Utz. «ÄS!* itand. ’• Haschen ^'sen und Glas Bier» rtijc; aUenfela. Hof? yen» ige Mittheilung ;blut. :ag 5 Uhr vom (4706 19000 M ^eHvpotbkl tobet aussen bei bet Bl. M ti Mchcn . jrpeb. ds- Bl. 'an'iM Toaatag Ä neuoerv'" Jergoldel- Str 163. Erstes Blatt. Sonntag den 17. Inti 1881. chichencr HtnMger AllZkige- nnb Amtsblatt fit de« Kreis Gieße«. Öwreeut Echulfir«ße B. 1A. Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montags. VrHi vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit vnngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf. Amtlicher H h e i l. Betreffend: Da- Gesetz über den ®an und die Unterhaltung bet Kunststraßen. Gießen, den 16. Juli 1881. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Orroßberzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern dlej nigen von Ihnen, welche unserem Ausschreiben vom 20. Juni, Anzeiger Nr. 142, noch nicht entsprochen haben, an al-baldige Erledigung. Dr. Boekmann. ~ ® e f ti n n t m a ch u n g. Ja Gemäßheit de- $ ® de- Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnitt-Marktpreise vom Monat Juni 1881 veröffentlicht: Haser JL 17,20, Heu JL 7,50, Stroh JL 7,— per 100 Kilogramm. Gießen, am 15. Juli 1881. Großherzogliches Kret-amt Gießen. Dr. Boekmann. (Sefunbcuc (8 ege » stönde : 1 Brosche, 1 Medaillon, 1 Taschentuch 1 Weste, 1 silberne Damen-Evlinder Uhr, 1 Elfenbeinbrosche, 1 Portemonnaie mit Inhalt, mehrere Schlüffel. Gießen, den 15. Juli 1881. Großherzogliche Polizetverwaltung Gießen. Fresenius. Feutschlaud. Darmstadt, 15. Juli. Seine König!. Hoheit der Großherzog mit len Prinzessinnen Victoria und Elisabeth, sowie dem Prinzen Leopold, Herzog ron Albai p, sind heute Vormittag 11 Uhr 35 Mir. in erwünschtem Wohl« befinden hier eingetrcffen und am Bahnhofe der Hessischen LudwigSbahn von Se. Königl. Hoheit dem Erbgroßherzog und den Prinzessinnen Inne und Al>x empfangen worden. Bis zum Abend werden Allerhöchstdieselben hier im Schloß verweilen und dann nach Jagdschloß WolsSgarren fahren. Berlin, 14. Jul'. Fast möchte man es sür wünschensweith halten, daß der Termin zu den RcichStagSwohlen noch recht lange aut stehen möchte, denn wenn die reacltvnäre Wahlagitation in solcher Progression sortsährt, dem Wahnwitz sich zu nähern, wie sie es biS jetzt gethan, so muß sie an ihrer eigenen Tdorheil und Verlegenheit ba» kervtt werden. Ss ist, soviel wir wtsien, den Soctaldemokraten nicht einmal in der Zeit der gröbsten Ausschreitungen bei* gefallen, so gegen die besitzenden Klaffen als AuSsauger deS armen Mannes aufzuhetzen, wie eS jetzt die conservattven Wahl.Flugblätter thun. Die Libe- rclen haben, als sie am Ruder waren, len armen Mann rulnirt; jetzt sind sie tn die Opposition gegangen, weil es ihnen nicht gelungen ist, Minister zu werden. Da- ist da- Thema, welches die recctioi Sun Wahlartitel tn allen Tonarten und mit möglichst grellen Disharmonien variiren. Möglich, daß sie Glück damit haben und den Liberalismus zeitweilig verdrängen. Dann wollen wir sehen, wie sie die Versprechungen erfüllen, tue sie heute dem armen Manne so verschwenderisch geben. W r besorg'», die Herren Junker werden, wenn sie erst daS Heft in Händen haben, den armen Mann sehr bald vergeffen. AranLreich. Paris, 14. Juni. Die Truppenschau des BoiS de Boulogne verlies ohne bemerkenSwerihen Zwischenfall und war um 3^ Uhr beendet. Einige Soldaten wurden vom Sonnenstich betroffen und tn Krankenwagen weggeschafft. Eine große Menschenmenge wohnte der Parade bei und äußerte ihren Beifall über die gute Haltung der Truppen, als biefdben vor dem Präsidenten Grecy, den Ministern, den Präsidenten des Senats und cer Deputirtenkammer uib den zahlreich anwesenden Senatoren und Deputirren vorbeimarschirten. Fast sämmtltche Botschafter wohnten auf den Tribünen der Truppenschau bei. Die Militärattache- der sremden Mächte hatten sich dem Stabe des KrtegsmtnisterS angeschloffm, welcher die Truppen vor dem Defiltren inspicirte. Starten. Rom, 13. Juli. Senat. Alfiert und Cambray-Digny richten eine Interpellation an den Ministerpräsidenten Depreti- wegen der in der vergangenen Rocht während der Uebersührung der Leiche deS Papstes Pius IX. vor- gekommenen Unruhen und beklagen die Unzulänglichkeit der getroffenen Vor- sichtSmaßregkln. Der Ministerpräsident sprach sein Bedauern über die Ruhestörungen auS und bemerkte, daß ein ernstlicher Zusammenstoß nicht vor- gekommen sei. Die Regierung habe, sobald sie von der außergewöhnlichen Anzahl der zu den Ceremonien erlaffenen Einladungen Kenntmß erhalten, ihre Maßregeln getroffen. Bei der Länge des WegeS aber hätten Unzukömmlichkeiten vorkommen können. Es sei eine strenge Untersuchung eingeleitet. D.e Regierung sei entschloffen, die Ordnung überall, namentlich in Rom, ausrecht, zuerhalten. — Zehn Personen, welche gestern Nacht wegen Störung der öffentlichen Ordnung bei der Ueberfübrung der Leiche deS Papstes PiuS IX. verhaftet wurden, find heute dem hiesigen Zuchtpolizeigericht vorgeführt worden. Die Zeugenvernehmung hat begonnen. Ikow, 14. Juli. In einer Meldung der „Agencia Stefania" auS Konstantinopel wird die Nachricht, daß die Pforte ihre Vertreter dahin in* strutit habe, die nach Tripolis gesandten Truppenverstärkungen mit dem Hin' weis auf die Haltung Italiens zu rechtfertigen, formell für unbegründet erflärt- — Der „Diri'to" bemer.tnt auf bas Bestimmteste, baß wegen der in der vorletzten N-cht stattgehabten Ruhestörungen seitens fremder Diplomaten Reklamationen a i bi- Regierung gerichtet worden seien. Von dem Architekten im Vatikan, Vespiglurni, welcher zwischen den Eardinälen und dem Präsekten von Rom vermittelt habe, sei das schriftliche Versprechen gegeben worden, daß der Eonduct zur Ueberführung der Leiche des Papstes PiuS IX nur sehr einfach sei -, rmbt; diese Zusage fei aber nicht eingehallen worden. telegraphische Depeschen. tBolfP» telegr. denefp»Äle*iHBÄttau. Rosenheim, 15. Juli. Se. Maj. der Kaiser reiste heule früh um 8 Uhr 45 Mw. bti schönstem Wetter nach Gastein. Lend, 15. Juli. Se. Majestät der deutsche Kaiser ist heute Nachmittag 1 Uhr 15 Min. über Kuffst-in wohlbehalten hier angelangt, wird hier da- Dlner tinn-bmfn und dann tn offenem Wagen nach Gastein weiterreisen. München, 15. Juli. Der König ist heute von seiner Reise nach der Schweif -iurückg»kehrt. Kiel, 15. Juli. Zu Ehren der Osfictere des englischen Geschwaders fand heute ein Diner bei dem Viceadmiral Bätsch statt. Heute Abend ist von den deutschen Marine-Osficieren zii Ebren der englischen Gäste ein Gartenfest mit Concert, Souper. Feuerwerk und Ball in dem mit elektrischem Licht erleuchteten Garten von Bellevue veranstaltet, zu welchem Ihre König!. Hoheiten die Prinzen Wilhelm und Heinrich, ter Herzog von Edinburgh, der Erbgroß- berzog von Oldenburg, die Prinzessinnen Henriette und Amalre von Schleswig- Holstein, sowie die Prinzen von Schleswig-Holstein-Glücksburg ihr Erscheinen zugesagt haben. Zu dem Feste find gegen 400 Einladungen ergangen. — Das englische Geschwader bleibt bis zum Montag Nachmittag hier und geht von hier direct nach Spithead, wo eS vorausstchllich am 25. Juli eintreffen wird. Bad Gastein, 15. Juli. Se. Majestät der deutsche Kaiser ist heute Nachmitiag kurz vor 5 Uhr im besten Wohlsein hier angekommen. Der Ort war flstlich geschmückt und beflaggt, bei der evangelischen Kirche und am Kar- serwege waren Ehrenpforten errichtet. Unter den herzlichen Zurufen der zahlreich versammelten Kurgäste und unter den Klängen der Volkshymne schritt der Kaiser rüst g die Stufen zum Bad'schloß hinauf, wo derselbe von dem Prinzen August von Württemberg, dem Statthalter Grasen Thun, dem Landeshauptmann Grafen Coronini und dem General Dahlen empfangen wurde und die Begrüßung vieler anderer daselbst versammelten distinguirten Personen fteundlich entgegennahm. Von mehreren Damen wurden Sr. Majestät Blu- menbouquets überreicht. — Die Witterung ist prachtvoll. Pari-, 15. Juli. Oran. Oberst Brünettere hat die Nachhut Bou- Amena's^ welcher nach dem Süden zu die Flucht ergriffen bat, bei Ain Medrissa erreicht. Der Feind setzt die Flucht fort ohne Aufenthalt und ohne Tobte unb Verwundete aufzuheben. Die Verfolgung Dou-Amena's wird lebhaft fort- gesetzt. Die Streitkräfte Bou-Amena'S werden auf 1500 Berittene unb 1200 Infanteristen geschätzt. Roru, 15. Juli. Das Zuchrpolizeigericht verurthetlte von den wegen der Vorgänge in ber Nacht von Dienstag auf Mittwoch verhafteten Individuen vier zu einmonatigem Gesängniß unb 100 Frcs. Geldbuße, zwei zu 3 Monat Gefängnis unb 250 Frcs. Geldbuße, sowie einen von den ersteren vier überdies noch wegen Thätl'chkeit gegen Polizei-Agenten zu weiteren zwei Monat Gesängniß. Washington, 15. Juli. Die bet dem verwundeten Präsidenten Garfield täglich etnlretenden Fiebererschetnungen zeigten sich am gestrigen Nachmittag später als an den vorhergehenden Tagen und waren von kürzerer Dauer und weniger heftig. — Der Procurator der Republik zu Washington veröffentlicht einen Bericht über die durch das Verhör Guiteau's ermittelten Thatsachen; daraus ergtebt sich, daß Guiteau sich die Pistole selbst gekauft und daraus einen Cursus im Pistolenschießen genommen hat. Gmteau beobachtete erst lange Zelt alle Bewegungen Garfields, sodaß das Verbrechen unter Umständen auSgesührt wurde, welche Len größten Vorbedacht und volle Ueberlegung annehmen lassen. Lokale-. Gieren, 16. Juli. Wie uns mttgetheilt wird, besuchten verschiedene Schulen unserer Stadt die Patent- und Musterschutz Ausstellung in Frankfurt a. ißt Letzten Sonntag war es die Handwerkerschule mit 63 Schülern und ihren Lehrern und letzten Donnerstag die Aliceschule mit 48 Schülerinnen nebst den Lehrerinnen und Lehrer, welche die Ausstellung besichtigten. Die Eisenbahnverwaltung gewährt Schülern 662/3 °/o Ermäßigung, die Ausstellungs-Commission eine solche von 50 so daß ein Besuch mit ganz geringen Mitteln möglich gemacht wird. Wie wir hören beabsichtigt der Gewerbverein einen Besuch dieser Ausstellung in corpore zu arrangtren und können wir die Idee begrüßen, da gerade für unsere Geschäftsleute wie Schlosier, Schreiner rc., in der Ausstellung sehr viele mustergültige Gegenstände vorhanden sind. Vermischte s. Gießen, 16. Juli. Bekanntlich bilden unter den deutschen Lebens-Verstcherungs- Anstalten die 4 großen Gegenseitigkeits-Anstalten zu Gotha, Karlsruhe, Leipzig und Stuttgart eine besondere Gruppe. Hievon ist die Gothaer Bank die äit.ste (1827 errichtet) und die Karlsruher Versorgungs Anstalt (1864 für Lebensveisicherung eröffnet) die jüngste. Der reine Zuwachs an Versicherungskapital überstieg bet sämmllichtn 4 Gesellschaften für 1880 die Summe von 10,000,000 keine andere deutsche Gesellschaft erreichte ein solches Ergebniß. Dem vor einigen Tagen ausgrgrbenen Rechenschaftsbericht der Karlsruher Versorgungs- Anstalt entnehmen wir, daß die Vereinbarungen der Behörden uno Korporationen mit d'ei-r Anstalt wegen Versicherung der Beamten und Mitglieder sich abermals vermehrt haben. DaS Gesammt-Vermögen beträgt Ende 1880 28,408,495 Die Haupt-Abtheilung der Geschäftszweige der Anstalt ist jene für Lebensversicherung. Deren Rechnung ergtebt nunmehr 25,576 Verträge mtt 100,488,403 JL Versicherungskapital und 8799 Jt. versicherter Rente. Der reine Zuwachs betrug 2500 Verträge mit 10,896,359 JL versichertem Kapital; er wurde bezüglich der Anzahl brr Verträge von keiner anderen deutschen Lebensversicherungs-Gesellschaft erreicht. Die wirkliche Sterblichkeit verlief gegenüber der erwartungsmäßlgen sehr günstig; sie ergab nur 0,79 o/q vom ganzen Versicherungskapital-Bestand und betrug 243,264 weniger, als die Wahrscheinlichkeitsberechnung erforderte. Der gesammtc Grschäfrsgewiun wird an die Mitglieder der Anstalt abgegeben. Als Dividende werden bet der einfachen Lebensversicherung vom jährlichen Beitrag (Prämie) 15 bis 57% an dir seit 1876 und rückwärts bis 1861 versicherten Mitglieder zurückbezahlt. Die Versorgungs-Anstalt ist cs gewesen, welche zuerst und brharrlich die Vertheilungswetse nach steigenden Dividenden eingeführt hat; lange von der Concurrenz angefeindet, erfreut sich dieses System jetzt allgemeiner Anerkennung und Nachahmung. Im Weiteren erlauben wir uns, auf den eingehenden Bericht dieser blühenden Anstalt hinzuweisen. Gera. Wie sehr mit Unrecht Manche noch immer Erzeugnisse ausländischer Industrie vor den einheimischen bevorzugen, zeigt die nachstehend heitere Geschichte, die nach der „Geraer Zeitung" vor gar nicht langer Zett tn unserer Stadt pajstrt ist. Em wohlhabender Mitbürger hatte einen Geraer Tischlermeister beauftragt, ihm einen schönen Secretär anzufertigen. Obgleich er ein recht gutes Stück erhielt, hatte er viel daran zu tadeln und nahm schließlich das Möbel nicht ab. Der Tischler schickte das schwerverkäufliche Möbei, als englischen Ursprungs bezeichnet, auf eine Ausstellung und noiirte einen ziemlich höheren Preis als den mit dem Besteller bedungenen. Nun traf es sich, daß dieser auf der Ausstellung einen Schrank sah, ohne ihn wieder zu erkennen, daß ihm derselbe ganz ausgezeichnet gefiel und er ihn für den höheren Kaufpreis erwarb. Das Möbel kam so nack Gera zurück, wo es tn seiner Wohnung bald «inen schönen Platz einnahm. Der Herr freute sich, daß er em so gutes Geschäft gemacht und ließ eines Tages den Tischlermeister kommen, um ihm den Unterschied zwischen deutscher und englischer Arbeit zu zeigen. Dieser erkannte zwar sogleich seine Arbeit, schwieg aber einstweilen; dann bat er, daß man ihm den Secretär öffne und zog, als dies geschehen, ein geheimes Fach auf, worin sein Name N. N. in Gera in schönen Lettern stand. Der Besitzer des Möbels traute seinen Augen kaum. Die Ehre der deutschen Arbeit war gerettet. — sVom „Bon marchd“.] Wer Parts kennt, der kennt auch den „Bon march6“, hat dieses kolossale Etabltffement angestaunt, tn welchem ein unbekleidet etntretender Wilder sich tn den elegantes! kostumtrten Ctvilisattons-Menschen verwandeln kann, tn welchem man Alles findet, um ein leeres Haus zum traulichen, luxuriös ausgestatteten Heim umzugestalten, dieses Labyrinth von Räumlichkeiten, wo man gratis einen Leiesaal mit unzähligen Zeitungen und einer auSgewählten Büchersammlung benutzen, die neuesten Telegramme, ehe sie in den Zeitungen erichetnen, lesen, seine Correspondenz mit unentgeltlich beigestellten Papierbogen und Couverts besorgen, prachtvolle Gemälde bewundern, und zum Ueberfluffe — gratis frü stücken kann. Der „Bon marche“ begnügt sich nicht mit dieser Liberalität, die ihm natürlich in ganz Europa riesige Reclame macht, sondern erhält auch ein „Orph6onu und eine „Fanfare“, zu gut deutsch: eine Musikkapelle und einen Gesangverein. Capelle und Verein bereisen jahraus jahrein die französischen Provinzen und concertiren — natürlich auch gratis, denn der „Bon marchö“ attachirt sich das Publikum gern durch solche kleine Aufmerkiamkeiten. Nun wird berichtet, daß bei einer musikalischen Concurrenz in Tours die Capelle des großen Handlungshauscs dret, der Gesangverein zwei erste Preise errungen har. Unter diesem künstlerischen Siege wird daS Geschäft des „Bon marchd“ natürlich eben auck nicht leiden. — Das Eldorado der Spitzbuben ist gegenwärtig Konstantinopel. Es wird der „Frkf. Ztg." von dort geschrieben: Die öffentliche Sicherheit läßt mit jedem Tage mehr und mehr zu wünschen. Die Polizei erhält seit sechs Monaten keine Bezahlung und es sind sogar aus den beiden Jahren 1879 und 1880 die Gehalte noch für einige Monate rückständig. Es hat dies die traurige Folge, daß die Polizei und die Diebe sich unter einander verständigen. Was die Provinzen betrifft, so bestand von jeher kein Zweifel darüber, daß das Räuber- unwesen in der Nähe von Salonichi, Seres und in Macedonicn überhaupt nur durch die Mtschuld der Polizei ermöglicht wird. Da die Beamten im Allgemeinen höchst unregelmäßig bezahlt und die Ersparniffe in den öffentlichen Ausgaben ausschließlich durch Neduction ihres Gehaltes erzielt werden, so ist die ganze Regierungsmaschine desorganisirt. Alle öffentlichen Funktionen fangen an ins Stocken zu gerathen, die größte Unordnung herrscht in allen Zweigen der Verwaltung und die öffentliche Moral leidet unter diesen Zuständen ganz außerordentlich. Die Nachtwächter verhaften jede Nacht Diebe, welche ungescheut mit Leitern herumgehen, die hoch genug sind, durch ein Fenster des ersten oder zweiten Stockwerkes Zutritt in ein Haus zu gestatten; aber am nächsten Tag werden die Häftlinge wieder frei- gelaffen und machen sich über die Beschichis (Nachtwächter) lustig, wenn sie denselben begegnen. Die bizarre Art, wie die Nachtwächter selbst ihren Dienst besorgen, erleichtert übrigens den Dieben ihre Arbeit. Erstere tragen Slöcke mit eisernem Beschlage, mit denen sie auf das Pflaster schlagen und daher ihre Ankunft förmlich nnmclden, so daß die Diebe Zeit haben, ihnen aus dem Wege zu gehen. Die Nachtwächter schlagen auf das Pflaster, um die Stunde anzuzeigkn, und dies geschieht alle halbe Stunde und wird weit und breit gehört. Zwischen den Dieben und den Nachtwächtern besteht keine Verständigung, aber es ist notorisch, daß die Polizei von jedem Diebstahl ihren Antheil erhält. Es gibt Personen, d.e trotzdem so naiv sind, sich bei der Polizei über geschehene Diebstähle zu beklagen-, wenn eine solche Klage ein trifft, begibt sich die Polizei nach dem Lokale, in dem der Diebstahl stattgcfunden hat, und fragt, ob die Diebe irgend etwas zurückgelassen haben, weil ein solcher fremder Gegenstand auf die Spur leiten dürfte. Man findet dann eine Mütze oder einen Hammer oder einen Leuchter oder irgend etwas anderes, und sobald die Polizei hiervon unterrichtet ist, weiß sie, welcher Corporation von Dieben diese Uebelthäter angehört haben, und sie begibt sich zu derselben, um ihren Anthell zu erhalten. So unglaublich dies klingen mag, so wird doch in gut unterrichteten Kreisen behauptet, daß an einem solchen Einverständniß zwischen der Polizei und den Dieben nicht zu zweifeln sei. Handel und Ber-ehr. Giesten, 16. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete ' Butter per Pfd. 82 H, bis 0.90, Hühnereier 1 Stück 6 H, 2 St. 00 H, Enteneier per Stück 6—7 Gänseeier 1 Stück 000 Käse per Stück 5—10 H, Käsematte per Stück 3—0 H, Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben daS Pa-- JL 0.60—0.80, Hühner p. St. JL 0.90—1.30, Hahnen p. St. JL 0.60—1.10, Enten per Stück 1.40—1.70, Gänse per Stück JL 0.—0.00, Welsche per Stück JL 0.—0, Ochsenfleisch 66—00 H per Pfd., Kuh« und Rinbfleffch 50 bis 00 Kalbfleisch 40—44 H, Hammelfleisch 60 66 SchwevresteNck 64—00 Kartoffelln per 100 Kilo JL 5.75—6.00, neue Kartoffel 100 Kilo JL 10.00—12.00, Zwieven per Eir. vK. 18—20, Milch per Liter 16 und 18 H, Kirschen das Pfund 15—25 H. Frankfurt a. M., den 16. Juli, Nachmittags 2 Uhr — Min. (Telegr. Coursbericht. Mitgetheilt durch daS Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Credit- actien 315, StaatsbahnactienZW, Galizier 284*/< Oest. Silberrente 683/e, 4% Ungai. Goldrente 79V8, 4% 1880er Russen 76f/16, 2. Orient-Anleihe 61, 5% Rumänische Rente 927/i6- Tendenz fest. Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen. Vom 9. bis 16. Juli 1881. Aufgebote. 9. Juli. Eiscndreher Karl Leonhard Müller von Großgartach mit Christiane Schultheiß, Tochicr des Taglöhners Johann Heinrich Schultheiß von Stangenrod. 12. Kaufmann Johann Wilhelm Rothamel von Frankfurt a. M. mit Louise Cäcilie Karoline Stieber Tochter des Kaufmanns Georg Stieber von Gießen. 14. Zimmermann Justus Heinrich Ruckstuhl von Gießen mit Elisabethc Müller, Tochter des Wmzers Philipp Jacob Müller von Haardt, Kanton Neustadt, Königreich Bayern. Eheschließungen. 10. Juli. Pfarrer Otto Heinrich Schöner von Erbach mit Sidonte Elvlre Auguste Weber, Tochter des praktischen Arztes Dr. Hermann Weber von Gießen. Geborene. 2 Juli. Ein Sohn von auswärts, Ernst 4. Dem Schaffner Johann Friedrich Runkel ein Sohn. 4. Dem Arbeiter Clemens Fink eine Tochter, Adolfine Eleonore. 7. Dem Bäckermeister Ludwig Kroneberg ein Sohn, Karl Ludwig Wilhelm. 8. Dem Schutzmann Bal- tbasar Müller eine Tochter, Anna Elisabeth?. 8 Dem Metzgermeister Johann Heinrich Feußer ein Sohn. 9. Dem Kutscher Karl Stroh eine Tochter, Emma Friederike. 11. Dem Fuhrmann Hermann Bender eine Tochter. Katharine Christine. G e 0 r b e n c. 8. Juli. Willibald Will c!m, 4 Monate alt, Sohn des Steinhauers Johannes Kitzinger. 10 Heinrich, 3 Monate alt, von auswärts. 11. Aufseher Konrad Leib, 42 Jahre alt. 11. E'isabethe Schwaab, geb. Freihöfcr, 80 Jahre alt, Wittwe des Schneidermeisters Johannes Schwaab. 11. Margarethe Döpp, geb. Fischer, 39 Jahr alt, Ehefrau des Philipp Döpp von Friedberg. 12 Ein Sohn von auswärts, Wilhelm, 7 Monate olt. 14 Der Musketier im 2. Gioßberzogl. Hessischen Infanterie Regiment Nr. 1'6 Heinrich Hetterich, 22 Jahre alt, von Nonnenroth. 14. Adolf, 9 Jahre alt, Sohn des Landwirths Adolf Kreckel, von Stahlhofen. Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Den 10. Juli. Otto Heinrich Scköner, Pfarrer zu Kaichen und Sidonte Elvtre Auguste Weber, ledige Tochter des praktischen Arztes Dr. Hermann Weber zu Gießen. Denselben. Kaspar Keßler, Cigarrenmacher zu Gießen, ein Wittwer und Christiane Junker, geborene Dort zu Gießen, eine Wittwe. Getaufte. Den 9. Juli. Ein außerehelicher Sobn von hier Franz Wilhelm, geboren dcn 23. Juli. Den 10. Juli. Dem Professor der Theologie Dr. Emil Schürer ein Sohn, Johannes Friedrich, geboren den 19. Juni. Denselben. Dem Briefträger Philipp Wickel eine Tochter, Eleonore, geboren den 13. Juni. Denselben. Dem Anstreicher Wilhelm Rinn ein Sohn, Heinrich, geboren den 14. Mm. Denselben. Dem Tagiöhner Jacob KrauSkopf eine Tochter, Marie, geboren d.n 22. April. Den H. Juli. Dem Hilfslokomotivführer Jacob Gelhar ein Sohn, Hermann Otto, geboren den 21. Mai. Den 13. Juli. Dem Schuhmacher Justus Wilhelm Kramer ein Sohn, Georg Daniel, geboren dcn 20. Juni. Beerdigte. Den 12 Juli. Elisabethe Schwaab, aeb. Freihöfcr, Wittwe des Schneiders Johannes Schwaab, alt 80 Jahre, gefloßen den 11. Juli. Den 13. Juli. Konrad Leid, Fabrikaufseher, alt 42 Jahre, gestorben den 11. Juli. Brodpreise vom 17. bis 31. Juli 1881. der Bäcker H 1 Kgr. (2 Pfd.) Weißbrod.....32 2 „ (4 „ ) „ ..... 64 1 „ (2 „ ) Schwarzbrod I. Sorte 29 2 „ (4 „1 „ „ 58 1 „ (2 „ ) „ II. Sorte 26 2 „ (4 „ ) „ „ 52 bei Konrad Rinn III. . ♦. . .54 3 „ (6 Pfd.) Schwarzbrot» II. Sorte bei K. Wallenfels und K. Haas . 73 „ F. W. Hartmann.....75 „ H. Kuhn........171 „ L- Kroneberg, D. Rühl Wwe., ■ Chr. Faß, M. Lenz, E. Wallenfels und L. Keil ..... 78 NB. Schwarzbrot) II. Sorte wird oon W. Lange und Aug. Roll nicht verkauft. Gießen, den 16. Juli 1881. 1 2 1 2 3 1 2 3 der Brodverkäufer Kgr. (2 Pfd) Weißbrod..... „ (4 „ ) „ ..... „ (2 „ ) Schwarzbrot) I. Sorte m (4 « ) M n H (6 ff 1 „ ,, bei W. Seulina und PH. Bob . . Kgr. (2 Pfd. Schwarzbrot) II. Sorte H (4 „ ) ff „ M (6 w ) bei Emil Sauer ....... * I. Thomas ....... Großherzogliche Poltzei-Verwairung Gießen. FreseniuS. 2, 32 64 58 73 78 Allgemeiner Anzeiger. Alle Sorten auf das Feinste gerieben, fertig zum Anstrich, rasch und vviim "v“ hart trocknend, sowie alle zum Anstre-chen erforderlichen Lacke, Firnisse, Pinsel etc. empfiehlt (4146 Fr* Seibel, Mausburg. Das Bureau für Stellen-Vermittelung des Kaufmann. Vereins 4720) in Frankfurt a. M. (unter Patronat der Handelskammer), welches die weitverzweigtesten Verbindungen unterhält, besetzte in den letzten 6 Jahren gegen 5000 Commis- und Lehrlingsstellen (auch für Nichtmitglieder). ''Noon Unl„ , Hirt liaitn nr- butter d„ Äck ßJ ■OA 3,^|tnt l&7 1 h,„ )e»w« Gjkßkn. ^Una«. ' Rumäni^e > E LhGavt 66a; $*• l'i. SnfZn flrOllnt 6titbn toitr H«nriL RaästudI:oi ""v°° H°°rdt, fcnfon b'dontk Slvlke «uguß. n. Rntx Johrnn Fllr.rch sine ßitonort 7. Dm Dem Sä, uzmann iöa. Johann Hrinnch btttkr. 11. Dem jjubv unS Johanne- Rizinaee. ?üb, ^2 Jahre alt. 11 meidtlmeisterS Johanne» de- Philip» Döpp von 14. Der Musketier hn trieb, 22 Jahre alt, von Rrrckel, von tztahlhosrn. dt Eieheii. en und Sidonie ö.vtre veber zu Gießen. Wwer und Ehtt'iiisne t, geboren bin 23. et ein Evhn, Johann»« Tievnvrr, tzlbvren tr ld), geboren den 14. ifc >r, Marie, gekoren t" 1 ßohn, Hemann One, d,i Sch-Mi |i|i* dm 3a_ vereioS lufmann- tverZTooo’*:i,n,ll,ls' egen5U Bekanntmachung. Die definitiven Obligationen deS 4% Anlehens der Stadt Gießen von 1881 find gegen Rückgabe oer betreffenden Jaterimsscheiae von heute ab durch die Emisfion-stellen zu beziehen. Gießen, den 15. Juli 1881. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. -4746) Ä. Bramm. Mvbel Versteigerung. Dienstag den 19. und Mittwoch den 20. Juli, Mittag- 2 Uhr, werden tm Hause des Herrn Friedrich Müller II., gegenüber dem „Cafö Leib", gut erhalten« Möbel aller Art, namentlich vollständige sehr gut« Betten, Vorhänge Sopha-, Eauseuse, Kleiderschränke, T'sche, Schreibsecretäre, Kommode, Waschtische, Spiegel, 2 Decimalwagen mit Gerichten, versteigert. Die Gegenstände können Dienstag Vormittag angesehen werden. Gießen, den 15. Juli 1881. (4747 F. Hoffmann. Ernte Zlerstcigerung. Samstag den Sri. d. Mt6., Nachmittag- 3 Uhr, tollen nachverzeichnete Früchte des 1 rndwirthschastlichen Versuchsfeld«-, nämlich: 2 Morgen Laser, 1 „ Gerste, 1 „ Erbsen, 3 „ Roggen und Weizen, 2 „ Kartoffeln, Aw Abtheilunzen von je einem Morgen an Ort und Stelle meistbietend Den steigert werden. Der Flurschüß Völker dahier wird auf Verlangen nähere Auskunft er- ertheilen. Gießen, den 15. Juli 1881. Großh. Univerfitäl-'Rentamt. 4740) Schmitt.__________ tidiuicröiiifl. Schieferdeckerarbett zu 580.93 JC. und Glaserarbeit zu 344 JL veranschlagt, sollen im Submtssion-weg Mittwoch den 20. dS, Morgen- 11 Ubr dahier vergeben werden. Lrosdorf, den 15. Juli 1881. 4748) Da- Bürgermeisteramt. «llontag den 18. Juli, Nachmittag- 2 Uhr. soll in dem Hause b<5 Schlossers Faß in der Flügrlsgasse Möbel, Bcltwcrk, Weißzeug. Kleider. Haus- und Küchcngerälhe, Schlosserwcikzeug meistbietend versteigert werben. (4690 Hießen, den 14 Juli 1881. Müller. 4714 In der Wobnung des Buchhändler- Heinemann, Settersweg C 104, Ecke de: Lowengasse, wird Wegzugs halber Donnerstag den 21. dS. Mts., Nachmittags 2 Uhr, verschiedenes Mobiliar und Hausgeräthe gegen Baarzahlung versteigert. FcilgebotcneS. 472:1 E'ne Kinderbettlade billig zu verkaufen.____________Neuenwea B. 194. ?riihc Uolenkartosset zu verkaufen bei _________Ä. Simon, Bahnhofstraße. 4741) lZin wenig gebrauchter, eleganter Landauer ist preiswürdig zrr verkaufen. Näheres bei (6ebr Stamm._________ Neue holl Bollhärillge empfiehlt (4752) Karl Lehrmund. 5. von Gimborn s Scvrerb- und (Looir-Tintcn zeichnen sich durch lebhafte Farbe, große Flüssigkeit und schnelles Trocknen aus und liefern nach längerer Zeit scharfe, nie bleichende Copien. Lager in den div. 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Bei Erlöschen der Versicherung durch Nichtzahlung der Prämien gleich hohe Abfindung wie bei Kündigung. 4724) Stricklumpen werden stets ge- kauft pr. Kilo 40 osch. Jk 9Q hat die gehäkelte Decke ge- <444-♦ MU rvVNNen. Rechenschaftsberichte, Prospecte und jede weitere Auskunft unentgeltlich bei dem Vertreter der Anstalt J- Böck, Wallthorstr. 223. Giessen, Kirchenplatz 6, hält eich einem geschätzten Publikum bei Bedarf in allen nur möglichen Möbelarten unter Zusicherung bester und elegantester Waare sowie billigst gestellten Preisen bestens empfohlen. Grosses Lager in Kasten- und Polstermöbeln. Spiegeln, Teppichen, Vorhangstoffen, Gallerieen etc., Bettfedern und Daunen, Barchent, Drell u. s. w. Nicht Vorräthiges wird in kürzester Zeit bestens geliefert. Bei üebernahme completer Ausstattungen besondere Rabattgewährung. nbö Lao-er in Seide- und Phantasiestoffen saw« PeliiRehn^ Sonntag den 17. 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(4743 Ein geübter Spengler, sowie mehrere Arbeiter finden Beschäftigung. 4739) F. Habenicht, Lampenfabrik. Hauptbestandteile Extracte aus schweizer Medicinal- — Zuträglichey/^^ GEGEN und billiger als alle / , Verantwortliche Redactton: $L Scheyda. — Druck und Verlag der BrühPslben Druckerei (Fr. bbr. Pietsch) in Giehen. Hierzu ein zweites Blatt, Vureaur Sc!»'ls Brtri Die diesj W könnet Vom Aus! und zwar Fohlen n Die zu pl ült lein. - Fehler dem Sihmeeivtkh \ A kann i thümer von solchen eine Wegentschädig! Die Bemk Dir Preii Viehes der kleinen der Preisdewerbur Ein Die Mu! Men aufgtlrlebt Es komm b« Vogelsberger S Das schön Friedel! Die,,^v «Gerung, seht t w iß allerdings' N drei Jahre gt Gramms für bh fN N, fotvel m^^'griechi Ziehungen der @ 7/ 1° daß mQn gemeine Sri, seine Befi scheint, der Vm^ ,7 *,*•» aj> - B;. fonn durch ' -g n Ift ?Ä" Ä,:'