Freitag den 4. August 4882 Nr. 179 er Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bureau r Schnlftraße B. 18. - ., . . . - .. v.2 Preis viertehährstch 2 Wttirf 20 Pf. mit Bringerlohn. Er.chemt täglich nut Ausnahme des MputagS. Durch die Post bezogen viertesjährlich 2 Mar* 50 Pf. Politische Ueberslcht. Gietzen, 3. August. Die Rede, welche der fortschrittliche Reichstagsabgeordnete Dr. Hänel in Neumünster gehalten hat, bildet das vielfach variirte Thema in den für die innern Angelegenheiten reservirten Spalten der deutschen Blätter. Es läßt sich nicht leugnen, daß den Aeußerungen Hänel's eine unbestreitbare Wichtigkeit beizumessen ist, denn der Führer der Schleswig-Holstein'schen Fortschrittspartei repräsentrrt innerhalb der Reihen der gesaminten deutschen Fortschrittspartei das gemäßigte Element gegenüber dem auf der Seite von Eugen Richter stehenden Theile derselben. Herr Hänel hat es stets verstanden, seine selbstständige Meinung zu bewahren und dieser Umstand erhöht noch die Bedeutung der Hänel'schen Rede. Den Kernpunkt derselben bildete die Stelle, in welcher Dr. Hänel seiner innersten Ueberzeugung von der Rothwendigkeit eines engeren und planmäßigen Zusammengehens aller liberalen Parteien, namentlich Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause, Ausdruck verlieh, und diese Stelle wird denn auch von den Blättern am lebhaftesten commentirt. Die Wieder besetz un g des nahezu seit dreiviertel Jahren verwaisten Deutschen Gesandtschaftspostens im Haag soll in naher Aussicht stehen. Der letzte Vertreter des deutschen Reiches bei der holländischen Regierung, Freiherr v. Canitz, hatte unter eigenthümlichen Verhältnissen seinen Abschied genommen, welche fast darauf schließen ließen, daß ihn persönliche Zerwürfnisse mit dem Fürsten Bismarck zu seiner Demission veranlaßten. Daß man in Berlin es für angezeigt hielt, den Posten im Haag nicht sofort wieder zu besetzen, wurde mit der bald nach der Demission des Frhrn. v. Canitz in Holland eingetretenen Ministerkrisis in Verbindung gebracht; wahrscheinlich wollte die deutsche Regierung erst die Klärung der politischen Verhältnisse im Haag abwarten, ehe sie einen neuen Vertreter dorthin sandte. Da man einer Neubildung des holländischen Cabinets in allernächster Zeit entgegensieht, so dürfte nunmehr auch baldigst die Ernennung eines neuen deutschen Gesandten für den Haag erfolgen; über die hierzu designirte Persönlichkeit verlautet jedoch noch nichts Gewisses. Fürst Bismarck hat in seiner Eigenschaft als preußischer Handelsminister jüngst an die Handelskammern in Preußen ein vertrauliches Rundschreiben gerichtet, welches sich auf die Handels- und Creditverhältnisse Rußlands bezieht und zu geschärfter Vorsicht im geschäftlichen Verkehr mit Rußland mahnen dürfte, zumal dort Recht zu nehmen schwierig und Recht zu erlangen noch schwieriger ist. Uebrigens scheint sich die Nachricht, daß die Reform der Handelskammern durch ein Reichsgesetz ersolgen solle, nicht zu bestätigen, wenigstens deutet bis jetzt noch nicht das Geringste darauf hin, daß man sich an leitender Stelle in Berlin mit einem derartigen Gedanken trägt. Das Tages-Erergniß in Frankreich, der Sturz des Cabinets Freycinet, hat seine tiefgehende Bedeutung nicht nur für Frankreich selbst, sondern es beeinflußt auch die egyptische Frage in nicht unerheblicher Weise. Was zunächst den ersteren Punkt anbelangt, so hat der Sturz des bisherigen französischen Cabinets die ungemein verwickelte parlamentarische Lage in Frankreich nur zu einem scharfen Ausdruck gebracht, dagegen zur Beseitigung der vorhandenen Schwierigkeiten nicht das Geringste beigetragen. Die erdrückende Mehrheit von 450 Stimmen, mit welcher am vergangenen Sonnabend die französische Deputirtenkammer die Creditforderung von 9 y2 Mill. Frcs. ablehnte und hierdurch den Fall Freycinet's herbeisührte, kann nicht als der feste Ausdruck des Willens der Deputirtenkammer betrachtet werden, denn in dieser Majorität fanden sich die Gambettisten, welche für eine umfassende Intervention Frankreichs in Egypten sind, und die Anhänger einer entschiedenen Enthaltungs-Politik zusammen. Ferner werden sich aber auch an den Sturz Freycinet's mehr oder minder weittragende Folgen für die allgemeine politische Lage knüpfen, worüber sich jedoch vorläufig noch kein Urtheil fällen läßt. Ueber den eventuellen Nachfolger sind die verschiedensten Vermuthungen im Umlauf, doch müssen alle hierauf bezüglichen Gerüchte mit der größten Reserve ausgenommen werden. Präsident Grövy will, ehe er den Versuch zur Bildung eines neuen Cabinets macht, erst die Sitzung der Deputirtenkammer am Donnerstag, den 3. August, abwarten, bis zu welchem Tage sich die Kammer am Montag vertagte, um die Stimmung der Kammer bezüglich der Zusammensetzung des neuen Cabinets kennen zu lernen. Jedenfalls ist die Beilegung der Ministerkrisis erst in einigen Tagen zu erwarten, alles Andere muß man vorläufig abwarten. England wird von dem Sturze des bisherigen französischen Cabi- nets entschieden in erster Linie berührt. Die Jsolirung Englands in Egypten ist hierdurch bis zu einem bedenklichen Grad gewachsen, denn die bedingte Mitwirkung Frankreichs ist durch das die abermalige Creditforderung ablehnende Votum der französischen Deputirtenkammer, wenn auch nicht aufgehoben, so doch aufgeschoben. Trotz alledem, und trotz auch der ablehnenden Haltung Italiens scheint die englische Regierung nicht gewillt zu sein, auf ein weiteres offensives Vorgehen in Egypten zu verzichten, die Truppentransporte von England nach Alexandrien dauern fort — erst am Sonntag ist der Dampfer „Orient" mit einem Bataillon schottischer Garde, dem Herzog von Connaught und dem Stabe der ersten Division nach Egypten abgegangen — und erwartet man jeden Tag das Bombardement der Forts von Abukir durch die englischen Panzerschiffe. Die Frage der Theilnahme Italiens an der egyptischen Expedition der Engländer ist in jüngster Zeit in der europäischen Presse lebhaft besprochen worden. Das allgemeine Urtheil geht nun dahin, daß Italien, obwohl es weder mit einem stritten „Ja" noch „Nein" auf die Sondirungen des englischen Cabinets geantwortet hat, sich an einer militärischen Intervention in Egypten nicht betheiligen und vielmehr an der Politik der Westmächte festhalten wird, was dem bisherigen reservirten Verhalten der italienischen Regierung in der egyptischen Frage durchaus entsprechen würde. Das Gesammtresultat der in der Schweiz kürzlich stattgefundenen Volksabstimmung über zwei dem Schweizer Volke vorgelegte neue Gesetze ist nunmehr bekannt. Das Epidemiegesetz (mit Impfzwang) wurde mit 246,267 gegen 66,978 Stimmen und das Gesetz behufs Einführung des Erfindungs- Schutzes mit 150,036 gegen 139,005 Stimmen verworfen. Gegen das ersterwähnte Gesetz stimmten alle Cantone, gegen das zweite zumeist die nichtindustriellen Cantone. Die Pforte setzt ihre Vorbereitungen zum militärischen Eingreifen in Egypten eifrig fort, obwohl England dieselben mit schlechtverhülltem Mißmuthe betrachtet; schon in diesen Tagen soll die erste Abtheilung des türkischen Expeditions-Corps, dessen Stärke 20,000 Mann betragen soll, nach Egypten abgehen. Wie sich das Verhältniß der Türkei in Egypten zu den dort befindlichen englischen Truppen gestalten wird, darauf kann man allerdings gespannt sein. Die Mittheilungen von dem Friedensbedürfnisse Arabi Pascha's haben sich als höchst übertrieben erwiesen. Der egyptische Dictator denkt gar nicht daran, sich in ein Kloster zurückzuziehen, er verstärkt vielmehr täglich seine Streitkräfte und läßt außerdem in der Nähe von Port Said am Suezkanal Verschanzungen aufwerfen. Dem gegenüber sind die Engländer auch nicht müßig und setzen sich in den von ihnen eingenommenen Punkten fest. Auch haben sie vom Khedive die Erlaubniß erlangt, längs des Suezkanals alle Stellen zu besetzen, welche zur Vertreibung der „Insurgenten" erforderlich sind. Aeutschtand. Darmstadt, 1. August. Wie als feststehend angenommen werden kann, wird den Ständen in nicht allzu ferner Zeit eine Vorlage wegen Erbauung verschiedener Secundärbahnen, sowie ein Gesetz über den Bau und Betrieb solcher Bahnen unterbreitet werden und hierbei auch das Printtp zum Austrag kommen, ob schmalspurige oder Bahnen von normaler Spurweite gebaut werden sollen. Die Entscheidung dürfte bei unseren Verhältnissen nicht schwer fallen, denn wenn auch für die schmalspurigen Bahnen der Umstand spricht, daß sie bei ihrer Anlage erheblich wohlfeiler zu stehen kommen, so sind doch ihre Betriebskosten, im Verhältniß zur Transportmenge, weit größer wie bei der normalspurigen Bahn; ganz abgesehen davon, daß die Leistungsfähigkeit der Locomotiven der Schmalspurbahnen eine wesentlich geringere ist. Das wesentlichste Moment, welches jedoch zu Gunsten oer Normalspur spricht, ist, daß hierbei die Umladung der Güter beim Uebergang auf die Vollbahn wegfällt, eine Manipulation, die stets Zeit- und Geldverlust, Verspätungen und Erschwerung des Betriebs zur Folge hat, was um so mehr in Betracht zu ziehen ist, als unsere zu erbauenden Secundärbahnen weniger auf den Personen-, wie den Massentransport von Gütern, und zwar solchen angewiesen sind, die hohe Frachtspesen nicht vertragen. Diese Rücksichten und Erwägungen haben denn auch vielfach dazu geführt, daß ursprüngliche Schmalspurbahnen — soweit es sich nicht um isolirte Industriebahnen handelt — mit dem Zunehmen des Verkehrs, dessen Belebung ja Aufgabe der Secundärbahnen ist, mit verhältnißmäßig großen Kosten in normalspurige umgebaut wurden. Wir glauben nicht zu irren, daß diese nur kurz angedeuteten Momente auch von den Ständen gewürdigt werden und diese sich mit der Regierung für normalspurige Secundärbahnen entscheiden werden, zumal auch noch eine Reihe militärischer Gründe — solchen wird in der Neuzeit ja ein Hauptgewicht beigelegt — die Normalspur dringend wün- schenswerth erscheinen lassen. (N. Hess. Volksbl.). Berlin, 1. April. Dem „D. M. B." wird geschrieben: Ich bin in der Lage, ^hnen einige Notizen über den Reichskanzler Fürsten Bismarck zu senden, die aus guter Quelle aus Varzin stammen. Dem Fürsten bekommt der Aufenthalt aus seinem Tuskulum ganz vorzüglich und er hat wiederholt zu seiner Umgebung geäußert, daß er sich freut, dem Rath seines neuesten allopatischen Arztes Dr. Frerichs nachgekommen zu sein und für diesen Sommer von einer Badereise nach Kissingen Abstand genommen ,u haben. Dahin geht er unter keinen Umständen, denn zu Mitte August bat er seinen Schwiegersohn, den Legationsrath Graf Cuno zu Rantzau, der gegenwärtig mit seiner Familie auf der Seeburg bei Kiel weilt, mit Frau und Kindern nach Varzm em- geladen; Graf Rantzau soll dann den Chiffrirdienst beim Fürsten^übernehmen,, ber bis dahin von Graf Herbert Bismarck versehen wird, nachdem Geheimratf^Rottmburg vor einigen Tagen nach Berlin zurückgekehrt ist, der sich wahrend seines Aufenthalts m ItX "" W«” -ähr-nd bTrS^rTau^^m^oft^en Ä w-rd-n. Sta*et.britt SeleBrappenora» $jgmarc( fd|Qtf üon ben Türken um größerer Th atigkest gewesei , 0ptocben Frage angegangen wird. Der Fürst erscheint feinen gewichtigen Rathi in nbr6^ormittag§ im Parke vor dem Herrenhause, wo ihn Staate treu-rOb-rfö?st-r W-strhal gewöhnlich lchon erwartet und dann einen Rund- gang imt ihm .t Das noch nicht begründete Ausfallen der Conferenz- fifumn metoc aestern stattfinden sollte, läßt die egyptischen Angelegenheiten, die ^ltuna Emilands zur Türkei in derselben Lage wie gestern. Neuigkeiten liegen Mt vor jedoch ist die Mittheilung bemerkt worden, wonach England sich vom Khedive hätte ermächtigen lassen, längs des Kanals alle Punkte zu besetzen, welche die englische Negierung zur Vertreibung der Aufständischen. für erforderlich erachtet; wennschon inan weiß, daß die Befehle des Khedivs augenblicklich wohl nicht Folge freier Entschließungen sind, so kann man in der Ermächtigung, welche die Engländer sich haben ertheilen lassen, doch einen Beweis erblicken, daß dieselben bemüht sind, sich so viel wie möglich innerhalb der gesetzlichen Formen zu halten und nicht in so rücksichtsloser Weise vorzugehen, wie ein Theil der englischen Presse dies für nothwendig erklärt. — Verschiedene Handelskammern hatten sich kürzlich an den Reichskanzler mit dem Ersuchen gewandt, auf diplomatischem Wege eine Protokollirung der Ausstände deutscher Gewerbetreibender in Egypten, — vorbehältlich natürlich der Rechtsbeständigkeit solcher Ausstände an sich — herbeiführen zu wollen. — Wie die „Berl. Polit. Rachr." hören, findet dieses Ersuchen an maßgebender Stelle sympatifches Entgegenkommen. — lieber das auf Anregung des preußischen Handelsministeriums und im Auftrage des Centralverbandes deutscher Industrieller, sowie des Deutschen Han- delstages herauszugebende Adreßbuch deutscher Export-Firmen wird uns berichtet , daß das Unternehmen in den weitesten Kreisen mehr und mehr Anklang finde und eine sehr rege Betheiligung der Export-Firmen in deren eigenstem Interesse erwarten lasse. Dian erkennt an, daß es sich nicht um ein Privat- Unternehmen im gewöhnlichen Sinne handelt, vielmehr durch das Fernhalten unsolider Firmen und übertriebener Reklame ein wirklich brauchbares und zuverlässiges Werk geschaffen werden soll. Abgesehen davon, daß das Adreßbuch jedes Inserat nicht blos deutsch, sondern in drei, von der Export-Firma beliebig zu wählenden, freunden Sprachen wiedergiebt, liegt der Hauptwerth jedenfalls in der unentgeltlichen Vertheilung von mindestens 1500 completen Exemplaren an alle deutschen Consuln, an die Dampfer-Linien, namhafte deutsche Vereine im Auslande u. f. w., wodurch dem Adreßbuch die Erreichung seines eigentlichen Zwecks: „entsprechende Verbreitung auf der ganzen Erde" gesichert ist. Unter solchen Umständen, namentlich auch unter Berücksichtigung der hohen Kosten für die hier unvermeidliche splendide Ausstattung, dürfte auch die Opposition, die sich hier und da gegen die Höhe der Jnsertionsgebühren geltend machte, weniger berechtigt fein, zumal da jeder Firma, welcher die Aufnahme bewilligt worden ist, überlassen bleibt, wie viel Raum sie ^selbstverständlich innerhalb gewisser Grenzen), beanspruchen will. Irankreich. Toulon, 1. August. Die in Port Said befindliche „Sarthe" hat Befehl erhalten, mit dem Ergänzungspersonal, das dem Levantegeschwader zugesandt worden war, hierher zurückzukehren. tznglaud. London, 31. Juli. Dle Telegraphen-Agentur, welche uns in der vorigen Woche die Ente von ber Kapitulation Arabi's auftischte, servirt uns dieselbe heute noch einmal mit einer anderen Sauce, obgleich alle directen Nachrichten aus Kairo und Arabi's Hauptquartier gerade das Gegentheil in Aussicht stellen. Der Fanatismus der Bevölkerung wird mit allen Mitteln geschürt. Die arabischen Zeitungen in Kairo beschuldigen die Engländer aller möglichen Schandthaten, der Entweihung von Moscheen und der Verletzung der Heiligkeit des Harems. Glühende Aufforderungen ergehen an die Mohamedaner Indiens, das von den Giaurs bedrohte Egypten zu retten; daß aber der Sultan letzteren seine Hülfe angedeihen lassen könne, gilt für eine Blasphemie. Entsprechend ist die Stimmung in Kafr-Dowar. Arabi hat einen neuen Schritt auf das Prophetenthum zu gemacht, das Ziel seines Ehrgeizes; er hat den Militärrock an den Nagel gehängt und sich den grünen Turban um die Stirn gewunden, welcher den directen Abkömmling Mohameds auszcichnet. Er selbst verlas seinen Soldaten den Aufruf des Khedws, der ihn zum Verräther stempelt; eine Fluth von Schimpfreden gegen Tewfik war deren Antwort. Und wie Arabi es verstanden, sich der religiösen Maschinerie zu seinen Zwecken zu bedienen, so ließ er in Kairo einen großen Mejliß zusammenrufen 360 Würdenträger erschienen, die Vertreter der Ulemas, der Kadis, der koptische Patriarch, die religiösen Vorsteher der Armenier, Griechen und Maromten, die Mudirs von Ober- und Nieder-Egypten, Notabeln und hervorragende Kaufleute; alle erschienen und ließen sich, wie der officielle Bericht sagt, bis zu Thränen rühren durch die Rede Ali Pascha's, welche die Bedrängnisse türkischer Weiber durch englische Soldaten beschrieb und des Unterschiedes der Zeiten wehmüthig gedachte, als die Mameluken Egypten gegen die Franzosen beschirmten. Die Versammlung beschloß ein- müth'g — bis auf dre». Stimmen — Arabi's Vorgehen gutzuheißen: Krieg bis zur Besreiung des Landes oder zum Untergänge. Selbst d e leiblichen Vettern des Khedivs, die Prinzen Ibrahim und Kiamil, verwarfen des Khedivs Machtspruch, da er entweder machtloser Gefangener oder williges Werkzeug in den britischen Händen sei. Und während diese rührende Scene im Innern vorging, riefen draußen große Volksmassen begeistert aus: „Sieg für die Egypter und die Freunde Egyptens gegen ihre Angreifer!" Der Kern der Sache ist offenbar richtig, denn so lange keine Hungersnoth in Kairo eintritt, übt die Verkündigung des heiligen Krieges ihre begeisternde und einigende Wirkung. Daß der werkthätigen Bundesgenossenschaft des Herrn v Lesseps im Lager ein großer Werth beigelegt wird, ist bei dem Rufe und dem Ansehen desselben in Egypten sehr begreiflich und wird von Reuf Pascha, einem der Sendboten aus Kairo, bestätigt. Lesseps reist wie ein Geplagter hin und her, ist bald in Js- mailia, bald in Kafr-Dowa, bald in Alexandrien zu treffen, überall seine Lanze <\xv- legend für die Unverletzlichkeit des Suez Kanals „Schutz für den Kanal, mag auch Egypten verderben", ist feine Losung. Ist es Wahrheit oder bloßer Spott, wenn ihm die Worte zugesprochen werden, daß nur über feine und seines Sohnes Victor Leiche die Engländer ihre Landung bewerkstelligen würden! Dem Admiral Konrad soll seine Uebergeschästigkett nachgerade lästig geworden sein; daher er nach Paris telegraphirte, Lesseps vermehre die Gefahr und erschwere sein (des Admirals) Amt Um den bösen Eindruck seiner diplomatischen Freib uteiei etwas abzuschwächen, läßt Lesseps als den Zweck seiner Verhandlungen mit Arabi das sichere Geleit von 120 Griechen, 35 Kranken und 11 barmherzigen Schwestern aus Kairo angeben. London, 2. August. In der vergangenen Nacht überrumpelte eine Abtheilung von Arabis Infanterie und Kavallerie einen Posten britischer Scharfschützen, der aufbrach und floh, nachdem er eine Salve abgegeben hatte. Die Egypter zogen sich zurück, nachdem sie sich einiger Flinten und Munition bemächtigt hatten. Niemand wurde gelobtet noch verwunbet. (Frkf. Ztg.) London, 2. August. Das britische Piquet, welches in ber letzten Nacht floh, ist unter Arrest gestellt worben. — Die Knglänbcr besetzten bte Forts von Mcx. — Wolseley ist heute nach Egypten abgereift — Im Unterhaufe fragte Northcote an, ob es wahr fei, baß britische Posten geflohen waren. Grosvenor versprach eine kriegsgerichtliche Untersuchung. — Der „Times" wird aus Konstantinopel berichtet, daß der russische Bevollmächtigte neue Instructionen erhalten habe und heuie wieder in der Konferenz erscheinen werde. — Aus Paris wird hierher gemeldet, daß Grevy, nachdem Freycinet wiederholt abgelehnt hat, ein neutral republikanisches Geschäftsministerium bilden wird, das zur Nichtintervention verpflichtet ist. Türkei. Konstantinopel, 1. August. Die Pforte hat auf das Anverlangen Englands, daß ber Sultan in einer Proklamation Arabi Pascha zum Rebellen erklären möge, heute^ geantwortet, eine derartige Proklamation werde nach dem Erheischen der Umstande erst nach der Ankunft der türkischen Truppen in Egypten erlassen werden rönnen. — Der Kriegsminifter hat für morgen die Abfahrt der Transportschiffe mit vier Batterien, welche hier in Garnison stehen, angeordnet. Dieselben sollen m Salomchi fünf Bataillone und in Skutar:, in Albanien, drei Bataillone aufnehmen und sodann nach Alexandrien gehen. Weitere Truppensenbungen werben folgen. Telegraphische Depesche«. Wolffs telegr. Correspondenz-Bnreau. Berlin, 2. August. Die „Prov.-Eorresp." weift auf bie jüngste Rebe Hänel's hin unb sagt, bas positive Ziel der Liberalen gehe darauf hinaus, die Leitung der Regierung in die Hand zu bekommen. Damit sei der Gegensatz zwischen den Liberalen unb ihren Gegnern gegeben, dort die Erhöhung der Macht des Parlaments unb die parlamentarische Herrschaft, hier die Stärkung unb ungeschwächte Erhaltung bes Königtums unb ber Rechte der Krone. Das Gewissen bes preußischen Volkes warne auf Grunb ber Erfahrungen unb ber Geschichte einbringlichst vor ber Verwirklichung der Ideen des Liberalismus, vor den Bestrebungen nach Stärkung der parlamentarischen Macht unb spreche ebenso einbringlich für bie volle uneingeschränkte Erhaltung des Wesens des Königthums. Würzburg, 2. August. Universitäts-Jubiläum. Der Festactus in ber in eine Aula umgewandelten Unioersitätskirche ist glänzend verlausen. Die Festrede des Rectors betont die academische Freiheit und den auf der Hochschule herrschenden Geist. Zu Ehrendoctoren wurden promovirt: von der theologischen Facultät Domcapitular Jacob in Regensburg, Professor Jansen in Frankfurt, Domprobft Heinrich in Mainz; von der juristischen Facultät: Botschafter Fürst Hohenlohe in Paris, Oberstaatsanwalt Hauck in München, Abg. Freiherr von Stauffenberg, Professor Müller in Halle, Rcichsrath Haubenschmied in München, Professor Sickel in Wien, Professor v. Sybel in Berlin und Emil Rohs, englisches Parlamentsmitglied; von der medicinischen Facultät: Buchhändler Braumiller in Wien, Professor Eharcot in Paris, Professor Elausius m Bonn, Professor Quincke in Heidelberg; von der philosophischen Facultät: Professor Ascoli in Mailand, Architect Jürgens in Athen, Ministerialrat Girl in München, Professor Jhering in Wien, Director Lanioni in Rom, Professor Maurer in München, Staatsarchioar Poppinger in München, Senator Waddington in Paris, Professor de Barry in Straßburg, Bell in Edinburg, Eremit, Mitglied der Academie in Paris, Professor Oepoining in Lüttich, Fabrikant Otto in Deutz, Ehemtker Porting und Siemens in London. Paris, 2. August. Der „Agence Havas" wird aus London gemeldet, der türkische Botichaster Musurus Pascha habe Lord Granville nochmals ersucht, bie englischen Truppen aus Egypten zurückzuziehen, ba die bevorstehende Intervention des Sultans eine weitere Action überflüssig machen würde, Lord Granville habe sich jedoch ablehnend geäußert — Die Gerüchte, wonach die Bildung eines Geschästsministeriums zu erwarten sei, welchem mehrere Mitglieder des bisherigen Kabinett, namentlich Billot und Jaureguiberry, angehören würden, gewinnen an Bestand. Vom Präsidenten Grevy ist indeß bis jetzt noch Niemand mit der Bildung des neuen Eabinets beauftragt worden. London, 2. August. Nach einer Mittheilung des Reuter'schen Bureaus aus Konstantinopel wäre Lord Dufferin von der neuerlichen Haltung der Pforte Arabi Pascha gegenüber befriedigt, wenn er auch nicht die Ansicht theilen könne, daß die Erklärung Arabi Paschas zum Rebellen erst nach dem Landen türkischer Truppen erlassen werden solle. Die bezüglichen Unterhandlungen mit der Pforte würden fortgesetzt unb ließen einen befriebigenben Ausgang erwarten. — Die „Daily News" wieberholt, bte englische Negierung werde bie Kooperation ber Türkei in Egypten von ber Bebingung abhängig machen, baß bie Pforte burch eine abzuschließenbe militärische Konvention sich verpflichte, die türkischen Truppen unter den Befehl General Wolfeley's zu stellen. Rom, 2. August. Meldung der „Agenzia Stefani": Italien beantwortete die bekannten Mittheilungen Englands unb Frankreichs mit ber Eingabe eines formulirten Antrages, betreffenb bie Eollectivaction ber Mächte zum Schutz ber freien Schifffahrt im L>uez-Kanal. Dnsem Anträge haben nunmehr alle Mächte zuge- ftunmt Der italienische Botschafter, Graf Koiti, ist Inftrutrt, ben Antrag in ber nächsten Sitzung ber Konferenz vorzulegen. Die wesentlichsten Punkle bes italienischen Antrages finb: Ausschluß einer ßanbung, sowie eines anderen militärischen Acttons- mittels, ferner Mitwirkung aller Machte einschließlich ber Türkei; ferner soll ber polizeiliche Ueberwachungsbienst am Kanal ausschließlich ein maritimer sein unb nach vorher festgesetzten Regeln ansgeübt werben mit dem Vorbehalte, bnß bie Kabinete ent- sch.iben sollen, falls biefe Regeln sich als unzulänglich erweisen sollten. Petersburg, 2. August. In bem französischen Gelbbuche befinbet sich eine Depesche bes hiesigen Botschafters, Abmiral Jaurös, vom 16. Mai, laut welcher der Minister v. ®:er§ anläßlich der damals unternommenen englisch-französischen Flotten- demonftration erklärt haben soll, Rußland würde in keinem Falle Instructionen ertheilen, welche denen der Westmächte entgegengesetzt wären; man würde entweder in Zurückhaltung verharren oder sich im Sinne Frankreichs und Englands äußern. Wie glaubhaft versichert wird, ist diese Angabe nicht correct. Die Mittheilung von ber französisch- englischen Flottensenbung sei vielmehr russischerseits mit bem Bemerken entgegengenommen woiben, daß man nickt oppontren wolle, aber auch niemals eine ifolirte Action ermuthigen werbe. Dies sei auch heute noch ber Stanbpunkt ber russischen Regierung, deren Politik barauf gerichtet sei, im Verein mit den Mächten bas englische Kabinet zu vermögen, sich bem europäischen Programm wieder einzufügen unb seine Action berjenigen ber Pforte anzuschließerr auf Grund der Konfirenzbeschlüsse. In Bezug auf den Suezkanal sei bereits frcmwsischerseils angedeutet worden, baß ein gemeinschaftlicher Schutz burch sämmtliche Flotten in Aussicht genommen sei. Alexandrien, 2. August. Admiral Seymour hat heute früh bie von den Egyv' fern aufgegebenen Forts von Mex besichtigt unb darauf eine Marineabtheilung bei Gabari landen lassen, von wo dieselbe mittels eines Eisenbahnzuges nach Mex befördert wurde und die Forts besetzte, um die Beduinen im Schack zu halten. Konstantinopel, 2. August. Nachdem der russische Vertreter neue Instructionen erhalten bat, ist auf heute Nachmittag eine Sitzung der Konferenz beim Grafen Kortt anberaumt worden. Port-Said, 2. August. Das französische Panzerschiff „Alma" ist nach dem Piräus in See gegangen. Der Transportdampfer „Sarthe", welcher Marinesolbaten nach Frankreich zurückbringen soll, ist abgesegelt. Englische Schiffe halten ben Kanal hier, bei Jsmailia unb bei Suez, besetzt Letztere Stabt ist von Europäern verlassen. Die Sicherheit bes Kanals ist eine befriebigenbe. Lokales. Gießen, 3. August. In Anbetracht des am Sonntag den 6. August er. statt- findenden Preisschießens der hiesigen Schützengesellschaft, sowie der anhaltenden ungünstigen Witterung hat unsere Rudergesellschafl in gestern Abend abgehaltener außerordentlicher Generalversammlung beschlossen, das in Nauheim projectirte Ruderfest auf Sonntag den 27. August zu verlegen. —h. Verwischtes. Hünfeld, 1. August. Gestern Morgen wurde ein hiesiges 14jähriges Juden- mädchen per Bahn nach Marburg gebracht, wo dasselbe in bie Irrenanstalt ausgenommen wird. Diese Sache ist deßhalb der öffentlichen Mittheilung werth, weil die Geisteskrankheit des armen Kindes eine Folge von ähnlichen Erschütterungen des Kopses ist, wie sie durch Rupfen an den Haaren, Ohrfeigen u. bergt, hervorgebracht werben, und mithin Eltern Erzieher rc. ermahnt, beim Strafen ber Kinder neben ber Strenge auch Vorsicht unb'Klugheit walten zu lassen. — fEine glückliche Familie.) Eine Bäuerin, bie sich durch große Unsauberkeit auszeichnete, verlor ihr einziges Muttersckwein, als es gerade Junge geworfen hatte. Um bie kleinen Weltbürger nicht zu verlieren, entschloß sie sich, biefelben mit der Flasche groß zu ziehen, was eben nicht ungewöhnlich ist und ziemlich häufig stattfinbet. Die Bauern, die sich im Sckweinestalle äußerst heimisch fühlte, saß ftunbenlang in demselben und zog die kleinen Grunzer mit mütterlicher Sorgfalt auf. Als nun eine Nachbarin sich bei ihr nach dem Befinden der Ferkel erkundigte, erwiderte sie derselben gerührt: „Ach, Ihr wißt gar nicht, welche Freude ich an den lieben Thierchen erlebe; kaum trete ich in den Stall, so kommen sie aus mich losgesprungen und meinen, ich sei die alte Sau." °M° mit ineh °Uen ln '^hlnen und ns zu erwarten ich Mol und [Men Grevy iet§ beauftragt ■ Bureaus aus - Pjorte Arabi könne, bah die er Truppen er- irben jortpefe^t SS ! Altung ber ent§ und bit ?Wnl = eS, warne aus Eichung be! Lar,scheu Erhaltung des der in eine 'dedesReclois >en Geist. qu Kur Jacob von ■Mafäanivait 5 in Halte, Hot v. Spdel medicinischen is, Professor hcnFacultät: sirath Girl in i»r Maurer in ton ln Paris, 1 der Academte Wiker Porling l gemeldet, der 'sucht, die eng- ntervention des habe sich jedoch i)WtTTr r«»1 Mindern „jjt flurf* *Z|n AtA*'6» PZ-lbn' ,itV PjjitrS“1 p>”' die (Kooperation forte durch eine ippen unter den in beantwortete Eingabe eines ichuß ber freien Mächte zuge- Mlrag m* W ittllMW n ischen ■ soll der polr- \(\ik und nach le Gabineie ent- efindet sich kine laut welcher der ösischen FlaM- clionenerthellen. * in Zu/W Wie MM der französisch' erkcn entgegen- ,als eine ifolute ftd-rrufsiM ■en das engW »*Jnn d«ßck»i>»E' । ton MW,, KS-l »KS Kelterschrauben Freitag den 1. September, Lchiffsbericht. Mitg-theilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd in w. » <*■ - Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Juli von Newyork abgegangen war ift gestern 9 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angefommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post un ' Ladung 11 Uhr Abttrds die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 216 Passagiere und volle Ladung. _ —————— Durch das Hochwasser der letzten Tage wurde dem hiesigen Badeansta tbesitzer Herrn Georg Franz feine noch ganz neue und dem Publikum alle Bequemlichkeiten bietende Badeanstalt durch die Fluthen weggeschwcmmt. Um nun denselben vor einem Untergänge zu verschonen, haben einige Herren unter Genehmigung des hiesigen Polizeiamtes eine ßifte in Ration wir der hiesigen Einwohnerschaft empfehlen mochten und bitten, dieselbe thatkraftigst zu unterstützen. die Straße hinab. Da begegn ten ym zwer ^n Einer?" - zog den Hut vor ihm ab. ,,Du sagtt der anders,,wc Mayer!" - „Der CoWW W°?M's d-nn mit d-m?" - „@l d°s ift der, welcher d^ Warme erfunden hat^ (|t roie man uns aus Leipzig schreibt - der Landsn^nm'chaftO„Plav^"^n Leidig zugefallen^ Bor ^"^bo^n^wurde^dort der Zwecke, daß seme Eommilttonen zunr^egra v mar die Plavia" bet der Beerdigung Heimath kostenlos reisen komttm. In der 2ba^ mar bte ,45iaD vollzählig vertreten. Jetzt hat b SWutter unjiuai * dieses Capitals aiss-«"»31 >" ermöglichen - ——- Handel und Verkehr. Limburg 2. August. Rother Weizen X 22 30, Weißer Weizen X neues Korn X Gerste X 11.50, Hafer 8.90, Erbsen —.—^Kartoffeln^ Gießen, 2. August. Der heute und gestern dahier abgehaltene Viehmarkt war trotz der ungünstigen Witterung sehr stark befahren und meistens mit jungem und autgenahrtem Vieh. Es waren aufgetrieben: 1595 Stück Rmdvieh und 285 Stück Schweine. Der Handel war sehr lebhaft und die Preise bei Rlndvieh sehr hoch, dagegen bei Schweinen billiger als am letzten Markte. Nächster Markt Dienstag den 15. d- Mts. Frankfurt, 2. August. Auf dem heutigen Markt kostete der Centner Heu jü 3.00—4.60, Stroh X 2.30, Eier das Hundert X 5.25—6.00, Stück 6 H, Butter 1. Qualität X 1.25, 2. Qualität X 1.15, Kartoffeln per Centner X ?.7O—3.oO, Erbsen das Pfund 40-50^, Bohnen per Pfund 8—10 H, Wirsing 6—8 ^ Blumenkohl 30-70 H das Stück, Schinken per Pfd. X 1.10—1.20, Ochsenflersch perPf^ q5-70^, Kuhfleisch 15-60, Rindfleisch 45-60 H, Kalbfleisch 50-60^, Schmemefleffch 65—75 Hammelfleisch 45—65 1 Hahn X 0.00—0.00, 1 Huhn X 0.—0.00, 1 Poularde X 0—0.00, 1 Ente X 0.00, 1 Taube 00 .H, 1 Welschen X 8—12, 1 Gans X 0.00. 731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungon verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von H. A.ASERJSTE1.X VOGLLB io Frankfurt a. M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt 5122 Unter Bezugnahme auf die Artikel 34 und 35 des Berggesetzes vom 28 Januar 1876 wird hierdurch zur öffentltchen Kenntmß gebracht, daß Herr Keinrick van Heese zu Rendsburg unterin heutigen umge mit den Äsenerz-Bergwerken „Kunigunde^' und „Kuno" in der Gemarkung Langsdorf, Kreises Gießen, beliehen worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihungen müssen bei Vermeidung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen die Bergwerkseigenthumer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Emstcht der Situationen,}e bei ber Berameisterei Gießen Jedem gestattet. Darmstadt, den 30. Juni 1882. Großherzogliche Obere Bergbehörde. Jaup. Tecklenburg. In öer Straffache gegen den Ludwig Volk, Sohn von I o h s. V o l k XL, von Mendorf a. Lahn wegen Beleidigung im Dienst hat das Großh. Schöffengericht zu Gießen am 27. April 1882 für Recht erkannt: Der Angeklagte ist überführt und wird aus § 185, 196, 200 d. St. G. B. in eine Gefängnißstrafe von drei Tagen und in die Kosten verurtheilt. Zugleich wird dem Nachtwächter I C Viehmann das Recht zuerkannt, den entscheidenden Theil dieses Urtheils einmal binnen einer Woche nach Zustellung im „Gießener Anzeiger" auf Kosten des Angeklagten zu veröffent- Die Richtigkeit der Abschrift der Urtheilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. Gießen, den 19. Juli 1882. Neidhart, 5117 Gerichtsschreiber des Gr. Amtsgerichts. BcküMMMüMg. B e t r : Konkurs über das Vermögen ber geisteskranken Auguste Trapp von Gießen. Auf Grunb bes rechtskräftig be- stätigten Zwangsvergleichs wird das Konkursverfahren aufgehoben. 5120 Gießen, den 1. August 1882. Großherzogliches Amtsgericht Gießen. Zur Beglaubigung: Neid hart, Gerichtsschreiber. Müller 4840 Freitag den 1. September, Nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Ortsgericht die Hof- raithe des Karl Baum dahier Flur 1/252, 81 Mtr. Hofraithe am Teufels- Lustgarten meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. Juli 1882. Großh. Ortsgericht. Submission. Die zur Befestigung der neuen Hausnummertäfelchen erforderliche Schlosserund Weißbinderarbeit, veranschlagt zu je 600 X., sowie die zu 108 X veranschlagte Reinigung von 6 städtischen Brunnen sollen im Weg der öffentlichen Submission vergeben werden und sind die Offerten, mit der bezüglichen Aufschrift versehen, spätestens bis Samstag den 5. ds. Mts., Vormittags 11 Uhr, auf dem städtischen Baubureau abzugeben, woselbst auch vorher die betreffenden Voranschläge und Bedingungen einzusehen sind. Gießen, den 2. August 1882. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 5115 A. Bram m. Arbeitsdersteigermlg. Montag den 7. August er., Vormittags 11 Uhr, sollen zur Erbauung des Schulhauses nachstehende Bauarbeiten auf hiesigem Rathhaus durch Versteigerung in Accord gegeben werden: X. Zimmerarbeiten (Gartenzaun), veranschlagt zu .... 81.— Weißbinderarbeit(Gartenzaun), veranschlagt zu .... 43.87 Pflasterarbeiten im Schulhof incl. Materiallieferung, veranschlagt zu 511.98 Schreinerarb. (Schulsubsellien), veranschlagt zu .... 372.— Planirarbeit an der Schulstraße, veranschlagt zu .... 35.— Maurerarbeit daselbst . . . 77.50 Steinhauerarbeit daselbst . . 190.— Kalklieferung, veranschlagt zu 26.40 Anfuhr von Baumaterialien, veranschlagt zu .... 60.— Ober-Befsingen, den 2. Aug. 1882. Großh. Bürgermeisterei Ober-Bessingen. I. A. 5121 K. Schön, Bauinspector. 5126 Einige Aecker mit Weizen zu verkaufen. Zu erfragen Seltersweg C. 67. Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgericht die Immobilien des Pumpenmachers Friedrich Weber dahier: Flur XXXX 4is 1(b 659 Mtr. Hosratthe, links der Chaussee, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 20. Juli 1882. Großherzogliches Ortsgencht. 4839 Müller. Freitag den 18. August, Nachmittags 2 Uhr, sollen auf hiesigem Ortsgencht die Hofraithe der Wilhelm Lüdcckens Wwe.: Flur XXXIX/lSlVio, 584 Mtr. Hofraithe, links des Wiesecker Wegs und rechts der Chaussee, xxxix/1817/io, 966 Mtr. Grabgarten daselbst, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 5. Juli 1882. Großherzogliches Ortsgerrcht. 4587 Lüdeking.. Freitag den 4. August t. I., Nachmittags 2 Uhr, sollen in der Flett'schen Hofraithe dahier 4 Kommoden, 4 Kleiderschränke, 1 Lehnbank, 1 Wirthstisch, 2 Stühle, Igold. Damenuhr mit Kette im Etuis, 1 Handwagen, 1 Nähmaschine,! Nachtttschchen, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz meistbietend versteigert werden. Gießen, den 2. August 1882. Geißler, 5111 Gerichtsvollzieher zu Gießen. Aeil'geöotenes. Aorrrftroh im Gebund, sowie per Centner verkauft 5119 Heinr. Timon, Neuenweg. Regenschirme für Damen, Herren und Knaben empfiehlt in großer, frischer Auswahl zu billigen Preisen 5001 Fangmann, vorräthig bei 5127 A. Kröll. 5136 Ein Wagen, sehr geeignei als Brodwagen für Bäcker, ist billig abzugeben. Wo? sagt die Exped. ds. Bl.. P neue Vollhärioge sind wieder eingetroffen und empfehle solche zu 9 $ pro Stück. 5130 8. Elsoffer. Feinsten Wein - Essig, reine Gewürze, sowie feinsten Zucker (Raffinade), per Pfb. 47 empfehlen im bester Waare 5087 J. A. Busch Söhne. Neues Grünkorn empfehlen 5066 J. A. Busch Söhne, Neue holl. Vollhäringe per Stück 12 empfiehlt 5082 C. Roth, Neuen-Bäuen. Feinsten ächten Weinessig zum Einmachen, sowie sämmtliche dazu gehörige Gewürze empfiehlt 5061 II. F. Nassauer. Feinstes Frankfurter Export-Bier auf Eis, per Fl-sch- 23 Pfg., empfehlen j. Ae Busch (Sohne« 4706 5030 Den Rest meines meistens anS neuesten unö gangbarsten Wmirm bestehenden Lagers beabfichtige ich A kaufen und bietet fich hierdurch dem Kaufer ^IleU-nh^it. fich hier eine sichere Existenz zu gründen E.nstwe.len ver kaufe auch im Einzelnen bedeutend brurger. □er Eingang Moritz Heichelheim. Jugendfrst am 9. August. In seiner Sitzung vom 1. August hat das Festcomitä den Beschluß gefaßt, daß alle Kinder, welche an den Spielen thellnehmen, wie in früheren Jahren, Geschenke erhalten sollen. Bei den eigentlichen Turnspielen, die von den Jungengruppen ausgeführt werden, haben die Sieger das Recht, zuerst zu wählen; im Uebrigen werden die Geschenke von den Zugführern ausgethellt. Wir bitten Diejenigen, welche sich für das Jugendfest interessiren, etwaige Beiträge zu den voraussichtlich nicht unbedeutenden Festkosten an die mit der speziellen Leitung des Festes beauftragten Herren Lehrer Lehr, Möser, Schmuck und Spitz, Herrn Buchhalter Wetter oder den Unterzeichneten abzugeben. Im Auftrag des Comitös: 5123 Soldan, Realschul - Director. 8chützen-Verem fließen. I'rels-Wtefn am 64, 7, und 8 August 1882. Während der 3 Iefltage abwechselnd GROSSES CONCEBT, Tanz- und Volks-Belustigung. ZUM Schluß, Dienstag Abends um 9 Uhr: großes ündantcs Feuerwerk. Eintritts Karten giltig für 1 Tag 50 Pfg., Festkarten für die Dauer von 3 Tag 1 Mk., Familienkarten 4 Personen auf den Namen ausgestelll Mk. 2,50, sind M haben bei Herrn G. Petri, Fri- |eur, Louis Lind, Cigsrrenhandlung, Ottmar Köhler, Papierhandlung. An der Kasse auf dem Festplatze: Eintrittskarten 60 Pfg., Festkarten Mk. 1,20. Für die Dauer des Festes ist die Kapelle des 2. Gr. Hess. Jns.-Rgt. (Großherzog) Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Capcllmeisters E. Krausse engagirt. — Die Restauration und Festwirthschast ist Herrn Heinrich Schnell übertragen. 3^^* Näheres besagen die Plakate. w Sämmtliche Karten find sichtbar zu tragen. 5019 Das ff'esl- Comile» IV des Gießener Schuhen Vereins. Beehre mich hiermit, ein verehrliches Publikum zum Besuche meiner Restauration in der Festhalle mit dem Bemerken ergebenst einzulaven, daß ich durch Verabreichung mehrerer feiner Bier- forteu und reiner Weine, sowie eine reichhaltige Speisekarte Jedermann zufrieden zu stellen suchen werde. Zur Bequemlichkeit meiner werthen Gäste werde ich in der Festhalle eine Haupt- kafse errichten, an welcher Biermarken per Stück zu 20 Pfg. verkauft werden. Da dieselben auch bei Wein und Speisen als Zahlung benutzt werden können, so bitte ich hftroon recht ausgiebigen Gebrauch machen zu wollen. Hochachtungsvoll 5040 Heinrich Schnell. Z Wohnungs-Veränderung. Von heute an wohne ich bei Herrn Küfer Louis Lony, Hinterhaus, Neustadt (Judengasse). Christian Engel, Ofenputzer. Aufruf, einen verlorenen Empfangfchein betreffend. Da nach einer Anzeige des Antiquars Herrn Abraham Kaufmann Worms zu Greß en der demselben vom Bureau der Lebensversicherunasbank f. D. zu Gotha unterm 15. November 1872 über die Police Nr 55547 int Betrage von Dreitausend Mark ausgestellte Empfangschein Nr. 11433 abhanden gekommen rsh so wird der etwaige Inhaber dieses Scheins, sowie Jeder, welcher an demselben Ansprüche zu haben glaubt, hierdurch aufgefordert, sich unverzüqlich und spätestens binnen sechs Wochen von heute ab bei der unterzeichneten Aqentur oder bet der Bank selbst zu melden und den Empfangschein oder die seine An« sprüche an demselben begründenden Documente vorzuzeigen. Sollte Eines oder das Andere binnen der genannten Zeit nicht geschehen sein, so wird der gedachte Schein außer Kraft gesetzt werden. y w Gießen, den 19. Juli 1882. Die Haupt-Agentur der Gothaer Lebensvcrsicherungsbauk 4828 F. Gros. £ IltTren-Ziigsliefel ea. 200 Paar in vorzüglicher Dualität empfiehlt fihr billig Hermann Katz. | Wermietfiungen. 5125 Ein möbl. Stübchen mit Bett zu vermiethen bei PH. Müller, Löwengasse 161. ,5129 Eine Familienwohnung^zu oers miethen. Teufelslustgärtchen E. 169. 5132 Eine Familienwohnung zu vermiethen bei Schlofferweister IVagel. 5131 Ein Logis, bestehend aus 4 Zimmern, Küche 2c, vermiethet Wilhelm Löber, Brandgasse. 5133 Ein Familienlogis im Vorder- haus zu vermiethen. Louis Lony, Marktstraße. 5135 Eine freundliche kleine Familienwohnung an eine stille Familie per 1. Okt. zu vermiethen. Näh, bei der Exped. ds. Bl. 4846 Ein größeres und ein kleines Famlienlogis zu vermiethen und alsbald zu beziehen im „Darmstädter Haus". 4440 Familienlogis zu vermiethen^bei Georg Lüdeking, E. 167. 5069 Eine Stube mit Kabinet 311 vermiethen. Sandgasse 855. 4995 Der mittlere Stock meines Nebenhauses mit Mansarden und Zubehör ist per 1. Oktober an eine ruhige Familie zu vermiethen. Joh. Fischer, Alicestraße E. 104. 4994 1—2 unmöbl. Zimmer im 1. Stock, sowie ein kleines Logis im 2. Stock an ruhige Leute sofort zu vermiethen. . 4992 In meinem neuerbauten Hause m der Marktstraße ist der 2. Stock per miechen Qn ^)ige Leute zu ver- Karl Merkel, Sonnenstr. B. 61. ^ 43 In der oberen Etage meines Wohnung von 5 Zimmern, Küche Bodenkammer rc., mit abgeschloss. Eorrrdor, sofort beziehbar, zu vermiethen. ___Otto Kempff. 4507 Eine Mansardenwohnung an eine stille Familie per 1. August bei —Karl Vogt, Wallthor. 4280 Em gut möbl. Zimmer mrethen bei C. Fr. Conrad, Friseur Spmek, Marktplatz. 3977 Ein elegant möblirtes Zimmer mit Cabinet zu vermiethen bei I. Weitzenkorn, Scbulstraße. 5090 Eine Stube, Küche, Cabinet und Zubehör zu vermiethen. G. Unverzagt, Kaplansaaff,. 5077 Ein kleines Logis zu vermiethen. . Karl Heil, Schüßenstraße 5059 Ein möbl. Zimmer zu vermiethen. Schlabach, Ludwigsplatz. 5046 Ein Logis für eine kleine Familie und ein mobl. Zimmer zu vermiethen bei I» Trapp, Gartfeld. ni.ö/£1n ain kl. Familienlogis zu Der; mtetpen. Katharmengasse 212. 5032 Möbl. Zimmer zu vermiethen. Bahnhofstr. C. 126, ob. Stock. 4501 Ein kl. möblirtes Zimmer ist zu vermiethen bei Heinrich Mnkel, Marktstr. 205. .4504 Im Hochstätter'schen Hause am Brand ist ein möblirtes Zimmer zu vermiethen. 3515 Ein Logis, 3 Zimmer und Zus behör, per 1. Oktbr. zu vermiethen. Franz Gerbode, Kaplansgasse. 3509 Laden mit Wohnung zu vermiethen^ Chr. Zimmer, Bahnhofstraße. 4267 Eine große Scheuer mit Stallung billigst zu venniethen bei Robert Stuhl, Neustadt. 4950 Ein schöner Pferdestall (f. 2 Pferde) mit Burschenstube sofort zu vermiethen. N^rdanlagc 122 2. 3255 Eine Stube mit Bodenkammer und Küche zu verm. Jacob Dörr, Mühlgasse. 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Z Kellner sucht Uelb, Philosophenwald. 5086 Ein Glaser-Geselle gesucht von Heinrich Gröninger, Wallthor. 5076 Ein junges Mädchen aus anständiger Familie sucht Stellung als Stütze der Hausfrau. Es wird mehr auf gute Behandlung als auf hohen Lohn gesehen. Zu erfragen in der Exped. ds. Bl. , 5087 Eine kinderlose Wittme sucht Stelle für Kochen, Waschen und Putzen. Näheres in dem Hause der Herren Flick L Kröll. Verantwortliche Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch in Gießen.