len Handels 1 Heichei- ^Bezirk der Riten. Bureau " SPn den ^acht Wktden. 1.882. k? M I Ui !ä': Amis- «ttd Anzeigeblaii für den Kreis Gießen. Bureaur Schulstraße 7. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. «wer. m großen ;häft. is i 8 Uhx, Metzger- zithttUN' 1H idit von Pirr, ch zum AU' u' von Staa l 21 ä 4$ W K- nl von v Keutschland. Berlin, 28. Novbr. Angesichts der furchtbaren Überschwemmungen, durch welche namentlich der Westen und Südwesten Deutschlands augenblicklich heimgesucht ist, gewinnt die soeben von Minister Lucius dem Abgeordnetenhaus übersandte Denkschrift, betr. die Flußregulirungen im Interesse der Landescultur, erhöhtes Interesse. Es wird am Schluffe der Denkschrift, nachdem die Situation in den einzelnen Provinzen eingehend erörtert worden ist, mitgethellt, daß die ungewöhnlich starken Regengüsse in den Sommermonaten dieses Jahres dem Minister Veranlassung gegeben haben, die Berichte sämmtlicher Meliorations- Bauinspectoren über die in den einzelnen Landestheilen eingetretenen Ueber- schwernrnungs-Schäden einzuziehen. Es ergiebt sich daraus, daß der in diesem Jahre vornehmlich durch den Verlust der Erträge der Heu- und Grummet-Ernte veranlaßte directe Ueberschwemmungs-Schaden insgesanunt eine sehr beträchtliche Höhe erreicht hat; auch ist der Nachweis erbracht, daß dieser Schaden bei einer pfleglichen Behandlung der Flußläuse zum großen Theile hätte abgewandt werden können. Es liegt daher auch in den Vorgängen dieses Jahres eine dringende Aufforderung, unseren Flußläufen, vornehmlich in ihrer mittleren Erstreckung, größere Sorgfalt zu widmen. — In Verbindung mit den entsetzlichen durch die Flußüberschwemmungen herbeigesührten Unglückssällen steht das kaum geringere Unheil, welches durch das Grundwasser herbeigeführt wird, indem dasselbe in die Brunnen eindringt und das Wasser verdirbt. Wir machen auf die hierin liegende große Gefahr hiernüt ausdrücklich aufmerksam und warnen namentlich in den den Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden auf das Nachdrücklichste vor jedem Genuß von Brunnenwasser. — Das „Militär-Wochenbl." vom 18. Novbr. bringt einen Artikel: über „die Umsorniirungen der Kavallerie-Divisionen in der russischen Armee", welche m Folge eines Befehls vom 18./30. August vorgenommen worden sind und über die sich die russische Tagespreise, der man sich jetzt vielfach zu militärischen Exposes bedient, in einer Weise äußert, auf die wir die besondere Aufmersam- keit unserer Leser lenken möchten. Die „Mosk. Zeitung" schreibt: „In Zukunft wird es in der russischen Armee nur zwei Arten von Kavallerie geben: die Dragoner und Kosaken, welche mit Gewehren bewaffnet und für das Fuß- und Reitergesecht gleich geschickt sind. Diese Maßnahme ist als erster Schritt zu einer vollständigen und ernstlichen Reorganisation und Verstärkung (es wird damit auf die beabsichtigte Vermehrung der Eskadrons eines Kavallerie-Regiments von 4 auf 6 hingedeutet) unserer Kavallerie zu betrachten. Sie ist hervorgerufen durch den Umstand, daß die Kavallerie zu Kriege jetzt anders verwandt wird als früher. — . . . . Wir müssen daran denken, daß unsere Mobilmachung immer eine längere Zeit erfordern wird' unsere Distanzen sind zu groß, unser Eisenbahnnetz noch nicht genügend ausae- baut. Wir müssen deshalb dem Feinde Zeit abgewinnen..... Die Kavallerie steht schon im Frieden auf Kriegsfuß. Weshalb sollen wir daraus keinen Nutzen ziehen? Em entschlossener Einfall von 20—40,000 Mann Kavallerie an verschiedenen Punkten — und es giebt deren an unseren Grenzen — muß die Mobilisirung des Feindes und die Concentrirung seiner Truppen verzögern Die „Neue Zeit" sagt: „Die Eigenthumlichkeit der Dragoner, Mhigenfalls abzusitzen und als Infanterie zu dienen, hat nach Ansicht von Autoritäten in der letzten «eit eine besondere Bedeutung erhalten in Folge der verhältnißmäßigen Schnelligkeit der kriegerischen Operationen m der Neuzeit. Mit Hülfe ihrer Pferde können die Dragoner erforderlichenfalls größere Strecken zurücklegen, als die Infanterie irgend einen wichtigen Punkt vor der actioen Armee besetzen und dann unbe^ ritten diesen Punkt bis zum Eintreffen der eigentlichen Infanterie ver- theidigen . . . ." Das „Militär-Wochenbl." sagt zu diesen russischen Aeußerunaen einfad) • „Diese Artikel bedürfen keines weiteren Commentars." So scheint es uns auch Das einzige richtige Commentar ist: auf der Hut sein «remeN' 28. Novbr In der Nähe von Dörvörden bei Verden hat em Weser-Derchbruch stattgefunden. } AranLreich. Paris, 29. Novbr. Die englisch-französischen Verhandlungen bezüglich Egyptens werden fortgesetzt, und zwar neuerdings mit besserer Aussicht auf Erfolge. Den Angelpunkt der schwebenden Erörterungen bildet nach wie vor die Eventualität einer gänzlichen Beseitigung der europäischen Controle Vrak- ttsch ist diese Controverse eigentlich schon längst entschieden, Oa Englands Lattung iti der beregten Frage das streitige Institut völlig außer Aktivität aeieüt ba? Gegenwärtig liegen dem französischen Cabinet die Compensations-Anerbietunaen Mr. Gladstone.s zur Beschlußfassung vor, und der Umstandätze teres dsi- selben wenigstens für diseutabel erachtet, dürfte beweisen, daß sich in den Anschauungen der leitenden Kreise m Pans eine Wandlung vorbereitet welche nicht verfehlen kann, klarend auf die etwas verworrenen Beziehungen der West- lnachte zu wirken Die Aussichten einer zufriedenstellenven internationalen L^ung des egyptsichen Problems wurden dadurch ebenfalls nur gewinnen. Marseille, 2.1. Novbr. Heute wurden hier 7 Anarchisten meist Jta- taer, bei welchen compromittirende Papiere vorgefunden wurden verhaftet Außer diesen Papieren wurde in der Wohnung eines derselben ein Stempel mit der Inschrift „Circolo revoluzionario Marsiglia“ gesunden. England. London, 29. November. Der General-Bevollmächtigte Englands in Kairo, Lord Dufferin, hat bei der Regierung des Khedive die Niederschlagung der wesentlichen Anklagepunkte gegen Arabi, welche sich auf die Metzeleien und Brandlegungen in Alexandrien beziehen, in Anregung gebracht. Das egyptische Ministerium wird noch einigem Zögern sich in das Unvermeidliche fügen und dem „Wunsche" des Antragstellers Folge geben. Damit schrumpft der Proceß gegen den famosen egyptischen Nationalhelden auf ein solches Minimum zusam- men, daß das vermuthliche Endresultat alles politischen Interesses entkleidet erscheint. Die politischen Interessenten haben ihre Schadloshaltung zum Theil schon vorweg genommen, zum Theil stehen sie im Begriff, sich derselben zu versichern. Dublin, 29. November. Der Vicekönig von Irland hat die neuesten femschen Miffethaten mit einer Proklamation beantwortet, welche Stadt und Grafschaft Dublin unter das Regime der Coercion-Bill plaeirt, d. h. die gesetzlichen Garantien der persönlichen Freiheit suspendirt und durch das individuelle Ermessen der Executiv-Beamten ersetzt. Wer zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang auf Straßen und Plätzen durch sein Verhalten den Argwohn der Polizeibeamten hervorruft, hat sofortige Verhaftung zu gewärtigen. Außerdem wird zu dem beliebten, aber in Irland wenig erfolgreichen Mittel der I Ausschreibungen namhafter Geldprämien für die Anzeige von Verbrechern gegriffen. Auf die Eruirung der Mörder Field's ist das hübsche Sümmchen von 5000 Psd. Sterl. — etwa 100,000 — ausgesetzt worden. Aber zwischen dem lockenden Golde und der begehrlich darnach langenden Hand erhebt sich das drohende Unterbiet des fenischen Geheimbundes und die Gewißheit, daß weder Regierung noch Polizei gegen die Todesurtheile dieses Tribunals ausreichenden Schutz zu gewähren vermögen. — Der Fenier Devine Poole ist unter 6er Anklage, den Polizeibeamten Cop ermordet zu haben, vor den Assisengerichtshof verwiesen und der verhaftete Rhan mangels Beweises freigelassen worden. Aegypten. , Kairo, 29. November. Dem Vernehmen nach hat Lord Dufferin au Grund eines von Wilson erstatteten Berichts beschlossen, die egyptische Regie rung zur Einstellung der Hauptanklage gegen Arabi wegen der Brandstiftungen und Massacres in Alexandrien aufzufordern. Der egyptische Ministerrath hak sich bereits heute mit der Angelegenheit beschäftigt, aber noch keine Entschließung gefaßt. Man glaubt indeß, daß die egyptische Regierung dem Anträge Lorv Dufferin's zustimmen werde und daß die bezügliche Verständigung schon in einigen Tagen zu erwarten sei. Die Untersuchungs-Commission fährt inzwischen mit den Informationen an den Vertheidiger Broadley fort; die Proceßverhand- lung soll am 7. December ihren Anfang nehmen. Telegraphische Depeschen. Wolff'« leUgt. Eorrespondr«,.Bureau. Mainz, 30. Novbr. Der Rhein ist unbedeutend gefallen. In Boden- helm sind mehrere Häuser eingestürzt; ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen. Der Postverkehr ist mit Ausschluß der Packetbeförderung wieder eröffnet; die nächste von hier zu erreichende Eisenbahnstation ist Nackenheim. — Mit Frankfurt und Darmstadt ist ein beschränkter Eisenbahnverkehr wieder hergestellt, in Bischofsheim muß umgestiegen werden. Das Wetter ist hell und heiter. Köln, 30. Novbr. Bei Tagesanbruch war das Waffer des Rheins auf 897 Ctm. gefallen, das Wetter ist ziemlich klar. Der Wafferstand beträgt bei Bingerbrück 560 Ctm. und bei Koblenz 787 Ctm. — Um 2 Uhr 50 Min. Nachrn. war das Wasser des Rheins am Pegel auf 878 Ctm. gefallen. Das Wetter ist hell und zu Frost neigend. Der Minister des Innern, v. Puttkamer, durchfuhr heute Vormittag in Begleitung des Regierungspräsidenten v. Bernuth in einem Kahne die überschwemmten Stadttheile und besuchte danach rheinabwärts reisend die Deichbrüche bei Niehl und Worringen. Die Noth ist noch sehr groß; mildthätige Vereine haben überall ihre Thätigkeit begonnen. Frankfurt, 30. Novbr. Nachdem der Main gestern Nachmittag 5 Uhr bis auf 552 Ctm. gestiegen war, hielt sich der Wafferstand bis 10 Uhr Abends auf dieser Höhe. Hierauf fiel das Waffer erst langsam und dann successive schneller; heute früh 9 Uhr betrug der Wafferstand 529 Ctm. Das Wasser Mt gegenwärtig durchschnittlich 3 Ctm. per Stunde. — Die hier eingelangten Nachrichten über den Wafferstand lauten wesentlich beruhigend; von sämmtlichen Orten oberhalb Frankfurts wird Fallen des Wassers gemeldet. Hier ist der Main ebenfalls ganz bedeutend im Fallen. Wiesbaden, 30. Novbr. Der Eisenbahn - Personenverkehr zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Koblenz ist wieder eröffnet, nur in Kastel findet ein Unffteigen der Passagiere statt. Bonn, 30. Novbr. Das Waffer des Rheins ist von gestern Mittag bis heute Mittag um 78 Ctm. gefallen. Das Hülfs-Cornits, welches sich zu den überschwemmten rechtsrheinischen Ortschaften begeben hatte, constaürte, daß der Nothstand in denselben groß sei. Amtlich wurde festgestellt, daß 541 Familien daselbst in Häusern leben, die ganz vom Wasser umgeben sind. Durch hiesige Bürger wurden gestern von den auf dem alten Zoll versammelten zahl- reischen Personen, welche von dort aus die Ueberschwemmung sich ansehen wollten, 900 v4- Sie IKn wird und Zett fl^ren, und n Mm 2. A T" T" lgelungmes des schönen dhn finden'. Mhcken - in uneigen: Vergütung lagen ange: ! weiter ein? Gros3^, Busch 1 -L, C- Balzer ■ Wortmann '50 A eh. Baurath echtsanM, iechtsanwaU l( S- Heichel: rmann 5 A, mwalt 3 A ueckommM esitzer 10 A, F M, Ch- Busch chnbaumeister Daudt 3 Ai ns. 10 A Controleur ei MSM Wilh. Reiber H Uhl 2 fr MSe) L.WM J.B.1^ W M'1*1 ^>. 1 Al , der Rost- Sottschickd^ Gareis d A Oncken 5 A u, vonß'81 xfrtN- mW5* irifanf ft, »5 * in 84110* «■1 * p,3’w ; j Treff W * jammett ’ * > A» »3 F, jttf fei* ,e(Ä Waffersnoth! Wir haben unsere Leser in den letzten Nummern d. Bl., so viel es uns -der Raum gestattete, von den Verheerungen unterrichtet, welche die aus ihren Ufern getretenen Flüsse, namentlich Rhein und Main angerichtet haben. Noth und Elend ist dort grenzenlos. Angesichts dessen scheint uns eine Schließung der Sammlung für Tprol in erster Linie geboten, zumal die Menschenpflicht sich den Unglücklichen im eigenen Lande zuwenden muß, um hier Linderung zu verschaffen. Wir wagen aber eine weitere und herzliche Bitte an diejenigen freundlichen Geber ni richten, welche bei unS für Tyrol gesteuert haben. Wir legen ihnen die Frage vor: Ist e- diesen freundlichen Gebern recht, wenn wir die Hälfte deS eingeganaenen Betrages für die Ueber- schwemmten am Rhein und Main im Großherzogthum Hessen verwenden dürfen? Wir wissen recht wohl, daß vom Rechtsstandpunkte Bedenken dagegen erhoben werden können; aber da uns doch der Rothleidende im eigenen Vaterlande' näher stehen muß, als derjenige in der Ferne, glauben wir uns zu der Frage berechtigt zu halten und bitten, soweit es angeht, um geft. Aeußerung von Seiten der Geber. Gleichzeitig bitten wir auch im Namen der Unglücklichen den verehrt. Vorstand des „Liederkranzes" doch gefl. erwägen zu wollen, ob auch ihm es nicht angezeigt erscheinen dürfte, den Ertrag des Wohlthätigkeits- Concertes zu Gunsten der Landsleute ganz, oder wenn dieses nicht angeht, zum Theil zu verwenden. Es mag dieses Ansinnen vielleicht unbescheiden genannt werden, aber es entspringt solches aus einem Gefühl, welches in erster Linie das Vaterland bedacht wissen möchte. Wir eröffnen hiermit gleichzeitig eine Sammlung zur Unterstützung der Ueberschwemmten am Rhein und besten Nebenflüffen. Ein edler Mensch hat uns gestern anonym fünfzig Mark zugestellt. Wir quittiren unter der Chiffre S. F. F. herzlich dankend diesen Betrag und bitten im Liebeswerk nicht erlahmen zu wollen. Redaction und Expedition des Gießener Anzeigers. rr Frankfurt