Sonntag den 4 Juni Zweites Blatt 4882 vRr» 127 nzeiger Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gießen Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Bttrea«: Schulstraße 8. 18. 1. 2. 3. 4. b. c. d. I chreiben, r Inserate schte Aus- Gießen, 3. Juni. Mit der zu Ende gehenden Woche haben bei uns die parlamentarischen Arbeiten nach Pfingsten wieder ihren Anfang genommen, indetn am Donnerstag den 1. Juni die Commisston für das Unfallversicherungsgesetz und das Krankenkassengesetz ihre Berathungen wieder ausgenommen hat. Da zu diesen Entwürfen eine ganze Anzahl von Petitionen eingegangen ist, die alle von der Commission geprüft werden müssen, so ist derselben schon hierdurch erheblich mehr Arbeit erwachsen und es läßt sich darum der Zeitpunkt noch nicht bestim- erbringen. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; ein Unbescho ltenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasten und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist; das Schulze» gniß. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Geigers ies unter r bei den Sodann wird noch besonders bemerkt: Zu pos. b.: daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf. Zu pos. d.: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien und Realschulen I. Ord., sämmtlich nach dem Schema 17 zur Ersatz-Ordnung (I. Thetl der Wehr-Ordnung vom 28. September 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) ausgestellt sein müssen. Im Uebrigen wird aus die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Ersatz-Ordnung verwiesen. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Gros. Nach einer Mittheilung der „Köln. Ztg." soll Fürst Bismarck jetzt wieder glücklich hergestellt sein und beabsichtigen, zum Kurgebrauche ain 6. Juni, also an dem Tage, an welchem das Plenum des Reichstages seine Verhandlungen wieder aufnimnit, nach Kissingen abzureisen. Ob der genannte Termin als feststehend zu betrachten ist, läßt sich nicht sagen, da der Reichskanzler es bekanntlich liebt, mit seinen Reisedispositionen soviel als möglich zurückzuhalten ; dagegen wird es immer wahrscheinlicher, daß Fürst Bismarck auch an dem Rest der Reichstagsverhandlungen keinen Antheil nimmt. Aus der österreichisch-ungarischen Monarchie waren in dieser Woche keine hervorragenden Ereignisse zu verzeichnen. Im Allgemeinen kann man sagen, daß in dem politischen Leben des Donaureiches eine gewisse Ruhe eingetreten ist, der alte Nationalitätenstreit scheint vorläufig abgebrochen zu sein, auch in dem langen parlamentarischen Kampfe zwischen den Vertretern des Systems Taaffe und den liberalen Parteien ist mit Schluß der Neichsraths- Session eine Ruhepause eingetreten und der südslavische Aufstand kann so gut als nieder geworfen betrachtet werden. Selbst die Rekrutirung in Bosnien ist merkwürdig glatt verlaufen, ein erfreulicher Beweis dafür, daß die Verhältnisse m den occupirten Provinzen allmülig zufriedenstellendere werden. In die französische Politik spielen jetzt die egyptischen Angelegen- hEtten in bedeutsamer Weise hinein. In der Deputirtenkammer hat am 1. Juni ~ ,E'handlung über die von dem bonapartistischen Deputirten de la Fosse be- Mguch der egyptischen Politik des Cabinets Freycinet eingebrachte Interpellation 'tattgefunden, doch war bis zur Stunde Näheres über den Ausgang der Debatte noch nicht bekannt. Es läßt sich nicht leugnen, daß das empfindliche National- g^suhl der Franzosen durch den Mißerfolg, den das französische Cabinet und ingsWge iMMng s unb Bordeaur sucht i geeigneten dreier» foinMmslM nnnen berate Konditionen, w -men versehene Bewerber ■ n subNr.6884 anW a. M. 386! a. Geburtszeugntß; ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen Betreffend: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schnl- zeugniffen. Bekanntmachung. iss** vor Allem der Ministerpräsident Herr de Freycinet durch sein Vorgehen in Egypten davongetragen hat, verletzt worden ist und wird Freycinet vermuthlich scharfe Worte zu hören bekommen haben. Da indessen bei der Kammermehrheit die Ueberzeugung vorherrscht, daß eine Cabinets-Krisis jetzt unter allen Umständen vermieden werden müsse, so wird das gegenwärtige französische Cabinet wohl auch glücklich die egyptische Klippe umschiffen. — Die Studenten-Unruhen im Pariser Quartier Latin, bei denen die Polizei mit ganz unnöthiger Brutalität vorging, werden wahrscheinlich dem Pariser Polizeipräfecten Camescasse die Stellung kosten, ja, vielleicht auch den Fall des Ministers des Innern, Goblet, nach sich ziehen, zumal letzterer ohnehin bei der Kammermehrheit nicht sehr beliebt ist. Czar Alexander III. hat einen bemerkenswerten Schritt gethan, als er sich neulich gelegentlich des Regimentssestes der Jsmailow'schen Garde iin offenen Wagen und ohne militärische Bedeckung in Petersburg zeigte. Dieses Wiedererscheinen des Czaren in seiner Hauptstadt mit Vermeidung aller ängstlichen Vorsichtsmaßregeln gegen etwaige nihilistische Attentate muß das Vertrauen des russischen Volkes zu seinem Kaiser mächtig stärken, wie das erwähnte Auftreten Alexanders III. auch geeignet erscheint, den Nihilisten zu imponiren. — Großfürst Constantin ist dieser Tage von Kolpina nach Moskau zur Eröffnung der dortigen Industrie-Ausstellung abgereist. In Spanien regt sich wieder einmal der Großmachtskitzel. Das ministerielle Journal „Epoca" schreibt, Spanien habe Ansprüche auf den Rang einer Großmacht. Die Mächte würden hoffentlich begreifen,_ daß es unpolitisch wäre, zu warten, bis man Spaniens bedürfe. Man müsse schon jetzt auf seine Mitwirkung rechnen. Dieses Wiederaufleben des spanischen Nationalgeistes i)t sicherlich nicht ohne Bedeutung, nur müßten die spanischen Staatsmänner bedenken, daß die schweren politischen und wirthschaftlichen Sünden, welche die spanischen Regierungen seit den Zeiten Phllipps II. begangen haben, nicht im Handumdrehen wieder gut gemacht werden können und daß Spanien sich daher noch längere Zeit mit seiner jetzigen politischen Machtstellung begnügen muß. Die Vertreter der Westmächte in Konstantinopel haben an den Sultan das Ersuchen gerichtet, eine Erklärung zu Gunsten des Khedive Tewfik Pascha zu erlassen, um zu constatiren, daß in der Entlassung seiner Minister und in Befolgung der von den englischen und französischen Agenten ihm empfohlenen Politik der Khedive nicht gegen die Wünsche des Sultans gehandelt habe. Außerdem soll der Sultan Arabi Pascha und bie übrigen militärischen Chefs in Egypten nach Konstantinopel berufen, danut dieselben ihr Verhalten rechtfertigen. Die Vertreter der Mächte haben dem Sultan gerathen, beiden Anträgen Folge zu geben. Da augenblicklich über die egyptische Krisis keine neueren Nachrichten von besonderer Wichtigkeit vorliegen, so sei es gestattet, Einiges über die Vergangenheit Arabi Pascha's, der plötzlich in Egypten eine solche Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden, Vorjchristen mit dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzog- thum Hessen gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jabres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu s'' ’ ,,.3 Uli , 1». 4*. *1 6-, 8”’ 121 J *55r,** - men, an welchem die genannten Vorlagen aus dem Schooße der Commission an Idas Plenum des Reichstages gelangen werden. Bekanntlich trägt man sich inner- bes Reichstages mit dem Plane, die socialpolitischen Vorlagen an eine Zwischencommission zur Erörterung zu überweisen, wenn, wie wahrscheinlich ist, dieselben beim Schluß der gegenwärtigen Reichstags-Session noch nicht erledigt /'77f1 sind. Wie sich die Reichsregierung zu diesem Plane stellen wird, ist noch nicht bekannt, nur verlautet hierüber, daß sie einem bezüglichen Antrag aus der Mitte des Hauses entgegensieht. keile,, 3871 M: ms-telii, W25j[g. i gMt. r r öM. M -ö*- wird für Hausarbn. Nord-Anlage Wie Wner ‘ fr. X» W ■ W’1' $1»“' Popularität erlangt hat, mitzutheilen. Arabi Pascha wurde 1839 als Sohn eines arabischen Gelehrten in Kairo geboren. Seine Studien machte er an der dortigen Hochschule, der altberühmten El Azhar („die Glanzvolle"); später ertheilte ihm der damalige Vicekönig Said Pascha die Erlaubniß zum Eintritt in die Militärschule zu Kairo, welche er nach vier Jahren als Lieutenant verließ. Im abessynischen Feldzuge wurde Arabi Pascha zum Major und 1880 zum Oberst befördert. Arabi Pascha beobachtet die Vorschriften seiner Religion mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und läßt sich auch durch seine Dienstobliegenheiten nicht abhalten, die vorgeschrrebenen Gebete zur Stunde zu verrichten. Arabi Pascha soll erklärt haben, daß er einer Berufung nach Konstantinopel nicht Folge leisten würde, was dafür spricht, daß er nöthigenfalls auch der Pforte gegenüber Front machen würde. Vermischte-. Marburg, 27. Mat. Angebliche „Nihilisten" trieben letzter Taae in Dörfern des Kreises Krrchhain und des hiesigen Kreises ein rentables Bewlgeschäft indem sie demftlben Nachdruck verschafften sowohl durch ihr verwildertes Aussihen a^s 7urch Drohung, daß noch eine 30 Mann starke Bande im Walde liege' nickt etwa ein Stück Brod erbettelten diese Gauner auf diese Weise, sondern „Groschen" verlangten sie. So stellte denn auch auf einer Fahrt hierher zunächst der „Hauptmann der Bande" den Pachter emes benachbarten Rittergutes im Walde des Lahnbergs in der Meinung .fr ber, @Ärr' be« semem frechen Betteln abgewiesen hatte, auf emen Peitschenknall ließen sich dann noch zwei weitere Burichm sehen, die sich jedoch auf ein Abwinken des Hauptmanns" in den Wald wieder zurückzogen, auch der letztere belast gte den Gutspachter nicht weiter sondern ließ es nur bei schweren Drohungen bm Gutsherrn. Auf erfolgte Anzeige hierselbst begab sich nun Herr Polizet- Commissar Wohlrabe mit 3 Schutzmännern und einem Gensdarm aus die Suche Nach einem Begang des Waldes vom Schröcker Gleichen nach dem Frauenberg und weiter gelang es denn auch denselben, im Dorfe Wolfsbausen die Bande abzufassen dnen Führer durch ein zigeunerhaftes Aussehen und seine kühne Haltung und recht rauberliche Kleidung allerdings etwas an die Zeiten des Sch.nderhannes und des Rinaldo Rinaldinr erinnerte; sein anfänglich gebrochenes Deutsch entwickelte stch mehr und mehr zu einem geläufigen und die im Walde noch sein sollende weitere Bande reducirte sich aus feine bei ihm weilenden beiden Spießgesellen. Alle drei wurden nun btngfeft Obacht und hierher in Nummero Sicher geführt, von wo sie demnächst sich reinzuwafchen Gelegenheit finden werden. - Der Führer der Gesellschaft will in einem Wagen zu Amsterdam geboren, keine Religion haben und in ganz Europa umfce” ^fa^en lein. — Unsere ländliche Bevölkerung sollte gegen das überhand nehmende Stromerthum Maßregeln ergreifen und die Vagabunden, statt sie zu unterstützen, sofort dingfest machen, wie das tu anderen Gegenden mit gutem Erfolg geschehen ist. Komet,. Echer am 18. März in Amerika entdeckt wurde, ist jetzt für scharfe Augen am nördlichen Himmel schon sichtbar. Der neuesten Rechnung zufolge sEmt er am 8. Juni Vormittags der Sonne bis auf 900,000 Meilen nahe, wodurch sem ®Ian* außcrorbentlicb zunehmen muß. Am 6. Ium ist er 612 Mal Heller als am Tage der Entdeckung, am 8. Juni dagegen 5824 Mal. am 10. nur noch 587 Mal. *Pasn /"ht hieraus, ^^ ^asch der Komet in seiner Sonnennähe an Glanz wächst. Es 5 unwahrscheinlich, daß derselbe an jenem Tage bei vollem Soammschein Nahe der Sonne gesehen werdm kann. Man wird ihn dann vor dem Auacn- 6i!ier ^o nennahe auf der der Sonne folgenden Seite wahrnehmen, nach jener Beit aber wird er der Sonne vorausgehen. Will man an jenem Tage den Kometen o^rsuchen, so muß man sich natürlich so stellen, daß man von der Sonne mcht geblendet wird. Eine Aufstellung im Schatten eines Gebäudes, welches die Sonne verdeüt, ist am geeignetsten. Eines dunkel gefärbten Glases darf man sich nicht bedienen, denn dafür ist der Komet unter allen Umständen zu schwach. Bis jetzt sind nur sehr Komete am Hellen Tage dem Auge sichtbar gewesen, nämlich folgende: Der Komet, welcher im August 363 tn Europa und China gesehen wurde, erschien nach Ammlanus Marcellinus auch bei Tage. Der große Komet von 1106 war, den Chronik schreibern zufolge, am 4- Februar jenes Jahres in der Näh: der Sonne sichtbar. Der erst- Komet von 1402 war gegen Ende März so hell, daß sein Schweif selbst um ^^.bSesihenw^den, konnte. Der Klinkenberg'sche Komet von 1713 wurde am 1. Marz d.o folgenden Jahres um 1 Uhr Mittags do t verschiedenen Personen gesehen. Den großen Kometen von 1843 sah man am 28. Februar bei Hellem Sonnenschein zu Parma und Bologna tn der unmittelbaren Nähe der Sonne. 8 ~ lWar Gutenberg verheirathet?j Diese Frage hat nicht nur die Damen, sondern auch die Manner viel beschäftigt. Der Umstand, daß im Straßburger Soll; Elster e.lne Ennel. Gutenberg Weinzoll entrichtet habe, hat im vorigen Jahrhundert den Professor Schopflm zu der Erzählung veranlaßt, daß Gutenberg wegen eines Ehe- versprechenS geklagt mürben sei, er mußte jedoch, als man die bezüglichen Documente zu sehen verlangte, gestehen, daß dafür nichts anderes oorltege, als die oben erwähnte ^'uftagunz einer Ennel Gutenberg im Straßburger Hollregister. Professor Köbler veröffentlichte im Jahre 1741 einen Stammbaum Gutenbergs, wonach dieser mit einer Frau Katharina verhetrathet war und ei;e Tochter Katharina hatte. Professor Faul- ma™ K”ler letzt ersch-inenden „Jllustrirten Geschichte der Buchdruckerkunst" nach, daß dieser Johann Gensfleisch, d.r Mann der Katharina, Schöffe zu Hechtshetm und Vater von sechs Kindern, kaum der Erfinder der Buchdruckerkuast, sondern eher ellY d stelben wai, denn einzelne Kinder aus dieser Ehe gelangten zu Alter und Eh en und sie wurden, wenn der Erfinder der Buchdruckerkunst ihr Vater gewesen wäre, es sicher nicht einem Verwandten. Adam Gelthuß, überlassen haben, zu Anfang des 16- Jahrhunderts das Andenken des Erfinders der Buchdruckerktmst durch einen Denkstein zu ^h^u. Es ist somit sehr wahrscheinlich, daß Gutenberg nicht verheirathet und sem einziges Kmd die Buchdruckerkunst war, die allerdings für den Ruhm ihres Erzeugers mehr gethan hat, als leibliche Kinder zu thun vermocht hätten. Im Kleine» das Große. Wer je zur Weihnachtszeit die Ausstellung eines Spielwaarenhändlers durchwanderte, der wird sich Über die Fülle und Mannigfaltigkeit verwundert haben, welche ihm hier m der Welt des Kleinen entgegentrat. Tausendfach wechseln die Formen und Gestalten tn den stummen oder schreienden, beweglichen ober unbeweglichen schlichtfarbigen ober bunten, pfelfenben, schnarrenben und quiekenben Spielzeugen. Keine von den Tausenden von Thier- und Pflanzenformen, welche irgendwie in's Menschenleben hinemragen, keine Gattung von Culturwerken menschlicher Kunst von irgend welcher Bedeutung, keine der täglich sich im Leben der Familie, der Straße und des Marktes u. s. w. wiederholenden Situationen, traurigen ober ergötzlichen ©eenen ist übersehen worben, sie hat vielmehr hier ihre mehr oder weniger lebenswahre Darstellung gefunden. Weisen doch die Musterbücher des einen Centralpunktes der Spiel- nämlich die von Sonneberg in Meiningen, allein oft 16,000 verschiedene Nummern auf. Angesichts der Massenproduction, welche in Hinsicht auf die Anzahl der faöri- cirten Gegenstände kaum von einem andern Industriezweige erreicht wird, möchte man b'U'g-r Weise fragen: Wo kommen all die Sachen und Sächelchen hin? So lange die Menschheit sich immer wieder durch ein neu heranwachjendes Geschlecht ergänzte, 1° mnge hat auch diese jeweilige Kinderwelt Verlangen nach allerhand Spielen fle= trogen Das Kmd will im Spiel und dessen Figuren die Welt, wie sich diese int Spiegel seiner pbantasieoollen Seele ihm barstellt, abbtlben und findet, wenn ihm dies nach sein:r Weise gelungen ist, große Befriedigung, große Freude. Welches Eltern- ^erLro£rbe aber nicht immer bereit fein, feinen Lieblingen diese Befriedigung durch Anschaffung von allerhand Spielzeug zu verschaffen? Meist thun sie hierin zu viel, fast nie zu wenig Wir finden daher schon bei den Völkern des grauen Alterthums Spiele und Spielzeuge der mannigfachsten Art. Mit Puppen, ja mit Marionetten spielten schon die Kinder der Pharaonen und die Kinder der Griechen erhielten aus Thon gefeNigte Abbilder von Menschen und Thieren, hölzerne Wagen und Häuser, lederne Schiffe u. s. w. Aehnliches ergötzte auch die römischen Kinder in frühester Jugendzeit. 7 ' .. Lang- Z-it hindurch hatte Deutschland so zu sagen das Monopol, dl- Kinder- unb tazrifaS mit Spielzeug zu versorgen. Vor Allem besaß Nürnberg bereits im Mittelalter emen Weltruf bezüglich seiner Spielwaarenfabrikation, so baß @an0 formmcn konnte: „Nürnberger Tand - geht burch alle ' A? Nürnberger Museum werben Spielzeuge aufbewahrt, bie aus bem vier- Ä?f+W^nberl fLa^men^ unb auch bie „Arche Noah's", noch immer eines ber Miebtefien und v-rdr-it-tst-n Spl-l-, würbe tn Nürnberg zuerst hergestell, und in den gebracht. Unb noch bis heute hat Nürnberg sich in aller Welt einen hohen Jtuf wegen der soliden Kolonrung und korrekten Arbeit, wodurch seine Spielwaaren stch auszeichnen, bewahrt. Die reichere Ausstattung, die Herstellung aus bestem Material, war m der altberühmten reichen Frankenstadt Ehrensache unb auch aus bem ShtVn3UJrxart"n;pba fiS ^ler wohlhabende Bürger diesem Industriezweige zu- wandten. Anderwärts wandte man sich demselben nur als einer Nebenbeschäftigung ru, welche den geringen Verdienst des vorherrschenden Gewerbes verbessern sollte. Dies war namentlich im sächsischen Erzgebirge der Fall, wo der Bergbau die Bergleute von na$rte- Der Charakter der Neben- ober Feierabenbbeschäftigung hat bort-, p^iucirXen ®pieItt,aaren ausgeprägt; benn aus ben beiben Hauptdlstrikten ber erzgebirgischen Spielwaarenfabrikation, Seiffen unb Grünhainicken »erben nur gewöhnliche Artikel exporttrt, welche zu unglaublich billigen Preisen in .-^S?"b-E^ommen. 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Tiefenweg Nr. 144. 3748 Eine Familienwohnung zu ver- miethen. Karl Heil, Schützenstraße. 3741 Eine schöne Mansardenwohnung zu vermiethen bei ______G. K. Simon, Bahnhofstraße. 3746 Ein Logis zu vermiethen bei Fr. Blnmöhr, _Schützenstraße. 3661 Ein möbl. Zimmer ist zu vermiethen im Kreiling'scheu Nebenhause, Süd-Anlage. 3633 Zwei Zimmer mit Kabinet, möb- lirt oder unmöblirt, zu vermiethen. _______________Gebr. Stamm. 3549 Ein Familienlogis zu vermiethen. __Wallthorstraße A. 194. 3515 Ein Logis, 3 Zimmer und Zubehör, zu vermiethen. Franz Gerbode, Kaplansgasse. 3492 Zwei freundl. möblirte Stuben k 9 und 13 J£ alsbald zu vermiethen Marktstraße 25. 3249 Eine freundl. Wohnung mit ab- geschloss. Corridor (5 Zimmer, Küche rc.) ist zu vermiethen. L. Felfing, Nord-Anlage. 3199 Kleine Mansardenwohnung per sofort zu vermiethen. B. 101.