Nr. 301 Zweites Blart Sonntag drn 25. December 18N i. Kichener HtnMger Ailfkigk- unii Imkjblull für hcn Kreis Gießen. Vureau r Schulfiraße B. 18. Erscheint täglich nut Ausnahme bei Montags. Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Vrinyerlobn. Durch bic Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pj. Einladung pini Abonnement auf den Gießener Anzeiger, Amts- unö Jlii jriflcfjfall für öen Kreis fließen. Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen,L incl. der Beilage „Gießener Familienblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. ^43 Der Abonnementspreis für den Anzeiger , frei in's Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20 Pfg.; in der Expedition abgeholt 2 Mark; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, beträgt derselbe 2 Mark erd. Postgebühr. Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im I. Quartal 1882 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasten. *$5 Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, um '^vollzählige Exemplare liefern zu können. Die ^^pedition. Amtlicher Hheil. B c f a n n t ui a ch u n g. Betreffend. Die Prüfung der Bewerber um Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst im Frühjahr 1882. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen sich der im Frühjahr 1882 stattftndenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. Februar 1882 bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt: 1. DaS Gesuch ist bei der unterzeichneten P rüfungsCommission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großher. zogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulastung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a) Geburts'Zeugniß; b) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen; c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei-Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d) einen selbstgeschriebenen Lebenslauf. Zu pos. b. wird noch besonders darauf bingewiejen, daß in dem Einwillizu.igs-Atteü die Erklärung des Vaters oder Vormundes, daß er in ber Lage sei, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unrerhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des VaterS oder Vormundes beglaubigt sein muß. 5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich 6. Ist^berms^früher ein"Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholten. Uebtr bie an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. - L Theil der Wehr- Ord vom 28. September 1875 — Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß. . Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, m welchem die Prüfung stattfinder, erfolgt ev. weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 17. December 1881. * . . ... Grohherzozliche Prüfungs - Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Groß. Berlin, 22. December. AuS den Aufstellungen des kaiserlichen statt- Micken Amtes über die Production der deurscken Sis-n. und Stahl-Jndustne von 1878 b s 1880 inlnedmen wir nachstehende specull die Arb iterrerdälkn^ffe belr-ffende Daten : Cs waren im Sisenrrzb-rgbau b-lchältigt 1878 : 27 745, 1879 - 30 192 1 880 : 35 814 Arbeiter; v- der Roh« stuproductwn 1878: 16202 1879:'17,386, 1880: 21,117 A'b'iter; n Ler Si-nguß««» 31,769, 32 625 35 667 in den resr. Jahren, in den Schwede s.nwerkeii 1878 : 4o 695, 1879 49 159 1880: 51,185 Arbeiter; in ten Flußeisenwerken waren be> f*Äftiat 1878: 14,562 1879: 15,172, 1880: 20,116 Arbeiter. Im Gan,,n Hellt nck die Steiaerung seit 1878 auf fast 30 xCk. selbstverständlich ist dab unter solchen V-thältuiffkn die Production d.deulend gestiegen ,st und dast auch di« Lohnverbältnlffe der Arbeitrr fick wesen,l,ch b-ff.r gestaltet haben, indem auck das P-rd,erst d.s Arbe ters höher bemeficn w-rden konnte. L° 305 tlnd) dos ganee Reick veriheilte 6 ft hüttenwuke, ®:tBertitn und Lschinenbauanstalten im Januar 1881: 155,816 Arbeiter mit 10.199,930 x Mcnatslohn beschäftigt, während im entspr-chend-n Monat des Doi;ahres nur ,34 652 Arbeiter mit 8,237,049^. Monatsverdierst vorhanden waren. D-n>> nach war d7- Zabl der Arbeiter tm 21 164 = 15 7 pCt. der Arbeitsverdienst per Monat um 1,962,881 = 23,8 pCt. gestiegen. Im Januar 1879 verdiente durchschnittlich, also mit Einschluß der jüngeren und geringer bezahlten Arbeitskräfte, em Arbeiter monatlich 61,16 oft, tm Januar 1881 dagegen 65,46 JL — Innerhalb der kleinen socialdemokratischen Fraktion des Reichstages finden jetzt, wie die „fcöln. Z a.- meldet, Verhandlungen statt, ob nicht eines der jüngeren Mnglieder fein Mandat niederlegen solle, um Bebel, dem das Maldeur pasfirt ist, in vier Stichwahlen zu unterliegen, einen Platz tm Parlament zu verschaffen, wo seine Parteigenossen, wie erst die neuliche Debatte über das Socialistenzesetz gezeigt hat, ihn nicht entbehren können. Die Schwie- rigkeit ist nur die, baß die sämwtlichen socraldemokratischen S'tze diesmal erst in engeren Wahlen erkämpft find, daß also kein Wahlkreis für absolut sicher gehalten werden kann, io daß man ihn ohne Gefahr den Chancen einer Neuwahl nuLsktzen könnte. Wahrscheinlich wird Geiser, der Schwiegersohn Lieb- knecht'S für Chemnitz refigniren. — lieber die Anwesenheit dir türkischen Special-Gesandtschaft tn Berlin, welche dem deusLen Kaiser den hohen türkischen O^den überbrachte, sind die abenteuerlichsten Gerüchte, besonders von englischen B ättern, verbreitet worden. So he ß^ cs z. B-, daß der Abschluß erneS Bündnisses zwischen Deutschland und der Türkei angestrebt werbe und was dergleichen Nachrichten mehr waren, deren Unwahrheit auf den ersten Blick etnleuchtete. Die Gesandtschaft verläßt jetzt Berlin und heißt es nun, daß das einzige praktische Resultat darin 6er standen habe, einige deutsche Beamte für den türkischen Staatsdienst zu g'.Winnen. — Der zehnte deutsche Handelstag hat sich bekanntlich bei seinem jüngsten Tagen in Berlin für daS Project einer Weltausstellung in Berlin mit großer Majorität ausgesprochen. Der Wille war gut und wohl mancher jetzt trübselig dreinblickende Geschäftsmann hoffte auf guten Erfolg daraus und daraus, daß die Regierung deS deutschen Reichs dem befürworteten Wunsche Folge leisten werde; aber es scheint anders kommen zu sollen. Es verlautet nämlich, daß die Reichsregierung eine internationale Ausstellung in Berlin wenigstens für da« laufende Jahrzehnt nicht für opportun ansehe. Lokales. Gießen, 24. Dezember. (Sitzung der Stadtverordneten vom 22. b. 2D?t6.J Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Kelter und Heß, von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst. Gail, Grüneberg, Hanstein, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Vogt, Wenzel und Wort mann. — Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt Herr Bürgermeister ©ramm der Versammlung das Ableben des ältesten Ehrenbürgers der Stadt Gießen, des Hrn.Prälaten Dr. Simon mit, dessen Andenken man durch Er- heben von den Sitzen ehrt. — Zu Punkt 1 der Tagesordnung kommt ein mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz auf Grund der Art. 353 und 38 der Gewerbeordnung ausgearbcitetes Reglement über dcn Gewerbebetrieb der Gesindcverdinger zur Vorlage. Dasselbe enthält u. A. Bestimmungen über den Gebrauch der von den Gesindeverdingern etnzuführenden Geschäftsbücher, in welche sowohl b;e Namen der Dienstiuchenden als auch ber Dienstbotensuchenden einzutragen sind, feiner Vorschriften über die polizeiliche Con- trole der Bücher, Aufbewahrung derselben, Einreichung der Gebührentarife rc., sowie die gesetz ltchen Strafbestimmungen, welche in Anwendung zu kommen haben bet unrichtiger Führung der Bücher, Verletzung des Tarifs, Verleitung zum Wechsel des Dienstes u. s. w. Das Reglement, welches am 1. Januar 1882 in Kraft tritt, wurde genehmigt. — Von dem Bureau des Reichstages ist seiner Zeit ein Schreiben hierher gelangt, in welchem mitgetheilt wurde, daß die von Gießen auS eingereichte Petition in Sachen der Straßburger Tabaksmanufacrur in der abgefchlosienen Session des Reichstages nicht mehr zur Vorlage gekommen und nach der Geschäftsordnung des Reichstages als erledigt betrachtet worben sei so daß dieielbe bei einer neuen Session auch wieder von Neuem eingeretcht werden müsie, wenn sie zur Vorlage kommen soll. In Rücksicht darauf wurde diese Angelegenheit bis zur Eröffnung des neuen Reichstages vertagt und heute beschloffen, von einer erneuerten Eingabe abzusehcn, da dieselbe jedenfalls auch in der laufenden Session, welche höchstens bis Ende Februar bauern dürfte, nicht mehr zur Vorlage kommt, überhaupt bk Tabaksteuer- unb Monopolfrage für eine spätere Session in ber jeweiligen Legtslaturpertobe vorgesehen ist. — Auf besfallstgen Antrag ber Schuldirection wirb die Turnhalle der höheren Mädchenschule jetzt mit Gaseinrichtung versehen werden; der Posten wirb genehmigt. — Die vorgeschlagene Bezeichnung einer Anzahl Gaßlatcrnen als Richtungslaternen wirb genehmigt, vorbehältlich weiterer btcsbezüglicher Vorschläge. — Der Voranschlag pro 1882/83 wird vorgelegt unb werben die Herren Stadtverordneten, welche in Betreff der in der Etaisper obe vorgesehenen größeren Bauarbeiten Vorschläge zu machen gewillt sind, ersucht, ihre Anträge zu stellen. — Aus dem Voranschlag ber Plock'schen Stittung pro 1882/83 ist ersichtlich, baß in Einnahme unb Ausgabe je JL 4463.97 voraeseben sind unb das Gesammtvermögen derselben incL Grundstücke ca. i00,000 beträgt. Der Voranichlag wird genehmigt. — Eine Eingabe mehrere. H.ußbcsiher neben dem alten Rarbhause welche -um Schutze ihrer Häuser vor von dem Rathhause herabfallenden Schnee's, Zleqeln u s w sog. Schneefange angebracht wissen wollen, war die Veranlassung zu eingehender Besichtigung gen. Uebelstandes. Der deSbalb vom Stabkbauamte vorgelegte Bericht constat,rt jedoch baß auch ein Theil des Rathhauses durch Scknee u. s. w. von den Hausern der Petenten der Beschädigung ausgesetzt ist und die Genannten dieselben Vorkehrungen auch an ihren Häusern zu treffen hätten. Da vteselbm sich jedoch weigern, die« zu thun, wird dem Anträge der Bau- deputatwn beigetreten, welche empfiehlt, so lange mit der Anbringung von Schneefangen auf dem Rathhause zu warten, bis die Nachbarn solche auf ihren Häuiern angebracht haben. - In Betreff der Pflasterung der Wetzstetnsgesse b.s an die Neustadt wird auf bes- falls gestellten An'rag beschlossen, mit der Ausführung b-r Pflasterung noch 1 Jahr zu warten. — Die Baugesucke von Fr. Senner «Errichtung eines Neubaues in der Gart-^straße), Gcschtrrhandler PH. Wagner (Errichtung eines Ladens auf dem von ihm gepachteten Terrain vor seinem Hause), Weißbinder PH. Schäfer ^Neubau eines WobnhauseS 'm Wode'schen Garten), Carl Schnei d er (Errichtung eines Stalles), Weißbinder L. Hetlmold (Errichtung einer Einfriedigung und eines GartenhäuschenS), Aiststenten Fr. Greiner (Errichtung cmer Einfriedigung), G. Brömer (desgl.) werden genehmigt. — Eine Credittordecunz von 1400 zur Herstellung von Wegen unb Anlagen auf dem Friebhofe wirb zur Einstellung in das nächste Bubget genehmigt, eine Anzahl Kostendecreturen erlebigt. — Geheime Sitzung. Vermischte ». Marburg, 21. December. Das neueste „M -W " meldet: Vom 1 April 1882 w >d das lauenburgische Jägerbataillon Nr. 9 von Hagenau nach Ratzeburg zurückverlegt werden. Gleichze'tig wird zu demselben Termin das hessische Jägerbata'lloN Nr. 11 unter gleichzeitigem Uebertritt in den Verband des 15. Armeekorps von Marburg nach Hagenau und das zweite Bataillon des hessischen Füsillerregiments Nr. 80 von Fulda nach Marburg verlegt worden. Biedenkopf, 17. December. In der gestrigen Kreistagssitzung stand neben anderen Gegenständen laufender Art auch die Eisenbahn Lollar Glad nbach auf der Tagesordnung. Bekanntlich steht der staatsseit ge Ausbau dieser Bahn tn Aussicht, falls seitens der Interessenten das dazu erforderliche Gelände unentgeldlich gestellt und etn Baarzuschuß von 50,000 X geleistet robb. Es sind die drei Kreise Biedenkopf, Marburg und Wetzlar hierbei interessirt und wird cs sich fragen, wiche Stellung die beiden letzteren hierzu nehmen werden. Dem Vernehmen nach lehnen dieselben es ab, euren Beitrag zu dem Baarzuschusse zu leisten; der Kreistag in Marburg bat in der gestern stattgefundcnen Sitzung jegliche Leistung zu dem fraglichen Prostet abgelehnt und scheint somit sehr wenig Aussicht auf R"alisirung desselben vorhanden zu sein, obgleich der hiesige Kreistag sein Möglichstes zu thun früher bereits beschlossen, d. h. zu fraglichem Zwecke Mittel b's zu einem gewissen Betrage auf dcn Kreis übernommen batte, die aber bei den bekannten Verhältnissen unseres Kreises doch nicht so bedeutend sein können, daß damit, selbst wenn man die eventuellen Zuschüsse von Prrvat- Jnteressenten mit in Rechnung zieht, die auf die Kreise Marburg und Wetzlar er- fallenden Leistungen — letzterer wird eventuell das Gelände stellen — mit gedeckt werden könnten ' (H. y.) Ieitzevotenes. 5886) Die Herrn OScar Walter in Frankfurt a. 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