-?r. 151. zweites Blatt. Sonntag den 3. Juli 1881. Aießener Änzeiger Allieizk- nnb AmisdlM für irn Kreis Gießen. LZur-c.ru r Schulstraße L. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des "7ontag4. Drei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Vringerlohn. Durch bie Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi. Amtlicher Hheil. K c k a » n l m a ch u u g. Betreffend: Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1881. Das Ober-Grsatz-Geschäst für 1881 wird im Kreise Gießen Montag den 4. Juli, im Rathhause zu Lich, Vormittags 9'/r Uhr, Dienstag den 5. Juli, in dem alten Rathhause zu Gießen, Vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 6. Juli, daselbst, Vormittags 8 Uhr, Donnerstag den 7. Juli, im Gasthaus zum Rappen zu Grünberg, Vormittags 9 Uhr, stattfinden. Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Commission im Bezirk der 49. Infanterie-Brigade in fäui örtlichen Auöhebungsorten zu gestellen: a. die zur Ersatz-Reserve L Klasse in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; b. die von der Ersatzcommission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen, c. die von den Truppentheilen zur DiSpcsition der Ersatz-Behörden entlasienen Soldaten; d. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen; Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den Betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 14 Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen find außerdem anzuweifen, ihre Loosungsfcheine mit zur Stelle zu bringen. Die zur Beurtheilung von Reklamationen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen. Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober-Ersatzgeschäste selbst anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen rechtzeitig zur Stelle sind. * Gießen, am 10. Juni 1881. Der Civilvorsitzende der Großberzoglichen Ersatzcommission des Kreises Gießen. Dr. Hoffmann, RegierungSrath. Wochenschau. Einige Aufregung hatte fcifoi.bera zum Beginn dieser Woche die K>ank- heit btr Kaiserin hervorgerusen, umsomehr da die Nachricht von dem Unwohlsein der hohen Frau shr plötzlich auftrat, und die Nothwendigkeit einer Opcration einiges Bedenken verursachte. Allzuleicht scheint auch Ur Zustand der Patientin wcht ausgesoßt wordcn zu sein, denn unser Kaiser besuchte nach der Rückkehr vom Krankenbette seiner Gemahlin nach EmS ausnahmsweise l.icht daS Theater und die Brunne, promei ade, wie cs sonst seine Gewoh. Helt ist. Nach den letzten ausgegebenen Bulletins ist erfreulicherweise tu e Beste rung emgetreten und dürfte hoffentlich baldige Aussicht auf Genesung sein. Vorzüglich ist dagegen unserm kaiserlichen Herrn die Kur in EmS bekommen, und alle tron dort eintreffenden Berichte verkünden seine geistige und körperliche Rüstigkeit. Wenn nicht ai ders die Rücksicht auf die Kaiserin eine Aenderung deS Reiseplans nothwendig macht, dürste allerdings der Kaiser EmS bald verlaffen und sich nach Gasttin begeben. Für später ist, wie jetzt bereits bekannt wurde, eine Zusammenkunft mit dem Kaiser von Oesterreich in Salzburg in Aufsicht genommen, tie allerseits freudig begrüßt wird. Gitbt sie uns doch eine Gewähr für das Fortbestehen des allgemeinen Friedens. — Seinen 80. Geburtstag feierte am Mittwoch Prinz Karl, der einzige noch lebende Bruder unseres Ka serS, herzlich beglückwünscht von allen in Berlin und Potsdam weilenden Mitgliedern der kaiserlichen Familie. Es ist dieö zugleich der Tag, an welchem der Prinz vor 70 Jahren in die Armee eintrat. Noch nicht besonders günstig hat sich der Zustand des Fürsten Bismarck gestaltet, da plötzlich eine Verschlimmerung seines Letdenö die bereits festgesetzte Abreise nach Ktssingen unmöglich zu machen schien. Am Freitag Morgen hat jedoch der Fürst in Begleitung seiner Gemahlin und seiner beiden Söhne die Reise antreten können. Die Collegen des Reichskanzlers haben sich theilweise bereits von Berlin entfernt, wie die Herren v. Puttkamer, Bitter rc. Bedeutendes Aufsehen machte, obgleich sie es gar richt einmal so recht ver- diente, eine Rede des Grafen Wilhelm Bismarck im Halle'schen Thorverein zu Berlin, die zu sehr von Späßen und Witzen wimmelte, um effectvoll sein zu können, das sagen selbst die Blätter der eigenen Partei. Wichtiger war die Verhängung deS kleinen Belagerungszustandes über die „große Seestadt" Leipzig, von dem man schon oft geredet, aber an den man in Wirklichkeit gar nicht so recht ernst gedacht hatte. Vom Bundesrath wurde der Antrag Hamburgs in den Zollverband natürlich angenommen, Fürst BiSmarck hat sich ja genug darum bemüht, abgelehnt daS Unfallverficherungs-Gesitz, um das es in der jetzigen Faffung »eiter nicht groß Schade ist. Alles in Allem genommen, war also die Woche nicht besonders mit bedeutenden Ereigmffen gesegnet, und es gab wirklich Menschen, die mehr von dem Kometen am Himmel, als von der Politik sprachen. Im Aus lande spannen sich die eingefädelten Ereigniffe munter weiter aus, allerdings nicht oft zur Erbauung und Freude ihrer Urheber. Das kann namentlich Frankreich von sich sagen, welchem nach Beendigung der tunesischen Affaire seine eigene afrikanische Provinz Oran in Algerien viele Kopfschmerzen schasst. Bou Amena, ein Abenteurer, welcher sich zum Häuptling seiner StammeSgenoffen aufgeworfen und mit diesen kühne Kriegs- und Raub- züge unternommen hat, ist jetzt der Schrecken der ganzen Provinz, und was Frank «ich dem Bey von Tunis als schweres Unrecht vorhielt, daß er nämlich seine eigenen Urllerthamn nicht im Zaum halten könne, muß es sich jetzt selbst lagen laffen, da Bou Amina Viele in Oran a: sässige Spanier gefangen fort- geführt hat. Die französischen Heerführer sind nicht im Stande, daS Haupt der Aufständischen zu fangen. Elwrs ruhiger denkt man schon über die Mar- seiller Ereigniffe, die in der vergangenen Woche ausschließlich das Tagesgespräch bildeten. Italien gab sich officiell alle Mühe, den üblen Eindruck zu verwischen, und so war man denn auch in der Republik geneigt, auf die Fnedensveisicherungen ebenso zu antworten, wenngleich eS unter den Arbeitern nod) bedenklich gährt. Die Berathungen der Deputirtenkammer gaben zu feinen besonderen Erörterungen Veranlassung ebensowenig wie in England, wo die alte langwellige Landbill von Tage zu Tage ihr Dasein weiter schleppte. In Irland ist es etwas ruhiger geworden, auf der einen Seite heißt es, weil sich die Iren \u einer großen Revolution vorbereiten wollen, auf der anderen, weil sie die Erfolglosigkeit ihrer Bestrebungen einsehen. Wer Recht hat, muß die Zeit lehren. Jntereff -nt waren die Nachrichten, daß der Agitator Most wegen Aufreizung zu 16 Manaten Zwangsarbeit verurtheilt wurde, und daß die amerikanische Regierung es ablehnte, gegen die Hetzorgane der Fenier in New-York einzuschreiten. Im südöstlichen Thetle Europas war eigentlich nur von Wahle-, die Reve, in Oesterreich-Ungarn sowohl, wie aus der Balkanhalbinsel. In Ungarn hat die Regierung einen Sieg davongetragen, eb.nio auch Fürst Alexander in Bulgarien, allerdings unter Anwendung diktatorischer Maßregeln. Als ersteulichstis Wahlresultat können wir daS au- Prag über die Handelskammern begrüßen, in der bie Czechen trotz allen vor- bergebenben Scanbalmachens grünblich unterlagen. Wir sagten oben schon, baß Fürst Al xanber einen Sieg über seine par.slavistischen Gegner bavonge- trtflen habe, er wirb also Fürst bleiben. Ob allerdings die Ruhe im Lande bleiben wird, scheint mehr als fraglich, denn es ist bei der Wahl zu ganz gehörigen Exceffen gekommen, so daß sogar in verschiedenen Städten der Belagerungszustand erklärt werden mußte. Das sicht nun schließlich nicht sehr siegreich aus. In Konstantinopel ist der Proceß gegen die Mörder deS Sultans Abdul Allz jetzt entschieden worden, und iwar sind die Meisten, unter ihnen auch Midhat Pascha, zum Tode verurtheilt worden Ob das Urtheil jemals vollrogen werden wird, steht roch dahin. Von feiner KönigSreise ist Fürst Milan von Belgrad zurückgekehrt und mit großem Jubel empfangen worden. Aeußerst langsam schreitet die Entwickelung in der griechi- schen Grenzangelegenheit vor, wo von einer desiniiioen Erledigung noch wenig oder gar nichts zu merken ist. Von wirklichen Reformen, aber auch von reuen Ausnaomemaßregeln spricht man in Rußland, wodurch man sich einen vopuläcen Heiligenschein zu g«brn bemüht ist, viel wird's allerdings wohl nicht Helsen. Von den kleineren Staaten an den E'den Europas ist wenig mitzutheilen. In Dänemark währt der Confl-ct zwischen den beiden Häusern des Landtages lustig weiter. In Schweden-Norwegen hat eS einen grcßen Slr.ke gegeben und in Spanien bereitet man sich auf eine diplomatische Attaque gegen Frankreich vor, die freilich nicht sonderlich großen Erfolg haben wird. Kann der Handwerker höhere SchulbUdung brauchen? Keine öffentliche Anstalt kann sich rühmen, das Interesse des Volkes in allen, den obersten wie den untersten, Schichten fort und so für sich in Anspruch zu nehmen, als die Schule. Es ist ja auch nichts natürlicher, als daß man in einem gebildeten Volke, bei welchem die Erkenntniß: „Bildung ist Macht!" und „Was bildend, ijt nützlich!" in die weitesten Kreise gedrungen ist, mit Ernst und unermüdlich und unter vielseitigem Meinungsaustausch die Zweckmäßigkeit derjenigen Anstalt bespricht, welche zum allergrößten Theil jenes Gut allgemeiner Bildung vermittelt. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben", ist eine der vielgehörten Forderungen, mit welcher die wissenschaftliche Erziehungs- und Unterrichtslehre zugleich auch den tiefgehendsten Wünschen des Publikums e>nen treffenden Ausdruck gegeben hat. Und doch erweist sich dieses Streben der Schule, die Schüler brauchbar und tüchttg für das künftige Berufs-, Gesellschaftsund Gemeindeleben zu machen, gegenüber den Ansprüchen des Publikums als unzulänglich. Den Einen leistet sie zu wenig, den Anderen zu viel, Vielen auch beides zugleich, natürlich in verschiedenerlei Beziehungen. Mit Kopfschütteln oder offenem Widerspruch suät man die Fächer, welche die moderne Schule in den Unterrichtsplan eingeführt hat, zu verdächtigen oder zu beseitigen, wenn man die Macht dazu hat. Sehr häufig gipfeln und basiren zugleich alle diese Einwände in dem Dogma: „Das haben wir früher auch nicht gelernt^ und nicht ohne stolzes Selbstgefühl setzt man dazu: — „und wir sind auch keine dummev Kerls geworden". Da treibt man jetzt, so heißt es wohl, Physik in der Schule und schafft theure Apparate für zeitraubende Experimente an und wenn's dazu kommt, vermag ein Bursche, der diesen Unterricht genossen hat, nicht einmal einen Blitzableiter zu untersuchen oder eine Gasuhr zu repariren In der Naturgeschichte zählt man mit Hülfe der Lupe die Staubfäden und weiß doch später nicht einmal, woraus die Jutegardinen der Wohnstube gewebt sind. In der Geographie spricht man ein Langes und Brettes über Flüsse und Seen, über Gebirge und Klima, über Weiße und Schwarze, und doch weiß der gelehrte Schüler nicht einmal schnell zu sagen, wo Apolda liegt, woher der Vater doch so viel Waaren bezieht, oder er weiß nicht, wo die größten Srrohhutfabrtken sind. In der Geschichte hören die Kinder jetzt sogar auch von den alten Griechen und Römern und später wird doch mancher von den jetzt durch die Geschichte begeisterten Knaben ein Socialdemokrat. Aus dem Rechnen bringt der Knabe ellenlange (Stempel mit nach Hause und doch vermag er nicht einen einfachen Kostenanschlag zu machen. Oft hat sich das arme Kind mit Beschreibungen und Schilderungen aller Art abgemüht, hin und wieder auch einen Brief gefertigt und doch stellt es sich später noch herzlich ungeschickt, wenn es einen einfachen Geschäftsbrief schreiben soll. Der Knabe hat in der Geometrie mit Hilfe von Zirkel und Lineal Linien. Winkel und Figuren verschiedenster Art zeichnen und conftruiren, er hat selbst den Inhalt verschiedener Körper berechnen gelernt, und doch muß er auch erst lernen, wie ein Ofenrohr zugeschnitten wird. Das Mädchen hat im Freihandzeichnen schöne Ornamente gezeichnet und doch kann sie nicht das Muster zur Stickerei auf Papa's Reisetasche selbst entwerfen u. s. w. — Wer nicht glauben will, daß diese und ähnliche Vorwürfe seitens des Handwerkerstandes gegen die moderne Schule geschleudert werden, dem möchte man wünschen, einmal den auf die Schule bezüglichen Wirthshausgesprächcn zu lauschen oder als unbemerkter Zeuge den Schulausschußsitzungen beizuwohnen. Sehr oft kann man bei dieser Gelegenheit das Urtheil hören, daß die Schüler von heutzutage gar nicht mehr praktisch, vielmehr ungeschickt, zerfahren, naseweis, eingebildet wären. Und doch uergißt man zum großen Theile, wie ungeschickt man in demselben Alter zu jeglicher eigentlicher Berufsarbeit gewesen ist und daß es einem doch recht oft sauer genug geworden ist, sich emporzuarbeiten, daß man wiederholt die Unzulänglichkeit der früher erworbenen Schulkenntnisse gegenüber dem zum materiellen Wohlbefinden nvth- wendigen Vorwärtsstreben erkannt und bedauer hat. Derselbe Vater, der mit der Handschrift seines Sohnes so außerordentlich unzufrieden ist. würde sich beschämt fühlen, wenn ihm seine eigene Handschrift aus dem entsprechenden Lebensalter vorgehalten werden könnte. Ferner ist immer sestzuhalten, daß die allgemeine Volksschule eben keine Berufsschule für Kaufleute oder für Klempner u. s. w. ist, sondern daß in ihr der Schüler nur das Maß allgemeiner Bild, ng erhalten kann, welches ihn befähigt, einen bürgerlichen Beruf mii Vortheil zu ergreifen. Die besond ren Fertigkeiten jedes einzelnen Berufes müssen besonders g lernt und geübt werden. Daß sich dabei ein mit vorzüglichen Schulkenntnissen ausgestattetcr Knabe oft recht linkisch anstellen mag, wer wollte das bezweifeln, gehört doch bekanntlich zu den mechanischen Fertigkeiten eine besondere Beanlagung, die nicht immer sich mit geistiger Fähigkeit paart. Hält es nun schon schwer, vielen Handwerkern gegenüber die sogenannten neuen Fächer der Volksschule siegreich zu vertheidigen, so wird man die Erfahrung machen, daß ihnen die Bildung, welche eine von den der Bürgerschule zunächststehenden höheren Schulen gewährt, für einen Handwerker geradezu schädlich erscheint. In verschärfter Weise wiederholt man hier die oben angeführten Vorwürfe. Namentlich erscheint ihnen der Unterricht in fremden Sprachen als den Zwecken und Vorbedingungen des Handwerks vollständigzuwiderlaufend. Man sagt, daß durch einen derartigen Unterricht das Interesse des Knaben vom Einheimischen weg und auf das Fremde hin, vom ruhigen Prüfen des Nahen zum ziellosen Schweifen in die F rne geleitet werde. Dazu werde auch durch die Aufnahme eines so massenhaften Memorierstoffes das Gedächtniß des Schülers überladen und seine Thatkraft geschwächt. Wenn nur wenigstens das Erlernen des Französischen und Englischen etwas nütze und für einen Handwerker praktisch nutz, bar werden könnte. Abgesehen baoon, daß die Erlernung fremder sprachen das Gedächtniß in ausgezeichneter Weife übt und stärkt, „Witz und Scharfsinn, Phantasie und Verstand hebt und Sinn für Gutes und Schönes weckt und durch die Nöthigung zu Ausdauer und Beharrlichkeit die Willenskraft stählt" — also gewiß Vor. ge, die auch das Handwerk fördern können — so haben sich doch mit den Zeiten auch derer, praktische Anforderungen gesteigert. Das Zeitalter der Dampfkraft hat nicht nur das äußere Antlitz der Erde es hat auch den innersten Character der Menschheit, wie ihres Thuns und Treibens' ihres Handels und Verkehrs und vor allen Dingen auch ihrer Industrie vollständig umgewandelt. Die Erweiterung des internationalen Verkehrs, dessen Maschen täglich weiter noch mußten gesponnen und nach innen immer dichter werden, nöthigt die Völker und damit auch den Einzelnen in ausgedehnterem Maße als früher, die Mittel gegenseitiger Verständigung zu pflegen. Man wende nicht ein, daß den Verkehr nut dem Auslande der Kaufmann zu besorgen habe, welcher ja zu diesem Zwecke die nöthige englische und französische Correspondenz erlerne. Bei der Unmittelbarkeit des heutigen großen Verkehrs würde ein Industrieller sehr oft mit großem Vortheil direct mit einem fremdländischen Abnehmer verkehren kön"en, wenn er der betreffenden Sprache nur einigermaßen mächtig wäre. Anstatt dessen streicht der vermittelnde Kaufmann für leichte Mühe bedeutenden Gewinn ein. Aber auch in anderer Weise kann die Erlernung fremder Sprachen (englisch und französisch) dem Handwerker außerordentlich nützlich werden, indem ihm dadurch die Werkstätten jener Nationen erschlossen werden, die in seinem Berufszweige Hervorragendes leisten. In dieser Beziehung ist dem geistreichen Philosophen Hippel unbedingt zuzustimmen, wenn er sagt: „Viele Sprachen sind viele Creditbriefe, zeige sie vor und Du bist überall willkommen." Dem einfachen Arbeiter in der Blouse stehen die Werkstätten des gewerblichen England offen; aber er kann sich nur dann in Besitz der fremdländischen Vortheile setzen, wenn er der Sprache des betreffenden Volkes mächtig ist. Nach Jahren tüchtiger Arbeit in der Fremde, wird er dann in die Heimath zurückkehren, nicht mehr befangen von heimischen Vorurtheilen die sich ausnahmslos gegen alles Fremde wenden. Und tbut es unsrer Industrie die sich ja zu einer respectablen Höhe emporgeschwungen hat, nicht Noth. daß sie im Wettkampfe mit anderen Industriestaaten fort und fort nach Vervollkommnung strebt und daher die Vortheile und Vorzüge letzterer kennen lernt und sich anzueignen sucht ? Angesichts dieser Vortheile, welche eine höhere Schulbildung auch dem Handwerk gewährt, kann wohl getrost behauptet werden, daß dieselbe das Handwerk nicht hemmt, daß sie vielmehr im Stande ist, dasselbe zu beben und zu fördern. cl. Verwischtes. Zur Nachachtung für Alle, die als Zeuge, Geschworene oder Sachverständige vor Gericht citirt werden, thetlt die „Berl. Gertcktsztg." den nachstehenden Fall mit: Einer unserer Mitbürger war kurz vor Pfingsten als Zeuge geladen und jandte am Tage vor oem Termin die Mittheilung an's Gericht, daß er krank sei und daher nicht kommen könne. Da die Krankheit nicht bescheinigt war. wurde er in die Kosten des Termins und in eine Ordnungsstrafe von 30 genommen. Es drohte ihm aber eine noch schwerere Strafe aus § 138 des Strafgesetzbuchs, den wir hiermit Allen in's Gedächtniß zurückrufen wollen. Darnach wird nämlich Derjenige, der, als Zeuge, Geschworener oder Sachverständiger berufen, eine Unwahr- heit als Entschuldigung vorschützt, mit Gefängniß bis zu zwei Monaten bestraft. Die Geld, strafe ist also ausgeschlossen. Ein Widersacher des oben erwähnten ManneS hat nun die Anzeige gemacht, daß Jener gar nicht krank war, sondern sich am Ternunstage bei einer Landvartbie beteiligt hat. — [folgen des Aergers bei Kanarienvögeln). Ein Gerichtsvollzieher in Bnlin pfändete unter Zuziehung des Gläubigers bei einem Schuldner vierzehn Kanarienvögel mitsammt den Käfigen. Als der Gerichtsvollzieher einige Tage später die gepfändeten Vögel abholen will sitzen vierzehn Sperrlinge in den Käfigen. „Wo sind die Kanarienvögel?" ist die erste Fcage des Gerichtsvollziehers. „Die sind ja da", antwortete der Schuldner; „kann ick denn davor daß die Bande vor Aerger grau geworden; wenn ick eenen Gerichtsvollzieher sehe, kriege ich ooch graue Haare" Dem Gerichtsvollzieher gelang es nicht, den Verbleib der gelbgefiederten Sänger zu ermitteln; zu einer Anzeige bei der Behörde kam es nicht, denn Kläger und Beklagter hatten sich inzwischen geeinigt. — Heber das Eisenbahn-Unglück in Mexiko werden aus Newyork folgende Einzelheiten gemeldet: Das Unglück ereignete sich am 24. ds. am späten Nachmittag. Die Brücke, welche einstürzte, war durch die jüngsten Ueberschwemmungen geschwächt worden, und gab in Folge besten dem Druck des Bahnzuges nach. Auf demselben befand sich das 3. Jnfantene-Bataillon. Dem Zuge waren Waggons angehängt, welche mit Fässern Alcohol beloben waren, der beim Einsturz in Brand geriete Dreizehn Offiziere und 192 Gemeine wurden entweder durch den Sturz auf der Stelle qetödtct, oder ertranken nachher; fünfzig andere trugen mchr oder weniger ernstliche Verletzungen davon. Der Lokomotivführer und der Httzer befinden sich unter den Getöbteten. Der Zug selber verbrannte gänzlich. Wie verlautet, wußte man, daß die Brücke nicht im besten Zustande war. Die Eisenbahn war erst am 18 ds. eröffnet worden. Allgemeiner Anzeiger. Dienstag den 5. Juli d. I., 26 Flur Nr. Flur Nr. 222 I 223 Flur Nr. 331 Grobherzogliches Ortsgericht Gießen. q r. k » # ; « « 26 26 als: 295,35 — 663 lll Meter Grab garten am untersten Riegelpfad, — 13 Klftr. Hvfratthe in dem Katharinengäßchen, — 10 Klftr. Grabgarten daselbst, Dienstag den 5. Juli d. I., Nachmittags 3 Uhr, sollen die Immobilien des Georg Franz und Wilhelm Kalderlah, als: Nachmittags 3 Uhr, werden die zum Nachlaß des Heinrich Wetßgerber m Gießen gehörenden Immobilien, 9qr 571 -300^Mtr.Wohn- ^°'361 Haus daselbst, 294,6 - 75 0 3J2tr. Grabgarten daselbst einer freiwilligen Versteigerung ausgesetzt. Gießen, den 28. Juni 1881. (Srnfcbmoal. Ortsaerickt Gießen. — 2 Klftr.Hofraum,Miststätte daselbst, öffentlich fteiwillig versteigert werden. Gießen, den 28. Juni 1881. Mobiliar Versteigerung. Montag den 4. und Dienstag den 5. Juli, Mittags 2 Uhr, werden im Hause des Herrn Fr. Müller II. am Wallthor, gegenüber dem Cas6 Leib, folgende Gegenstände gegen Baarzahlung versteigert: eine Causeuse mit sechs gepolsterten Stühlen, zwei Sessel, mehrere Sopha's, Stühle, ein Ausziehtisch, Damen-Schreibtisch, ovale und andere Tische, zwei Chiffonier's, tannene ein» und zweithürige Kleiderschränke, Nußbaum-Bettstellen, Waschkommode mit Marmoraufsatz, ein großer Pfeilerspiegel mit Trümeaux und weißer Marmorplatte, ovale und andere Spiegel, Regulator, Kommoden, Consolschränkcheu, Brandkiste, ein vollständiges Kinderbett, Küchenschrank rc., sowie sehr feine, wenig getragene Herren- und Frauen-Kleider, sehr gutes Weißzeug, Betten, Kupfergeschlrr, Waschkessel, Bügelofen mit Plättchen, ein großer Mörser, Bilder, Nähmaschine, Einmachbüchsen, 1 Pianino rc. Sämmtliche Gegenstände sind sehr gut erhalten und können am Montag, Vormittags von 10 Uhr an, eingesehen werden. Bemerkt wird noch, daß die Möbel am Dienstag zur Versteigerung kommen. Gießen, den 28. Juni 1881. 4405)Hoffmann, Ortsgerichtsmann. Ich empfehle: % und 12/4 Rein Leinen in allen Qualitäten, weißen Pique, Damaste, Flockpique, Chiffons, Madapolams, ferner große Auswahl in Taßeltüchern, Tischtüchern, Servietten, Handtüchern, abgepaßt sowie im Stück, zu den billigsten Preisen. Anfertigung u. prompteste Lieferung ganzer Ausstattungen. 4399) JP. HoSberfj, Kirchenplatz. XXXXXXXXXXXXIXXXXXXXXXXXXX § Vorzüglichste Kindernahrulrg. 8 | Knorrs | x Präparirtes Hafermehl 8 X übertrifft jedes andere Hafermehl 1WE £ X empfiehlt (4383X * Karl Schwaab s MlicatesserchaMimg. n XXXXXXXXXXXXIXXXXXXXXXXXXX empfiehlt seine weltberühmten, vielfach präniiirten Fenerlöfch^ Spritzen jeglicher Größe und Gattung nach neuester verbesserter Construction. Feuerlösch - tieräthschaiten, B 3 Schläuche, l'nifornistticke etc. etc. Jllustrirte Catalogc gratis franco. 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