Ne. 14. Dienstag den 18 Januar 1881. dritter Wütiger Amtigk- Hüb Amtsblatt für brn Kreis Gießen. RedactionSbueeau: VxpediiionSbureau: j Schulstraßc B. 18. Ei-fchcint tätzlrch mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher Hheil. Bekanntmachung. Nachstehendes Ausschreiben Großherzoglichen Ministeriums des Innern bringe» wir hiermit zur Kenntniß des handeltreibenden Publikums. Gießen, den 15. Januar 1881. Großherzogliche Handelskammer Gießen. Ed. Silbereisen. Darmstadt am 31. December 1880. Betreffend: Aendrrung des Eichstempels auf ten im Sptrttushandel gebrauchten Fässern. Das Moßhcrzogiiche Jllmtflertum i)es 3imerii unh öer Justiz an die Grofiherzoglichen Kreisamter. In verschicderen Gegenden des Re chS ist es bet dem SpirltuShandel Gebrauch, daß der Käufer dem Breuneretbesitzer geeichte Fässer liefert, welche zur Empfangnahme und Abnahme des Spiritus bestimmt, gleichzeitig als amtlich festgestelltes Maaß für die Bestimmung der zu bezahlenden Sptritusmeuge dienen. Hierbei ferne t es nach den gemachten Beobachtungen N'cht selten vor, daß in den den Gebinden aufgebrannten Eichstempeln die letzte oder auch die beiden letzten Ziffern der Raumgehaltsangabe durch Abhobeln radirt und durch neue, niedrigere Ziffern ersetzt find, so daß der Käufer in jedem einzelnen Falle der Virwei bin g der Fässer mehr Waare erhält, als er vertragsmäßig zu beanspruchen hat und demnächst bezahlt. Daß fast cll" derartigen Fällen der Aendeiung des Eichstempels eine rechtswidrige Absicht zu Grund liegt, ist nicht zweifelhaft, da der wirkliche Raumgehalt ter betreffe, den Gebinde stets giößer sich erweist, als die Inhaltsangabe, wogegen die auf zufällige Einwirkungen, namentlich aus Eintrocknen des Holz Naffau steht dem Großherzogthum Hcffen ziemlich nahe; es zählt auf 260 Einwohn.r em Mitglied ter landwirthschaftlichen Vereine. Herabgedrückt wird die Durchschnittszahl des Land s durch die Provinzen Preußen, Posen und Pommern, in welchen ein Mitglied erst auf 495, 665 und 745 Bewohner kommt. Bayern besaß im Jahre 1879 nicht weniger als 50 482 Mitglieder, oder ein solches auf etwa 100 Einwohner; Baten 15,518 Mitglieder, »der e n solch s auf 97 Einwohner. Die Vertretung der landwirthschastl'.chen Jntereffen ist daher in Bayern und Baven eine ganz andere, weit mehr als doppelt so starke wie bei unS. Wenn hieraus auch jedensalls die Höhe der i» diesen Staaten an die landwirthschastlichen Vereine zu leistenden Beiträge, die sich unserer Kmntn ß entzieht, von Einfluß ist. so möchte doch eine fortgesetzte von den landwirthlckaftlichkn Organ n rc. ausgehende Äneiferung und Aufklärung der ferneren Landwirthe den he.fischen Ver-inen noch manches Mitglied zuführen können, wie denn auch in a> deren, nicht gerade landwirthschaftlichen Serufifreifen noch manche Männer zu gewinnen sein möchten, welche zur För- derunfl der Landwirthfchast und damit zur Hebung eines der wichtigsten Zweige des öffentlichen WohleS ihr Sche fl-in betzuliauen gerne bereit sind. (D. Zrg.) Darmstadt, 14. Januar. Männer der verschiedensten Partei- und Lebensstellungen haben den nachfolgenden Aufruf zu einer Erinnerungsfeier der Kaiser- proclamation vom 18. Januar 1871 erlassen: „Am kommenden 18. Januar sind es 10 Jahre, daß unser Kaiser, nach ewig denkwürdigen Siegen und unter blutigem Ringen unserer braven Heere, m Versailles die deutsche Kaiserwürde erneuerte. Dieselben Räume, von wo aus vor 200 Jahren französischer Uebermuth unseren tiefsten politischen Verfall herbeigeführt und besiegelt hatte, wurden die Geburtsstätte unseres neuen deutschen Reichs. Unserer politischen Zersplitterung, der Einmischung des Auslandes, war ein Ende gesetzt. Das so lange und so he-tz ersehnte Ziel war erreicht. Der Kaiser übernahm seine neue Würde „in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher Treue die Rechte des Reichs und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zu ver- theidigen " Er bat, „ihm und seinen Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allezeit Mehrer des Deutschen Reichs zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." So ist uns die zehnjährige Wiederkehr des 18 Januar Anlaß zu dankbarster und freudigster Erinnerung und wir wünschen diesem Gefühl dadurch Ausdruck zu geben, daß wir am genannten Tage Abends 8 Uhr im großen Saale des Saalbaues eine Erinnerungsferer in geselliger Vereinigung veranstalten. Wir laden unsere Mitbürger, welche einig sind in Liebe zu Kaiser und Reich, hierzu freundlichst ein und bitten um zahlreiche Betheiligung." Berlin, 15. Januar. Die an den deutschen Reichstag projectirte Petition, Ablehnung des Gesetzentwurfs, die Erhöhung der Brausteuer betr., hat folgenden Wortlaut: Hoher Reichstag! In einem Zeiträume von zwölf Jahren ist im hohen Reichstage fünfmal ein Gesetzentwurf, betr. die Erhöhung der Brausteuer, zur Berathung gelangt, — fünfmal wurde derselbe mit großer Majorität abgelehnt. Das deutsche Volk hat erwartet, daß die entschiedene Abneigung gegen das unpopuläre Gesetz, welche sowohl bei den Verhandlungen seiner Vertreter im hohen Hause alS in zahlreichen Kundgebungen der Wähler derselben zum Ausdruck gelangt ist, die Vorlage aus immer beseitigt hätte. Die berechtigte Hoffnung scheint nicht in Erfüllung gehen zu sollen. Aus's Neue wird, wie verlautet, der hohe Bundesrath einen Gesetzentwurf wegen Erhöhung der Brausteuer dem hohen Reichstage zur Berathung und Beschlußfassung vorlegen. Wenn wir auch die zuversichtliche Erwartung hegen, daß die diesmalige Entscheidung wie stets in früheren Jahren aussaüen werde, so bitten wir dennoch den hohen Reichstag gehorsamst, die gegenwärtige Darlegung unserer auf Thatsachen und Erfahrung beruhenden Ueberzeugung und Wünsche hochgenetgtest entgegennehmen und berücksichtigen zu wollen. Es steht uns nicht zu, hier die Gründe weitläufiger auseinander zu setzen, welche gegen eine Erhöhung der Braumalzsteuer sprechen, zumal dieselben wiederholt und zuletzt in eingehender und schlagender Weise in der Petition entwickelt worden sind, welche die deutsche Brauer-Versammlung zu Berlin am 30. April 1879 an den hohen Reichstag gerichtet hat. Unter Bezugnahme auf diese Schriftstücke bezwecken wir hiermit lediglich, dem hohen Reichstage die Erklärung abzugeben, daß wir nach wie vor den in Rede stehenden Gesetzvorschlag für eine bas Wohl des gesammten Volkes schädigende Maßregel halten. Wir erblicken in dem deutschen Nationalgetränk, einem billigen und guten Bier, ein mächtiges Mittel zur Hebung der Sittlichkeit des Volkes, dagegen in der beabsichtigten Steigerung der Brausteuer eine große Gefahr für die Untergrabung derselben. Denn „Bier ist der Feind des übermäßigen BranntweiN'Gkl'Uffes und ihm fällt die nicht zu unterschätzende Aufgabe zu, die es in manchen Thetlen unsere-Vaterlandes schon ausgeführt hat, in andern noch zu lösen im Begriffe steht, den Branntwein zu verdrängen, der die Gesundheit des Körpers untergräbt und den Geist umnachtet. Es kann au- diesem Grunde von Setten einsichtsvoller Menschen der Einbürgerung von Bier in schnapstrtnkenden Gegenden nicht genug Vorschub geleistet werden." So äußerte sich vor Kurzem noch ein Vertreter des Reichs-Gesundheitsamtes, und finden diese Worte ihren Wiederhall in den Herzen des ganzen deutschen Volkes. Durch Erhöhung der Brausteuer und die dadurch bedingte Vertheue- rung des Bieres wird aber der durch die Ungunst der Zeitverhältniffe ohnehin schon in fortdauerndem Rückgang befindliche Bierconsum noch weiter erheblich und dauernd herabgedrückt werden und das bei mäßigem Genuß dem Körper und Geist gleich heilsame Getränk wird dem billigeren und verderblichen Branntwein wieder mehr und mehr das Feld räumen müffen. Bier ist flüssiges Brod und zugleich ein erfrischendes Labsal für das gejammte Volk und ein solches zu den täglichen Bedürfmffen der ganzen Bevölkerung zählendes Nah- rungs- und Genußmittel darf durch Steuern nicht vertheuert werden. Einen hohen Reichstag bitten wir deshalb gehorsamst, einem Gesetz wegen Erhöhung der Braumalzsteuer die Zustimmung versagen zu wollen. Berlin, 16. Januar. Bei der gestrigen Generalversammlung der Victoria- National-Jnvalidenstlftung wandte sich der Kronprinz an den Geheimrath Magnus mit der Frage, wie er mit dem vergangenen Jahre zufrieden gewesen fei. Der Angeredete entgegnete, daß Angesichts der dem Kronprinzen wohlbekannten Agitation das Jahr 1880 für ihn eines der trübsten seines langen Lebens gewesen. Wenn ihm und unzähligen seiner Glaubensgenossen inmitten dieser traurigen Bewegung ein starker Trost geblieben wäre, so sei es die lebendige Erinnerung an den an dieser Stelle gethanen Ausspruch des Kronprinzen, daß er die Bewegung bedauere und daß sie eine Schmach für unsere Zeit sei. Mit allem Nachdruck bemerkt hierauf der Kronprinz, daß er dieselbe Anschauung heute wie damals hege, daß er die gedachten Bestrebungen entschiedenst mißbillige und verwerte. WaS sein Gefühl dabei am meisten verletze, sei die Hiileintragung dieser Tendenzen in die Schule und in die Hörsäle; in die Pflanzstätten des Edlen und Guten sei dieses böse Samenkorn hineingeworfen worden, hoffentlich werde es nicht zur Reife gelangen. Er vermöge nicht zu fassen, wie Männer, die auf einer geistigen Höbe stehen oder ihrem Berufe nach stehen sollten, sich hier zu Trägern und Helfershelfern einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleichmäßig verwerflichen Bewegung hergeben könnten. Der Kronprinz zog zur Erläuterung dieser Anschauungen eine Anzahl markanter Zwischenfälle der letzten Zeit herbei, wobei er auf bie Geschichte der Agitation und ihrer einzelnen Phasen einging. Gelegentlich der Versammlungen knüpfte der Kronprinz insbesondere an die in den Reichshallen stattgefundene Worte der Ver- urtheilung. Im weiteren Verlaufe der Unterredung fragte der Kronprinz, ob es wahr sei, daß viele jüdische Familien Berlin zu verlassen beabsichtigten. H^rr Magnus entgegnete, daß ihm kein einziger derartiger Fall zur Kenntniß gekommen sei und er auch nicht daran glaube. Unter den Juden herrsche wohl leicht eine begreifliche und tiefgehende Erregung, aber keinerlei Furcht. Die früheren Worte des Kronprinzen, die Erklärung der Notabeln, die Resolution der Berliner Wablmänner und allem voran i die Antwort des Kaisers an die Stadtverordneten von Berlin hätten mächtig bei- , getragen, die feindseligen Bestrebungen in ihren nächsten Wirkungen abzuschwächen. ! Der Kronprinz meinte hierauf, auch er gebe sich der sicheren Hoffnung hin, die Be- ; wegung werde sich langsam im Sande verlieren Derartige ungesunde Dinge könnten , keinen Bestand haben. Auch er habe von den eben genannten Akten urt wahrhafter | Genugtuung Kenntniß genommen und glaube an deren gute Wirkung. Er selbst habe : dafür nur die aufrichtigsten Wünsche. Die Unterredung dauerte 15 Minuten. (F. Z.) j Hesterreich. Wien, 15. Januar. Der Justtzminister v. Streit und der Handels - Minister v. Kremer sind auf ihr Ansuchen ihrer Aemter enthoben worden. Der seitherige Statthalter v. Pino ist zum HandelSmtmster und Minister Prazak zum Leiter des Justizministeriums ernannt. England. London, 15. Januar. Der Stlike der Kohlenarbeiter in Lancaster ist wesentlich tm Zunehmen begriffen. 8s feiern 50,000 Arbeiter. Die Kohle. preise steigen. Mehrere Fabriken wurden geschloffen. In Wigan erfolgte em ernster Zusammenstoß zwischen den Strtkenden und Arbeitenden. Die em» schreitende Polizei wurde zum Rückzug gezwungen und hat Verstärkungen verlangt. Es fanden schwere Verwundungen statt. Manchester, 15. Januar. Gestern Abend sand zu Salford eine Dynamit - Explosion in einem an das Waffendepot der Kaserne anstoßenden Schuppen statt; der Schuppen wurde zerstört; der sonstige Schaden ist gering. Die Explosion ist anscheinend fenischen Ursprungs. Rußland. Petersburg, 15. Januar. Das Deficit des Budgets für 1881 beträgt 50 M-lliouen und soll aus dem Eisenbahnfonds, welcher dem Reichs- schatze 138 Millionen schuldet, gedeckt werden. In seinem Bericht an den Kaiser sagt der Finanzminister: die Gründe deS Deficits seien vorübergehende m Folge der Mißernte; die ungünstige Bilanz werde bei gebesserter monomischer Lage ve>schwinden. Es bedürfe aber der größten Sparsamkeit. Trotz des friedlichen Charakters der auswärtigen Poiiitk Rußlands erheische da- Kriegsministerlum fast ein Drittel des Budgets, die unabweisbare Nothwendig- klit gebiete Maßregeln, welche geeignet seien, die Kosten für die Kriegsmacht zu rebuciren. Telegraphische Depeschen. Waguer'H telegr. Eorrespoubeuz-Burean. Hamburg, 16. Januar, Mittags. Eil! Feuer zeistörte heute früh die Restauration in der Börse. W chüge Documente und die Commerz-Bibliothek winden nicht beschädigt. Die Gefahr ist jetzt beseitigt. Lokales. Gicßen, 17. Jan. Obgleich von Seiten des hiesigen Thierfchutzoereins alles Mögliche geihan wird, um das Loos der Vögel zu beffern, halten wir es doch für unsere Pflicht, an die Einwohnerschaft die Bitte zu richten, durch Streuen von Futter dem hungernden Sängeroolke angesichts des auf den Fluren liegenden Schnees helfend belzustehen. — In einer Wirthschast m der Neustadt fand gestern Abend eine ziemlich bedeutende Schlägerei statt, die durch das Einschreiten der Polizei und Notirung der Excedenten ihren vorläufigen Abschluß fand. — Die gestern stattgefundene Versammlung des Vereins der deutschen Fort- schrittspattei war außerordentlich stark besucht und der ganze Wenzel'sche Saalbau bis aus den letzten Platz gefüllt. Nachdem Herr Reichstagsabgeordneter Büchner durch den Vorsitzenden des hiesigen Vereins der deutschen Forlschrittspartei vorgestellt worden, bestieg derselbe die Nednerbühne und besprach in einem mehr als einstündigen, von häufigem Beisall unterbrochenen, äußerst lebhaften und anregenden Vortrag, die politischen Verhältnisse des neuen deutschen Reiches unter Charakterisirung der in dem Parlamente vorhandenen verschiedenen Parteien, wobei er namentlich nachzuweisen suchte, daß die sogenannte nationalliberale, deren Programm im Wesentlichen mit dem der deutschen Fortschrittspartei übereinstimmend sei, trotz ihrer großen Mitgliederzahl und obschon sie infolge dessen in vielen Fragen die ausschlaggebende gewesen, keine den Rechten und Freiheiten des deutschen Volkes dienende Wirksamkeit ausgeübt habe Einerseits habe derselben jede innere Einheit gemangelt, weil sich in ihr alle Elemente und namentlich auch diejenigen, welche niemals em Interesse für die freiheitliche Fortentwickelung Deutschlands gezeigt oder bethätigt haben, vereinten, in dem Bewußtsein, daß der schön klingende Name „nationalliberal" auch ihnen einen unverdienten Anstrich von Liberalismus in den Augen der großen Menge verleihe; andererseits habe sie durch ihre stete Compromißsucht und die Meinung, daß der große Reichskanzler in allen Dingen unfehlbar sei und ihm daher niemals Opposition gemacht werden dürfe, jede Selbstständigkeit aufgegeben, in Folge dessen in neuester Zeit der größere Theil der Mitglieder einen Anschluß nach rechts, an die conseroative Partei gesucht, während eine Minderzahl sich als besondere Partei, unter dem Namen her Secession-sten, nach links abgezweigt habe. Redner ging dann auf eine Besprechung der neuesten Wirth- schaftspolitik über, welche er nach allen Richtungen verunherlen zu müssen glaubte Deutschland fei in den letzten Decenmen unter den Wirkungen der Zolloereinspolitik wohlhabend geworden und habe sich cme Industrie geschaffen, welche mit der aller anderen Länder wetteifernd auftreten könne. Durch die im Interesse einzelner Massen geschaffenen Schutzzölle und die unter dem Namen einer Steuerreform fortwährend auftauebenben neuen Steuerprojecte, durch die in Folge der Vermehrung der inbirecten Steuern stattgefundene Verschiebung der Lasten von den Schultern der Reichen auf die der Armen und Besitzlosen, durch die fottwährende Beunruhigung der ganzen Industrie, namentlich aber der Tabaksfabncation durch das als Ideal des Reichskanzlers stets drohende Tabaksmonopol, fei eine Störung aller Verhältnisse und namentlich des geschäftlichen Verkehrs heroorgerusen, die sich in den erwerolichen Verhältnissen am schlimmsten fühlbar mache. Ein.' Beendigung der stets wachsenden Ansprüche an den Steuerfrei fei nur bann zu erwarten, wenn bie militärische Dienstzeit auf zwei Jahre abgekürzt würbe, was nicht nur bebeutenbe miliiärische Autoritäten für ausführbar ei klärt hätten, fonbern wozu auch jebe Regierung über kurz ob r lang genötigt werben würbe, ba bas beutfche Volk zu enorme materielle Lasten auf bie Dauer zu ertragen nicht im Staube sei. Unter einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß der Redner seinen feurigen und hochinteressanten Vortrag. Vermischte H. Metzlar 16. Januar. Am Dienstag den 25. d. Mts. wirb ber bekannte Kenner unserer Vogelwelt unb berühmte Herausgeber bes „Jllustrirten Thierlebens", Herr Dr. E. Brehm, im Saale bes „Römischen Kaisers dahier einen Vortrag halten über das Thema: „Unsere Zugvögel unterwegs und in ber Frembe". Begre.flicher Weise siebt man hier biefem Vorträge mit bem gespanntesten Interesse entgegen. Denn ein- mal ist cs eine wenig bekannte Thätigkeit, eine ber bunfelften Perioben aus bem Leben unserer gefiederten Sanger, welche derselbe behandelt, zum Andern wirb er uns bar; geboten von einer Persönlichkeit, welche unbestritten eine ber ersten Autoritäten auf dem Gebiete ber Ornithologie ist. Bebenkt man überbies, baß man in Herrn Dr. Brebm einen ebenso geistvollen Rebner wie tüchtigen Gelehrten unb populären Schriftsteller zu erblicken hat, so ist leicht zu begreifen, daß wir uns jenes Abends als eines aenuß- reichen bereits tm Voraus freuen dürfen. Ä "ltn 9 Januar. (Seltsame Todesursache.) Auf der inneren Abtheiluna des Städtischen Krankenhauses tm Friedrichshain fand vor einiger Zeit ein Tischler Aufnahme der an Magen- und Darmentzündung litt. Trotz sorgfältiger Behandlung und trotz aller' Bemühungen seitens der Aerzte starb er jedoch schon nach 8 Tagen. Bei der Obduktion fand man tm Darme eingeklemmt -inen großen, steinharten Fremdkörper, der einen vollständigen Darmvcrschluß bewirkt hatte, ferner im Magen eine kolossale Menge von Steinen die im Ganzen ein Gewicht von 96 Gramm, also beinahe 2 Pfund batten. Alle diese Masten welche offenbar die Todesursache des Patienten a^egeben hatten, erwiesen sich bei näherer Prüfung als - Schellack. - Wie ist nun der Schellack dorthin gekommen? Der Berstorbene war d-mTrunke ergeben und trank den Alkohol in jeder Form. Als Tischler war ihm di- beider xildHeid verwendete Politur zugänglich, die meistens aus einer Spiritusauflösung des Schellacks besteht, und so wurde er aus Liebe zum Spiritus — Politur-Läufer. Im Magen wurde der Spiritus von der Magenwand resorbirt, während der Schellack niedergeschlagen wurde, und fo entstanden die großen Lonnem,nt, im Magen, von denen eines in den Darm gelangte, Verr Ickließung d«S DarmrohreS und endlich Ken Lod deS Individuum« berdeifüürte. Daß dasselbe feit Jahren der Leidenschaft stöhnte, außer enormen Quantitäten ScknapS auch die Politur zu trinken, ist schon bei Lebzeiten desselben von seiner Frau und seinen Mitgesellen den Merzten mttgetbeilt worden, allein letztere waren nicht mehr im Stande, den tödlichen Sukgang, der Im äußersten Stadium angelangten Krankheit abzuwenden. — Erfurt. Eine jener unsinnigen Wetten, bei denen eS sich um Maflenvrrttlqung von Speisen oder Getränken bandelt, entrirten dieser Tage zwei von Leipzig kommende junge K-llner, welche hier in Stellung treten wollten. 68 bandelte sich um einen Trtumvb in „Frankfurtern" und zwar sollte derjenige, welcher dem andern nachftände die Zeche bezablen. Die Äurstfebde begann- Sine ^Frankfurter" nach der andern verschwand, 18 Stück batte der «ine geaesien, doch der andere, ein schmächtiger Jüngling, kam weiter; er vnspeiste 28 Würste und spülte den letzten Dkest mit Cognac hinunter, während sein Gegner ermattet und nach Luft schnappend in den Stuhl zurücksank. Gegen 11 Mark hatte der Besiegle an den Wirth zu zahlen. — Im Frübjahr deS IabreS 1848 kam zufällig ein Füsilier deö 26. Infanterie - Regt« mentß in eine Kneipe; man redete ihn an und fand den nordischen Krieger ganz manierlich, man ließ etnschenken, Cigarren u. s. w. geben, und war entzückt, ol8 der Mann auf Bifragen, ob er wobl gut auf da8 Volk schießen würde, wenn seine Offiziere Feuer commandirten, mit „nein" antwortete. Die Herren ließen sich die Sache nun noch einige Flaschen kosten, der Füsilier trank ganz wacker. Run wollte derselbe sich empfehlen, noch einmal fragte man ihn bändeschüttelnd: „Run, nickt wahr, Sie schießen nicht?" und erhielt die Antwort: „Rein, meine Herren, ich schieße nicht, denn ich bin Tambour." Literarisches. Die Entscheidungen de- ReichsoberhandelSgertchte- auf dem Gebiete bc9 Handelsrechtes sowie des einschlägigen gemeinen Eioilrechtes und der einschlägigen ins und ausländischen LandeSgesetze, ausführlich da gestellt und nach dem Systeme deS Handelsgesetzbuches geordnet von Otto Fuckrsbcrgcr, k. b. Amtsrichter in Bayreuth. "Gießen, Verlagsbuchhandlung von Emil Roth 1881. Dieses vorzugsweise praktisch, in seiner Art und Vollständigkeit einzig dastehende Werk stibt vollen Einblick in die Rechtsprechung deS ReichsoberhandelSgerichtes und empfiehlt fich durch gediegene, sorgfältige Zusammenstellung der in 25 Bänden enthaltenen Entscheidungen genannten Gerichtshofes. B« Wiedergabe des TbatbestandeS und der ergangenen Entscheidunverb,ndet cs möglichste Kü zc mit größter Vollsländigke-t und Klarheit Zu jedem f ist neben allgemeinen Prinzipien der entscheidende Theil mit seinen Gründen beigefügt und auch hier ist erwähnt, inwieweit sich die Entscheidung aus daS Handelsgesetzbuch' das Handelsgewohnheitsrecht, das bürgerliche Recht und die verschiedenen Landes, wie Spec'alqesetze stützt. Von größtem Wertbe ist die Anordnung nach dem Systeme de« Handelsgesetzbuches, wodurch, wie der Verfasser im Vorworte mit Recht bemeikt da« Suchen und ein rasches Finden einer über einen Artikel getroffenen Entscheidung im höchsten Grade erleichtert, beziehungsweise bewerkstelligt wird. Wir empfehlen diese« fleißige, übersichtlich geordnete Sammelwerk, daS sich auch durch treffliche Ausstattung auszeichnet, dem Juristen und Kaufmann und heben noch besonders bei vor daß demselben ein ausführliches alphabetisches Register und der Tert des Ha, delSaesetzbuche« in seinem jetzigen Wortlaute beigefügt ist. Handel und Verkehr. Frankfurt, 15. Januar, t Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nack Qualität der Ctr. Jt 2.60—4.40, Stroh jfc 2.50 - 3 40- Butter da« Pfd. im Großen 1. Qual. JL 90—1.00, 2. Qual 0.85-90, im Detail da« Pfr- JL 1.30—0.00 2. OuaL JL 1.20—00. Gier daS Hundert JL 6—8.50. Ocksenfleiich pn Pfund 65—70 A, Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 45-55 A, Kalbfleisch 50—55 A Hammelfleisck 40—45 A, Schweinefleisch 70-80 A, ein Habn JL 1.50—2.00, ein Huhn JL 1.53—2, eine Snte JL 2.50—3.00, eine Taube 60—00 A, ®en« JL 4.00- 10 0, Hasen daS Stück JL 2.50—3.00, Feldhuhn JL 2.00-0 00, Rebbock daS Pfd. 70—00 A, Kapaunen JL 0—0.00, Wätscher Hahn JL 6—8.0 Kartoffeln 100 Ko. JL 6.00—7.00, Kohlrabi 5—8 A Blumenkohl 1 St. 30—60 A, Wirsing 00-00 A, Gelberüben 1 Bund 12-15 A, Zwirbeln 1 Bund 0 A. Sellerie da« Stück 0—00 A, Meerrettig 1 Stück 00—00, Spargel da« Pfund 000—0 A, Romain-Salat 30-00 A. Endivien 10—0 A- Rothkraut 15—20 A Weißkraut 15—25 A. «rtifchoken 50 A, Erbsen d»8 Pfd. 00 A Vergeht der darbenden Vögel nicht! Betr.: Den ConcurS über das Vermögen der Jacob Katz Wittwe üou Sninbach. Bekanntmachung. 441) Im Concurse der Wittwe des Jacob Katz von Steinbach werden alle Gläubiger zum Versuche eine- Vergleich- mit deren Kindern und zur Beschlußfoffung über die weitere Behandlung dieser Sacke auf Freitag den 4. k. MtS., Morgens 10 Uhr, hierher vor?.eladen mit dem Bemerken, daß die AuSbleibenden als den Beschlüssen der Mehrheit der Erschienenen bcigetreten angesehen werden. Gt'ßen, den 12. Januar 1881. Großherzogl. Amtsgericht Gießen. Langsdorf. Net dH art. Ocffcnlliche Zustellung. Der Sattler Wilhelm Spieß zu G »ß n klagt gegen die Wutwe Susanne Raurspeck zu Gießen jetzt unbekannt wo abwesend, aus Kauf mit dem Anträge auf Verurteilung der Beklagten zur Ausstellung einer ordnungsmäßigen Quittung, beziehungS- weise Eina tlligung zur Löschung der Beschränkung und ladet die Beklagte lur mündlicken Verbandlung des Rechtsstreits vor das Großherzogl. Amtsgericht v Gießen Donnerstag d. 17.Febr.1881, Vormittags 10 Uhr. Zum Zwecke der öffentlichen Zu- stelluk g wird dieser Auszug bekannt gemackt. Gießen, den 12. Januar 1881. Neidhart, Gerichtöschreib^r des Großherzozlichen 440) Amtsgerichts. Die Holjversteigerun^ in der Oberförsterei Schiffen- berg vom 13. und 14. d. M-s. ist genehmigt. Die Absuhrsckeine könncn vom 25. an bei Großh. Rent- amt Gi ßen erhoben werden. Ueber- lieferung des Holzes und erster Ab- fubrtog den 26. d. Mts. G eßen, am 18. Januar 1881. G'lvßh. Oberförsterei Schiffenberg. 455) Georgi. 444) Di- Holz Versteigerung im Albacher Gemcst d i48a u 2638 Acker auf der Weiß- erde, m/im,3 1775 Acker am Sand- M/133 u. 134 30/19,3 u. 79,5 */<«,: W/161 3t/146 to/127 M/25 kauterweg, 6587 Acker in den Rödern, 3150 Acker auf den Erdkauterweg, 1738 Acker in der Arau, 1763 Acker über der Erdkaute am Fluth- graben, 1187 Acker auf der Leise- Herde, 1188 Wiese daselbst, 4550 Acker rechts am Aulweg, 3937 Wiese am Sand- kauterweg und Grüninger Pfad, Gemarkung Wiefcck 1562 Wiese an der Ursu- lum. Gießen, den 17. Januar 1881. Großherzogliches Ortsgericht Z A. Müller. Aeikgeöolenes. 448) Für aufgesprungene Haut empfiehlt als vorzügliches Heilmittel Daselinfeife und (Nlycerinfeife undurchsichtig. J. p. FNöds, Seifensieder. H. von Gimborn's Tchretb- und Copir-Tinten zeichnen sich durch lebhafte Farbe, große Flüssigkeit und schnelles Trocknen aus und liefern nach längerer Zeit scharfe, nie bleichende Copien. Lager in den dio. Sorten, sowie auch in rotber Tinte, blauer Tinte, Stempelfarben, flüsst. em Leim rc. befinden sich bei den^dekanntenSchreibmaterialten- Handlnngen. (168 Alle Sorten Gemüse, franz. Kopf Salat, Salat-Kartoffel, eingemachte Gurken empfiedlt (365 J. Schäfer, Kirchenplatz. --- Chocoladen und. Cacao’s der Kaiserlichen und Königlichen Hof-Chocoladen-Fabrikanten Gehr. Stoll werck in €'<>hu 18 Hof-Diplome, 19 goldene, silberne und broncene Medaillen. Reelle Zusammenstellung der Rohproducte. Vollendete mechanische Einrichtungen. 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Näheres täglich von 5 bis 8 Uhr Abends Neuenweg B. 194, 1 Tr. rechts.__° 453) Eine Böirthschäft, mitten in der Stadt gelegen, zu verpachten. Näheres durch Verantwortliche Redaction: A. Schevda. - Druck und Verlag oer Brüh loschen Univ.-Druckerei (^r. CH r.'Pietsch) in Gießen. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittaq 4 Uh statt. 164) Unterzeichneter beehrt sich hiermit, sein Agenturgeschäft in empfehlende Erinnerung zu bringen. Derselbe hat zu vertreten: Die Feuerversicherungs-Gesellschaft „Deutscher Phönix" in Frankfurt a. M eine der ältesten, solidesten und verbreitetsten Gesellschaften Deutschlands Die „Frankfurter Lebensversicherungs-Gesellschaft" jn Frankfurt a. M. Die ^Frankfurter Transport, und GlasversichecungS Actien Gesellschaft" in Frankfurt ä. M. Die ^Berline Hagel Anecaran;-Gesellschaft von 1832* in Berlin. Auch diese Gesellschaften gehören in jeher Peziehu.ng zu den Besten und zeichnen sich durch strengste Reellttät und äußerste Coülan'z bet Schadenregulirungen aus. Friedr. Decker, B. 92. 247) Der obere Stock meines Hauses ist zu vermiethen und am 1. April zu beziehen._______Louis Lotz Reichensand. 196) Möblirtes Zimmer zu vermiethen per sofort.__Ludw. Orth, Photograph. 340) Ein möblirtes Zimmer (Parterre) zu vermiethen. ____I. Mannberger, Neuenweg. 413) Em kleines Familienlogis zu der"; miethen. Th. Schneider Bahnhoisiraße. der Sällger- und Komiker - Gesellschaft Familie Müller (4 Damen, 3 Herren). Anfang 8 Uhr. - Entti frei. (450 140) Getragene Kleider, Hosen, Stiefel, Antiquitäten, Gold Silber Kupfer, Zinn, Messing, Flaschen" Zettungspapier rc. werden ang kauft. ' Louis Rothenberger, Neuenweg 193. 438) Für ein größeres Pfälzer Tabak- I Geschäft wird ein tüch iger Agent für Gießen und Umgegend gesucht. Der- selbe muß mit der Branche gründlich ver- ' traut und gut empfohlen sein. G-ff- Offerten unter Chiffre C. P. Q befördert G. 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