 70 °^rinn^>n hrirfat tuvj nack 10 Uhr, von Grünau kommend, mit ^^bNonen besetzt die Oberspree passirte und bei der Brücke ber alten Verbindungs- sQ!n.ibUrA b C rc,d)t§fe,t,$c Durchsahrtsoffnung durchfahren wollte, bemerkte der Capitän, haß e n entgegenkommender Lastkahn dieselbe Durchfahrt benutzte. Die Dampfmaschine wurde sofort gestoppt und rückwärts gearbeitet, so daß ein Zusammenstoß glücklich vermieden wurde doch konnte nicht verhindert werden, daß das Dampfschiff n,tt dem rfhpr^10^ ^.Brücke gerieth, deren niedriger Oberbau den Abbruch des Dampfrohrs über dem Sicherheitsventil bewirkte. Infolge dessen wurden die Dampf mit großlr G?wal? aus dem Kessel entströmte. Die Fuhrgaste wurden durch das starke Geräusch und den sich über das FeTunb b*6 ed>rtffreÜn,tebrnn h?am£f- m be" ®,auben bah ber Kessel explobirt Mebrer?P-rwne5 erklommen “nb Aufregung war unbeschreiblich. 2/ttyrere Berumen crriommen die Brücke, eine Frau fiel dabei ins Master wurde Eaiüten bestndlicken iRnfinniprp .b, ^2chiff gezogen. Die in den imh r*19er£ zertrümmerten die Fenster, um eventuell hinauszu- J p<5 mehrere durch Glassplitter die Hände. Nachdem das Ventil m Ordnung gebracht worden war, setzte der Dampfer die Fahrt fort. Vermischtes. Darmstadt, 3. August. Ueber die bevorstehenden größeren Ucbungen der 49. Jnf.-Brigade erfahren wir Folgendes: Das 2. Großh. Jnf.-Reg. Nr. 116 wird am 23. August pr. Bahn von feiner Garnison Gießen nach Darmstadt befördert und hier, sowie in der Umgegend etnquartirt werden. Vom 24. bis 29. haben die Regimenter 115 und 116 Regimentsexerciren. Vom 1. bis 4. September Brigadeexerciren bei Darmstadt. Am 5. September Marschtag, am 6. Ruhetag. Vom 7. bis 12. (inel.) September Detail-Uebungen in Starkenburg mit drei Bivaks der Vorposten. Am 13. Marschtag, 14. September Ruhetag. Am 15. beginnen sodann bie Divisions- manöver in Rheinhessen, woselbst die 50. Inf -Brigade bereits vorher Regiments- Exerciren und Brigadeübungen abgehalten. Am 21. kehren sämnttltche Truppen der Infanterie pr. Bahn in ihre Garnisonen zurück. Für die Ucbungen ber Cavallerie bestehen folgende Dispositionen: Das Regimentsexerciren des Drag.-Regts. Nr. 23. beginnt am 7. August bet Darmstadt. An demselben Tage marschiren Stab, Lcib-, 2. und 5. Escadron des Drag.-Regts. Nr. 24 nach Oberhessm zum Regimentsererciren bei Butzbach. Am 19. August marfdjirt auch das Drag.-Reg. Nr. 23 nach Oberhessen, wo vom 24. August an zwischen Friedberg und Marburg in Gemeinschaft mit preußischer Cavallerie unb Artillerie die Brigade- und Divisisnsübungen ftattfinden. Am 1. September marfdjirt die hessische Drag.. Brigade wieder nach Süden und nimmt das Drag.-Reg. Nr. 23 an den Del. Uebungen ber 49. Jnf -Brigade in Starkenburg, das Drag.-Regt. Nr. 24 an den Det.-Uebungen der 50. Jnf -Brigade in Rheinhessen Theil. Die Artillerie verläßt am 5. September bie hiesige Garnison, um an den Det. Ucbungen Theil zu nehmen. Nach Beenbigung der, wie oben bemerkt, vom 15. bis 21. Sept, in Rheinhessen stattfindenden Manöver der gefammten Großh. Division kehren Cavallerie und Artillerie in kleineren Tag- märschen in ihre Garnisonen zurück. (Darmst. Ztg) Offenbach, 3. August. Gestern Abend mit dem letzten Zuge von Frankfurt traf Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich hier ein, bestieg einen für ihn am Bahnhof bereit gehaltenen Wagen und fuhr, indem er durch einen eigens hierzu mitgebrachten . Trompeter Alarm blasen ließ, zur Caserne, wo der Wagen um lV/2 Uhr anhielt. Auf den Straßen war es infolge des Signals, was die meisten Bewohner wohl im ersten Augenblick für ein Feuersignal gehalten haben mögen, bald recht lebhaft geworden, auf allen Seiten sah man eilende Militärs und Civilisten und in wenigen Minuten hatte sich eine ansehnliche Menschenmenge vor ber Caserne aufgestellt. Nach nicht go»z 10 Minuten marschirten bie Truppen ausgerüstet, mit vollständigem Gepäck, Prinz Heinrich an ber Spitze, durch bie Carls- unb Obermainstraße am Main entlang zum Schloßvlatz, wo Aufstellung genommen würbe. Inzwischen hatte eine Abthe-lung Soldaten in ber Wohnung des Bataillons-Commandanten die Fabne geholt, so daß die Truppen beim Eintreffen ans genanntem Platz vollständig kriegsbereit waren. Nach weiteren 10 Minuten zogen bie Solbatcn burch bie Schloßgasse wieder zur Caserne -urück unb Se. Großh. Hoheit begab sich in Begleitung des Platzcommandanten Herrn Oberfilieutenant v. Radecke per Wagen zum Hotel „Zur Stadt Cassel", woselbst er Absteigequartier nahm. Heute Morgen mit dem Zug 7” reifte Se. Großh. Hoheit wieder von hier ab. , ® Um M°«Cn ar^rn-?l8 Schabens v rurtheitt worden, den ein von ihr wegen Unehrlichkeit ^^ssenes Mädchen, welchem sie trotzdem im Dienstbucke das Attest „treu unb ehrlich" gegeben, bei der neuen Herrschaft angerichtet hat. Das diebücke Mädcken hatte sich während ber Abwesenheit ihrer neuen Herrschaft Sachen im Wertb von 950 *41 ungeeignet. * ~ Vor ben Wiener Gerichten fanb am Sonnabend ein Verbrecher seine verdiente Strafe, welcher bisher wohl einzig in der Geschichte ber Strafjustiz bafteben dürfte. Ein wohlhabenber Mann, Besitzer dreier Häuser, Kuhn, roar angcVaat feit Schn Jahren in dreizehn verschiedenen Tabakötrafiken nahezu täglich Cigarrendiebstahle ausgeführt zu haben. Er machte kleine Einkäufe, bet denen er in geschickt berbet- geführten unbewachten Momenten seine Taschen mit gestohlenem Gute füllte Wo er sich als Stammgast einfnnb, gingen alsbald bis dahin blühende Geschäfte rückwärts Manche Trafikanten hatten monatlich ein unerklärtes Deficit bis zu 50 und mebr Gulden: manche Verschleißerinnen wurden unter dem Verdachte der Unredlichkeit entlassen. Trotzdem fuhr Kuhn Jahre lang fort, unentdeckt fein schändliches Handwerk zu treiben, bis er üblich so dringenden Verdacht erregte, daß auf bie Anzeige eines Trafikanten bie Polizei in besten Geschäft einen Beamten hinter Kisten verbarg und es diesem gelang, ihn auf der That abzufassen. Nach zweitägigen Verhandlungen sprachen ihn die Geschworenen im vollen Umpfang der Anklage schuldig unb wurde derselbe in Folge dessen zu fünsjährigem schweren, durch monatlich einen Fasttag geschärften Kerker und zum Ersatz des seither festgestellten Schadens im Betraae von über 7000 Gulden verurtheilt. — [2luf dem Kirchhofes Ein Kind las die Grabinschriften, welche des Lobes ber Verstorbenen Übervoll waren. Es schüttelte ben Kops. Der Vater fragte: , Weswegen wunberst Du Dich?" — „Weil hier so viele gute unb geliebte Menschen begraben sind. Zeige mir boch, wo bie Bösen liegen " — sMaritimer Kalauer.) „Haben Sie schon gehört, her Kapitän Wolm ist plötzlich zur Disposition gestellt worben?" — „Ja, aber warum benn?" — „Es hat sich auf bie eclatantefte Weise bei ihm Farbenblindheit gezeigt." — „Wie so denn?" — „Er ist statt ins schwarze Meer ins rothe gefahren." — [Freiburger Loose.) Im Jnserateittheil deutscher Blatter offerirt ein Herr L- Vollmers in Antwerpen „Freiburger Loose" zum Preise von 20 Mark per Stück. Dieses Anerbieten macht auf ben ersten Blick einen unverfänglichen Einbruck, als ob e$ sich ganz einfach um eine ber Anpreisungen handelt, wie sie zu Gunsten dieses ober jenes Looses durch Zusammenstellung aller Chancen sehr häufig in öffentlichen Blättern insenrt werden. Daraus erklärt sich auch, daß das Inserat allenthalben unbeanstandet Aufnahme fanb. Bei näherer Prüfung erscheint indeß bas Inserat geeignet, ben Leser Handel und Verkehr. u i m - ^"llust. Alls dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfd ^äse ner St 5 Hühnereier per Stück 5-6 Enteneier per Stück 6-7 \ i Oitrr per Stück 3 H, Erbsen 1 Liter 24 H, Linsen 1 A ßn 5 l\b^ P""r 70—90 H, Hühner per Stück 1.00-1.30, Hahnen M|SunVffitnhfr7?M,10<1®n«nn ?er Stück M 2.00-2.50, Ochscnflcisch per Pfund 66^70^, finmn FfleifÄ 60 fifi A' Kalbfleisch 50 bis 54 Schweinefleisch 62-64 X, ^7^8 mUAnsr ,??rt.8c*n Per 100 Kilo M 4.00—4.50, Zwiebeln per Gentner -*** 1 8- a,hlt’ Liter 14-18^, Kirschen per Pfund 20-25 H. Gänse M 0.00-00, Goursb^ickü^Mit^^?'?' August, Nachtnittags 2 Uhr — Min. (Telegraphischer Grebitacticn 2693 Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) westbabnactien 1812/d^^bahnaetien 293'/,, GalUier 275>/s, Lombarden 120, Nord- Defterr e i6erretde/H'65®/atn^/bt:,r''$antaJ:licn 15Oberfchlesische E.-B.-Aet. 249, R/?1877r Nuffen 86^ 9 ^/o- Utn(!,ar; Goldrente 75>/s, 4»/0 1880er Russen 69