Str. 21. Mittwoch den 26. Januar 18*1 Kießener Wnzeiger Aa^eißk- «üb JitsMatt für Sen 6rri$ Kikftn. Nedactionsburean r ( , ,n , o ,Q Webitionlburcau: / e^ulftra6e B‘ 18 Erscheint täglich mit 'J!u&pa^irw des Montags. d vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vringerlohn. Durch du Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hl-ei l. Ä Gießen, am 24. Januar 1881. Betreffend: Da- Dlehverficherunz-wesen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen •« die Großherzoglicken Bürgermeistereien des Kreise». IBlr erinnern Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, an Erledigung der Verfügung vom 22. December 1880 (Sn,eiger Nr. 303). ___________________ Dr. Boekmann. Deutschland. Berti», 24. Januar. Die Zahl der in öffentlichen Blättern rc. als au-getrUen verfolgten und von den Gerichten als solche verurtheilten Militär- pflichtigen ist so groß, daß es angezeigt erscheint, darauf himuwtisen, daß ein großer, wenn nicht der größte Theil dieser Militärpflichtigen schuldlo- ist, da er zur Zeit seiner Gestellungspflicht überhaupt nicht mehr am Leben war. Es klingt daS seltsam, entspricht ober völlig der Wahrheit. -öS bestand nämlich weder für die geistlichen Klrchenbuchssührer, noch besteht für die weltlichen Standesbeamten die Verpflichtung, baC Ableben der in ihrem Bezirke geborenen Personen im Geburtsregister zu vermerken. Versterben dieselben aber außerhalb dieses Bezirk-, so erhalten die Archenbucheführer selbst nur selten Kenntlich von dem Ableben. ES werden daher massenweise in den Geburt-» listen, welche von dem Geistl-chen bis zum J^hre 1891 einschließlich, späterhin von den Standei beamten den stammrollensührenden Behörden einzusenden find, Militärpfl chttge aus^esührt, welche zur Zeit der Eilsendung dieser Geburts» listen längst verstorben waren. Wohnen nun die Eltern de- angeblichen Mill- täipflichtigen noch im Bezirke des Stamu.rollensührer-, so werden diese Todes- fälle bei hinlänglicher Aufme ksamkeit der Behörden noch ermittelt. Sind sie verzogen und ist vollend- deren Aufenthaltsort unvekannt, so werden die Todten Unerbittlich verfolgt. ES ist der Fall vorgekommen, daß ein Viertel der In der Geburisliste als lebend ausgesührten 17jährigen nachträglich al- tobt er- Mittel! wurde. Für die Folge wird zwar durch die Bestimmung im § 45, 7, b. der deutschen Wehrordnung vom 28. September 1875 dieser ILbclfianb sich verringern; allein vorerst gewährt ditse Dcfltmr ung, weil ohne rückwirkende Kraft, sowie wegen der großen Sterb.ichkett der Kinder gerade .n den ersten Lebensjahren kerne genügende Abhülse. Ohne die Verpflichtung der geistlichen und weltlichen Standesbeamten jeden Todesfall einer Person männ- ltchen Geschlechts unter 20 Jahren in dem Geburtsregister zu notiren, bezw. dem Standesbeamten des bekannten Geburtsortes mitzutheilen, werden die großen, alljährlich von den Landgerichten abgehaltenen Todtengertchre vorerst nicht aushören. Berlin, 23. Januar. Nachrichten aus Petersburg bestätigen, daß brr Friede in der kaiserlichen Familie wieder hergestellt ist. Der Thronfolger «nd se'ne Gemahlin laffen sich die zweite unebenbürtige Heirath des Kaisers gefallen, ohne daß von einer Äbdar kung des Kaiser- oder vvn einer Mitregent- schast dcS Großfürsten - Thronfolger- mehr die Rede wäre. Die Polit k Rußland- scheint in der That augenblicklich friedlich zu sein und sich ernstlich mit der Herstellung der Finanzen zu beschäftigen. Mit dem Deutschenhaß des Thronfolgers ist es nicht so schlimm, wie man öfter- befürchtet hat. Es ist wenigstens Thatsache, daß er ziemlich viele Deutsche in seiner Umgebung angestellt hat. — Übereinstimmenden Nachrichten der Blätter zufolge wurde in varla. mentarischen Kieisen ganz bestimmt hingestellt, daß der Rücktritt des Fnaiz- mimsteis Bitter binnen kurzer Zeit zu erwarten ist. AlS sein Nachfolger wird der Staatssecretär im ReichSjckatzamt Scholz b> zeichnet. Interessant ist die ebenfalls in parlamentarischen Kreisen mit größter Bestimmtheit auftrehnbe Nachricht, daß der Reichskanzler dem Führer der Conseroatioen, Abg. v. Rauchhaupt, das Portefeuille des Finanzmimsters angeboten, dieser es aber abgelehnt habe. Der Rücktritt des Finanzministers Bitter kann, wie weiter auS^esührt wird, durchaus nicht überraschen. Man wird sich erinnern, daß Fürst Bie- marck ursprünglich einen dauernden Steuererlaß in Ausficht genommen hatte, daß er aber auf diesen Plan verzichtete, alS Herr Bitter erklärte, daß man nicht übersehen könne, ob die Mittel für einen solchen dauernden Steuererlaß sich auch finden lassen werden. Damals schon tauchten Nachrichten con Diffe- renzen zwischen dem Reichskanzler und Herrn Bitter auf, doch scheint eß damals wenigstens vorläufig zu einem Ausgleich gekommen zu sein. Das schwan- fenfce und unselbstständige Verhalten Herrn Bittei's, welcher zuerst durch die Ofstciösen den Antrag Rchter, der materiell mit dem des Äbg. v. M nnige- rode übereinstimmt, bekämpfen ließ, sich bald aber zustimmend zu dem dems Iben zu Grunde liegenden Gedanken äußerte und fttzt den dauernden Steuererlaß sogar direct befürwortet, hat selbstverständlich den Fürsten anangmehm be rührt. Den Conservativen war Herr Bitter von i!L fang an nicht recht sympathisch, seine unbestimmten Äußerungen über seine Reformpläne, sem unsicheres Auftreten im Hause der Abgeordneten und in den Commissionen Vermehrten die Unzufriedenheit. — ES ist amtlich festgestellt, daß sich in Sachsen bei den slavomschen Drahtbindern der Fleckentyphus gezeigt hat. Es werben deshalb die nöthigen Maßregeln angeordnet; auch find alle Behörden angewiesen, aus die slavoni- schen Drahtbtrder und andere umherziehende Gewerbetreibende, sowie auf deren Gesundheit-Verhältnisse ein wachsame- Auge zu haben. ES reiht sich aber hieran auch die Frage, ob nicht allgemeine Maßregeln zu ergreifen sein wer- den, um die Gefahr der Verschleppung von Krankheiten zu verhütm. — Zu dem NlchtSwürdigften, wa- jemals ein in deutscher Sprache erscheinendes Blatt geleistet bat, gehört ohne Frage, daß das klerikale ^Vaterland" in München zum 21. Januar, zu dem Tage, an welchem vor zehn Jahren die bayerische Abgeordnetenkammer die Versailler Verträge genehmigte, mit einem Trauerrande erschien und der großen Thatsache der deutschen Einigung gegenüber ein kaiserliches Wort dahin zu travestiren wagte: „Welch' wunderbare Wendung durch Gotte- Zulassung." — Zum 1. Juli d Js. werden die Vereinigten Staaten von Columbien dem Weltpostverein beitreten. Dieser Anschluß hat in Folge besonderer Schwierigkeiten, welche in der Tranfitfrage bezüglich des wichtigen Verkehr- über die Landenge von Panama begründet waren, längere Verhandlungen erfordert. Im Weiteren ist der Bettritt Ch lis auf den 1. April d. IS. festgesetzt; auch sind verschiedene britische Colomen im Weltmeere zur Aufnahme bereits angemeldet. Der Verein wird aisdann ein Gebiet von rund 81,550,000 qkm mit etwa 783 Millionen Bewohnern umfassen. Außerhalb M verein- befinden sich jetzt nur noch Bolivien, Paraguay, einige minder bedeutende Republiken Central-Amenka-, das Capland und die australischen Colonien. „Meiner Ansicht nach", so sagt der Generalpostmeister der Vereinigten Staaten in seinem letzten Jahresbericht, dem wir diese Notizen entnehmen, „hat nicht- so sehr zum allgemeinen Frieden und zur Freundschaft unter den Völkern, zur Förde- rung der Civilisation, zur Verbreitung der Wahrheit und guter Grundsätze bei- getragen (wie ter Weltpostverein); er ist ein großer Schritt vorwärts auf der Bahn des menschlichen Fortschr-tts." Und er läßt diesen Worten alßbalb die That folgen, indem er einen Gesetzentwurf zur Einführung der Pak.tpost in den Vereinigten Staaten in A-sficht stellt, damit denselben der Beitritt zu dem vor Kurzem in Paris abgeschlossenen internationalen Vertrage über die Einführung des Paketpostdienstes in den Weltpostverein ermöglicht werde. Hesterreich. Wien, 24. Januar. Cardinal Kutscher hatte einen Schlaganfall. Sein Zustand ist bedenklich. tz-ugland. London, 24. Januar. D s britische Geschwader an den irischen Küsten wird durch zwei Kanonenboote verstärkt. Von Birmingbam ging eine Abiheilung Kavallerie nach Smallhent ab zum Schutze der Feuerwaffen Werk- stätte ;e^n etwaige Versuche, welche gemacht werden könnten, sich bet Feuerwaffen und der Munition darin zu bea ächtigen. Rußland. Petersburg, 23. Januar. Oificiell. Skobeleff meldet Nachts vom 15. auf den 16. Januar: N,ch genügender Befestigung unserer eigenen Positionen und de- Lager- erkämpftm wir Positionen zwanzig gaben von der feindlichen Mauer; alle hartnäckigen Versuche seitens des Feinde-, unS aus den neu eingenommenen Positionen h-rauszuschlagen, waren vergeblich. Am 16. J.nuar, Abend- 7 Uhr, überfiel der Feind mit feiner ganzen Macht unser Centrum und die linke Flanke, f st auf ter ganzen Strecke entstand ein hart- näck ges Handgemenge; der Feind wurde mit großem Verlust von unseren Trancheen abgeschlagen und bis über die F stungSwälle verfolgt, gleich nach zurückge'chlaaener Ärtate nahmen wir durch forttficationSartiqes Vorrücken durch Lapp-'ure, zweck-Verstärkung unserer Verthei' iaungSlinie, die Arbeiten wieder auf. Der Verlust der Russen: 1 Ofstcier 12 Soldaten tobt, 4 Officiere, 78 Solbaten verwundet. Die Trancheearbeiten sind schwer, well bas Belagerungs- Corps zehnfach geringer, als bie K äste bes Vertheibigers. Die Sappearbeiten dauern fort; der S-rppekopk befi-.bet sich 17 Faden von der Frstungsmauer. Am 17. I nuar betrug der Verlust der Russen 4 Soldaten tobt, 1 Officier, 17 Soldaten verwundet. Moskau, 24. Januar. Am Sonnabend begann bas Mtlitärkrei-ge- richt cen Proc^ß in Sachen des poli'ischen 22 Jahre alten Verbrechers Pekarsky. Derselbe wurde gestern zu 15 Jabren Zwangsarbeit verurtheilt; in Anbetracht der Jugend brs Verbrechers, welcher mehr der Versuchung erlegen, beschloß das Gericht, eine Strafmilderung von 4 Jahren Verbannung an einen entfernteren Ort Sibiriens beim Generalgouverneur in Moskau auszuwirken. Der Verbrecher stand in Verbindung mtt Hartmann. Telegraphische Depeschen. Waguer's telegr. Eorrespoudeuj-Bureau» Atew-Nork, 24. Jan. Die Berichte aus Süv-Jndiana und Illinois deuten an, tay die Waizenernte fast gänzlich mißrathen sei. Lvubou, 24. Januar. Dle „Times" bespricht die griechische Frage und sagt, so lange kein offener Bruch zwischen Griechenland und dcr Türkei eingetreten, seien Unterhandlungen noch möglich. England werde seine freundlichen Dienste beiden Parteien nicht versagen und an einem Kriege unter keinen Umständen sich betheiligen. — Der bi-herige Frost ist in allmältgeS Thau- Wetter übergegangen. Kinderbettelei. Es ist Thatsache, daß die Verwilderung der Jugend in den letzten Jahren in bedenklicher Weise um sich gegriffen hat. Vor 50 Jahren gehörte ein im Kmdesaller stehender Selbstmörder oder Verbrecher zu den größten Seltenheiten. Heute sind fast täglich Berichte über jugendliche Verbrecher und Selbstmörder in den Spalten der Zeitungen zu lesen. Diese Verwilderung der Jugend mag einestheils in der aus Genuß- ftrcht hinarbeitenden materialistischen Zeitrichtung, die sich auch der Jugend mittheilt, und in der Vernachlässigung der Erziehung ihren Grund haben, anderntheils ist nicht zu verkennen, daß die Kinderbettelei an der Verwilderung der Jugend ebenfalls mit Schuld trägt. Seitdem in Stadt und Land zahlreiche Vereine gegen Bettelei gegründet wurden, hat diese Bettelei allerdings etwas nachgelassen, man gibt den Kindern wenigstens kein Geld mehr, aber Brodspenden werden noch genug verabreicht. Es ist vielfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß Kinder aus der Stadt und den umliegenden Ortschaften von ihren Eltern auf den Bettel geschickt werden oder wohl auch auf eigene Faust Bettelreisen unternehmen Meistens sprechen diese Kinder um Brod an und die mitleidigen Hausfrauen können sich nicht entbrechen, Brodspenden zu verabreichen Man überlegt dabei nicht, daß im Allgemeinen schon der cm vagirendes Leben bedingende Bettel auf die Gesittung der Kinder einen schädlichen Einfluß ausübt Mau überlegt nicht, daß durch das Betteln den Kindern Gelegenheit zum Stehlen geboten und der Grund zu Verbrechern gelegt wird. Man überlegt nicht, daß die Kinder in vielen Fällen des Brodes gar nicht bedürftig sind, sondern mit demselben Handel treiben, um den Erlös dann zu vernaschen. Man überlegt endlich nicht — was die Hauptsache — daß die Kinder durch Verabreichung von Gaben auf das Betteln als einen lucrativen, mühelosen „Erwerb" aufmerksam gemacht werden und das Bettelgeschäft, wenn sie erst groß geworden, im Großen fortsetzen. Möchte jede Hausfrau unbekannte Kinder, welche um Geld, Brod rc. betteln, abweisen, und lieber an Hülfs- vereine oder Antibettelvereine verweisen, damit die Familienverhältnisse von denselben untersucht und nicht förmliche Bettlerschaaren groß gezogen werden. Viele der Eltern bettelnder Kinder begünstigen leider den Bettel, ja halten ihre Kinder dazu an. Beispiele liegen uns vor, daß Kinder, bevor sie nicht em bestimmtes Quantum zusammengebettelt hatten, aus Furcht vor Schlägen nicht nach Hause zurückzukehren wagten. Exemplarische Strafen müßten auf solche systematische Erziehung zum Bettel gesetzt sein. In einer der letzten Vorstandssitzungen des Dresdener Vereins gegen Armen- n»th und Bettelei wurde ein Fall erzählt, der recht deutlich illuftrirt, wie traurig es mitunter mit der Kindererziehung bestellt ist. Ern Dresdener Bürger wurde in später Abendstunde von einem Knaben unter der Angabe angebettelt, daß er nicht eher schlafen gehen könne, bis er nicht sein Schlafgeld zusammen habe. Unserem Gewährsmann erschien die Sache nicht recht glaublich und er erkundigte sich des Näheren. Leider war die Sache nur zu wahr. Der noch schulpflichtige Knabe war von seinem Vater, der sich werweiß wo die Nacht Herumtreiben mochte, in eine Herberge gewiesen worden und mußte sich sein Schlafgeld erst durch Betteln verdienen! Wo bleibt die Reinlichkeit, die Gesundheit eines solchen Kindes, wenn es auf schmutzigem Lager m übelriechenden Pennen, unter der Ausdünstung zahlreicher anderer Schlafgenossen seine Nachtruhe abhält? Wo bleibt die geistige Ausbildung des Kindes, wo macht dasselbe seine Schularbeiten? Wo bleibt vor allen Dingen die Moral, wenn ein noch schulpflichtiges Kind in Gesellschaft erwachsener Personen der niedrigsten Volksklassen die Nacht verbringt? Gegen solche unnatürliche Eltern müßte durch Entziehung der Kinder, durch Unterbringung derselben in Anstalten vorgegangen werden. Ebenso müßten Herbergs- wirthe unter Androhung von Strafe angewiesen werden, solche Fälle, wie den mit- getheilten, zur Anzeige zu bringen. Lokales. Gießen, 24. Januar. Der Ortsvorstand von Lang-Göns hat sich nachträglich entschlossen, auch die Kosten für die UniformSktttel der freiwilligen Feuerwehr auf die Gemeinde- kasie zu übernehmeu. Gestern erfolgte hiernach die Wahl der Führer und Vorstandsmitglieder unter Betbetligung von 72 bei insgesammt 75 Mitgliedern. Zum Hauptmann wurde Herr Zimmermetster Kiefer, zu seinem Stellvertreter ist Herr Mohr gewählt, beide mit großer Mehrheit. Auch die weiteren Wahlen ergaben tüchtige Leute, so daß, wie wir wohl mittheilen dürfen, der Herr Bürgermeister uns erklärte, das Wahlergebniß entspreche ganz den Wünschen und Voraussetzungen des Gemetnderaths. Erwähnt mag noch werben, baß die Nackbcn- kameradschaft Heuchelheim eine zahlreiche Deputation zu dem wichtigen Act, bczw- zur Begrüßung der jungen Feuerwehr abgeordnet hatte. Wie die Gründung der letzteren so rejultirt auch die ausnahmslose Feuerversicherung aller bisher noch unversichert Gewesenen von den beiden neulichen Bränden. So hat die Frevelthat eines unglücklichen Jungen segensvolle Frucht gezeitigt. Aber das Gute wird auch fortzeugen und wir dürfen demnach hoffen, in Kürze andere Orte dem guten Beispiel von Lang Göns nachfolgen zu sehen. Gießen, 25. Januar. fPolizeibericht.j Das Personal der hiesigen Schutzmannschaft besteht bermalen aus 14 Maun. Einer derselben versteht ständig Burcaudienst auf dem Polizeibureau ; verbleiben also factisch nur 13 für den äußeren Polizetbienst. Diese 13 Schutzleute baden im Jahre 1880 im Ganzen 2446 Patrouillentage und 1806 Patrouillennächte gehabt und ist die Mannschaft während dieser Zeit bet Ersteren 15143 Stunden und bei Letzteren 6006 Stunden gegangen. Der Wachtdienst auf der Polizeiwache vertheilt sich auf das Personal mit 5212 Stunden Wache bei Tag und 2196 Stunden bet Nacht Ferner hatte das Polizetpersonal 5124 Stunden Posten zu steben, 2562 Stunden bei Bahndienst, 2821 Stunden im Sectionsdtenst, 96 Stunden im Tbeaterdienst, 996 Stunden bei Jahrmärkten, 104 Stunden bei Tanzbelusttgungen und 9 Stunden bei Volksversammlungen au- zubrtngen, also im Ganzen 40269 Dürststunden. Von diesen 4U269 Dtenststunde» erhielt der einzelne Mann im Durchschnitt 3097 Stunden oder 258 Stunden im Monat und 8% Stunden vro Tag. welche sich zu 4/ QUf den Tag- und Vs akf den Nachtvienst verthetlen. Dienstfreie Tage hatte das Personal 366 und beurlaubt war es 42 Tage. Der Gesundheitszustand des Personals war ein sehr günstiger zu nennen, da nur IS Krankentage in dem angegebenen Zeiträume zu verzeichnen sind. Es wurde ferner vom Polizetpersonal besorgt: 762 polizeiliche Ladungen, 2131 Briefe, 11455 -vteuerzettel, 1722 AnfordrrungSzrttel, 545 Militärorbres, Impfscheine für Jmpfpstich- tige 136, Umfragen wurden abgebalten über gestohlene Gegenstände bei Pfandleihern und Trödlern rc. 123, Vernehmungen bei Gericht 271, Verfügungen wurden zugestellt 1012, Ermittlungen wurden vorgenommen 334, AuSschreiben und Transporipapiere wurden besorgt 601, 366 Einquartirungen wurden angesagt, 133 Revisionen vorgenommen, 65 Personen wurde» vorgeführt und 138 Meldungen erstattet. Arretirungen wurden im Jahre 1880 vorgenommen 1517, und zwar: 901 Bettler, 75 Obdachlose, 41 wegen Ruhestörung, 90 wegen Trunkenheit, 64 Prostituirte, 8 wegen Widerstand, 79 wegen Diebstahl, 19 wegen Betrug und Unterschlagung, auf Rcquifition der Gerichte 80, sonstige Verhaftungen 99 und Schulkinder 61. Anzeigen erfolgten in sanitätspol,zrilicher ßHtnsicht 206, sicherheitspolizeilicher 2918, sittenpolizeilicher 437, gewerbepolizeilicher 175, straßenpolizeilicher 661, wegen Vergehen gegen dre Baupolizei 33, Feuerpolizei 68, Feldpolizei 3, wegen Struerdefraudation 78 und Octrot- Defraudationen 34. Summa sämmtlicher Anzeigen 4603. — Vorgestern Abend, (24. Jan.) etwa 3/* $ Uhr, sah man von der Wieseckbrücke aus (Seltersweg) sehr deutlich ein nickt sehr weit von dem Horizonte entferntes, von West nach Nord abwärts fallendes Meteor das sich von den gewöhnlichen Sternschnuppen durch die Größe und das grünliche Licht wesentlich auszeicknete._________________________________________ Vermischtes. — Daß „Berliner Tageblatt" schreibt: Don der aus 8 Personen bestehenden Eskimo gruppe, welche uns im letzten Herbst hier im Zoologischen Garten von Hagenbeck vorgestellt wurde, lebt leider kein Haupt mehr. Nachdem bereits in Deutschland 2 Frauen und 1 Kind rasch dahin starben, und zwar das letztere an den Pocken, während die Todesursache der beiden Frauen nicht klar constattrt werden konnte, drang die Polizeibehörde von PariS, wohin die Leute zuletzt gebracht worden waren, darauf, daß dieselben geimpft würden. Die Impfung wurde zweimal ohne Erfolg vollzogen, die Menschen erkrankten, ober trotzdem (die Gegner der Impfung werden sogen in Folge deffen) und starben nach wenigen Stunden, zuletzt vor einigen Tage» die Frau des Abraham und zwar alle, wie von Pariser Aerzten constattrt ist au den Pocken, die jedoch nicht heraußgetreten sind. Die Erkrankung dieser zuletzt Verstorbenen und ihr schnelles Ende gingen unter denselben Erscheinungen vor, wie bei den in Deutschland verstorbene» heidnischen Frauen, so daß anzunehmen »st, daß auch diese an den Pocken verstorben sind. AuS diesem traurigen Beispiele ist zu ersehen, wie reißend schnell Naturvölker dahmgerafft werde» können, sobald eine unserer Seuchen sie erfaßt. Herrn Hagenbeck der allen den von ihm in den letzten Jahren uns zugeführten Naturmenschen aus dem Norden und Süden Osten und Westen stets väterlich zugemigt war. hat dieser traurige Fall so erschüttert, daß er, wie uns mitgelheiit wird, entschloßen ist, baS Zuführen derartiger „ethnologischer lebender Bilder" gänzlich aufzugeben. Heubach. Hier geht das Gerücht, daß ein hiesiger Bürger bei einem Handelsmann aus einem Nachbarorte ein Darlehen von 50 X nachgesucht und zur Empfangnahme beS Geldes in das Haus des HandelßmanncS noch dort bestellt worden sei. Vvr Auszahlung des Darlehens wurde dcr Darleiher und der Geldempfänger einig, daß der Schuldschein auf 70 X ausgestellt werde und so geschah es auch — Aber der Schuldner ging an's Gericht und zeigte die Sache an. Der Gläubiger, an das Gerickt geladen, erklärte hier, daß der R N. aus Heubach ihm gar nichts schuldig sei. Das Geschäft hatte somit umgekehrte Wirkung. Wohl bekomms! — Wie s in Irland aussieht, schilderte in diesen Togen der katholische Priester Harrington vor Gericht. In der Grafschaft Kerry, sagte er, sind die Schuppen in Brand gesteckt, Kühe und Pferde verstümmelt, Heu und Torf zerstört, Drohbriefe gegen daß Leben von Menschen umhergesandt worden. Zwölf bis 14 Familien leben bei uns in steter Todisfurcht. Sie haben in Eile den in einiger Entfernung aufgejpeicherlen Torf in ihre Behausung gefahren, desgleichen die Schindel- und Strohdächer der Nebengebäude. Tag und Nacht wackcn sie in dieser strengen Jahreszeit über ibr Eigenihum. Männer und Frauen muffen beständig um die Viehställe und Heuschober herum von der Abenddämmerung bis zum borgen auf dcr Hut sein. Seit vier Wocken ist in keinem Hause deS Dorfes das Licht ausgelöscht worden. Nacht um Nacht hört man dos Schmerzgebrüll des gemarterten Viehes; das Feuer des Brandstifters loht unter den Augen der Polizei auf; Niemand aber kann vor Gericht gebracht werden. Wenn ein irischer Priester dies sagt, so muß der Zustand entsetzlich fern. — Ein Berliner Schaufenster trägt das viele Schaulustige anziehende Plakat: „Schleuniger Ausverkauf wegen UmzugS nach Jerusalem." Handel und Verkehr. Gießen, 25 Januar. Auf Dem heutigen Wockcnmarkte kostete: Butter per Pfd, X 0.80 bis JL. 0.95, Hühnereier 1 Stück 7—0H, 2 St. 00 H, Gänseeier 1 St. 12—13 H. Käse per Stück 5—8 H, Käsemade per Stück 3—0 Etv'.en 1 Liter 22 H, V.:nren 1 Liter 25 Tauben das Pa r 100—00 H, Hühner p. St. X I 00—1 50, Hadnen p. St. 1.50—1.70, Gänse pr. Pfd. 60—66 Enten per Stück X 1.50—2 00, Ochsenfletsch 66 i 0 H per Pfd., Äul? und Rindfleisch 45 -50 Kalbflei ick 4a- 50 H, Hammelfleisch 50 66 Schweinefleisch 68—00 ,A, Kartoffeln ver 100 Kilo X 4.00—0.00, Zwiebeln p. 6tr. X 9—10, Milch per Liter 16 und 18 Weißkraut 100 Stück X 4.00—5.00. Frankfurt. 24. Januar. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 X 39, Nr. 2 X 37, Nr. 3 X 32, Nr. 4 X 2x, $Rr 5 X 25, Roggenmehl % (Berliner Marke) X 30 50—31, do. I (Berliner Marke) X 29.00-00.00, do. II (Berliner Marke) X 24.00—00.00. Wetz« effectiv hiesiger ab Bahnhof hier X 22.25 75.00, ab unserer Umgegend X 22.25—22.75, do. fremder je nach Qualität X 22.25—75.00, Roggen, je nach Qualität X 21.25—00.00, Gerste X 16.75 — 18, Hafer X 13 50—15, Kohlsamen X 27.00—28, Erbsen X 19—27, Wicken X 16—18, Linsen X 20 — 40, Bohnen, weiße, X 23—25, Roggenkleie X —, Weizenkleie, grobe und feine X —, Rüböl, detail, X 64. Stimmung ruhig. Hauptsächlich gefragt war: —. Dringend offerirt: —. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo.) Frankfurt, 24. Januar. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angctrieben waren ca. 360 Ochsen und Stiere, 360 Kühe und Rinder, 240 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 66—68, 2. Qual. X 60—62, Kühe und Rinder 1. Qual. X- 54 — 56, 2. Qual. X 48 — 50, Kälber 1. Qual. X 58 2. Qual.—60* 50 —52, Hämmel 1 Qual. X 54 — 55, 2. Qual X 40—50 per 100 Pfd. Schlacht' gewicht. Sckweine je nach Qualität das Pfund 66—00 Bei Attseiyen. wie Geschäfte-, Grundstücks - Aa - und Verkäufen, Stellen - Angeboten und -Gesuchen, sowie in den sonstigen vielen Fällen, wo Inserenten Bedenken tragen, ihren Namen in den Zeitungen tu nennen, nehmen Offerten von Reflectanten an ihrer Stelle wir entgegen und stellen ihnen solche am Tage des Eingangs uneröffnet zu. — Auf Gr uni langjähriger und vielseitiger Erfahrungen ertheilen wir Rath bei Abfassungen van Anzeigen und der Wahl geeigneter Blätter — Verschwiegenheit streng beobachtet. HAASEASTJEI1V «V VOGLER, Annoncen - Expedition, 603 Frankfurt a. M. Karlsruhe. Stuttgart. München u. a. O. Nassauer Loose (Ziehung am 1. Februar er.) Gämnrtliche gtaffanct Loose muffen innerhalb 7 jährlichen Ziehungen welche am 1. Februar 1881-1887 stattfinden, gezogen werden. Gewinne hierbei von fl30,000, 80,000, 20,000, 15,000, 10,000, 6000 k rc. Niedrigster Gewinn ft. 46. 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Sin „Huvjiig* da rang gratis u. frnnro. 549) Die Beitreibuug von Ausständen, Anfertigung von Klagen, Gesuchen und Bittschriften wird pünktlich gegen geringe Vergütung besorgt von Ph. Maurer, Mühlgasse Lit. D. 81. Theater io Giessen. (Cafe E,eib). Mittwoch den 26. Januar: 3. Probevorstellung. Der Veilchenfresser. Lustspiel in 4 Acten von G. v. Moser. 608) J. C. Schubert. WHBOHnMH» 28/1 81. 8 M. Ab. M. W. 1 Gr. " § Berantwortliche Redactton: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Univ.-Druckerei lFr. Ehr. Pietsch) in Gießen.