1882 w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bureau: Schulstraße 7. —--------—--- “ PrciS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montagö. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. 228. Zweites Blatt. Sonntag beit 1. Oftobct Amtlicher Hßeil. Mndesbaugkwerkschule Darmstadt. und Bedingungen zur Aufnahme find: 1) Mr die untere Abtheilnng, die I. Klasse: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens ettijaljrtflc Bejchästigung in einem technischen Gewerbe^ Nachweisen töniten, Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Da- aeaen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisse verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlassenen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt Darmstadt, den 22. September 1882. Großherzogliche Ccntralstelle für die Gewerbe und den Kandesgewerbverein. Fink. Bufch. Die LandeSbaugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren fiebenten Jahres - Cursus am 13. November l. I., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1883 andauert. Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen 6o$f(f)ute bie Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Muhlen- bauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen "theoretischen Kenntnisse und die nothwendrgen Fertigkeiten im -leichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erweiben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Bauaufsehern rc. dienen. „ L _, .. Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren ertheilt: Architekt Professor Hermann Müller, Architekt Kuhlmann, Ingenieur G. Wagner, Techniker L. W. Moser, Sandelslehrer Peters, Bildhauer Fölix und Oberlehrer Funk. Die Schule unifaßt 2 Klassen mit folgenden Unterrichtsgegenstandeim Freihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie (einschließlich Schattenconstructionen und Perspective), Bauconstructionslehr« (einschließlich Stabllitäts- und Festigkeitsberechnungen), Elemente der Maschinen-Construrtionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschließlich Trigonometrie und Planzeichnen), geiverbliche Buchführung, Theile der Bauführung, insbesondere Materialienkunde und Unfertigen von Kostenvoranfchlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc. Die Unterrichtslokale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Büreaulokalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Großherzoglichen Gewerbvereins, sodaß die letzteren von den Schulern besucht !md geeignet benutzt werden können. zugänglich werde. 2) Mr die obere Abtheilung, die II. Klasse, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithinetik, einer angemessenen Fertigkeit im Freihand- und geoinetrischen Zeichen, sowie in der Lösung einfacher Aufgaben der darstellenden Geoinetrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich inachen zu können, geliefert werden- . Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit 30 Mark ist beim Beginn des Cursus voraus zu bezahlen. Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig^und längstens bis zum 31. Oktober l. I. schriftlich bei der unterzeichneten stelle ober auch mündlich auf dem Büreau derselben — Neckarstraße 3, nn 3. Stock bewirken, da die Zulassung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen Unterrichts-Lokalitäten ersolgen kann. Wochenschau. Gießen, 30. September. Die parlamentarische Lage, sowohl in Bezug auf den Reichstag, als auch auf den preußischen Landtag, bildet gegenwärtig einen Gegenstand eifriger Erörterungen Seilens der deutschen Presse. Der Plan wird jetzt vielfach angeregt und besprochen, die bis zum 30. November währende Vertagungsfrist des Reichstages abzukürzen, nachdem der Gedanke einer Herbstsession des preußischen Landtages aufgegeben zu sein scheint. Für einen früheren Beginn der Reichstagsverhandlungen als ursprünglich beabsichtigt, spricht namentlich der Umstand, daß der Reichstag bei seiner Vertagung ein umfangreiches Arbeitsmaterial unerledigt gelassen hat, so namentlich die Versicherungsgesetze und die Gewerbeordnungs-Novelle, deren baldiges Zustandekommen dringend zu wünschen ist. Zum Mindesten könnte formell der Reichstag Anfangs November einberufen werden und dann sich wieder vertagen, mir den Commissionen für die genannten Vorlagen Zeit zur Beendigung ihrer Arbeiten zu lassen. Die Vorbereitungen zu den preußischen Landtagswahlen sind in der zu Ende gegangenen Woche von alle,n Parteien eifrigst gefördert worden. Vielleicht mag hierzu die von verschiedenen Seiten übereinstimmend gemeldete Nachricht, daß die Wahlen am 19., resp. am 26. October stattsinden mürben, mit beigetragen haben, obwohl man sich über den Wahltermin von officiöser Seite nach wie üor, mit erstaunlicher Beharrlichkeit ausschweigt. Allerdings sind den Wahlmanifesten der beiden conservativen Parteien noch keine ähnlichen Kundgebungen Seitens der andern Fraktionen gefolgt, dafür sind die Parteiführer mündlich desto thütiger, denn feit 8 Tagen haben sich Eugen Richter für die Fortschrittspartei, Lasker für die Secessionisten und Windthorst für das Centrum vernehmen lassen. Nur die National-Liberalen schweigen noch, doch darf man erwarten, daß auch ihr Führer, Herr v. Bennigsen, auf dem in nächster Zeit zu Köln stattfindenden Parteitage der rheinischen National-Liberalen, das Schweigen brechen wird. Die Angelegenheit der kaiserlichen Tabakmanufaktur in Straßburg hält durch die sich hierbei abspielenden Vorgänge die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise gefangen. In Oesterreich haben in dieser Woche die Landtage Cisleitha- niens, mit Ausnahme derjenigen der Steiermarks, Tprols und Dalmatiens, ihre Thätigkeit wieder eröffnet. Auf dem^ böhmischen Landtage ist es bereits zu einer kleinen staatsrechtlichen Controverse gekommen, zu welcher die Vertretung der Prager czechischen Universität durch den Rector derselben in der Prager Landstube den Anlaß gab. Die Regierung hat nämlich, gleich dem (deutschen) 'Jtector der alten Prager Universität, auch dem Rector der neugeschaffenen czechischen alma mater eine Virilstimme im böhmischen Landtage verliehen, da aber das Gesetz über die czechische Universität erst mit dem kommenden 1. October in Kraft tritt, giebt es bis dahin gesetzlich noch keinen czechischen Rector und konnte dieser also auch im Landtage bis jetzt noch nicht erscheinen. Trotzdem wurde von czechischer Seite gegen diesen Vorgang „protestirt", die czechische Presse bemächtigte sich desselben sofort und so wird sich wohl an die Mctor- Controverse auch im Landtage der alte nationale Hader in Böhmen wieder anknüpfen. Das Stillleben der inneren französischen Politik scheint jetzt am längste" gedauert zu haben. Wenn nicht alle Anzeichen trugen, steht Frankreich vor einer neuen Krise, welcher vielleicht, das.. Sambettsttfich gefärbte Cabinet Duclerc zum Opfer fallen könnte. Wie sich nämlich die „Nat.-Ztg. von chrem gewöhnlich sehr gut unterrichten Pariser Correspondenten berichten läßt, sind unter den republikanischen Fraktionen der französischen Deputitten- kammer welche nicht der Fahne Gambetta's folgen, Abmachungen im Gange, die darauf hinzielen, ein neues Cabinet unter dem jetzigen Kammer-Prasidenten Vrffson zu bilden. In demselben sollen auch die Ultra-Radikalen vertreten ]ein mid hat Herr Clemeuceau, der Führer berfelben bem geehrten Cabinet seine kräftige Unterstützung verheißen. Herr Duclerc hat augenscheinlich diesen Sturm gegen sich durch feine jüngsten Aeußernngen, welche eine Auflösung der Depu- tirtenkammer in Aussicht stellten, heraufbefchworen und es fragt Mr, ob das noch gar nicht feste jetzige französische Cabinet diesem parlamentarischen Anstürme roirb widerstehen können. Als Zeitpunkt bes Zusammentrittes der fran- rösischen Kammern würben der 10. October und der 6. November genannt, doch soll nach den neuesten Nachrichten der letztere Termin als sicher zu be- In den höheren russischen Regierungs-Regionen herrscht jetzt gutes Wetter, das durch den günstigen Verlauf der Moskauer Kaiserrerse hervorgerufen wurde. Der ungeheure Jubel, mit welchem das Kallerpaari Moskau aufgenommen wurde, hat von Neuem die tiefe Anhänglichkeit darge- than, welche besonders die niedern Schichten des russischen Volkes bem 6^ren- hause entgegenbringen und diese Wahrnehmung soll auch das nochi imme bedrückte Gemüth Alexanders III. wieder aufgerichtet haben. Di8™"* ube den Erfolg dieses neuesten Auftretens des riissifchen Kai erpaar s sprichNich auch in den Aeußerungen der liberalen rupischen WfK au, Mekrealemenks wird etwas getrübt durch den gleichzeitigen Erlaß des neuen Preßregl«Ett, dessen zum Theil rigorose Bestimmungen öre russische Presse noch mehr knebeln 6 Unter den jüngsten von englischer Seite «angenen^Aeuß^ rungen über die egpptische Frage erregt der Ar1 « französischen Allianz dieses Blatt darzuthun sucht^^ daß ^utl^an g (anb ben V0Qffen Besitz zu entfremden suche, mdem die oeuycye ^pw. v enalifchen W«« ««»sSÄiÄÄBS Kreisen, in denen man den Anfcymtz i?hncb ift es kaum wünscht, h"t dieser Artikel sehr versimm , au^efte[[ten Behauptungen Äeiff LL A durch die mürbl0e imb wg Haltung der beut, icben Diplomatie in bet kUne bemerkenswerthen Nach- Aus Egypten l g ^0^ ber6am Montag erfolgten Rückkehr des Khe- 2 nach Kaiw was sür bie Wckkehr geordnete? Zustände am Nil ein günsti- ges Symptom Mt. -----— ■ ■_______। Utl^Die „Berl. Polit. Nachr.' schreiben:Seitens ber Mrte "an Englands Adresse die Anfrage gerichtet worden, wann die Räumung Egyptens von britischen Truppen vor sich gehen werde, nachdem deren längere Anwesenheit auf egyptischem Boden nunmehr überflüssig erscheine. Man ersieht aus diesem Schritte, wie schwer es der türkischen Politik auch heut noch wird, sich von gewissen falschen Anschauungen loszureißen, die das Verhalten der Pforte während des ganzen Verlaufs der egyptischen Krise beherrscht und zur Folge gehabt haben, daß der Konstantinopeler Einfluß auf die fernere Gestaltung der egyptischen Frage völlig dahingeschmunden ist. Als ottomanische Depeudenz hat Egypten die längste Zeit existirt, mag über die Zukunft des Nillandes beschlossen werden, was da wolle. Was sonst über die egyptischen Aspekten verlautbart, sieht mehr nach Combination wie nach Information aus. Augenscheinlich ist man in London noch nicht mit sich selber wegen der definitiv zu ergreifenden Maßregeln einig, wie das die nach den verschiedensten Richtungen ausgestreckten publicistischen Fühler darthun. Das englische Interesse soll natürlich in erster Linie und im ausgiebigsten Maße gesichert werden. Aber die Gladstone und Genossen wissen, daß eine von ihnen bewirkte einseitige Definirmig des englischen Interesses schwerlich die vorbehaltlose Zustimmung Europas finden dürfte, und jedenfalls Compensations-Gelüste wachrufen müßte, zu deren Befriedigung kein englischer Staatsmann jemals die Hand reichen könnte. So wird die dem britischen Löwen zugefallene egyptische Siegesbeute gewissermaßen zu einem embarras de richesse, dessen angemessene Reducirung ebenso sehr im englischen wie im allgemeinen europäischen Interesse liegt. Es kommt hinzu, daß fast jede einzelne Macht in Egypten specielle Gesichtspunkte int Auge hat, die bei einer internationalen Verständigung mehr oder minder würden zurücktreten müssen. Der gute Wille allein reicht für die Lösung der schwierigen und verwickelten Aufgabe nicht hin. Dazu ist vor allen Dingen die eingehendste Kenntniß und Würdigung der die Gesammtlage bedingenden Einzel-Faktoren erforderlich, auf Grund derer allein das die divergirenden Tendenzen ausgleichenoe Mittel gefunden werden kann. Schon um deswillen ist an eine schnelle Abwickelung des egyptischen Liquidations-Processes vorerst nicht zu denken, womit übrigens nicht gesagt sein soll, daß die Verzögerung m eine Verschleppung ausarten müßte. Irren wir nicht, so dürfte schon eine nahe Gegenwart bestimmtere Anhaltspunkte hinsichtlich des egyptischen Zukunfts-Programms des Londoner Cabinets zu Tage fördern. ________________ Arabi Pascha. Der unglückselige Held des egypllschen Aufstandes, Arabt Pascha, ist zwar zur Zeit schon eine abgethäne Größe, ein gestürzter Prophtte, aber immerhin war sein Auftreten ein so eigenthümliches und sein Sturz ein so jäher, daß gewiß einige Aufklärungen über die Rolle, die Arabi Pascha gespielt hat, erwünscht fern werden. Daß Arabt Pascha ein aus dem niederen Stande der Fcllahs emporgekommener militärischer Machthaber war, der in den letzten Jahren seines Wirkens auch den Koran fleißig im Munde führte und aus diesem Religionsbuche der Mohamedaner die Begeisterung für seine Mission schöpfte, ist bereits so bekannt, daß es nicht näher erörtert zu werden braucht. Interessant bleibt nur noch, zu erfahren, was Arabi Pascha eigentlich wollte und mit welcher Thorheit er sein Werk auszuführen versucht habe. Es muß da zunächst hervorgehoben werden, daß Arabi Pascha kein gemeiner Bösewicht und auch kein gewöhnlicher mohamedanischer Fanatiker ist, sondern daß er tatsächlich in seiner Weise als ein egyptischer Patriot und deßhalb nur als ein poli- t'scher Verbrecher betrachte: werden muß Arabi Pascha ift auch an und für sich weder als ein Feind der Engländer, noch der Europäer zu betrachten, sondern er wollte nur die drohende Fremdherrschaft von Egypten abwenden und weil der Khedive bereits ein willenloses Werkzeug in den Händen der englischen und französischen Commission war, dachte sich Arabi Pascha seme Missten einfach dadurch gelöst, daß er mit Hülfe des ihm ergebenen egyptischen Heeres den Khedive absetzte und die seitherigen Einmischungen der Engländer und Franzosen in die egyptischen Staatsgeschäfte nicht mehr duldete. Im Besitze des Heeres, erschien Arabi Pascha, der sich mit feinen Getreuen natürlich selbst an die Spitze Egyptens stellen wollte, feine Mission ziemlich leicht und bis zur Zerstörung Alexandriens und des vorhergegangeneu Bombardements der englischen Panzerflotte halte Arabi Pascha höchst wahrscheinlich gar nicht mit der Eventualität eines Krieges mit England gerechnet, er traute dazu England weder das Recht, noch d e Mackt zu und hoffte wohl auch, daß der Sultan oder die übrigen Großmächte ein Vorgehen Englands in Egypten verhindern würben. Durch die englische Aktion war aber Arabi Pascha ganz aus seinem Himmel gefallen und das Bombardement von Alexandrien hatte mit dem gleichzeitigen Ausbruche des mohamedanischen Fanatismus Arabi Pascha in eine Rolle gedrängt, die er in dieser Weise nicht spielen wollte. Absetzung des Khedive und Einsetzung einer neuen, von dem Auslande unabhängigen Regierung war Arabi's Programm, aber auf einmal galt es einen Krieg mit England, auf den Arabi nicht gerechnet hatte und auf den er auch gar nicht vorbereitet war. Natürlich mußte er wohl oder übel gegen die Engländer kämpfen. Arabi Pascha und seine nächsten Rathgeber, wie Alt Fehmi, Mahmud Fehmi und Tulba Pascha haben sich auch ziemlich umsichtig benommen, aber das egyp- tische Heer war eben in keiner Weise auf einen Feldzug vorbereitet, denn die große Mehrzahl der Soldaten Arabi's war zusammengetriedenes Gesindel, räuberische Beduinen oder mit Gewalt zu Kriegsdiensten gepreßte Fellahs, die in kurzer Zeit nicht zu kampfgeübten und disciplinirten Soldaten gemacht werden konnten. Mit einem Heere von Ausreißern und Räubern konnte aber Arabi Pascha Egypten weder befreien, noch vcr- theidigen, und daß er mit solchen elenden Kampfgenossen sein Werk unternahm, das war sein gewaltiger Fehler und wurde zum Fluche seines patriotischen Unternehmens. Arabi Pascha war nicht im Besitze der nöthigen moralischen, intellectuellen und mate- Allgemeine 6200 Stets frisch gebrannte in den fein- schmeckenvsten Qualitäten, sowie rohe Kaffees in allen Sorten und Preislagen empfiehlt die Colonial- und Manusaclurwaaren-Handlung Ferd. Drehes.____ < ’m*! 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Vermischtes. — sEin lebendiger Blumenkorbs Man schreibt aus Paris: Man erinnert sich vielleicht noch, daß im oerfloffencn Winter ein Spaßvogel sich damit amüsirte, im Namen verschiedener Hausfrauen, die Gäste zu empfangen pflegten, Einladungen zu fingirten Soireen und Diners ergehen zu lassen. Der Mann scheint Schule gemacht zu haben, beim von verschiedenen Seiten meldet man Scherze ähnlicher Art Einer der letzteren spielte sich jüngst auf dem Schlosse von B. in der Normandie bei Mme. v. S . . . wahrend eines großen Diners ab, ohne daß der Schuldige eruirt werben konnte. Der übliche in der Mitte des Tisches angebrachte Blumenkorb war nämlich durch einen Igel ersetzt worden, den man vorher in einem von Eiswasser umgebenen Schaff zum Einschlafen gebracht hatte. Das Thier hatte sich zur Kugel eingerollt und diese war es, die man, über und über mit Blumen bestreut, als Blumenkorb mitten auf den Tisch gestellt hatte. Während des Diners nahm der Igel, durch die Hitze im Saale aus seinem Schlafe aufgeweckt, wieder seine gewöhnliche Position an. Wer beschreibt das Entsetzen und die Furcht der Gaste, als sich der Blumenkorb plötzlich zu bewegen begann und schließlich davonlief! Es entstand eine derartige Consusion, daß der Tisch umgeworfen wurde und mehrere Damen Nerven-Anfälle bekamen. Als die Hausfrau die allgemeine Flucht sah, fiel sie in Ohnmacht. uf- l®fne Schreckensbotschaft und ihre Folgens Wir entnehmen dem „N. W- Tagbl. folgende kleine Erzählung, welche vermöge ihrer ebenso einfachen, als tragischen Momente auch unsere Leserkreise tntereffiren dürfte. Genanntes Blatt schreibt: „Die Großmutter hatte wieder einmal ihren guten Tag. Sie ließ alle ihre Enkelkinder um sich grupptren, gebot Schweigen, damit sie eine „G'schicht" erzählen könne, und die Kinder hielten fast den Athem an und blickten mit wahrer Andacht zu der im hohen Lehnstuhl sitzenden alten Frau empor, die nach einigem Räuspern zu der, ach, wohl schon an tausendmal erzählten „Heldenthat" ihres Sohnes anhub: „Der Franzl, met’ Sohn, Euer Onkel," sagte sie zu den hochaufhorchenden Kindern, indessen die Mutter der Kleinen sich in einem Winkel des Zimmers verstohlen Thranen aus den Augen wischte, „der Franzl also, der jetzt bei den Kaiserlichen dient und brunt in Dalmatien dient, is a wahrer Held. Ich will Euch nur an anzig's Stück'l von eahm erzählen." Und die alte Frau erzählte ihren Enkeln eine Geschichte, deren Held wirklich ihr „Franzl" einmal gewesen war, und als sie geendet hatte, lehnte sie sich in ihren Stuhl zurück, schloß die Augen und beschäftigte sich im Geiste mit ihrem Llebling. Und eben trat ein Mann herein und überbrachte ein großes Schreiben. Die Tochter der Alten wollte den Brief hastig an sich nehmen und diesen verbergen, wie sie es in letzter Zeit schon mit so manchem Brief gethan, aber diese rief, daß das Schreiben an sie sei, folglich müsse sie selbst es zuerst lesen und das sogleich. Da half kein Protestiren. „Könnt' ja was Ersreulich's vom Franzl sein!" Die alte Frau blickte lange in das Schreiben hinein, plötzlich stieß sie einen Schrei aus, ihr Kopf sank auf die Brust und wie die Tochter schreiend auf sie zugeftürzt kam, war die alte Frau eine Leiche In dem Schreiben war die Aufforderung, daß Frau Theresia R. wegen der Kleider und der sonstigen Hinterlassenschaft ihres wegen Mordes an seinem Vorgesetzten durch die Kugel Hingerichteten Sohnes sich an das Platzcommando wenden möge. Ihr Liebling, ihr einziger Sohn, wegen Mordes hingerichtet! Was Wunder, daß bei dieser entjctzlichen Nachricht das Herz der Mutter brach!" Literarisches. Die von Sacher Masoch herausgegebene internationale Revue „Airs-er Höhe" hat schon im ersten Jahre ihres Bestehens jene Anerkennung in allen gebildeten Kreisen erfahren, welche sie durch die strenge Durchführung des sich zur Aufgabe gestellten erhabenen Programmes verdient. Die „Internationale Fremdenzeitung" in München urtheilt in ihrer Nr. 25 vom 17. September d. I. über diese Monatsschrift wörtlich wie folgt: „Als ein literarisches Unternehmen von der großartigsten, wichtigsten Bedeutung in der ganzen civilisirten Welt mutz die internationale Revue „Auf der Höhe" bezeichnet werden. Der Name des Werkes ist die Vorbedeutung. „Auf der Höhe" der Zeit befindet sich dieses Organ für Wissenschaft, Kunst und Literatur und zwar in einem so hohen Grade, daß cs allen Gebilbeten ohne Unterschied der Nation, des Standes und der Confession nicht warm genug empfohlen werden kann- Gleichzeitig muß beigefügt werden, daß sich in „Auf der Höhe" die ersten Geistes-Koryphäen Europas Rendez-vous geben und deren Beiträge die mterefianteften Ereignisse der Vergangenheit und Gegenwart in ungemem spannender und schöner Sprache nur das belehrende und unterhaltende Interesse hochhaltend^umfassen. Wir machen auf diese „Welten - Revue" im Hinblick auf die gute Sache, die wir hier vertreten, noch ganz besonders aufmerksam, zumal bet der heutigen Unzahl von ganz flacher Literatur derartig erhabene Werke sowohl in Bezug auf reichen Inhalt als billigen Preis nicht genug gepriesen werden können." Schiffsbericht. Mrtgttheilt von dem Agenten des Norddeutschen Llo yd in Bremen. C- W. Dietz Nachfolger, Gießen. Bremen, 28. Septbr. sPer transatlantischen Megrapb.J Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 13. September von Bremen und am 15. September von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 28. Septbr. Der Postdampfer Ober, Capt. C. Unbütsch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. September von Newyork abgegangen war, ist am 26 September 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmt n Passagiere, Post und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 128 Passagiere und volle Ladung. r Anzeiger. GIESS BU. G-IHSSBST. Dns Neueste für Herbst uni) Winter 6157 in Herren- 6 KnaMleidern ist in großartiger Auswahl vom Billigsten bis zum Elegantesten eingetroffen und empfehle zu entsprechenden Preisen. Frankfurter Waaren-Bazar. Neustadt G. Heustadt 6. 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