1 Nr. IS1 Erstes Blatt. Sonntag den 2. Juli 1882. ZMchener Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. n Schulstraße v. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. $rei* vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlohn. 9 M. FW H Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mar-k 50 Pf. Amtlicher Hheit. Betreffend: Die Tilgung der Schaftäude. Gießen, am 30. Juni 1882. Barßmdes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. rr. tung! Dr. Boekmann. vom 1. Juli an uh ; dem verehrten Publik. M*. Gonder. Diejenigen von Ihnen, in deren Gemeinden unreines Schafvieh gehalten wird, wollen die Eigenthümer von solchem davon in Kenntniß setzen, daß nach Mittheilung des Reichskanzlers zur Tilgung der Schafräude das Hellverfahren im nächsten Jahre für die Zeit nach beendigter Schafschur angeordnet werde, yi[M »r , _ ---------------- -----.....------- --------------------------------"..... .vuuv, -W aber alsdann alle etwa einlaufenden Gesuche um weitere Verschiebung oder Einstellung des Verfahrens ohne Berücksichtigung bleiben würden, weshalb die Abschaffung des unreinen Viehes bis zum genannten Termine dringend empfohlen werde. Bekanntmachung. Gefunden: 1 Briefmarke, 1 Mütze, 1 Schürze, 1 Binde, 1 Regenschirm, 1 goldner Ohrring* 1 Sonnenschirmchen, mehrere Schlüssel. Zugeflogen: 2 Kanarienvögel. M ün- Was ist nun, frage ich, inzwischen zur Sicherung von Leben und Ementbum 1 r nnrtov T.tktuns 111t* (Kirthmnn rc.t rr... . , ii .. . _ Telegraphische Depeschen. Wolff'S telegr. Correspondenz-Bureau. München, 30. Juni. Das Magistrats-Collegium hat heute den Antrag, den Altkatholiken die ihnen seit dem Jahre 1871 zur Benutzung einge- cbmtte Kirche wieder zu entziehen, mit 16 gegen 6 Stimmen angenommen. Nürnberg, 30. Juni. Der deutsche Aerztetag hat, nachdem derselbe tyjiern durch eine Vorfestlichkeit eingeleitet worden, heute seine erste Versamm- Äiig mbgehalten, bei welcher 84 Delegirte und 113 andere Theilnehmer an- «escnd waren. Den Vorsitz führt Sanitätsrath Dr. Graf (Elberfeld), Schrift- ftfiriT ist Dr. Heinze (Leipzig). Die Versammlung beschloß die Wiederaufnahme HewMUtifcher Artikel in das ärztliche Vereinsblatt und begann die Verathung Entwurfs einer Aerzteordnung, deren erster Theil angenommen wurde. Die 'grrachung wird morgen fortgesetzt. London, 30. Juni. Unterhaus. Gladstone erklärt auf eine Anfrage -Firtlett's, er könne wegen dessen, was die Conferenz thun werde, keine Ver- Hfymng geben und nur auf die Thatsache Hinweisen, daß die englische Regie- mg die ganze Zeit hindurch eine Intervention des Sultans in Egypten vor iifcn andern Maßregeln begünstigt habe. (13), T Alk Aus Aegypten. ii. — Das Central-Criminalgericht hat heute den Drucker des Blattes „Die ;ftiheit", Schwelm, wegen eines Artikels über die Ermordung von Cavendish nnb Bourke zu 1 Monatlichem Gefängniß verurtheilt. Ein zweiter Drucker, -.kniend Ärertens, wurde, nachdem er dafür, daß er bei der nächsten Gerichts- s'itziiiig sich persönlich stellen werde, Caution geleistet, auf freien Fuß gesetzt. ■eBt-Comite — Die „Times" sagt, wenn die Pforte in Egygten unter Europa befrie- tSigeubtn Bedingungen vorgehen wolle, so sei dies desto besser. Andern Falles . mild als F^'Eten andere Maßregeln erforderlich werden und England werde der Welt E • tM daß es bereit sei, seine Ehre und seine Interessen zu vertheidigen. Das oor$U9l,ltc Al-li fügt hinzu, es glaube, die Negierung sei nunmehr entschlossen, wirksame MM zur endgiltigen Regelung der egpptischen Frage in Anwendung zu ,, HMgeu. Konstantinopel, 30. Juni (Meldung der „Agence Havas"). Die EMIferenj soll sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem Vorschläge Englands l-.ßrnüin iM eme bewaffnete Intervention der Pforte, beschäftigt haben und dabei der |(ll IPIU Anschl gewesen sein, daß eine solche Intervention an Bedingungen zu knüpfen . »NN Gießk» welche verhindern, daß sie in keinem Falle in eine Occupation Egyptens F”" , 6i« und so die Stellung des Landes irgendwie ändern könne. .ji’.jy ' ' New-York, 30. Juni. Guiteau, der Mörder des Präsidenten Gar- \u, T*;7' wurde heute gehängt. £ s 11, 750 905, Ö22* !*• . ‘I* """/ 'lMbv uun ^cuen uno ' bis DM b'trc Europäer Hierselbst geschehen, was zur Wahrung der Ehre Europas! Für das eWl btMw°Mg, für das zweite gar Nichts. Der Zwiespalt der Mächte hat zu? Folge, dWauf lange alles Ansehen der Europäer in mohamedanischen Ländern untergraben eiwn t. Engländer und Franzosen haben sich hier eingemischt, haben den Trotz einer shren Glaubenselfer überaus hartnäckigen Bevölkerung übermüthia heraus- gWi^errt; wer aber trägt hier dem Unterschiede der Nationalitäten Rechnung, welcher »tfÄÄWdWföKr llD Q39*, U“ , , . Was also thaten die Consuln, als ihnen am 11., unmittelbar nach dem Aus- ifi 8l3< bllkUllbe.dis Gemetzels, die ersten Nachrichten davon in Kairo zugegangen? Zunächst L to58/ A ur«rde -Derwisch Pascha bestürmt um Hülfe. Ec erklärte, keine Macht zu besitzen. Da z .r 7^'« S111 T” ^Q&t_bereip früher die Gewährleistung einer Bürgschaft für Leden und 11'* 1^* der Europäer eingeholt, blieb trotzdem kein anderer Ausweg übrig als sich C' WV -m Commisiar des Sultans und den Khedwe zu wenden. Endlich gelang es von .,J Miß Vie Zusage zu erkalten, sie nähmen die Bürgschaft auf sich in G^a t einer 1^11^ Mchgarantre. Der Khedw und Derwisch Pascha richteten an Arabi Tinen Vrlaß ,enJ bcufim Ibie Verantwortlichkeit seinerseits aufbürdend, Arabt gab wieder Befehl an seine und so ging es weiter von „Garantie zu Garantie" Was war mit Mim Mathselwort gemeint? Man weife es hier selbst bis zur Stunde noch nicht Schritt war die Versöhnung von Arabi, Khediv uni) 60^^. #2 morgens die ägyptischen Duumvirt nach Alexandrien abfuhren — ,M-Obi iillfe m einem Wagen m t dem Khediv — verabschiedeten sie Arabi im Bahnhofe Händedruck. Er war nun Herr von Kairo und hatte als solcher aMs Meresie, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Aber der Glaube an seinen Schutz iM fall fiatt^enten igSfesic, aauturn: icr Dorsta"i ।Mm für du twti- Lem, S-Dick fl€ ü. M war dahin. Nun erfolgten die Proclamationen, die sammtlich, je mehr sie dielStratzen- ecken bedeckten, immer mehr zur Erregung der Gemüiher beitrugen, bis die Flucht der Europäer, dieser moderne Exodus, die größten Verhältnisse annahm. 20,000 Europäer haben bereits das Land verlassen. Das gesammte Consularcorps erliefe eine Kundmachung an ihre lieben und theuren Schutzbefohlenen, die Jeden, der sie las, wie mit kaltem Wasser überrieseln mußte. Darin war em förmliches Vertrauensvotum gegeben der ägyptischen Armee, der man als Wächter auf der Straße das Schicksal der Europäer überließ, ohne daß man doch begreifen konnte, wodurch sich diese Soldaten der Garnison eigentlich von jenen Gensdarmen unterschieden, weltfie die Hülflosen, die sich, auf ihren Schutz vertrauend, zu ihnen geflüchtet, hausenweise niederstachen; etwa durch die Disciplin, von welcher der arme Khediv genugsam zu kosten bekommen? Die einzige wirkliche Maßregel, welche von den Consuln ergriffen wurde, war gegen die Europäer gerichtet, indem sie auf die Erklärung hin, die Armee könne für nichts bürgen, so lange erstere unter Waffen blieben, e ne Entwaffnung aller Europäer auf offener Straße zuließen. Sogar Spazicrstöcke werden heute noch allen, die ihr Haus verlassen, von den Soldaten aus der Hand gerissen. Wer vom Hafen oder vom Bahnhof m die Stadt will, muß sich einer Durchsuchung nach Waffen am Leibe und im Gepäck ulsierztehen. In der Nacht vom 11. zum 12. hatten der Khediv Md Derwisch Pascha bereits eine Commission zur Untersuchung der ftattgehabten Greuel nach Alexandrien beordert. In dieser Untersuchungs-Commission sollten alle Consulate durch Delegirte vertreten fein. Vier Tage verflossen, bis sie sich überhaupt erst versammelte, und bis auf den heutigen Tag verlautet noch nichts über ihren Erfolg. Man nennt sie bereits eine Vertuschungs-Commission. Arabischerseils wirb frech geleugnet und frech geschworen wie gewöhnlich; da befinden sich die europäischen Herren vor einem unausführbaren Werke und haben der Entschuldigungen viele. Die hiesigen Zeitungen, die in zaghaftestem Tone allmählich wieder aufzuleben beginnen, klugen darüber, daß die Consulate keine Aufforderung an ihre Angehörigen ergehen lassen zu dem Zwecke, es möge ein Jeder, der -Augenzeuge der Greuel am 11. gewesen, kommen und seine Aussagen machen. Es ist nicht geschehen. Man hat geglaubt, mit jedem neugewonnenen Tage ungestörter Straßenruhe würbe auch eine Beruhigung der Gemüther Platz greifen. Mit Nichten, die Panik nimmt zu und der Uebermuth ber Eingeborenen gleichfalls. Da man hier überall unb zu jeder Zeit nur hört und sieht, was dazu angethan ist, sie zu fördern, so nimmt sie einen immer ernsteren Character an. Hinsichtlich des Verhaltens der einheimischen Bevölkerung im gegenwärtigen Augenblick will ich mich auf wenige Bemerkungen beschränken. Zunächst ist mir der Unterschied zwischen dem Aussehen der Leute hier unb in Kairo in die Augen gefallen. In Kairo ist es bange Erwartung, die auf allen Gemüthern zu lasten scheint, hier ein freudiges Aufjauchzen, wie nach einem großen Siege, dessen sich ein ganzes Volk erfreut. Die laute Sprache des Volkes auf d.n Straßen, seine lustigen Zurufe, das Geplauder mit den in Posten von zwei bis alle zwanzig Schritte vertheilten Soldaten, alles das beweist eine innere Spannung des Behagens, die ihm sonst fremd war. Wie lange wohl wirb bie Freube währen? Bald werben knappe Tage kommen gerabe für biese Straßenbewohner. Dazwischen trippeln bie Europäer kleinlaut unb verzagten Herzens umher, Karren nach Karren burchziehen m't Bergen von Gepäck bie Straßen, bes Rollens ber Wagen zum Hafen nimmt es kein Ende. Man spricht von nichts, benft an nichts anderes, als an das eine Schreckliche, früher nie Geglaubte. Nichts ist ansteckender, als bas Gefühl ber Entmuthigung. An den Bahnstationen sieht man die Dorfscheiks in Gruppen plaudernd mit nachdenklicher Miene. Alles geht außer Landes. Selbst die Werthpapiere sind fast sämmtlich nach Europa geschäfft worden. Man kann annehmcn, daß mit den 20,000 Geflohenen die Hälfte des im Umlaufe befindlichen Geldes aus Aegypten geschwunden ist, vielleicht gar die Hälfte alles Geldes. Die reiche Ernte des Jahres verheißt den Armen das billigste Brot, das wir feit lange gegessen, aber auch das billigste will gekauft sein. Aengstlich wirb ber Besitzenbe auf seinem Gelbkasten sitzen. Alle Arbeiten sinb eingestellt unb kein Taglohner finbet mehr Beschäftigung. Dies wirb bie schwerwiegrnbste Rache fein für bas vergossene Blut. In Kairo ist die öffentliche Ruhe burch feinen ärgerlichen V0rfall gestort worden unb bie Militärgewalt erfüllt vorläufig ihren Zweck, indem sie arbeitslose Leute aufgreifen unb unter die Soldaten stecken läßt und auf alle Handhaber der niederen Obrigkeit einen heilsamen Druck ausübt. Dennoch ist die Vorstellung, welche die Europäer von der dortigen Lage haben, allgemein die, daß es nur eines bedürfte, um auch in Kairo bie schrecklichsten Otraienfeenen feiten. Das europäische Viertel in Kairo ist fast buchstäblich verlast en und nur wen ge Häuser sind namhaft zu machen, wo vereinzelte ÄnsMen zurückgeblieben. Die Wohnungen mit allem, was sie enthalten, werben ber öbbut oon ^5." und Thürhütern übergeben. Tritt keine Plunberung ein, io können dl. Besitzer ziemlich ruhig der Wiederkehr besserer Zeiten entgegensehen Unter allenTlmstanden werden immerhin Tausende von Europäern m ber Hauptstabt U^lelben, mag n zu bewaffnetem Einschreiten ber Mächte kommen ober zu Mord und Rauvscenen, oder zu Militäraufruhr. Auch für bie kostenfreie Fortschaffung unbemittelter Deutschen ist gesorgt worden. Dieselbe soll theils auf englischen Transportdampfern. theils auf -m-m ei0in§O$3^ unb Derwffck Nascha tn die Berufung eines neuen Ministeriums ober vielmehr eines Ministeriums benn Seaupt-n bat seit drei Wochen gar keins mehr, gewilligt und Rag. b7b^ ®wr Se? sich bereit erklärt, an die Spitze eines solchen zu treten Ragbeb ailt für den politisch am meisten befähigten der vorhandenen Staatsmänner Anvtens Trotz seines hohen Alters und unbeschadet seines hinfälligen Aeußeren soll er sich dennoch einen klaren und durchdringenden Verstand erhalten Lokale- haben. Ob auch ein starkes Wollen, bleibt eine andere Frage. Gestern Abend ist nun . Arabi von Kairo herübergekommen und vom Khedio nebst dem türkischen Vormunde schon in der Nacht empfangen worden- Gieße«, 1- Juli. Heute beging unsere Hochschule ihr Stiftungssest, jedoch zum ersten Male mit einer größeren öffentlichen Feier. Die große Aula, an und für sich schon ein prächtiger Raum, war mit Blumen und Laub festlich dekorirt und der Schmuck durch zahlreiche geschmackvoll angebrachte Fahnen der hiesigen studentischen Verbindungen wesentlich erhöht. Schon vor 11 Uhr füllten sich der Saal und die Nebenräume mit Damen und Herren, worunter die Spitzen der Behörden, der Stab des hiesigen Regiments, die ersten Chargirten der Studenten-Verbindungen in festlicher Chärpe rc. heroorzuheben sind. Das hiesige Orchester und die Mitglieder des akademischen Gesangvereins waren an dem südlichen Ende des Saales in hübscher Ordnung gruppirt- Punkt % nach 11 Uhr begann die Musik mit dem wohlgelungenen Vortrage des herrlichen Hochzeitsmarschcs aus Mendelssohn's „Sommernachtstraum", unter dessen Klängen die Professoren, geführt von ihrem Rector, welcher mit der von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog gestifteten goldenen Kette geschmückt war, in den Saal traten. Den Zug schlossen die Universitätsdiencr, die Universitätsscepter tragend. Nachdem der Chor aus „Paulus": „Wie lieblich sind die Boten, die den Frieden verkündigen", gesungen war, hielt Se. Magnificenz, der derz. Rector, Herr Professor Laspeyres. die Festrede. Anschließend an den gesungenen Chor empfahl er in kurzen aber eindringlichen Worten sowohl den Studirenden als auch den akademischen Lehrern den Frieden, der weder bei der akademischen Jugend, trotz ihrer verschiedenen Bestrebungen, noch bei den Professoren, auch wenn in den Senatssitzungen öfter harte Kämpfe vorkommen sollten, auf die Dauer gestört werden dürfte. Redner hielt seinen Vortrag über die Statistik der Universitäts-Professoren und Studirenden. Die Rede war aber nicht trocken, wie man bei statistischen Notizen erwarten kömttr, sondern höchst interessant und gewürzt mit attischem Salz und geschmückt mit den schönsten Blüthen des Humors. Aus dem Inhalt des Vortrags selbst können wir, der Kürze der Zeit wegen, nur einige Sätze heroorheben. So erfuhren wir, daß, während Berlin, Göttingen und München in Bezug auf das Alter ihrer ordentlichen Professoren die ältesten Universitäten sind, Gießen als die jüngste dasteht. Namentlich ist hierin die theologische Fakultät in Gießen hervorzuheben, in welcher im Mittel ein Professor erst 34 Jahr alt ist, während im Jahr 1879 nicht einmal die Ziffer 31 erreicht wurde. Was die Statistik des Wechsels der Professoren an den einzelnen Universitäten mit deutscher Zunge betrifft, so wird am wenigstens gewechselt in München, Leipzig und Czernowitz, am meisten in Gießen, Rostock und Bern. Warum Gießen gerade als eine so junge Universität dasteht, erblickt Redner außer ihrer Kleinheit rc. in dem Umstand, weil Hierselbst eine größere Anzahl pensionirter Professoren vorhanden sind, die, zu den anderen hinzugerechnet, die Durchschnittszahl von 46 auf 50—51 Lebensjahre erhöhen würde. Der Wechsel der Professoren ist seit 1860, seit der Vervollkommnung des Eisenbahnnetzes in Deutschland, ein besonders starker und das Nomadenleben der Professoren ein so bedeutendes geworden, daß seit der genannten Zeit an hiesiger Hochschule 23—33 pCt., ja in den letzten Jahren sogar 43pCt. wechselten. Anschließend an den Vortrag wurde von dem Rectcr mitgetheilt, daß von den im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben nur eine, die, die Untersuchung des Kalk- spath aus der Umgegend von Gießen betreffende, von dem Studiosus Stromann aus Offenbach eingebracht und für preiswürdig erkannt wurde. Hieran reihte sich die Verlesung der neu gestellten Aufgaben. — Zum Schlüsse der Feier sang der akademische Gesangverein den „Halleluja-Chor" aus Mendelssohn „Messias"- mit Orchesterbegleitung und unter den mächtigen Klängen des Kriegermarsches aus Mendelssohn's „Athalia' entleerte sich der Saal, unter dem Vorantritt des Rectors und der übrigen Professoren. Gießen, 1.Juli. (Gießener Concert-Verein.) Das letzte Concert unseres Vereins, welches in der Stadtkirche nächsten Dienstag, den 4. Juli, stattfinden wird, dringt uns — abgesehen von den Leistungen des academischen Gesangvereins — drei bedeutende Solisten. Fräulem Knispel, die Sopranistin aus Darmstadt, hat sich in den letzten Jahren zu einer Höhe der Künstlerschaft emporgeschwungen, niorüder wir in der Kritik über ihr Mitwirken im Leipziger Gewandhause, im Gürzenichsaale in Köln, in Frankfurt a. M-, das Beste gelesen haben Her Concertsänger Carl Diezel aus Frankfurt a. M-, der jugendliche Tenorist, besitzt eine ausgezeichnete Schule und vortreffliche musikalische Auffassung. Sein Auftreten als Frithjof (in Mangold s Musikwerk) in Darmstadt hat jeden Hörer in hohem Grade befriedigt. Herr Musikdirector Kayser (früher in Elberfeld), jetzt in Hagen, steht bei uns noch in bester Erinnerung als vortrefflicher Clavierspieler von dem ersten Concerte des vorigen Vereinsjahres. Somit sehen wir einem hohen musikalischen Genüsse entgegen- — Gestern Nachmittag 5 Uhr wurde im Hotel Einhorn die erste Sitzung des großen Regatta-Comitäs abgehallen. Wie wir vernehmen, haben sich die verichiedenen Comitäs, wie Bau-, Finanz-, Wirthschafts-, Vergnügungscomttä rc., constituirt und ist bereits das definitive Programm festgestellt worden Samstag Abend 8 Uhr findet tn Wenzel's Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) großes Banket mit bengalischer Beleuchtung und Feuerwerk, sowie Concert der hiesigen Regimenlsmusik statt; Sonntag Nachmittag 2% Uhr: II. Regatta des Hessischen Regatta-Vereins auf dem Woog, verbunden mit Concert und Restauration, nach Beendigung der Wettfahrten Preisverthetlung auf dem Festplatz und Abends 9 Uhr Reunion in Wenzel's Garten. Alles Nähere wird durch die Tagesprogramme bekannt gegeben werden. Gießen, 1. Juli. Die Leistungen der Tyrolergesellschaft Schöpfer im gestrigen Concerte wurden von dem zahlreich anwesenden Publikum aufs Lebhafteste applaudirt und rechtfertigten in vollstem Maße den derselben vorausgegangenen Ruf und Alles, was wwohl über die einzelnen Mitglieder der Truppe, als über dieselbe in ihrem Gesammtauftreten berichtet wurde. Besonders ausgezeichnet wurde Fräulein Kehl welche nicht nur das nationale Holzinstrument „das hölzerne Glachter" und die Streich- zityer, ebenso wie das Glaseuphontum mit Geschick handhabt, sondern auch in trefflicher Weise zu singen versteht. Aber auch die anmuthtgen Schwestern Stremitzer mit frischen Stimmen begabte, frische Alpenkinder und der Bassist Herr Plattner fanden lebhafte Anerkennung, ganz abgesehen von dem Ehepaare Schöpfer selbst. Im Allgemeinen darf man behaupten, daß die vielgenannte Rainer'sche Gesellschaft in Schöpfer eine sehr bedeutende Concurrenz bekommen hat, der Mancher den Preis zuerkennen dürfte. - Am 29. Juni Nachmittags entlud sich über der Gemeinde Allendorf a. d. Lda. ein heftiges Gewitter, wobei der Blitz in die Wohnung des Dr. Vogt einschlug glücklicherweise ohne zu zünden oder größeren Schaden anzurichten. — Gestern Morgen wurde in einer Wirthschaft an der Grünbergerstraße von zwei unbekannten Handwerksburschen aus einem Schlafzimmer, während einer von beiden vor der Thür stehen blieb und der andere die Thal vollführte, ungefähr 40 JL an Geld aus einer Schublade gestohlen. vermischt« *. — (Neues Papiergeld.) In der Reichsdruckerei ist man eben mit der Herstellung von neuem Papiergeld beschäftigt, daß demnächst in Fünf-, Zwanzig-, Hundert- und Tausendmarkscheinen zur Ausgabe gelangen wird. Die Scheine erhalten alle neue Zeichnungen und werden von demselben Papiere hergestellt, das wir bereits durch die Fünfziamarkscheine kennen. Echt ist der Streifen an demselben nur bann, wenn sich die bläulichen dünnen Faserstreffen, die sich im Rande befinden und welche eingefrorenen Krystallen gleichen, mit einer Nadel herausnehmen lassen. Ob dies eigenthümliche Papier allen Anstrengungen jener Dunkelmänner Widerstand leisten wird, welche sich mit der Nachahmung von Werthzeichen trotz aller hohen Strafen dennoch hin und wieder befassen, das muß die Erfahrung lehren. — Eine neue Art von Belustigung in Indiana ist das Ei-Springen. Die Wetteifernden nehmen in jede Hand ein Ei und machen so einen Sprung; wer am weitesten springt, ohne die Eier zu zerbrechen, ist Gewinner. Dies ist nicht so 1 b;dt man c(n*m Sprunge unwillkürlich die Hand fest zudrückt und das Ei Handel und Verkehr. Gießen, 1. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per M Kuh- und Rindfleisch 54—56 4, Kalbfleisch 44 bis 50 4, Schweinefleisch 62—64 ä' Hammelfleisch 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.50—6.00, Zwiebeln per Centn er 12—14, Milch per Liter 14—18 4, Kirschen per Pfund 30—io 4- Frankfurt a. M., 1. Juli, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegraphische Coursbericht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen} Creditactien 265%, Staatsbahnactien 271, Galizier 2663/4, Lombarden 109%, Nord- westbahnactien —, Darmstädter-Bankactien 158, Oberschlesische E.-B.-Act. 249 Oesterr. Silberrente 65-/4, 4% Ungar. Goldrente 74%, 4% 1880er Russen 68^/' 5% 1877r Russen —, 2. Orient-Anleihe 56%, Spanier 27%, 5% Rumänische Rente —, 4% Unific. Egypter 54%. Tendenz schwankend. Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Aufgebote. Juni. 24. Schuhmacher Heinrich Schaub von Schotten mit Anna Katharine Sippel, Tochter des verstorbenen Leinwebers Philipp S'ppel von Schlitz. 27. Tag. löhner Friedrich Wimmer von Alt-Buseck mit Marie Heibertshausen, Tochter des Ackermanns Heinrich Heibertshausen von Staufenberg. 27. Schlosser Heinrich Ludwig Karl Stein von Frankfurt a. M mit Anna Sophie Christiane Notholt. Tochter des verstorbenen Seelootsen Johann N-colauö Notholt von Bremerhafen. 27. Kaufmann Karl Christoph Friedrich Merkel von Gießen mit Katharine Kling, Tochter des verstorbenen Bahnhof-Arbeiters Johannes Kling von Wieseck. 29.1 Gerber Karl Christian August Johann Conrad von Dillenburg mit Henriette Müller, Tochter des verstorbenen Hermann Müller von Battenberg. 29. Schmied Johann Becker von Londorf mit Elisabethe Leim von Alsfeld. 29. Eisenbahnarbeiter Heinrich Roth von Daubringen mit Henriette Schneider, Tochter des Bergmanns Johannes Schneider von Ehrings, Hausen. Eheschließungen. Juni. 24. Kaufmann Georg Heinrich Karl Emil Schirmer mit Antonie Johanna Auguste Magdalene Knorr, Tochter des Landgerichts-Präsidenten Ludwig Knorr zu (Sieben. 24. Steinhauermeister Heinrich W'ßner von Geilshausen mit Marie Schäfer, Tochter des verstorbenen Steinhauers Heinrich Schäfer von Alt-Buseck. 29. Kreis- Assistenzarzt Dr. Karl Georg Eduard Julius Gottfried Spamer mit Julie Karoline Pfftor, Tochter des Kaufmanns Emil Pfftor von Gießen. Geborene. Juni. 16. Ein Sohn von auswärts, Heinrich. 18. Ein Sohn von auswärts, August. 19. Dem Schlosser Louis Goß ein Sohn, Christian. 21. Dem Taglöhner Johannes Stecker ein Sohn. 21. Eine Tochter von auswärts, Elffe. 22. Dem Arbeiter Christian Wagner I. ein Sohn, Martin. 23. Dem Hülfsführer Johannes Seth eine Tochter, Johanna Katharine. 25. Ein Sohn von auswärts 26. Dem Kunstgärtner Gustav Lehmann ein Sohn, Gustav Max. 29. Dem Schuhmacher Georg Luh eine Tochter, Marie Margarethe Clementine. Gestorbene. Juni. 23. Dem Maurer Daniel Weißenstück eine todtgeborene Tochter. 24. Ein Sohn von auswärts, Adolf, 2 Monate alt. 25. Maite, 5 Monate alt, Tochter des Arbeiters Peter Merkel. 26. Eltse Schreiber, 64 Jahre alt 26. Katharine Leierzapf, 9 Jahre alt, Tochter des verstorbenen Porcellanosenmachers Jean Leierzapf. 27. Ernst Karl, 4 Monate alt, Sohn des Porcellanmalers Ernst Gebhardt. 27. Taglöhner Wilhelm Kreiling, 47 Jahre alt 28- Bäcker Heinrich Steller, 31 Jahre alt, von Hungen. 28. Wilhelmine Becker, geb. Schwarz, 55 Jahre alt. von ©emünbeii- 29. Der pens. Postillon Justus Buseck, 76 Jahre alt. 29. Eine Tochter von auswärts, Marie Katharine, 8 Monate alt 29. Bergmann Johannes Keßler, 50 Jahre alt, von Groß-Linden. 30. Georg, 23 Tage alt, Sohn des Heizers Johann Schaum. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 24. Juni. Georg Heinrich Carl Emil Schirmer, Kaufmann zu Gießen und Antonie Johanna Auguste Magdalene Knorr, des Großh. Landgerichts-Präsidenten Ludwig Knorr eheliche ledige Tochter. Den 25. Juni. Heinrich Wißner, Sternhauermeister in Gießen und Marie Schäfer, des verstorbenen Steinhauers Heinrich Schäfer tn Alt-Buseck eheliche ledige Tochter. Den 29. Juni. Dr. Karl Georg Eduard Julius Gottfried Spamer, Kreis- assistenzarzt in Mainz und Julie Karoline Pistor, des Rentners Emil Pistor dahier eheliche ledige Tochter. Getaufte. Den 25. Juni. Dem Fuhrmann Wilhelm Wilke eine Tochter, Luise Henriette, geboren den 20. Mai. Denselben- Dem Schreiner Heinrich Sack eine Tochter, Emilie Sophie Christine, geboren den 27. Mai. Denselben. Dem Tapezier Friedrich Sauberer ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geboren den 27. Mai. Beerdigte. Den 27. Juni. Elise Schreiber, des verstorbenen Bäckermeisters Jakob Schreiber in Gießen eheliche ledige Tochter, alt 64 Jahre 3 Monate 24 Tage, gestorben den 2b. Juni. Den 30. Juni. Justus Buseck, pens. Postillon, alt 76 Jahre 7 Monate 7 Tage, gestorben den 29. Juni. Brodpreise vom 2. bis 16. Juli 1882. 1 2 1 2 1 2 3 der Bäcker Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod " » ) H " y* „ ) Schwarzbrot) I. Sorte " >9 " ) " >7 * ) „ II Sorte n _ . „ bei Konrad Rinn III. .... " (6 Md.) Schwarzbrot) II. Sorte " K.Haas, K. Wallenfels, M. Lenz, Eduard Noll....... " F- W. Hartmann u. L- Schneider " Georg Müller, Ch- Faß, L- Keil und L- Kroneberg . . . . 32 64 29 58 26 52 54 73 75 IL Sorte wird von Heinrich Faß und Aug-Noll nicht verkauft. | Gießen, den 1. Juli 1882. 1 2 1 2 3 1 2 3 Kgr. Kgr. "bei it der Brodverkäufer (2 Pfd ) Weißbrod .... (4 \ w (2 " ) Schwarzbrot) I. Sorte (4 „ ) (6 „ ) M II (2 Pfd.) Schwarzbrot) II. Sötte (4 „ ) it it (6 H ) W H Emil Sauer Jacob Thomas u Kath. Baldauf 56 26 76 7c Großherzogliches Polizeiamt Gießen Fr esenius. Wafferwärme der Lahn. Am 1. Juli, Mittags zwischen 11 und 12 Uhr: + 15*/i" 3t, Luftwärme + 18» R L- Chr. Rübs am en. Allgemeiner Anzeiger. Die Unterhaltung sämmtlicher Dächer der Bahnstrecke Wabern—Gießen der Main-Weser-Bahn soll in öffentlicher Submission vergeben werden. Offerten sind verschloßen und franko bis zum 15. Juli 1882 aus dem Bureau Königlicher Eisenbahn -Bau-Jnspection zu Marburg einzureichen. Auswahl unter den drei Mindestfordernden bleibt vorbehalten. Massenverzeichniß und Bedingungen sind auf dem vorgenannten Bureau und bei den Bahnmeistern Pfaue zu Treysa und Gerhard zu Gießen ein- Zusehen und können auch gegen Einsendung von 75 bezogen werden. Marburg, den 28; Juni 1882. Königliche Eisenbahn-Bau-Jnspection. 4462 Philippi. Gerichtsvollzieher. 4482 Montag dm 3. ds. Mts., Nachmittags 2 Uhr, werden in der Flett'scheu Hofraithe 2 vollständige Betten, 1 Spiegelschrank, 1 Sopha, 1 runder Tisch, 6 Stühle, 1 Nähmaschine, 1 Schreibsecretär rc. öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert. Gießen, den 1. Juli 1882. Bühner, Aeilgebolenes. 4467 Großer Küchenschrank auszugshalber billig abzugeben. Marktstr. D. 218. 4466 Eine Lschläf. Bettlade mit Sprungfedermatratze zu verkaufen. JLöber Wu>e^ Neuenweg. 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Programm und Textbücher an der Kasse. Achtungsvoll 4416 Jacob Schöpf er• S angerhra/ns* Montag Abend: Philosophenwatd. I Oeffentlicbe biblische Vorträge werden Sonntag und Mittwoch, Abends von 8—9 Uhr, Canzleiberg 66, eme Treppe hoch, über die nahe Wiederkunft unsere» Herrn Jesu Christi zu Jederinanns freiem Zutritt gehalten. (3298) ./■ Hohl. Wieseck. 4449 Sonntag den 2 Juli: Tanzmusik säsi MermietHurrgen. 4468 Ein möbl. Zimmer zu vermiethen. _____Kirchenplatz A. 22. 4471 Ein unmöbl. Zimmer mit oder ohne Cabinet vermiethet per 1. August ___Chr. Dan. Fillmann. 4469 Ein Familienlogis im Vorderhaus und ein Familienlogis im Hinterhaus zu vermiethen._________Louis Lonh. 4^75 Eine Stube mit Kabinet zu vermieden^ ____________Sandgasse 189\__ 4477 Logis, sowie ein einzelnes Zimmer, gleich beziehb., zu verm. in Neue-Bäue B.90. 4481 Kleines Logis mit Zubehör zu vermiethen. Georg Unverzagt, Kaplansg. 4478 Ein Familienlogis, 3 Zimmer und Zubehör, per 1. August zu vermiethen. 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